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Rückkehr

Verfasst: Donnerstag 7. Juni 2007, 13:14
von Baheera Ifrey
Mit einem Ruck setzte sich Baheera in ihrer Wohnung auf. Ja nicht schreien, keiner darf es hören.
Rasch legt sich ihre Hand über den Mund, das Entsetzen und die Angst unterdrücken, schluckte sie mehrmals und versuchte sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Dann fiel ihr Blick auf den friedlich in Decken eingewickelten schlummernden Sahlim, und für einen Augenblick setzte ihr Herz aus, dann schlug es wieder umso heftiger und wilder. Sahlim! Sie war zuhause, nicht in Rahal. Zitternd schmiegt sie sich eingerollt in die seidige Decke an Sahlim. Seine Nähe und Wärme gaben ihr Halt, so wie immer. Die Liebe zu ihm hatte ihr Kraft gegeben und die nächtlichen Gebete zu Eluive Hoffnung.

Ich bin zuhause. Endlich!

Wie ein Traum war die Stadt aus Sandstein im grellen Licht der Sonne. Weich berührte die heiße Luft des Wüstenwinds ihr Gesicht. Sie war zuhause. Eigentlich hätte sie springen müssen vor Freude und jubeln, so wie sie es immer tat wenn sie von dem Festland in ihre Heimat zurückkehrte. Aber diesmal war es anders. Sie war verändert. Kälte, Entsetzen, Grauen aber auch Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Vertrauen hatte sie erfahren. Diese sonderbare Mischung nahm sie mit. Sie wusste nicht damit umzugehen. Schließlich war sie sehr jung und keiner hatte die kleine, zierliche dunkelhaarige Schönheit je auf das vorbereitet, was sie in kürzester Zeit alles erfahren musste. Wie ein Blitz hatten sie all diese Empfindungen, Eindrücke getroffen, und sie wusste nicht damit umzugehen. Irgendwie wirkte sie nun verloren. Baheera war diesem nie ausgesetzt worden. Behütet und geliebt war sie in ihrer Nomadenfamilie aufgewachsen. Geliebt und fürsorglich war sie auch in den Schoß all der Familien, die Menek’ur bewohnten aufgenommen und zu dem geprägt worden, was sie schließlich mit Willenstärke erreicht hatte, ein Jemaat des Erhabenen. Sie beschützte mit all den anderen ihn und all diese Familien. Es war ihre Aufgabe und sie war stolz darauf. Sahlim, der Mann, den sie aufrichtig liebte, Khalida, die Baheera in ihr kleines Herz geschlossen hatte, und all die anderen, die Tag täglich ihrem Dienst nachgingen, um das zu schützen, was das edelste auf dieser Welt war, Eluives Kinder, all jene gehörten zu ihrem Leben. Was ihr von einem tag auf den anderen entrissen wurde.
Mit Stolz und vollem Einsatz war sie der Aufgabe des Erhabenen nachgekommen. Keinen Augenblick gezögert. Die dunkelsten Ecken Rahals hatte sie erforscht, mit unzähligen Bewohnern gesprochen, Dinge erfahren, vieles gesehen und einiges belauscht. Nicht mit der Wimper gezuckt, als die Wilden ihr die Kapuze vom Kopf gerissen hatten, um ihre Züge zu erkennen. Mit Demut war sie dem Dienst in der Taverne nachgegangen, so konnte sie des Abends die Gespräche der Gäste belauschen und vieles erfahren. Sie hatte auch um unerkannt und halbwegs sicher zu sein in der dreckigen kleinen Kammer hinter der Küche ohne Fenster auf einem Strohsack mehr oder weniger geschlafen. Sie hatte die schrecklichen Speisen, die der Wirt ihr als Entlohnung zuschob mit viel Mühe runtergewürgt und nachher wieder heimlich von sich gegeben. Sie war diese schwere fleischhaltige, fette Kost nicht gewohnt. Jeden Tag mehr ekelte ihr davor, und sie wurde immer dünner.
Aber das alles war nicht das, was ihr am meisten zusetzte. Ihre Seele war zutiefst verletzt worden. Sie durfte ihr Gesicht nicht bedecken, was das schlimmste für Baheera war. Es kam einer Folter gleich, tag täglich, ihre Scham und Schmach zu verbergen, so wie die Frauen dieser Wilden zu wirken. Zu Lachen, wenn sie den Tränen nahe war, zu scherzen, wenn Scham sie zu erdrücken drohte, ruhig und höflich zu sprechen, wenn ihre Seele aufschrie.
Die Gebete zu Eluive bestärkten sie in ihrem Glauben, sie fühlte sich in diesen Stunden ihr näher, als je zuvor, nur wirklich heilen konnten sie den Sprung in ihrer Seele nicht. Das konnte nur einer, Sahlim. Sie hatte mit ihm darüber gesprochen, er ihr wie immer in seiner Liebe und wärmenden Güte zugehört. Sie einfach in seinen starken Armen gehalten und die Wärme gegeben, die sie so lange vermisst hatte. Sie mit sanften liebevollen Worten beruhigt.
Aber begriff er wirklich, was in ihr vorging?
Wer war sie nun? Isabel? Baheera? Beides? Keine mehr?