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Der Arcomagus

Verfasst: Freitag 20. Juli 2007, 10:55
von Lanaya Shevanor
Die dünnen Finger glitten spinnengleich über den roten Stoff. Ob der letzten Begebenheiten war sie mager geworben, es zehrte an ihr und sie wusste bereits das sie diesen Kampf nicht gewinnen konnte. Äußerlich hatte sie sich gefügt. Nicht eine Geste, ein Wort gab Aufschluss darüber was sie von gewissen Vorgängen dachte. Innerlich jedoch kochte sie. Der Hass nagte an Gedanken, Erinnerungen und hob das was verloren war immer wieder schmerzhaft hervor. Kaum eine Nacht verging in der sie ohne einen Trunk zur Ruhe kam.

Träume...

Mächtig, gewaltig... es gab kein Wort das es beschreiben könnte. Die Erniedrigung des Rituals hatte sich fest verankert – sie würde nicht vergessen was sie ihr angetan hatte, niemals. Auch der Blick, der meerblauen Augen jener gierig über ihren blassen Körper glitt, die Vorzüge auskostend musternd war alles andere als angenehm gewesen. Mochte sein das sie derlei zu schätzen wusste, mochte sein das sie sich nehmen konnte was sie wollte ... doch was nicht freiwillig gegeben wird gehört einem nicht. Eines Tages würde sie sich erheben und der Hierarchie gerecht werden. Sie konnte ihr nicht verzeihen, diesmal nicht. Es war keine Gefälligkeit gewesen als die Wahl der rechten Hand auf sie gefallen war. Sicherlich barg diese Position eine Macht und ein Wissen das über jenes der Ordensmitglieder weit hinaus ging.

Doch jede Münze hat zwei Seiten. Niemals hatte sie erwartet das der Preis so heftig ausfallen würde. Als ob die Übernahme der Seelen nicht schmerzhaft genug gewesen wäre. Der Pakt... der Pakt.... Ein stummes kopfschütteln brachte sie zurück in die Wirklichkeit. Fest hatten sich die Finger während ihrer Überlegungen in den Stoff gekrallt und einen Moment sah sie verwundert auf die deutlich hervor tretenden Knöchel. Ruhig glitt der Blick dann über den Stoff diesen glatt ziehend ehe sie sich vor dem Kamin auf das Fell sinken ließ. Einige Momente war es ihr vergönnt in die Flammen zu sehen ohne jeglichem Gedanken nachzugehenh. Dann jedoch kehrte die Erinnerung an jenen Abend zurück. Barfuß hatte sie sich die Treppen hinauf geschleppt. Es war eine fürchterliche Nacht gewesen. Voller Emotionen mit denen sie nicht umzugehen wusste und voller Schmerzen ob dem was passiert war. Ihr Zustand war fraglich und im Grunde hatte sie nach der Freundin gesucht, wollte mit ihr sprechen. Alles was sie gefunden hatte war der Dämon jener sich in dem mageren Körper Lythiana's eingenistet hatte.

Wie es das Schicksal wollte hatte sie einen Zeitpunkt getroffen an dem dies überaus deutlich zu bemerken war. Zwang, Worte... Zuckerbrot und Peitsche... sie kannte diese Spielchen und im Grunde liebte sie es zu spielen doch irgendetwas in ihr Schrei zu jenem Zeitpunkt auf . >>Du bist NICHT Lythiana!<< Die Worte klangen viel zu hastig auf die geforderten Antworten heraus und sie wusste selbst das sie hätte anders reagieren müssen als die Schlinge sich um ihren Hals zuzog. Ausharren, es ertragen – alles, nur zur wehr setzen durfte man sich nicht. Schmerz war sie gewohnt, erduldete was sie ihr antat und die Gewissheit ob des Umstandes festigte sich. Nein, das war nicht länger Lythiana. Ihre Vertraute hatte sie verloren. Noch war die Wandlung nicht gänzlich abgeschlossen. Noch war sie nahezu 'menschlich' in Statur, Stimme und auch dem Auftreten würde man im ersten Moment einen Menschen vermuten. Wie lange würde es dauern bis der Dämon gänzlich besitzt ergriff, wie lange konnte sie genießen was ihr gegeben ward? Litt sie vielleicht im Grunde ihrer Seele? War es Mitleid das sie zu derlei Gedanken bewegte? Sie wusste es nicht. Einzig der Verlust dessen was die Arkoritherinnen verbunden hatte zählte in jenen Augenblicken. Als die Maestra den Preis für ihre Ergebenheit eröffnet haben wollte wählte sie etwas das sie ihr nicht geben konnte. Beide wussten es doch würde sie jegliche neu gebotene Macht ausschlagen so man es ihr gewähren würde. Die Maestra lehnte ab und nahm sich was sie haben wollte die besiegelnde Forderung ihrerseits erheblich abschwächend.

Sie würde bis zu einem gewissen Grad bekommen nach was sie sich sehnte. Sicher war hierbei das beide Frauen wussten das dieser Vorgeschmack sie nach mehr verlangen ließ. Wie lange würde sie es erdulden ehe sie tiefer in das Band hineinrutschte jenes jeden Ordensmeister mit seinem direkten Vertrauten verband? Wie lange würde es dauern bis die Wandlung vollkommen war und man sie nicht mehr als Menschlich sehen konnte, würde es überhaupt dazu kommen? Sie wollte es nicht erleben, wollte nicht sehen was mit Lythiana geschah sie konnte nicht's tun das nicht mindestens einer den Tod gebracht hätte. Kurz, es machte sie wahnsinnig. Der unbeschreibliche Hass auf das was die Herrschaft an sich riss tat sein übriges. Doch die Arkoritherin wusste den Schein zu wahren. Tadellos war das Verhalten innerhalb des Ordens. Einzig die Maestra würde wissen was sie tat und welchen Hintergrund dies hatte. Gleichsam war es schon immer so gewesen. Wer an der Spitze stand nach dem wurde getrachtet. Keine wirkliche Gefahr solange man nicht vom Gedanken zur Tat schritt und sich versuchte.

Ihre Gedanken schweiften ab. Ja, selbst die Maestra würde ihr nicht geben können was sie so dringend haben wollte. Niemand würde dies - doch einer hatte es ein Stück weit getan. Hatte ihr Möglichkeiten zugestanden die diverse Umstände vollkommen änderten. Waren jene nun hinfällig? Sonderlich sagte ihr dieser Gedanke und die Richtung in jene sie abzudriften drohte nicht zu und gezwungen begann sie sich mit Dingen zu befassen die bislang ihre Aufmerksamkeit nicht ausreichend erregt hatten. Die jüngsten Begebenheiten jedoch machten 'ihn' interessant.

Verfasst: Samstag 21. Juli 2007, 06:48
von Lanaya Shevanor
Nachdem die eigenen Nachforschungen nicht lieferten was sie wissen wollte ging sie unruhig auf und ab. Konnte denn die Tage gar nichts einfacher sein als es den Anschein hatte? Unzufrieden glichen die dünnen Lippen einem schmalen Strich. Doch noch gab sie nicht auf. Briefe wurden geschrieben und an entsprechende Stelle gesandt. Gleichsam sprach sie mit dem Ein oder Anderem Menschen ihm einen Auftrag gebend. Was wusste sie über den Arcomagus...? Viel war es nicht. Seine Kraft war offensichtlich, sein Wirken jedoch fremd. Interessant doch würde es ausreichen, konnte er ...? Diesen Gedanken fasste sie nicht zu Ende sondern dachte an ihre erste Begegnung zurück.


Aufeinander getroffen waren sie das erste Mal in den Tiefen des alten Tunnels. In voller Aktion gegen einen Höllenfürsten war ihr dennoch die Anwesenheit des Fremden in den Klängen aufgefallen. Sie hatte damals abgelassen dem Balron weiter zu zusetzen und hatte sich mit ihm befasst solange jener gebannt war. Worte jene überaus nichts sagend waren wurden ausgetauscht. Man schenkte sich nichts und keiner war bereit dem Anderen etwas zuzugestehen. Letztendlich forderte er sie auf zu beenden was sie angefangen hatte. Der Hund jenen sie aus seiner Sphäre riss lockte bei ihm ein verächtliches Schmunzeln hervor. Was hatte er damals gedacht? All zu freundlich durfte es wohl nicht gewesen sein. Allerdings änderte sich sein Gesichtsausdruck als sie dem Tier in das Refugium des Fürsten folgte. War es unerwartet, hielt er es für mutig – für dumm? Nicht viele Gedanken verschwendete sie damals darum sondern lieferte ihm ein Schauspiel welches ihn entweder beeindruckt hatte oder schlichtweg so unerwartet war das es ihn festhielt. Nach einiger Zeit viel der Fürst doch der Arcomagus war geblieben. Sie hatte die Kapuze zurück gezogen um sich gleichsam einige der hellen Strähnen aus dem Gesicht zu wischen. Abermals hatte man sich angestarrt – geredet. Warum hatte er überhaupt mit ihr gesprochen? Warum jene Fragen gestellt? Er war undurchsichtig, so viele Möglichkeiten eröffneten sich um ihn herum das sie wahrlich einiges zu tun hatte diese abzuwägen. Dennoch, es hatte damals nicht gereicht ihre Aufmerksamkeit soweit zu erregen sie zu einem Handeln zu bewegen. Im Grunde hatte sie es überaus dreist gefunden überhaupt eine Aufgabe von einem Fremden zu vernehmen. Jetzt allerdings...


Die Gedanken kehrten zurück. Ja, was jetzt – waren die Zustände so erbärmlich das sie sich dafür her gab? Eine Maestra die einen Botengang erledigte wie ein junger Adept? Eine Maga die sich gegen die Maestra stellte um einer berechtigten? Strafe zu entgehen?

... und reize einen Dämonen nicht...!

Diese Worte hätte man ihr vermutlich gründlich hinter die Ohren schreiben sollen. Sie kannte die Regeln, die Traditionen – wusste das es unabänderlich war. Was kämpfte sie noch? Waren es die Aufgaben jene man von ihr verlangte? War es der verletzte Stolz oder lediglich das letzte Fünkchen Menschlichkeit das herrisch auf begehrte nicht zu verstummen? Kreisend tobte das Gedankenwirrwarr in ihrem Kopf. Ihre Ergebenheit wurde die Tage wahrlich hart geprüft doch wie würde sie sich entscheiden, wie konnte sie auch nur überhaupt daran denken diese Aufgabe nicht so umzusetzen wie sie gestellt worden war. Gehorsam ist eine Tugend die man rasch vorzuspielen lernt. Es gab nur wenige Optionen, man folgte dem Zwang der Hierarchie oder man stellte sich gegen sie. Letzteres war ab einem gewissen Umfang tödlich. Doch wäre der Tod keine Erlösung. Sie fürchtete sich nicht vor ihm selbst sondern vor dem was danach geschehen würde.

Ein Pakt – für alle Ewigkeit
dienen um zu leben
leben um zu sterben
sterben um ihm gerecht zu werden

Verfasst: Samstag 21. Juli 2007, 13:55
von Lythiana Cronor
Ein Meister und seine rechte Hand. So war es stets und so würde es immer sein. Mit altbewährten Traditionen brach man nicht, das wussten sie beide. Genauso wie sie beide wussten, dass es für die Position der Stellvertreterin der Maestra nur eine Kanditatin gab. Die Vorkommnisse zwischen Lanaya und ihr hatten jedoch mit bewusst gefällten Entscheidungen eher wenig zutun....

Kaum bei Sinnen war sie gewesen, als die Schwester den Turm betrat. Halb wahnsinnig vor Schmerz, Angst und dem Wissen um ihre neugewonnene Macht. Der Wind hatte sich so drastisch gedreht wie sie es nie für möglich gehalten hatte. Dieser Gedanke schoss ihr noch durch den Kopf, ehe ihr Bewusstsein schlicht weggewischt wurde, wie Kreide von einer Tafel.

Stunden später lag sie alleine in ihrem Bett, zitterte im Schüttelfrost und glühte gleichzeitig im Fieber. Das Ritual lief wieder und wieder vor ihrem geistigen Auge ab, jeder ihrer Handlungen war ihr so bewusst als ob sie sie selbst ausgeführt hatte. Im Grunde war es ja tatsächlich so. Jeder einzelne Zauber trug ihre Handschrift, die Linien des Pentagrammes waren durch ihre Hand gezogen worden.... Hatte sie es gewollt? Hatte es ihr gefallen? Ein Teil von ihr – oder etwas in ihr? - schrie „Ja!“, leckte sich just in diesem Moment noch die Krallen ab....

Einige Wochen später:

Mit langsamen, so gut wie lautlosen Schritten näherte sich die Maestra den Toren der Festung. Sacht hoben sich die Mundwinkel, als sie eine schmale, in eine blutrote Robe gewandete Gestalt erkannte, welche ebenfalls gerade auf dem Weg zur Festung schien. Lanaya....Erschrocken drehte sich jene um, sobald die Stimme Lythianas hinter ihr erklang. „Was für ein glücklicher Zufall...“

Kurz darauf betrat die Maestra das Kellergewölbe der Burg, Lanaya dicht hinter sich. Kerzen und Kohlebecken schienen plötzlich deutlich heller zu glimmen, als würden sie auf ihre Anwesenheit reagieren. Lythiana nahm Platz und gebot der Schwester wenig später sich ebenfalls zu setzen. Die schlanken Hände wurden auf den Lehnen des thronähnlichen Stuhles abgelegt. „Hast du es dir angewöhnt, so in der Burg zu erscheinen?“ sprach sie, nachdem Lanaya einer eingehenden Musterung unterzogen worden war. Vorgeplänkel, nicht mehr...die Weichen sollten gestellt werden bevor man sich mit der eigentlichen Thematik beschäftigte. Nichtsdestotrotz erwartete sie auf ihre Fragen schnelle und vor allem widerspruchslose Antworten. „Das Neue muss noch beweisen dass es das Alte ersetzen kann...“ Unwillkürlich ballten sich die Fäuste der Arkoritherin bei der Erinnerung an den Mann, der ihr jenen Satz vor wenigen Tagen an den Kopf geworfen hatte. Recht hatte er jedoch – und sie würden jenen Beweis nicht schuldig bleiben.

Letztlich wandten sie sich dem eigentlichen Thema der Unterredung zu. Der Besuch beim Alka vor einigen Tagen war alles andere als zu ihrer Zufriedenheit verlaufen, Fehler waren gemacht worden die nicht hätten gemacht werden dürfen. Nun galt es, eine Wiederholung dieser Fehler zu unterbinden – und den nächsten Schachzug einzuleiten. Die Reaktion der Schwester auf diesen Schachzug verlief wie erwartet. Hass, Wut, Ablehnung... alles jedoch nur für jene erkennbar, die einstmals zu Lanayas engsten Vertrauten gehört hatte. Oder immer noch gehörte? Was Lanaya anging, so hielt jene sie scheinbar für tot oder so gut wie tot, verzehrt von einem fremden Bewusstsein. Alle Erklärungsversuche, alle Hinweise auf die Maßnahmen, die sie zu ihrem eigenen Schutz ergriffen hatte, waren fruchtlos. Nun gut, sei es drum – sie hatte nun schlicht nicht die Zeit dazu, sich damit detailliert auseinander zu setzen. Es gab wichtigeres zu tun.... „Steh auf, Lanaya....“

Verfasst: Samstag 21. Juli 2007, 22:08
von Lanaya Shevanor
Tatsächlich war die Kleidung unangemessen, hatte sie jene nicht mit Bedacht gewählt? Wollte sie reizen? Wehrte sie sich auf diese Art und Weise oder war es wirklich der angegebene Grund? Wie auch immer – nichts hätte den Umstand beheben können und manch einer würde es durchaus als Pech bezeichnen aufeinander getroffen zu sein ehe sie die Robe innerhalb der Burg hatte austauschen können. Die Konsequenzen folgten in dem einleitenden Geplänkel. Sie biss sich nicht wenige Male auf die Zunge. Gewisse Entscheidungen und Worte zweifelte man nicht an. Was dann jedoch folgte war alles andere als angenehm. Wie konnte man derlei von ihr verlangen? Die Maestra wünschte, nein sie forderte das sie selbst ihre weiblichen Vorzüge in Gegenwart seiner Heiligkeit hervorhob. Sie sollte die Waffe sein jene sich innerhalb seines Refugiums einnistete und ihre Klingen schärfte bis die Maestra gewillt war jene zu nutzen. Im Grunde war sie den Grundsätzen dieses Befehls keinesfalls abgeneigt doch je mehr sie sollte desto weniger wollte sie. Sie zermarterte sich den Kopf wie man es umgehen konnte. Befehle zu interpretieren war alles. Das hier allerdings war überaus deutlich, wie würden die Folgen sein? Was wäre das Beste für den Orden und die Beziehung zur Stadt? Gleichsam durchkreuzten die eigenen Pläne dies gewaltig. Wie sollte sie bitten und gleichsam... nein – eines nach dem Anderen.

Ihre Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf die Maestra. Diese war nicht zufrieden, weder mit den Worten seiner Heiligkeit noch damit was daraus folgen könnte. Als hätte sie selbst Schuld daran nahm sie es hin. Einer musste ob des Umstandes herhalten das sie es sein würde, damit hatte sie gerechnet und würde ertragen was man ihr zugedacht hatte. Wortlos kam sie den folgenden Worten nach und zog ihre Oberbekleidung aus. Auch das Rüstzeug folgte und gehorsam drehte sie sich um. Die Anwesenheit der Maestra war überdeutlich in den Klängen und auch als sich eines der mächtigen Artefakte des Ordens hinzumischte wusste sie was kommen würde.



.....Die Dämonenpeitsche, schwarz überzogen von feuchten, roten Schlieren die niemals ermatten sondern stetig glänzen als wären sie frisch. Ein grünes, unwirkliches Leuchten das die einzelnen Stränge hervor hebt und schmeichelnd um sie fließt. Schon alleine ihr Anblick ist überaus widerwärtig doch nur wenige kommen in den Genuss ihrer Wirkung. Nahezu unmöglich erscheint es mir ihre Wirkung gänzlich zu erfassen. Einige der Runen sind selbst mir unbekannt doch so man sie schwingt erfordert es eine übernatürliche Selbstbeherrschung wieder damit aufzuhören. Süßlich, lockend und überaus angenehm verspricht die damit Verbundene Macht die Strafe niemals enden zu lassen. Sie Tötet nicht. Ihre Aufgabe liegt in anderen Zügen als das verursachte zu mildern....


Ein Auszug aus den Schriften des Arcomagus Adaven Syrales. Bekannt war er unter einem gänzlich anderen Namen geworden doch an seinen Ausführungen hegte sie keinerlei Zweifel. Sie wusste was auf sie zukommen würde und sie wusste ebenfalls das sie es nicht zulassen konnte. Nein! So folgsam war das penibel geformte Instrument doch noch nicht das es hinnehmen konnte was ohne Grund erfolgte. Es war nicht ihre Schuld das die Maestra dieses Spiel nicht beherrschte jenes der Alka zu spielen pflegte, sie wehrte sich. Mit aller Macht gelang es tatsächlich die Maestra an Ort und Stelle zu halten. Einfach war es nicht doch Lythiana hatte ihr nichts entgegen zu setzen. Dann jedoch griffen andere Kräfte in den Vorgang ein. Sie selbst wurde wie ein Blatt im Wind zurückgeworfen als die Zauber von jenen durchrissen wurden. Lythiana holte aus, die Peitsche glamm auf und kurz darauf schlangen sich die Riemen um ihren Arm. Das Gefühl war unbeschreiblich. Als würde sich der Schmerz direkt in ihre Seele brennen. Jegliches zurückrucken half nicht und sie wusste das sie diesem Griff des magischen Artefaktes nicht entkommen konnte.

Allerdings rief er eine weitere Reaktion hervor. Sie griff selbst in die Klänge ein und bog jene herrisch zurecht bis der blasse Körper sich formte. Größer, stärker und mit jedem Muskel den man erkennen konnte nahm sie langsam Gestalt an. Doch selbst in jener Form konnte sie sich nicht wehren – es war vorbei. Die Stränge der Peitsche hatten den Arm fest umgriffen, waren mit seinem Umfang mit gewachsen und vollzogen ihre Tätigkeit. Der Vorgang war kaum zu beschreiben und man würde ihn wohl kaum in Worte fassen können – sie schrie auf. Donnernd hallte die Stimme von den Wänden wieder und wäre in menschlichen Ohren wohl überaus schmerzhaft. Derzeit jedoch befanden sich keine Menschen in den Ritualräumen des Ordens. Sie selbst war verwandelt und die Maestra sah sie längst nicht mehr als Menschen an. Noch mochte ihre Menschlichkeit zu einem gewissen Grad gewahrt sein doch war sie auf den besten Pfaden jene zu verlieren. Was sich weiter in den Räumen abspielte wurde penibel verdrängt. Doch den Folgen konnte sie sich nicht entziehen. Sie musste eine Möglichkeit finden der Aufgabe Herrin zu werden die ihr zusagte und gleichsam die Maestra befriedigen würde. Im Zuge dessen verband sie gewisse Dinge miteinander. Die Adepten mussten herhalten und einige persönliche Fragen beantworten. Gleichsam gab die Lethra Aufschluss über mehr als ihr vermutlich bewusst sein dürfte. Die nächsten Schritte wurden geplant.

Verfasst: Sonntag 22. Juli 2007, 01:25
von Velvyr´tae
Kühle Nachtluft drang über das Meer, getragen vom stets vorhandenen Windhauch. Die samtige Dunkelheit einer Sommernacht eroberte ihr Territorium, hüllte die Stadt in weiche Schatten. Idyllisch, voll einlullender Ruhe, trügerisch. Einer der Schatten, gegenüber der Silhouette des Palastes, erwachte zum Leben. Aus dem Zwielicht formte sich eine schmale Gestalt, gleichförmig und nichtssagend durch den weiten Umhang, der ihre Konturen verbarg. Ihr Blick ruhte unverwandt auf dem Gebäude. War Er dort? Er, dem sie dienen würde. Es gab keine Möglichkeit, diese Pflicht zu umgehen, und so hatte sie sich niemals gefragt, ob sie Ihm tatsächlich alles hingeben wollte. Nicht nur Demut und Respekt. Nicht nur Loyalität.

Sie hatte nie darüber nachgedacht, diese Gedanken sorgsam vermieden. Gewiss, sie genoss das Spiel aus beiläufig fallen gelassenen Worten, Andeutungen. Dieses gefährliche, so prickelnde Spiel. Doch die Arkoritherin hatte - wie meist - einen verderblichen Einfluss und ihren sorgsam aufgebauten Selbstschutz mit wenigen Worten umgangen. Und es war ihr mit Sicherheit nicht einmal bewusst. In Momenten wie diesen verstand die Lethra, warum so viele ihres Volkes den Kontakt zu Menschen mieden. Ihre Denkweise war ansteckend, klebrig und gefährlich, wenn man ihr zu lange ausgesetzt wurde. Welche Motivation auch immer hinter der so widerwillig vorgebrachten Frage Lanayas nach dem Verhältnis zwischen Mann und Frau in der letharischen Gesellschaft stand, sie hatte ihre Gedanken auf ungewohnte Pfade geführt. Es hatte die Lethra amüsiert, wie steif und maskenhaft das Gebaren der blassen Maga im Verlauf des Gespräches wurde. Sie war in manchen Dingen so einfach zu beeinflussen – zupfte man an jenem Faden, enthüllte das Knäuel eine zuvor verborgene Schicht. Doch das Ganze war vielschichtig und zu komplex, um es zu erfassen. Die Lethra war zu selbstsicher geworden und hatte nicht wahrgenommen, dass Beeinflussung immer in beide Richtungen funktionierte.
Im Augenblick war der Geist der Arkoritherin aufgewühlt. Velvyr hatte ihre Unruhe beinahe greifen können, den raschen Wechsel der Mimik, die vorsichtigen Fragen. Irgendetwas ging vor sich, dass sie mit den wenigen Informationen nicht verstehen konnte. Allerdings war ihre Neugierde geweckt. Woher stammten die seltsamen Male auf dem Unterarm Lanayas, warum interessierte sie sich so gierig für jenen unbekannten Arcomagus? Hingen das bittere Lächeln und die Erwähnung der ungewollten Wendungen zusammen?

Die Lethra war versucht, sich selbst spöttisch auszulachen. Hier stand sie nun, grübelnd über die Sorgen eines Menschen. Keine Frage, es war ansteckend. Die Neugierde verlockte sie stets aufs Neue, die Gedankenwelt der Menschen auf neuen Pfaden zu durchwandern. Doch dort lauerten Sümpfe, in denen sie selbst auf grausame Weise einen Spiegel vorgehalten fand. Auch ihr Leben war bestimmt von beständigem Taxieren, der alltäglichen Maskerade. Man wiegte sich rasch in der trügerischen Sicherheit, alle Fäden in Händen zu halten. Erst wenn ein anderer Puppenspieler scharf an einem der Fäden zerrte, wurde die Illusion zerstört. Auch wenn es lächerlich war, benötigte sie für sich den Gedanken, ihre Entscheidungen bewusst und aus eigenem Antrieb zu fällen. Doch in manchen Dingen besaß man keine Wahl. Man konnte seine Entscheidung dem Unausweichlichen anpassen. Doch die Macht besaß der Puppenspieler. Oder war es möglich, auch den Puppenspieler zu lenken? Die Verbindung anzupassen, neu zu definieren, wie Lanaya es in ihrem vieldeutigen Gespräch ausdrückte.

Velvyr löste ihren Blick von dem Palast, dessen Schäden aus dem Angriff der abtrünnigen Provinz Varuna immer noch sichtbar waren. Irgendwann würde ihr Puppenspieler zugreifen, und dann offenbarte sich der wahre Verlauf der Fäden. Bis dahin war menschliche Schwäche fehl am Platz. Es galt zu planen und zu agieren. Und vielleicht würden sich ihr die Geheimnisse der Arkoritherin offenbaren, wenn sie den Arcomagus fand. Sie würde es genießen, die verborgene Welt dieser Frau zu durchstöbern, die sich Lanaya von Shevanor nannte. Es galt verwundbare Punkte zu finden, sie bloß zu legen. Vielleicht verloren die Worte der Maga dann an Widerhall in ihren Gedanken.

Verfasst: Dienstag 24. Juli 2007, 14:20
von Lanaya Shevanor
Tage später waren die magentafarbenen Male nahezu verblasst. Noch immer erkannte man kleine, schwarze Fäden die haargleich von den Striemen abwichen. Keinesfalls war es der körperliche Schmerz gewesen jener ihr zugesetzt hatte. Die Botschaft war überaus deutlich jenen das Artefakt vermittelte und auch ihr Hass wurde geschürt. Auch dies war eine alte Tradition und was sie unter di Trequona so müßig bekämpft hatten trat nun in voller Deutlichkeit wieder an das Licht. Gleichsam ging sie dagegen an. Würde sie dem nachgeben würde sie ihren Platz verlieren und so ungefestigt die Positionen derweil waren so ungefestigt würde der damit verbundene Rang sein.

Auf der anderen Seite musste sie langsam eine Entscheidung treffen. Was verlangt worden war würde sie so nicht ausführen können, niemals. Wenngleich ethische Aspekte sie sonderlich wenig interessierten so würde sie das was er ihr gegeben hatte nicht mit diesem Verrat begleichen. Zu kostbar war ein Quäntchen dessen was ihr der Orden nicht bieten konnte ohne tief in den Grundstützen zu erbeben. Nein sie würde es nicht hergeben und zu bewahren wissen. Die Antwort auf diese Entscheidung allerdings sagte ihr keinesfalls zu. Also schön, sie hatte Jahrelang einen Schein vermittelt und so die Schwester es herausforderte würde sie es auch in diesem Fall tun. Sicher war nur das sie den Befehl der Maestra durchaus so zu interpretieren wusste das die Strafe erträglich ausfallen würde. Machtspielchen, seit eh und je ein windiges Pflaster. Als sie das Fenster öffnete strich der Wind kühl und sanft über die blasse Haut. Prasselnd glamm das Feuer im Kamin und seit langem entspannte sie etwas in ihrem eigenen Haus.

Selbstvergessen wirkend ließ sie das Spiel des Windes einige Momente zu. Wirr wehten ihr die Haare um das Gesicht und nachdenklich wog sie selbst die Entscheidung noch einige Male ab. Es war falsch und dennoch das einzig Richtige so sie diese Prüfung bestehen wollte. Diversen Veränderungen allerdings konnte sie nicht entgehen. In wie weit würde die Maestra wissen was sie tat? In wie weit konnte sie die Feinheiten aus dem offensichtlichem Zug filtern, würde sie es verstehen dieses Spiel zu spielen, würde sie lernen? Ihre Mundwinkel hoben sich sacht und das paranoide gleichsam spöttische Lächeln verblasste auch nicht als sie die Striemen auf dem Arm musterte. Die Lethra hatte durchaus recht. Gefährliche Spiele hatten ihren Reiz und dieses lud wahrlich zum Tanzen ein. Wie ein Funke zwischen zwei mächtigen Feuern würde sie tanzen. Sicherlich war sie gebunden, sogar bereits an die Position - doch abgeschlossen war die Wandlung noch lange nicht. Tatsächlich würde sich das Neue gegen das Alte behaupten müssen. Man würde sehen. Einst dachte sie das Vertrauen den Bann brechen würde nun jedoch zerbrach es fast ihre Welt.

Ein seifiges Lächeln das vor Freundlichkeit nur so triefte umspielte die Lippen. Wie so oft erfolgte ein rapider Wechsel der Gedankengänge. Einst hatte sie diese Maske nur selten getragen. Die Tage allerdings verstanden es einige Schüler des Ordens sie überaus zu reizen. Reaktionen erfolgten sofort – sie wurde nahezu gezwungen zu agieren und mit jedem Mal genoss sie es mehr. Macht war eine gefährliche Droge, zu viel davon und man würde ein Teil der ohne nicht bestehen konnte. Doch war dies nicht bei jedem Arkorither so? Sie brauchten die Macht wie die Motten das Licht, brauchten den süßen Klang der Klänge so das Lied geknechtet wurde. Genossen die bizarren Ausformungen jene dieses Wirken rasch, zuverlässig und überaus tödlich hervorrufen konnte. Immer weniger ließ man den Kontak zu den Melodien abbrechen. Lauschte ihnen ständig und ließ sich auf den unendlichen Pfaden jene sie boten treiben. Hatte man einmal gekostet wollte man mehr, bekam man mehr wollte man noch mehr und hatte man sie – gab man sie freiwillig nicht wieder her. So war es und so wird es immer sein. Zeit aufzubrechen.

Mit jedem Schritt auf der steinernen Treppe pochte der Stab geräuschvoll auf den Boden. Man würde sie hören ehe man sie sah, dies zumindest war gewiss. Ein beherzter Wink und die Türe schwang auf. Leichtigkeit was früher noch eine Herausforderung war. In den Gedanken verstrickt prallte sie fast gegen den Bruder und straffte unmerklich die Haltung. Was sie von ihm hielt würde kein seriöser Schreiber jemals wiedergeben und was sie an Worten aufschnappte bestätigte lediglich einige Dinge. Ungeniert drückte sie sich vorbei, grüßte angemessen und nahm Platz. Die Thematik des heutigen Abends sagte ihr überaus zu. Wenige Stunden zuvor hatte sie selbst einen ähnlichen Vortrag gehalten. Wissen musste vermittelt werden aber hielt man sich nicht auch bedeckt um gewisse Dinge einzig für sich zu wahren? Das zuckersüße Lächeln ließ keinerlei Schlüsse zu als sie den Worten folgte.