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Das Versprechen

Verfasst: Mittwoch 20. Juni 2007, 02:21
von Lanaya Shevanor
Wie ein nasser Sack als habe sie keine Knochen und Sehnen im Leibe hing die Schwester in dem gemütlichen Tavernensessel. Das dumpfe Kerzenlicht wurde von der schwarzen Arkoritherrobe nahezu verschlugen und gelassen sah sie zu ihr. Keinerlei Reaktion folgte und ohne auf eine zu pochen wandte sich die Maga an den Wirt den gewohnten Wein bestellend. Nun erst fasste sie die zweite der dunklen Gestalten ins Auge. Ohne die Schritte zu verbergen trat sie an den Tisch dazu und stellte den Krug ab. Die Art der Schwester schrecke sie nicht ab, keinesfalls. Auf gewisse Art und Weise fühlte sie sich an jemanden erinnert der ihr immer noch sehr vertraut war. Zu vertraut um jemals zu vergessen. In flüssiger Bewegung wurde der Mantel abgelegt und die Maske folgte. Das dünne Kleid umschmeichelte den zierlichen Körper provokativ und hob die sonst gut verborgenen weiblichen Züge vorteilhaft hervor. Ohne ein Wort an die Schwester zu richten beendete sie die Prozedur indem sie sich endlich in einen der Sessel sinken ließ. Das Gesicht im Schatten der weiten, dunklen Kapuze verborgen strich sie in einer eitel wirkenden Geste das Kleid glatt sich nun erst an sie wendend.

Fragen wurden gestellt, Antworten vernommen und das Gespräch nahm eine Wendung die ihr durchaus zusagte. Merkte dieses junge Ding nicht wie es sich selbst die Schlinge an den Hals legte? Sah sie nicht die Gefahr kommen. Wahrlich sie würde ihre Chance erhalten. Sollte sie zeigen was sie konnte. Sollte sie ihren Drang befriedigt sehen und sollte sie lernen. Ihre Lippen glichen denen eines gierigen Wolfes der leichte Beute gewittert hat und noch immer forderte die Schwester nach etwas das sie selbst zu jenem Zeitpunkt der Ausbildung niemals gewagt hätte. Viel versprechend oder Dreist? Mutig oder größenwahnsinnig? Sie war sich nicht sicher. Noch während die Schwester dem alten Letharen mit ihren Fragen Antworten entlockte dachte sie darüber nach ihrem Wunsch gerecht zu werden. Die Thematik war ihr vertraut wenngleich die Kinder des Herrn vieles anders sahen konnte sie doch zusammenfügen was zusammen gehörte. Gleichsam musste sie teilweise eingreifen damit eine gewisse Richtung gewahrt wurde. Zuviel war nicht gut für diese jungen Ohren. Auch war die gestellte Aufgabe in eine andere Richtung dirigiert. Man würde sehen wie sie dem gerecht wurde.

Der Abend schritt fort und die Dunkelheit der Nacht schien sich zu verdichten. Spät war es und wenngleich auch sie darauf brannte dieses Versprechen nur zu bald in die Tat umzusetzen würde es nicht heute Nacht dazu kommen. Geduld war ein seltener Zug und mühsam hatte sie sich diese angeeignet. Das Warten würde das Eintreten dessen worauf man wartete nur noch lustvoller gestalten. Geraume Zeit verweilte sie noch mit dem Alten in der Taverne. Belanglosigkeiten wurden ausgetauscht und gewisse Ansichten regten tatsächlich ihren Verstand zu Überlegungen an die sie bislang nicht in Betracht gezogen hatte. In der Theorie klang es einfach und überaus einleuchtend. Doch war es nicht das gewesen was sie wollten. Eines Tages jedoch würde dieses Wissen großen Nutzen bergen und innerlich dankte sie ihm was äußerlich einzig durch ein Nicken bekundet wurde. Doch dann verabschiedeten auch sie sich und jeder ging seines Weges.

Seine letzten Worte klangen lange in ihren Ohren nach. Warum hatte er sich mitgeteilt? Warum mit jenen Worten, so offen – so vertraut? Mit vielem konnte sie umgehen doch derlei außerhalb der eigenen Reihen war nahezu undenkbar und wieder Willen stellte sie fest das sie diesen alten Kauz nicht nur respektierte und schätzte sondern tatsächlich mochte. Ob er jedoch noch lange genug unter den Lebenden weilen würde als das sich ihm dies jemals offenbaren würde hielt selbst sie für ungewiss. Wenige Schritte vor ihrer kleinen Alchemistenhütte die noch immer überaus Wirkungsvoll einen gewissen Schein wahrte blieb sie stehen. Schon wieder brannte zu solch später Stunde ein Licht. Schon wieder werkelte jemand darin herum und erweiterte sein Wissen. Auf dem Absatz machte sie kehrt. Heute wollte sie alleine sein und in der Stadt gab es einen Ort an dem sie gewiss niemanden treffen würde den sie nicht sehen wollte. Nicht unfreundlich wurde das Nicken der Wachen erwidert ehe sie sich im Inneren des Gebäudes setzte. Zuviel ging ihr im Kopf herum als das sie gleich zur Ruhe gefunden hätte und somit betrat sie die Bibliothek. Viel war hier zerstört worden doch einige Bücher waren in einem lesbaren Zustand so das sie sich getrost mit ihnen befassen konnte. Gemütlich in einem der Sessel sitzend stellte sie sich die Kerzen zurecht und schlug das Buch auf. Nur wenige Seiten kam sie weit ehe die Ruhe des Ortes auf sie wirkte und sie im Sessel einschlief. Im Kleid, das Buch aus der Hand geglitten und die Haare wirr um den Kopf verteilt würde sie wohl jedem der Zutritt zu diesem Raum hatte ein gänzlich ungewohntes Bild bieten. Erst am frühen Morgen sah man sie aus der Stadt eilen sich auch um diese Uhrzeit überaus geschäftig um gewisse Dinge kümmernd.