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Raus aus meinem Leben!
Verfasst: Donnerstag 7. Juni 2007, 14:47
von Viola Ser´Rhal
Vielleicht war jener Tag Schicksal, vielleicht auch nicht mehr als eine Reihe von Zufällen.
Es regnete. Dunkle Wolken hatten sich über dem Himmel zusammengezogen und Varunas Straßen waren wie leergefegt. Die wenigen die jetzt noch unterwegs waren rannten eiligst in Richtung Heimat um in ihre warmen Häuser zu kommen. Eine Gestalt jedoch, tat das nicht. Ruhig schritt sie in Richtung der Gassen Varunas, der lederne Mantel leicht im Wind wehend und das Gesicht verdeckt von einer Kapuze. Der Regen fiel nur so in Strömen hinab und das Leder des Mantels war bereits nass als sie die kleine Seitengasse entlang schritt. Der Blick richtete sich dabei immer starr geradeaus, denn sie war sich bewusst dass sie beobachtet und angesehen wurde. Die Augen und Blicke welche auf ihr ruhten gehörten jenen ohne Obdach; Frauen, Männer, Kinder, sie alle kauerten teilweise in Ecken, schützten sich vor dem Regen nur mit einer Decke, die zerschlissene Kleidung durchnässt und jedes einzelne Glied zitterte erbärmlich. Trotz des schlechten Wetters näherten sich die ersten, die sich fast schon demütig hinab beugten und nach Gold bettelten, sie anflehten doch anzuhalten und Mitleid zu haben, doch sie hielt nicht an. Als ein Junge, er mochte vielleicht gerade einmal drei Jahre jünger als sie sein, sie am Mantel festhielt und sie hilflos anstarrte, zog sie das Bein zurück und ließ den Lederstiefel unsanft vorsaußen, ein Treffer in den Magen und der Junge sank zurück. Violas Miene verhärtete sich, aber das Zeichen war gesetzt, niemand näherte sich ihr mehr und die meisten zogen sich zurück, sahen ihr nach und warfen ihr vielleicht Verwünschungen entgegen. Natürlich tat ihr der Junge leid, aber sie kannte diesen Ort. Sie selbst hatte hier beinahe acht Jahre ihres Lebens verbracht und ihr war klar, hätte sie einem etwas gegeben, wäre der Rest mutig geworden. Und selbst wenn nicht, der Junge hätte nicht viel von seinem Erbettelten gehabt, irgendwer anders hätte es ihm abgenommen. So war sie nun einmal, die Straße.
Die Schritte beschleunigten sich nun und sie fühlte langsam, wie etwas Wasser durch die leicht rissigen Stellen in ihren Stiefeln lief, denn kaltes Nass umhüllte die nackten Füße. Sie bog in eine der Ecken ein und dann war sie endlich an ihrem Ziel. Vor ihr fand sich eine kleine Gasse, niemand war hier zu sehen und am Ende des heruntergekommenen Weges war ein Kreuz zu sehen. An dem Kreuz waren ein Stirnband, ein zerschlissener Lederbeutel und ein rostiges Messer befestigt. Niemand hat sie angerührt, alle sind sie noch da … den Toten lässt man die Ruhe. Sie betrachtete das Kreuz, der Regen prasselte unermüdlich weiter und trotz der Kapuze war das Haar darunter bereits nass. Vielleicht wäre einem Beobachter aufgefallen dass zu den Regentropfen im Gesicht, sich ein paar weitere Tropfen heimlich dazugesellten und ihre Wange hinab liefen, ehe sie an ihren Lippen endeten und einen salzigen Geschmack hinterließen. Es war schon richtig; die Straße kannte kein Erbarmen und wer Mitgefühl und Aufopferung an einem Ort wie diesem zeigte, der bezahlte dies meist mit seinem Leben. Die Augen schlossen sich eine Weile und alles schien erneut vor ihren Augen dahinzuziehen, das erste Treffen, die Momente zusammen und letztendlich sein toter Körper am Galgen. Sie starrte auf den eingeritzten Schriftzug in dem kleinen Kreuz, sie erkannte die eigene, kindliche Arbeit.
Schlaf gut James, schlaf immer gut. Wir vergessen dich nie, Vio und Sarah
Der Kopf senkte sich und sie starrte auf das Holz ehe sie abwandte und die Gassen fast schon rennend verließ. Ihr nächster Besuch fand einen anderen Weg, nämlich den auf den Friedhof vor Varuna. Sie schritt zielstrebig die Gräberreihen ab, seit des Angriffs des Drachen waren einige dazugekommen aber sie fand die beiden Gräber schnell. Schmucklos und schlicht, völlig unberührt und recht ungepflegt standen sie da und nur die Inschrift in den Steinen zeugte noch von der Geschichte der beiden Toten.
In Frieden möget ihr Ruhen, Teldron und Saria Ser’Rhal
Im Gegensatz zu dem vorherigen Grab flossen diesmal keine Tränen. Der Blick war gefühlslos, sie empfand einfach nichts. Erst vor kurzem hatte sie das Grab ihrer Eltern wieder besucht, jene Menschen für die sie nichts als Hass übrig hatte und niemals mehr übrig haben würde. Sie tat nicht mehr als eine kleine Pflicht indem sie nach dem Gräbern schaute und sie fragte sich, ob Darna vielleicht schon einmal hier gewesen war, um zu sehen ob Violas Eltern hier liegen würden, es hätte Viola nicht verwundert. Sie verließ den Friedhof alsbald wieder und trat zurück in Richtung Fuchsbau, sie hoffte inständig die Kinder waren bei solch einem Wetter nicht in der Kälte unterwegs. Als sie endlich das traute Heim erreicht hatte und die Türe öffnete, stockte sie plötzlich und sah auf die Gestalt die im Sessel vor ihr saß.
„Viola, grüß dich … lange nicht gesehen.“
Ihre Augen kniffen sich zusammen.
Er … wieso er?
„Was willst du hier?“
Verfasst: Donnerstag 7. Juni 2007, 15:29
von Viola Ser´Rhal
Sie versuchte sich die Überraschung, und auch den Schrecken, nicht anmerken zu lassen als sie sein Gesicht betrachtete. Er hatte sich kaum verändert, eigentlich kein Stück. Vor ihr saß, in ihrem Sessel übrigens, ein schon etwas älterer, dürrer Mann, das Gesicht zu einer Maske des absoluten Hochmutes und der Arroganz verzogen. Seine Augen ruhten beinahe abwertend auf Viola und seine Lippen formten sich zu einem herablassenden Lächeln, was seinen Kinnbart leicht in Bewegung setzte. „So begrüßt man doch nicht jemanden, der quasi zur Familie gehört.“ Sie verzog die Miene ob der Worte. „Ein Teufel tust du, du gehörst nicht zu MEINER Familie, also geh Krathor besuchen und scher dich in die Hölle oder sag mir was du willst, sofort!“. Der Ältere lachte nun trocken und betrachtete sie amüsiert. „So stürmisch wie sie dich beschrieben hat, wirklich. Kann mir gar nicht vorstellen dass ihr beide verwandt seid. Sie ist im Gegensatz zu dir so ruhig und brav.“ Wäre dies nicht ihre eigene Hütte hätte sie diesem Kerl vor die Füße gespuckt. Er hatte sich wirklich nicht verändert, auch wenn sie ihn nur einmal kurz getroffen hatte; Jenkin Dregbert, wohlhabender Händler und Ehemann ihrer Schwester, Sarah Ser’Rhal. „Ich frag nicht nochmal, was willst du in meinem Haus? Ich hoffe die Antwort ist gut.“ Nun wich der höhnische Blick des Älteren und er richtete sich ruhig auf. Er war für einen Mann nicht sonderlich groß, er war kaum einen Kopf größer als Viola selbst und sein Körper quoll nur so von Fett. „Was ich will? Ich sag es dir, Liebes. Ich bin hier um dir einiges zu sagen. Weißt du, du bist nur genau zweimal in das Leben von mir und meiner Frau getreten aber das scheint schon zu reichen. Ich hoffe du erinnerst dich? Das erste mal kam sie zu dir um dir unser großzügiges Angebot zu machen, dass du bei uns leben könntest, dass du vielleicht nur ein paar Kammerdienerarbeiten erledigen müsstest und ein schönes Leben hättest … und was war der Dank? Du hast deiner eigenen Schwester die Nase gebrochen!“ Sein Gesicht lief kurz rot an und Viola konnte sich ein abfälliges Grinsen nicht verkneifen. Oh ja, das hab ich, und rate mir mal wie viel Spaß es mir gemacht hat nachdem sie mich wie den letzten Dreck behandelt hat und mich als ihre Dienerin anstellen wollte …. Doch die Worte blieben nur in Gedanken und sie hörte ihm weiter zu. „Weißt du, Sarah war danach am Boden zerstört. Sie wollte dir aus deinem dreckigen Leben helfen, pardon, ICH wollte dich aus deinem dreckigen Leben holen damit die Familie vereint ist und du tust so etwas. Sie hat geweint, Wochenlang und als ob das nicht genug wäre, nein, zwei Jahre später kommt meine kleine Tochter und erzählt dass eine „Tante Viola“ mit ihr gesprochen hat und seitdem fragt sie, wer denn diese Tante ist. Sarah hat dich bis heute verschwiegen, aber du hast sie krank gemacht! Du hast sie zum Nachdenken gebracht, weißt du wie oft sie mich vollgeweint hat, dass sie dich nie hätte verlassen dürfen? Und vor einigen Wochen erreichte es den Höhepunkt, sie wollte doch tatsächlich zu dir, und dich um Verzeihung bitten und dich erneut bitten bei ihr zu leben, dich dreckiges Stück!“ Vorsicht mein Lieber … „Und als ich ihr die Vernunft einprügeln musste, ist sie weg … WEG! Mein ein und alles! Du hast sie mir genommen, du hast mir mein Leben zerstört!“
Viola hatte genug gehört, sie betrachtete den Schreienden Jenkin. „Dir ist also deine Frau abgehauen? Und? Nicht mein Problem. Euer Leben hat mich nie etwas angegangen und das wird’s auch nie. Geh lieber zurück zu deinem Kind, zieh es auf und such dir ne andere, aber lass mich in Ruhe, verstanden?“ Vielleicht war es zu offen, was Viola von sich gab, denn Jenkin starrte sie einen Moment schweigend an. Doch wieso sollte sie auch Mitleid mit Sarah haben? Sie hatte sich damals entschieden ihren eigenen Weg zu gehen und hatte Viola zurückgelassen, und damit war sie für sich selbst verantwortlich. „Mein Kind … dieses kleine schreiende Gör ist Zuhause und wird von der Kammerdienerin bemuttert, welche die Aufgaben macht, die dir zugedacht waren!“ Oh ich hoffe du verzeihst mit dass ich nicht so richtig in deine Pläne hineingepasst habe …. Doch Jenkin schien noch nicht ganz fertig. „Aber darum geht es hier auch nicht, meine Liebe. Ich bin hier um dir ein Ultimatum zu stellen. Entweder, du kommst mit mir nach Hause und nimmst den Platz ein den ICH damals für dich vorgesehen habe, oder du bezahlst dafür, dass meine Frau deinetwegen den Verstand zu verlieren droht und sich weigert bei mir zu bleiben. Solltest du dich gegen mein wohlwollendes Angebot stellen, werde ich dafür sorgen dass dein Leben zu der Hölle wird, in die du mich wünschst. Ich werde dir alles Stück für Stück zerstören, bis du drum bettelst zu mir zu kommen.“ Damit erhob er sich, ging an ihr vorbei und zog die Tür auf. „Ich bin Morgen bei dir, pack deine Sachen. Ich denke jemand wie du hat so oder so niemanden, von dem sie sich verabschieden kann.“ Und damit flog die Tür ins Schloss, Viola blieb zurück.
Sie starrte nachdenklich auf die Türe. Was glaubte dieser Narr eigentlich wer er war? Ihre Schwester war ihm fortgerannt und nun glaubte er, sich bei Viola Ersatz suchen zu können? Sie hatte nie ganz herausgefunden wieso Sarah damals zu Jenkin gegangen war, letztendlich hatte sie die Vermutung dass sie sich aus Not und Hunger an ihn verkaufte und dafür ein gutes Leben erntete, doch es schien nicht von Dauer zu sein. Sie zuckte schweigend mit den Schultern. Sollte er doch drohen und schimpfen soviel er wollte; er würde Morgen wieder nach Hause fahren, seine Drohungen würden wertlos sein und sie würde ihr Leben leben. Und das sollte sie auch nun denn in der Ferne hörte sie die laute, freudige Stimme von Nele, Zeit etwas Essen zu machen.
Verfasst: Mittwoch 13. Juni 2007, 13:34
von Viola Ser´Rhal
Der nächste Tag schien vollkommen ruhig zu verlaufen, die ganze Zeit über war keinerlei Zeichen von Jenkin und Viola war sich mehr als sicher, dass er bereits die nächstbeste Kutsche genommen hatte um wieder zurück nach Hause zu reisen. Letztendlich war er nicht mehr als ein dicker Sprücheklopfer und es war eigentlich bereits klar gewesen dass er nicht auftauchen würde. Viola blickte sich kurz in der kleinen Hütte um und seufzte leise, sie musste noch aufräumen, als es plötzlich an der Tür klopfte. Keine zwei Sekunden später wurde sie aufgedrückt und, zu Violas Überraschung, stand Jenkin im Türrahmen und grinste ihr überheblich zu. „Hallo Liebes. Habe dir doch gesagt dass ich wiederkommen werde …“ und sein Blick schweifte umher „hast du dich entschieden?“ Sie wusste nicht ob sie lachen sollte, er war tatsächlich hier und er war nicht von seinem Vorhaben abgewichen. Viola lächelte ihm nur kühl zu. „Der Tag an dem ich mit dir kommen werde und dein Dienstmädchen sein werde, ist der Tag an dem ich mich in eine Kirche knie und zu Temora bete. Mach dass du davon kommst.“ Sie wandte sich von ihm ab, sie wollte ihm einfach keine Beachtung mehr schenken, sie hatte schon genug Zeit mit ihm vergeudet, doch das Geräusch eines gezogenen Schwertes ließ sie verharren. Nur langsam drehte sie sich um und sah auf Jenkin, der die Spitze eines Langschwertes auf sie gerichtet hatte. Er kann kämpfen … ? sie schätzte schweigend die Entfernung zu ihrem Bogen, doch sie würde nicht rechtzeitig genug dort ankommen, also beschränkte sie ihre Tätigkeit darauf, ihn giftig anzublicken. „Was soll das?“. Jenkin lächelte sie nun schief an, „Ich sagte dir doch, du kommst mit mir oder ich mache dir das Leben zur Hölle. Aber da ich auch ein Handelsunternehmen zu führen habe, werde ich dein Leben einfach nur auslöschen, aber weißt du, nicht nur deines … ich habe gestern ein Kind gesehen, auf dem Weg zu dir. Interessant, was?“ Kinder. Ihr Herz schien plötzlich von einer kalten Hand umschlossen worden zu sein die langsam immer mehr zudrückte und die Farbe wich ebenso langsam aus ihrem Gesicht. „Ah, also ein wunder Punkt … mh … das Gör sah zu alt aus als dass es dein eigenes sein kann, hast dir wohl eines adoptiert damit du nicht so alleine bist?“ er lachte nun auf und besah Viola triumphierend. „Also was ist? Kommst du mit? Wenn nicht, ich werde es schnell machen, versprochen. Erst du, dann dein Balg und keine Sorge dem Kind werd ich nur ein paar Knochen brechen …“ die Übelkeit schoss Viola bei dem Gedanken hoch und innerlich sackte sie zusammen. Also war es das, es gibt nur eine Wahl … „Du hast gewonnen. Ich komme mit.“ Jenkin grinste breit, scheidete das Schwert und breitete die Arme aus. „So ist es brav, und nun komm her, lass dich genauer ansehen, die Fahrt in der Kutsche wird lang dauern, sehr lang …“. Viola trat schweigend auf ihn zu, die Schulter hingen herab, Schicksal? Vielleicht, sie hatte verloren, denn die Kinder standen über ihrem eigenen Wohl. Sie würde sich fügen … oder auch nicht … der Gedanke kam so schnell wie der Reflex und danach ging alles wie von selber.
Vielleicht war er so überrascht gewesen, weil er in Viola nicht mehr als ein schwächliches Mädchen sah. Vielleicht auch der Tatsache wegen, dass er nicht glauben konnte dass sie zu dem Folgenden nicht fähig gewesen wäre, doch hier steuerte ihr Körper Viola und nicht umgekehrt. Im Gehen hatte sie die Flasche auf dem Schrank hinter Jenkin bemerkt, sie trat auf ihn zu, wollte sich in seine Arme legen und griff dann nach eben jener Flasche. Das nächste was folgte konnte er nur mit geweiteten Augen betrachten, ehe die Flasche schwungvoll an seinem Kopf zerschellte und er zu Boden fiel. Er schrie laut auf, Blut lief an seiner Wange hinab und er lag vor Schmerz schreiend da. Seine rechte Hand tastete zittrig nach dem Schwert. „ICH BRING DICH UM! ICH BRING DICH UM! ICH ….“ Der dritte Aufschrei wurde zu einem gurgelnden Keuchen. Sie war vorgestürzt und hatte die Hände um den dicken hals geschlossen und drückte nun zu. Jenkin versuchte sich mit aller Kraft gegen sie zu stemmen, aber Viola drückte dagegen. Sie wusste nicht woher sie die plötzliche Kraft nahm, sie wusste nicht, woher sie auf einmal diesen Druck auf seinen Hals so stark ausüben konnte, sie tat es einfach. Ich muss ihn … loslassen … der Gedanke schoss blitzartig durch ihren Kopf und sie war bereits kurz davor den Griff zu lockern. NEIN! Er wird mich umbringen, er wird nach der Waffe greifen und zustechen … die Kinder … er will … ich darf nicht loslassen … ich darf nicht! Der Gedanke kam ebenso plötzlich, doch als er zu Ende war, merkte sie erst, dass der Widerstand erstorben war und sie sah auf Jenkins Gesicht hinab. Die Augen waren verdreht, die Zunge hing ihm ein wenig aus dem Mund der offen stand und das Leben war aus seinem Blick gewichen. Ihre Augen weiteten sich und sie zuckte zurück von ihm. Er war tot … tot. Ich hab ihn umgebracht! Ich hab ihn umgebracht! die Gewissheit kam so plötzlich wie ein Schwall eiskaltes Wasser das man ihr ins Gesicht schüttete. Sie zitterte und starrte auf den leblosen Körper. Ich muss ihn wegschaffen … weg, bevor die Kinder kommen …. Verdammt er muss hier weg!
Sie hätte niemals gedacht dass ein Mensch soviel wiegen konnte. Keuchend zerrte sie den toten Körper hinter sich her, schleifte ihn durch den dunklen Wald. Wohin nur mit ihm? Verdammt sie konnte ihn nicht im Wald liegen lassen, man würde ihn finden und dann würde man … Die werden mich wegsperren … er muss weg! . Sie konnte irgendwann kaum noch einen Schritt vor den anderen tun, aber sie näherte sich ihrem Ziel; Varuna. Sie wusste dass nachts die Gardisten ab und an weniger auf den Palisaden patrouillierten und diese Chance würde sie nutzen, sie würde den Toten in den Graben vor Varuna werfen. Wasser … selbst wenn sie ihn eines Tages finden wird er so aufgedunsen sein dass ihn niemand erkennt und die Spuren sind bis dahin weg …. Sie erreichte den Graben auch und wie sie es sich erhofft hatte, war niemand zu sehen. Sie kniete sich nieder zur Leiche, sie musste ihm alles abnehmen was er dabei hatte und dann musste die Leiche in den Graben. Sie war gerade dabei seinen Mantel aufzuknüpfen als sie eine Stimme hörte. „He, ihr da! Was macht ihr da?“ sie sah hinauf und dann sah die den Gardisten der gerade auf der Palisade entlang kam. Rennen … rennen …. RENNNEN! und genau das tat sie, sie rannte fort, die Augen zusammengekniffen bis sie im Wald verschwand. Sie hörte noch die leiser werdende Stimme hinter sich „HE! HALT! HALT!“.
Sie rannte und rannte, sie wusste nicht einmal wo sie war. Sie musste irgendwo in den Wäldern südlich Rahals gewesen sein als die Realität sie einholte und sie zusammenbrach. Tränen liefen ihr plötzlich in Strömen über das Gesicht und sie schien sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Sie hatte es vergeigt, sie hatte einen Mord begangen und die Leiche lag vor Varuna. VOR VARUNA! Sie sah sich mit verweintem Gesicht um, sie musste nachdenken, sie musste … Ich muss weg … ich kann hier nicht bleiben, die suchen mich! … doch wohin? Darna … NEIN! Du hast ihr einmal gestanden dass du einen Menschen ermordet hast in deiner Vergangenheit … jetzt ist sie eine vom Kloster! Denkst du sie wird dich lächelnd in die Arme schleißen? Sie folgt Temora, sie ist Ritterin und die wird keine Mörderin decken! Es ging also wieder los, ihr Verstand gab ihr Ratschläge, na bestens. Wohin dann? Lameriast? Sie hätte zu den Gefährtinnen gehen können oder zu Falk … aber sie wollte diese Menschen nicht auch noch mit in einen Mord hereinziehen, sie musste einen Ausweg finden, irgendwie.
So irrte sie durch die Wälder, sie hatte ein vages Ziel aber immerhin war es ein Ziel. Ein wenig Hoffnung keimte in ihr auf und vielleicht war es auch gut so, dass sie nicht wusste was man in Jenkins Taschen alles finden würde. Sein Handelsbrief, ein Brief an Sarah Ser’Rhal in welchem er schrieb, dass er bald wieder mit einer Überraschung daheim sein würde und seine persönlichen Dokumente. Ja es war für den Moment deutlich besser dass sie nicht wusste dass man bald wissen würde, dass der Mann der Schwester von Viola Ser’Rhal ermordet wurde … das einzige was sie gerade tat war hoffen, dass es eine Weile dauern würde bis man die Schleifspuren im Wald zu ihrer Hütte bemerkte. Hoffen war in der Tat angebracht.
Verfasst: Mittwoch 13. Juni 2007, 17:17
von Liliana van Drachenfels
Am späten Nachmittag war es, Lili hatte rasch einige Besorgungen gemacht während Zoe bei den beiden Patientinnen blieb um diese zu pflegen. Bereits nach wenigen Tagen konnte Lili sich schon fast gar nicht mehr vorstellen, wie sie je ohne Zoe klar gekommen war. Sie war ihr jetzt schon eine große Hilfe. Kurz bevor sie zurück war, begnete ihr Lera. Diese war anscheinend schon auf der Suche nach ihr und Lili vermutete eine Erkrankung. Doch sie brachte Lili zu einem Ort außerhalb von Varuna im Südwesten der Stadt zum Stadtgraben. Dort wartete schon en Korporal Larius de Bourgo und ein lebloser Körper auf sie. Rasch beugte Lili sich über den Mann, doch mit einem Blick sah man schon daß dieser einen Priester brauchen würde und keinen Heiler. Doch Larius de Bourgo, der Gardist befragte sie sogleich nach der möglichen Todesursache und so untersuchte sie die Leiche eingehend. Eine Verletzung am Kopf fiel ihr auf. Hervorgerufen durch einen stumpfen Gegenstand. Einige Glasplitter waren in die Haut eingedrungen, was auf eine Flasche schließen lies. Diese Verletzung war jedoch nicht sehr ernst und auf keinen Fall tödlich. Weiterhin fand sie noch Würgemale am Hals. "Jemand hat ihm einen stumpfen Gegenstand, vermutlich eine Flasche auf den Kopf geschlagen oder vieleicht auch geworfen und ihn anschließend gewürgt" Lautete Lilis Diagnose.
Von Interesse war auch der gravierte Ring den der Tote trug und Lili half mit einer öligen Lösung, die sie auf den Finger träufeln ließ, so daß Larius diesen von der Hand des Toten lösen konnte.
Zwei Namen waren in den Ring eingraviert.. Ser'Rhal & Dregbert irgendwie klingelte was bei Lili. Aber einordnen konnte sie den Namen nicht.. Ser’Rhal irgendwo hatte sie den Namen schon mal gehört..
Verfasst: Mittwoch 13. Juni 2007, 19:07
von Viola Ser´Rhal
Sie rannte durch die Wälder, ihre Seite schmerzte und sie musste anhalten als sie einen plötzlichen Hustenanfall erlitt. Wieso musste sie gerade jetzt krank werden? Verwunderlich war es aber nicht gewesen, hatte sie die Nacht doch in den Wäldern verbracht und diese waren trotz der Wärme alles andere als angenehm. Ganz davon ab hatte sie so oder so nicht viel geschlafen, die meiste Zeit hatte sie sich nervös umgeschaut und auf Schritte gelauscht. Ob sie die Leiche schon gefunden hatten? Was für eine dämliche Frage, würdest du eine Leiche übersehen die mitten vor den Wehrgängen einer Stadt liegt?! und so frustrierend der Gedanke auch war dass sie wieder anfing mit sich selbst innere Dialoge zu führen, so musste sie sich selbst doch recht geben, die Chancen dass die Leiche nicht gesehen wurde, waren gleich null. Ihr blieb nur das bisschen Hoffnung, dass man den Mord nicht auf sie selbst zurückführen würde aber auch hier schrumpfte die Chance mit jedem Moment in welchem sie mehr darüber nachdachte. Die Schleifspuren zu ihrem Haus, und Jenkin hatte mit Sicherheit sein persönliches Habe mit sich, also blieb ihr nur noch eine allerletzte Hoffnung; Zeit.
Letztendlich konnte sie sich jedoch einige Stunden Schlaf gönnen, ein paar Stunden die notwendig waren und die sie mehr zitternd verbrachte als dass sie gut und erholsam schlief. Doch selbst im Schlaf schien ihr keine Ruhe vergönnt zu sein, denn immer wieder huschte vor ihre Augen der Anblick des toten Jenkin, die Augen geweitet und verdreht und der Mund zu einer Grimasse geschnitten. Sie schreckte aus dem Schlaf auf und wischte sich zögerlich über die Wange, Tränen hatten sich über jene gezogen. Ich habe mir geschworen nie wieder einen Menschen zu töten … nie, komme was wolle … und nun das. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen, sie konnte nichts daran ändern, sie hatte ihn ermordet und nun musste sie auf der Hut sein. Einen Moment kam ihr der Gedanke sich zu stellen … Ja sicher, stell dich. Geh hin und sag ihnen dass du einen reichen Handelsmann erwürgt hast und ihn in den Graben werfen wolltest, ich denke sie werden dir sagen dass das alles kein Problem ist und dass du dann wieder Heim darfst. Bist du bescheuert?! Du kannst nicht nach Varuna, du hast einen Mord begangen, darauf steht der Knast oder der Galgen, ganz egal was du bisher getan hast für die Stadt oder wen du da alles kennst … du bist für das Gesetz nicht mehr als eine Mörderin! … Und auch hier musste sie schweigend nicken. Sie konnte nicht zurück, sie konnte nicht hoffen dass alles wieder gut werden würde, weder wenn sie sich stellen würde, noch wenn sie zu Darna gehen würde oder zu sonst jemand. Sie hatte Schande über sich selbst gebracht und auch wenn sie nie viel von den Traditionen der Tiefländer gehalten hatte, so kannte sie eine der ihren Traditionen noch sehr gut. Vielleicht war es mehr wie in Trance als sie zu ihrer Schere griff, mit der sie sonst den Stoff für Bandagen zurechtschnitt, diese an ihre Haare ansetzte und begann sie abzutrennen. Das lange, pechschwarze Haar fiel zu Boden und sie hörte nicht auf es abzuschneiden, bis auch das letzte Haar von ihrem Kopf entfernt war. Kahlköpfig war sie nun, so wie bereits einmal in der Vergangenheit, genau wie nach dem damaligen Mord. Die tränenden Augen glitten auf das am Boden liegende Haar, wenigstens würde man sie so nun etwas schwerer erkennen können …
Sie versuchte noch eine Weile zu schlafen, doch mehr als eine halbe Stunde war ihr die Ruhe nie vergönnt gewesen, ehe sie sich erschöpft gen Bajard aufmachte. Sie musste überlegen wie es weitergehen sollte, denn von heute an war sie auf der Flucht.
Verfasst: Donnerstag 14. Juni 2007, 14:25
von Viola Ser´Rhal
Varuna. Die Stadt und ihre großen Mauern ragten in naher Ferne auf und selbst aus den Wäldern nahe Bajard konnte man die große Stadt noch gut erkennen. Sie stand am Rand der Wälder, die Mauern weit genug entfernt dass man sie nicht sehen konnte. Der Körper eingehüllt in eine Robe, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und eine Maske bedeckte ihren Mund und das Kinn. Die Stadt war so nahe und doch so fern, denn sie würde dort nicht hinein können. Vielleicht hätte sie es, aber sie wusste weder wie es um die Leiche stand, noch wieviel man über sie nun wusste. Dass die Leiche nicht mehr an ihrem eigentlich Ort lag hatte sie in der Nacht auskundschaftet, als sie in sicherer Entfernung zu den Mauern zum Platz des Toten spähte, doch von Jenkins Leiche war keinerlei Spur mehr zu finden, was jedoch zu erwarten war. An jenem Abend hatte sie auch mehr als einmal das Bedürfnis verspürt, zu ihrer Hütte zu gehen, sich schnell mit Vorräten einzudecken und ihre Armbrust vielleicht zu holen, falls es zu Schwierigkeiten kommen würde, doch sie musste sich zurückhalten, sie wollte nicht letzten Endes einem Gardisten oder sonst wem in die Hände laufen, der das Haus vielleicht beobachtete oder untersuchte.
Fast im gleichen Zug verzog es ihr schmerzlich das Gesicht; Nele und Dolli waren sicher schon in der Hütte gewesen und hatten das Chaos vorgefunden. Viola hoffte inständig dass sie den Fuchsbau vorerst meiden würden, sie wollte nicht dass die Garde die beiden dort vorfinden würde und sie am Ende gar in ein Waisenhaus steckte oder dergleichen. Nein, sie würden schon wissen was zu tun sei, da war sich Viola sicher. Auch wenn der Mord nicht lange zurückhielt, spürte sie die aufkommende Erschöpfung immer wieder. Sie hatte am vorigen Abend in Bajard eine ältere Frau getroffen, welche ihr ein Mittel gegen den starken Husten gab und er half recht gut. Nur ab und an verspürte sie noch den ärgerlichen Reizhusten und so war ihr wenigstens diese Nacht etwas Erholung gegönnt. Ungewohnt war auch die Kälte an ihrem Kopf, sie hatte dieses Gefühl seit Jahren nicht gespürt, doch nun erinnerte sie der kahle Kopf wieder an die früheren Ereignisse, Ereignisse für die sie gebüßt hatte. Und wie stand es mit diesen hier? Sie empfand keine Reue Jenkins gegenüber, er hatte sie versucht umzubringen und hatte ihre Schützlinge bedroht, und auch wenn das Ergebnis hart war, so brachte es Viola keinen Funken Mitleid herbei, weder für sich selbst, noch für ihre Schwester, die nun Witwe war. Und aus diesem Grund konnte sie sich auch nicht dem Gesetz stellen, denn in den Augen eines jeden Richters wäre sie eine Mörderin und auf Mord standen viele Dinge, die ihr nicht wirklich willkommen waren.
Die Wälder um Bajard waren zu einer Art zweiten Heimat geworden, neben dem Fischerdorf selbst, welches sie immer wieder besuchte, doch stets maskiert und verhüllt. Alternativen gab es wenige; Lameriast war ein unerforschtes Land für sie und die wenigen Flecke die sie kannte wollte sie nicht mit ihren Problemen beschmutzen. Dann gab es noch den Nebelwald, doch sie war sich nicht sicher ob ein Betreten eben jenes Waldes nicht ein Todesurteil war, denn sie wusste aus den alten Clanszeiten dass die Elfen keine Fremden in ihren Wäldern mochten und sie wusste genauso wenig, ob die Elfen sie nicht vielleicht nach Varuna ausliefern würden. Menek’ur entfiel auch, ganz davon ab dass sie den Menekanern keinen Meter weit traute, sie würde sehr schnell in Ketten liegen wenn herauskommen würde dass sie eine gesuchte Mörderin war. Und damit erstreckten sich die letzte Möglichkeiten auf eine Stadt die ihr offen stehen würde: Rahal . Die Stadt der Alataris, dort kannte man sie nicht und dort würde man einen Dreck drauf geben dass sie einen Händler getötet hatte der in der Grafschaft lag, sie hätte keinerlei Probleme dort unterzutauchen und vielleicht sogar in Ruhe eine Weile zu leben, doch sie wollte nicht. Rahal stand in vielerlei Hinsicht für die Dinge, die falsch für sie waren, gerade die Vergangenheit hatte immer öfters gezeigt dass sie jene Stadt eher hassen sollte als sie wirklich zu respektieren. Und so würde sie diese Möglichkeit erst dann in Betracht ziehen, wenn alles andere Aussichtslos war.
Sie wandte sich ab in den Wald, es war an der Zeit sich Nahrung zu besorgen.
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 00:30
von Darna von Hohenfels
Alltägliche Herausforderungen
"Immerhin verstehe ich nun Euer Brüllen."
Schön, Hochwürden. Danke, Hochwürden. Wenn sie an einem Tag eine Farce an Gerichtsverhandlung trotz glücklichem Ausgang beobachten musste, an einem Streit danach befürchten musste, den Verlobten zu verlieren und eine halbe Stunde später damit konfrontiert wurde, daß das Mädchen, das ihr manchmal fast als Tochter galt, unter dringendstem Mordverdacht stand, durfte also selbst eine Adlerritterin noch vor Frust brüllen - sehr beruhigend.
Blutspuren, Glassplitter im Haus, der Ehering... was hatte Violas Schwager hier zu suchen gehabt? Dann... die Haare. Eine Lagerstelle, leere Flasche Rum, und schwarze, unregelmässig abgeschnittene Haare.
"Dann haben sie mir die Haare geschoren. Ich habe Schande über den Clan gebracht", hallten vage so vor Urzeiten gehörte Worte durch ihre Erinnerung, als sie diese schwarzen Haare anstarrte.
Viola war also selber überzeugt davon, daß sie Mist gebaut hatte?
Gütige... sie schloß die Augen, bedankte sich bei dem Waldläufer, dem die Lagerstelle aufgefallen war. Letzte Nacht. Und eben hatte sie noch mit ihr geredet. Der letzte Zweifel fortgewischt. Warum hatte sie sie nicht aufgehalten? Warum die letzten Skrupel, selbst als es ihr offensichtlich schien, nicht eher weggewischt, sie einfach nur niedergerungen und nach Varuna geschleift, damit alles - irgendwie! - wieder in Ordnung kommen konnte? Warum hatte sie noch einmal gehofft, sie würde sich freiwillig offenbaren, freiwillig bei ihr Schutz suchen, alles erklären...?
"Ich schätze, dies ist nicht sehr angenehm für Euch, ich denke wir sollten es daher kurz halten", meinte später Rondrian zu ihr und stellte Tinte und Pergament bereit.
Nicht angenehm, eine detaillierte und aktuelle Beschreibung Violas vor der Garde abzugeben, damit nun per Haftbefehl eine Fahndung ausgeschrieben werden konnte? Gegen einen der paar Menschen, die ihr lieb und teuer waren? Einer jener paar Menschen, die ihr nun doch zu entgleiten schienen, irgendwie? Ach was... eine der leichtesten Übungen...
Gerade war sie es, die hätte kotzen können. Kaum war das Thema Adrenalon durch, musste sie ein weiteres Mal dem Staatsapparat vertrauen. Von dem sie bis vor kürzester Zeit fester Bestandteil gewesen war. Der sie gestern irgendwie... enttäuscht hatte. Obwohl sie ihm dankbar sein musste. Obwohl sie die Notwendigkeiten sah. Ideale und Strategie - das passte irgendwie nur schwer zusammen. Es gab wohl kaum eine Konstellation, bei der es ihr hätte schwerer fallen können, Ermittlungen der Garde zu unterstützen, als das hier.
"Die Garde tut nichts weiter, als Fakten zu sammeln, damit die Wahrheit gefunden werden kann."
Waren das ihre Worte? Hatte sie da gerade geredet? Ja, das war irgendwie Teil dessen, was sie bereits so einigen Riegen an Kadetten einzubläuen versucht hatte, nicht? Die Garde verurteilte nicht. Die Garde stellte nicht die Anklage.
Hätte sie diesem Prinzip denn nun selber mißtrauen sollen, weil es um Viola ging? Weil die Lage so düster schien wie nur irgendwas? "Was tust du denn, wenn es tatsächlich Mord war? Was tust du, wenn das die Wahrheit ist? Das verleugnen, nichtig reden? Nein. Bei Adrenalon hast du das nicht getan, hier auch nicht. Es wird... alles irgendwie einen gerechten Gang nehmen, wenn herauskommt, was tatsächlich los war und wenn jeder seine Arbeit tut."
Das war der schwache Kerzenschein, auf den sie sich weiter konzentrierte. "Es würde besser sein, wenn ich sie selber finde, bevor es die Garde tut. Und dann? Damit ihr letztes Vertrauen zu dir zerbröckeln? Willst DU sie ausliefern, ist das dein Ernst? Was muß sie denn davon halten? Kleines, ich will dich doch nur schützen. So weit ich darf."
Alltägliche Herausforderungen - wie ein Schlagwort hallten ihr diese Worte Rondrians völlig aus dem Kontext gerissen in den Ohren nach. Sowas wie das hier schien ihr Alltag zu sein, ja, ob nun Oberst sein oder nicht sein.
Sie hätte wirklich kotzen mögen.
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 06:55
von Viola Ser´Rhal
Die Kutsche hielt, sie stieg aus, warf dem Fahrer etwas Gold zu und rannte in die Wälder. Die Augen waren eine Weile zusammengekniffen bis sie gezwungen war, jene wieder zu öffnen, um nicht gegen einen Baum zu rennen. Die Augen waren gerötet durch die Tränen die gefallen waren und sie verlangte ihrem Körper in jenen Momenten alles ab, was sie nur konnte. Was hatte sie da gerade nur getan? Sie rannte immer weiter bis sie irgendwann nicht mehr konnte, sie geriet ins Stolpern und fiel fast vorneüber auf den Boden, nur wenige Zentimeter vor einem Baumstumpf. Keuchend kniete sie da, die Augen tränten und der Atem raste förmlich. Sie schluchzte und sie sah sich um, niemand der ihr gefolgt war. Natürlich nicht, dafür war sie zu überrascht gewesen. Darna. Sie hatte sie gesehen, sie hatte sich mit ihr unterhalten, maskiert und verborgen, hatte ihr eine Lüge erzählt, dass sie eine Einheimische sei und wollte sie von ihrer Fährte fortlocken. Was war nur in sie gefahren? Jene Frau die sie selbst so sehr vertraute wie nur wenigen log sie dreist an? Das tust du nur zu deinem Besten, du weißt nicht was sie weiß und wie sie handeln würde … jetzt stell dir mal vor ihr hättet geredet wie sie es sagte und du ihr den Mord gestanden, was dann? Sie hätte sicherlich nicht milde gelächelt und gesagt „Ja Viola, nun musst du wissen ob du dich stellen willst oder ob du wieder fliehen willst“ … Unsinn! Sie hätte mit dir geredet, hätte zugehört, wäre furchtbar enttäuscht von dir und würde dich dann ins Kastell bringen wo du verurteilt werden würdest … wie eine Mörderin!. Aber Darna hatte es doch selbst noch gesagt als Viola sich von ihr abwandte „Man hegt keinen Groll gegen sie, noch nicht“. DU hast es ihr doch selbst ins Gesicht gesagt, sie hat ihn vielleicht noch nicht, aber das Gesetz hat diesen groll. Dem Gesetz ist es egal wer du bist, wie lieb du doch warst und es wird auch wenig Rolle spielen, dass du mal auf Eileen aufgepasst hast, du wirst dahingestellt, darfst deine Schilderung von dir geben, und dann wirst du weggesteckt!. Aber sie war doch nicht schuld, sie hatte sich gewehrt … aber konnte sie das außer mit Worten beweisen? Jenkins Waffe mochte vielleicht gezogen da gelegen haben, aber das war es auch schon, keine Verletzungen an ihr. Sie kniff die Augen zusammen und verbarg das Gesicht in Händen, sie war verloren, sie war dabei alles was ihr etwas bedeutete zu verlieren und es gab nur eine Möglichkeit dem Ganzen zu entgehen. Du wirst enden wie er … ihn haben sie auch wegen Mord gehängt. Und du standest davor und hast zugesehen, wer wird bei dir dabeistehen? Fuchs? Darna … ? Falk und Leif?
Sie schniefte und starrte auf den dreckigen Waldboden. Und strich sich über den kahlen Kopf. Wie sehr musste sie Darna enttäuscht haben? Und dazu kam noch, dass sie Darna eiskalt ins Gesicht gelogen hatten und sich danach noch hatte zu erkennen gegeben, wieso auch immer sie das getan hatte. Sie hätte bleiben sollen, sie hätte sie nicht anlügen dürfen. Die Gedanken kreisten in ihrem Kopf und sie verzog die Miene, sie hatte alles kaputt gemacht, alles. Und diese Erkenntnis weckte Zorn in ihr. Zorn auf Jenkins, Zorn auf Sarah und Zorn auf sich selbst. Sie griff in ihre Tasche, zog den Dolch heraus und betrachtete die Klinge. Sie hatte das früher getan, als sie noch den Zwang verspürte, zu stehlen. Jedesmal hatte sie sich einen kleinen Schnitt zugefügt um dem Drang zu wiederstehen und an den Schmerz erinnert zu werden der folgen konnte. Nun legte sie die Klinge wieder an den linken Unterarm und zog einmal quer herüber. Das Metall drückte sich tief ins Fleisch und sie zischte erst nur schmerzhaft auf, bis ihr ein Schrei entrann. Blut quoll aus der Wunde und sie schloss die Augen, diese Wunde war tiefer als sonst, sie sollte sie auf ewig an jenen Moment erinnern, an dem sie sich selbst und alle anderen in ihrem Leben enttäuscht hatte. Diese Wunde würde eine Narbe hinterlassen, im Vergleich zu den anderen, und sie war verdient.
Sie steckte die Klinge weg und betrachtete eine Weile fast fasziniert das Blut wie es den Arm eine Weile hinab lief. Dann schloss sie die Augen und verharrte, sie würde an den Rand des Nebelwaldes gehen um dort zu übernachten, sie würde morgen ihre Kräfte wieder brauchen.
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 11:26
von Jan Braeuer
Auch andernorts war das gehetzte Rennen die einzige Möglichkeit der Fortbewegung. Der kleine Fuchs rannte wegen dem Milchburschen, dessen "Haltet den Kerl!" ihm noch in den Ohren nachgellte. Er rannte wegen den Wachmannen am Marktplatz, die ihm alarmierte Blicke zu geworfen hatten, rannte wegen der Weiber an den Ständen, welche dreist versucht hatten nach ihm zu greifen, rannte wegen der Panik im Herzen, der bangen Angst in der Brust... wegen Viola.
Zu lange war sie fortgewesen, wusste sie doch, dass ein Füchslein auch ganz gut etwas länger alleine auskommen konnte und sie, die Katze, somit frei umherstreifen konnte. Dabei hätte eine derartig lange Abwesenheit ihn eher stutzig machen müssen. Zu spät nun, zu spät!
Er brauchte nicht lesen können, musste den Aushang nicht studieren um zu wissen, dass man log. Man wollte Viola an den Kragen und sein nicht gerade fantasieloses Köpfchen spuckte sofort tausendundeine schreckliche Vorstellung für das, was nach ihrer Ergreifung folgen könnte, aus. Peitschenhiebe in dunklen Kellern, Daumenschrauben, Verkauf an dunkle Gestalten... eine Galgenschlaufe um Violas Hals.
Der Klagelaut, welcher über die bebenden Lippen kam, war hell, laut und verzweifelt. Brennender Schmerz in der Seele des Kindes ließ den kleinen Fuchs noch rascher stolpern. Hinaus aus dem Westtor der Stadt, vorbei an den nachrufenden Gardisten- immer weiter.
Nele war plötzlich klar, dass man sie ihrer Familie berauben wollte. Erneut! Denn alles was sie brauchte und hatte war Viola.... Viola....
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 12:35
von Viola Ser´Rhal
Sie sah abwartend in Richtung des Waldrandes und kniff die Augen zusammen. Eine kleine Gestalt näherte sich und ein kleiner, abgehetzter Junge kam näher und hielt etwas in die Höhe. „Das … hängt in der Stadt, die Dame“. Sie nahm dem Jungen das Schreiben ab und lies den Blick flüchtig über die Buchstaben gleiten. Das Gesicht war in den Schatten der Kapuze gehüllt und nur schwer war die Mimik zu erkennen. „Hey, ich krieg noch Gold …“ sie griff langsam zu ihrem Beutel und warf ihm ein paar Münzen zu. „Und such nach dieser Viola, wenn du sie findest, sag mir bescheid!“ Der Junge nickte eifrig und wandte sich ab, den wäre sie jedenfalls los. Sie wandte sich ab und schritt tiefer in die Wälder hinein, das Schreiben wurde nun genauer in Augenschein genommen.
Kurze Haare …. Darna. Es war fast so etwas wie eine bittere Gewissheit die sich in ihr breit machte, wer sonst sollte davon wissen dass sie keine Haare mehr hatte? Am Ende war ihr Pflichtbewusstsein also größer gewesen als alles andere, und sie konnte ihr auf eine Art und Weise nicht einmal böse sein, denn das war nun einmal Darna. Sie konnte nicht erwarten dass sie eine Ausnahme in ihrem strikten und treuen Denkmuster war und somit trat das ein, was sie befürchtet hatte. Sie schmunzelte kurz, handfesten Auseinandersetzung … eine interessante Meinung die man von ihr hatte. Das Gesicht verzog sich letztendlich bei den letzten Zeilen, man hatte also ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Jetzt bist du Freiwild. Jetzt werden dich all jene jagen die sich schnelles Gold erhoffen, jetzt bist du nicht mehr als ein gejagtes Tier. Lang lebe das Gesetz. Sie schüttelte matt den Kopf, von nun an würde sie umdenken müssen. Bajard würde von nun an ebenso ein Tabuthema werden, sie würde das Dorf nur noch im Falle aufsuchen, dass ihre Vorräte knapp werden würden und sie sich neu eindecken musste. Zu viele potenzielle Kopfjäger würden dort lauern.
Einige Stunden später
Sie hatte den Rand des Nebelwalds erreicht und ihr provisorisches Lager, welches ihr für die Nacht eine kleine Schlafstätte geboten hatte. Ruhig saß sie da, gegen einen Baum gelehnt und eine Flasche Rum in der Hand. Sie hätte hier nicht sitzen dürfen, sie hätte zusehen sollen dass sie weiter zog, von heute an würde sie nie lange an einem Ort bleiben können und der Gedanke in den Nebelwald zu fliehen wurde immer verlockender. Sie blickte kurz auf die Wunde am Unterarm, sie war mittlerweile halbwegs verschlossen und gesäubert hatte sie jene auch, so dass eine Entzündung außer Frage stehen sollte. Sie musste fast schon spitzbübisch lächeln als sie mit glasigen Blick den Flaschenhals an ihren Mund ansetzte und einen tiefen Schluck nahm, mittlerweile war sie fast zur Hälfte geleert und sie spürte das Brennen nicht mehr, als der warme Alkohol ihre Kehle hinab floss. Die Wangen waren stark gerötet und der glasige Blick sah in die Ferne. Es war doch ungerecht dieses Leben. Da verteidigte sich und die, die sie so liebte und nun jagte man sie und setzte ein Kopfgeld auf sie aus, wieso nicht gleich tot? Oh nein, man würde sie ja erst noch befragen wollen und dann würde man sie in eine Zelle stecken und dann würde man sie vor Gericht führen und DANN würde man sie hängen, jawollja! Sie musste bei dem Gedanken kichern, sie wusste nicht wieso und wahrscheinlich war der Alkohol auch schuld daran, aber sie musste lachen, lachen darüber wie alles lief. Sie würde ihr Leben lassen, das war doch schon sicher, man würde ihr nicht glauben, wieso sollte man auch?
Fast überheblich griff sie ruhig nach dem Dolch den sie bei sich trug betrachtete ihn, dann die Wunde an ihrem Arm. Wenn es ihr so leicht fiel, einen Schnitt am Arm zu vollziehen, wieso dann nicht auch ein Schnitt, den sie einmal quer über die Kehle zog? Sie lächelte munter, es wäre doch eigentlich alles wie es kommen würde, nur sehr verkürzt. Es wäre alles kein Problem mehr, sie würde den Menschen in Varuna die Arbeit abnehmen und sie selbst könnte ruhig schlummern, für immer und ewig. Sie setzte die Klinge an den Hals, atmete tief durch, doch als sie nur einen minimalen Druck ausübte, verflog der Rausch von einer Sekunde zur anderen. WAS MACHST DU DA?! es war wie ein gellender Schrei in ihrem Kopf, sie starrte den Dolch an und fast erschrocken warf sie diesen weg und nur wenige Sekunden später folgte die Flasche, welche klirrend gegen den Baum flog und die dunkle Flüssigkeit über den Waldboden verteilte. Die Augen starrten entsetzt auf die Scherben, was tat sie da? War sie schon so weit dass sie den Verstand verlor? Sie musste einen klaren Kopf bewahren, sie wurde verfolgt und sie würde sich nicht dem Tod einfach so entgegenstellen. Richtig, du wirst kämpfen, sie werden dich nicht kriegen …. Nein das würden sie nicht, aber sie würde nicht kämpfen, niemals. Sie würde nicht zu einer mutwilligen Mörderin werden indem sie Menschen verletzte oder tötete, nur weil man sie wegen etwas jagte, was sie nicht einmal böswillig begangen hatte. Sie richtete sich auf, trat das Feuer aus und schnappte sich ihre Sachen, sie musste weiter. Einen Moment verzog sie das Gesicht und hustete kräftigst und mehrmals, hörte die Medizin auf zu wirken?
Sie eilte in den Wald, sie musste weiter. Sie musste ihre nächsten Schritte planen, sie musste wieder klar werden und verdammt, sie musste den Alkohol in kleineren Maßen trinken!
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 12:51
von Kanubio Bunjam
Kanubio blieb verdutzt stehen und blickte auf das verkohlte Holz zu seinen Füßen. Eine Feuerstelle im Nebelwald? Seltsam. Er sah sich um und entdeckte die Scherben der Rumflasche.
"Das auch noch!" murmelte er verdrossen und sammelte die Scherben auf.
Ein Fremder im Nebelwald?
Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg fort, sich wohl ein wenig mehr als sonst umschauend.
Suche nach Viola...
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 14:28
von Salix Saldorian
Bis spät in die Nacht, mag man einen Manne durch den Wald wandern sehen, welcher offensichtlich keinen Stein auf dem anderen lässt. Seine Suche erstreckt sich über die Wäldereien von Veruna, Berchgard und Bajard, jedoch nur innerhalb der Grenzen des Reiches.
Er scheint unablässlich seinem Ziele zu folgen, einem jeden Passanten, dem er begenen wird, wird er nach dem angemessenen Gruße seinen Fragekatalog eröffnen, welcher sich um die Sichtung oder den Aufenthaltsorte einer gewissen Person handeln mag.
Gesucht sei eine weibliche Person.
Sie solle das äußerliche Alter zwischen 15 bis 17 Jahre haben.
Sie wird wahrscheinlich noch über kindliche Züge verfügen. Demnach ähnle sie eher einem Mädchen, als einer Frau.
Ihr Leibe sei zierlich gebauet.
Die Größe der Frau wird auf unter einem Schritt und siebzig Breiten eines Fingers beschrieben.
Sie mag Ihr schwarzes Haupthaar tragen.
Sie habe braun gefärbte Augen.
Sie führe oder trage meist zumindest Bogen oder Armbrust mit sich und solle den Umgang mit jenen Waffengattungen bewandert sein.
Auf den ersten Blicke, wirke die Art der jungen Dame derbe, aber auf den zweiten Blicke hin, mag man erkennen, dass Sie durchaus gutherzig seie.
Sie höre auf den Namen Viola.
Der junge Mann wird seine Streifzüge so lange fortsetzen, bis er ihr offenbar werden wird, einen Hinweise auf deren derzeitigen Aufenthaltsorte oder er eine Nachricht erhalten wird, dass die Nachsuche einzustellen sei.
Sollte das Fackellichte zur Suche nicht mehr ausreichen, wird sich jener der Augensalbe aus dem Zwergenreiche bedienen, um seine Suche zu fördern.
So nach einigen Sonnenläufen nichts an neuer Kunde in Erfahrung zu bringen sein mag, wird er die Suche nicht aufgeben, aber dennoch eher das Tagesgeschäfte bevorzugen, aber dennoch wachsam umherstreifen und die Fragen nur noch ab und an und Personen von denen er sich hilfreiche Kunde verhofft offenbaren. Diese Personen werden dann aus dem kundigen Bereiche der Wälder stammen müssen.
Verfasst: Freitag 15. Juni 2007, 18:16
von Demoar Llastobhar
Als seine Schritte ihn aus einer dunklen Gasse Varunas zum beleuchteten Tor fuehren, hört er die Wachen gedämpft mit einander reden. "Viola... gesucht... Mord" - Wie bitte? Eilig hatte er sich umgewendet und die Wache eindringlich zur Rede gestellt. Die jedoch waren beinahe beleidigt, dass er offenbar nicht wusste, um was es ging und wiesen nur halbherzig auf die Steckbriefe, die am Tor bereits aushingen.
Eilig flog sein Blick ueber die Zeilen. "Das kann nicht sein", flüsterte er, als auch schon eine Hand eines Gardisten sich von hinten auf seine Schulter legte. "Ihr kennt diese Frau?", dabei verstaerkte er den Griff.
"Was werft Ihr mir da vor? Wie könnt Ihr Euch erdreisten!", donnert er aufgebracht dem völlig perplexen Gardisten entgegen. In all seinem gespielten Hochmut wendet er die Schritte eilig ab und verlaesst die Stadt durch das Tor. Das war knapp - zu knapp.
Doch diese Sache beunruhigte ihn enorm. Viola eine Mörderin? Unmöglich. Nicht dieses Mädchen, mit dem er so oft Stunden im Gasthaus zu Varuna verbracht hatte, wegen dem er sich an Laures in allem Vertrauen gewandt hatte. Nein sie nicht.
Er musste sie suchen, nur wo...
Verfasst: Samstag 16. Juni 2007, 11:18
von Jan Braeuer
"Ein Kindlein steht im Walde ganz still und stumm,
hat Tränchen in den Augen, ach sei es drumm:
Ist das nicht ein Füchslein klein,
das da steht im Wald allein,
mit silberglitzernden Tränelein..."
Viola war fort.
Sicherlich, nun hatte Nele die Möglichkeit Viola auch zu kontaktieren und immerhin war es ihr irgendwie gelungen sie sogar zu finden (vielleicht zogen sich der kleine Fuchs und das Samtkätzchen magisch an) aber dann hatte Viola sie fortgeschickt. Nicht wütend, nicht mit bellender Befehlsstimme- schlimmer. Sanft, mit einem Kuss auf die Stirn, einem zärtlichen Streich über die Locken. Noch schlimmer: Nele hatte verstanden warum.
Sicherlich, zuerst kostete sie verzweifelt all die Möglichkeiten, all die Alternativen und Hoffnungsschimmer aus, welche sie nicht von Violas Seite rissen.
"Ich hol' Dolli und wir drei geh'n gemeinsam wech..."
"Wir könn' doch nach Lameriast, da komm'n se uns nich nach..."
"Ich hab da wirklich Freunde, die uns aufneh'm würdn'!"
"Bleib'n wir doch zusamm' und kämpf'n mit dir..."
Es wurde absurd und irgendwo wusste sie es, aber der Gedanke Viola alleine zurück zu lassen und selbst mutterseelenallein zu leben schmerzte schlimmer als jede Tracht Prügel, die der Fuchs bisher erlebt hatte.
Nicht, dass das Kind vorher nie alleine gewesen war- ganze Wochen konnte sich Nele wunderbar selbst versorgen trotz ihres geringen Alters, doch immer mit dem beruhigenden Gedanken im Hinterkopf, dass Viola ja in greifbarer Nähe war, wenn sie sie brauchte.
Nun war sie fort!
"Nele... Kleines... ich liebe dich wie mein eigenes Kind. Ach, für mich bist du schon mein eigenes Kind aber genau deshalb muss ich euch in Sicherheit wissen. Ihr zwei, Dolli und du, ihr seid alles, was ich liebe. Pass auf sie auf- ich könnte es nicht ertragen, wenn man euch wegen mir am Ende in ein Waisenhaus gibt. Versprich mir das, hörst du?"
Sie hatte es versprochen. Mit kullernden Tränen, erstickter Stimme und dem atemraubenden Schmerz. Sie hatte es versprochen und hatte auch halbwegs mitbekommen, dass Viola ihr einen Stein zeigte, unter welchem sie Nachrichten legen konnte, sollte etwas passieren oder dergleichen... und sie hatte mitbekommen, dass Viola ihre Maske vors Gesicht legte und ging- sie alleine ließ.
"Aber ich versprech' dir nochwas, hörste? Wenn se dich krieg'n und so, dann werd ich alles was ich tun kann versuch'n um dich zu rett'n... hörste?!"
Sie hatte gehört, traurig gelächelt und war irgendwann im Unterholz verschwunden. Doch der kleine Fuchs starrte noch lange auf die Stelle, an welcher die Samtkatze, seine kleine Mama, verschwunden war.
"Ein Kindlein steht im Walde ganz still und stumm..."
Verfasst: Samstag 16. Juni 2007, 12:04
von Viola Ser´Rhal
Aus und vorbei. Es zersplitterte alles als sie die kleine Phiole auf sich zufliegen sah und vor ihr zerschellte. Binnen weniger Sekunden spürte sie bereits wie ihre Muskeln sich nicht mehr rühren ließen und sie mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zu Boden fiel und dort wehrlos lag. Alles vorbei … doch vielleicht sollte man dort beginnen wo es quasi anfing.
Der heutige Tag war turbulent, zweifelsohne. Sie hatte sich den Tag über durch die Wälder geschlagen, an Schlaf war wenig zu denken gewesen, ganz im Gegenteil, sie hatte immer das Bedürfnis sich zu bewegen, niemals zu ruhen oder zu rasten und so irrte sie den ganzen Tag entlang durch die Wälder, ohne ein wirkliches Ziel, die Gedanken kreisten umher. Irgendwann gelangte sie in die Nähe der Ruinen von Tirell, wo sie sich etwas Ruhe gönnte, nur eine kurze Verschnaufpause und dann würde sie weiterziehen als sie plötzlich ein Geräusch hörte, Schritte die sich näherten. Eiligst drückte sie sich fest in den Schutz der Bäume und sah in die Richtung aus der das Geräusch kam, die Augen zusammengekniffen und die Hand wanderte zu ihrem Bogen. Doch dann hielt sie plötzlich inne und starrte auf die Gestalt die sich näherte, klein und etwas mager, schniefend und etwas verloren wirkend, das konnte nicht sein … „Nele …“. Nele war hier, wieso? Das Kind schien außer sich vor Freude Viola zu sehen und presste sich eng an sie heran, sagte dass sie die Aushänge gesehen hätte. Kurz wurde Viola übel, Nele wusste dass sie gesucht war? Doch das Kind schien sich nicht von ihr abzuwenden oder dergleichen, ganz im Gegenteil, Nele bettelte sie förmlich an, dass sie bei Viola bleiben dürfe, sie wollte nicht von ihrer Seite weichen. Viola verzog das Gesicht „Ich will nicht dass man mir nochmal meine Familie weg nimmt, du bist doch alles was ich habe …“ diese Worte taten in diesem Moment auf eine absurde Weise weh, denn sie wusste dass sie Nele nicht mit sich nehmen konnte und dass sie das Kind fortschicken musste und genau das versuchte ihr klar zu machen. Richtig so. Sie darf nicht dabei sein wenn dich irgendwer schnappen sollte, sie würden sie nur in ein Waisenhaus sperren … und dieser Gedanke gefiel Viola noch weniger als zu wissen dass sie Zeitweise von der Kleinen getrennt war. Nele hingegen schien das Ganze nicht so zu sehen wie Viola und es musste viel Überredungskunst folgen, dass Nele begriff. „Ich lasse dich nicht im Stich, ich werde dich niemals alleine lassen, niemals, hörst du?“ die Worte waren ehrlich und sie wusste auf eine Art und Weise auch dass sie lügen konnte, wenn man Viola den Tod verurteilte aber sie wollte daran nicht denken, nicht jetzt.
Nele war nach einer Weile wieder fort, schweren Herzens hatte Viola sie weggeschickt und nun galt es sich nach Bajard aufzumachen, sie musste ihre Vorräte wieder auffrischen, ansonsten würde sie nicht sehr weit kommen und bisher war alles doch recht gut gelaufen wenn sie in das Fischerdorf gegangen war, niemand hatte Fragen gestellt und jeder kümmerte sich um seinen Kram. Doch vielleicht hätte sie sich nicht zu sehr auf ihr Glück verlassen sollen, dann wäre sie auch etwas vorsichtiger gewesen. Sie trat gerade gen Bajard, als sie eine Person dazu aufforderte, anzuhalten. Geh weiter, ignorier ihn … aber sie hielt inne und drehte sich zu dem Gerüsteten der von ihr verlangte, sich zu erkennen zu geben. Sie weigerte sich, doch sie ahnte worauf es hinaus lief und als sie zurücktreten wollte, hatte sie plötzlich eine Klinge am Hals. „Ihr seid die Gesuchte …“ also doch, ein Kopfgeldjäger. In ihrem Inneren begann sich alles zu verkrampfen, der Kerl hatte eine Rüstung an und ein Fliehen würde ihr wohl eine schmerzhafte Wunde zufügen, dazu kam noch der Umstand hinzu, dass eine zweite Person sich dazugesellte und nun mit einer gezückten Klinge hinter ihr stand. Vorbei, aus, sie hatte verloren und die Garde hatte gewonnen und es gab keinen Ausweg außer … sie blickte beiseite und sah einen Reiter, mit den Farben der Bruderschaft der Temora, es konnte klappen … nein es musste. „HILFE! HERR! BITTE! Diese Männer wollen mich ausrauben und Hand an mir anlegen!“ sie brüllte es so laut sie konnte und es wirkte, der Reiter sattelte ab und begann ihre beiden Peiniger aufzufordern die Waffen zu senken. Diese versuchten auf ihn einzureden, Nevyn schien sein Name zu sein, doch er ließ sich nicht beirren bis die Beiden ihre Waffen senkten und Viola hinter ihn trat. Er redete auf die beiden ein, und Viola sah ihre Chance gekommen. „Es tut mir leid …“ flüsterte sie ihrem Retter zu, holte dann mit dem Bein aus und trat ihn mit voller Wucht in den Rücken. Natürlich war sie nicht sonderlich stark und ihre schlechte Verfassung machte es nicht besser, aber Nevyn stolperte vor und sie konnte fliehen, in die Freiheit.
Sie war gerannt, wie so oft. Ihre Verfolger waren längst nicht mehr hinter ihr, aber sie rannte trotz allem, sie wollte nicht enden doch irgendwann verlangte ihr Körper seine Ruhe. Ihre Seite schmerzte stark und vor ihren Augen drehte sich vor Erschöpfung alles, doch sie war in Sicherheit. Jedoch war sie ohne Vorräte gewesen, keinerlei Trinken und kein Essen mehr und sie würde eben diese Dinge bald brauchen, sonst würde sie an der eigenen Erschöpfung zu Grunde gehen. Sie dachte lange nach, Bajard war keine Alternative mehr und Varuna so oder so nicht. Rahal tat sich immer mehr auf, es war schon fast so als würde der Gedanke dorthin zu gehen seine Arme ausbreiten und sie empfangen wollte aber sie würde nicht nach Rahal, es gab noch eine einzige Alternative; der Fuchsbau. Du gehst zurück an den Ort wo man dich am sofort finden könnte? Sei nicht dumm. doch ihr blieb gar keine Wahl, sie war sich sicher dass im Haus noch der eine oder andere Vorrat waren und sie brauchte diese Dinge um noch eine Weile zurecht zu kommen. Der Fuchsbau war auch schnell erreicht gewesen und wie sie es erwartet hatte war keinerlei Gardist zu sehen. Sie schleppte sich mühsam ins Haus, die Nacht war mittlerweile hereingebrochen und es war kalt geworden, der Schlafmangel machte sich bemerkbar und beim Anblick der gemütlichen Hütte schien sie sich am liebsten hinlegen zu wollen. Sie durchstöberte alle Truhen und etwas Essen fand sie tatsächlich, es würde zwar keine zwei Tage reichen aber der morgige Tag wäre damit gesichert wenn sie etwas sparsam war. Sie kramte die Sachen zusammen, nur einen Moment lang hinlegen und schlafen …, nein sie musste weiter. Sie trat zur Türe hinaus, schlurfte müde aus dem Garten und wollte gerade in die Wälder entschwinden, als sie inne hielt und sich umdrehte. Sie hatte Pferdehufen gehört und sie hatte recht gehabt, hinter ihr standen zwei Reiter und es waren nicht irgendwelche … es waren Darna und Selissa. Von jenem Moment an hatte die Panik und die Angst alles übernommen. Sie hatte die Waffe auf Darna gerichtet. „Ich gehe nicht in der Kerker! Ich werde nicht wie er an einem Strick enden!“ und egal wie sehr Selissa und Darna auf Viola einredeten, ihr klar machen wollten dass sie Viola nicht als Mörderin sahen und von ihr hören wollten, was vorgefallen sei, Viola schien nicht mehr zu hören. Vor ihren Augen machte sich nur noch der Gedanke breit dass sie in den Kerker musste und dass sie dann verenden würde. Renn, flieh! VERDAMMT RENN! und sie tat es, sie rannte zwar nicht aber sie wandte sich ab, trat in den Wald, drohte den beiden doch es half nichts. Darna stellte sich ihr mit dem Pferd in den Weg, sah sie schweigend an und dann geschah es auch, Viola erblickte die Phiole in Darnas Hand.
Aus und vorbei. Es zersplitterte alles als sie die kleine Phiole auf sich zufliegen sah und vor ihr zerschellte. Binnen weniger Sekunden spürte sie bereits wie ihre Muskeln sich nicht mehr rühren ließen und sie mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zu Boden fiel und dort wehrlos lag. Alles vorbei … sie konnte nur noch nach vorne starren, hilflos und ohne eine Regung bekam sie mit wie Darna Viola die Hände auf den Rücken band. Sie wird dich in den Kerker sperren. Ihre Pflicht ist ihr wichtiger als du, aber das hast du ja erwartet, nicht wahr? Sie zuckt bestimmt mit keiner Wimper, es ist ihr egal, alles nur leere Worte. In ihren Augen bist du sicher nicht mehr als eine Mörderin die nun gerichtet werden muss, von wegen sie glauben dir und wollen dir helfen … sie haben dich verraten, sie alle. Und du hast dein Versprechen Nele gegenüber gebrochen … du kannst nicht für sie da sein wenn du tot bist … das war es dann wohl, aus und vorbei Aber sie reagierte nicht einmal mehr, sie war zusammengesackt, der Körper hatte der Erschöpfung nun nachgegeben. Sie hatte nicht einmal mitbekommen wie Darna sie auf ihr Pferd hochzog und mit ihr fortritt, doch das Ziel war nicht Varuna …