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Ein entwurzelter Baum bekommt eine neue Bestimmung

Verfasst: Sonntag 27. Mai 2007, 15:37
von Siobhan Dandreon
Vor ein paar Tagen, als der Drache gesichtet wurde.........

Auf ihren Streifzügen durch die Wälder der Inseln, war sie auf dieser kleinen Insel gelandet, auf ihr wuchsen ein paar wenige seltene Kräuter und auch ein sehr kleines Wäldchen. Auf der Suche nach diesen Kräutern hatte sie sich für eine kleine Vesper auf einen erst kürzlich vom Sturm herausgerissenen Baum gesetzt, oder war es das Werk des Drachen, das seine Wurzeln jetzt den Himmel sahen? Das wusste man in den letzten Tagen nicht so genau, und der Gedanke allein liess sie aufblicken und den Himmel studieren. Er war fort und würde hoffentlich auch nicht wiederkommen, also kein Grund den Himmel kritisch zu beäugen, und so wandte sie ihren Blick wieder ihrer näheren Umgebung zu. Sie strich mit der blanken Hand über die Rinde des vielleicht ein Menschenalter alten Baumes auf dem sie nun hockte. Zur Krone hin war das Holz der länge nach gesplittert, und hing etwas schief rechts und links eines Felsblocks, und gab den Blick auf die Alterslinien des Baumes frei, er war viel Dunkler im inneren, als seine äusseren schichten. Vielleicht könnte sie ein wenig diese Holzes mitnehmen, immer häufiger nun schnitze Sie Pfeile für die andern, aber sie würde gern mal wieder etwas anderes ausprobieren.

So kam es das sich in ihrem Rucksack zum Abend hin verschieden lange Hölzer des entwurzelten Baumes befanden.





Am Tag nach dem Überfall des Drachen auf Varuna ............

Sie war noch immer ein wenig erschrocken Diese Schlangenwesen, die scheinbar mit ihm zusammen den Zweibeinern, ob Städter oder Waldläufer war ihnen egal, das Leben erschwerten waren äußerst zäh gewesen. Nie zuvor hatte sie sich so hilflos gefühlt mit ihrem Bogen vor den Stadttoren und ihre Pfeile die teilweise wirkungslos zerbarsten an der schuppigen Haut. Selbst Lamiro mit seinem zugkräftigeren Bogen schien die gleichen Problem zu haben, und er war wirklich einer der besten Schützen den sie kannte. Sie war nichtmal annähernd so flink und geschickt. Und das Gefühl mit der Langsamkeit einer Schnecke auf einen Stein zu schiessen hatte sich tief in ihren Kopf eingegraben, das wollte sie nie wieder verspüren.
Erzählungen ihres Vaters wenn er einen Bogen baute, gingen ihr durch den Kopf, eigentlich war sie ja der Meinung ihre Bögen wären schon gar nicht so schlecht, aber es hatte doch schon so einige Male bei jenem Kampf vor Varuna argh im Holz geknarrt, und die Sehne sah am Ende auch eher aus, als hätte sie sie über scharfkantigen Stein gerubbelt.
Sie brauchte Wachs für Sehne und Holz, um ihrem Bogen wieder etwas Pflege angedeihen zu lassen nach dem harten Einsatz. Und wo sie nun nicht weit vom alten Elfendorf war, konnte sie auch gleich da nachsehen, der Honig von den dortigen Bienen war schließlich auch nicht zu verachten.

Dieser Wachs und jender den sie von den Bienen am Fusse der Berge im eigenen Lager sammelte wanderten ebenso in den Rucksack.



Die Tage nach dem Überfall auf Varuna irgendwo auf Alathair......

Zurück auf der Insel hatte sie sich von dem Astfreien Teil des Stammes einen fast zwei Meter langen Teil herausgeschlagen.
Mit dem frischgeschliffenen Ziehmesser begann sie die Bereiche der Rinde fortzuschaben, die ihren vorherigen händischen Bemühungen Widerstand geleistet hatten. Nach dieser noch recht einfachen Handarbeit musste sie nun ein Keil in die Länge treiben, der das Holz von dort der länge nach aufspalten sollte. Hierbei ging sie behutsam mit dem Stumpfen Teil der Axt zu werk und Trieb den festen Eichenholzkeil in den biegsamen Leib des Eibenholzes. Noch 3 weitere würden in gleichmässigen Abständen eine Linie im Stamm bilden, und nach und nach abwechselnd vorsichtig tiefer hineingetrieben. Dann das leise Ächzen und Knarzen und ein etwas lauteres Knacken und die beiden Stammhälften fielen zu Boden. Auf die gleiche Art wurde erneut dem Holz zu Leibe gerückt, bis sie einen langes Viertel vom Stamm vor sich hatte. Das dunklere Kernholz würde die Bauchseite des Bogens bilden, das hellere Splintholz des Aussenringes den zugstarken Rücken. Die Wurfarme dürften nicht zu dünn und nicht zu dick zum Ende hin werden, schließlich war sie keine schwächliche Städterin und konnte einiges an Kraft aufbringen den Bogen zu spannen, aber ebenso wollte sie ja flink werden, und wenn er zuviel Kraft forderte würde dies auch ein wenig auf die Schnelligkeit gehen.

In den Nächsten Tagen sah man sie eigentlich gar nicht mehr im Lager der Waldgeister und auch nicht bei ihren Freunden, ein Vöglein oder ein Wolf waren nur ab und an ihre einzigen Besucher, als sie langsam dem Holz die Form des Bogen entlockte der ihren Fähigkeiten im Schiessen entsprach und sie sogar noch unterstützte. Dies sollte ein Bogen für die Jagd werden, aber genauso gut auch Ungetüme und Monstrositäten erlegen können, wie einen Hirschen.
So nahm das Holz mit Hilfe von Ziehmesser, Hobel und Raspel immer mehr Form an. Ein Wurfarm etwas Kräftiger, der Griff nahm Gestallt an und auch die Enden bildeten sich langsam heraus. Mit der Wachsmischung wurde das Holz unempfindlicher gegen Feuchtigkeit gemacht in dem sie Schicht um Schicht einarbeitete. Immer wieder wurde die Zugkraft der einzelnen Arme getestet, doch nie zu sehr, denn noch war das gute Stück nicht vollendet und das Holz noch zu jung.

Wenn ihre Arme vom feilen und schleifen schmerzten liess sie sich auf dem restlichen Baumstamm nieder und widmete sich dem Drehen der Sehne, immer wieder spannte sie sie über ein Streckholz, was sie aus einem der 3 anderen länglichen Keile gefertigt hatte. Dann wurde es wieder gedreht und erneut gestreckt. Es würde ein paar Tage dauern bis die Sehne genug Umdrehungen hatte und ausgetrocknet und dennoch weiterhin biegsam war. Auch hier half das Wachs.

Endlich war beides fertig, doch noch lange nicht der Bogen schussbereit. Das erste mal eine Sehne aufzuziehen bedeutete, damit anzufangen den Bogen zu verfeineren. Selbst das einfügen der Sehnenkerben bedeutete schon einen Unterschied, und ohne den richtigen Sehnenstand würde ein Pfeil nur hinabfallen wie ein nasser Beutel. So begann nun die Feinarbeit, in welcher auch der letzte Splitter entfernt wurde, und die Zugkraft des Bogens verfeinert wurde.

Und erst nachdem sie vielleicht an die 20 Mal den Bogen gespannt hat, und auch immer wieder die Sehne neu aufgezogen hat, hier und da an den Armen noch einen Hauch Holz entfernt hat, kommt die letzte Schicht Wachs und auf jene Nocheinmahl eine ölige Substanz, die sie aus einigen Kräuter gewonnen hatte. Das zuvor noch helle rötliche Holz ist nun dunkel, und der Bogen in ihrer Hand, schaut nicht annährend so aus, wie jene die man sonst in den Händen hält.