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Spiele mit dem Tod

Verfasst: Montag 25. Juni 2007, 11:35
von Vesta
Eigentlich hatte sie diesen Abend nur in Ruhe ausklingen lassen wollen. Es war ein ereignisreicher Tag gewesen, erfolgreich, nun, vielleicht, sie hätte sich wohl ein wenig mehr beeilen sollen. Sie haßte es, wenn ihre Figürchen, die sie aufstellte und hin und her schob ein Eigenleben entwickelten. Aber sei es drum. Dem geschenkten Gaul...
So saß sie dort, angelte ein wenig - angeln war gut für die Nerven. Gut für die Geduld. Das mochte sie an diesem Ort, er war so schön ruhig. Nun, bis auf diese Nacht.
Der Schrei kam von der Taverne. Sie kannte diese Schreie nur zu gut, laut, dunkel, getragen von Verzweifelung und Schmerz. Es war der Klang des Todes, wenn die Seele dem Körper gewaltsam entrissen ward, ein letztes Aufbäumen ehe das Lied verklang. Rasch packte sie ihre Sachen zusammen und begab sich dorthin.
Ein Leben zu nehmen war wohl immer schwer. Niemand wußte das in diesem Augenblick so genau wie diese Frau, Tajara, die sie sonst nur als aufbrausend und verbittert kannte. Heute Abend tobte sie nicht, sie weinte und zitterte. Ein kurzer Blick genügte der Priesterin. Niemand konnte so einen Blutverlust überleben. Hm. Nun, dennoch konnte ein Versuch nicht schaden, auch wenn ihre Erfahrung ihr sagte, daß die kalte Berührung des Fleisches sinnlos war. Sie sollte sie nicht trügen. Dieser Mann war tot. Mausetot. Und in ihrem Kopf arbeitete es.
Tajara war ihr egal. Lamiro, hm, Waldgeist. Alte Kontakte sollte man pflegen. Und die Bajarder? Ach was solls?
Bestimmend herrschte sie die Umstehenden an, den Mann in die Kapelle zu bringen. Ihre Kapelle. Ihr Elysium. Ihre Spielwiese.
Dort, auf dem Altar, lag er nun, während sie ihn berührte und bruchstückhaft Worte von sich gab, Worte der Rückkehr, des Lichtes und des Mutes. Schwierig, sich auf zwei Sachen zugleich zu konzentrieren und doch - Übung machte die Meisterin und so zwang ein Teil von ihr etwas gänzlich anderes zuerst in ihren Körper, hauchte es dann in den Mund des Toten. 'Ich spende Dir den Atem des Lebens'
Der Mann zuckte. Das war der einfache Teil gewesen, nun galt es, die Maskerade aufrecht zu erhalten. Der Zusammenbruch ihrerseits war echt. Was sie tat war gefährlich - für gewöhnlich erlaubte sie sich keinerlei Störung dabei und die Konzentration, die sie aufbringen mußte, damit ihr nicht alles entglitt war hoch. Der Brustkorb des Mannes hob und senkte sich. Sinnlos - notwendig - sinnvoll. Sie fühlte sich so unendlich müde. Bisweilen laugte es aus, ein Gefäß zu sein.
Jemand führte sie zur Bank, brachte ihr und dem Mann auf dem Altar Decken. Dreh Dich. Sie legte sich auf die Seite - er tat es ihr gleich. Die Wunde am Rücken - verschlossen, verschwunden, wie von Geisterhand. Wasser.
Sie trank gierig. 'Laßt ihn schlafen.' Sie schloß die Augen, sammelte sich. Sie war müde und doch, es war noch zu früh. Ohne ihre Gedankenkraft, ohne ihren Willen, der den Willen dieses etwas brach würde die Scharade zusammen fallen wie ein brennendes Kartenhaus. So wartete sie, eine Stunde, zwei, drei. Am frühen Morgen hieß sie es an zu gehen.
An der Taverne vorbei, ein Weg, der es vor den Augen der Wache verbarg. Am Handwerkshaus entzündete sie ein Fackel und drückte jener der Kreatur in die Hände. Immer den Schein wahren. So zwang sie die Kreatur in Richtung der Straße. Außerhalb von Bajard winkte es den Wachen noch einmal zu. Jene forderten ihn auf zu bleiben und eine Aussage zu machen, doch es schlurfte davon, in den Wald, zu einer Lichtung, wo sie es erwartete, in ihren Bannkreis zwang und dieser Welt entriß.

Als der Wolf am frühen Mittag durch sein Revier streifte entdeckte er den frischen Leichnam. Argwöhnisch schnupperte er daran. Mhmmm. Lang konnte er noch nicht tot sein. Er war kein Menschenfresser, zumindest nicht, solange ihn nicht Hunger oder Tollwut rasend machten. Aber Aas war Aas und dort war er nicht wählerisch. So frisch. Gierig schnappten seine Fänge nach der dargebotenen Mahlzeit.