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Verloschene Sonne
Verfasst: Montag 9. Juli 2007, 05:55
von Adrian von Hohenfels
Bleiche Wangen, kalt und leblos, und doch so liebenswert ihr Anblick. Frieden lag im Ausdruck ihres Gesichtes, obgleich das Ende von Schmerz erfüllt war. Das Leichentuch bedeckte die schlimmen Wunden. Er wollte sie nicht sehen, ertrug diesen Anblick nicht und bekam ihn doch nicht aus seinen Gedanken verbannt. Zartes Streicheln über die kalten Wangen, könnte seine Berührung nur die Wärme dieser Frau zurückholen. Ihre Nähe, ihre Liebe, waren erloschen. Er schloss die Augen, wollte das Bild verdrängen... nutzlos, sinnlos, wie sollte es auch gelingen?. Warum musste es nun auch noch sie treffen? War ihm nicht schon genug genommen? Wo er Halt suchte, und er hatte ihn oft gebraucht, war ihre Hand stets zugegen. Nicht einzig ihre, gewiss. Doch war ihre Liebe zueinander eben ob dieser Hand gewachsen, entgegen aller Widerstände, entgegen allen Nichtverstehens, entgegen aller Ablehnung, sie hatten gegen alles angekämpft, zeitweise gesiegt, zeitweise verloren und doch zueinander gestanden mit aller gemeinsamer Kraft. Nicht dieses mal, er war zu spät.. Seine Schuld! Er vermochte das „Warum“ nicht zu beantworten. Es gab keine Antwort. Wie sollte es hierauf Antwort geben?
Erinnerungen, einzig ein Blick in ihr Gesicht, trug sie alle zu Tage, wieder und wieder. Die Zeit, da sie in sein Leben getreten war. Scheue Zurückhaltung und doch Freude, ausgerechnet in seinem Hause Anstellung nach ihren Wünschen zu erhalten... Stallmagd, eben dies war ihnen beiden stets Verhängnis und Vorhaltung geworden. Sie war mehr als dies. Tochter guten Hauses, willens auf eigenen Beinen zu stehen, hatte sie Arbeit dort gesucht, wo ihre Liebe lag. Der Umgang mit Pferden lag ihr zu jeder Stunde am Herzen. Sie hatte gekämpft, gelitten. Oftmals gar mit ihm. Kämpfte ihren Platz im Leben selbst zu erarbeiten und hatte es erreicht. Er? Ja er war ihr längst verfallen. Einzig wahrlich unerfüllbare Wünsche vermochte er ihr je auszuschlagen. Zarte Hand... und doch so kräftig! Sie war ihm Halt, als Rafael fehlte. Wurde ihm Vertraute in dieser Zeit, und erweckte die Liebe, die gegen alle Regeln der Gesellschaft verstiess. Die Momente des zarten und scheuen Annäherns, als er sie beinah schon entführt hatte, einzig um mit ihr allein zu sein, fern der gesellschaftlichen Beobachter. Die ersten gemeinsamen Stunden am Strand, als sie beide sich ob der kommenden Schwierigkeiten bewusst wurden und doch willens waren, sie gemeinsam zu überstehen. Sein Wort hatte er ihr gegeben, sie nicht zu enttäuschen. Vielleicht hatte er dies doch oftmals gebrochen, nie willentlich und immer bereit, Umstände umzukehren, die sie mit Enttäuschung erfüllt haben mochten. Ihre Liebe liess sie beide dennoch erstarken, es überstehen. Und nun hier, seine Hand auf ihre leblose Hand legend, konnte er nur erkennen, dass alle Kämpfe, jeder Widerstand, jede Hoffnung und Freude einfach gewichen und verloren war.
Zorn stieg in ihm auf. Unendlicher Zorn auf jenen Mörder, dem er all dies doch nicht mehr ins Gesicht schreien konnte, was er hinauszuschreien willens war. Er war ebenso Tod wie Eileen. Trost? Nein hierin lag kein Trost. Wie könnte es? Es brachte die Liebe nicht zurück. Er fühlte nur, wie sich in Herz und Seele die gleiche Kälte breit zu machen drohte, wie sie Eileens Haut überzog. Nun da auch sie hier nahe jener Personen lag, die er ebenso liebte und verlor.. Anara, die sanftmütig, liebevolle Schwester, deren Neckereien ihm fehlten... Rebecca, die kleine Tochter, deren Zeit im Leben nie gegeben war. Die von ihnen ging, noch bevor sie einander kennenlernen konnten.. Und nun auch noch Eileen.
Ein schöner Sommerabend gemeinsam am Meeresufer hätte es werden sollen. Während er in sorgenvollen Gedanken über Darna’s Verletzung nachsann, hatte Garvagh ihn vom Kloster aus heimgetragen. Seltsam, er nannte es tatsächlich längst daheim. Diese einfache Hütte, die Eileen mit ihrer Kraft, ihrem ganzen Willen errichtet hatte. Einzig ihre Anwesenheit machte sie zu einem Palast, schöner und wertvoller als jedes Schloss des Reiches. Ihr Schrei, als er die Hütte beinah erreicht hatte, liess ihm beinah das Blut gefrieren. Eine Panik, wie sie Eileen niemals anheim war, die einfach nicht zu ihr passte, lag darin. Kein Schrei, den sie je ausgestossen hätte, wäre es nicht wirklich ernst. Ein Schrei der schon verklang bevor er sich dessen wirklich gewahr wurde. Was folgte war kein Denken mehr, nur reagieren. Blindes unbewusstes Agieren. Er hastete vom Pferd, hinein durch die offenstehende Tür, noch im Laufen fand das Schwert wie von selbst in seine Hand. Er sah ihn, den Mörder, über sie gebeugt. In dessen Hand die blutige Klinge, Eileen am Boden. Blut... Ihr Blut! Wie von Sinnen mochte es scheinen, schlug er auf den Mann ein. Und doch waren seine Hiebe geführt von dutzendfach einstudierten Bewegungen und von Können geprägt. Jener Mann vermochte wohl eine Klinge zu führen, doch seinen zorngeführten Hieben unterlag er letztlich, lag schon bald darauf in seinem eigenen Blut. Er schleuderte dessen Waffe in eine Ecke des Hauses. Nichtbeachtung schenkte er dessen Versterben. Einzig Eileens Anblick galt seine Aufmerksamkeit. Er stürzte zu ihr. Soviel suchte er gleichzeitig zu tun. Mühte sich die Blutungen stoppen, die nicht enden wollten. Er hielt sie im Arm, suchte ihre Augen, die langsam zu brechen begannen. Kraftlose Worte aus ihrem Mund, so leise gehaucht, dass er sie kaum zu verstehen imstande war. Als bereits alles Leben längst aus ihr gewichen war, schrie er all seine Verzweiflung in die Nacht hinaus. Dass Nachbarn auf ihn reagierten, er nahm es nicht einmal wahr. So wenig wie das Eintreffen Frau von Drachenfels‘, welche doch nur feststellte, was er längst wusste. Ihre Seele, ihre Liebe, ihre Nähe, ihr Leben, es war fort... Niemand und nichts brachte sie wieder. Und er konnte sie nur halten, Tränen der Verzweiflung in den Augen, doch wissend, nichts würde sie je zurückbringen.
Er fühlte sich selbst als wäre er ebenso tot wie Eileen, als er Stunden später in der Morgendämmerung den Zug begleitete, der ihren leblosen Körper nach Varuna brachte. Hinein in die Katakomben, in das Familiengrab, sie aufzubahren. Abschied, war alles was ihm noch blieb. Kein Leben mehr, wie konnte hier noch Leben sein, nun da ihm auch noch Eileen genommen war? Alles was blieb waren Tränen!
Die Nachricht vom Ableben Eileen von Hohenfels' machte derweil in den nächsten Stunde seine Runde im Grafschaftsgebiet. Ein umsichtiger Schreiber ließ sogar eine Nachricht durch das Tor gen Königsschloss zu Händen des Ritter de Arganta und seiner Gattin entsenden, während Adrian die Stunden im Familiengrab am Sarg Eileen's verbrachte.
Verfasst: Montag 9. Juli 2007, 10:55
von Liliana van Drachenfels
Erschöpft liess sich Lili in ihre Hängematte sinken. Der Aufenthalt im Kloster war anstrengend gewesen, wie eigentlich jeder Kontakt mit Lady Darna bisher. Statt ihre Knieverletzung zu behandeln wurde sie hin und her geschickt. Anscheinend hatte es ein Scharmützel mit dem Ritter und der Templerin Alatars gegeben, die schon bei ihrem Eintreffen am Kloster waren. Doch jeder schickte sie nur wieder wo anders hin und teilweise wurde sie einfach nur ignoriert.
Helfen wollte sie natürlich, doch wie konnte sie das wenn jeder sie nur wieder wo anders hinschickte. Energisch bestand sie dann bei dem Priester darauf seine Wunden zu behandeln. Als sie zurück kehrte zu den anderen waren dort schon Sanyarin und ein ihr noch unbekannter Heiler des Ordens. Doch schon wieder ignorierte man sie und so ging sie zurück zu Darna's Raum um sich nun endlich ihrem Knie anzunehmen. Doch zu ihrer großen Überaschung war diese in Begleitung einer fremden Frau und voll gerüstet. Lili war für einen Moment recht sprachlos, doch schien ihr die Situation eindeutig und da sie sowieso inzwischen ein wenig entnervt war, erklärte sie dann, daß sie ja wohl nicht mehr gebraucht würde und rauschte nach einer hastig daher gemurmelten Verabschiedung davon.
Doch kaum hatte sie es sich in ihrer Hängematte gemütlich gemacht, da klopfte es schon wieder an der Tür. Ein Gardist ware es und er stammelte nur. Anscheinend war Eileen schwer verwundert worden und so ritt man im Galopp so schnell es ging zu deren Haus. Doch es war viel zu spät, Lili konnte für sie nichts mehr tuen. Vieleicht wenn sie ehr an Ort und Stelle gewesen wäre, vieleicht hätte Eluive ihr dann die Kraft gegeben ein weiteres Leben zu retten. Allein mit ihrer Heilkunst hätte sie wohl nicht viel ausrichten können, aber es war müßig sich darüber Gedanken zu machen.
Ihr Leben war erloschen, dagegen war sie machtlos und auch der Graf, dem sie sogleich ihr Mitgefühl und ihr Beileid aussprach, wußte dies.
Verfasst: Montag 9. Juli 2007, 18:39
von Rafael de Arganta
Rafael sah auf den Brief in seinen Händen, als könne er nicht glauben was dort stand.
Eileen ... Tod!!! Was musste der Freund... der Bruder jetzt austehen?
Mit einem tauben Gefühl erhob er sich, Felis fragenden Blick ausweichend, während er mit verräterisch glitzernden Augen an ihr letztes gemeinsames Gespräch dachte.
Sir Calamdor wusste bereits um die Nachricht, und kannte ihn inzwischen gut genug um sich zu äußern. "So tragisch es auch ist... Bruder Rafael, aber unsere Aufgabe hier ist noch nicht beendet! Ihr könnt nicht gehen!"
"Was ist tragisch?" fuhr Feli nun in das Gespräch ein und nahm sich den Brief den Rafael in seinen kraftlosen Fingern hielt, um ihn zu lesen.
Blasser werdend, bei jedem Wort das sie las.
Kurz fuhr Rafael sich mit daumen und Zeigefinger über die Augen, wischte die Tränen fort, ehe er mit brüchiger Stimme meinte. "Er braucht mich jetzt!"
"Der Prinzregent braucht euch jetzt!" entgegnete der Sir und sah wie Rafael sich nur langsam setzte.
Erschüttert von dem was er nun erfahren hatte... erschüttert darüber das er nicht da war. Das er nicht hatte helfen können.
Sein Blick, fast flehend glitt zu der ebenso blassen Felicitas.
"Wir können ihn jetzt nicht alleine lassen." meinte er leise und Feli konnte seine Stumme bitte in seinen Augen lesen, auch ohne das er die Worte aussprach.
"Bitte geh du zu ihm... sag ihm ... sag ihm das ich in Gedanken bei ihm bin."
Verfasst: Montag 9. Juli 2007, 18:57
von Antares von Falkenburg
Es herrschte eine Stille in dem grossen Schloss welche jeden zu erdruecken schien. Der kleine Graf saß auf seinem Bett und starrte die Wand an. Er hatte gerade erst vernommen das Tante Eileen zu Temora gegangen war, dort wo auch sein Papa war. Er kannte Tante Eileen nicht so toll wie Adrian, aber dennoch er hatte diese Frau gerne gehabt. Tari wusste nicht was er tun sollte, nur kurz hatte er seinen Onkel gesehen und dieser Anblick traf den kleinen jungen bis in Mark. Adrian war nicht mehr zu erkennen, er wandelte wie ein Geist umher, kaum Ansprechbar. Die sonst vor Freude und Schalk blitzenden Augen Adrians, lagen stumpf und tief eingefallen in den Augenhoellen. Antares sprang von seinem Bett hinunter, instinktiv ahnte er wo sich sein Onkel befand. Wie ein Schatten schlich er sich an den Gardisten vorbei, hin zur Familiengruft.
Er hatte recht Adrian kniete vor der letzten Ruhestaette seiner geliebten Eileen. So leise wie moeglich ging Tari einige Schritte nach vorne. Doch verharrte er schweigend im Hintergrund, die bersteinfarbenen Augen auf den Ruecken des Grafen von Hohenfels gerichtet. Schnell wischte er sich selbst die Traenen weg, die nun doch seine Wangen hinunter liefen. Es tat ihm immer weh wenn er sah wie es Menschen, die er liebte schlecht ging. Alles in ihm begehrte auf, er wollte am liebsten zu seinem Onkel laufen, in seine Arme und ihn troesten. Doch eine Stimme hielt ihn davon ab, eine innere Eingebung wohl. So blieb er einfach nur stehen. In seiner kindlichen Naivitaet nahm er sich vor Adrian in diesen Stunden zu beschuetzen und jeden davon ab zu halten ihn in seiner Trauer zu stoeren.
„Das einzige wichtige im Leben sind Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen muessen.“
Verfasst: Montag 9. Juli 2007, 19:09
von Iljana Rhogan
*Auch zum Anwesen derer von Wolfenfels gelangt die Nachricht. Iljana war grade im Garten, als der Bote vorbei eilte und ihr berichtete, was geschehen war.
Voller Bestürzung vernahm die junge Frau dann die Nachricht, Trauer und Anteilnahme war in ihren Augen zu lesen. Als der Bote weiter geeilt war, lies Iljana Gartenarbeit Gartenarbeit sein und begab sich langsamen Schrittes ins Haus.
Im Wohnbereit blieb sie einige Momente erst einmal recht erstarrt stehen, erst in diesem Moment wurde ihr wohl erst richtig bewusst, was geschehen war.
Ein tiefes Seufzen war von ihr zu hören, dnn begab sie sich nach oben in Yarin's Arbeitszimmer. Zuhause war er nicht, auch wusste sie nicht wo er überhaupt anzutreffen war, wie so oft in den letzten Wochen und Monden und so hinterliess sie ihm nur eine Nachricht, was geschehen war.
Er würde sicherlich die rechten Worte für ein Kondolenzschreiben finden und jenes in ihrer beider Namen ins Schloss schicken lassen.*
Verfasst: Dienstag 10. Juli 2007, 19:33
von Darna von Hohenfels
Er kniete neben ihr, der Blick leer und gebrochen. Die Trauer greifbar, und jeder fingebreit Leere des Raumes wie eine feste Wand des Unnahbaren und der Einsamkeit. Darna stand schräg hinter ihm, schaute auf die gebeugten Schultern, die in sich gesunkene Gestalt.
"Herrscher sind einsam. Ich hatte das gehört, aber nicht begriffen, nun sehe ich es. Er ist Herr des Landes, einer der Mächtigen des Reiches - und es ist einsam dort oben. Das muß es sein. Niemand, der einfach neben ihn treten und ihm tröstend den Arm um die Schultern legen dürfte. Niemand, an dessen Schulter er seinen Kummer ausweinen dürfte. Das geht nicht. Ein Bruch der Etikette, ein Bruch der Distanz. Er ist der Lehnsherr, steht über den Dingen, kein einfacher Mensch. Macht macht einsam. Das ist der Preis, den er zu zahlen hat."
Nun lag dort nicht Anara.
Sie drehte den Kopf dorthin, wo der Sarg der Königin stand, wo er einst vor gekniet, wo sie einst in einer Ecke schräg hinter ihm gestanden hatte und diese Dinge gedacht hatte.
Der Blick ins Heute zeigte eine tote Eileen und einen Menschen, der Hieb um Hieb in die Magengrube bekam. Es schien immer das Gleiche.
Doch gab es Dinge, die sich änderten...
Leise, wenn auch durch ihr Humpeln gerade beeinträchtigt, trat sie näher, überschritt Distanzen und legte ihm behutsam tröstend die Hand auf den Rücken.
"Damals bei Anara hätte ich dich fast ebenso trösten mögen wie heute, und hätte es mich nie im Leben getraut, nicht einmal in Erwägung gezogen, daß sowas je sein dürfe... Nähe zum Lehnsherrn...
Daß es heute anders ist... ist mit auch ihr Verdienst. Ich bin ihr dankbar dafür, Adrian."
Verfasst: Mittwoch 11. Juli 2007, 15:27
von Felicitas de Arganta
Die Zeit in der Hauptstadt war durchaus etwas ganz anderes für Feli.
Alles war hier in anderen Dimensionen und Gefügen.
Rafael sah Feli eher selten, was aber abzusehen war in anbetracht der Tatsache wesshalb sie hier waren.
Die Tage flossen dahin und eigendlich fühlte sich Feli ganz wohl bis....
Der Brief von Adrian war wirklich ein Schlag gewesen.
Wie konnte das sein?
Was war passiert?
Eileen tod..?
Soviel hatte Adrian damals riskiert. So sehr hatte er gegen den Strom angekämpft. So sehr hatte er seine Liebe verteidigt.
Und jetzt..?
Sie liess den Brief aus der Hand fallen und langsam segelte das Pergament zu Boden, ehe sie sich in Rafaels Arme warf und die Arme um ihn schlung. Der Kronritter war ihr in dem Moment egal.
"Ich werde sehen was ich tun kann, Geliebter...es tut mir so leid."
Rafael nickte nur stumm und fassungslos. Genauso fassungslos wie Feli es war und einen Moment brauchten sie beide um ihren eigenen Schock über den Verlust zu verkraften.
Wieviel musste ihr Freund noch ertragen?...
Einen Tag später begann Feli wieder zu packen. Sie musste Adrian als Freundin beistehen, desshalb konnte sie nicht hier bleiben. Rehya würde sie mitnehmen. Rafael hatte zuviel zu tun, alsdass er auf sie aufpassen könnte und in Feli`s Obhut war sie immernoch am sichersten.
Die Magier des Schlosses sahen ein, dass dies ganz sicher ein Grund war die Tore erneut zu öffnen. Bald schon würde sie wieder in Gerimor weilen und ihr "Urlaub" den sie in der Hauptstadt machen wollten, war damit vorbei.
Verfasst: Samstag 14. Juli 2007, 21:59
von Sanyarin Ar´states
Sie hatte sich vom Treiben der Welt zurück gezogen... eine goldene Kerze, auf deren Zentrum eine kleine Sonne aus Wachs wachte. Jene stand vor ihr und die Flamme wog sich im leichten Wind, während sie ihre Gedanken schweifen ließ...
Ihre Heiligkeit selbst hatte sie gebeten der Beerdigung der Gemahlin des hiesigen Grafens als Sprecherin Eluives bei zu wohnen... Doch trotz dieser Bitte: ganz sicher ward sie noch nicht. Oft hatte sie in ihrem jungen Leben schon mit dem Tod zu tun gehabt. Schmerzen und Leid hatte sie gesehen, auch jene, die zum Tod führten. Doch stets war jenes im Einklang mit der Heilkunst geschehen. Sie wusste, dass es Menschen gab, die früh zurück zu der Schöpfergöttin gerufen wurden... Menschen die andere hinterließen... Partner oder gar Kinder... und es fiel den Hinterbliebenen immer schwer Trost zu finden, anzunehmen...
Doch nun sollte sie nicht heilen. Sie sollte im Namen Eluives sprechen. Worte im Einklang mit jener... Worte des Trosts... doch auch Worte im Einklang mit Schöpfung und dem Kreislauf. Es viel ihr schwer, doch langsam fand sie die Worte... oder fanden die Worte eher zu ihr...?
Schon dämmerte der Abend ob des Grübelns und es ward Zeit auf zu brechen... Sandroval, Bruder im Orden und Schülerin auf den Pfaden der Tochter begleitete sie gen des Schlosses des Grafen. Erst dort ward ihr gewahr, nach und nach, wie viele Leute dort anwesend waren, um den Tod der verehrten und geliebten Eileen von Hohenfels de Galway zu betrauern und die schiere Maße der anwesenden Personen machte sie etwas nervös...
Doch etwas in ihrem Kopf... in ihrem Herzen, da flüsterte ihr auch, dass die Erdenmutter selbst ihr und auch den Trauernden beistehen würde. Das sie ihr die Kraft verleihen würde die richtigen Worte zu sprechen und nach einem Moment der bedächtigen Stille erhob sie dann ihre Stimme. Wie folgend einer leitenden Melodie. Klar und deutlich und doch besonnen... ruhig... von Mitgefühl geprägt und ebenso die Spende des Trosts inne tragend. Mit Überzeugung im Herzen, vom Kreislauf des Lebens und dem Lied der Verstorbenen, welches auf immer eins werden würde mit dem Lied der Mutter...
Nach wenigen Augenblicken der stillen Andacht, um die gefallenen Worte zu festigen, lies sie sodann die Anwesenden sprechen... Vergangene Momente und Erinnerungen, in den Köpfen zu festigen, zusammen mit dem Glauben an die Mutter und die Einkehr ins Lied...
Als der letzte sodann gesprochen hatte, begann Bruder Lucenius, jener hohe Priester des Klosters der göttlichen Schwester, das Ritual, den Segen der Temora über der Gruft zu erneuern... Doch auch sie selbst wusste: nach jenem Segensspruch hatte auch sie noch etwas zu tun.
Im Vorfelde schon hatte sie Sandroval gebeten eine achte Kerze mit zu tragen, welche sie sodann auch von ihm nun erhielt, als ihre Schritte sie vor den geschlossenen Sarg führten.
Langsam und bedächtig, mit einem weiteren Segen, dem der Göttermutter auf den Lippen, berührte sie mit dem Docht der güldenen Kerze jene Flammen der schon brennende sieben Kerzen, welche Temora geweiht. Entzündet aus all jenen sei die der Göttermutter... ehe sie diese zu den anderen Stellte...
Zusammen, nachdem alle Anwesenden die Gruft verlassen hatten und letzte Worte der Sonne an den Trauernden gerichtet waren, verließ die junge Diakonin dann die Grabkammer...
Dem Bruder... dem Grafen die letzten Momente mit seiner Frau zu gewähren... Jene nicht nur der Worte, sondern auch des Herzens im Schoße der Mutter zu betten.
Stimmet ein, in das vergangene Lied und lasset erklingen jenes, das Eileen von Hohenfels de Galway unseren Seelen nun zu schenken vermag.
Verfasst: Mittwoch 18. Juli 2007, 18:15
von Darna von Hohenfels
"Hör auf, Adrian!", schallte Rafaels Stimme von unten aus der Totenkapelle. Sie stand draußen und schloß die Augen. Rafael nahm bei manchen Dingen deutlich weniger Rücksicht, doch auch Adrians Stimme hatte sich schon deutlich vernehmen lassen, keine Totenstille in dem Raum mehr, in dem jene lagen, die des Grafen Herz am nahesten gestanden hatten...
Drei Tage hatte der Truchsess geschlafen. Und auch, wenn sie gewusst hatte, daß Nyells Schlaftrunk kein Allheilmittel gegen Seelenkummer war, so besorgte es sie doch, daß er nach dieser Ruhe wieder irgendwie so weit geraten sein musste, daß Rafael die Beherrschung entglitt. Worte an ihn halfen nicht mehr, an Taten hatte sie wohl alles geleistet, was zu tun war, selbst ihrem Vater hatte sie sich in den Weg gestellt, als er Adrian zu nahe treten wollte. Was noch, was nur wäre noch zu tun?
Rafael war bei ihm. Sinnlos, runterzugehen und auch noch in die Kerben zu hauen. Dennoch fast schon unverständlich, warum sie ihre Schritte so sicher in die Totenkapelle führten - sie war nicht die Person, die bei sichtbarem Leid Worte an die Göttin statt direktes Handeln für den Betroffenen vorzog. Kurz: es war nicht ihre Art, für andere zu beten.
Unten sprachen sie weiter.
Teils laut, meistens leise - sie achtete nun auch nicht mehr darauf. Sie hatte diesen Hass, diese Kälte in seinen Augen gesehen, wie sie sich von innen heraus festfraß, und sie wusste ihr nur schwer zu begegnen. Wer hätte ihn nicht nachvollziehen können?
Sie wusste, sie hätte die Worte nicht nochmal sprechen können, doch sie lagen ihr auf der Zunge, hatten nichts an Wahrheit verloren. Auch wenn es bitter war, sich mehrfach auf's Neue in solchem bestätigen zu müssen. "Abgedroschen", wie man es nannte. Scheinbar verbrauchte Kraft. Doch vor Temoras Ohren mussten sie alle Macht haben, wie sie gedacht waren. Vielleicht wusste die Göttin ihr in irgendeiner Form zu bedeuten, wie diese Worte zu wandeln waren.
"Es mag sein, daß alles fällt,
daß die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest,
Temora dich nicht fallen lässt:
Sie hält ihr Versprechen."
"Ah ja? Und wann?", fuhr ihr ein vermuteter bissiger Kommentar durch den Sinn, den sie in Adrians Stimme hörte und schluckte. Unbeirrt fuhr sie fort:
"Es mag sein, daß Frevel siegt,
wo der Fromme niederliegt;
doch nach jedem Unterliegen
wirst du den Gerechten sehn
lebend aus dem Feuer gehn,
neue Kräfte kriegen.
Es mag sein, die Welt ist alt;
Missetat und Migestalt
sind in ihr gemeine Plagen.
Schau dir's an und stehe fest;
nur wer sich nicht schrecken lässt,
darf die Krone tragen."
Die Krone... Näher hätte es Adrian nicht treffen können, bei ihm war die Krone schon fast wörtlich zu nehmen. Und von irgendwo musste er Kraft nehmen, durfte sich nicht fallen lassen. Er war Regent. "Macht macht einsam", huschte es wieder durch ihre Gedanken, wieder tat er ihr leid, wieder konnte sie ihm in just diesem Moment keine stärkende Nähe geben, ihm nicht die Kraft geben, die ihm von innen heraus fehlte. Oh ja, für ihn schien es ihr gerade sinnvoll, zu beten.
"Es mag sein, so soll es sein!
Faß ein Herz und gib dich drein;
Angst und Sorge wird's nicht wenden.
Streite, du gewinnst den Streit.
Deine Zeit und alle Zeit
ruh'n in Eluives Händen."
Sie senkte den Kopf und wisperte nur noch. Der Damm, daß sie keine Worte fand für das, was sie fühlte, dachte und wollte, gebrochen.
"Keine Worte für Ohren, die taub sein wollen... Herrin Eluive, linder seine Wunden. Herrin Temora, erinner ihn an seine Kraft. Kläre seinen Blick. Öffne sein Herz, wenn es dies wieder kann, ohne zu bluten."
Das Bild des verletzten Tieres ging ihr wieder durch den Sinn - das eine Hand auch dann biß, wenn sie näherkam, um zu helfen.
"In Einsamkeit verblutet, wer alleine ist. Herrin Temora, gebiete die Treue. Herrin Temora, öffne seinen Blick für alles, was wahr ist - es endet alles, was begann, einzig deiner Mutter Harmonie, die nie verklingt. Und so ruht im Ende stets ein Anfang. Töne verklingen, das Lied nicht."
"Es darf nicht zuende sein."
"Und solange Temora ist, ist Hoffnung. Solange Hoffnung ist, ist deine Stärke, Herrin, bei uns. Schenke deine Stärke ihm, wo er sie braucht."
Sie senkte den Kopf. Schritte hinter sich - Rafael. Adrian folgte ein wenig später, erschöpft, resigniert wirkend, und noch immer mit dieser Kälte im Blick.
"Gib nicht auf." Das lautlose Flüstern, die kaum bewegten Lippen, beides drang nicht in seine Wahrnehmung. "Du bist nicht allein. Das Licht nicht verloschen. Scheint die Sonne nicht mehr, sieh die Kerze in der Nacht."
Ein Schaudern glitt über ihre Haut, sie achtete nicht darauf, sah ihm nur nach, als er sich entschuldigte, um sich zur Ruhe zu begeben.
"Gib nicht auf, bitte."