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Es hatte nicht sollen sein ...

Verfasst: Freitag 11. Mai 2007, 09:12
von Luciana van Elyn
Die Nacht war sternenklar, der Vollmond schien hell ins Schlafzimmer. Mitten in jener Nacht wachte ich auf.
Warum hatte ich plötzlich solche Schmerzen im Unterleib, waren das die Wehen? Zeit wäre es schon lange.
Immer wieder drehte ich mich hin und her, kringelte mich ein, zog die Knie soweit es ging an den Oberkörper ran, um die Schmerzen zu unterdrücken. Doch wurde es immer schlimmer. Irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus und lies einen lauten Schrei, hinaus in die Stille.

Erik schlief tief und fest, glaubte ich jedenfalls. Wecken wollte ich ihn nicht, mein eigener Stolz trieb mich voran, diese Schmerzen allein durchzustehen. Ich packte die nötigsten Sachen und schlich mich so leise es ging aus dem Haus. Auf dem Weg zur Hebamme, ließen die Schmerzen wieder einwenig nach. Bewegung schien gut zu tun, auch wenn der Weg noch so anstrengend war.

Als ich bei der Hebamme ankam, klopfte ich wie wild auf die Tür ein, die sich auch keine Minute später schon öffnete. Laura, der Name meiner Hebamme, sah mir sofort an, was los war. Aschfahl war mein Gesicht, verzerrt von Schmerzen, die sowie sie kamen auch immer wieder verschwanden. Einige Stunden quälte ich mich damit, bis ich mein kleines Töchterchen endlich in die Arme schliessen konnte. Tränen liefen mir vor Freude übers Gesicht, ich konnte es nicht glauben, das mir die Ahnen eine so hübsche Tochter geschenkt haben. Erik wird der stolzeste Vater auf der ganzen Welt sein, da war ich mir sicher. Schliesslich liebte sie ihren Ehemann, wie sie noch nie einen Menschen geliebt hat. All meine Glücksgefühle sprudelten, in diesem Moment auf mich ein. Laura nahm mir das kleine Bündel wieder ab, um es zu waschen und anzuziehen. In der Zeit gönnte ich mir einwenig Ruhe, schloss die Augen und ging alles nochmal gedanklich durch.

Ein gellender, frischer Laut durchrang den Raum und dann Stille. Stille die mich seltsam einwickelte. Sie machte mir sofort Angst und ich riss die Augen wieder auf und starrte ängstlich zu Laura. Laura nickte nur und ihr Gesichtszüge sprachen Bände. Ich sprang auf, woher diese plötzliche Kraft auch immer kam und eilte zu meinem Neugeborenem. Ich nahm es an mich, drückte es an mich und wiederholte immer nur die Worte:

Nein. Nein. Nein. Das kann nicht sein Das darf nicht sein.

Mein Gesicht musste regungslos und noch blasser wie zuvor sein. Fassungslosigkeit, Entsetzen, Trauer, Angst und Wut zugleich standen in meinen Augen. Das konnte nicht wahr sein. Lange saß ich noch mit dem Baby im Arm, zusammengekauert auf dem Boden. Nein, ich weinte nicht mehr vor Glück. Ich weinte, weil mir die Ahnen mein Glück genommen haben.