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Der Incubus

Verfasst: Montag 3. September 2007, 22:52
von Lanaya Shevanor
*Zitternd loderten die Kerzenflammen auf als müssten sie sich zwingen ihr diffuses Licht in der Bibliothek zu verbreiten. Dumpfe Schritte von einem Teppich gedämpft begleiteten ein leises Murmeln welches ein aufmerksamer Zuhörer sicherlich zu einem Stirnrunzeln veranlasst hätte. Eine Zeit lang setzte sich dies fort doch dann verstummten die Laute. Neue, für diesen Ort vermutlich vertrautere, Geräusche klangen auf die ein jeder wohl als das Kratzen einer Feder über Pergament gedeutet hätte. Würde man der Schreiberin über die Schulter sehen könnte man folgende Zeilen lesen*


Der Incubus

In alten Schriften wird der Incubus der Familie der Schwarzalben zugeschrieben. Oftmals ein interessanter Begleiter der Traumweber die es wagen ihn an sich zu binden. Hierbei sei erwähnt das es einem männlichen Illusionisten vermutlich um einiges leichter fallen würde da diverse Gefahren nicht aufkommen denen sich jede weibliche Person aussetzt. Dennoch, die Gefahr billigt die Macht dahinter und somit auch für die Unseren ein würdiges Studienobjekt. Ein Incubus ist ein männlicher Dämon der sich von der Lebensenergie junger Frauen nährt. Man sagt ihnen nach das sie sich des Nachts mir ihrem Opfer paaren und ihm somit die Lebensenergie entziehen. Die Frauen wachen bei dem Akt ob der Magie des Incubus nicht auf und erinnern sich bestenfalls in einem Traum an das Vorgefallene. Gleichsam zieht dieses Ereignis natürlich Folgen mit sich. Den Alben sagt man nach das sie den Betroffenen Alpträume schicken um sie für ihre Zwecke zu lenken oder sich schlichtweg an den Folgen zu erfreuen. So auch der Incubi. Die gewonnene Macht nutzt er um ähnlich der Illusionisten auf den Geist des Opfers einzuwirken. Sexualität ist eine mächtige Wissenschaft für sich. Vertrauen eine ihrer Grundlagen die man sich durchaus zu nutze machen kann. Viele offenbaren bei derlei ihre innersten Seiten, kehren nach außen was bislang gut verborgen lag. Dies trifft auch auf die Opfer eines Incubus zu und somit kommen diese Dämonen oftmals schneller an ihr Ziel. Sie sind effektiv einzusetzen, schwer zu bändigen und niemals, niemals ist ihr Durst nach Macht gesättigt. Erhalten sie die Möglichkeit oder finden einen schwachen Moment nutzen sie diesen. Einmal im Bann des Dämonen ist es nahezu unmöglich ihm aus eigener Kraft zu entkommen. Somit also ein Tanz mit dem Feuer.

Jüngere Schriften fachsimpeln darüber ob der Incubus zuerst als Succubi auftritt um auch die weibliche Form zu nutzen wobei die Schriften des Adaven Syrales genau diesen Vorgang widerlegen. Vielmehr geht er in seinem Werk über die Nachtmahre wie man sie auch nennt auf die weibliche Seite im Manne oder auch die männliche Seite in der Frau ein. Das er sich hierbei auf die Dämonen bezieht muss ich wohl nicht anfügen. Zu verstehen ist es als solches: Eine Sammlung von maskulinen Attributen im Unbewussten der Frau. Beispielsweise in Form von Träumen, Visionen und vielleicht sogar entsprechenden Erlebnissen. Im Positiven kann dies sicherlich motivierend, inspirierend und über aus faszinierend sein während die negative Seite sich wie so vieles den Abgründen unserer Seelen widmet. Wobei selbiges auf den Mann bezogen natürlich in umgekehrter Form zutrifft Somit ist zweifelsohne die Nähe von Succubi zu Incubus gegeben doch so ähnlich sie sich in gewissen Dingen und Eigenheiten sein mögen so verschieden erscheinen sie bei naher Betrachtung. Beide sind sie Nachtdämonen den Alben zugehörig. Auch rauben beide den Opfern ihre Kraft während des nächtlichen Beischlafes der im Übrigen auf gleiche Art und Weise abläuft – ihre Opfer erwachen nicht. Der gravierende Unterschied ist das die Succubi oder auch wie man sie früher nannte die Lilim sich einzig auf die männlichen Aspekte beziehen und so ein Samen fruchtet die Kraft des Kindes das in ihrem eigenen Leibe entsteht verzehren. Ein Incubus jedoch lässt von seinem Opfer ab sobald die Saat seiner Lenden keimt und wendet sich einem Anderen zu. Ob man jene jungen Frauen jedoch als glücklich bezeichnen kann halte ich für gewagt. Zwar verlieren sie ob der Wirkungen des Dämonen nicht den Verstand doch wird ihre Leibesfrucht mit Sicherheit zu einem Kind voller Bosheit heranwachsen. In belegten Versuchen wurde dokumentiert das diese Kinder bereits in jungen Jahren dazu neigen ihre Vertrauten zu hintergehen und alles erdenkliche daran setzen ihnen Schmerz zuzufügen. Sei es auf körperlicher oder mentaler Basis. Zwei Jahre war das jüngste Mädchen eines der dokumentierten Fälle 13 Jahre der älteste Junge. Langlebig sind die Kinder eines Incubus nicht. Zauberhafte Schönheit, Anmut und eine hohe Intelligenz zeichnen sie aus aber keines erreichte eine Altersspanne die über das Zwanzigste Jahr hinaus geht. Ein interessanter und durchaus unterhaltsamer Nebeneffekt wie ich meine.


*Das Kratzen der Feder verstummte einige Augenblicke und Lanaya legte das Pergament zur Seite ehe sie ein Buch heran zog. Vorsichtig fuhren die blassen Finger über den rötlichen Einband während sich die feinen Nackenhaare mit einem Prickeln aufrichteten. Komplizierte Runen und Ornamente wurden nahezu liebevoll nachgefahren und die Achtung die sie derlei Werken entgegenbrachte war kaum zu übersehen. Ehe sie auch nur daran dachte es aufzuschlagen zog sie die langen, schwarzen Seidenhandschuhe an die bis weit über den Ellenbogen reichten und normalerweise zu einem ihrer edlen Gewänder gehörten. Alt und vergilbt schien das Buch dennoch eine gewisse Ausstrahlung zu bergen und überaus vorsichtig wurden die kostbaren, zerbrechlichen Seiten mit den behandschuhten Händen umgeblättert. Endlich hatte sie gefunden wonach sie suchte und das Kratzen der Feder setzte wieder ein...*


Lebensraum und Umgebung eines Incubus sind nicht einwandfrei belegt. In Anbetracht seiner Wirkungsweise und des verfügbaren Spektrums an diversen Eigenschaften wird es jedoch ein düsterer, dunkler Ort sein den kein Tageslicht durchdringt. Auch werden Kälte, Dunkelheit vorherrschen. Vielleicht ähnlich einem kargen Raum bei Nacht, undurchdringlicher Nebel und vor lästerlichen Blicken verborgen. Da diese Dämonen nachtaktive Wesen sind die ihre Kräfte aus ihren Opfern beziehen bezweifle ich das die Tiefen dieser Sphären all zu weltfremd erscheinen. Vermutlich sind sie der Unseren gar nicht so unähnlich da doch genügend Übergänge ohne Zutun eines Kundigen erfasst wurden. Sagen, Lieder, Geschichtenerzähler – viele dichteten und reimten etwas über derlei Wesen zusammen was bei einigen des Volkes noch bekannt ist. Sobald der Morgen graut suchen sie sich den Weg in ihre Ebene zurück. Man sagt ihnen nach das sie einiges wenn nicht gar alles der erhaltenen Energie verlieren so sie zu lange Licht und Wärme ausgesetzt sind. Was die Optik und das Auftreten eines Incubus betrifft scheinen die Meinungen auseinander zu gehen. Die Succubi sind als übernatürlich schöne Wesen beschrieben deren Körper bei einem einzigen Blick die Leidenschaft weckt. Ihren Opfern treten sie als makellose Schönheit ihrer Gattung entgegen in der natürlichen Form jedoch verfügen sie über lederne Schwingen die ähnlich denen eines Gargoyles in scharfen Klauen enden. Hufe und ein geschuppter, langer Schwanz an der Kehrseite als auch oftmals eine Peitsche die symbolisch für Schmerz und Lust steht runden dieses Bild ab. Ein Incubus jedoch wird in seiner natürlichen Form als schemenhaftes, düsteres Wesen beschrieben das einem Alptraum entsprungen sein könnte. Unmöglich scheint es diese Form würdig in Worte zu fassen doch vermag es ein schattenhafter Klotz mit kalten Augen, scharfen Zähnen und Klauen durchaus treffen. Ähnlich dem Succubi tritt auch der Incubus in den Träumen der Opfer als Idealverformung ihres Traummannes auf. Diese Tatsache erschwert es das Wirken eines der beiden Dämonen einwandfrei zu erfassen. Schon oftmals wurden einfache, erotische Träume auf einen Nachtalben zurückgeschrieben nur um sich nach Wochen der Beobachtung als nichtig zu erweisen. Einzig die Begleiterscheinungen vereinfachen es abzuschätzen ob sich kompliziertere, magische Applikationen lohnen den jeweiligen Fall zu erforschen.

Zu diesen Begleiterscheinungen zählen außerhalb der begleitenden Träume

Müdigkeit
verlust des Realitätsbewusstsein
unerfüllte Sehnsucht die sich nicht auf ein Ziel richtet
unerklärbare Flüssigkeiten auf dem Laken
Angst
Nervosität
Agrresivität


Hiermit sind wohl die Häufigsten erfasst wenngleich sich diese Liste beliebig fortsetzen lässt. Sollte eine Schwangerschaft auf diese Begleiterscheinungen folgen hat seine Magnifizenz Vindor erfolgreich festgehalten wie der Incubus in diesem Falle weiter verfährt. Wie er zu diesen Erkenntnissen gelangte kann man als Ordensmitglied in seinem Werk 'Versuche an dem menschlichen Wesen Band 4' im fünften Kapitel nachschlagen. Dort wird bekundet das diese Dämonem im Gegesantz zu den Succubi diese Kinder nicht verzehren sondern sie mit ihrer Kraft nähren. Vermutlich wird bei diesem Vorgang die verderbte Saat gefördert was ihr späteres Verhaltensmuster schlüssig erklären würde. In einem anderen Werk dessen Verfasser ich hier nicht nennen möchte ist von einer Art 'ausbrüten' die Rede. Beide Arcomagi belegten übereinstimmend das der Incubus die Schwangere während dieses Zustandes, ja Zustand ist das treffende Wort denn diese Schwangerschaft ist keinesfalls angenehm. Scheinbar sind die Kinder bereits im Leib unruhig, übermenschlich groß und treten beständig um sich. Nun.. wie auch immer, sie belegten übereinstimmend den Umstand der nächtlichen Überwachung. Ohne sich weiter von dem geschwängerten Objekt zu nähren sucht der Incubus dieses auf, verharrt auf seinem Leib und hüllt diesen mit seiner schattenhaften Gestalt ein. Ähnlich dem Wirken der arkoritherlichen Magie verzerren sich die Klänge des Liedes bei diesem Vorgang auf bizarre Art und Weise. Was genau die Dämonen bewirken lässt sich nicht belegen. Vermutungen zu Folge wirkt es sich auf das Betragen des Säuglings aus. Meinen Studien nach könnte es gleichsam eine andere Form des Verzehrens ähnlich dem der Succubi in einem solchen Falle sein was die Lebensdauer der Kinder zusätzlich belegt.

Damit sind wohl die grundlegenden Züge eines solchen Dämonen erfasst. Was die Beschwörung betrifft wählte ich für meine Versuche die Nachtstunde. Pentakel, Schutzkreis und diverse Symbole die der Bannung dienten als Grundvoraussetzung. Bei der Wahl von Donarium und Paraphernalium hielt ich mich eng an die Gier und Ängste des Incubus. Eine Fackel, des Lichtes und der Wärme wegen, zusätzlich zu Robe und Stab der gleichsam durch einen leichten Eingriff in die Klänge warmes Tageslicht verströmte. Bajard wird eines seiner Bauernmädchen vermissen doch schien mir ihre Jungfräulichkeit und die damit verbundene Wirkung auf den Dämonen durchaus passend. Da meine Versuche mit dem Wesen und vor Allem auch dem betroffenen Opfer noch nicht abgeschlossen sind kehrt es des Tages in den düsteren Keller der Burg zurück. Weder wird es in seine Ebene entlassen noch vermag es die bannenden Symbole zu durchbrechen. Die Klänge werden mit jedem 'Nähren' deutlicher, kraftvoller und bald schon werde ich versuchen ihn für andere Zwecke einzusetzen um diese Studie weiter zu führen.


*Eine Abschrift der bisherigen Ausarbeitung wird vorerst nur der Maestra vorgelegt. Wie immer scheint die Schrift sauber, ordentlich ohne einen einzigen schiefen Strich oder gar Tintenkleckse aufzuweisen. Gleichsam wird man in der Burg einen Aushang vorfinden dessen Inhalt sich erst einem aufmerksamen Leser eröffnet*

Verfasst: Dienstag 2. Oktober 2007, 15:25
von Lanaya Shevanor
Ein bedauernder Blick zurück auf das Bett dann schob sie sich lautlos durch die Türe. Erst draußen ließ die Kälte den vergessenen Mantel vermissen. Der morgendliche Nebel kroch in grauen Schwaden durch die Gassen und aufmerksam sah sie sich um. Die letzten Tage war sie überaus ausgeruht und ausgeglichen was für ihre kleine List nur vorteilhaft sein konnte. Nachdenklich wurden die Augen einen Herzschlag lang geschlossen. Sie spielte, zog die Fäden und lenkte in eine Richtung die man nicht vermutete. Wochen hatte sie diesen lästigen Dämonen genährt. Inzwischen war er nicht mehr mit dem zu vergleichen was sie damals beschworen hatte. Zufrieden fuhr der Blick über die unbeständige Gestalt. Alleine der Anblickt genügte den Hass aufwallen zu lassen und das drückende Gefühl jenes entstand so sie miteinander in Verbindung traten machte es nicht besser.

Es beruhte auf Gegenseitigkeit. Man mochte sich nicht und sie war sicher das jede Gelegenheit genutzt würde den bindenden 'Fesseln' zu entkommen. Die kommenden Nächte jedoch würden die Studie dem Ende nahe bringen und so er sie tatsächlich überleben sollte würde sie sich mit ihm befassen. Es war leicht gewesen sie zu überzeugen. Zu leicht, fast etwas enttäuschend doch war der daraus entstehende Umstand entscheidend und somit gab sie sich zufrieden. Unruhig flackerten die Kerzen in dem düsteren Kellergewölbe. Noch erniedrigte sie das Wesen, ließ es nicht ziehen sondern zögerte den Moment nach dem es sich sehnte so lange als möglich hinaus. In dieser Nacht würde sein Ziel ganz in der Nähe sein.

Leise Lachend zog sie den Umhang vor der Brust zusammen und sah zu das Haus zu verlassen. Die Türen schlossen sich hinter ihr und die unscheinbaren Runen hinter der jeder andere eine Zierung vermutet hätte glammen auf. Einst war sie hier zu Hause gewesen und sie hatte sich vor geraumer Zeit bereits eingestanden das sie die Anwesenheit des Alten ab und an vermisste. Laufend kämpfte sie sich durch das Waldstück. Der Weg mochte kurz sein doch tückisch war er allemal. Äste kratzten über das Gesicht und Sträucher hielten den Stoff zurück um an ihm zu reißen. Dennoch verlor sie den Incubus nicht einen Augenblick aus den Augen. Er war viel schneller solange sie diese Art und Weise des Vorankommens zu wahren pflegte. Schließlich jedoch war man am Ziel.

Tiefste Schwärze herrschte im Schatten der hohen Mauern und kein Strahl des Mondlichtes schaffte es diese zu durchdringen. Lautlos verschaffte sie dem Wesen Zugang um sich dann auf den Zinnen der Burgmauer wiederzufinden. Wie sie so schnell hinauf gekommen war konnte man nur vermuten. Der Umhang floss den Rücken hinab und sie verharrte in einer geduckten Haltung. Von Draußen würde man sie einzig als dunklen Schatten erkennen. Vor ihr jedoch lagen die kleinen Fenster. In einem flackerte ein Lichtschein und erst als dieser verlosch hoben sich die Mundwinkel erneut.


Es hatte begonnen.


Die Geräusche jene durch das Fensterchen drangen zeugten von der Nacht. Wie würde ER reagieren? Schmunzelnd verlagerte sie die Haltung etwas ohne den 'Logenplatz' aufzugeben. Ein gefährliches Spiel. Mochte sie auch zugestimmt haben die Entscheidung wirkte sich auf das aus was ihr inne wohnte. Vermutlich würde er den kleinen, unausgereiften Incubus wie ein lästiges Insekt bei Seite wischen. Diesen Umstand bezweifelte sie nicht die Frage jene sie interessierte war die Frage wann und wie es soweit sein würde. In dieser Nacht jedoch schien es noch nicht so weit. Ein beherzter Sprung in die Tiefe und sie war im Schatten verschwunden. Erst in den Morgenstunden würde ihr unfreiwilliger Diener zurückkehren. Bis dahin wusste sie sich zu beschäftigen.

Verfasst: Dienstag 2. Oktober 2007, 19:16
von Lythiana Cronor
Sie hatte eingewilligt. Die Entscheidung, obgleich binnen weniger Augenblicke gefällt, war ihr weitaus schwerer gefallen als es den Anschein gehabt haben mochte – doch waren weder ihre Bedenken, noch die Gründe für ihre Zustimmung für die Ohren der Schwester bestimmt. Wichtig für sie war allein, dass die Studie fortgesetzt werden konnte.

Lange noch saß Lythiana in dieser Nacht am Schreibtisch, den Blick auf ein Buch gerichtet, ohne wirklich darin zu lesen, und grübelte. Weshalb überhaupt diese Bedenken? Rein logisch betrachtet gab es keine. Sie kannte die Nebenwirkungen, kannte aber auch den Nutzen der Ergebnisse, den die Studie bringen würde, und wusste, dass ihr jener Dämon nicht tatsächlich gefährlich werden konnte. Abgesehen davon.. wann hatte sie je auf Grund eines bestimmten persönlichen Risikos Forschung und Wissen abgelehnt? Nein... ihre Bedenken lagen auf einer gänzlich anderen Ebene. Und gerade deshalb hatte sie sich letztlich dazu entschlossen, sie zurück zu stellen und einzuwilligen. Sie sollte letztlich über solcherlei Dinge erhaben sein... und war es immer noch, oder?

Spät wurde es in dieser Nacht – oder eher früh? - bis die Kerzen im Schlafgemach erloschen und sie, nicht zuletzt dank eines einfachen Trankes, in einen leichten Schlaf sank. Als Lythiana erwachte war es taghell im Turm – es musste Mittag, wenn nicht gar schon Nachmittag sein. Doch es war ungewöhnlich kalt... am ganzen Körper zitterte sie, obgleich das Laken unter ihr vollkommen durchgeschwitzt schien. Bibbernd angelte sie die Bettdecke vom Boden und rollte sich wieder auf dem Bett zusammen. Meherere Minuten vergingen, in denen sie nur dalag und versuchte die Traumfetzen, die ab und an in ihr Bewusstsein drangen, zu einem kompletten Bild zusammen zu setzen – und dieses mit dem Ereignis, dass unzweifelhaft stattgefunden haben musste, zu vergleichen. Erstaunlich.. traf es einen gänzlich unvorbereitet mochten die Auswirkungen auf Dauer verheerend sein. Ob die Schwester wohl....? Ja, natürlich war sie in der Nähe gewesen. Sie selbst würde nicht anders handeln. Bei diesem Gedanken huschte ein sachtes, wenn auch sichtlich erschöpftes Lächeln über das kränklich blasse Gesicht. Es war sicher hörenswert gewesen.

Doch nun würde sie aufstehen und sich der Unterrichtsvorbereitung widmen... Lucan würde in wenigen Stunden erscheinen. Langsam setzte sich die Arkoritherin auf und kletterte aus dem Bett – und stellte zwei Sekunden später fest, dass ihr langsam aber sicher schwarz vor den Augen wurde. Und so ließ sie sich wieder fallen. Erst einmal ausruhen...