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Männer sind sonderbar

Verfasst: Freitag 18. Mai 2007, 21:29
von Baheera Ifrey
  • Nachdenklich kaut Baheera an der Feder, die sie langsam in der Hand hin und her dreht. Mutter hatte gemeint, sie solle ihr einfach Briefe schreiben, wenn sie niemanden hätte, dem sie ihre Sorgen und Gedanken anvertrauen könnte. Den Brief dann versiegeln und der nächsten Karawane, die von Menekur aufbrach einfach mitgeben.
    Ein guter Gedanke, Mutter wusste immer eine Lösung.
    Nun gut, dann schreiben wir, morgen früh bricht eine der Karawanen auf, und Mutter würde sich sicherlich freuen eine Nachricht von ihr zu erhalten.


    Salam Mutter,

    früher als ich dachte, schreib ich dir so einiges nieder, was mir durch den Kopf geht.
    Also die Männer in Menekur sind sonderbar. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich so
    Einiges erlebt habe. Aber vorab die Frage „Sind alle Männer so? Vater auch?“
    Da ist dieser Sahlim aus dem Hause Yazir. Aber zu dem komme ich später.
    Du kannst dir in deinen kühnsten Träumen nicht vorstellen wie viele Yazirs es hier gibt. Ich tue mir bereits sehr schwer mir all diese Namen zu merken. Manchmal habe ich das Gefühl sie sind wie Heuschrecken, die dann eines Tages in einem Schwarm über mich herfallen.

    Also da ist Khalida. Die kennst Du ja aus meinen Geschichten bereits.
    Dann gibt es Fadi und dann Sahlim und nicht zu
    vergessen Azam und Raakin und wer weiß wenn ich bereits vergessen habe.
    Nicht zu vergessen der eine, das Phantom, wie Ali so schön sagte und dabei erschrocken
    mit seinen Augen rollte. Er ist kein Phantom, nicht für mich! Aber sag ja nichts Vater bitte.
    Er muss nicht alles wissen!
    Schon lange habe Ali nicht mehr gesehen und keine Bananen mehr in
    seinen Briefkasten geworfen. Er hat selber Schuld. Wochenlang hat er seinen Briefkasten nicht geöffnet und mit dann erklärt sie wären alle verdorben gewesen.
    Gut, das hat sich hiermit erledigt. Keine Bananen mehr für Ali. Irgendwie kann ich auch seine Vorliebe für dieses Obst nicht teilen. Aber vielleicht mögen alle Männer Bananen? Bei Vater ist es mir nie aufgefallen. Vielleicht verspeist er sie heimlich, aber du solltest das eigentlich wissen.
    Dann gibt es noch Fadi. Er machte mir irgendwie Angst. Seine freundlichen
    Worten, die wie süßer Honig aus seiner Kehle fließen, können sich im nächsten Augenblick ändern. Wie ein Sturm der auf Sonnenschein folgt. Glaube es mir. Ich habe es
    bereits erlebt. Seither ist er mir unheimlich und immer wenn ich ihn sehe, habe ich das eigenartige Gefühl ich habe irgendetwas falsch gemacht. Nur was? Ich gebe nun immer vor
    etwas Wichtiges erledigen zu müssen, wenn Fadi auftaucht. Ich will ihn ja nicht
    verärgern oder gar unhöflich erscheinen. Zu mir ist er ja immer nett und höflich. Ich sehe schon deinen Blick vor mir. Ja ich passe auf, du kannst dich auf mich verlassen. Ich bin sehr kreativ, etwas fällt mir immer ein. Es gibt ja schließlich genug zu tun in Menekur.

    Azam. Ein weiterer aus dem Hause Yazir. Meiner Einschätzung nach ist
    er mit Vorsicht zu genießen. Er ähnelt ein wenig Cousin Ahmad.
    Äußerlich ruhig ein wenig blasiert, aber tief in seinem brodelt der Jähzorn. Am besten du schweigst als Frau, wenn Azam etwas äußerte. Er ist einer der Männer, die glauben immer im Recht zu sein. Aber das kennst du ja von Vater! Ich gehe mit ihm sehr behutsam um, mach dir keine Sorgen. Gespannt bin ich welche Frau er einmal erwählen wird. Sie wird sicherlich nicht viel zu sagen haben und muss wohl sehr schweigsam sein. Vielleicht manchmal auch unsichtbar, so wie du es mir gezeigt hast, wenn Vater erzürnt ist. Einfach aus dem Weg gehen und abwarten. Danach ist er die Ruhe in Person und mit viel Geschick erreicht man das, was man will. Ich glaube so ist Azam. Ich komme sehr gut mit ihm aus, denn ich füge mich, aber
    dann mache ich doch was ich will. So wie du es mir gezeigt hast, dafür bedanke ich mich.
    Eluvie erhalte dir deine Weisheit und Güte!
    Stell dir vor er wüsste von Binah. Du weißt schon, meine Freundin mit dem goldenen Haar. Ehrlich gesagt, werde ich darüber mit keinem hier sprechen. Es ist einfach klüger so, denn
    Ich empfinde Binah nicht als schamlos auch wenn sie kein Tuch trägt und ihre Kleidung
    in meinen Augen ein wenig geschmacklos ist. Aber sie ist nett. Sehr nett. Hast du
    mit nicht immer geraten, Menschen nach dem Herz zu beurteilen? Mich erinnert ihr Haar
    sehr an diesen Mann, du weißt schon welchen ich meine, der den Ali das Phantom nennt. Typisch Ali.

    Raakin. Er ist Wesir. Wie du weißt kann ich seine Frau Aalina nicht sonderlich leiden. Sie ist eigenartig und ständig murmelt sie etwas Undeutliches in meiner Gegenwart, was ich nicht verstehe. Beim Bart des Wesir, ich glaube er ist gestraft mit dieser Frau, denn Raakin ist ruhig und sehr besonnen und sehr nett, das kann ich bei Eluive schwören.
    Nur eines macht mir Sorge. Bei den Wüstenflöhen, wieso müssen alle immer die Gestalt von Gargoylen annehmen? Als dieses Wesen mich in den Gräbern der Ahnen überrascht hat, hätte
    ich beinahe vor Schreck den Säbel fallen gelassen. Wie du weiß ist mir das noch nie passiert,
    umso bedenklicher ist es also. Also dieses Wesen steht wie aus dem Nichts hinter mir und spricht mit Raakins Stimme. Nein, ich habe den Aufschrei unterdrückt, diese Genugtuung
    wollte ich dieser Gargoyle nicht verschaffen. Ich bin dann so schnell wie möglich weggelaufen. Seit diesem Tag sind mir diese Wesen suspekt. Ist doch nicht verwunderlich oder?
    Da ist noch Sahlim. Wir hatten ein endlos langes Gespräch, was man eigentlich nicht als solches bezeichnen konnte, denn ich habe geredet und geredet. Salim war so liebenswürdig und hat nur genickte und manchmal sogar gelächelt. Er hat eine angenehme Art, man fühlt sich einfach in seiner Nähe wohl.
    Ein weiterer Pluspunkt ist, dass er es versteht aufmerksam zuzuhören. Das habe ich an den Fragen bemerkt, die er ab und zu gestellt hat, wenn ich Luft holen musste. Er ist anders, fast erinnert er mich an das Phantom, um Alis Worte zu benutzen. Er ist sehr nett und
    aufmerksam, eigentlich alles was eine Frau sich wünschen kann.
    Das wäre eigentlich ein Mann für Khalida. Wenn nicht er, dann keiner wohl! Was meinst du?
    Du hättest sein Gesicht sehen sollen, als mir diese Kokosnuss auf den Kopf gefallen ist, als ich auf die Palme klettern wollte. Ich bin vor ihm im Sand gelandet und seine erschrockenen Augen werde ich nie vergessen. Dann habe ich gelacht und er gelächelt. Er hat sich Sorgen gemacht und war sichtlich erleichtert, dass ich wohlauf bin. Auch das spricht für ihn. Er ist rücksichtsvoll. Ich muss Khalida nur die Augen öffnen, damit sie ihn wahrnimmt. Aber wie? Ich denke, das werde ich spontan entscheiden, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergibt.
    Wenn du morgen nicht vor den Toren stehst, dann lasse ich ganz Menekur nach dir
    suchen! Sonderbare Abschiedsworte aus Sahlims Mund, oder? Was denkst du, Mutter?
    Ehrlich gesagt verstehe einer Männer! Sie sind sonderbar! Und die in Menekur bei weitem noch mehr. Wie war das bei dir und Vater? Darüber müssen wir noch reden!

    Ach ja umarme Vater von mir und spreche ihm noch meinen Dank für das wunderbare Geschenk aus. Ich trage die Fußkette täglich. Sie ist wunderbar.
    Ich verweile in meinen Gedanken, wenn ich zeit dazu habe bei Euch.
    In Liebe
    Euer Stern,
    Baheera