Ein Tag bei den Tiefländern und die Erscheinung des Panthers
Verfasst: Samstag 25. August 2007, 20:45
Es war zu dumm. Als ich mich wieder einmal nach Bajard begab, um nach ketzerischem Pack Ausschau zu halten, gleichsam natürlich auch nach möglichen Dienern des Einen, hielt ich vor der Taverne inne, als zwei Pferde meine Aufmerksamkeit erregten. Sie waren größer und kräftiger als normale Pferde und Aufgrund ihrer seltsamen Färbung, konnte ich daraus schließen, dass sie diesen Wilden aus Lameriast gehörten. Den Tiefländern.
Erst am gestrigen Tage, hatte ich einen der Ihren zu Boden gestreckt. Nachdem er mich angriff, traf ihn die Strafe Alatars mit voller Wucht. Bajard, das sich im Schutze der Neutralität versteckte, war eigentlich meist ein ruhiges Örtchen. Aber nur allzugern schlossen sich die Bürger dort zusammen, wenn es irgendwo etwas zu beschützen gab und es wurde ein wahrlicher Mob daraus. Also konnte ich meine Arbeit nicht zu Ende führen und den Tiefländer töten, da sich wieder einmal genügend Leute einmischten, um mich daran zu hindern. Doch sei es wie es sei, dachte ich mir, seine Lektion hatte er gelernt.
Als ich also die Pferde betrachtete und fieberhaft überlegte, drangen Geräusche aus dem Inneren der Taverne an mein Ohr. Vermutlich prügelten sich die Tiefländer gerade, dachte ich mir und rief meinen Gefährten, einen Panther, aus der anderen Spähre zu mir. Schemenhaft nahm er seine Gestalt an und ohne dass ich etwas sagen mußte, verstand er meine stumme Aufforderung. Das Tier hob drohend die Pranke, als es sich den Pferden näherte und stieß ein furchtbares Brüllen aus. Das reichte um die Tiere zu beunruhigen und so rief ich den Panther zu mir und wich möglichst lautlos in die Ecke der Taverne, um dort in der Dunkelheit zu verharren. Mein Plan ging tatsächlich auf, die Tür der Taverne öffnete sich und ich konnte hören wie sich jemand nach draußen begab. Es war allem Anschein nach nur ein Mann, der zweite blieb in der Taverne und prügelte sich weiter mit irgendjemandem. Sehr gut, dachte ich mir, so würde es noch leichter werden. Mein Panther hatte sich einstweilen an meine Seite gesellt und verhielt sich genauso leise wie ich. Lediglich die matt glänzenden, schwarzen kleinen Augen starrten gen Süden, wo der Tiefländer jeden Moment um die Ecke biegen mußte. Doch falsch gedacht, er blieb stehen, aus welchem Grund auch immer und wartete.
Ich konnte hören wie er die Luft durch seine Nase zog, als würde er schnuppern und fragte mich im selben Moment, ob diese Tiefländer überhaupt Menschen waren, oder Tiere in dem Körper eines Menschens. Ich wußte zuwenig über die Tiefländer, um meine Frage zu beantworten, also verwarf ich sie und machte mich stattdessen bereit. Ein Knie auf den Boden stemmend, die eine Hand an dem Griff meines Preces, den anderen Arm leicht ausgestreckte, wartete ich lauernd im Dunklen. Es würde ein Leichtes sein, den Mann zu überwältigen, ohne dass er mir auch nur zu Nahe kam. Doch falsch gedacht, denn einen Moment später hörte ich Hufgetrampel und konnte sehen wie sich noch ein Tiefländer näherte. Leif hieß er, wie sich später noch herausstellen sollte. Es war der selbe Mann von gestern, nur aus irgendeinem Grund kerngesund!
Ich verharrte völlig reglos, während die beiden Männer ein paar Worte in einer mir unbekannten Sprache wechselten, während der zweite immer noch nicht in meiner Sichtweite war. Währenddessen überdachte ich die nun veränderte Situation. Ich legte mir einen Fluchtplan bereit, denn mit zwei von diesen hünenhaften Kerlen wollte ich mich nicht unbedingt anlegen. Doch Leif, gewarnt von dem anderen, hatte bereits zu seinem Speer gegriffen und starrte angestrengt genau in die Ecke, in der ich kauerte. Sie hatten also Verdacht geschöpft! Ich verständigte mich stumm mit meinem Gefährten, als auch schon der Speer angeflogen kam. Wie auf Kommando sprang der Panther zwischen mich und den Speer, um diesen abzufangen, der Speer traf ihn und zwang ihn dazu, vorerst zurück zukehren in seine Spähre, um sich dort zu erholen. Ich war also auf mich alleine gestellt.
Gleichzeitig mit dem Speer, warf der andere eine Laterne, die mich an der Schulter traf und am Boden zerschellte. Die schützende Dunkelheit wich, den Flammen die sich am Boden verteilten und die Umgebung in ein schauriges Licht hüllten. Wenigstens war meine Robe von besonderer Beschaffenheit und fing nicht so leicht Feuer.
Der Kampf begann also.
Skallgrim, so hieß der Andere, stürmte mit gezogener Klinge um die Ecke, nur um von mir mit einem Blitz empfangen zu werden. Doch waren diese Tiefländer zäher als ich dachte und der Blitz hielt seinen Lauf nur kurzfristig auf. Im gleichen Moment zog ich mein Preces, richtete es auf ihn, als auch schon Leif zum Angriff ansetzte. Ich zögerte kurz, dann richtete ich meine Klinge auf Leif und mit Schrecken sah ich dass mittlerweile der dritte Tiefländer aus der Taverne angestürmt kam. Drei Tiefländer, das waren eindeutig zuviele!
Einen, womöglich sogar zwei, könnte ich zu Boden strecken, aber dann blieb immer noch der Dritte, der mich vermutlich mit seiner Klinge währenddessen durchbohren würde. In meinem Kopf arbeitete es angestrengt, doch mir fiel nichts ein, wie ich aus dieser Situation lebend entkommen konnte. Währenddessen näherten sich die drei und schnitten mit jeden Weg zur Flucht ab. Auch sie dürften mein Zögern registriert haben und stürmten zu meiner Verwunderung, nicht wie die Barbaren schreien auf mich zu, um mich in Stücke zu hacken.
Schmerz riss mich aus meinen Gedanken, als Leif mit der Klinge meinen Arm traf und mir das Preces aus der Hand geschleudert wurde. Ich beschloss jede größere feindliche Handlung zu vermeiden, als sich auch schon seine Hand um meinen Hals schloß und mich gegen die Wand drückte.
Kurz gefolgt von der zweiten Hand, die meinen Mund zuhielt. Scheinbar hatten sie Angst, ich könnte sie erneut die Macht Alatars spüren lassen. Wie es aussah, wußten sie nicht, dass es dazu weder Worte noch Gestiken bedurfte und ich beschloss sie in ihrem Glauben zu lassen.
Grob packten mich auch die Hände des dritten Mannes, während man mir meine Hände zusammen band. Sollten sie ihren Sieg haben und sich in Sicherheit wiegen, dachte ich mir und ließ einen Schwall unverständlicher Schimpftriaden über sie ergehen. Sollten sie ruhig denken, geknebelt und gefesselt wäre ich wehrlos und nur zu ein paar Tritten fähig.
Eine Flucht, so hoffte ich, würde sich womöglich noch später ergeben. Und vielleicht gelang es mir dann auch, dem ein oder anderen sein wertloses Leben zu entreißen.
Die Nacht verbrachte ich im Gebet und stiller Meditation. Den Schmerz den die Fesseln verursachten, die sich allmählich ins Fleisch schnitten, ignorierte ich bestmöglichst. Die Brandwunde an der Wange, die Leif mir mit einer glühenden Kohle zugefügt hatte, war schon schwieriger zu ignorieren. Es waren die üblichen Fragen, die sie mir bevor sie mich in die Zelle sperrten, stellten und die ich nur soweit beantwortete, als dass ich ihnen keine wichtigen Informationen aus Rahal verriet.
Manchmal ist der Schritt zurück, nur ein Anlauf nehmen..die Worte kamen mir während der Befragung in den Sinn und ich merkte garnicht wie ich sie laut aussprach. Ich fand heraus dass die Bedeutung von "Ehre" bei den Tiefländer eine andere hatte als bei den schwächlichen Temoraanhängern. Ehre hieß für sie, alles zu tun, um ihren Stamm zu beschützen und irgendwie kam mir der Gedanke dass sich deren Einstellung von der unseren in Rahal garnicht so unterschied. Wir taten schließlich auch alles um Rahal zu schützen und im Sinne Alatars zu handeln. Die Ungläubigen waren der Feind und mußten vernichtet werden.
Die halbe Nacht benötigte ich dann in der Zelle, um das tödlich Gift das Leif mir verabreicht hatte, aus meinem Körper zu spülen, was sich in einem blutigen Auswurf zeigte. Die Tiefländer hielten es wohl für die Auswirkungen des Giftes und ich ließ sie in dem Glauben.
Langsam wurde mir klar, dass hier mein Ende kommen könnte. Denn ich wußte, dass ich Alatar niemals verraten würde und das hieß auch dass ich keine Informationen Preis geben durfte, mochten die angedrohten Konsequenzen noch so schrecklich sein.
Ich beschloss also es mit einer Flucht zu versuchen, auch wenn die Erfolgschancen noch so gering waren. Besser in einem Fluchtversuch sterben, als in tagelanger Folter.
Als sie am nächsten Morgen kamen, um die Befragung fortzusetzen, befehl Leif mir aus der Zelle zu treten, doch ich brauchte nichtmal Schwäche vorzutäuschen. Die Heilung des Giftes hatte an meinen Kräften gezehrt, so dass es mir nicht gelang aufzustehen.
Als Valdrrik die Zelle betrat, um mich rauszuholen, war der Moment gekommen. Aus dem Schatten löste sich mein, von mir zuvor gerufener Gefährte und sprang den Mann mit einem markerschütternden Brüllen an. Die Tatzen mit den scharfen Krallen versuchten sich in das Fleisch des Tiefländers zu bohren, während ich meinen Kräfte sammelte um ihn, mittels der Kraft die Alatar mir zusprach, niederzustrecken. Doch wurde meine Konzentration unterbrochen, von einem Hustenanfall der mich unvermittelt traf und wieder Blut spucken ließ. Das Gift war immer noch nicht gänzlich aus meinem Körper gewichen. Während Valdrrik versuchte sich vor den Klauen des Panthers zu schützen, stieß Leif mit seinem Speer nach dem Panther und zwang es erneut unsere Ebene zu verlassen. An eine Flucht war also nicht im Entferntesten zu denken. Gezwungenermaßen ergab ich mich meinem Schicksal und ließ mich aus der Zelle zerren und sah draußen ein mir bekanntes Gesicht. Falk.
Nur zu deutlich erinnerte ich mich daran, als ich ihn in den Kerkerzellen Rahals neugierig betrachtete. Wie ein wildes Tier verhielt er sich damals und ich fragte mich in diesem Moment, als unsere Blicke aufeinandertrafen, ob er sich womöglich für das was man ihm angetan hatte rächen wollte. Andererseits hatte ich damit nichts zu tun gehabt, also wäre es wohl eine lächerliche Rache gewesen.
Auf den Knien, mit einem Speer am Hals, nahm man mir endlich den Knebel ab. Befreiend, endlich den Blutklumpen der sich in meinem Mund gesammelt hatte, loszuwerden.
Plötzlich zog Nebel auf, der sowohl mein, als auch das Interesse der Tiefländer erweckte.
Aus einem mir unbegreiflichem Grund, ging der Nebel direkt von mir aus und ich brauchte einige Momente, um mir klar zu werden, dass das die Macht des Herren sein mußte.
Alatar, allmächtiger Vater.
Mein erhabener Meister,
Deine Wünsche zu erfüllen ist mein höchster Auftrag..
Dein Begehr, ist mein höchster Wille..
Aus dem Nebel lösten sich die Schemen mehrer Panther, doch wurden sie allesamt von Falk niedergestreckt, bis auf einen. So schwarz wie die Nacht, als würde es jegliches Licht verschlucken, blieb ein Panther übrig. Seine Stimme erklang meinem Kopf und ich war mir sicher auch in den Köpfen der anderen, während ich wohl als einzige meinen Kopf in Ehrfurcht vor dem Wesen senkte.
Der Eine schickt mich .. seine treue Dienerin zu schützen.
Es liegt an euch .. sie ziehen zu lassen oder meine Kraft zu spüren.
Gezwungenermaßen mußte ich meinen Kopf wieder heben, als ich grob an den Haaren gepackt wurde und eine Klinge in meinem Rücken spürte. Ein erbitterter Kampf zwischen Falk und dem Panther begann.
...im Leben werde ich deine Prüfungen bestehen
Deine Ankunft zu bereiten, ist mein Leben..
Deinen Ruhm zu mehren..ist mein Dasein,
noch im Tode werde ich deinen Zielen dienen.
Den Widerstand deiner Gegner breche ich..
Deine Feinde bringe ich dir als Opfergabe..
Ein Tritt ausgehend von Leif beförderte mich zu Boden und ich sah meine Chance. Während hinter mir der Kampf tobte, rollte ich mich rasch auf den Rücken, zischte Leif eine Gebetsformel entgegen und schon zuckte ein Blitz aus dem Himmel und traf ihn in der Brust.
Wieder schien der Tiefländer zäher, als so mancher Mensch und er zog unter Schmerzen seine Klinge. Mit letzter Kraft beschwor ich erneut einen Blitz herauf, der diesmal Leif stürzen ließ.
Lasst sie gehen! oder ich komme wieder .. in anderer Gestalt .. tödlicher als zuvor ..
Die Stimme in meinem Kopf verriet mir dass Falk den Kampf scheinbar fürs Erste gewonnen hatte, die Drohung die jedoch in der Stimme lag, war nicht zu ignorieren.
Und als sich wenig später der Himmel bedrohlich verfinsterte, ließen mich die Tiefländer tatsächlich gehen.
Obwohl Leif mir zuvor noch das Bein mit seiner Klinge brach und mir der Schmerz beinahe das Bewußtsein raubte, konnte ich mich eines Gefühl des Triumphes nicht erwehren.
Möge dein Hass mich führen.
und deine Rachsucht, unsere Stärke sein
Möge Zwietracht gesäht werden unter den Ungälubigen..
und der Tag deiner endgültigen Herrschaft kommen.
Alatar hatte gesiegt und die Rache würde mein sein, schon bald.
Erst am gestrigen Tage, hatte ich einen der Ihren zu Boden gestreckt. Nachdem er mich angriff, traf ihn die Strafe Alatars mit voller Wucht. Bajard, das sich im Schutze der Neutralität versteckte, war eigentlich meist ein ruhiges Örtchen. Aber nur allzugern schlossen sich die Bürger dort zusammen, wenn es irgendwo etwas zu beschützen gab und es wurde ein wahrlicher Mob daraus. Also konnte ich meine Arbeit nicht zu Ende führen und den Tiefländer töten, da sich wieder einmal genügend Leute einmischten, um mich daran zu hindern. Doch sei es wie es sei, dachte ich mir, seine Lektion hatte er gelernt.
Als ich also die Pferde betrachtete und fieberhaft überlegte, drangen Geräusche aus dem Inneren der Taverne an mein Ohr. Vermutlich prügelten sich die Tiefländer gerade, dachte ich mir und rief meinen Gefährten, einen Panther, aus der anderen Spähre zu mir. Schemenhaft nahm er seine Gestalt an und ohne dass ich etwas sagen mußte, verstand er meine stumme Aufforderung. Das Tier hob drohend die Pranke, als es sich den Pferden näherte und stieß ein furchtbares Brüllen aus. Das reichte um die Tiere zu beunruhigen und so rief ich den Panther zu mir und wich möglichst lautlos in die Ecke der Taverne, um dort in der Dunkelheit zu verharren. Mein Plan ging tatsächlich auf, die Tür der Taverne öffnete sich und ich konnte hören wie sich jemand nach draußen begab. Es war allem Anschein nach nur ein Mann, der zweite blieb in der Taverne und prügelte sich weiter mit irgendjemandem. Sehr gut, dachte ich mir, so würde es noch leichter werden. Mein Panther hatte sich einstweilen an meine Seite gesellt und verhielt sich genauso leise wie ich. Lediglich die matt glänzenden, schwarzen kleinen Augen starrten gen Süden, wo der Tiefländer jeden Moment um die Ecke biegen mußte. Doch falsch gedacht, er blieb stehen, aus welchem Grund auch immer und wartete.
Ich konnte hören wie er die Luft durch seine Nase zog, als würde er schnuppern und fragte mich im selben Moment, ob diese Tiefländer überhaupt Menschen waren, oder Tiere in dem Körper eines Menschens. Ich wußte zuwenig über die Tiefländer, um meine Frage zu beantworten, also verwarf ich sie und machte mich stattdessen bereit. Ein Knie auf den Boden stemmend, die eine Hand an dem Griff meines Preces, den anderen Arm leicht ausgestreckte, wartete ich lauernd im Dunklen. Es würde ein Leichtes sein, den Mann zu überwältigen, ohne dass er mir auch nur zu Nahe kam. Doch falsch gedacht, denn einen Moment später hörte ich Hufgetrampel und konnte sehen wie sich noch ein Tiefländer näherte. Leif hieß er, wie sich später noch herausstellen sollte. Es war der selbe Mann von gestern, nur aus irgendeinem Grund kerngesund!
Ich verharrte völlig reglos, während die beiden Männer ein paar Worte in einer mir unbekannten Sprache wechselten, während der zweite immer noch nicht in meiner Sichtweite war. Währenddessen überdachte ich die nun veränderte Situation. Ich legte mir einen Fluchtplan bereit, denn mit zwei von diesen hünenhaften Kerlen wollte ich mich nicht unbedingt anlegen. Doch Leif, gewarnt von dem anderen, hatte bereits zu seinem Speer gegriffen und starrte angestrengt genau in die Ecke, in der ich kauerte. Sie hatten also Verdacht geschöpft! Ich verständigte mich stumm mit meinem Gefährten, als auch schon der Speer angeflogen kam. Wie auf Kommando sprang der Panther zwischen mich und den Speer, um diesen abzufangen, der Speer traf ihn und zwang ihn dazu, vorerst zurück zukehren in seine Spähre, um sich dort zu erholen. Ich war also auf mich alleine gestellt.
Gleichzeitig mit dem Speer, warf der andere eine Laterne, die mich an der Schulter traf und am Boden zerschellte. Die schützende Dunkelheit wich, den Flammen die sich am Boden verteilten und die Umgebung in ein schauriges Licht hüllten. Wenigstens war meine Robe von besonderer Beschaffenheit und fing nicht so leicht Feuer.
Der Kampf begann also.
Skallgrim, so hieß der Andere, stürmte mit gezogener Klinge um die Ecke, nur um von mir mit einem Blitz empfangen zu werden. Doch waren diese Tiefländer zäher als ich dachte und der Blitz hielt seinen Lauf nur kurzfristig auf. Im gleichen Moment zog ich mein Preces, richtete es auf ihn, als auch schon Leif zum Angriff ansetzte. Ich zögerte kurz, dann richtete ich meine Klinge auf Leif und mit Schrecken sah ich dass mittlerweile der dritte Tiefländer aus der Taverne angestürmt kam. Drei Tiefländer, das waren eindeutig zuviele!
Einen, womöglich sogar zwei, könnte ich zu Boden strecken, aber dann blieb immer noch der Dritte, der mich vermutlich mit seiner Klinge währenddessen durchbohren würde. In meinem Kopf arbeitete es angestrengt, doch mir fiel nichts ein, wie ich aus dieser Situation lebend entkommen konnte. Währenddessen näherten sich die drei und schnitten mit jeden Weg zur Flucht ab. Auch sie dürften mein Zögern registriert haben und stürmten zu meiner Verwunderung, nicht wie die Barbaren schreien auf mich zu, um mich in Stücke zu hacken.
Schmerz riss mich aus meinen Gedanken, als Leif mit der Klinge meinen Arm traf und mir das Preces aus der Hand geschleudert wurde. Ich beschloss jede größere feindliche Handlung zu vermeiden, als sich auch schon seine Hand um meinen Hals schloß und mich gegen die Wand drückte.
Kurz gefolgt von der zweiten Hand, die meinen Mund zuhielt. Scheinbar hatten sie Angst, ich könnte sie erneut die Macht Alatars spüren lassen. Wie es aussah, wußten sie nicht, dass es dazu weder Worte noch Gestiken bedurfte und ich beschloss sie in ihrem Glauben zu lassen.
Grob packten mich auch die Hände des dritten Mannes, während man mir meine Hände zusammen band. Sollten sie ihren Sieg haben und sich in Sicherheit wiegen, dachte ich mir und ließ einen Schwall unverständlicher Schimpftriaden über sie ergehen. Sollten sie ruhig denken, geknebelt und gefesselt wäre ich wehrlos und nur zu ein paar Tritten fähig.
Eine Flucht, so hoffte ich, würde sich womöglich noch später ergeben. Und vielleicht gelang es mir dann auch, dem ein oder anderen sein wertloses Leben zu entreißen.
Die Nacht verbrachte ich im Gebet und stiller Meditation. Den Schmerz den die Fesseln verursachten, die sich allmählich ins Fleisch schnitten, ignorierte ich bestmöglichst. Die Brandwunde an der Wange, die Leif mir mit einer glühenden Kohle zugefügt hatte, war schon schwieriger zu ignorieren. Es waren die üblichen Fragen, die sie mir bevor sie mich in die Zelle sperrten, stellten und die ich nur soweit beantwortete, als dass ich ihnen keine wichtigen Informationen aus Rahal verriet.
Manchmal ist der Schritt zurück, nur ein Anlauf nehmen..die Worte kamen mir während der Befragung in den Sinn und ich merkte garnicht wie ich sie laut aussprach. Ich fand heraus dass die Bedeutung von "Ehre" bei den Tiefländer eine andere hatte als bei den schwächlichen Temoraanhängern. Ehre hieß für sie, alles zu tun, um ihren Stamm zu beschützen und irgendwie kam mir der Gedanke dass sich deren Einstellung von der unseren in Rahal garnicht so unterschied. Wir taten schließlich auch alles um Rahal zu schützen und im Sinne Alatars zu handeln. Die Ungläubigen waren der Feind und mußten vernichtet werden.
Die halbe Nacht benötigte ich dann in der Zelle, um das tödlich Gift das Leif mir verabreicht hatte, aus meinem Körper zu spülen, was sich in einem blutigen Auswurf zeigte. Die Tiefländer hielten es wohl für die Auswirkungen des Giftes und ich ließ sie in dem Glauben.
Langsam wurde mir klar, dass hier mein Ende kommen könnte. Denn ich wußte, dass ich Alatar niemals verraten würde und das hieß auch dass ich keine Informationen Preis geben durfte, mochten die angedrohten Konsequenzen noch so schrecklich sein.
Ich beschloss also es mit einer Flucht zu versuchen, auch wenn die Erfolgschancen noch so gering waren. Besser in einem Fluchtversuch sterben, als in tagelanger Folter.
Als sie am nächsten Morgen kamen, um die Befragung fortzusetzen, befehl Leif mir aus der Zelle zu treten, doch ich brauchte nichtmal Schwäche vorzutäuschen. Die Heilung des Giftes hatte an meinen Kräften gezehrt, so dass es mir nicht gelang aufzustehen.
Als Valdrrik die Zelle betrat, um mich rauszuholen, war der Moment gekommen. Aus dem Schatten löste sich mein, von mir zuvor gerufener Gefährte und sprang den Mann mit einem markerschütternden Brüllen an. Die Tatzen mit den scharfen Krallen versuchten sich in das Fleisch des Tiefländers zu bohren, während ich meinen Kräfte sammelte um ihn, mittels der Kraft die Alatar mir zusprach, niederzustrecken. Doch wurde meine Konzentration unterbrochen, von einem Hustenanfall der mich unvermittelt traf und wieder Blut spucken ließ. Das Gift war immer noch nicht gänzlich aus meinem Körper gewichen. Während Valdrrik versuchte sich vor den Klauen des Panthers zu schützen, stieß Leif mit seinem Speer nach dem Panther und zwang es erneut unsere Ebene zu verlassen. An eine Flucht war also nicht im Entferntesten zu denken. Gezwungenermaßen ergab ich mich meinem Schicksal und ließ mich aus der Zelle zerren und sah draußen ein mir bekanntes Gesicht. Falk.
Nur zu deutlich erinnerte ich mich daran, als ich ihn in den Kerkerzellen Rahals neugierig betrachtete. Wie ein wildes Tier verhielt er sich damals und ich fragte mich in diesem Moment, als unsere Blicke aufeinandertrafen, ob er sich womöglich für das was man ihm angetan hatte rächen wollte. Andererseits hatte ich damit nichts zu tun gehabt, also wäre es wohl eine lächerliche Rache gewesen.
Auf den Knien, mit einem Speer am Hals, nahm man mir endlich den Knebel ab. Befreiend, endlich den Blutklumpen der sich in meinem Mund gesammelt hatte, loszuwerden.
Plötzlich zog Nebel auf, der sowohl mein, als auch das Interesse der Tiefländer erweckte.
Aus einem mir unbegreiflichem Grund, ging der Nebel direkt von mir aus und ich brauchte einige Momente, um mir klar zu werden, dass das die Macht des Herren sein mußte.
Alatar, allmächtiger Vater.
Mein erhabener Meister,
Deine Wünsche zu erfüllen ist mein höchster Auftrag..
Dein Begehr, ist mein höchster Wille..
Aus dem Nebel lösten sich die Schemen mehrer Panther, doch wurden sie allesamt von Falk niedergestreckt, bis auf einen. So schwarz wie die Nacht, als würde es jegliches Licht verschlucken, blieb ein Panther übrig. Seine Stimme erklang meinem Kopf und ich war mir sicher auch in den Köpfen der anderen, während ich wohl als einzige meinen Kopf in Ehrfurcht vor dem Wesen senkte.
Der Eine schickt mich .. seine treue Dienerin zu schützen.
Es liegt an euch .. sie ziehen zu lassen oder meine Kraft zu spüren.
Gezwungenermaßen mußte ich meinen Kopf wieder heben, als ich grob an den Haaren gepackt wurde und eine Klinge in meinem Rücken spürte. Ein erbitterter Kampf zwischen Falk und dem Panther begann.
...im Leben werde ich deine Prüfungen bestehen
Deine Ankunft zu bereiten, ist mein Leben..
Deinen Ruhm zu mehren..ist mein Dasein,
noch im Tode werde ich deinen Zielen dienen.
Den Widerstand deiner Gegner breche ich..
Deine Feinde bringe ich dir als Opfergabe..
Ein Tritt ausgehend von Leif beförderte mich zu Boden und ich sah meine Chance. Während hinter mir der Kampf tobte, rollte ich mich rasch auf den Rücken, zischte Leif eine Gebetsformel entgegen und schon zuckte ein Blitz aus dem Himmel und traf ihn in der Brust.
Wieder schien der Tiefländer zäher, als so mancher Mensch und er zog unter Schmerzen seine Klinge. Mit letzter Kraft beschwor ich erneut einen Blitz herauf, der diesmal Leif stürzen ließ.
Lasst sie gehen! oder ich komme wieder .. in anderer Gestalt .. tödlicher als zuvor ..
Die Stimme in meinem Kopf verriet mir dass Falk den Kampf scheinbar fürs Erste gewonnen hatte, die Drohung die jedoch in der Stimme lag, war nicht zu ignorieren.
Und als sich wenig später der Himmel bedrohlich verfinsterte, ließen mich die Tiefländer tatsächlich gehen.
Obwohl Leif mir zuvor noch das Bein mit seiner Klinge brach und mir der Schmerz beinahe das Bewußtsein raubte, konnte ich mich eines Gefühl des Triumphes nicht erwehren.
Möge dein Hass mich führen.
und deine Rachsucht, unsere Stärke sein
Möge Zwietracht gesäht werden unter den Ungälubigen..
und der Tag deiner endgültigen Herrschaft kommen.
Alatar hatte gesiegt und die Rache würde mein sein, schon bald.