Seite 1 von 1

Der Wandel

Verfasst: Sonntag 8. Juli 2007, 12:28
von Halgar
Unachtsam wurde die Tür des Hauses aufgestossen und ein hochgewachsener Bärtiger trat aus der Dunkelheit der Nacht ein, wobei er leicht den Kopf senkte, um sich nicht den Kopf zu stossen und warf die Türe mit der selben Kraft hinter sich ins Schloss. Eiligen Schrittes stapfte er, begleitet von dem Knartzen der Bodendielen, durch den kleinen Vorraum in die Wohnstube und warf seine Kettenrüstung in Richtung der Truhen im Eck, ohne ihm weitere Beachtung zu schenken. Das Kettenhemd landete auf einer der Truhen, der Rest der Rüstung fiel rasselnd vor ihnen zu Boden. Er ging zu dem kleinen Schränkchen neben der Treppe hinüber, um sich einen Krug herauszunehmen, nahm ächtzend in einem Sessel Platz, entledigte sich seiner Stiefel, die er achtlos von sich schleuderte, legte die Füsse auf den Tisch und gönnte sich einen kräftigen Schluck aus dem Bierkrug. Zufrieden nickend wischte er sich den Schaum vom Bart und atmete nun wesentlich entspannter auf. Ja, die Zwerge schienen ihr Handwerk zu verstehen, dachte er bei sich, als er den Krug Zwergenbieres im Schein einer Kerze genauer betrachtete und ein unscheinbares Grinsen breitet sich auf seinen Zügen aus.

Sein Blick viel auf das Kettenhemd auf einer der Truhen und sein Blick verfinsterte sich schlagartig. Das Hemd war übersäht mit Rissen, verbogenen Kettengliedern und war über und über mit geronnenem Blut versehen, das ihm eine deutlich rötliche Färbung gab. Es machte nicht unbedingt den Anschein, als sei es erst kürzlich geschmiedet worden, nicht zuletzt durch die rostigen Stellen am unteren Rand des Hemdes. Es wirkte alt und verbraucht. Unbewusst fuhr er sich über den Brustkorb, als wolle er sich vergewissern, dass eine Wunde bereits verheilt war und sein schmerzverzerrtes Gesicht vertrieb jedes Gefühl der Hoffnung. Das Kettenhemd war aus einem recht stabilen Material gefertigt und sauber verarbeitet, keine Frage, aber doch hatte es ihn bisher immer wieder im Stich gelassen und einem Schlag des Feindes zu wenig Widerstand geboten.

Er wandte den Blick auf die Kerze, die auf dem Tisch leise vor sich hin brannte und nahm einen weitern Schluck aus dem Krug. War es das bischen mehr Bewegungsfreiheit wirklich wert, wenn doch einmal ein Schwerthieb den schützenden Schild verfehlte und auf das Hemd prallte? Zu lange hatte er an dem Irrglauben festgehalten und im Nachhinein sich selbst und seinen mangelnden Fähigkeiten im Kampf die Schuld gegeben. Auch das zusätzliche Training konnte die Tatsache nicht ändern, dass er nicht in der Lage war jeden ankommenden Schlag vorherzusehen und ihm auszuweichen. Doch das sollte nun ein Ende haben, sein Entschluß stand endgültig fest. Gleich morgen würde er auf den Markt gehen und nach einem fähigen Schmied Ausschau halten, der ihm eine Rüstung anfertigen würde, die genügend Schutz bieten würde, um auch einen verirrten Treffer wegzustecken. Lange hatte er über diesen Schritt nachgedacht, hatte er die anderen Krieger, die bereits mit ihm das Schwert schwangen, doch immer belächelt, wenn sie in ihren klobigen Rüsten dem Feind gegenüber standen. Nein, er war es leid immer wieder bei einem Schmied vorstellig zu werden, um wieder einmal seine Dienste in Anspruch zu nehmen, um die Rüstung reparieren zu lassen. Hatte man ihm nich immer wieder dazu geraten, er solle sich doch "vernünftiges Rüstzeug" zuzulegen, wie sie es genannt hatten? Nun verstand er was sie gemeint hatten.
Er war nicht mehr der Jüngste und seine einstige Beweglichkeit hatte in den letzten Jahren doch beträchtlich abgenommen, vor allem seit er nun in Varuna lebte und mehr Zeit in Tavernen zubrachte, als in irgendeinem Verließ, um dort nach Schtzen zu suchen. Vielleicht wäre es wirklich sinnvoller, er würde die mangelnde Beweglichkeit mit einem höheren Maß an Schutz auszugleich versuchen. Er fuhr sich mit einem deutlichen Seuftzen über den runden Bauch, starrte dann wieder in die Flamme der Kerze und nickte langsam zu sich selbst.

Dann nahm er einen weiteren kräftigen Schluck aus dem Krug Zwergenbieres, wischte sich abermals den Schaum mit dem Ellenbogen vom Bart und stellte ihn krachend auf den Tisch, ehe er sich erhob. Unter lautem Stöhnen und Gähnen streckte er sich, kratzte sich das bärtige Kinn und ging, ohne die Rüstung eines weiteren Blickes zu würdigen, die Treppe hinauf zu seinem Schlafgemach und ließ sich unsanft ins Bett fallen, dass unter dem Gewicht leicht knartzte und knackte. Nach wenigen Minuten leisen Grummelns schlief er unter lautem Schnarchen ein...