"Nur Ihr und ich!"
Verfasst: Montag 27. August 2007, 00:51
von Darna von Hohenfels
Soviel also dazu, nach Bajard gehen zu wollen.
Schon an der Kutsche sollte sie überfallen werden, was ihr angesichts des Mannes im Lumpenhemd doch etwas amüsierte. Das Vertrauen Temoras in sie und ihr Vertrauen in Temora war nahezu jederzeit als wärmendes Gefühl irgendwo im Innern zu spüren, eine innerliche Ruhe und Gewißheit, sie wäre bei Bedrohung selber geschützt und konnte in Zeiten der Not jederzeit schützen.
Zeiten der Not... sie musterte den erbärmlichen Halunken vor sich. Auch "erbärmlich" stammt von "Erbarmen"... Was mochte ihn treiben? Er schien nicht zu ahnen, daß er sich in der Wahl eines unterlegenen Opfers deutlich vertan hatte. Und vielleicht hatte er auch irgendwie Glück.
Doch bevor dieses Treffen eine Entscheidung hatte finden sollen, hatten schwere Huftritte sich auf der Straße genähert und es wurde brutal an den Zügeln des Pferdes gerissen, um es zum Stehen zu zwingen. Sie brauchte das Gesicht nicht zu sehen, um zu wissen, wer so mit seinem Tier umging, und es weckte jedesmal zornige Strenge in ihr.
"Ich sehe, Ihr quält immernoch das gleiche Pferd, Sarel. Vielleicht sollte ich es von seinem Peiniger erlösen."
Ihr verbaler Schlagabtausch brachte die Menschen zu stehen. Auch geistig - auf der einen oder der anderen Seite. Oder jene, die die Entscheidung mal wieder scheuten, es war immer wieder ein wenig seltsam. Doch es sollte nicht hier stattfinden, keiner Belustigung der Massen dienen. Sie hatte eine Rechnung mit ihm offen, und er war nur zu bereit.
"Am Anfang der Woche, vor der Abenddämmerung. Im Wäldchen in der Nähe des Schreines der Geistigkeit."
"Ich werde da sein."
Das war in der Nähe der rahaler Grenze, in der Nähe eines Ortes, der ihr Kraft gab und neutraler Boden, hoffentlich fernab ungebetener Besucher.
"Nein Savea, ich will diesmal keine eigenmächtig herumfliegenden Pfeile - ich gehe allein!" Ihre Magd ging mit eisig gefrorener Miene, doch diesmal hatte Darna nicht vor, das irgendwie an sich rühren zu lassen. Adrian hatte recht, es gab Savea nur Macht über sie.
Stattdessen war mit klarem Kopf dennoch Vorsorge zu treffen. Sie wusste, in der Nähe wohnte auch Cyrion. Schon allein diese Tatsache war eine Rückversicherung. Adrian hatte ihre Ansätze, das Duell zur Sprache zu bringen, vollkommen verpeilt - sie nahm das als Wink des Schicksals angesichts ihrer Unsicherheit, ob und wie es ihm überhaupt zu sagen war.
Es war zum Haareraufen, daß den Mägden in ihrer Anhänglichkeit nicht mehr zuzutrauen war, sich an Anweisungen zu halten, gerade wenn die Lage ernst wurde. Wobei Shaya sich da einsichtiger zeigte als Savea...
Sie würde Vorsorge treffen. Doch bis morgen konnte noch viel passieren.
Verfasst: Montag 27. August 2007, 12:12
von Sarel
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht legte er sich zur Ruhe, zur Ruhe die er vor dem Treffen mit Darna dringend braucht. Doch zufrieden war der Gemütszustand. Mal wieder hatte ihm das Schicksal einen Vorteil in die Hände gespielt. Einen Vorteil mit dem er Darna reizen konnte, ihre Ängste und Sorgen ansprechen konnte. Gefühle, Empfindungen, Schwächen im Angesicht eines Kriegers des Herrn der zu allem bereit und entschlossen war.
Ich werde sie zu Fehlern zwingen..
Nocheinmal dreht er die erbeutete Haarsträhne in den Händen ehe er die Augen schliesst und mit dem zufrieden Lächeln einschläft.
Verfasst: Dienstag 28. August 2007, 20:09
von Darna von Hohenfels
"Hochmut kommt vor dem Fall."
Jedesmal reizte sie Sarels selbstgefällige Art, mit der er alles unter seinen Willen zu zwingen versuchte, war es das geschundene Pferd, das er mit brachialer Gewalt lenkte, oder mochten es wohl seine Gefangenen sein. Sie musste selber aufpassen, sich davon nicht in gewisser Weise anstecken zu lassen - ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, verlangte, auch tatsächlich besser zu sein, und eines blieb er bei aller Arroganz: wahrlich gefährlich.
Dennoch: "Ihr scheint nicht begriffen zu haben, was Ihr herausgefordert habt, Sarel."
Sie spürte den Schrein der Geistigkeit im Rücken so gegenwärtig wie die Luft in ihren Lungen und den Boden unter ihren Füßen. Gleichzeitig hegte sie nicht die Absicht, auch nur einen Fuß auf den verdammten Boden Rahals zu setzen. Mit plumpen alten Kniffen versuchte er sie zu reizen. "Selissas Schwert, nun ihre Haare... ich würde es schätzen, den Rest von ihr in einer vollständigen Gesamtlieferung zu erhalten."
Crain sollte sie laut seinen Worten haben. Sie verengte die Augen. Lief es doch tatsächlich endlich darauf hinaus? Auch sie hatte inzwischen durch einige Begegnungen gelernt, daß auch der Schild eine Waffe sein konnte, und ihr eigenes Schwert malträtierte die metallene Wand, hinter der sich Sarel wie gewohnt versteckt. "Ich zerleg dir das lästige Ding, und dann bist du dran." Kerben gruben sich in seinen Schild, seine Rüstung, während er frustriert wohl feststellen musste, daß seine Waffe bei sehr vielen anderen Leuten längst Blut geleckt hätte, doch dieser goldene Schutz, der bei jedem Treffer trotzend aufglänzte, schien kaum durchdrungen zu werden.
Endlich ein Schmerzenlaut von ihr - und kurze Zeit später Licht, das durch die durchbrochene Rüstung von innen nach außen zu dringen schien. Keine Beeinträchtigung ihrer Bewegung mehr. Darna spürte, wie sich die Wunde schloß, während ein Winkel ihres Geistes fast in gemütlicher Beiläufigkeit den Unterschied zwischen den Lehren der Göttin und einer schmerzhaften Lektion wie dieser für Sarel genauer zu fassen versuchte. Und die stetige Mahnung: nicht überheblich werden!
Ein unangenehmes Schaudern, sie sah sich um. Zu weit. Sie hatte ihn zu weit vorgetrieben, begann, sich auf Feindesland zu bewegen. Sarel keuchte und schnaufte, und als er ihr Zögern bemerkte, nutzte er die Gelegenheit zu einer winzigen Pause.
"Gebt auf!"
"Niemals."
Genauso stur wie der Lethar gestern, auch wenn sie kaum anderes erwartet hatte. In diesem Moment wünschte sie sich wirklich, ihn endlich niederzustrecken. Einzig schwankte sie, ob es dann für Selissas Wohl mehr Sinn machte, wenn sie ihn mitnahm, oder wenn sie ihn als Bote zu Fuß nach Hause schicken würde. Einen Lidschlag zu spät bemerkte sie, wie unter seiner heruntergezogenen Maske irgendein Elixier den Weg durch seine Kehle nahm - womöglich ein Heiltrank, schien er danach den zuvor durchhängenden Schildarm doch wieder heben zu können. "Das wird dich auch nicht retten."
"ALATAR... GIB MIR DIE KRAFT!"
"Das vielleicht schon eher. Doch noch begriffen?", dachte ein zynischer Winkel im Hinterkopf noch frech, als sie Sarel auch schon wie einen Berserker auf sich zustürmen sah. "Jetzt einen Stadtgraben..." - im gleichen Atemzug ärgerte sie sich, als sein Schwert mit neuer Wucht auf ihre Rüstung krachte. Für Albernheiten war nun wirklich keine Zeit, trotzdem fand sie nicht zu der Konzentration, die sie sich gerade gewünscht hätte. Die Schläge trieben sie allein schon durch die Energie dahinter zurück, während er ihre instinktiv geführten Konterschläge überhaupt nicht zu beachten schien. "Im Moment würde er selbst tödlich verwundet wohl noch kämpfen, verdammt nochmal, so kriegst du ihn nicht gebremst, ohne ihn zu tö..."
Die blass lilane Schwertspitze durchbrach mit einem markerschütternden Schrei von ihm ihren Schulterpanzer, glitt am Schlüsselbein vorbei und bohrte sich in ihr Fleisch. Ein kaltes, lähmendes Gefühl. Sie wusste nicht, wie ihr Geist griff, wonach er griff - sie wusste plötzlich nur, daß direkt hinter ihr wieder der Schrein war, und den Zwang, auf ein Knie gehen zu müssen, wandelte sie zur Bitte vor der Herrin, mochte es für den Anblick auch keinen Unterschied machen. "Ich bin hier sicher. Du, Sarel, kannst mich hier nicht besiegen. Du hast noch nicht begriffen." Aus den Fenstern des Schreines drang das übliche Licht, nicht mehr als eh und je, und doch schien es an der Rüstung sich mit deren eigenen Glanz zu verbinden und wie eine Wand vor dem rahaler Kerkermeister. Mit neuer Kraft schmetterte sie ihm ihre Schildkante entgegen, wie er es bei ihr in ihrem ersten Duell gemacht hatte. "Auch das kriegst du zurück, Mistkerl." Wie ein Baum kippte die Masse des Hünen nach hinten und schlug mit einem lauten Scheppern auf.
Gerne wäre sie ihm nachgesetzt, doch lähmender Schmerz hielt sie unten. Was, zum Donnerkuckuck, war das für eine Waffe? "Herrin!", entfuhr es ihr laut, grimmig wie auch gequält. Ihr zitternder Schwertarm hielt den Griff fest umklammert.
Sarel kam wieder zu Bewußtsein und versuchte, sich aufzurichten, ihm fehlte ebenso die Kraft dafür, trotz hämischen Lachens, als er die Lage realisierte. Und er wusste, daß ihm die Zeit davonrann - wieder sammelte sich zusammenballend Licht um die Paladin, eine Kraftquelle, die gegen ihn arbeitete. Ein leiser Pfiff, der seinem Pferd galt. Hilflos und bei dem mitleiderregenden Anblick, wie das Tier mit gebrochenem Geist und Furcht in den Augen dem Ruf des Quälers folgte, wurde sie wütend. Sie konnte es nicht verhindern, wenn sie nicht schneller...
"Sarel... Ich will meine Knappin wieder." Endlich konnte sie langsam aufstehen und sah mit zusammengepressten Zähnen, wie er sich unter leisem Stöhnen auf sein Pferd zog. "Das... liegt... nicht in meiner Macht, von Elbenau... Und Euch rettet dieser Ort... über diese Kraft verfüge ich nicht..."
"Ihr habt Glück, Crain noch selber zu sagen, daß ich ihn mir vorknöpfen werde."
"Sagt ihm... das selber..."
Nichts, was er einzugestehen bereit war. Für was war er dann hergekommen, um sich an ihr als Sandsack zu erfreuen? "Elender Bastard", grollte sie nun zornig, "Das werdet Ihr büßen."
"Ihr habt es nicht geschafft, mich zu schlagen, als ich am Boden lag... und auch ich schaffte es nicht... Euch zu schlagen als Ihr .. am Boden wart.."
Nein, sie würde ihn auch jetzt nicht erschlagen, wo sie wieder stand und er um sein Bewusstsein ringend auf seinem Pferd mehr hing als saß.
"Dankt allen Mächten, zu denen Ihr noch beten könnt, Sarel. Und wenn ich nicht beim nächsten Mal allen Wert darauf legen soll, Euch wie einen tollwütigen Hund zu erschlagen, seht zu, daß Selissa frei kommt, sie hat mit all dem nichts zu tun."
"Wie Ihr... meint..."
Sie betrat den Schrein und ließ sich auf eines der Kissen nieder. Nichts. Sie hatte nichts in der Hand, um Selissa da raus zu holen. Ein Sieg gegen den Kerkermeister hätte ihr vermutlich irgendeinen Vorteil verschafft. Während ihr Geist vor der grün-goldenen Steinplatte zur Ruhe kam, löste sich die Rüstung auf, verschmolz mit dem Glänzen, das beständig diesen Ort erfüllte.
Der Schmerz in der Schulter aber blieb. Sie presste die linke Hand auf die Wunde. Warum schloß sie sich nicht? "Hilf mir bitte", wisperte sie, doch immer mehr Blut tränkte die weiße Bluse. "Hilf mir bitte." Wieder und wieder. Sie fühlte sich wie zum Warten verdammt, als wäre die Lösung aller Probleme zum Greifen nahe, und aber irgendwas... "Hilf mir bitte."