Nachtschwärmerflug – Reise zu entfernten Horizonten
Verfasst: Sonntag 5. August 2007, 21:08
1.) Wandlungen
In verwobenen, zarten und mehrschwadigen Nebelfäden stieg der Rauch aus der Schale auf, wand und drehte sich wie ein Gebilde aus einer Vielzahl Schlangen in sich selbst um zuletzt wie reife Früchte aufzubrechen, sich vollends zu entfalten und ein weiteres Stück Raum in Besitz zu nehmen. Dann plötzlich riss ihn etwas in der majestätischen Bewegung zurück und lenkte seinen Weg zum Zentrum des Raumes. Ohne langes Widerstreben schlich er begierig auf sein neues Ziel zu: eine kleine, menschliche Gestalt, welche bewegungslos gerade und wie paralysiert steif im Schneidersitz auf dem Steinboden saß. Obwohl die dicken Kellermauern alles Licht der Außenwelt gierig verschlangen und nur drei dürre Kerzen flackrigen, unsteten Schein in das Gemäuer warfen, langte diese schwache Lichtquelle um gespenstische, silbrige Schatten in das schneeweiße, längere Haar zu weben. Die sonst so porzellangleiche, marmorfarbene Haut wirkte nun käsig fahl, beinahe kränklich und dunkle Ränder setzten sich unter den fest geschlossenen Augen fast schon pechschwarz ab. Obwohl der kindlich-mädchenhafte Körper eine scheinbar unerschütterliche Ruhe ausstrahlte und die Atmung tief und langsam im stoischen Rhythmus die Lungen mit Luft füllte, wanderte der Augapfel fiebrig nervös unter den Lidern hin und her, die Hände krampften sich krallenartig um einen glitzernden Gegenstand und die Mädchenlippen blutleer verkniffen.
Der Rauch kitzelte an der Nasenspitze und bahnte sich dann den Weg ins Innere des vermeintlichen Kindes…
Er roch die kleinen Würmer, die sich den simplen, stumpfen Namen Menschen selbst gegeben hatten, schon Meilen bevor sie am Horizont als winzige, lächerliche Striche zu sehen waren. Die güldenen Lider öffneten sich wieder und geschlitzte, smaragdfarbene Pupillen spähten ins Tal hinab, die Situation kühl und blitzschnell einschätzend. Langsam reckte sich der geschuppte, mehrgliedrige Hals und entlockte den Strahlen der Abendsonne, in welcher er doch gerade noch behaglich seinen königlichen Leib erwärmt hatte, ein prachtvolles Facettenspiel. All seine scharfen Sinne versprühten Alarm, als die weisen, ewigen Augen die Waffen in ihren Händen erblickten. Er kannte sogar den Namen des Metallspießes, welcher für ihn gerade einmal ein Messerchen darstellte und doch von mehreren ihrer minderen Rasse geführt werden musste: Drachenspieß, nannte sie das Werkzeug und sie töteten damit seine Art.
Mit einer bizarren Mischung aus Empörung und Belustigung schnaubte er den Bergstaub aus den Atemwegen. So hatten sie nach dem gesamten Mondzyklus, welchen er nun schon auf diesem Hügel in der Nähe ihres albernen Dorfes verbracht hatte, nun also endlich den „Mut“ gefasst sich ihm zu nähern. Wenngleich auch auf eine äußerst feindselige Art und Weise. Die vierkrallige Klauen seiner Vorderbeine bohrten sich erwartungsvoll ins Gestein – es war an der Zeit die Kraft der Sonne, welche er wie ein fleißiges Eichhörnchen über all die Tage gespeichert hatte, zu nutzen! Der Schlangenhals wurde noch weiter gereckt und als die Wirbel zu knacken begannen, spürte er wie das Sonnenfeuer in seinem Körper das dunkle Blut erhitzte und zur mächtigen Glut verwandelte. Die kräftigen Hinterläufe stemmten den gewaltigen Körper mit absurder Grazie nach oben und während das mächtige Herz immer schneller schlug, sammelte sich gleich daneben in seiner Brust ein Geräusch, wanderte als Schrei durch den Hals und entwich dem Maul in seiner Vollendung als ohrenbetäubendes Brüllen. Dann setzten sich die Hinterbeine in Bewegung. Ihm langten drei, vier kraftstrotzende Schritte, dann entfaltete er die ledrigen Flügel an seinem Rücken, deren Spannweite mindestens fünfmal seiner Körperlänge entsprach.
Ein majestätisches Rauschen begleitete seinen Aufstieg in die Welt des Himmels und vermischte sich bald mit dem Pfeifen der Winde, welche ihn sanft umschlossen. In nur wenigen Lidschlägen hatte er die nun panisch auseinanderhastende Truppe erreicht. Nicht einmal mehr als eine handvoll jämmerlicher Menschlein. Ein Gefühl des matten Mitleids und vor allem der Desinteresse lenkte den Feuerstrahl haarscharf an ihnen vorbei und er machte sich nicht einmal die Mühe umzudrehen, sondern ließ das verschonte Ungeziefer hinter sich um mit kraftvollen Flügelschlägen seinen Weg fortzusetzen… der Sonne entgegen…
Die kleine Gestalt keuchte und sackte etwas in sich zusammen. Schweißtropfen glitzerten nun auf der bleichen Stirn und unterstrichen den kränklich-ungesund Teint beunruhigend. Mit flattrigen, kleinen Bewegungen hob nun auch sie die Lider an und starrte keuchend auf die Hände herab. Schwächlich lösten sich jene, wie auf einen unausgesprochenen Befehl, vom vorher so fest umklammerten Relikt um eine einfache Spiegelscherbe zu entblößen.
Smaragdgrüne, geschlitzte Pupillen inmitten einer goldenen Iris blickten ihr entgegen und die blassen Lippen kräuselten sich zum schwachen Triumphlächeln.
Es war noch nichts verloren.
Sie musste nur weiter üben, sich weiter erinnern, mehr begreifen.
Die Wandlung war noch nicht vorbei.
[img]http://www.siegfried.onlinehome.de/mira/drachenauge.jpg[/img]
In verwobenen, zarten und mehrschwadigen Nebelfäden stieg der Rauch aus der Schale auf, wand und drehte sich wie ein Gebilde aus einer Vielzahl Schlangen in sich selbst um zuletzt wie reife Früchte aufzubrechen, sich vollends zu entfalten und ein weiteres Stück Raum in Besitz zu nehmen. Dann plötzlich riss ihn etwas in der majestätischen Bewegung zurück und lenkte seinen Weg zum Zentrum des Raumes. Ohne langes Widerstreben schlich er begierig auf sein neues Ziel zu: eine kleine, menschliche Gestalt, welche bewegungslos gerade und wie paralysiert steif im Schneidersitz auf dem Steinboden saß. Obwohl die dicken Kellermauern alles Licht der Außenwelt gierig verschlangen und nur drei dürre Kerzen flackrigen, unsteten Schein in das Gemäuer warfen, langte diese schwache Lichtquelle um gespenstische, silbrige Schatten in das schneeweiße, längere Haar zu weben. Die sonst so porzellangleiche, marmorfarbene Haut wirkte nun käsig fahl, beinahe kränklich und dunkle Ränder setzten sich unter den fest geschlossenen Augen fast schon pechschwarz ab. Obwohl der kindlich-mädchenhafte Körper eine scheinbar unerschütterliche Ruhe ausstrahlte und die Atmung tief und langsam im stoischen Rhythmus die Lungen mit Luft füllte, wanderte der Augapfel fiebrig nervös unter den Lidern hin und her, die Hände krampften sich krallenartig um einen glitzernden Gegenstand und die Mädchenlippen blutleer verkniffen.
Der Rauch kitzelte an der Nasenspitze und bahnte sich dann den Weg ins Innere des vermeintlichen Kindes…
Er roch die kleinen Würmer, die sich den simplen, stumpfen Namen Menschen selbst gegeben hatten, schon Meilen bevor sie am Horizont als winzige, lächerliche Striche zu sehen waren. Die güldenen Lider öffneten sich wieder und geschlitzte, smaragdfarbene Pupillen spähten ins Tal hinab, die Situation kühl und blitzschnell einschätzend. Langsam reckte sich der geschuppte, mehrgliedrige Hals und entlockte den Strahlen der Abendsonne, in welcher er doch gerade noch behaglich seinen königlichen Leib erwärmt hatte, ein prachtvolles Facettenspiel. All seine scharfen Sinne versprühten Alarm, als die weisen, ewigen Augen die Waffen in ihren Händen erblickten. Er kannte sogar den Namen des Metallspießes, welcher für ihn gerade einmal ein Messerchen darstellte und doch von mehreren ihrer minderen Rasse geführt werden musste: Drachenspieß, nannte sie das Werkzeug und sie töteten damit seine Art.
Mit einer bizarren Mischung aus Empörung und Belustigung schnaubte er den Bergstaub aus den Atemwegen. So hatten sie nach dem gesamten Mondzyklus, welchen er nun schon auf diesem Hügel in der Nähe ihres albernen Dorfes verbracht hatte, nun also endlich den „Mut“ gefasst sich ihm zu nähern. Wenngleich auch auf eine äußerst feindselige Art und Weise. Die vierkrallige Klauen seiner Vorderbeine bohrten sich erwartungsvoll ins Gestein – es war an der Zeit die Kraft der Sonne, welche er wie ein fleißiges Eichhörnchen über all die Tage gespeichert hatte, zu nutzen! Der Schlangenhals wurde noch weiter gereckt und als die Wirbel zu knacken begannen, spürte er wie das Sonnenfeuer in seinem Körper das dunkle Blut erhitzte und zur mächtigen Glut verwandelte. Die kräftigen Hinterläufe stemmten den gewaltigen Körper mit absurder Grazie nach oben und während das mächtige Herz immer schneller schlug, sammelte sich gleich daneben in seiner Brust ein Geräusch, wanderte als Schrei durch den Hals und entwich dem Maul in seiner Vollendung als ohrenbetäubendes Brüllen. Dann setzten sich die Hinterbeine in Bewegung. Ihm langten drei, vier kraftstrotzende Schritte, dann entfaltete er die ledrigen Flügel an seinem Rücken, deren Spannweite mindestens fünfmal seiner Körperlänge entsprach.
Ein majestätisches Rauschen begleitete seinen Aufstieg in die Welt des Himmels und vermischte sich bald mit dem Pfeifen der Winde, welche ihn sanft umschlossen. In nur wenigen Lidschlägen hatte er die nun panisch auseinanderhastende Truppe erreicht. Nicht einmal mehr als eine handvoll jämmerlicher Menschlein. Ein Gefühl des matten Mitleids und vor allem der Desinteresse lenkte den Feuerstrahl haarscharf an ihnen vorbei und er machte sich nicht einmal die Mühe umzudrehen, sondern ließ das verschonte Ungeziefer hinter sich um mit kraftvollen Flügelschlägen seinen Weg fortzusetzen… der Sonne entgegen…
Die kleine Gestalt keuchte und sackte etwas in sich zusammen. Schweißtropfen glitzerten nun auf der bleichen Stirn und unterstrichen den kränklich-ungesund Teint beunruhigend. Mit flattrigen, kleinen Bewegungen hob nun auch sie die Lider an und starrte keuchend auf die Hände herab. Schwächlich lösten sich jene, wie auf einen unausgesprochenen Befehl, vom vorher so fest umklammerten Relikt um eine einfache Spiegelscherbe zu entblößen.
Smaragdgrüne, geschlitzte Pupillen inmitten einer goldenen Iris blickten ihr entgegen und die blassen Lippen kräuselten sich zum schwachen Triumphlächeln.
Es war noch nichts verloren.
Sie musste nur weiter üben, sich weiter erinnern, mehr begreifen.
Die Wandlung war noch nicht vorbei.
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