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Pfade der Temora....

Verfasst: Donnerstag 14. Juni 2007, 16:59
von Leah Katuri
Still war es in dem kleinen Raum, als sie auf den provisorisch hergerichteten Altar zuschritt.
Warum ihr Weg sie ausgerechnet hier her geführt hatte, konnte sie kaum selbst verstehen. Schon lange hatte sie den Weg ins Gebet nicht mehr gefunden gehabt, geschweige denn geglaubt, dass sie jemals wieder zu ihm finden könnte. Tief musste sie die Luft in ihre Lungen ziehen, als sie sich wortlos auf eine der Holzbänke setzte. Lange betrachtete sie schweigend den Altar, fest lag der Blick drauf....

Schon von Geburt an war sie mit dem Glauben Eluives aufgewachsen. Es war selbstverständlich gewesen, sich als kleines Mädchen abends vor dem schlafen gehen hinzuknien und zur gütigen Allerschafferin zu beten. Was hatte sie ihr nicht alles erzählt, nicht offenbart von sich und ihrer kleinen kindlichen Seele! Auch später noch, als sie bereits zur jungen Frau reifte, fand sie vor allem in den schweren Stunden Trost im Gebet; so war Eluive diejenige, die ihr die Kraft gab, nach dem Tode der Mutter die nötige Kraft aufzubringen für die Versorgung von Brüdern und des Hofes...

Sicherlich spielte auch Temora in all ihren Fähigkeiten und gütigen Absichten eine wichtige Rolle für sie; war es doch auch nicht ein Widerspruch, beiden Göttinnen entsprechend Respekt zu zollen.
In ihrem Dorfe sprach man nicht viel über die Götter; hatte man doch genug auf den Feldern zu tun und den ganzen Tag zu arbeiten. Doch als das Schicksal entschieden hatte, dass sie nun ihre Wege außerhalb der Dorfgemeinschaft zu gehen hatte, wurde ihr Wissen darüber erweitert und genährt. Und doch war sie vom Weg des Glaubens abgekommen und hatte sich verirrt...bis...

Ja, bis sie auf einmal in dem Gemeindehaus zu Bajard gestanden hatte. Und nun, sitzend auf der Bank, faltete sie die Hände ineinander, schloss die Augen und senkte ihr Haupt in Demut nieder. Stumm formten sich die Lippen zu Worten, die für niemanden sonst als ihrer Beschützerin gelten sollte, zu der sie den Weg wiederfinden wollte. Lange verharrte sie so, die Lippen sich ständig stumm formend; eine Träne lief aus den geschlossenen Lidern hinab. Plötzlich verharrend öffnete sie die Augen und wischte sich verärgert die Träne aus dem Gesicht.
Wie töricht muss man nur sein, so sentimental zu sein...hatte Rikara nicht gesagt, dass man niemals Schwäche zeigen sollte?
Verwirrt und voller ungeordneter Gedanken verließ sie das Haus.
Luft....den Kopf klar machen!

Ihre Wege führten sie aus Bajard hinaus, über die Pfade nach Varuna und wieder zurück. Sie lief an den vielen Höfen vorbei; nahm die Umgebung kaum wahr, als sie an einer dicken Mauer stehenblieb und aufsah. Ein leichtes Schmunzeln entfuhr ihr, war sie doch jetzt schon mehrmals hier vorbeigelaufen, ohne es zu merken. Als sie einer Stimme gewahr wurde, wirbelte sie herum, staunend, dass jemand um diese Uhrzeit noch unterwegs war. Als sie sich umgedreht hatte, stand vor einem Tor, das sie erst jetzt bemerkte, ein Mann in Ordenskleidung. Ein Staunen durchfuhr ihren Körper, hätte sie es doch nicht für möglich gehalten, dass eine so wichtig erscheinende Persönlichkeit jemanden wie sie ansprechen könnte. Erst jetzt bemerkte sie die Regentropfen, die seit geraumer Zeit vom dunklen Firmament fielen. Er lud sie ein, ihr in das Gebäude zu folgen; zögernd und zurückhaltend stimmte sie zu und betrat das Gelände. Beim Durchtreten des Tores las sie im Vorbeigehen, dass es sich um das Ordensgelände der Glaubensbrüder der Temora handelte.

Er führte sie in einen großen Raum, den sie selbst als Gebets- und Gottesdienstraum definierte; waren doch zu beiden Seiten Marmorbankreihen gestellt und vorne ein prächtiger Altar zu sehen. Kurz musste sie in dem langen Gang verharren, war sie doch von dem, was sich ihrem Auge bot, zutiefst beeindruckt. Voll Ehrfurcht und Respekt atmete sie tief ein und aus, ehe sie den ihr angebotenen Platz annahm und sich setzte. Wieder ließ sie den Blick durch die Räumlichkeiten schweifen, voller Staunen. Hatte sie doch noch nie so etwas herrliches erblicken können...

Sein Name war Ian Vondran, ein Mann des Glaubens, wie sich herausstellte.
Sie war zunächst skeptisch, konnte sie es doch kaum für möglich halten, dass ein wildfremder Mensch an ihren Problemen interessiert war. Doch die Skepsis verlor sich schnell und eine Vertrautheit regte sich in ihr, die sie schon lange nicht mehr zu jemanden verspürt hatte. Kannte sie doch diesen Mann nicht, der da neben ihr saß, und doch schien er ihr so vertraut; mit seinen Worten, die er sprach. Voller Staunen hörte sie seinen Worten zu, waren sie doch so voller Weisheit. sie lernte viel an diesem abend über Temora und ihren Absichten, ihren Tugenden und Richtlinien. Sicherlich konnte sie nicht jedem seiner Worte folgen und manches mochte sie nicht verstehen; war sie doch noch lange nicht so intelligent wie er es sein mochte.
Doch seine Worte sorgten dafür, dass sich in ihrem Herzen wieder etwas zu regen begann. Sie setzten sich in ihrem Inneren fest und sorgten langsam und stetig für eine Wandlung in ihr...Hatte sie wieder den Weg gefunden? War das Herumirren nun wieder vorüber?

Sie wusste nicht mehr, wie sie eigentlich nach Hause gekommen war, als sie die Türe hinter sich schloss. Den Kopf nun voller neuer Fragen und Gedanken habend setzte sie sich an den Tisch und atmete tief ein und aus. Sie ahnte, dass es eine lange Nacht werden würde, in der sie sich einiges bewusst werden würde....

Verfasst: Donnerstag 14. Juni 2007, 17:01
von Leah Katuri
Es mochten Tage vergangen sein, als sie ihn wieder antraf. Ihr Herz war an jenem Tage voll Freude, sodass sie eine Melodie summend ihre Pfade beschritt. War sie doch schon lange nicht mehr so im Reinen mit sich gewesen, wie an jenem Tage.

Er saß auf einem schönen und anmutigen Ross, als sie seinem Gruß gewahr wurde. Freundlich zurückgrüßend nutzte sie jene Gunst und bat um ein weiteres Gespräch, dem er zustimmte.
Man beging zusammen den Weg zum Ordensgelände und je näher sie jenem kam, desto aufgeregter wurde sie. Stumm gingen sie nebenher, während in ihrer Brust laut das Herz pochte; aufgeregt darüber, neues Wissen in sich aufzunehmen: Der Kopf war begierig nach weiteren Antworten; aber auch danach, dass sich neue Fragen stellen mögen und sie sich auf die Suche nach deren Antworten machen könnte.

Kurz wurden sie aufgehalten, als sie einer berittenen Person begegneten.
Sanyarin Lefar, Tochter des Paladius Farion Lefar, Paladin des alten Kodex, Ordensvater, Kastenleiter, und der verstorbenen Hochwürden Sanjana Valeth, Hohetemplerin des Klosters, Kirchvorstand der Kirche zu Varuna sowie Kastenleiterin des Wortes des Ordens der Temora, so wurde sie ihr vorgestellt. Kurz stockte sie; hatte sie doch schon so viel von dem ehrwürdigen Farion Lefar und seinen Taten gehört. Respektvoll erbietete sie ihr ihren Gruß. Die Unterhaltung der beiden Ordensangehörigen mochte nur kurz andauern, sodass sich schon bald die Wege wieder trennten...

Sie konnte einfach nicht anders; musste sie doch erst einmal den Blick wieder durch den Raum schweifen lassen. Mehrmals sog sie die kühle Luft des Raumes ein und aus, ehe sie sich auf den vertrauten Platz setzte. Mit schwermütiger Geste ließ sich auch der Ordensritter ihr gegenüber nieder, den Blick auf sie richtend.

Eine Frage, die auf den ersten Blick so einfach zu beantworten scheint: Glaube und Vernunft - zwei miteinander vereinbare Komponenten? Sie scheinen auf den ersten Blick so unterschiedlich; kaum mag man sie in einem Satze auszusprechen! Und doch...Doch können sie zu einem gemeinsamen Werk verflechtet werden; ein gemeinsames Bündnis darstellen. Glaube und Vernunft – sie stellen eine Einheit dar, sind zusammen gesehen etwas besonderes; etwas, das etwas Besonderes bewirken kann.

Ihr Blick für den Glauben war klarer geworden. Tief waren Ians Worte an ihr Herz gedrungen und mit jedem weiteren, das aus seinem Munde kam, fühlte sie sich sicherer.

Leah, einem jeden ist eine bestimmte Aufgabe auf dieser Erde zugeteilt. Irgendwann wird sich jeder dieser Aufgabe bewusst und es liegt nur an ihm, jene zu erfüllen.... Worte von ihrer Mutter, an die sie sich auf einmal erinnerte.

Sollte sie ihre Aufgabe endlich gefunden haben? Lag es an ihr, den Weg im Glauben und der Demut zu bestreiten. Offen sprach sie die Worte aus, hoffte auf ein Zeichen der Zustimmung.

Ein steiniger Weg würde es werden; uneben und voller Hindernisse. War sie bereit dafür? Bereit, einen völlig neuen Weg zu bestreiten. Er erwartete nicht sofort eine Antwort; sollten die Antworten doch wohl überdacht sein.

Die neuen Fragen sich zu Herzen nehmend, verließ sie das Gelände. Ihr Kopf war klarer als an dem ersten Abend, an dem sie mit ihm gesprochen hatte. Sie war sich sicher, dass sie eine Antwort finden würde und in ihrem Herzen war sie schon längst formuliert...

Mancher Weg mag steinig und uneben sein...

Verfasst: Mittwoch 27. Juni 2007, 13:02
von Leah Katuri
„Sag so was nicht! ...Für die Religion würde ich niemals Blut vergießen. Da versteh ich dich nicht...Ich weiß, dass dein Handwerk das Töten ist. Ich finde, es gibt besseres, aber ich weiß wohl, dass man immer jemanden braucht, der bereit ist, andere zu verteidigen. Aber für einen Glauben töten? Das verstehe ich nicht!“

Noch immer hallten seine Worte in ihrem Kopf nach, während sie sich gegen die Tür gelehnt zu Boden gleiten ließ. Die Tränen, die sie zuvor zu unterdrücken versuchte, flossen nun hemmungslos ihre Wangen herab. Schluchzend nahm sie die Hände vors Gesicht; beschämt über die eigenen Tränen, die unter ihrem Schluchzen weiter aus den Augen flossen.

Wie konnte er nur so reden? Verstand er doch immer alles falsch! Und nur, weil er nicht verstehen konnte, wie man zur Waffe greifen kann...

Dabei begann alles wie immer. Sie trafen sich seit langem wieder zum ersten Male, eine innige und lange Begrüßung folgte. Man küsste sich, man gab sich Komplimente. Man aß und trank zusammen. Und dann jene verhängnisvollen Worte ihrerseits, die dazu führten, dass sie sich ohne den heiß ersehnten Gute-Nacht Kuss trennten:
„Du bist mir alles wert, für dich gäbe ich mein Leben; gar mein Blut, um dich zu verteidigen. Sowie unsere gütige Herrin Temora...“
Sie wusste selbst nicht mehr, warum sie jene Worte ausgesprochen hatte, warum sie auf einmal auf Temora gekommen ward. Erst als seine Reaktion folgte, als er erschrocken von ihr wegrückte, waren ihr jene Worte bewusst geworden.

Man erhitzte sich während des Gespräches, sicherlich sagte man manchmal ein Wort zu viel; und dann ihre Frage:
Und was wäre, wenn ich mich dafür entschliessen würde? Für den Glauben? Für dessen Inhalte und seiner Verteidigung?....Für das Kämpfen?“

Ein Seufzen entfuhr ihm. „Ich weiß es nicht...Sich zwischen dir und meinen Überzeugungen zu entscheiden ist nichts, was ich so eben spontan kann.“

Ihr Kopf fühlte sich mit einem Male leer an. Sie konnte nichts mehr sagen, alles schien ihr auf einmal so unecht; als ob man ihr einen schlechten Streich spielen wolle.
Da saß dieser Mann, den sie so sehr mochte, gar liebte und er konnte, wollte vielleicht auch nicht, ihr jene Unterstützung geben, die sie von ihm erhofft hatte.

Lange saßen sie schweigend an dem Tisch, dem Knistern der Kerze zuhörend.

Und dann... „...wir müssen wohl einiges überdenken. Du solltest wohl lieber gehen.“
Zittrig sprach sie jene Worte, während sie sich eine Träne aus dem Augenlid wegstrich, die sie mehr schlecht als recht zu verbergen mochte.

„Ich wollte gerade Schlaf gut sagen, aber das wäre fehl am Platze....“ Seine Worte klangen so traurig an ihrem Ohr, doch vermochte sie nicht eine Bewegung zu machen. Sie stand am Tisch, den Blick zu ihm gewandt, ernst. Vor ihr stand ein Häufchen Elend, das mehr und mehr in sich zusammen zu fallen schien.

Geh schon zu ihm! Nimm ihn in den Arm!
Alles Befehle, die ihr ihr Kopf gab; doch die Beine wollten nicht gehorchen. Dann hörte sie das Schliessen der Türe...er war weg, war gegangen, würde vielleicht nie wieder zurückkehren.
Ihr Füße trugen sie zur Türe, über deren Holz sie nun mit ihren Fingern fuhr und sich dann mit dem Rücken dagegenlehnte und hinuntergleiten ließ.



Temora, gütige Herrin und Schützerin über all jene, die deinen Weg bestreiten!
Gib mir Halt in jener Stunde, in der ich ihn am meisten brauche. Gib mir die Stärke, jene Prüfung zu bestehen und nicht an ihr zu scheitern. Ich lege mein Vertrauen in deine Hände; du wirst es so fügen, dass es das richtige Ende nehmen wird...
Führe mich auf dem richtigen Wege und zeige mir, ob ich jene Aufgabe bewältigen kann.
Du bist das Licht in jener dunkler Stunde und freundlich weisest du mir den Weg bis die Sonne aufgegangen sein mag.
Flehend erbitte ich deinen Beistand, lass mich nicht wieder vom Wege abkommen und gib mir die Kraft, auch im Glauben diese Prüfung bestehen zu können!

Hoffen und Bangen...

Verfasst: Mittwoch 27. Juni 2007, 14:49
von Leah Katuri
Nachdenklich saß sie still auf der Bank; den Blick gen Altar gerichtet. Sie erinnerte sich daran, wie sie zum ersten Male in Bajard in das Gemeindehaus getreten war; wie sie damals begann, wieder ihren Weg zu finden aus der Dunkelheit..

Und nun saß sie hier, in der Kapelle zu Varuna, um Kraft zu finden. Kraft für die nächsten Tagen, in denen sich Theodor entschliessen wollte.
Am Vormittag hatte sie auf Sir Vondran getroffen, der sich ihrer Sorgen annahm. Noch immer konnte sie kaum verstehen, wie so ein wichtiger Mann, der doch alle Hände voll zu tun hatte, sich auch noch die Zeit dafür nehmen kann, einer jungen Frau wie ihr Zeit zum zuhören schenken konnte.
Er versprach, mit Theodor zu reden, ihm eine andere Seite darüber aufzuzeigen. Sie müsste nun abwarten; allein der Gütigen oblag es nun, wie sich die Wege beider Herzen bahnen sollten...

Still schloss sie die Augen, die Hände ineinander gefaltet. Allein das Gebet gab ihr im Moment jenen Kraft, die sie so sehr brauchte und jedes Wort, dass sie in den leeren Hallen sprach, kam tief aus ihrem Herzen:

„Gütige Temora, Schützerin über einen jeden von uns;
ich bitte dich, erhöre mein Gebet und gib mir die Kraft, um weiterhin dir zu dienen. Mein Herz würde am liebsten zerbersten, so sehr zerrt es mir in der Brust! Es kämpft mit mir und meinem Verstand, will sich ganz und gar der Liebe jenes Mannes hingeben, in dem ich so viel Liebe und Zuneigung fand; bei dem ich mich wohl und Zuhause fühlte. Und doch belastet uns beide nun eine schwere Prüfung. ich bitte dich inständig, führe unsere Herzen auf dem rechten Weg. Und will es mir zunächst nicht als der richtige erscheinen, so weise mich weiter, bis ich verstehe....
Ich will mein Vertrauen in deine Fügung legen. Mein Herz schlägt auch für dich und deine Tugenden und doch...auch für ihn.
Temora....helf.....und schütze ein jeden, der deines Schutzes bedarf.“

Verfasst: Donnerstag 28. Juni 2007, 14:37
von Ian Vondran
Erneut traff er auf die junge, gar übermütige Leah, wenn gleich doch diesmal mehr durch Zufall. Schon Tage zuvor trat sie als wissbegierige, junge Kriegerin vor den Ritter um etwas über den Glauben zu erfahren. Eigentlich ersuchte er nur die Nähe seiner Herrin in dem Kirchengemäuer Varunas, war doch der Orden längst ob der vielen Gläubigen nicht mehr DER ORT der Stille, den er sich erhoffte und in Varuna war die Kirche ohnehin nicht sonderlich besucht.

So war es an der Zeit sich der Nähe der Herrin bedinungslos hinzugeben und ein bittend, betendes Wort an sie zu richten, wie schon so oft. Langsam trat er durch das Kirchenschiff hinein und längst hatten sich des Gläubigen Hände ineinander gefaltet, in Bauchhöhe eingefunden. Als er jedoch Leah erblickte, versuchte er derer Bitten nicht zu stören und platzierte sich abseits der Bankreihen. Deutlich war jener ihre Verzweiflung anzusehen, welche in dem Gläubigen längst schon tiefes Mitgefühl hervorgerufen hatte, formten doch die Lippen ein mitleidiges Lächeln. Er wusste es sehr zu schätzen, dass jene das Glaubenshaus der Hoffnungsträgerin aufsuchte um ihr Sorgen auszusprechen und auch pflichtete er wohl ihrem Wort an Temora hohe Achtung bei, sprach sie doch gar wie eine wahrhaft Gläubige. Ohnehin war der Ritter erfreut darüber dass ein weiteres Kind Eluives den Glauben in seine Herrin setzte.
Schnell jedoch tat er seine Gedanken ab, galt es doch nun jener ersteinmal aufmerksam zu lauschen...

„Gütige Temora, Schützerin über einen jeden von uns;
ich bitte dich, erhöre mein Gebet und gib mir die Kraft, um weiterhin dir zu dienen. Mein Herz würde am liebsten zerbersten, so sehr zerrt es mir in der Brust! Es kämpft mit mir und meinem Verstand, will sich ganz und gar der Liebe jenes Mannes hingeben, in dem ich so viel Liebe und Zuneigung fand; bei dem ich mich wohl und Zuhause fühlte. Und doch belastet uns beide nun eine schwere Prüfung. ich bitte dich inständig, führe unsere Herzen auf dem rechten Weg. Und will es mir zunächst nicht als der richtige erscheinen, so weise mich weiter, bis ich verstehe....
Ich will mein Vertrauen in deine Fügung legen. Mein Herz schlägt auch für dich und deine Tugenden und doch...auch für ihn.
Temora....helf.....und schütze ein jeden, der deines Schutzes bedarf.“



Ein warmherziges Lächeln überkam die trockenen Lippen des Ritters und ehe Leah's Worte verklangen, erhob sich sein Kopf aus der demütigen Pose und seine Augen öffneten sich langsam. Wahrlich wusste er nur zu gut um ihre Sorge, zu gut verstand er ihr Anliegen dass sie zweiteilte.
Leicht hob der Gläubige die Rechte an, ansatzweise zwei Finger ausgestreckt während er ein kurzes Wort zu Temora sprach. Leah sollte jenes Wunder, jenen Segen erreichen, den er im Stande war ihr durch die gütige Herrin zu schenken auf dass sie in ihrem Glauben gestärkt sei und die Hoffnung nimmer mehr verlieren sollte. Es war ihm wichtig ihr diese Kraft der Tugendbringerin zu Teil werden zu lassen, sie sollte spühren zu was Temora fähig ist. Und das tat sie wohl auch...

Längst hatte er sich Leah angenommen um ihre Sorge zu teilen, gar ihr jene Belastung zu nehmen. Er war mit solchen Situationen nur zu gut vertraut und so wollte er sie nicht vor dieser schweren Entscheidung stehen lassen, sondern das Wort an jenen Thelodor Raspali richten, der für ihre Sorgen verantwortlich war.

Verfasst: Freitag 29. Juni 2007, 21:58
von Theodor Raspali
Theodor leiß sich von seinem Pferd nach Hause tragen. Es hatte so ein schöner Abend werden sollen. Und dann:
...für dich gäbe ich mein Leben; gar mein Blut, um dich zu verteidigen. Sowie unsere gütige Herrin Temora...
Da war sie wieder, die Kluft zwischen seinen Idealen, und ihr, die das töten ihr Handwerk nannte.

Und dann auch noch für eine Göttin. Ein Religion. Auf Befehl.

Theodor verstand sie nicht, für ihn war sowas undenkbar, trug er doch nur eine Waffe um sich der wilden Tiere erwehren zu können.
Schlimm genug dass sie tötete um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, aber das verkraftete er um ihretwillen. Sie war ihm wichtig genug um seine Ideale zumindest ein wenig zurückzustellen, aber wie weit?

Während des Heimritts, drehten sich seine Gedanken im Kreis, immer um die selbe Frage: Was ist wichtiger? Sie? Oder meine Ideale?

Eine Frage, auf die er vorerst keine Antwort finden konnte.

Die sieben Tugenden

Verfasst: Dienstag 3. Juli 2007, 14:42
von Leah Katuri
„Stellt euch vor, ihr würdet an einer Weggabelung stehen....Der eine Pfad, den ihr vor euch seht, mit Steinen und Gräsern bepflückt, sodass man wahrlich sagen könne, dass es wohl ein recht beschwerlicher Weg sei. Der andere Pfad hingegen ohne jegliches Hindernis und gut gebaut. In eurem Inneren wisst ihr, dass nur der beschwerliche Weg der richtige ist; und doch würde niemand euch einen Vorwurf machen, wenn ihr zunächst den leichten Weg wählen würdet. Denn stetig habt ihr die Möglichkeit, zurückzukehren und die rechte Wahl zu treffen...“

Still schweigend hatte sie den Worten des werten Bruder Sandrovals zugehört, den Blick nachdenklich. Ja, sie selbst hatte sich dazu entschieden, umzudrehen und zu beginnen, den beschwerlichen Weg zu gehen...viel Kraft würde sie dafür aufbringen müssen, doch fühlte sie sich in diesen Tagen stärker denn je zuvor.

Doch noch immer spürte sie in sich die alten und neu hinzugetretenen Kämpfe zwischen Herz, Verstand und Glauben. Viel dachte sie an den Vater, ob er ihr verzeihen würde und ob er nicht an dem Gram zugrunde ginge....

Vergebung...ein Wort, dass sich groß und mächtig über sie erhob und darauf wartete, von ihr ergriffen zu werden. Musste sie doch immer noch mit sich selbst im Reinen werden; zunächst sich selbst verzeihen, ehe sie von anderen Vergebung erwarten könne. Viel zu oft fürchtete sie sich vor jenem Schritt.

„Die Lichtbringerin ist eine gütige Göttin; so ihr aufrichtig bereut und wieder auf dem rechten Wege zurückgekehrt seid, wird sie euch vergeben...“

Worte, die ihrem Herzen so gut taten und die sie tief in ihm behalten würde. Wenn die Lichtbringern dem Menschen vergeben kann, so wird sie sich selbst auch vergeben können, um dann Vergebung bei ihren Mitmenschen zu ersuchen.

Sie merkte, wie sehr ihr jenes Gespräch gut tat und wie wohl ihr immer mehr wurde, wenn sie einen der Ordensbrüder traf.
Ja, hier würde sie ihre Aufgabe finden; hier war es ihr bestimmt zu bleiben und zu dienen...Sofern man ihr die Möglichkeit dazu bieten würde.





Die sieben Tugenden

„Die sieben Tugenden warden einst von den Kindern Temoras dem Menschen gebracht....Mitgefühl, Ehre, Geistlichkeit, Gerechtigkeit, Demut, Opferbereitschaft und Tapferkeit. All jene Aspekte vereinen sich zu diesen Tugenden und verbinden sich zu einer Einheit im Diamentenen Kodex...“


Mitgefühl:
Die Kunst, zu verzeihen und seine Mitmenschen zu verstehen. Die Bereitschaft, das Leid anderer mit auf sich zu nehmen und zu mildern, indem man Verständiniss aufbringt für deren Nöte...


Ehre:
Der Begriff der Ehre umfasst viele Aspekte: Loyalität, Respekt, Ehrlichkeit. Jene Dinge so mit sich zu vereinen, dass sie im rechten Maße auftreten zeichnen die Ehrenhaftigkeit aus.


Geistlichkeit:
Die Geistlichkeit umfasst die spirituelle Seite der Tugenden. Verkörpert es doch auch, dass man immer bereit sein sollte, neue Dinge zu lernen und stets offen für dafür zu sein, das eigene Streben nie als beendet anzusehen.


Gerechtigkeit:
Die Gerechtigkeit bedarf kaum vieler Worte, steht doch jenes Wort für sich
selbst. Stets das Richtige zu tun und damit auch Gutes zu bewirken. Das Streben nach Gerechtigkeit ist eine der weiteren Aufgaben, die nie vollendet scheint.


Demut:
Die Demut bedeutet, sich seiner Grenzen bewusst zu sein und sie nicht zu überschreiten.
Die Demut scheint meist die schwierigste aller Aufgaben zu sein, lässt man sich doch so leicht von Gefühlen wie Eitelkeit und Egoismus verführen.


Opferbereitschaft:
Die Opferbereitschaft mag ein der intensivsten Tugenden zu sein. Muss man doch bereit sein, jegliches Opfer zu bringen, um seinen Mitmenschen zu helfen oder sicher auf dem Pfad des Glaubens wandern zu können. Nicht nur das materielle Opfer ist hier mit eingeschlossen, sondern ebenso ist das geistige Opfer mit eingebunden in die Bereitschaft, sein Seelenheil und sein Wohl für andere zu opfern.


Tapferkeit:
Die Tapferkeit vermag auch, ähnlich wie die Gerechtigkeit, für sich selbst zu sprechen. So ist nicht nur der Krieger auf dem Schlachtfeld, wenn er gegen die Verirrten Alatars kämpft. Nein, auch der Bauer, der in Zeiten des Sturmes und der Unwetter um seine Ernte kämpft vermag man als tapfer zu bezeichnen.



Lange saß sie an dem Abend noch in der Stube, dem Flackern der Kerze zusehend, während
sie über Bruder Sandrovals Erläuterungen nachdachte. Fasziniert hatte sie seinen Worten zugehört, erstaunt über seine bildliche Sprache. Doch erst jetzt, als sie mit ihren Gedanken alleine war, sickerten die Worte tief in ihr Innerstes und setzten sich dort fest. Lange würde sie noch über die wahre und tiefgreifende Bedeutung jener Tugenden nachdenken müssen.

Die ersten Samen waren nun gesät und begannen, langsam in ihr aufzukeimen....

Verfasst: Freitag 6. Juli 2007, 13:15
von Leah Katuri
...Kaum mag ich glauben, was an jenem Abend geschah; kaum für möglich alten, dass ich nun wieder zu einer Gemeinschaft gehören mag. All jene, die nun meine Brüder und Schwestern sind und stets bereit sind, einem zu helfen. Schon lange fühlte ich mich nicht mehr so wohl...

Einem jeden ist es auf dieser Erde bestimmt, eine Aufgabe zu übernehmen und jene nach seinem besten Ermessen zu erfüllen. Mutter, deine Worte sind bis heute noch in meinem Herzen bewahrt worden. Wenn du mich nun sehen könntest....Sehen, wie deine Tochter nach Zeiten des Irrens wieder den Weg gefunden hat. Ob du stolz auf mich wärest? Bin ich doch nun einen ganz anderen Weg als den vorgegebenen gegangen...Und doch habe ich meine Aufgabe gefunden.
Mein Weg wird nicht leicht sein; sicher werden viele Steine auf ihm liegen, aber nun habe ich ein Ziel vor Augen!....

Begierig möchte ich lernen und mein Wissen mit anderen teilen. Habe ich doch das Gefühl, noch so wenig zu wissen über die Tugenden und ihre wahre Bedeutsamkeit. Und doch, tief im Herzen spüre ich, wie sich jene mehr und mehr zu festigen scheinen....

Ich habe mir viel vorgenommen, will ich doch nichts Falsches machen und nicht ins Straucheln geraten...

Mein Herz könnte fast zerspringen! So voll Freude ist es...und doch bleibt ein kleiner Fleck unberührt, der sich nach einer bestimmten Person sehnt. Ich werde bald mit ihm sprechen müssen, damit meine Gedanken endlich zur Ruhe kommen können.....


(Auszüge aus den aufgeschriebenen Gedanken)

Verfasst: Freitag 13. Juli 2007, 10:45
von Leah Katuri
Dieser Dämon....noch nie hatte sie solch ein schreckliches Geschöpf erblickt, ja gar den Mut aufgenommen, gegen jenes zu kämpfen. Und nun stand sie hier, zusammen mit ihrer Ordensschwester Sanyarin Lefar und dem Ordensbruder Sandroval, sowie dem ehrenwertem Paladius Farion Lefar und seinem langjährigen und wohlgesonnenem Freunde Serendo Radil. Man hatte beschlossen, einige dunkle Seelen von ihrem Dasein zu erlösen und sie mitgenommen. Man kämpfte gegen viele Wesen und Geschöpfe, die nur aus Hass gegen die Welt und den Menschen an sich zu bestehen schienen.

Tiefer und tiefer ging es in die verwirrenden Flure jenes vertrackten Höhlensystemes.
Alleine hätte sie sicherlich nie mehr dort hinaus gefunden....

Und dann standen sie vor jenem Ungetüm. Ein Dämon, stärker und mächtiger als alles andere, gegen das sie zuvor gekämpft hatten. Dampf stieg aus seinen Nüstern und ein Geruch von Schwefel und Hitze breitete sich aus.
Nicht nur die Hitze ließ den Schweiß auf ihrer Stirne perlen. War es doch auch jenes natürliche Gefühl der Angst, welches sie heimsuchte. Zittern suchte sie den Halt an Schwertgriff und Schild, den Blick immer wieder zu Farion wendend.
Wie würde er wohl reagieren?

Und dann ging alles an ihr so schnell vorbei. Der Verstand hatte sich völlig ausgeschaltet, nur noch der Körper und das Herz reagierten auf die äußeren Einflüsse:

Sandroval, der sich mutig gen des Dämons bewegte, um ihm in einem unbeobachteten Moment einen Hieb in die Seite zu schlagen.....dann diese Pranke, die ihn wegschleuderte...Der Aufprall; das Schlagende Geräusch von Metall auf den Wänden...Farion, der nun gen Dämon preschte und auf ihn einhieb. Der Griff des Dämons nach Farion....wie zerbrechlich man doch wirken konnte....

Das Blut rauschte durch ihren Kopf, das Herz wollte fast zerbersten vor Aufregung. Der Griff um das Schwert wurde fester, die Augen bekamen einen konzentrierten, ja fast fanatischen Blick, als sie nun gegen das Wesen preschte und ihm in die Brust stach. Immer wieder, ohne nachzudenken, stach sie zu, ein Kontrollieren der Stiche dabei kaum beibehaltend...

Zitternd, den Blick voller Angst habend, stand sie vor dem Wesen, das nun leblos am Boden lag. Noch immer mochte der Verstand ausgeschaltet sein, ihr ganzer Körper war nun nur noch am Zittern. Die Schwertspitze senkte sich langsam, der Griff um den Schwertknauf wurde lockerer und schließlich ließ sie das Schwert gänzlich fallen. Farion ging auf sie zu, vergewisserte sich, das alles in Ordnung sei.
Die Hand auf ihrer Schulter... später hatte sie jenes Zeichen der Dankbarkeit erst verstehen können.

Wieder erschien ein Wesen, doch trug es weder Hass noch Groll in sich. Man sollte einen bestimmten Stab holen; nur er könne Sandroval retten.
Langsam begann ihr Geist wieder zu arbeiten und die Zahnräder des Verstandes begannen sich langsam aber stetig zu drehen ...Sandroval.... man musste ihm helfen; das Leben der anderen galt es zu schützen und aufrechtzuerhalten! Die angst war aus dem Körper gewichen, war es doch nun an der Aufgabe, diesen Stab zu holen und schlimmeres zu verhindern. Nein, man durfte gar nicht daran denken, dass schlimmeres passieren könnte; Sanyarin würde sich gut um ihn sorgen, so lange sie weg wären.

Kreaturen...überall Kreaturen, die voll des Bösens waren und einem sofort an die Gurgel sprangen, sofern man sich nicht in acht nahm...
An Aufgeben dachte sie nicht einen Moment; spornte sie doch der stur Wille und die Zähigkeit des Paladins an, von dessen Mut und sie mit jedem weiteren Moment fasziniert war. Schnell arbeitete man sich vor, um den Stab mitzunehmen...

Tief Luft holend setzte sie sich auf eine der Bänke in dem Kirchenschiff des Ordens.
Nein, es war kein Traum gewesen; kein ersehntes Erwachen war eingetreten. Doch jetzt waren sie wieder sicher; hier, in den heiligen Hallen Temoras, der gütigen Lichtbringerin, die ihnen ständig gegenwärtig war. Sie hatte auch schützend die Hand über Sandroval gelegt, hatte ihm den Weg zurück ins Leben gezeigt.

Schweigend starrte sie gen Altar, die Hand fuhr sich nochmals über die leicht verletzte Stirn, ehe sie beide Hände ineinandergefaltet in den Schoß legte und das Haupt demütig senkte. Die Augen schliessend begann sie zu stumm für sich zu beten; dankend Temora, dass sie sie alle geschützt hatte...und flehend, dass Bruder Sandroval bald ganz genesen solle.



Nur wenige Tage später: Sie war gerade in dem Garten des Ordens, ihre Gedanken waren gerade daran, sich in der Weite zu verlieren, als sie in der Ferne des Rauches gewahr wurde. Das Wachfeuer! Sie ging sofort los die Rüstung anlegen...auch wenn sie noch nicht viel Erfahrung hatte, so würde sie doch kämpfen; egal, was geschieht. So schnell sie konnte war sie an dem Kloster angekommen, an dem nun heller Aufruhr herrschte....

Vor dem Tore unterhielten sich angeregt mehrere Männer, dessen Gesichter sie nicht kannte. Nur kurz streiften sie die skeptischen Blicke der Männer, ehe sie weiter ihre Unterredungen führten. Verwirrt blickte sie sich um: Was war nur geschehen?

Dann endlich bekannte Gesichter: Farion und Ian, die aus den Mauern des Kloster traten; sie und Bruder Mandred zur Seite nehmend, die Sachlage erklärend. Alathargläubige hatten scheinbar versucht, ein paar Leute aus dem Kloster zu überwältigen, doch so ganz begreifen mochte sie angesichts des bestehenden Chaos immer noch nicht.

Sie ging mit ernster Miene zurück zum Kloster, stellte sich still an die Seite, sodass sie den Eingang nicht versperre. Sie würde wachen und beobachten und sei es die ganze Nacht. Sie sah es als Ehre an, dass man sie hier als Wachposten abkommandierte und so blickte sie durch wachen und konzentrierten Blick umher.

Zwischen all dem Chaos das so liebe und sanfte Gesicht von Sanyarin: Hier und da lief sie zwischen den schwer gerüsteten und bewaffneten Männern umher, in den Händen haufenweise Päckchen mit eingepackten belegten Broten haltend. Lächelnd und mit ihrer sanften Art bot sie jedem eines an, sodass man gestärkt wäre für weiter Befehle und, falls was passieren würde, auch vor weiteren Schutzmaßnahmen. Auch sie bekam eines der Päckchen. Dankend nahm sie es entgegen, es sacht aufschlagend und hineinbeißend. Brot belegt mit Scheiben vom Schinken, wie gut das doch dem Magen in dem Moment tat.

Ein sanftes Lächeln huschte über ihre Lippen. Wie gut, dass der Orden Sanyarin hatte. Einen Menschen mit so viel Einsatz und Hingabe zu beobachten tat ihr gut; fühlte sie sich doch auch in ihrem Tun bestärkt.

Sie würde aufpassen und sei es, dass es die ganze Nacht wäre....

Verfasst: Dienstag 17. Juli 2007, 12:14
von Leah Katuri
Verwirrt war sie wieder in die ihr nun schon so vertrauten Räume des Ordens zurückgekehrt.

Morgen hieß also jener Mann, mit dem sich Rikara abgab....
Ein seltsamer Mann, und doch kannte sie schon Männer wie ihn und von seinem Schlag: Ungläubig durch und durch; die Sprache plump und derb und keine Ahnung von Benehmen. Sie fühlte sich wie in ihrem Heimatdorf, in dem es nur von solchen Menschen wimmelte.
Sie fühlte sich ausgeliefert und hilflos; hatte Rikara doch ihr mir keinem Deut geholfen und eher amüsiert dem Gespräch zugehört, anstatt einzulenken.

Sie fühlte sich wie ein verletztes Tier, das man liegen gelassen hatte und keine Hilfe erwarten dürfte...Wie konnte Rikara sie nur so schneiden? War es wegen dem Orden? Sie wusste es nicht...Viel müsste sie noch darüber nachdenken; vielleicht würde sie ihre Gedanken in einem stillen Gebet wieder ordnen können....



Sie kam gerade aus den Lagerräumen, den Kopf immer noch voller Gedankengänge, die sie noch nicht zu ordnen vermochte, als sie Farion begegnete. Er stand in der Vorhalle und schien wohl in Gedanken, als er sich zu ihr umdrehte.

„ Werter Paladius...Ich hatte nicht damit gerechnet, noch jemanden um jene Zeit hier anzutreffen.“

„ In der Tat nicht, Schwester Leah...und doch werdet ihr wohl jene Nacht nicht vergessen...“


Kaum hatte er jene Worte ausgesprochen, begann es in ihrem Kopfe zu arbeiten. Was hatte er vor? Verwirrung und Aufregung sorgten dafür, dass ihr in ihrem Körper sogleich Heiß und Kalt war; kaum möglich, irgendein sinnvolles Wort auszusprechen.
Schwester Sanyarin nahm sie mit sanftem Lächeln mit in die Kellerräume, wo sie sich mit lediglich einer Ordensrobe bekleiden sollte.
Zögerlich entkleidete sie sich und zog sich die Robe über, dessen Stoff sich sanft an ihre Haut schmiegte.
Ihr Herz schlug heftig...etwas würde passieren; etwas, was wohl ihren weiteren Weg ebnen und bestimmen sollte...

Schwester Sanyarin war voran gegangen. Zögernd trat sie in das Kirchenschiff des Ordens ein.
Hier hatte alles angefangen; hier hatte sie die ersten Gespräche mit Sir Vondran geführt; hier hatte sie allmählich ihren Weg zurück auf den rechten Weg gefunden. In jenen Hallen hatte sie sich von Bruder Sandroval in die Lehren der sieben Tugenden unterrichten lassen und hier würde nun ein weiterer wichtiger Schritt folgen...

Sie trat bis an die Seite Sanyarins. Der Boden unter ihren nackten Füßen war kalt, jedoch spürte sie kaum jene Kälte, war sie zu sehr damit beschäftigt, ihre Aufregung zu zügeln. Sie blickte zu Sanyarin, die ihr deutete, sich auf eines jener Kissen zu knien. Sie war dankbar, dass die Schwester in jenem Moment da war und ihr beistand; ihr Lächeln wirkte ein wenig beruhigend. Langsam ordneten sich ihre Gedanken, der Kopf wurde klar und aufmerksam.
Erst und aufmerksam kniete sie sich auf eines jener Kissen, die Hände fanden wie so oft den Weg ineinander und falteten sich zusammen.

Farion stand hinter dem Altar und betrachtete sie aufmerksam. Ihr schien, als würde in jenem Moment eine besondere Ausstrahlung von ihm ausgehen, sodass der ganze Raum davon erfüllt wurden.
Langsam hob er ein Buch an, dass zuvor auf dem Altar gelegen hatte. Seine Bewegungen waren bedächtig und vorsichtig, als ob er mit jeder schnellen Bewegung es zerstören mochte.

Und dann, ganz langsam, drangen seine Stimme und seine Worte an ihr Ohr, welchen sie aufmerksam lauschte:

„Im Namen Temoras; Im Namen ihrer Heiligen Sieben, welche wir bewahren durch unser Tun, unser Handeln und unserem tiefen Glauben an sie! Wir bildeten eine Gemeinschaft, einen Orden, um sie zu gedenken und zu wahren; einen Orden, um vereint zu sein. Zusammen in jener Gemeinschaft erstarkt das Licht in der Dunkelheit, zusammen stellen wir uns jedem Übel; selbst, wenn wir alleine vor jene gestellt werden, wissen wir unsere Brüder und Schwestern bei uns in der Stunde der Gefahr und Prüfung. So glauben wir aneiander und dadurch auch zusammen...

Temora, Bewahrerin der Tugenden, unsere Schirmherrin, welche unseren Schildarm stärkt in der Stunde der Not und unseren Schwertarm hebt, um zu zerschlagen das Böse, zu lichten den Nebel der Finsterniss, welche sich wie ein Schatten um das Herz eines einfachen legt.

So sollt ihr Leah, welche in dem Stoffe dieser Gemeinschaft nun hier steht, euren Schatten ablegen und euren Eid schwören auf die Säulen der Sieben Tugenden. Sprecht eure Worte gewahr und mit Wahrheit in jenen Mauern, dass ihr eure Bedenken ablegt und auf das Urteil der Gütigen vertraut...“


Ihr Herz hatte für einen Moment aufgehört zu schlagen; kaum hatte der Paladius geendet und sie nun mit aufmerksamen Blick fixiert. Sie löste die Hände langsam voneinander; ihre Rechte legte sich auf die Stelle des Herzens, welches nun wild schlug. Sie atmete bedächtig ein und aus, ehe sie mit zittrigem Tone begann zu sprechen:

„Mit offenen Worten lege ich jenen Eid ab und schwöre auf die Säulen der sieben Tugenden. Ich werde jene wahren und in meinem mir bestem Ermessen versuchen, zu erfüllen. Jedweiliges Bedenken lege ich nun ab; die Zeit der Schatten sei vorüber und mein Herz soll erfüllt sein vom Glauben und Güte unserer Lichtbringerin. Ich vertraue mich ihr vollends an...“

Verfasst: Freitag 20. Juli 2007, 14:07
von Sanyarin Ar´states
Erst wenige Momente mochte sie in den Gemäuern des Ordens verweilen, nach dem ihre Wege zunächst außerhalb verlaufen waren. Doch nun mochte sie wiederkehren und prompt auf ihren Vater, den Paladius Lefar, und die Ordenschülerin Leah treffen. So mochte es sich begeben, dass ihr Vater die junge Heilkundige bat, die Ordenschülerin in die Roben des Ordens zu Hüllen und als dann in das innere der Kapelle zu bringen... Ein Lächeln stahl sich über die Züge der Diakonin der Erdenmutter... mochte sie doch erahnen was nun folgen sollte.
Schien es ihr durchaus gerechtfertigt zu sein, die Schülerin den in den Stand eines vollen Mitgliedes, einer geweihten Ordensschwester, zu erheben. Kurz mochten ihre Gedanken schweifen... gen Leah, wie sie ihren Weg zum Orden gefunden hatte, die Gespräche mit ihr und das Ritual als sie in den Rang einer Schülerin erhoben wurde. Die Wache, die sie vor den Klostergemäuer gehalten hatte, aufrechten Geistes zwischen den anderen Brüdern. Ja, sie hatte es wahrlich verdient und Sanyarin ward froh, ihr Geleit geben zu dürfen.
So führte sie Leah denn hinab in den Keller und wies sie, sich zu entkleiden, ehe sie ihr die ordensblaue Robe überreichte... als jene dann gewandtet war, mochte sie die Schülerin denn erneut hinauf führen. Sie schwieg einige Zeit, doch kurz bevor sie die Kappelle erreichen mochten, legte sie kurz die Hand auf die Schulter ihrer Ordensschwester und sprach mit leiser Stimme...
Worte die Leah galten... Worte... die ermutigten... und beruhigen sollten... ehe sie sich sodann stillschweigend, in der Kapelle aufbaute... den Worten des Ordens Paters lauschte und der Zeremonie folgte...

Sei willkommen, Leah. Schild des Ordens.

Verfasst: Donnerstag 23. August 2007, 19:10
von Leah Katuri
Zeit. Zeit zum Besinnen und Ankommen. Sie liebte die Ruhe in den Räumen des Ordens; liebte jene Stille, in denen sie mit sich und ihrer Umgebung im Einklang war.
Hier hatte sie also eine neue Heimat gefunden, hatte Menschen kennengelernt, die ihr ans Herz gewachsen waren.
Sanyarin, Tochter des ehrenwerten Paladius, war ihr in jener Zeit eine gute Freundin geworden. Sie fühlte, wie ihr Herz mehr und mehr zu jener Person vertrauen fasste, wie es immer mehr bereit dazu war, sich ihr anzuvertrauen. An einem Abend hatte sie sich getraut, hatte ihr alles erzählt.

Manchmal zuckten die Bilder noch auf aus den vergangenen Tagen, das Gesicht des Vaters würde sie wohl nie vergessen. Ihre Träume des Nachts wurden mit der Zeit ruhiger, nur noch ab und an schreckte sie auf, schweißgebadet und bleich von finsteren Bildern und Gedanken. Es würde sie wahrscheinlich nie loslassen...
Doch langsam fand sie zu einer inneren Ruhe; Glaube und Gemeinschaft gaben ihr den ausreichenden Rückhalt dazu. Sie lernte, mit jenem geschehen umzugehen, es als Vergangenes zu akzeptieren und damit umzugehen. Die Lichtbringerin war bei ihr; das spürte sie....

Doch wollte sie nicht ohne Dankbarkeit durch das Leben gehen. Ob es nur eine Münze war, die sie einem kleinen Junge in die Hand drückte oder ein offenes Ohr, das sie einer Person und ihren Sorgen schenkte. Der Drang, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern war ihr die größte Freude. So konnte sie wenigstens etwas kleines bewirken, konnte die Tugenden so weit wie möglich auch in ihr Handeln integrieren.

Es war wohl der Herrin Schicksal, als sie an einem der Abende einen Brief für den Orden entgegennahm. Mit der Bitte des Boten, jenen schnell zu beantworten, öffnete sie jenen um die wenigen Zeilen zu lesen. Er war von einer Person namens Felis Largarso, die um Spenden bat. wohl, um sich eine neue Existenz in jenen Gefilden aufbauen zu können. Ein Lächeln huschte über die Lippen....Ich war zu Beginn meiner Reise auch über jede Hilfe erfreut.... dachte sie sich schmunzelnd, schon im Begriff, eine Antwort zu verfassen und dem Boten überreichend.

Felis Largarso...sie war wohl etwas älter als sie selbst und ihr Gesicht war von Anstrengung und der Vergangenheit gezeichnet. Sie wechselten viele Worte, sprachen über Vergangenes und von Träumen, an denen man sich nur allzu gerne klammert. Sie schien ihr so vertraut, kannte doch auch sie noch allzu gut das Gefühl, hungrig und im Wald zu schlafen, immer mit der Angst im Nacken, dass man ausgeraubt oder von einem Tier angefallen werden könnte. Felis machte jene Zeit des Umherwanderns und Reisens gerade durch, hatte weder Heim noch Bett als ihr eigen zu bezeichenen. Jedoch das Angebot von einem Bett im Orden lehnte sie freundlich ab, gab es doch auch andere Menschen, die ihr jene Hilfe angeboten hatten.

Es war seltsam, wie sehr Felis den Menschen doch dazu bringen konnte, das Gute in ihnen zu wecken. Sie war fasziniert von jener Fähigkeit, das Herz füllte sich mit Wärme, als sie hörte, wie viele doch bereit zum helfen waren.

Genau so sollte es auf jener Erde sein...Anstatt dem Egoismus und Geiz nachzugeben sollten sich die Menschen einander helfen. Mitgefühl und Hilfsbereitschaft sind wichtige Dinge, die uns erst zum Menschen machen, die uns lieben lassen und Vertrauen schaffen. Das Gute im Menschen kann so viel bewirken...

Und Felis hatte jene Gabe. Sie weckte in dem Menschen das Gute, schaffte auf ungemein schnelle Art Vertrauen. Sie war selbst überrascht, wie schnell sie jene Person schätzte.

Das Lächeln, der überraschte Blick, waren ihr mehr wert als jede Gegenleistung. Natürlich freute sie sich über die Einladung zu der Eröffnung ihres “Traumes“, doch war ihr Freundschaft wichtiger, war für sie das größte Geschenk, das man ihr machen konnte.

An jenem Abend führte sie, es war schon spät in der Nacht, nochmals der Weg in die Kapelle des Ordens. Respektvoll neigte sie ihr Haupt gen des Altares, ehe sie sich vor jenem niederkniete und ihre Worte zu der Lichtbringerin sprach. Worte, die um Schutz baten...Schutz für all jene, die in diesen Nächten draussen schlafen mussten und kein heim ihr eigen nennen konnten...war doch auch sie einmal eine von ihnen gewesen....

Verfasst: Freitag 8. Februar 2008, 14:14
von Leah Katuri
Ein Lächeln stohl sich auf die Lippen, als sie den Tag noch einmal Revue passieren ließ. Durch das kleine Lukenfenster der Kammer fiel der fahle, schwache Schein des Mondes, wobei unnatürliche Schemen innerhalb der Steinmauern entstanden. Doch in jenem Moment achtete sie nicht auf das Spiel der Schatten und Lichter, sondern ließ die Gedanken kreisen.

Demut, was bedeutet es eigentlich? Warum wählte man ausgerechnet den Hirtenstab für jene Tugend? Sandroval meinte, es habe mit dem Stand des Bauern zu tun...sie sind im Stand am niedrigsten und arbeiten doch so viel. Wie Recht er doch hat...damals, als wir tagelang auf dem Feld standen, bis gar spät in die Nacht. Ich höre noch immer die fluchende Stimme von Vater. Ich hoffe, der Winter wird dieses Jahr nicht zu lange dauern, es kann gefährlich für die nächste Ernte sein...

Kurz hielt sie inne, das Lächeln schwand. Zuhause....warum musste sie immer und immer wieder nur daran zurückdenken. Es war doch bereits eine so lange Zeit vergangen, keine Nachricht über das Dorf war mehr an ihr Ohr gedrungen. Und doch fehlte ihr manchesmal das sanfte Wort der Schwester oder die Umarmung eines Bruders. Einige Male wälzte sie sich in dem Bett hin und her, ehe sie wieder an die Unterrichtseinheit Sandrovals zurückdenken konnte.

Wahre Demut...durch was zeichnet sie sich nochmal aus? Hilfsbereitschaft zum einen und dass man niemanden besser oder schlechter behandelt. Alle Geschöpfe wurden gleich geschaffen, so sagte es Sanyarin. Dieses Mädchen, dass zu den sieben Kindern gehörte. Ob es wohl selbst wusste, dass sie die Demut darstellte? Wohl kaum, weil sonst hätte sie anders gehandelt. Aber woher soll man denn wissen, dass man die Tugend der Demut erreicht hat, wenn man sie sich nicht anmaßen darf?

Die Brauen zogen sich kritisch zusammen und ein Auspusten der Luft folgte. Viel zu viele Fragen kamen auf, je mehr sie darüber nachdachte. Sicher, die Antworten würden sich irgendwann erschliessen, doch so lange müsste sie wohl darauf zurückgreifen, Bruder Sandroval zu fragen. Kurz huschte wieder das sanfte Lächeln über ihre Lippen. Die Begegnung mit jener Elfe hatte sie in Erstaunen gesetzt. Ganz grün, sogar die Haare. Sie hatte sich mit Sandroval unterhalten und sie eingeladen, zu einem Gespräch über die Götter. Wer weiß, vielleicht würde man Elaine und sie sogar mitnehmen, um weiter zu lernen.

Beruhigt schlossen sich die Augen, als sie daran dachte. Sie war hier um zu lernen und sich fortzubilden und man gab ihr die Möglichkeit dazu.