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Alles was bleibt ist ...

Verfasst: Mittwoch 20. Juli 2005, 16:38
von Safiya Omar
Safiyas Blick glitt den Salzberg hinauf. Vom Gipfel aus hatte man einen atemberaubenden Blick über das ganze Wüstenland. Sie hockte sich hin und ließ eine Hand über den heißen Wüstensand streichen, bevor sie ein wenig davon aufnahm und sich dann auf den Weg machte, den Berg zu besteigen. Ein wenig erschöpft und außer Atem kam sie oben an, die Hitze der Mittagssonne war kaum auszuhalten, selbst für jene die ihr lebten. Doch so schwer es manchmal auch sein mochte, eines stand fest...sie alle liebten ihr Land...und das Leben hier...mit all seinen Schönheiten aber auch Schwierigkeiten, die es bereithielt.

Gedankenverloren saß sie auf einem kleinen Felsen, nahe des Abgrundes, und ließ den Blick über die Weiten der Wüste schweifen...in der Ferne die Silhouetten der Stadt, der Oase, des Palastes und auch der Insel, auf der die Ahnen ruhten. Die gleißende Sonne ließ alles ein wenig verschwommen wirken...trügerisch das Bild das sich auftat, als könnte man nicht sicher sein, ob das auf das man blickte vielleicht nicht doch nur Einbildung wäre.

Abwesend starrte Safiya vor sich hin, während die Stunden ins Land zogen und langsam bekam die Sonne ihre übliche rötliche Färbung, die sie immer annahm, mal stärker, mal weniger intensiv, wenn sie unterging. Es sah aus als würde sich ein Teppich aus Blut über die Wüste legen...und sie wurde aus ihren Gedanken gerissen als der rote Schleier sich immer weiter ausbreitete und einer Welle gleich auf den Berg zurollte.

Ein leises Seufzen entrang sich ihrer Kehle und behutsam öffnete sie die Hand, die den, nun etwas feuchten, Wüstensand hielt und streckt sie noch vorne aus. Die Wärme war noch nicht verschwunden, es würde noch einige Stunden dauern bis sich die unangenehme Kälte übers Land legen würde, und so sah sie zu wie jedes einzelne Korn, das in der Abendsonne getrocknet ward, vom Wind davongetragen wurde.

„Glaubst Du sie wird je wiederkommen?“ Sie wendete abrupt den Kopf zur Seite, wo Khalida stand, die soeben auf dem Gipfel angekommen und gerade dabei war, sich neben sie zu setzen. „Ich weiß nicht, ob ich darauf überhaupt eine Antwort haben möchte. Das bisschen Hoffnung ist mehr Wert als eine endgültige Gewissheit.“ Abermals entfuhr Safiya ein Seufzen und ihre Augen begannen wieder den Horizont abzusuchen.

Safiyas Blick blieb in der Ferne hängen. „Sie fehlt mir...sie wäre nie freiwillig gegangen... das wissen wir beide. Ich meine...irgendein Zeichen würde schon genügen. Alles was es irgendwie einfacher machen würde. Drei Jahre schon, Khali. Vielleicht ist es an der Zeit...“ sie deutete mit dem Finger in die Richtung wo sich die Grabstätte befand. „...sie gehen zu lassen?“

Verfasst: Donnerstag 21. Juli 2005, 13:00
von Khalida Yazir
Sternenklar und eiskalt war die Nacht, als Safiya und Khalida den hohen Salzberg hinabstiegen. Keine der Beiden sprach ein Wort, es war auch nicht nötig. Nicht einmal die Kälte schien ihnen heute noch etwas auszumachen. Sie hingen ihren eigenen Gedanken nach, und auf eigentümliche Weise war es der immer fort wandernde Sand, der jene mit sich nahm.

Diese Nacht sollte die Letzte sein, sie sollte das Warten beenden. Allein die Gedanken an Asiya und die Hoffnung auf ihre Wiederkehr würden bleiben. Diese Nacht war es auch, in der sie die letzte Wache schoben, nicht im Auftrag ihrer verschwundenen Befehlshaberin, sondern für sie. So schickten sie die beiden Soldaten am Eingang Menek'Urs fort, und verweilten selbst bis zum Sonnenaufgang, ob sie nicht doch noch eine einsame Wanderin in der Ferne erblicken würden - aber es tat sich nichts.

Vier Stunden waren vergangen, vier Stunden hatten sie geruht, bis die Sonne wieder am höchsten Stand war und sie sich erneut auf den Weg in die Wüste machten. Ein irdenes Gefäß, verziert mit kleinen Reliefs, hauptsächlich Kampfszenen, hatten sie mit dabei, vorsichtig verhüllt mit Tüchern, um es vor jedem Schaden zu bewahren. Der trockene Sand klebte bereits an jeder Stelle des Körpers, wo die Haut von einem hauchdünnen Schweißfilm überzogen war, den die unbarmherzige Sonne an diesem Tag auslöste. Schließlich hielten sie auf eine der unzähligen Sanddünen, die sich über das Land erstreckten, und begannen den heißen Sand in das Gefäß rieseln zu lassen, ein Gefäß, was ihnen nun mehr als Urne dienen sollte. Ein Andenken an Asiya, deren Leib wohl in dem ewigen Sand dieses Landes verschwunden war.