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Kinderlachen

Verfasst: Mittwoch 18. Juli 2007, 23:37
von Jezebel van Elyn
Wie langweilig. Wie gähnend langweilig es doch war. Die Sonne ging langsam unter, sie lehnte sich an die Ablage. Vermutlich war sie einen Moment in Gedanken versunken gewesen, ehe sie von Rolosin aus ihren Träumen gerissen wurde. Vor Schreck zuckte sie zusammen, war dann aber doch recht froh ihn vor sich zu haben. Sie sprachen nicht lange, da vernahm Jezebel ein leichtes Pochen an den Toren. Das schwere Metall klapperte und krachte, wenn man dagegen stiess. Manchmal konnte das doch recht nervig sein.

Rolosin und Jez gingen hinab, öffneten die Tore. Ein kleines Mädchen befand sich vor den Toren, absolut verstört und weinend. Dauernd sprach sie von einem bösen Mann, deutete Richtung Westen. Jezebel verstand nicht, wobei Rolosin hingegen sofort seine Männer losschickte. Das kleine Mädchen rannte davon, in Richtung Westen. Ohne weiter darüber nachzudenken rannte Jezebel ihr eiligst nach, gefolgt von Rolosin und Zeron.

Das Schauspiel, was sich auf dem nahen Kinderspielplatz bot war nicht sonderlich angenehm. Ganz im Gegenteil, es war erschreckend. Jezebel musste sich zusammenreissen, dass sie nicht anfing, sich zu übergeben. Das kleine Mädchen stand am Rand, versuchte zu der Leiche zu blicken und erklärte, dass ein böser Mann das war. Ein böser Mann ... Jez kümmerte sich um die Kleine, versuchte mehr aus ihr herauszubekommen. Das einzige, was sie aber erfahren hatte, war, dass das Mädchen Rhyana hies und ihre Mutter und ihr Vater wohl auf einem Schiff waren. Erst nach einer Weile und den weiteren Worten Rhyanas verstand Jezebel, dass ihre Eltern nicht auf einem Schiff waren, sondern längst tot. Sie wünschte sich, es wäre nicht so. Sie wünschte sich, das kleine Mädchen würde eine schöne Kindheit erleben. Sie wusste, wie es war, wenn man Eltern verlor.

"Und wann holt mich nun meine Mama?"
Sie waren längst in der Allianz. Jezebel hatte ihr davon erzählt, dass es eine große Burg war. Rhyana war begeistert davon, fragte auch gleich, ob es dort Prinzen gab. Prinzen, das wären sie wohl alle gern gewesen. Jezebel deutete auf Rolosin. "Das da, das ist ein Ritter...!" dann auf Zeron "Und das da.. das ist auch ein Ritter! Die können dich beschützen!"
So verbrachten sie den Abend in den Räumen der Allianz, Jezebel schneiderte ein neues Kleid für das kleine Mädchen und stellte dann doch fest, wie abgemagert sie war. Sie tat ihr leid. Und wenn Jezebel sich mit Rolosin anlegen musste, sie würde Rhyana nicht mehr gehen lassen. Aber diese wurde doch deutlich müde. Jezebel verabschiedete sich von den Anwesenden mit den Worten, dass sie gleich wieder da wäre und trug das schläfrige Mädchen nach Hause.

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Vorsichtig sperrte sie die Türe auf, trug das Mädchen nach oben. Leise machte sie die Tür zum Schlafzimmer auf und sah hinein.

Ihr Atem stockte.

Blut.

Ein Arm.

War nicht von dem Mann, dem toten Mann auf dem Spielplatz...

... fehlte da nicht ein Arm?

Ein Arm.

Blut.

In Rolosins Bett.

Sie schloss die Augen, zog die Tür sofort wieder zu. Nein, das konnte nicht sein. Rolosin... der böse Mann? Ihr... Rolosin? Nein. Sie unterdrückte sich ein Kreischen. Hastig ging sie die Treppen mit der Kleinen, die eh schon fast auf ihren Armen schlief, nach unten und legte diese auf das Gästebett. Sie sang ihr zur Beruhigung ein Schlaflied, wobei es Jez alles andere war als ruhig zu bleiben. Erst, als das kleine Mädchen eingeschlafen war, rannte sie wie vom Blitz getroffen zurück zur Allianz. Sie schlug die Türen hinter sich zu, sie konnte nicht mehr. Wo war er? Was hatte das zu bedeuten?
Rolosin stürmte die Treppen hinab, als er das Türenknallen hörte und ging auf sie zu. Sie wich zurück. "Was hast du getan?" ... Sie beschuldigte ihn, sie verwirrte ihn. So sehr, dass er nach hause ging. Jezebel sank in sich zusammen. Sie konnte nicht mehr, es war zu viel für sie. Sie zitterte. Silvan kümmerte sich kurz um sie, aber als Rolosin wieder zur Tür hereinkam, von dem Arm auf seinem Bett berichtete, musste sie nach draußen. Sie brauchte frische Luft. Sie übergab sich.

Zeron folgte ihr. Aber sie wollte nur allein sein. Nur allein ... nichts weiter. Was sollte sie glauben? War Rolosin so skrupellos, einen anderen Menschen vor den Augen eines kleinen Kindes zu töten? Nein. Sie kannte ihn, so gut konnte er ihr nichts vormachen. Oder doch?

Verfasst: Donnerstag 19. Juli 2007, 17:06
von Rhyana
Eigentlich wollte sie ja nur zu dem Spielplatz.

Eigentlich.

Die Kinderaugen mussten nur kurz einen Blick auf den Körper des Toten werfen um zu wissen, das hier etwas böses geschehen war. Der Schrei hatte sie schon erschrecken lassen, doch der Anblick von dem vielen Blut erinnerte sie nur zu gut an das Bild der Mutter.
Jemand hatte dem Mann weh getan.
Sehr weh getan.
Beinahe automatisch fing sie an panisch zu werden, zitterte am ganzen Leib. Auch wenn sie den gewaltsamen Tod nicht so auffassen konnte wie er sich darlegte, so rannte das Kind nun doch schreiend gen Stadt.
Irgendjemand musste doch helfen.

Man nahm sie nicht wirkich wahr. Warum auch? Ein kleines Kind, vollkommen verwahrlost, verdreckt und heulend. Heulten die Bälger nicht eh die ganze Zeit herum?
Der Gardist schenkte ihr nur einen flüchtigen und ziemlich abfälligen Blick. Der andere wusste auch nicht mehr mit sich anzufangen als der Kleinen den Weg zur Allianz zu deuten.

Sie hatte Angst vor dem großen Gebäude.

Sie hatte auch Angst vor der großen schweren Tür aus Eisen.

Dennoch hob sie die kleine Hand und pochte dagegen.

Eine Weile geschah garnichts...


_______________



Das Bett fühlte sich weich an. Beinahe wie zuhause. Sie war gewaschen, trug saubere Kleidung. Die Angst vor den fremden Menschen war nur langsam gewichen. Aber diese Frau, Jez, hatte sich um sie gekümmert. Sie war nett.
Auch die anderen waren nett. Irgendwie. Dennoch wollte sie nach Hause.

Es dauerte nicht lange bis das Kind einschlief. Die Anstrengungen forderten ihren Tribut. Sie verpasste weitere Gespräche und vielleicht war das ihr Glück. Dennoch dauerte es nicht lange, bis die kleine Gestalt sich im Bett unruhig hin und her warf. Von Alpträumen gequält fing sie wie jede Nacht im Schlaf an zu weinen, bis sie durch einen Schrei erlöst hochschreckte. Es war dunkel und sie war alleine.

Verfasst: Samstag 21. Juli 2007, 14:58
von Jezebel van Elyn
Sie hatte hin- und her überlegt. Konnte es sein, dass Rolosin - ihr Rolosin, ihr Mann, von dem sie so viel hielt, - einen Mord begang? Jezebel, nun sei nicht albern. Hätte er den Mord begangen, hätte er sie nicht mit der Kleinen nach Hause geschickt. Und dann hätte er ihnen auch nicht gesagt, dass sie ins Schlafzimmer gehen sollen. Aber wenn er dadurch auch einfach nur ablenken wollte und sich als Opfer für irgendwas hinstellen wollte?
- Absoluter Schwachsinn. Sie würde wohl mit ihm reden müssen, ihm sagen müssen, dass es ihr leid tat, dass sie ihn beschuldigt hatte, so skrupellos zu sein.

Sie hatte gerade von den Wachmännern der Allianz erfahren, dass er auf der Hochzeit von Arstein und seiner Geliebten war. Jezebel machte sich auf den Weg und lief direkt in die Arme von Rolosin, der sie zu der Hochzeit führte. Wirklich ein schöner Tag, um eine solche Hochzeit zu feiern. Florence von Stolzenfels war auch zugegen, neben dem Brautpaar und einer Frau, die sie noch nicht kannte. Eine Weile saßen sie da. Jezebel versuchte sich krampfhaft in das Gespräch mit einzubringen, aber ihre Gedanken rutschten immer wieder zu dem Abend ab, als ihr die Kleine in die Arme lief.
Nach einer Weile löste sich die Feierlichkeit dann doch auf. Rolosin führte sie nach Hause - dachte sie. Doch sie gingen nach Berchgard, verließen Berchgard wieder und gingen zu der kleineren, versteckten Insel...
Dort führte er sie über einen Steg hinweg, über die Rosenblätter zu einem wunderschönen Ort. Das Plätschern des Wasserfalls passte hervorragend zu diesem schönen, ruhigen Ort. Warum hatte sie diesen Ort nie selbst entdeckt? Vielleicht war es nun eine Mäglichkeit, sich oftmals hierher zurückzuziehen und die Gedanken einfach frei zu lassen.
Vor lauter Gedanken hatte sie fast gar nicht bemerkt, wie Rolosin vor ihr kniete, ihre Hand in der seinen hielt und sie ansah. Voller Liebe. Er redete nicht viel um den heißen Brei herum, fragte sie direkt, ob sie seine Frau werden wolle. Für den Moment hielt die Zeit an. Jezebel van Elyn sollte seine Frau werden. Sie war sich darüber schon immer klar gewesen, aber nun sollte es ernst werden. Nun war wohl der Zeitpunkt gekommen, an dem man Nägel mit Köpfen machen musste. Hatte sie Angst vor diesem Moment? Teilweise war es Angst. Angst, dass sie kein freies Leben mehr hatte. Angst, dass immer noch mehr Anforderungen auf sie zustreben würden, wenn sie nun bald seine Frau sei. Aber, was spielte das für eine Rolle? Wollte sie überhaupt noch frei wie ein Vogel sein? Sie hatte ihr Leben gelebt. Frei, ungebunden, nie einen Mann hatte sie auf ihren Wegen.

"Ja, jaaa... Ja, ich will! JA!" stieß sie dann aus, fiel ihm um den Hals. Für was einen Moment Zweifel, daß es falsch war. Dass sich ihr Leben von nun an ändern würde. Es änderte sich, aber ins negative? Nein. Es konnte nur noch schöner werden. Außerdem, warum sollte sie sich nicht mit dem Mann verloben, den sie so sehr liebte? Für den sie eh schon seine Frau war, nur nicht formell?
So saßen sie da und sprachen. Es gab so vieles noch, was Jezebel auf der Seele brannte. Vor allem ein Thema.

RHYANA.

Sie fragte ihn, was er dachte. Wie er handeln wolle. Sie hatte ihre Entscheidung doch längst gefasst. Er begann ihr zu erklären, die Etikette, die Worte, die Silvan ihm wohl gesagt hatte. Jezebel hatte sich gewünscht, dass wenigstens bei der Kleinen einmal das Wort der Etikette nicht fallen würde. Aber das war wohl ab nun ihre ständiger Begleiter. Man könnte nicht einfach ein Kind von der Straße auflesen. Normale Bürger würden das können, aber keine seines Standes. Es stimmte sie nachdenklich und traurig. Warum hatten sie alle kein Herz? Dachte jemand, Adrian wäre wirklich so streng, dass er nicht verstehen konnte, dass eine junge Frau, der es nicht unbedingt anders ergangen war, einem kleinen Kind helfen wollte? Ein Kind aufpeppeln wollte und es dann nicht seinem Schicksal überlassen, sondern es behalten? Es hörte sich an, als würde man von einem Tier sprechen. Und so fühlte sie sich auch. "Wir können es jetzt noch ins Waisenhaus geben!" sprach Rolosin, doch es war keine Option für sie. Nicht ins Waisenhaus, sie hatte schon so oft gesehen, was mit den Kindern dort passierte. Sie fasste einen Entschluss.

"Wenn sie gehen muss.. geh ich mit!"

Schweigen.
Doch dann sah Rolosin sie an. Er wollte nicht dass sie ging, versicherte ihr, dass er sie heiraten würde und hinter dem stehen würde, was sie tat. Aber er konnte nicht von heute auf morgen der Ersatzpapa sein, er musste sich daran gewöhnen. Das mussten sie vermutlich alle.

" ... du musst es Adrian erklären!"

Das war eine Bedingung von Rolosin. Und sie würde es tun. Sie würde ihm erklären, warum sie die Kleine nicht mehr weggeben konnte und wollte. Und sie hoffte, sie hoffte inständig, dass Adrian sie verstehen konnte.

Verfasst: Sonntag 22. Juli 2007, 09:17
von Rolosin Vadebor
Verliebt - Verlobt - Verheiratet

Es war Erleichterung in Stufen, die Audienz beim Grafen. Zum einen natürlich begleitet von viel Unsicherheit, man sass als glückliches Paar voller Zukunftspläne vor einem Grafen, welcher vor wenigen Tagen seine Frau verlor, dazu kam noch ein nicht eben leichtes Anliegen.. Ryhana.

Doch Rolosin musste sich immer wieder mit denselben Worten beruhigen, die er dann auch Jezebel sagte: Der Graf war ihm wohlgesonnen, sonst hätte er ihn kaum zu seinem Ritter erhoben.. und doch blieb natürlich etwas der Nervosität, es war schliesslich ein äusserst wichtiger Moment, und wie genau der Graf nun auf die geplante Adoption des Mädchens reagieren würde, war äusserst unklar, man wusste nur, dass er kein Unmensch war, was solche Dinge anbelangt.


So sassen sie also nun vor ihm, vor einem immer noch in düsteren Farben gehüllten Adrian, welchem man das Knabbern an Eileens Tod geradezu ansehen konnte.
Das erste mal konnten Rolo und Jez aufatmen, als Adrian, nachdem Jezebel ihm die Sache mit Rhyana erklärte, gleich einem Richtspruch verkündete:
"Ich werde ein Kind nicht zur Wandertrophe machen, somit vermag es bei euch zu bleiben"

Nachdem durch diese Antwort die grösste Hürde genommen war, nahm Rolosin wieder das Wort an sich und sprach nunmehr etwas weniger verkrampft als zuvor:
"Dann wäre alles nötige hierzu geklärt.. es bliebe noch eine Sache übrig.."

Der Ritter sah Adrian direkt an, ehe er ihm feierlich eröffnete:

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Rolosin Vadebor: Euer Hoheit, ich bitte Euch um die Hand der edlen Bürgerin des Reiches, Jezebel van Elyn

Adrian von Hohenfels: *er mustert ihn nur knapp, blickt dann zu ihr, sie offenbar für einige Momente hieraufhin beobachtend*

Jezebel van Elyn: *ruhig sitzt sie auf ihrem Stühlchen, ihre Augen glänzen hoffnungsvoll, während sie sich ob einer Antwort Adrians geduldet*

Adrian von Hohenfels: Ihr seid kein verwirrter Jüngling mehr, daher gehe ich davon aus, ihr geht diesen Schritt nicht, ohne sie wirklich zu kennen.

Rolosin Vadebor: *die Mundwinkel zucken ein wenig, ehe er wahrheitsgetreu antwortet*

Rolosin Vadebor: Euer Hoheit, ich muss zugeben, mich manchmal in Anwesenheit dieser Dame zu fühlen, als wäre ich noch einer, doch die Übungen mit der Truppe bringen mich täglich auf den Boden der Wahrheit zurück

Rolosin Vadebor: doch... ich habe Euch bereits vor einigen Wochen erklärt, wie ich für diese Frau fühle..

Adrian von Hohenfels: Ja dies habt ihr.

Rolosin Vadebor: Inzwischen durfte ich sie näher kennenlernen und jene Gefühle wurden nur verstärkt


Rolosin Vadebor: ich hege den festen Wunsch, diese hier sitzende Frau zur Ehefrau zu nehmen euer Hoheit

Adrian von Hohenfels: *atmet dann tief durch*

Jezebel van Elyn: *sie lächelt ein wenig, ob der Worte Rolosins*

Adrian von Hohenfels: Die Erlaubnis sei euch gewährt Sir Vadebor

Rolosin Vadebor: *er neigt tief den kopf und atmet sichtlich auf*

Jezebel van Elyn: *sie muss sich deutlich beherrschen, Rolosin nicht um den Hals zu fallen, als sie dann glücklich lächelnd zu Adrian sieht und das Haupt tief neigt*

Sie hatten es also tatsächlich hinter sich gebracht, Adrian stimmte allem zu, was sie sich wünschten.. überglücklich führte Rolosin seine Verlobte nach Hause, wozu er Marlan einlud, der glückliche Zufall sandte ihnen dazu noch Luciana Forstnam, die Schwester von Jezebel, vorbei, womit die beiden Frischverlobten den beiden alles erzählten und.. ihnen schliesslich enthüllten, dass sie als Trauzeugen auserkoren seien.

So verklang der Tag, indem die beiden Schneiderinnen ein Hochzeitskleid zu skizzieren begannen, während die beiden Soldaten das Organisatorische besprachen...

Ehe schliesslich Marlan und Luciana sich verabschiedeten und Rolo und Jez alleine liessen..

Verfasst: Sonntag 22. Juli 2007, 14:13
von Jezebel van Elyn
Das Gespräch beim Grafen verlief außerordentlich gut. Sie war sehr, sehr glücklich, als sie das Büro Adrians verlassen hatte.

Zuhause angekommen waren Marlan und ihre Schwester Luciana auch schon da. Gemeinsam feierten sie die offizielle Verlobung... ehe sie sich mit Luciana in die oberen Räume an den Schreibtisch setzte und einen Entwurf für ihr Hochzeitskleid entwarf. Es dauerte eine Weile, bis sie alles so hatten, wie sie es wollten. Aber am Ende war es wirklich ein Traum. Ein richtiger Traum von Kleid.. Rolosin würde am Tag ihrer Hochzeit mit Sicherheit Augen machen.

Wie sehr sie sich nun darauf freute ...

Verfasst: Montag 23. Juli 2007, 04:37
von Yejide
[OOC: Im Auftrag von PO Jezebel]

Sie schloss die Augen.
So schön war es an diesem Ort. So wunderschön. Hatte Rolosin dort doch um ihre Hand angehalten. Die Rosenblätter unterstrichen diesen idyllischen Ort. Sie war so sehr in Gedanken, als sie am Rand der kleinen Insel verharrte. Es waren die schönsten Momente in ihrem Leben gewesen. Sie trug die Kette, die sie von ihrem Liebsten geschenkt bekam, ihr Körper erfüllte sich mit seiner Liebe.
Und bald, ja, bald würden sie heiraten. Kinder bekommen. All das. Es würde nichts Schöneres in ihrem Leben geben. Das Haus hatte sie umgeräumt und umgebaut und sie hoffte, es würde Rolosin gefallen.

Sie hatte nicht bemerkt, wie sich der Rand unter ihren Füßen gelöst hatte. Sie konnte nicht mehr reagieren. Warum musste sie auch an der Seite sitzen, an welcher der Wasserfall war? Sie versuchte sich krampfhaft an dem Gestein zu halten, doch war es ihr nicht möglich. Der Sog des Wassers war zu stark. Viel zu stark, so dass sie den Kampf gezwungenermaßen aufgeben musste. Aber das war nicht Jezebel. Sie kämpfte. Sie schrie, doch das Wasser rannte in ihre Lungen. Rolosin… wo war er? Wo steckte er? Warum konnte sie ihn nicht noch ein letztes Mal sehen? Und warum mussten sie sich ausgerechnet heute noch streiten? Heute …
Aber sie hatte niemals daran gedacht … dass ihre Wege noch an diesem Tage ein Ende finden würden. Und sie hörte Adrians Worte in ihrem Kopf, dass einem die Liebsten zu schnell genommen werden und man auf sie aufpassen müsse. Wie sehr hatte sie sich gewünscht, mit Rolosin glücklich zu werden. Aber es sollte nicht so sein. Es sollte einfach nicht so sein. Sie wünschte sich, dass er darüber hinwegkommen würde. Sie wünschte sich, dass er daran nicht zerbrechen würde. Aber sie wusste, dass es anders sein würde – und es schmerzte.

Die letzten Sekunden ihres Lebens hingen ihre Gedanken bei Rolosin. Sie hoffte, dass er wusste, wie sehr sie ihn geliebt hatte. Und wie sehr sie ihn noch immer lieben würde, selbst jetzt, wo sie tot war. Umspielt von dem klaren Wasser trieb sie leblos am Wasserrand, ehe sie eine Wache auf dem Kontrollgang fand… und wenige Minuten später an Rolosins Tür klopfte und ihm die Nachricht überbrachte.

Er würde ein Buch auf dem Tisch finden, ein Buch, was sie zuletzt geschrieben hatte. Wenn er es aufschlägt, wird er folgendes Lesen:

“ In den Weiten deiner Augen Seh ich grosse Zuversicht. Wärme flutet meine Seele, Voller Hoffnung ist dein Blick. Strebst nun auf mit großer Eile, Streckst die Arme aus zu mir. Dauert eine kleine Weile - Angekommen nun bei mir. - Mein Stern. Eng umschlossen sitze ich hier, Nun ganz nah mit dir allein. Lebe nur den Augenblick Könnt er doch bloss endlos sein. Dein grenzenloser Drang nach Taten Und die Zartheit deines Seins Lassen mich sooft erstaunen, Ist dein Herz doch noch so klein. - Mein Stern. Unbefangen ist dein Handeln, Vorbehalte kennst du nicht. Bist der Antrieb meines Strebens, Sehe ich in dein Gesicht. Befreist in mir das starre Denken Und löst in mir den tristen Blick. Lässt den Fokus auf dich lenken, Schaue nun zu dir zurück. Nur ein Stück von diesem Wesen Wünsch ich mir für mich zurück. Wundersam verläuft das Leben, Trübt sooft den klaren Blick. Schau zurück in deine Augen, Sind sie doch so klar und rein. Lebe jetzt den Augenblick - Könnt er doch nur endlos sein…! In ewiger Liebe, deine Jezebel.“

Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 21:59
von Rolosin Vadebor
Er ritt gedankenverloren durch Berchgard, als er am Haus des HHG vorbeikam, vielleicht war ja Thancred da, nachsehen schadet nie.
Beschwingt glitt er aus dem Sattel des edlen Rosses und summte ein Soldatenlied.. als er Luciana sah. Es war fast wie ein Schlag für ihn, erinnerte sie ihn natürlich direkt an ihr letztes Zusammentreffen, mit Marlan und.. ja, mit Jezebel. Marlan und Luciana hatten sie als ihre Trauzeugen erwählt, die ganzen Erinnerungen kamen mit einem Schlag wieder hervor, er konnte nichts mehr tun, als sich höflich distanziert nach Thancred zu erkundigen und sich auch wieder zu verabschieden, doch Luciana kündigte an, ihm noch etwas geben zu wollen, sie würde später bei der AdL vorbeisehen.

Zurück in der Festung lehnte er sich in seinen Sessel zurück und schloss die Augen... als es klingelte, jedenfalls kam es ihm so vor, als wäre erst eben hingesessen, er musste wohl eingenickt sein. Mühselig stand er auf und stapfte zum Tor der Festung, vor welchem Luciana stand. Wortkarg bat er sie nach oben, sie setzten sich, wechselten einige Worte, als Luciana ein Bündel auspackte.. bereits als Rolosin den weissen, mit Spitzen verzierten Stoff sah, schloss er die Augen und der gestandene Ritter konnte den Tränen nichts mehr entgegenhalten.

Schliesslich entschlossen sich die beiden, Jezebels Hochzeitskleid auf ihr Grab zu legen, auf dass es zu Staub werde, denn es schürte nur die Trauer, die weder Rolo noch Luci anders aushalten konnten, als sie mit Arbeit zur Seite zu wischen, das Kleid würde sie nur jeden Tag zu Boden schmettern und es unmöglich machen, an etwas anderes zu denken als an die verlorene Schwester und Verlobte, so sei es also das beste.

Man konnte zu später stunde zwei Gestalten zum Friedhof Varuna gehen sehen, ein gebrochen wirkender Ritter, der die Schneiderin des HHG am Arm führte. Schliesslich wurde das weisse Bündel auf ein Grab mit der Inschrift 'Jezebel van Elyn' gelegt, ein Gebet gesprochen, ehe die beiden den Friedhof wieder verliessen.
Die Gardisten würden auf eindringliche Bitte des Ritters nichts verlauten lassen und so kann ein jeder Besucher des Friedhofs auf dem etwa einen Monat alten Grab ein neu und reinweiss wirkendes Hochzeitskleid liegen sehen, Wind und Wetter ausgesetzt.

Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 22:36
von Luciana van Elyn
Wie ein Schlag ins Gesicht traf sie die Nachricht, die sie von Marlan erhielt. Jezebel van Elyn ... tot ... ihre Schwester ... tot ... sie konnte es nicht fassen, nein, das konnte nicht sein. Das ist nicht möglich. Ihr Hals schnürte sich zu und sie musste erstmal nach Luft schnappen. Vor kurzem wurden sie wieder zusammengeführt und jetzt sollten sie wieder getrennt sein. Wie würde Rolosin sich fühlen, es mussten Höllenqualen für ihn sein. Schliesslich war Jezebel seine Verlobte, die Hochzeit für die beiden war schon in den Vorbereitungen. Und nun war sie tot.

Luciana arbeitete untentwegt an ihrem Hochzeitskleid, schliesslich musste es fertig werden ... der Termin musste eingehalten werden. Sie lebte wie in Trance, ihr Mann war auf Reisen und konnte sie so nicht auf den Boden zurückholen .. daher lebte sie in ihrer eigenen Welt, zumindest für eine Weile. Sie nähte das Kleid ... oft saß sie stundenlang da, nachts im Mondschein und betrachtete die glänzenden Stoffe, lange zierte das Kleid die Puppe in ihrer Schneiderstube ... immer wieder rief es den Schmerz hervor, der die Erinnerung mit sich brachte, wenn sie dieses wundervolle Kleid ansah.

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Viele Tagen verstrichen und der Schmerz wurde leichter, bis zu diesem Tag an dem sie Rolosin begegnete. Er kam zum Handelshaus, nur um nach Thancred zu fragen. Ihr stockte der Atem, die Etikette musste bewahrt werden, doch schlich sich der Schmerz wieder in ihr Herz und sie stammelte nur noch ein paar Worte zusammen. Sie hörte noch die Worte, dass er wieder gehen wollte, da fasste sie den Entschluss, ihm dieses Kleid als Erinnerung zu bringen ... sie bat ihn um ein späteres Treffen, an einem anderen Ort und er willigte ein. So suchte sie ihn, nachdem sie ihre Kunden zufrieden stellte und mit Schneiderwaren versorgte, auf.

Dort angekommen, viel Worte sprachen sie nicht. Ihr fiel es schwer, das Kleid auszupacken, ihm das Kleid zu überreichen, denn erst jetzt merkte sie, was dieses Kleid anrichtete. Unheimlichen Schmerz löste es aus, unerträglich ... unendlich weit zerriss es einem das Herz, beim Anblick, bei der Erinnerung an die verlorene Schwester oder die Verlobte.

Gemeinsam gingen sie zu ihrem Grab. Tränen rannen Luciana unentwegt über die Wangen, doch kein Laut kam ihr über die Lippen. Beide trugen den Schmerz ihres Verlustes im Herzen und ihre Gesichter sprachen Bände. Dort angekommen, kniete sie sich hin, nahm das weisse Kleid und legte es übers Grab ihrer Schwester Jezebel van Elyn.