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Erwartungen, Prüfungen und Unsicherheit

Verfasst: Donnerstag 28. Juni 2007, 10:15
von Ayla Masari
Eigentlich konnte man von Ayla alles andere behaupten, aber nicht dass sie schwach sei. Sie war immer eine starke und vor allem zielstrebige Person gewesen. Dennoch hatte sie zur Zeit zu viele schwache Momente. Dieser Vorfall in den Höhlen der Festlande machte ihr noch immer zu schaffen. Nur selten traute sie sich mit Geleit aufs Festland und in die Höhlen dort ging sie nun gar nicht mehr. Zu groß war die Angst, diesem schrecklichem Wesen wieder zu begegnen. Waren doch seine Besuche in ihren Träumen schon genug. Fast jede Nacht spürte sie die Schmerzen des Giftes wieder, schreckte sie schweißgebadet aus dem Schlaf. Ihre Ängste und Alpträume machte ihr schwer zu schaffen. Und als ob das nicht schon genug war, begann sie nun auch noch an ihrer Gabe zu zweifeln. Sie machte zwar noch ihre Übungen, doch missglückten sie nur noch. Wie sollte sie auch ahnen, dass ihre Ängste sie blockierten. Nie würde sie auf den Gedanken kommen, dass sie nach dieser Begegnung einfach nicht mehr wollte, weil sie Angst hatte auch sie würde diese Gabe einst missbrauchen. Sie fing an sich zu vergraben. Nur selten zeigte sie sich in der Stadt. Denn in ihrem Zimmer unten im Palastkeller, dort fühlte sie sich sicher. Sie war unsicher, traute sich nicht darüber zu sprechen. Und wusste auch nicht wirklich wem sie sich anvertrauen sollte. Sicher war dort Rasheeda, die etwas ungestüme junge Frau. Ayla mochte sie gerne und bewunderte ihre Leichtigkeit. Doch irgendetwas hinderte sie daran sie weiter in ihr innerstes Vordringen zu lassen. Einmal, ja da zeigte sie ihre Ängste und Unsicherheit. Doch hatte sie sich sehr vor Rasheeda und Fadi geschämt. Als sie mit ihnen gesprochen hatte, klang alles so lächerlich und sie fühlte sich wie ein Kleinkind. Doch sie waren da, diese Ängste diese Scharm und die Unsicherheit. Und sie waren im Begriff sie immer mehr zu beherrschen. Sie mied selbst die Akademie, und diese war bis zu diesem Zwischenfall ihre größte Leidenschaft gewesen. Sie ging nur noch hin, wenn sie Unterricht hatte und selbst dann fiel es ihr schwer, sich darauf zu konzentrieren. Fast schon starr saß sie auf ihrem Stuhl, blickte stumm nach vorne und malte ganz unbewusst die Seiten in ihrem Buch schwarz. Es war zum Verzweifeln. Ayla war ratlos, doch was sollte sie tun. Sie hatte Angst sich ihrem Mentor Raakin anzuvertrauen und wusste auch sonst keine Lösung. Sie steckte fest. Die Erwartungen an sich selbst waren schon immer höher gewesen als die in ihrem Umkreis und dies bereitete ihr noch mehr Druck. Sie versuchte sich also, in ihrem Zimmer abzulenken. Von den Träumen ihren Zweifeln und allem was sie belastete. Sie fing an sich in die Alchimie zu stürzen. Stunde um Stunde mixte sie und braute die sie Tränke zusammen. Versuchte neue Rezepte und schon bald wurde sie immer besser. Die Rezepte gelangen ihr schnell und es ging ihr leicht von der Hand. Auch die Nächte verbrachte sie mit ihrer neuen Tätigkeit, wollte sie doch den Alpträumen entfliehen. Nur noch um Reagenzien zu beschaffen, ging sie hinaus. Fast tat sie schon nichts anderes mehr, nur Munayas Unterricht stellte eine willkommende Abwechslung da. Munayas Anwesenheit tat ihr gut und sie genoss diese auch. Selbst der Emir bekam sie nur selten zu Gesicht und auch das machte ihr große Sorge. Sie wusste was es für eine große Ehre war, dass er sie in seinem Harem aufgenommen hatte. Doch schaffte sie es nicht ihm das zu geben, was er verlangte. Ihr Lächeln wirkte steif und gefroren, zu schwere Lasten trug sie mit sich herum und wusste nicht, wie sie diese wieder loswerden sollte.

Verfasst: Dienstag 3. Juli 2007, 12:49
von Ayla Masari
Die schweren Zeiten machten sich immer deutlicher bemerkbar. Sie sah ausgelaugt und erschöpft aus. Dies war auch kein Wunder, hatte sie doch zu wenig Schlaf und zu wenig Ruhe. Diese gönnte sie sich auch nicht, unaufhörlich braute sie Tränke.
Am Tag des Unterrichts war sie zwiegespalten, sie wusste nicht was sie tun sollte. Sie hatte wieder versucht ihre Übungen zu absolvieren, doch missglückten sie noch immer. Sie bekam einfach keine Verbindung zum Lied. Hatte Eluive sie verlassen? Es wollte ihr nicht einfach nicht gelingen. Verzweifelt setzte sie sich wieder an ihren Labortisch, fing wieder zu brauen an. Der Unterricht hatte sowieso keinen Sinn mehr, da sie die Gabe offensichtlich nicht mehr hatte. In ihren Selbstzweifeln konnte sie ja auch nicht ahnen, dass sie nur eine Blockade, ausgelöst durch ihre Ängste, hatte. Sie konnte nicht am Unterricht teilnehmen, zu groß war ihre Scharm vor den anderen, vor Raakin. Wie sollte sie erklären, was geschehen war? Würde ihr Mentor, der so große Hoffnung in seine Schülerin gesetzt hatte, sie verstehen? Die Verzweiflung über all das, über ihr Versagen, ließen wieder einmal die Tränen in ihr aufsteigen. Sie fing bitterlich an zu weinen. Immer wieder hörte man, in den letzten Tagen, genau dieses Weinen aus ihrem Zimmer. Sie ging also nicht zum Unterricht und mischte stattdessen mal wieder.
Als Raakin am nächsten Tag vorbeikam um sich zu erkundigen, warum seine Schülerin nicht erschienen war, schämte sich Ayla wieder einmal. Sie hatte ihn enttäuscht. Sie wollte es ihm erklären, ihm sagen das sie die Gabe verloren hatte. Doch sie drang nicht wirklich zu ihm vor. Dies war auch gut so, denn auch wenn es Ayla im ersten Moment noch mehr zur Verzweiflung brachte, so wollte er ihr zeigen, dass er sie nicht aufgab. Er glaubte an sie, auch wenn sie es noch nicht merkte, da ihr selbst der Glaube an sich fehlte. Er trug ihr auf ihm zu folgen und nur wiederwillig tat sie es. Für sie hatte dies alles doch eh keinen Sinn. Sie gingen auf den Übungsplatz, wo Raakin ein Pentagramm in den Sand zeichnete. Ihre Unsicherheit wuchs und Raakin wies sie an hinein zutreten. Sie folgte seinen Anweisungen etwas ängstlich. Er konzentrierte sich und versuchte seinen Geist auszubreiten, das Lied mit ihr zu verbinden. Er wollte es wissen und ihr beweisen, dass sie die Gabe noch immer besitzt.. Es war schwer für beide, doch sie vernahm ein ganz schwaches Echo und Raakin konnte ihre Blockade spüren. Er spürte, wie etwas an ihr zerrte, versuchte sie vom Lied fernzuhalten.
Er versuchte herauszubekommen, was es war, versuchte sie zu beruhigen und ihr Kraft zu geben. Es glückte ihm auch einigermaßen, denn sie fing an, sich ihm zu offenbaren. Sie erzählte ihm, von ihren Träumen den Ängsten und ihrer Unsicherheit, versuchte ihm begreiflich zu machen, wie dumm und kindisch sie sich fühlte. Raakin beschloss den Unterricht im wesentlichen nachzuholen, und zwar an Ort und Stelle. Er beschwor einen Dschinn und trug ihr auf, ihren Geist frei zu machen und sich auf diesen zu konzentrieren. Sie sollte den Dschinn kontrollieren. Sie hatte ihre Mühe und die ersten Versuche missglückten ihr. Wieder wuchs die Unsicherheit, doch die Tatsache das Raakin an sie glaubte und beruhigend auf sie einsprach half. Nach einer längeren Zeit schaffte sie es den Dschinn zu kontrollieren und es war als würde sie sich leichter fühlen. Sie war noch lange nicht am ende dieser schweren Prüfung doch, hatte sie den Anfang geschafft. Sie konnte sich nun gewiss sein, dass Eluive ihr die Gabe nicht genommen hatte. Der Stein war ins rollen geraten, auch wenn der Weg noch sehr lang war. Immerhin musste sie ihr ganz persönliches Monster, ihren nächtlichen Besucher noch besiegen. Und nicht nur dieses Monster galt es zu besiegen, auch ihre Furcht und Unsicherheit mussten weichen. Raakin gab ihr einen Hoffungsschimmer, er glaubte an sie. Nun musste sie nur nach an sich selbst glauben. Es würde noch ein langer Weg sein, doch der erste Schritt war getan.