Der Incubus
Verfasst: Montag 3. September 2007, 22:52
*Zitternd loderten die Kerzenflammen auf als müssten sie sich zwingen ihr diffuses Licht in der Bibliothek zu verbreiten. Dumpfe Schritte von einem Teppich gedämpft begleiteten ein leises Murmeln welches ein aufmerksamer Zuhörer sicherlich zu einem Stirnrunzeln veranlasst hätte. Eine Zeit lang setzte sich dies fort doch dann verstummten die Laute. Neue, für diesen Ort vermutlich vertrautere, Geräusche klangen auf die ein jeder wohl als das Kratzen einer Feder über Pergament gedeutet hätte. Würde man der Schreiberin über die Schulter sehen könnte man folgende Zeilen lesen*
Der Incubus
In alten Schriften wird der Incubus der Familie der Schwarzalben zugeschrieben. Oftmals ein interessanter Begleiter der Traumweber die es wagen ihn an sich zu binden. Hierbei sei erwähnt das es einem männlichen Illusionisten vermutlich um einiges leichter fallen würde da diverse Gefahren nicht aufkommen denen sich jede weibliche Person aussetzt. Dennoch, die Gefahr billigt die Macht dahinter und somit auch für die Unseren ein würdiges Studienobjekt. Ein Incubus ist ein männlicher Dämon der sich von der Lebensenergie junger Frauen nährt. Man sagt ihnen nach das sie sich des Nachts mir ihrem Opfer paaren und ihm somit die Lebensenergie entziehen. Die Frauen wachen bei dem Akt ob der Magie des Incubus nicht auf und erinnern sich bestenfalls in einem Traum an das Vorgefallene. Gleichsam zieht dieses Ereignis natürlich Folgen mit sich. Den Alben sagt man nach das sie den Betroffenen Alpträume schicken um sie für ihre Zwecke zu lenken oder sich schlichtweg an den Folgen zu erfreuen. So auch der Incubi. Die gewonnene Macht nutzt er um ähnlich der Illusionisten auf den Geist des Opfers einzuwirken. Sexualität ist eine mächtige Wissenschaft für sich. Vertrauen eine ihrer Grundlagen die man sich durchaus zu nutze machen kann. Viele offenbaren bei derlei ihre innersten Seiten, kehren nach außen was bislang gut verborgen lag. Dies trifft auch auf die Opfer eines Incubus zu und somit kommen diese Dämonen oftmals schneller an ihr Ziel. Sie sind effektiv einzusetzen, schwer zu bändigen und niemals, niemals ist ihr Durst nach Macht gesättigt. Erhalten sie die Möglichkeit oder finden einen schwachen Moment nutzen sie diesen. Einmal im Bann des Dämonen ist es nahezu unmöglich ihm aus eigener Kraft zu entkommen. Somit also ein Tanz mit dem Feuer.
Jüngere Schriften fachsimpeln darüber ob der Incubus zuerst als Succubi auftritt um auch die weibliche Form zu nutzen wobei die Schriften des Adaven Syrales genau diesen Vorgang widerlegen. Vielmehr geht er in seinem Werk über die Nachtmahre wie man sie auch nennt auf die weibliche Seite im Manne oder auch die männliche Seite in der Frau ein. Das er sich hierbei auf die Dämonen bezieht muss ich wohl nicht anfügen. Zu verstehen ist es als solches: Eine Sammlung von maskulinen Attributen im Unbewussten der Frau. Beispielsweise in Form von Träumen, Visionen und vielleicht sogar entsprechenden Erlebnissen. Im Positiven kann dies sicherlich motivierend, inspirierend und über aus faszinierend sein während die negative Seite sich wie so vieles den Abgründen unserer Seelen widmet. Wobei selbiges auf den Mann bezogen natürlich in umgekehrter Form zutrifft Somit ist zweifelsohne die Nähe von Succubi zu Incubus gegeben doch so ähnlich sie sich in gewissen Dingen und Eigenheiten sein mögen so verschieden erscheinen sie bei naher Betrachtung. Beide sind sie Nachtdämonen den Alben zugehörig. Auch rauben beide den Opfern ihre Kraft während des nächtlichen Beischlafes der im Übrigen auf gleiche Art und Weise abläuft – ihre Opfer erwachen nicht. Der gravierende Unterschied ist das die Succubi oder auch wie man sie früher nannte die Lilim sich einzig auf die männlichen Aspekte beziehen und so ein Samen fruchtet die Kraft des Kindes das in ihrem eigenen Leibe entsteht verzehren. Ein Incubus jedoch lässt von seinem Opfer ab sobald die Saat seiner Lenden keimt und wendet sich einem Anderen zu. Ob man jene jungen Frauen jedoch als glücklich bezeichnen kann halte ich für gewagt. Zwar verlieren sie ob der Wirkungen des Dämonen nicht den Verstand doch wird ihre Leibesfrucht mit Sicherheit zu einem Kind voller Bosheit heranwachsen. In belegten Versuchen wurde dokumentiert das diese Kinder bereits in jungen Jahren dazu neigen ihre Vertrauten zu hintergehen und alles erdenkliche daran setzen ihnen Schmerz zuzufügen. Sei es auf körperlicher oder mentaler Basis. Zwei Jahre war das jüngste Mädchen eines der dokumentierten Fälle 13 Jahre der älteste Junge. Langlebig sind die Kinder eines Incubus nicht. Zauberhafte Schönheit, Anmut und eine hohe Intelligenz zeichnen sie aus aber keines erreichte eine Altersspanne die über das Zwanzigste Jahr hinaus geht. Ein interessanter und durchaus unterhaltsamer Nebeneffekt wie ich meine.
*Das Kratzen der Feder verstummte einige Augenblicke und Lanaya legte das Pergament zur Seite ehe sie ein Buch heran zog. Vorsichtig fuhren die blassen Finger über den rötlichen Einband während sich die feinen Nackenhaare mit einem Prickeln aufrichteten. Komplizierte Runen und Ornamente wurden nahezu liebevoll nachgefahren und die Achtung die sie derlei Werken entgegenbrachte war kaum zu übersehen. Ehe sie auch nur daran dachte es aufzuschlagen zog sie die langen, schwarzen Seidenhandschuhe an die bis weit über den Ellenbogen reichten und normalerweise zu einem ihrer edlen Gewänder gehörten. Alt und vergilbt schien das Buch dennoch eine gewisse Ausstrahlung zu bergen und überaus vorsichtig wurden die kostbaren, zerbrechlichen Seiten mit den behandschuhten Händen umgeblättert. Endlich hatte sie gefunden wonach sie suchte und das Kratzen der Feder setzte wieder ein...*
Lebensraum und Umgebung eines Incubus sind nicht einwandfrei belegt. In Anbetracht seiner Wirkungsweise und des verfügbaren Spektrums an diversen Eigenschaften wird es jedoch ein düsterer, dunkler Ort sein den kein Tageslicht durchdringt. Auch werden Kälte, Dunkelheit vorherrschen. Vielleicht ähnlich einem kargen Raum bei Nacht, undurchdringlicher Nebel und vor lästerlichen Blicken verborgen. Da diese Dämonen nachtaktive Wesen sind die ihre Kräfte aus ihren Opfern beziehen bezweifle ich das die Tiefen dieser Sphären all zu weltfremd erscheinen. Vermutlich sind sie der Unseren gar nicht so unähnlich da doch genügend Übergänge ohne Zutun eines Kundigen erfasst wurden. Sagen, Lieder, Geschichtenerzähler – viele dichteten und reimten etwas über derlei Wesen zusammen was bei einigen des Volkes noch bekannt ist. Sobald der Morgen graut suchen sie sich den Weg in ihre Ebene zurück. Man sagt ihnen nach das sie einiges wenn nicht gar alles der erhaltenen Energie verlieren so sie zu lange Licht und Wärme ausgesetzt sind. Was die Optik und das Auftreten eines Incubus betrifft scheinen die Meinungen auseinander zu gehen. Die Succubi sind als übernatürlich schöne Wesen beschrieben deren Körper bei einem einzigen Blick die Leidenschaft weckt. Ihren Opfern treten sie als makellose Schönheit ihrer Gattung entgegen in der natürlichen Form jedoch verfügen sie über lederne Schwingen die ähnlich denen eines Gargoyles in scharfen Klauen enden. Hufe und ein geschuppter, langer Schwanz an der Kehrseite als auch oftmals eine Peitsche die symbolisch für Schmerz und Lust steht runden dieses Bild ab. Ein Incubus jedoch wird in seiner natürlichen Form als schemenhaftes, düsteres Wesen beschrieben das einem Alptraum entsprungen sein könnte. Unmöglich scheint es diese Form würdig in Worte zu fassen doch vermag es ein schattenhafter Klotz mit kalten Augen, scharfen Zähnen und Klauen durchaus treffen. Ähnlich dem Succubi tritt auch der Incubus in den Träumen der Opfer als Idealverformung ihres Traummannes auf. Diese Tatsache erschwert es das Wirken eines der beiden Dämonen einwandfrei zu erfassen. Schon oftmals wurden einfache, erotische Träume auf einen Nachtalben zurückgeschrieben nur um sich nach Wochen der Beobachtung als nichtig zu erweisen. Einzig die Begleiterscheinungen vereinfachen es abzuschätzen ob sich kompliziertere, magische Applikationen lohnen den jeweiligen Fall zu erforschen.
Zu diesen Begleiterscheinungen zählen außerhalb der begleitenden Träume
Müdigkeit
verlust des Realitätsbewusstsein
unerfüllte Sehnsucht die sich nicht auf ein Ziel richtet
unerklärbare Flüssigkeiten auf dem Laken
Angst
Nervosität
Agrresivität
Hiermit sind wohl die Häufigsten erfasst wenngleich sich diese Liste beliebig fortsetzen lässt. Sollte eine Schwangerschaft auf diese Begleiterscheinungen folgen hat seine Magnifizenz Vindor erfolgreich festgehalten wie der Incubus in diesem Falle weiter verfährt. Wie er zu diesen Erkenntnissen gelangte kann man als Ordensmitglied in seinem Werk 'Versuche an dem menschlichen Wesen Band 4' im fünften Kapitel nachschlagen. Dort wird bekundet das diese Dämonem im Gegesantz zu den Succubi diese Kinder nicht verzehren sondern sie mit ihrer Kraft nähren. Vermutlich wird bei diesem Vorgang die verderbte Saat gefördert was ihr späteres Verhaltensmuster schlüssig erklären würde. In einem anderen Werk dessen Verfasser ich hier nicht nennen möchte ist von einer Art 'ausbrüten' die Rede. Beide Arcomagi belegten übereinstimmend das der Incubus die Schwangere während dieses Zustandes, ja Zustand ist das treffende Wort denn diese Schwangerschaft ist keinesfalls angenehm. Scheinbar sind die Kinder bereits im Leib unruhig, übermenschlich groß und treten beständig um sich. Nun.. wie auch immer, sie belegten übereinstimmend den Umstand der nächtlichen Überwachung. Ohne sich weiter von dem geschwängerten Objekt zu nähren sucht der Incubus dieses auf, verharrt auf seinem Leib und hüllt diesen mit seiner schattenhaften Gestalt ein. Ähnlich dem Wirken der arkoritherlichen Magie verzerren sich die Klänge des Liedes bei diesem Vorgang auf bizarre Art und Weise. Was genau die Dämonen bewirken lässt sich nicht belegen. Vermutungen zu Folge wirkt es sich auf das Betragen des Säuglings aus. Meinen Studien nach könnte es gleichsam eine andere Form des Verzehrens ähnlich dem der Succubi in einem solchen Falle sein was die Lebensdauer der Kinder zusätzlich belegt.
Damit sind wohl die grundlegenden Züge eines solchen Dämonen erfasst. Was die Beschwörung betrifft wählte ich für meine Versuche die Nachtstunde. Pentakel, Schutzkreis und diverse Symbole die der Bannung dienten als Grundvoraussetzung. Bei der Wahl von Donarium und Paraphernalium hielt ich mich eng an die Gier und Ängste des Incubus. Eine Fackel, des Lichtes und der Wärme wegen, zusätzlich zu Robe und Stab der gleichsam durch einen leichten Eingriff in die Klänge warmes Tageslicht verströmte. Bajard wird eines seiner Bauernmädchen vermissen doch schien mir ihre Jungfräulichkeit und die damit verbundene Wirkung auf den Dämonen durchaus passend. Da meine Versuche mit dem Wesen und vor Allem auch dem betroffenen Opfer noch nicht abgeschlossen sind kehrt es des Tages in den düsteren Keller der Burg zurück. Weder wird es in seine Ebene entlassen noch vermag es die bannenden Symbole zu durchbrechen. Die Klänge werden mit jedem 'Nähren' deutlicher, kraftvoller und bald schon werde ich versuchen ihn für andere Zwecke einzusetzen um diese Studie weiter zu führen.
*Eine Abschrift der bisherigen Ausarbeitung wird vorerst nur der Maestra vorgelegt. Wie immer scheint die Schrift sauber, ordentlich ohne einen einzigen schiefen Strich oder gar Tintenkleckse aufzuweisen. Gleichsam wird man in der Burg einen Aushang vorfinden dessen Inhalt sich erst einem aufmerksamen Leser eröffnet*
Der Incubus
In alten Schriften wird der Incubus der Familie der Schwarzalben zugeschrieben. Oftmals ein interessanter Begleiter der Traumweber die es wagen ihn an sich zu binden. Hierbei sei erwähnt das es einem männlichen Illusionisten vermutlich um einiges leichter fallen würde da diverse Gefahren nicht aufkommen denen sich jede weibliche Person aussetzt. Dennoch, die Gefahr billigt die Macht dahinter und somit auch für die Unseren ein würdiges Studienobjekt. Ein Incubus ist ein männlicher Dämon der sich von der Lebensenergie junger Frauen nährt. Man sagt ihnen nach das sie sich des Nachts mir ihrem Opfer paaren und ihm somit die Lebensenergie entziehen. Die Frauen wachen bei dem Akt ob der Magie des Incubus nicht auf und erinnern sich bestenfalls in einem Traum an das Vorgefallene. Gleichsam zieht dieses Ereignis natürlich Folgen mit sich. Den Alben sagt man nach das sie den Betroffenen Alpträume schicken um sie für ihre Zwecke zu lenken oder sich schlichtweg an den Folgen zu erfreuen. So auch der Incubi. Die gewonnene Macht nutzt er um ähnlich der Illusionisten auf den Geist des Opfers einzuwirken. Sexualität ist eine mächtige Wissenschaft für sich. Vertrauen eine ihrer Grundlagen die man sich durchaus zu nutze machen kann. Viele offenbaren bei derlei ihre innersten Seiten, kehren nach außen was bislang gut verborgen lag. Dies trifft auch auf die Opfer eines Incubus zu und somit kommen diese Dämonen oftmals schneller an ihr Ziel. Sie sind effektiv einzusetzen, schwer zu bändigen und niemals, niemals ist ihr Durst nach Macht gesättigt. Erhalten sie die Möglichkeit oder finden einen schwachen Moment nutzen sie diesen. Einmal im Bann des Dämonen ist es nahezu unmöglich ihm aus eigener Kraft zu entkommen. Somit also ein Tanz mit dem Feuer.
Jüngere Schriften fachsimpeln darüber ob der Incubus zuerst als Succubi auftritt um auch die weibliche Form zu nutzen wobei die Schriften des Adaven Syrales genau diesen Vorgang widerlegen. Vielmehr geht er in seinem Werk über die Nachtmahre wie man sie auch nennt auf die weibliche Seite im Manne oder auch die männliche Seite in der Frau ein. Das er sich hierbei auf die Dämonen bezieht muss ich wohl nicht anfügen. Zu verstehen ist es als solches: Eine Sammlung von maskulinen Attributen im Unbewussten der Frau. Beispielsweise in Form von Träumen, Visionen und vielleicht sogar entsprechenden Erlebnissen. Im Positiven kann dies sicherlich motivierend, inspirierend und über aus faszinierend sein während die negative Seite sich wie so vieles den Abgründen unserer Seelen widmet. Wobei selbiges auf den Mann bezogen natürlich in umgekehrter Form zutrifft Somit ist zweifelsohne die Nähe von Succubi zu Incubus gegeben doch so ähnlich sie sich in gewissen Dingen und Eigenheiten sein mögen so verschieden erscheinen sie bei naher Betrachtung. Beide sind sie Nachtdämonen den Alben zugehörig. Auch rauben beide den Opfern ihre Kraft während des nächtlichen Beischlafes der im Übrigen auf gleiche Art und Weise abläuft – ihre Opfer erwachen nicht. Der gravierende Unterschied ist das die Succubi oder auch wie man sie früher nannte die Lilim sich einzig auf die männlichen Aspekte beziehen und so ein Samen fruchtet die Kraft des Kindes das in ihrem eigenen Leibe entsteht verzehren. Ein Incubus jedoch lässt von seinem Opfer ab sobald die Saat seiner Lenden keimt und wendet sich einem Anderen zu. Ob man jene jungen Frauen jedoch als glücklich bezeichnen kann halte ich für gewagt. Zwar verlieren sie ob der Wirkungen des Dämonen nicht den Verstand doch wird ihre Leibesfrucht mit Sicherheit zu einem Kind voller Bosheit heranwachsen. In belegten Versuchen wurde dokumentiert das diese Kinder bereits in jungen Jahren dazu neigen ihre Vertrauten zu hintergehen und alles erdenkliche daran setzen ihnen Schmerz zuzufügen. Sei es auf körperlicher oder mentaler Basis. Zwei Jahre war das jüngste Mädchen eines der dokumentierten Fälle 13 Jahre der älteste Junge. Langlebig sind die Kinder eines Incubus nicht. Zauberhafte Schönheit, Anmut und eine hohe Intelligenz zeichnen sie aus aber keines erreichte eine Altersspanne die über das Zwanzigste Jahr hinaus geht. Ein interessanter und durchaus unterhaltsamer Nebeneffekt wie ich meine.
*Das Kratzen der Feder verstummte einige Augenblicke und Lanaya legte das Pergament zur Seite ehe sie ein Buch heran zog. Vorsichtig fuhren die blassen Finger über den rötlichen Einband während sich die feinen Nackenhaare mit einem Prickeln aufrichteten. Komplizierte Runen und Ornamente wurden nahezu liebevoll nachgefahren und die Achtung die sie derlei Werken entgegenbrachte war kaum zu übersehen. Ehe sie auch nur daran dachte es aufzuschlagen zog sie die langen, schwarzen Seidenhandschuhe an die bis weit über den Ellenbogen reichten und normalerweise zu einem ihrer edlen Gewänder gehörten. Alt und vergilbt schien das Buch dennoch eine gewisse Ausstrahlung zu bergen und überaus vorsichtig wurden die kostbaren, zerbrechlichen Seiten mit den behandschuhten Händen umgeblättert. Endlich hatte sie gefunden wonach sie suchte und das Kratzen der Feder setzte wieder ein...*
Lebensraum und Umgebung eines Incubus sind nicht einwandfrei belegt. In Anbetracht seiner Wirkungsweise und des verfügbaren Spektrums an diversen Eigenschaften wird es jedoch ein düsterer, dunkler Ort sein den kein Tageslicht durchdringt. Auch werden Kälte, Dunkelheit vorherrschen. Vielleicht ähnlich einem kargen Raum bei Nacht, undurchdringlicher Nebel und vor lästerlichen Blicken verborgen. Da diese Dämonen nachtaktive Wesen sind die ihre Kräfte aus ihren Opfern beziehen bezweifle ich das die Tiefen dieser Sphären all zu weltfremd erscheinen. Vermutlich sind sie der Unseren gar nicht so unähnlich da doch genügend Übergänge ohne Zutun eines Kundigen erfasst wurden. Sagen, Lieder, Geschichtenerzähler – viele dichteten und reimten etwas über derlei Wesen zusammen was bei einigen des Volkes noch bekannt ist. Sobald der Morgen graut suchen sie sich den Weg in ihre Ebene zurück. Man sagt ihnen nach das sie einiges wenn nicht gar alles der erhaltenen Energie verlieren so sie zu lange Licht und Wärme ausgesetzt sind. Was die Optik und das Auftreten eines Incubus betrifft scheinen die Meinungen auseinander zu gehen. Die Succubi sind als übernatürlich schöne Wesen beschrieben deren Körper bei einem einzigen Blick die Leidenschaft weckt. Ihren Opfern treten sie als makellose Schönheit ihrer Gattung entgegen in der natürlichen Form jedoch verfügen sie über lederne Schwingen die ähnlich denen eines Gargoyles in scharfen Klauen enden. Hufe und ein geschuppter, langer Schwanz an der Kehrseite als auch oftmals eine Peitsche die symbolisch für Schmerz und Lust steht runden dieses Bild ab. Ein Incubus jedoch wird in seiner natürlichen Form als schemenhaftes, düsteres Wesen beschrieben das einem Alptraum entsprungen sein könnte. Unmöglich scheint es diese Form würdig in Worte zu fassen doch vermag es ein schattenhafter Klotz mit kalten Augen, scharfen Zähnen und Klauen durchaus treffen. Ähnlich dem Succubi tritt auch der Incubus in den Träumen der Opfer als Idealverformung ihres Traummannes auf. Diese Tatsache erschwert es das Wirken eines der beiden Dämonen einwandfrei zu erfassen. Schon oftmals wurden einfache, erotische Träume auf einen Nachtalben zurückgeschrieben nur um sich nach Wochen der Beobachtung als nichtig zu erweisen. Einzig die Begleiterscheinungen vereinfachen es abzuschätzen ob sich kompliziertere, magische Applikationen lohnen den jeweiligen Fall zu erforschen.
Zu diesen Begleiterscheinungen zählen außerhalb der begleitenden Träume
Müdigkeit
verlust des Realitätsbewusstsein
unerfüllte Sehnsucht die sich nicht auf ein Ziel richtet
unerklärbare Flüssigkeiten auf dem Laken
Angst
Nervosität
Agrresivität
Hiermit sind wohl die Häufigsten erfasst wenngleich sich diese Liste beliebig fortsetzen lässt. Sollte eine Schwangerschaft auf diese Begleiterscheinungen folgen hat seine Magnifizenz Vindor erfolgreich festgehalten wie der Incubus in diesem Falle weiter verfährt. Wie er zu diesen Erkenntnissen gelangte kann man als Ordensmitglied in seinem Werk 'Versuche an dem menschlichen Wesen Band 4' im fünften Kapitel nachschlagen. Dort wird bekundet das diese Dämonem im Gegesantz zu den Succubi diese Kinder nicht verzehren sondern sie mit ihrer Kraft nähren. Vermutlich wird bei diesem Vorgang die verderbte Saat gefördert was ihr späteres Verhaltensmuster schlüssig erklären würde. In einem anderen Werk dessen Verfasser ich hier nicht nennen möchte ist von einer Art 'ausbrüten' die Rede. Beide Arcomagi belegten übereinstimmend das der Incubus die Schwangere während dieses Zustandes, ja Zustand ist das treffende Wort denn diese Schwangerschaft ist keinesfalls angenehm. Scheinbar sind die Kinder bereits im Leib unruhig, übermenschlich groß und treten beständig um sich. Nun.. wie auch immer, sie belegten übereinstimmend den Umstand der nächtlichen Überwachung. Ohne sich weiter von dem geschwängerten Objekt zu nähren sucht der Incubus dieses auf, verharrt auf seinem Leib und hüllt diesen mit seiner schattenhaften Gestalt ein. Ähnlich dem Wirken der arkoritherlichen Magie verzerren sich die Klänge des Liedes bei diesem Vorgang auf bizarre Art und Weise. Was genau die Dämonen bewirken lässt sich nicht belegen. Vermutungen zu Folge wirkt es sich auf das Betragen des Säuglings aus. Meinen Studien nach könnte es gleichsam eine andere Form des Verzehrens ähnlich dem der Succubi in einem solchen Falle sein was die Lebensdauer der Kinder zusätzlich belegt.
Damit sind wohl die grundlegenden Züge eines solchen Dämonen erfasst. Was die Beschwörung betrifft wählte ich für meine Versuche die Nachtstunde. Pentakel, Schutzkreis und diverse Symbole die der Bannung dienten als Grundvoraussetzung. Bei der Wahl von Donarium und Paraphernalium hielt ich mich eng an die Gier und Ängste des Incubus. Eine Fackel, des Lichtes und der Wärme wegen, zusätzlich zu Robe und Stab der gleichsam durch einen leichten Eingriff in die Klänge warmes Tageslicht verströmte. Bajard wird eines seiner Bauernmädchen vermissen doch schien mir ihre Jungfräulichkeit und die damit verbundene Wirkung auf den Dämonen durchaus passend. Da meine Versuche mit dem Wesen und vor Allem auch dem betroffenen Opfer noch nicht abgeschlossen sind kehrt es des Tages in den düsteren Keller der Burg zurück. Weder wird es in seine Ebene entlassen noch vermag es die bannenden Symbole zu durchbrechen. Die Klänge werden mit jedem 'Nähren' deutlicher, kraftvoller und bald schon werde ich versuchen ihn für andere Zwecke einzusetzen um diese Studie weiter zu führen.
*Eine Abschrift der bisherigen Ausarbeitung wird vorerst nur der Maestra vorgelegt. Wie immer scheint die Schrift sauber, ordentlich ohne einen einzigen schiefen Strich oder gar Tintenkleckse aufzuweisen. Gleichsam wird man in der Burg einen Aushang vorfinden dessen Inhalt sich erst einem aufmerksamen Leser eröffnet*