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Der Bote
Verfasst: Mittwoch 6. Juni 2007, 10:51
von Trutta van Drachenfels
Kleine Päckchen und ein Schreiben lagen auf dem Tisch. Laut schallte das Posthorn. Schnell wie der Wind war der Postillion zur Stelle. Ein fröhlicher Gesell. Bündel und Päckchen, Pergamente und Säckchen verteile er ist rasch und nahm die bereits wartenden Dinge mit um sie ihren Empfängern zu bringen. Manch einer wartet schon lange auf Nachricht. Wie es wohl dem Oheim, der Muhme, den Großeltern, Kindern, der Mutter, dem Vater, den Geschwistern, dem geliebten Schatz oder Freunden und Gefährten in der Fremde ergangen sein mochte?
Er stellte die Kunde zu. Meinst brachte Freude ins Haus. Manchmal auch Gewissheit und Trauer. Wo er hinkam war er willkommen.
Sie sah ihm noch nach und winkte bis er hinter der Staubwolke verschwunden war.
Verfasst: Donnerstag 16. August 2007, 10:20
von Trutta van Drachenfels
Bei der Suche nach einer passenden Kartoffelkiste segelte ein ausgeblichenes Papier auf den Boden. Es war die Vorschrift einer Botschaft an Amelie. Nachdenklich starrte sie auf die Lettern. Seit der Bote mit dem Schreiben Lameriast verlassen hatte, drücke ihr Gewissen. Sie hatte Amelie nach Erhalt der Nachricht besucht und gesehen, dass es ihr wieder besser ging, jedoch ergab sich keine Gelegenheit zu einer vertrauten Aussprache.
Es war nicht recht was sie getan hatte. Es war Betrug! Sie hatte Amelie betrogen! Sie hatte Marnoc betrogen!
Und doch, wenn sie es bedenkt, konnte sie nicht anders.
Amelie war traurig, unsagbar traurig. Ihr Gefährte, der Trutta einst aus bitterer Not errettet, die beiden Frauen zusammen gebracht hatte, war spurlos verschwunden, hatte Amelie ohne ein Wort verlassen. Sie verging fast vor Kummer, verkroch sich tief in die Arbeit, wartete jeden Tag auf ihn, oder eine Nachricht. Es tat weh, sie so zu sehen.
Jeden Abend kratzte die Feder, eine Spur hinterlassend, übers Papier. Sie formulierte und verwarf wieder, fand Fehler und berichtigte sie, oder es war einfach nur zu viel Tinte. Es brauchte lange, bis das Schreiben die Form hatte, die ihr genügte.
Leise las sie die Zeilen.
Geliebte Amelie,
die rechten Worte zu finden fällt mir unendlich schwer. Vergibt mir jede Träne, die du vergossen hast. Vergib mir allen Kummer und den unendlichen Schmerz, den ich dir bereitet habe. Ich weiß ich hätte mich von dir verabschieden müssen, fürchtete dabei deiner schönen, traurigen Augen klagendes Meer.
Ich hätte es nicht ertragen können. Vergibt mir meine Feigheit. Wie ein Dieb in der Nacht habe ich mich davon geschlichen. Alles weggeworfen, was mir das Liebste war und ohne das ich nicht leben kann. Nun ist es dunkel um mich. Kein leuchtender Stern weist mir einen Weg. Keine Sonne, die mich wärmt. Dein helles Lachen fehlt mir. Ein Narr war ich! Wir waren glücklich und ich habe dieses unerschöpfliche Füllhorn eingetauscht, weil ich seinen Wert nicht erkannt hatte. Ich wollte mehr. Unser Glück war mir zu klein. So zog ich in die Welt auf der Suche nach dem vermeintlichen Glück. Es war ein Irrweg. Das weiß ich nun. Leib und Leben war der Preis. So der Tod barmherzig ist, wird er mich bald erlösen.
Gedenke mein ohne Groll und vergibt mir.
Dein Marnoc
Akaius teilte ihr Wissen. Es gefiel ihm gar nicht, versprach jedoch Stillschweigen. Die Lüge hielt schon einige Zeit und so lange Mornoc nicht wiederkehrte, würde der Schwindel nicht auffliegen. Amelie würde ihr neues Glück leben können.
Verfasst: Sonntag 19. August 2007, 13:06
von Amelie Toberen
Viele Wochen hatte Amelie den vermeintlichen Brief in ihrer Tasche mit sich herumgetragen.
Immer wieder daraus gelesen und manch eine Träne deshalb vergossen.
So war der Brief immer bei ihr, und erinnerte sie an die Zeit mit Marnoc.
An dem Tag, an dem Rondrian zu ihr zu Besuch kam, und sie einander ein wenig näher kennen lernten, wanderte der Brief ganz auf den Boden der Tasche.
Lange Zeit war sie unsicher, ob es denn noch eine zweite große Liebe, oder eine noch viel Größere für sie überhaupt geben könnte.
Nun da sie sich dessen völlig sicher war, nahm sie den Brief aus ihrer Tasche und legte ihn in ihre Kommode, wo er nun als eine ferne Erinnerung verstaubt.