Gespräche mit Händlern und Handwerkern
Verfasst: Mittwoch 23. Mai 2007, 02:38
Fuad aus dem Hause Ifrey, der Gesandte Menek'Urs, hatte den Bürgermeister Bajards mit der Aufgabe betraut einige der Handwerksstände zu räumen, damit man Platz für einen Basar schaffen könne. Fürderhin sollte er die Bürger auf den Basar einstimmen und ebendies gedachte er zu tun. Freilich nicht ganz so wie gedacht. So sah man den Bürgermeister am späten Abend und in aller Früh geschäftigt durch die Straßen gehen und mit den ansässigen Händlern und Handwerkern sprechen, mit dem Tavernenwirt, dem Inhaber des Bankhauses und sogar den Hafenarbeitern. Was er ihnen im Vertrauen berichtete war eine Mischung aus Ansichten, Interpretationen und Tatsachen, welche die Bürger dazu anregen sollten ihre Stände zu schließen und Handel und Handwerk ruhen zu lassen. Fürderhin die nächsten Tage in den Häusern zu bleiben oder Verwandte auf dem Lande zu besuchen.
Sollten sie sehen was man von ihrer Besetzung hielt und wie erpicht man darauf war mit ihnen Handel zu treiben, solange sie die Unabhängigkeit und Freiheit Bajards mit ihren Säbeln und ihren Bögen bedrohten. Nein, man wollte ihnen zeigen, dass es den Handelsplatz Bajard ohne seine Freiheit nicht geben würde. Waren sie nicht alle freigeborene Männer und Frauen, waren ihre Väter und Mütter nicht als Freie gestorben und sollten ihre Kinder nicht als Freie geboren werden, im Schoße der eigenen Heimat ? Wenn man jetzt aber zusah, wozu sollte all das dann führen ? War Menek'Ur etwa allmächtig ? Würde nicht bald ein neuer Eroberer kommen, erst Rahal, dann Varuna, dann die Haufen Lameriasts, und alsdann wieder alles von vorne ? Sollten sie sich durchreichen lassen wie eine Hafendirne und sich stets der Willkür derjenigen ergeben müssen, die ihnen mit Waffen und Worten drohten ? Sollte dies etwa das Schicksal ihrer Kinder und Kindeskinder sein, alle Mühe vergeblich gewesen sein sich zu behaupten, hat man sein Herzblut vergeblich gelassen ? Waren die Männer der Bürgerwehr nun also umsonst gestorben und man hätte schon damals, gegen Rahal, einfach den Hut ziehen sollen und schreien 'Ja, hier sind wir, unterwerft uns, wir wollen nicht länger in Freiheit leben!' ?
Ja, selbstverständlich, es war auch Menek'Ur gewesen, das Bajard damals beigestanden hatte. Aber nun sollte man doch einmal überlegen. Das stolze Hohenfels, das damals Bajard ebenfalls verteidigte, drückte es sich jetzt nicht herum, ja saßen seine Männer nicht sogar in aller Gefälligkeit, während in der Heimat ihre Frauen und Kinder im Schmutz darbten und verzweifelt versuchten ihren Hausrat vor den verheerenden Angriffen des Drachen zu retten, in der Taverne und sagten sie wollen sich einmal ansehen, wie Menek'Ur aus Bajard endlich einen sicheren Ort machen würde ? Seltsame Gedanken, was war das für eine Sicherheit, welche diejenigen schätzten, die sich in Tavernen herumtrieben, während sich die Armen in Schutt und Asche quälten ? Ja man wusste doch ganz genau weshalb Varuna Bajard damals beigestanden war, schließlich führten sie schon immer Krieg gegen Rahal und im Grunde war es doch ihr Krieg gewesen. Und die Menekaner ? Was sollte bei ihnen anders gewesen sein. Natürlich hatten sie geholfen Bajard zu verteidigen! Wie sollten sie auch anders, hatten sie doch damals schon gehofft den Ort ihrem Reiche zu unterwerfen. Wie sollten sie ihn da nicht verteidigen, wäre ein besetztes Bajard doch für sie verloren gewesen. Ja, sie wollten den Ort frei von starken Mächten haben, um ihn sich im geeigneten Augenblick selbst untertan zu machen.
Ob Menek'Ur nicht eine neutrale Macht wäre und den Frieden zu sichern verstünde ? Schließlich seien sie doch ein Volk von Händlern ? Händler ? Seltsame Händler sind das, die immer Krieg führen. Kämpften sie nicht gegen die Zwerge ? Kämpften sie nicht gegen Rahal ? Töteten sie nicht eine Letharin vor Bajard und lockten Rahal damit fast zu einem erneuten Feldzug gegen Bajard ? Hatten sie etwa keinen Krieg auf Lameriast geführt ? Und waren sie nicht auch jetzt mit Soldaten und Waffen gekommen, statt mit Worten des Friedens ? War Herr Karex vom Klingenhandel nicht erst gerade abgeführt worden, weil er es gewagte hatte dem 'Statthalter' in der Bürgerversammlung zu widersprechen ? War in der Bürgerversammlung etwa keine Bürgerin geduckt worden wie eine Hündin, weil sie in Gegenwart des Emirs nieste ? Hatte man noch nicht davon gehört, dass die Menekaner zusammen mit einigen Tiefländern Bajarder Straßenkinder geschlagen hatten ? Was erdreisteten sich diese Völker, dass sie nun die Töchter und Söhne Bajards züchtigten anstatt sich um ihre eigene Brut zu kümmern ? Sollte eine Mutter etwa fürchten müssen, dass ihre Tochter ausgepeitscht und blaugeschlagen nach Hause kommt, weil sie im falschen Augenblick vor einem Menekaner husten musste ? Wo war denn dieser Frieden und diese Ruhe, die Menek'Ur versprach ? Ja, sie waren neutral, neutral dahingehend, dass sie nur ihrem Eigenwillen und ihrer Willkür folgten. Und natürlich sie hatten derzeit keinen Krieg mit den anderen Reichen. Nein, welch Wunder ? Führten nicht auch Rahal und Varuna einen blutigen Krieg und war nicht auch Lameriast vom Krieg erschöpft. Natürlich, sie führten derzeit keinen Krieg, weil niemand mit ihnen Krieg führen konnte, weil überall schon Krieg herrschte. Außer ? Ja, wo herrschte kein Krieg ? Ganz recht, in Bajard! Bajard also war noch nicht vom Krieg überzogen. Und welch Wunder, es wurde von Soldaten Menek'Urs erobert, der einzige Ort an dem man noch Krieg führen konnte und die Menekaner waren dort.
Jedes Kind wusste doch, dass sie kein Volk von Händlern, sondern eines von Kriegern und Wüstlingen waren und dass sie schon lange geplant hatten Bajard ihrem Reiche einzugliedern. Ob sie nicht vielleicht trotzdem eine gute Schutzmacht wären ? Ob es nicht an Soldaten fehlte ? Was war das für ein Schutz, den sie versprachen ? Hatten sie nicht den Bürgermeister als erstes aus seinem Haus vertrieben ? Wer würde der nächste sein, dem man seinen Laden wegnahm, seine Güter beschlagnahmte ? Der Hof, um die Soldaten zu nähren ? Der Schmied, um die Soldaten auszurüsten ? Die Schreiner und Holzfäller, um ihre Palisade zu bauen ? Ja, sollten beim kommenden Basar nicht die einfachen Händler weichen, um Fremden Platz zu machen, damit die Händler Menek'Urs ihre Waren würden verkaufen können ? Und an wen würden sie diese wohl verkaufen ? An die Bürger und Händler Bajards ? Nein, an die Aasgeier und Anbiederer, die wie die Fliegen um Bajard kreisten und nur darauf warteten, dass sie ihren Teil von dem Ort bekommen würden.
Ja, sollte man sich dann nicht erheben und einen Aufstand planen ? Hatten die Aushänge es nicht angekündigt ? Pah, sollte das ein Aufruf Bajarder Bürger gewesen sein ? Diese verquirlte Gewäsch und diese schamvollen Reden ? Mutete man das etwa seinen Söhnen und Töchtern zu, wollte denn jemand behaupten die Bajarder hätten alle Sitten vergessen ? War man etwa plötzlich zu feige mit seinem Bürgermeister offen zu sprechen ? Unmöglich. Hatten sie nicht etwa stolzen Bürgergeist und nun sollten sie sich ihrer eigenen Freiheit schämen und solcherlei Pamphlete verfassen ? Wer wollte denn seine Familien in den Krieg stürzen ? Warteten die Menekaner nicht etwa nur darauf ihre Klingen an den Bajardern zu erproben ? Nein, man war ein friedliches Volk, ein Volk von Verstand und Sitte, wie es die anderen Reiche nicht kannten. Man verstand sich auf den Handel und das Handwerk und war dies nicht der eigentliche Grund des Lebens ? Was konnte man mit Schwertern schon aufbauen, nur zerstören! Ja, man wollte stolz und aufrecht sein, aber nicht diejenigen sein, die zuerst die Waffen erhoben. Sicher, vielleicht... eines Tages. Seine Familien musste man freilich verteidigen. Nein, wenn alle den Verstand verloren hatten und nur Krieg und Chaos auf Gerimor herrschten, dann wollte man wenigstens selbst verständig und klug sein. Wo sollte es mit der Welt denn sonst hingehen, wenn es nur noch Schläger und Unruhestifter gab ? Man wäre doch nicht besser als die Menekaner selbst. Der Weg zur Freiheit vielmehr, das war ein unerschütterlicher Wille, ein enges Beisammenstehen, ohne Verräter und Anbiederer, die sich den Menekanern zu Füßen warfen. Man musste einig sein, man musste eben einfach Bajarder sein, echter Bajarder. Ja und man musste ein Auge auf diejenigen haben, die heuchelten und sich den Menekanern feilboten und die ehrlichen Bürger bespitzeln würden. Wie sollte man das denn verstehen, wenn den Menekanern Waren nicht nur angeboten wurden, sondern auch noch billiger als allen anderen ? Und ausgerechnet Waffen und Rüstungen. Ja, wollte man den Blutzoll, wenn es doch zu Unruhen kommen würde, unbedingt auf den eigenen Waffen wissen und auf dem Elend der Bajarder seinen Goldbeutel füllen ?
Ja ja, aber wie sollte man denn leben ? Man könnte es doch nicht durchhalten, man musste doch Geld haben. Ja, freilich, das war richtig. Man musste Geld haben. Und freilich, auch die Menekaner wissen das. Ja, sie würden kommen und die Händler anbiedern, ihnen schmeicheln, sie würden versuchen sie zu locken, wie man die Ratte mit dem Käse lockt, damit sie in die Falle geht. Nein, man würde lieber für sich selbst sorgen, anstatt sich von den Menekanern füttern zu lassen, anstatt seinen Handel mit ihrer Hilfe zu machen. War das vielleicht noch ein ehrliches Handelsgeschäft, wenn man sich nur anbiederte und auf die wankelmütige Gunst eines Herren hoffte, anstatt sein Geschäft selbst in die Hand zu nehmen und das zu bekommen, was man sich mit eigener Hände Arbeit verdient hatte ? Wollte man die Aussteuer seiner Tochter mit dem Kopfgeld bezahlen, mit dem man einen Freund ans Messer geliefert hatte ? Mit dem Huldgeld, das man dafür bekam, dass man seine Heimat verraten hatte ? Nein, man muss zusammen stehen. Man hat eine Hilfskasse gegründet um den Familien zu helfen. Ja, an einem einzigen Tag hat man schon mehr als 100 Goldkronen gesammelt, so dass keiner an Hunger darben muss. Sie würden ihnen schon deutlich machen was es bedeutete frei geboren zu sein.
Aber aufgeben durfte keiner. Natürlich würden sie aus allen Ecken kommen, die Maden und Käfer, und würden sich an Bajard sattessen, man würde zusehen müssen wie die käuflichen Handwerker, die keine Ehre und keinen Stolz mehr in sich hatten, treffliche Geschäfte machten, während man selbst an Hunger litt. Aber mit ihnen würde man später abrechnen können, das gewiss! Freilich würde es schwer werden, aber man durfte sich nicht grämen. Hatte man sich nicht selbst geschworen frei und unabhängig zu sein ? Wo sollte es hingehen, wenn man im Leben nicht ehrfürchtig war und die eigenen Prinzipien und Tugenden nicht achtete, die Schwüre brach, die den Töchter und Söhnen einmal ein freies und stolzes Leben ermöglichen würden. All das aufgeben ? Man war doch kein Feigling. Man wollte doch leben, als freier Mann, als freie Frau. Was wohl würde einen erwarteten, wenn man sich einfach so beugte und den Kopf hängen ließ, was sollte man im Jenseits finden, wenn man im Leben nicht treu und aufrecht gewesen war und für Freiheit und Gerechtigkeit nicht eingestanden war, wenn man das Erbe der eigenen Kinder verpfändet hatte ? Würde die Schöpferin wohl gnädig auf diese hinabsehen ?
Nein, so konnte es nicht weitergehen, wo sollte das denn alles hinführen ? Menekaner. Was wusste man überhaupt von ihnen ? Sprachen sie nicht eine völlig andere Sprache, hatten seltsame Sitten, ja hielten ihre Männer nicht mehrere Frauen und hatten sie doch nicht einmal ordentliche Familien, sondern ließen ihre Kinder verwahrlosen und schickten sie vom einen zum nächsten ? Wo war denn dort die Mutterliebe ? Und wo die starke Hand des Vaters ? Wie sollte daraus etwas gerades wachsen ? Wo sollte all das nur hinführen ? Zu Veränderungen, die niemand wollte. War man denn nicht eigentlich glücklich und zufrieden gewesen im alten Bajard ? Sicher, das Leben war nicht einfach gewesen, aber im Grunde gab ihnen das Meer doch alles was sie brauchten und sie konnten in Freiheit und mit ein wenig stolz leben. Nein, Veränderungen brauchten sie nicht, sie wollten ihr Bajard, ihre Heimat, wie sie ihre Eltern gekannt hatten und wie sie ihre Kinder kennen sollten. Fremde aber, die ständig in einer fremden Zunge über einen sprachen und die einen aus ihren dunklen, misstrauischen Augen beobachteten, die brauchte man nicht. Nicht in seiner Heimat, wo man einen guten Handel machen wollte und ein gutes Bier in der Taverne trinken, ohne Angst zu haben, dass man geschlagen wird oder eingesperrt, weil man sich nicht ehrfürchtig genug benimmt.
Dies und ähnliches bekamen die Handwerker und Händler Bajards zu hören als der Bürgermeister sie in aller Ruhe darauf vorbereitete ihre Arbeit niederzulegen, die Geschäfte zu schließen, die Fensterläden zu verrammeln und keinem Fremden Zutritt zu gewähren.
Sollten sie sehen was man von ihrer Besetzung hielt und wie erpicht man darauf war mit ihnen Handel zu treiben, solange sie die Unabhängigkeit und Freiheit Bajards mit ihren Säbeln und ihren Bögen bedrohten. Nein, man wollte ihnen zeigen, dass es den Handelsplatz Bajard ohne seine Freiheit nicht geben würde. Waren sie nicht alle freigeborene Männer und Frauen, waren ihre Väter und Mütter nicht als Freie gestorben und sollten ihre Kinder nicht als Freie geboren werden, im Schoße der eigenen Heimat ? Wenn man jetzt aber zusah, wozu sollte all das dann führen ? War Menek'Ur etwa allmächtig ? Würde nicht bald ein neuer Eroberer kommen, erst Rahal, dann Varuna, dann die Haufen Lameriasts, und alsdann wieder alles von vorne ? Sollten sie sich durchreichen lassen wie eine Hafendirne und sich stets der Willkür derjenigen ergeben müssen, die ihnen mit Waffen und Worten drohten ? Sollte dies etwa das Schicksal ihrer Kinder und Kindeskinder sein, alle Mühe vergeblich gewesen sein sich zu behaupten, hat man sein Herzblut vergeblich gelassen ? Waren die Männer der Bürgerwehr nun also umsonst gestorben und man hätte schon damals, gegen Rahal, einfach den Hut ziehen sollen und schreien 'Ja, hier sind wir, unterwerft uns, wir wollen nicht länger in Freiheit leben!' ?
Ja, selbstverständlich, es war auch Menek'Ur gewesen, das Bajard damals beigestanden hatte. Aber nun sollte man doch einmal überlegen. Das stolze Hohenfels, das damals Bajard ebenfalls verteidigte, drückte es sich jetzt nicht herum, ja saßen seine Männer nicht sogar in aller Gefälligkeit, während in der Heimat ihre Frauen und Kinder im Schmutz darbten und verzweifelt versuchten ihren Hausrat vor den verheerenden Angriffen des Drachen zu retten, in der Taverne und sagten sie wollen sich einmal ansehen, wie Menek'Ur aus Bajard endlich einen sicheren Ort machen würde ? Seltsame Gedanken, was war das für eine Sicherheit, welche diejenigen schätzten, die sich in Tavernen herumtrieben, während sich die Armen in Schutt und Asche quälten ? Ja man wusste doch ganz genau weshalb Varuna Bajard damals beigestanden war, schließlich führten sie schon immer Krieg gegen Rahal und im Grunde war es doch ihr Krieg gewesen. Und die Menekaner ? Was sollte bei ihnen anders gewesen sein. Natürlich hatten sie geholfen Bajard zu verteidigen! Wie sollten sie auch anders, hatten sie doch damals schon gehofft den Ort ihrem Reiche zu unterwerfen. Wie sollten sie ihn da nicht verteidigen, wäre ein besetztes Bajard doch für sie verloren gewesen. Ja, sie wollten den Ort frei von starken Mächten haben, um ihn sich im geeigneten Augenblick selbst untertan zu machen.
Ob Menek'Ur nicht eine neutrale Macht wäre und den Frieden zu sichern verstünde ? Schließlich seien sie doch ein Volk von Händlern ? Händler ? Seltsame Händler sind das, die immer Krieg führen. Kämpften sie nicht gegen die Zwerge ? Kämpften sie nicht gegen Rahal ? Töteten sie nicht eine Letharin vor Bajard und lockten Rahal damit fast zu einem erneuten Feldzug gegen Bajard ? Hatten sie etwa keinen Krieg auf Lameriast geführt ? Und waren sie nicht auch jetzt mit Soldaten und Waffen gekommen, statt mit Worten des Friedens ? War Herr Karex vom Klingenhandel nicht erst gerade abgeführt worden, weil er es gewagte hatte dem 'Statthalter' in der Bürgerversammlung zu widersprechen ? War in der Bürgerversammlung etwa keine Bürgerin geduckt worden wie eine Hündin, weil sie in Gegenwart des Emirs nieste ? Hatte man noch nicht davon gehört, dass die Menekaner zusammen mit einigen Tiefländern Bajarder Straßenkinder geschlagen hatten ? Was erdreisteten sich diese Völker, dass sie nun die Töchter und Söhne Bajards züchtigten anstatt sich um ihre eigene Brut zu kümmern ? Sollte eine Mutter etwa fürchten müssen, dass ihre Tochter ausgepeitscht und blaugeschlagen nach Hause kommt, weil sie im falschen Augenblick vor einem Menekaner husten musste ? Wo war denn dieser Frieden und diese Ruhe, die Menek'Ur versprach ? Ja, sie waren neutral, neutral dahingehend, dass sie nur ihrem Eigenwillen und ihrer Willkür folgten. Und natürlich sie hatten derzeit keinen Krieg mit den anderen Reichen. Nein, welch Wunder ? Führten nicht auch Rahal und Varuna einen blutigen Krieg und war nicht auch Lameriast vom Krieg erschöpft. Natürlich, sie führten derzeit keinen Krieg, weil niemand mit ihnen Krieg führen konnte, weil überall schon Krieg herrschte. Außer ? Ja, wo herrschte kein Krieg ? Ganz recht, in Bajard! Bajard also war noch nicht vom Krieg überzogen. Und welch Wunder, es wurde von Soldaten Menek'Urs erobert, der einzige Ort an dem man noch Krieg führen konnte und die Menekaner waren dort.
Jedes Kind wusste doch, dass sie kein Volk von Händlern, sondern eines von Kriegern und Wüstlingen waren und dass sie schon lange geplant hatten Bajard ihrem Reiche einzugliedern. Ob sie nicht vielleicht trotzdem eine gute Schutzmacht wären ? Ob es nicht an Soldaten fehlte ? Was war das für ein Schutz, den sie versprachen ? Hatten sie nicht den Bürgermeister als erstes aus seinem Haus vertrieben ? Wer würde der nächste sein, dem man seinen Laden wegnahm, seine Güter beschlagnahmte ? Der Hof, um die Soldaten zu nähren ? Der Schmied, um die Soldaten auszurüsten ? Die Schreiner und Holzfäller, um ihre Palisade zu bauen ? Ja, sollten beim kommenden Basar nicht die einfachen Händler weichen, um Fremden Platz zu machen, damit die Händler Menek'Urs ihre Waren würden verkaufen können ? Und an wen würden sie diese wohl verkaufen ? An die Bürger und Händler Bajards ? Nein, an die Aasgeier und Anbiederer, die wie die Fliegen um Bajard kreisten und nur darauf warteten, dass sie ihren Teil von dem Ort bekommen würden.
Ja, sollte man sich dann nicht erheben und einen Aufstand planen ? Hatten die Aushänge es nicht angekündigt ? Pah, sollte das ein Aufruf Bajarder Bürger gewesen sein ? Diese verquirlte Gewäsch und diese schamvollen Reden ? Mutete man das etwa seinen Söhnen und Töchtern zu, wollte denn jemand behaupten die Bajarder hätten alle Sitten vergessen ? War man etwa plötzlich zu feige mit seinem Bürgermeister offen zu sprechen ? Unmöglich. Hatten sie nicht etwa stolzen Bürgergeist und nun sollten sie sich ihrer eigenen Freiheit schämen und solcherlei Pamphlete verfassen ? Wer wollte denn seine Familien in den Krieg stürzen ? Warteten die Menekaner nicht etwa nur darauf ihre Klingen an den Bajardern zu erproben ? Nein, man war ein friedliches Volk, ein Volk von Verstand und Sitte, wie es die anderen Reiche nicht kannten. Man verstand sich auf den Handel und das Handwerk und war dies nicht der eigentliche Grund des Lebens ? Was konnte man mit Schwertern schon aufbauen, nur zerstören! Ja, man wollte stolz und aufrecht sein, aber nicht diejenigen sein, die zuerst die Waffen erhoben. Sicher, vielleicht... eines Tages. Seine Familien musste man freilich verteidigen. Nein, wenn alle den Verstand verloren hatten und nur Krieg und Chaos auf Gerimor herrschten, dann wollte man wenigstens selbst verständig und klug sein. Wo sollte es mit der Welt denn sonst hingehen, wenn es nur noch Schläger und Unruhestifter gab ? Man wäre doch nicht besser als die Menekaner selbst. Der Weg zur Freiheit vielmehr, das war ein unerschütterlicher Wille, ein enges Beisammenstehen, ohne Verräter und Anbiederer, die sich den Menekanern zu Füßen warfen. Man musste einig sein, man musste eben einfach Bajarder sein, echter Bajarder. Ja und man musste ein Auge auf diejenigen haben, die heuchelten und sich den Menekanern feilboten und die ehrlichen Bürger bespitzeln würden. Wie sollte man das denn verstehen, wenn den Menekanern Waren nicht nur angeboten wurden, sondern auch noch billiger als allen anderen ? Und ausgerechnet Waffen und Rüstungen. Ja, wollte man den Blutzoll, wenn es doch zu Unruhen kommen würde, unbedingt auf den eigenen Waffen wissen und auf dem Elend der Bajarder seinen Goldbeutel füllen ?
Ja ja, aber wie sollte man denn leben ? Man könnte es doch nicht durchhalten, man musste doch Geld haben. Ja, freilich, das war richtig. Man musste Geld haben. Und freilich, auch die Menekaner wissen das. Ja, sie würden kommen und die Händler anbiedern, ihnen schmeicheln, sie würden versuchen sie zu locken, wie man die Ratte mit dem Käse lockt, damit sie in die Falle geht. Nein, man würde lieber für sich selbst sorgen, anstatt sich von den Menekanern füttern zu lassen, anstatt seinen Handel mit ihrer Hilfe zu machen. War das vielleicht noch ein ehrliches Handelsgeschäft, wenn man sich nur anbiederte und auf die wankelmütige Gunst eines Herren hoffte, anstatt sein Geschäft selbst in die Hand zu nehmen und das zu bekommen, was man sich mit eigener Hände Arbeit verdient hatte ? Wollte man die Aussteuer seiner Tochter mit dem Kopfgeld bezahlen, mit dem man einen Freund ans Messer geliefert hatte ? Mit dem Huldgeld, das man dafür bekam, dass man seine Heimat verraten hatte ? Nein, man muss zusammen stehen. Man hat eine Hilfskasse gegründet um den Familien zu helfen. Ja, an einem einzigen Tag hat man schon mehr als 100 Goldkronen gesammelt, so dass keiner an Hunger darben muss. Sie würden ihnen schon deutlich machen was es bedeutete frei geboren zu sein.
Aber aufgeben durfte keiner. Natürlich würden sie aus allen Ecken kommen, die Maden und Käfer, und würden sich an Bajard sattessen, man würde zusehen müssen wie die käuflichen Handwerker, die keine Ehre und keinen Stolz mehr in sich hatten, treffliche Geschäfte machten, während man selbst an Hunger litt. Aber mit ihnen würde man später abrechnen können, das gewiss! Freilich würde es schwer werden, aber man durfte sich nicht grämen. Hatte man sich nicht selbst geschworen frei und unabhängig zu sein ? Wo sollte es hingehen, wenn man im Leben nicht ehrfürchtig war und die eigenen Prinzipien und Tugenden nicht achtete, die Schwüre brach, die den Töchter und Söhnen einmal ein freies und stolzes Leben ermöglichen würden. All das aufgeben ? Man war doch kein Feigling. Man wollte doch leben, als freier Mann, als freie Frau. Was wohl würde einen erwarteten, wenn man sich einfach so beugte und den Kopf hängen ließ, was sollte man im Jenseits finden, wenn man im Leben nicht treu und aufrecht gewesen war und für Freiheit und Gerechtigkeit nicht eingestanden war, wenn man das Erbe der eigenen Kinder verpfändet hatte ? Würde die Schöpferin wohl gnädig auf diese hinabsehen ?
Nein, so konnte es nicht weitergehen, wo sollte das denn alles hinführen ? Menekaner. Was wusste man überhaupt von ihnen ? Sprachen sie nicht eine völlig andere Sprache, hatten seltsame Sitten, ja hielten ihre Männer nicht mehrere Frauen und hatten sie doch nicht einmal ordentliche Familien, sondern ließen ihre Kinder verwahrlosen und schickten sie vom einen zum nächsten ? Wo war denn dort die Mutterliebe ? Und wo die starke Hand des Vaters ? Wie sollte daraus etwas gerades wachsen ? Wo sollte all das nur hinführen ? Zu Veränderungen, die niemand wollte. War man denn nicht eigentlich glücklich und zufrieden gewesen im alten Bajard ? Sicher, das Leben war nicht einfach gewesen, aber im Grunde gab ihnen das Meer doch alles was sie brauchten und sie konnten in Freiheit und mit ein wenig stolz leben. Nein, Veränderungen brauchten sie nicht, sie wollten ihr Bajard, ihre Heimat, wie sie ihre Eltern gekannt hatten und wie sie ihre Kinder kennen sollten. Fremde aber, die ständig in einer fremden Zunge über einen sprachen und die einen aus ihren dunklen, misstrauischen Augen beobachteten, die brauchte man nicht. Nicht in seiner Heimat, wo man einen guten Handel machen wollte und ein gutes Bier in der Taverne trinken, ohne Angst zu haben, dass man geschlagen wird oder eingesperrt, weil man sich nicht ehrfürchtig genug benimmt.
Dies und ähnliches bekamen die Handwerker und Händler Bajards zu hören als der Bürgermeister sie in aller Ruhe darauf vorbereitete ihre Arbeit niederzulegen, die Geschäfte zu schließen, die Fensterläden zu verrammeln und keinem Fremden Zutritt zu gewähren.