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Vom kleinen Getier und einer vergessenen Königin

Verfasst: Donnerstag 16. August 2007, 13:12
von Zakalwve
Zögernd stieg die nächtliche Brise vom Himmel herab, umkurvte verspielt die Baumkronen, bog die Äste des Waldes mit einem leisen Rascheln. Vereinzelt kämpfte sich das matte Mondlicht durch die dichten Äste und spendete dem Meer aus Bäumen ihre sanften Strahlen.
Es bedurfte nicht viel Schauspielkunst, als Qan mitten in seiner Erzählung eine plötzliche Müdigkeit vortäuschte und zur Seite sank, um seinen Kopf in den weichen Schoß von Alin zu betten.
War es dieser Honigale oder doch nur die völlig überraschende Erschöpfung, die ihn dazu veranlasste, sich von seiner verwundbaren Seite aus zu zeigen? Eine innere Stimme sagte ihm, dass hinter der zurückhaltenden, schon fast naiven Alin doch mehr steckte, als er sich in diesem Moment eingestehen wollte. Und doch spürte er das geheime Bedürfnis, sich jemandem anzuvertrauen- das alltägliche Schauspiel ruhen zu lassen.

Für einen kurzen Augenblick lang den lüsternden Junggesellen ruhen lassen.

Müde war er- unsagbar müde.

Etwas kitzelte ihn an der Nase und wahrscheinlich war es eher der Wind als Alins zarte Finger, der Qans lange Strähnen mit einer sanften Berührung durcheinanderbrachte.

Bevor ihm die Augen zufielen, ließ er die Geschehnisse des Tages revue passieren...



Seichter Nieselregen trieb ihn dazu, Zufliucht in der Taverne zu suchen, obwohl er für gewöhnlich gerne Menschenansammlungen mied, wenn ihm nicht nach Gesellschaft war.
Suchend blickte er sich in der Taverne um, seine niemals rastenden Sinne immerwährend nach Interessantem Ausschau haltend.
Und da war Alin. Als wollte sie die Leere der Taverne verhöhnen, saß sie in einer Ecke, mit einem Buch vor sich aufgeschlagen.
Ihre kühlen blauen Augen hatten ihn ebenso gekonnt gemustert wie er es bei ihr getan hatte, als er den Raum betrat. Für einen flüchtigen Moment kreuzten sich ihre Blicke, und in diesem Moment überkam ihm das mulmige Gefühl im Magen, dass sie etwas besonderes war, ohne dass er sich erklären konnte, was es war.

Eine gespielte Verwechslung, einige flache oberflächliche Annäherungsversuche genügten, um sich ungefragt einen Platz an ihrem Tisch zu erschleichen. Er wusste ohnehin, dass sie ahnte, was er im Schilde führte, und so gab er sich kaum die Mühe, die Richtung seiner Bemühungen zu verbergen.

Wie erwartet füllte sich die Taverne mit Leben, als schon nach kurzer Zeit
schwere Schritte das Holzparkett des Raumes qualvoll aufächzen ließen.
Die schwergepanzerten Männer kümmerten sich kaum um die beiden anderen Gäste, sondern nahmen am gegenüberliegendem Tisch Platz, um sich in ein Gespräch zu vertiefen, bei dessen Verlauf mehrmals das Wort Rahal fiel.
Obligatorisch unterhielt er sich oberflächlich mit Alin, wobei er doch sorgfältig darauf bedacht war, so viele Informationen wie möglich vom anderen Tisch aufzuschnappen.
Irgendetwas verwertbares, das man als bare Münze verkaufen konnte, konnte er jedoch nicht heraushören. Sein Magen knurrte und es strengte ihn ungemein an, seine Aufmerksamkeit auf den anderen Tisch zu fokussieren, ohne die Unterhaltung mit Alin zu lange zu unterbrechen.
Gleichzeitig vermutete er allmählich, dass Alin gar ein ähnliches Spiel trieb...

Wer war sie bloß? schoß es ihm in diesem Moment durch den Kopf....


Er spürte, wie ein zarter Windhauch seine blonde Mähne umschmeichelte und ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken.

Wer war sie?


Verfasst: Donnerstag 16. August 2007, 16:10
von Alin
Ruhig lag ihr Blick auf ihrem Schoß, den Kopf des Mannes genau betrachtend. Allein das ihr ein Mann so nah kam, ohne das sie es in jeglicher Art verhindern konnte, ließ Verwunderung in ihren Augen entstehen. Unbeholfen stupste sie mit dem rechten Zeigefinger auf seinem Kopf herum, grade so, als wäre es Nahrung, die noch einmal erkundigt werden müsse, ob sie noch lebt. Und er rührte sich nicht. Ihr Blick fuhr durch den Wald. Tiefste Nacht zog übers Land und Alin ihrem Gesicht nach zu urteilen, wusste sie rein gar nichts mit dieser Situation anzufangen. Ob das nun auch ein lustiges Spiel war, was er sich ausgedacht hat? Oder kann es sein, dass er gar mal ehrlich war und wirklich müde wurde? Ansich war es doch recht interessant, aber noch mehr würde es wohl interessieren, was hinter dieser Fassade verborgen ist, wer er wirklich war. Alin wusste, dass er nicht der frauenvernarrte Schelm war, der er vorgab zu sein. Ein wenig Menschenkenntnis hatte auch sie schon in ihren jungen Jahren, aber so richtig durchschauen konnte sie ihn trotzdem nicht. Wer war er nur? Aber was eine viel wichtigere Frage in diesem Zeitpunkt war, was macht sie mit diesem eigentlich total fremden Geschöpf im tiefsten Wald? Abermals stupste ihr rechter Zeigefinger gegen den Kopf des Mannes und auch ein weiteres Mal dachte er nicht daran, sich in irgendeiner Art zu rühren. Abermals folgt ein Seufzen aus dem Mund von Alin und abermals lenkte sie ihre Aufmerksamkeit auf den Wald, den Himmel und die kleinen Tiere, die sich zu dieser Zeit auf dem Boden breit machten. Als das erste Tier in Augenschein genommen wurde, räusperte sie sich kurze Zeit und ein amüsiertes Grinsen folgte in ihrem Gesicht. „Tiere..“ Viel Spaß wird sie vielleicht noch mit diesem Gesellen haben, vielleicht wird er sich auch irgendwann einmal öffnen und sein wahres Gesicht zur schau stellen. Was doch viel interessanter wäre…

Verfasst: Donnerstag 16. August 2007, 17:10
von Zakalwve
Die ersten Sonnstrahlen, die durch die Baumkronen drangen und mit mildem Licht die Bewohner des Waldes weckten, hauchten der Lichtung neues Leben ein.
Viel zu spät bemerkte er, dass er sich hatte gehen lassen. Wie von einem Schwarm Hornissen gestochen, schreckte er auf.
Verstört streifte sein Blick von einer Himmelsrichtung zur Anderen, auf der Suche nach ihr.
Mit einem erleichterten Seuftzer stellte er dann fest, dass zumindest sein magerer Goldbeutel nicht für seine gestrige Unachtsamkeit büßen musste- er hatte den Inhalt nicht auf den Kupferling genau abgezählt und deswegen blieb es auch nur eine vage Vermutung.
Zu seiner Zufriedenheit befand sich noch alles an der richtigen Stelle- zumindest konnte er dies nach einem obligatorischen Griff am eigenen Schritt schnell und unkompliziert feststellen. Mit einem Schaudern erinnerte er sich an eine weibliche Bekanntschaft zurück, die ihm in einer längst vergangenen Nacht alles abverlangte und ihm gar Körperteile abbeissen wollte.

Sein Bauchgefühl hatte sich nicht getäuscht- sie hatte seine hilflose Lage nicht ausgenutzt, um sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen. In diesem Moment war er sich recht unschlüssig, ob es sich mit vertauschten Rollen ebenso verhalten hätte...
Er zwang sich diesen Gedanken nicht weiter fortzuführen, bereitete es ihm doch eine Menge Unbehagen tief in die eigenen Abgründe zu blicken.
Für einen Moment mag er recht ratlos mitten auf der Lichtung gestanden haben und es sollte noch einige Zeit dauern, bis er die undeutlichen Pfotenspuren von kleinen Nagetieren auf seiner Kleidung erkennen würde...

Für den Augenblick tröstete er sich mit dem Gedanken, dass er in Alin etwas erkannte hatte- die hinter einer Fassade versteckte Grazie und der Anmut einer umlängst vergessenen Königin...
Die naive und unschuldige Güte eines Menschen, nach dem er ein Leben lang gesucht hatte und das er erst jetzt im Ansatz zu verstehen began.
Das Nachdenkliche in seinem Blick erwies sich als äusserst kurzlebig und wich allmählich wieder dem weichen unschuldigen Lächeln eines Mannes, der sein Leben lang vom Nachteil Anderer gelebt und überlebt hatte.

Verfasst: Donnerstag 16. August 2007, 22:38
von Alin
Ruhig lag ihr Blick auf der Fensterbank, die Hände waren darauf gestützt und der Mond leuchtete durch die Scheiben in das Zimmer hinein. Es war ruhig auf den Straßen geworden und sogar die Wachen gaben wenig Laut von sich. Tiefe Nacht ist über Bajard gezogen und sie stand wach am Fenster und betrachtete das Meer, die Boote die am Hafen ankerten und die Wellen, die gegen die kleinen Klippen platschten. Sie genoß deutlich diese Ruhe, es ist lange her, sehr lange ist es her, dass sie ohne jegliches Bedenken aus dem Fenster sehen konnte. Ohne irgendwelche Gedanken die ihr durch den Kopf schossen.

Ein ruhiger Abend war es in der Taverne, er war auch wieder da, erst dachte ich, seine Fassade öffnet sich langsam und sein wahrer Charakter dringt hervor. Jedoch verflog dieser Gedanke schnell aus meinem Kopf, er begann wieder von seinen Frauengeschichten zu erzählen und dann stoß auch noch diese andere Frau dazu und ich hielt es für besser, die kleine Runde zu verlassen und mich zurück zu ziehen. Ich wollte diese Ruhe genießen, diese Ruhe die man hat, wenn man allein ist. Niemand ist gern allein, aber ich mag es so, ich mag diese Stille. Ich werde mir nicht weiter den Kopf über diesen fremden Mann zerbrechen, der vielleicht nur ein Spiel mit mir trieb. Nein, spiele kann er mit wem anders spielen...

Das Buch lag noch aufgeschlagen auf dem Tisch, die junge Frau verweilte jedoch weiterhin am Fenster und blickte in die Nacht hinaus. Ihre Lippen zeichnenten Zufriedenheit in ihrem Gesicht, doch ihre Augen gaben eine EMotion wieder, die nicht so leicht zu deuten war..

Verfasst: Samstag 18. August 2007, 16:07
von Zakalwve
Fluchend drückte er dem Gaul seine sporenbesetzten Reiterstiefel in die Flanken. Entrüstet wiehernd schoß das Tier wie ein Pfeil über die Ebene, während blutiger Schaum ihm aus dem Mundwinkel rann. Völlig grundlos ließ er seine Reiterpeitsche auf das Gesäß des Tieres niederprasseln.
Er wusste in diesem Moment nicht, wieso er wie ein Teufel davonritt. Gründe genug hatte er ja schließlich.
Der kalte Nachtwind zerrte an seinen Kleidern, umschloß schneidig seine Knöchel und ließ ihm seine Zähne zusammenbeissen, damit diese nicht klapperten.
Auch wenn sein Körper dagegen protestierte, war ihm die nächtliche Kälte nicht unangenehm. Im Gegenteil- er fühlte sich auf einer vertrauten Art und Weise von der frostigen Böe, die ihn umschloß, geborgen.

Vor seinem geistigen Auge schwelgte er der Erinnerung nach, wie Alin ihren Kopf an seine Schulter lehnte. Ein kurzer Moment, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam. Ihm wurde in diesem Augenblick klar, dass sich in ihm etwas rührte. Seine sonstige Selbstsicherheit war plötzlich wie verflogen und er fühlte sich wie ein kleiner Junge, der nicht mit dem süßen Knospenduft einer ersten aufkeimenden Liebe umzugehen wusste...

Ihm wurde schmerzlich bewusst, dass sie sein Verderben bedeuten konnte, je mehr er sich danach sehnte, sich ihr zu öffnen.

Nein. Niemand durfte seine Fassade durchbrechen, denn die Maskerade war alles was er besaß.

"Alin" knirschte er, und in diesem Moment fragte er sich, ob das Gänseblümchen noch ihr Haar zierte.

Verfasst: Dienstag 21. August 2007, 21:25
von Alin
Ruhig ließ sie ihren Blick über ihre Hand gleiten. Die Hand, die er vorhin mit seinen Lippen berührte, die Hand, die nicht auswich. Ein amüsiertes Grinsen bildete sich unerklärlicher Weise auf ihrem Gesicht und ihr Kopf fiel langsam in den Nacken. Den Blick hatte sie nun in Richtung Raumdecke gerichtet und das Grinsen verschwand langsam aus ihrem Gesicht und ein schwerfälliges Seufzen ging von ihr ab. Was meinte er noch? Er könne ihr noch nicht alles sagen, noch nicht seine Geheimnisse offenbaren. Abermals ein Seufzen aus ihrem Mund. Die Augen der jungen Frau schlossen sich langsam und ihre Zeigefingerspitze fuhr langsam über ihre Lippen. „Dabei habe ich sicherlich noch mehr zu verbergen, als du es tust…“
Leise nuschelte sie diese Worte einige Male vor sich hin, bevor sie sich langsam nach hinten aufs Bett fallen ließ. Ein kurzes Knarren war vom Holz zu hören, bevor vollkommene Ruhe in den Raum einkehrte. Was macht sie sich damit eigentlich so verrückt? Wie ein kleines Mädchen, was sich frisch verliebt hatte, dabei waren doch solch Gefühle ein großes Hindernis auf ihrem Weg. Aber aufhalten tat sie es nicht, wollte sie es denn überhaupt aufhalten?
Ein glückliches Lächeln formte sich auf ihren schmalen Lippen und der Blick wurde langsam aus dem Fenster gerichtet. Es war noch nicht einmal dunkel geworden und sie lag träumend im Bett…

Mit einem leichten Schwung erhob sich die junge Frau, die Sonne verschwand in diesem Zeitpunkt hinter dem Horizont und ihr Gesicht strahlte wieder diesen Ausdruck aus, der so wenig aussagte. Langsam ließ sie ihre Alltagskleidung zu Boden fallen und nahm einen Beutel zur Hand, aus diesem Zog sie einige Dinge, wohl recht lumpig und nicht ihrem Kleidungsstil gleich. So kam auch eine Perücke zum Vorschein, welche nach ein paar Handgriffen den perfekten Platz auf ihrem Kopf fand. Und es dauerte nicht lange, da war auch ihr Gesicht nicht mehr das, was es einmal war. Eine ganz andere Person stand nun in diesem Raum, wo doch vor kurzen noch Alin zu erkennen war und auch ihre Persönlichkeit schien eine ganz andere zu sein…

Verfasst: Mittwoch 22. August 2007, 09:31
von Zakalwve
"Als er die Veranda der Taverne betrat, war er aus Versehen über das schlafende Fellknäuel gestolpert. Anstatt dass die verstörte Katze die Flucht ergriff, hatte sie nur wild gefaucht und alle Häarchen ihres samtigen Rückenfelles aufgestellt. In die Enge getrieben war der buschige Schwanz der Katze kerzengerade in die Höhe gereckt, während die Krallen ausgefahren wurden. Die Katze würde sich mit dem Überraschungsmoment eines halbherzigen Angriffes ihre eigene Flucht erkaufen, denn ihr war es nur allzu klar bewusst, dass sie gegen einen Menschen unterlegen war.
Gerade als er schon einen großen Bogen um das verstörte Tier machen wollte, sprang die Katze mit einem beherzten Satz auf ihn zu. Er konnte gerade noch ausweichen, doch die scharfen Krallen des Tieres bohrten sich durch seine weite Tunika tief ins Fleisch seines Oberarmes. Mit Zorn erfüllt griff er blitzschnell nach dem Nacken der Katze. Es macht kurz *knack*, als der Hals des Tieres von seinen kraftvollen Händen gebrochen wurde."


Verächtlichen Blickes setzte er sich mit einem großen Schritt über die tote Katze hinweg- und dann erblickte er Alin und etwas bohrte sich tief in sein Herz...