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Tief im Urwald

Verfasst: Mittwoch 4. Juli 2007, 02:13
von Yejide
Sie konnte das Zittern einfach nicht unter Kontrolle halten. Selbst nachdem die junge Frau bereits eine ganze Weile durch die Wirren des dichten Urwaldes gehastet ist und sich weiter und weiter von dem Ort entfernt hatte, an dem sie den schrecklichen Mann zuletzt gesehen hatte, klapperten ihre Zähne wie wild. Die Nacht hatte sich bereits über das Land gelegt und tauchte den wuchernden Dschungel in die tiefe und gewohnte Düsternis. Dennoch nahmen die verschiedenen glucksenden und kreischenden Laute des Busches kaum ab und die plötzliche, nächtliche Kälte drang dem Mädchen noch zusätzlich in die Glieder.

Wo war sie hier? Sie kannte diesen Ort doch - Ganz bestimmt. Oder doch nicht?

Sie musste ihren Schritt etwas verlangsamen, während sie sich irrend einen Weg durch Busch und Geäst bahnte. Kaum zu einem klaren Gedanken fähig, ließen sie die kürzlich erlebten Eindrücke nicht mehr los.

Wer waren diese Männer? Und was wollten sie von ihr?

Mit einem tiefen Atemzug versuchte sich Yejide zu beruhigen - Erfolglos, das Zittern wollte kein Ende nehmen und zu allem Überfluss gesellte sich der starke, unbändige Juckreiz an ihren Handgelenken hinzu. Ihre Augen füllten sich mit leisen und stummen Tränen, als sie an einer steinigen Engstelle gezwungen war halt zu machen und emsig die alten Wunden an ihren Unterarmen aufschabte, bis sie bluteten. Die Aufschürfungen an Ellenbogen und Knien von dem harten Sturz schienen in diesem Moment nebensächlich und sie ließ sich mit einem weiteren Schaudern auf einer hervorstehenden Steinplatte nieder. Der rauhe Stein war kühl und eine kleine Fütze hatte sich in der flachen Aushöhlung gebildet, doch scherte sie sich garnicht darum. Nur mehr die brutalen Fremden vor Augen, wie sie in warnenden und drohenden Gebärden ihre Macheten wetzten, starrte sie mit glasigem Blick auf eine kleine Ansammlung von Käfern, die in dem gleichen matten Grau lagen, wie ihr unmittelbares Umfeld.
Sie würden wieder kommen, hatte der eine gesagt. Ja, morgen schon, um sie nochmal zu holen. Und die Hütten niederbrennen. Wahrscheinlich sogar alle töten. - Sterben, Mm, Wakiuru sagt, das müssen wir alle eines Tages.
Sie riss zitternd die Augen auf und schnappte nach Luft.
Und Xa'anti liegt auch noch im Lager. Sie braucht die Medizin, damit sie wieder ins Gleichgewicht und auf die Beine kommt. Und die Geister müssen ihr dabei helfen.
Kurz darauf rappelte sie sich wieder auf, doch geriet schnell wieder ins Stocken.
Aber was ist wenn ich den Weg garnicht zurück finde? - Wo bin ich hier nur? Aber die Männer können mich dann ja auch garnicht holen, wenn ich nicht im Dorf bin!
Mit diesem Schluss schien sie sich jäh zu beruhigen, jedoch wurde sie sich mit einem weiteren, heißen Schwall der Furcht, tief in ihrer Magengrube, über den lausigen Fehler in ihren Gedankengängen bewusst.
Ich muss Yooku warnen und die anderen. Sie wissen dann, was zu unternehmen ist - Ja, Ganz bestimmt.
Sie raffte sich ein weiteres Mal auf und mit flinken Schritten verschwand sie wieder in den Tiefen des Urwaldes, auf der Suche nach dem heimischen Dorf. Leise knisternd und klackernd huschten auch die unschuldigen Käferchen unter einen Stein. Und trotzdem blieb die Welt grau in grau.

Verfasst: Donnerstag 5. Juli 2007, 19:32
von Yejide
Erschöpft und abgekämpft erreichte Yejide das Dorf in den frühen Morgenstunden. Nach langem Irren war sie an eine geeignete Anhöhe gelangt und konnte sich nach kurzem Aufstieg und im orangenem Licht der aufgehenden Sonne wieder besser orientieren. Und als nach einem weiteren, kurzen Marsch die ersten Dächer zwischen dem dichten Bewuchs des Urwaldes auftauchten, fiel dem Mädchen ein Stein vom Herzen. Geschafft. Jedenfalls das Gröbste.
Auch die Angst war mittlerweile längst verfolgen. Der nächtliche Marsch war lange und ermüdend gewesen, denn sie musste oftmals anhalten, verschnaufen oder war sogar gezwungen sich vor wildem Tier zu verbergen. Das brachte sie zwar auf andere Gedanken, doch viel besser ging es ihr damit auch nicht.
Mit dem ersten Krieger des Stammes, der einige Schritt vom Dorf entfernt ihren Weg kreuzte, wurde ihr die Dringlichkeit der vergangenen Geschehnisse schlagartig wieder bewusst. Mit rudernden Armen überhäufte das Mädchen den verdutzten Krieger mit unablässigem Geplapper über die bedrohliche Lage, die fremden Bewohner des Urwaldes und ihre eigene, ungewollte Entführung. Auch wenn Yejide von Manchen im Stamm immernoch nicht vollkommen Ernst genommen wurde und als begriffstutzig galt, wusste man über die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit des Mädchens und nahm auch die geschundenen Arme und Beine als ausreichenden Beweis.
Schnell war die Schilderung der jungen Frau in aller Munde. Man erzählte sich von den fremden Kriegern, über den eigenartigen Klang ihrer Stimme und über die Entführung der Heilerfrau mit dem kleinen Kanu, dessen Beschreibung sich im Laufe der mündlichen Weitergabe ständig veränderte. Man war auch etwas beschämt über die Unachtsamkeit und die mangelnde Erfüllung der Aufgabe wehrlose Frauen des Stammes vor solcherlei Übergriffen zu beschützen. Und gleichermaßen über die unbekannte und neue Bedrohung erschrocken, kannte man diese doch nur aus den Geschichten und Erzählungen der Alten.

Nachdem sich Yejide über Wohlbefinden Xantia's erkundigt hatte, wechselte sie noch ein paar Worte mit Ta'Ziyah, ehe sie sich auf die Suche nach Yooku, dem Schamanen, machte - Vielleicht würde er wissen, was zu tun ist, vielleicht würde er sogar die Geister um Rat fragen, dachte das Mädchen und kratzte sich besorgt an den Handgelenken.