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Der Weg zum Glauben

Verfasst: Mittwoch 2. Mai 2007, 12:48
von Alana Duin
Gebannt starrte Alana aus dem Fenster hinaus auf das Meer. Sie beobachtete die Wellen, die sich immer wieder aufbäumten und fallen liessen nur um sich dann am Strand aufzureiben und zu vergehen.
Sie mochte dieses Schauspiel, es erinnerte sie an ihr eigenes Leben. Ständig auf und ab, doch wofür? Um sich am Ende an vielen kleinen Hindernissen aufzureiben, bis sie aus dem Leben verschwand? Sollte das alles sein? Nein, das war ihr einfach nicht genug.
Sie war hier her gekommen nach Gerimor in der Hoffnung ein neues Leben anfangen zu können, vielleicht sogar zu heiraten oder Kinder zu kriegen. Aber es schien, als sei ihr ein Leben in Einsamkeit bestimmt.
Immer, wenn sie ihr Herz verschenkte, wurde es gebrochen. Erst wurde sie von Eldir verlassen, nun von Domian. Oh sicher! Man hatte sich darauf „geeinigt“, in Zukunft getrennte Wege zu gehen, als Freunde. Aber was hätte sie sonst auch tun sollen? Sie hatte, genau wie er, schon eine ganze Weile gemerkt, dass ihre Wege immer mehr auseinander liefen, oder bestenfalls nebeneinander her. Doch sie hätte gern darum gekämpft, dass ihre Wege verbunden blieben. Aber wenn er gehen wollte, was konnte sie schon tun? Selbst wenn sie geschrieen und geweint hätte, es hätte ja doch nichts geholfen. Es hätte ihn vielleicht sogar nur noch weiter von ihr fort getrieben. So hatte man sich darauf geeinigt, dass man Freunde bleiben wolle.
Freunde! Sie seufzte tief. Die wenigen Freunde die sie bisher hatte, waren alle nach kurzer Zeit wieder entweder heimgereist, oder waren so mich sich selbst beschäftigt, dass sie nicht mehr an sie dachten.
Wie sollte sie es auch schaffen, mit jemandem befreundet zu sein, mit dem man bis vor kurzem noch sein Leben geteilt hatte? Sogar von Hochzeit und Kindern war die Rede. Nun, es würde auf jeden Fall Zeit brauchen. Im Moment tat es noch zu weh.
Trotzdem sehnte sie sich nach etwas, das ihr Halt gab, etwas, worauf sie sich verlassen konnte, egal, wie es gerade in ihrem Leben aussah. Sie überlegte kurz, ob sie sich eine Katze ins Haus holen sollte, aber ihr Haus war eher ein grösseres Zimmer. Eine Katze hier drin zu halten und nicht hinaus lassen zu können, wäre eine Qual gewesen für die Katze und auch sie.
Also sattelte sie ihre Stute und ritt nach Varuna. Das reiten würde ihr einen klaren Kopf bescheren und die schweren Gedanken fort scheuchen. Ausserdem bekam sie langsam Hunger und ihre Kochkünste waren mehr als dürftig. Ein ordentlicher Schnaps zum Essen würde ihre Laune sicher auch heben.

Es war schon recht spät, als sie in der Taverne ankam und ausser ihr war nur ein einziger Gast in der Wirtsstube. Er war in ein Priestergewand gehüllt und nickte ihr freundlich lächelnd zu bei einem „Temoras Segen, junge Dame“.
Herrje, was hätte sie gerade dafür gegeben zu wissen, was die richtige Antwort auf den Gruss des Priesters war! Doch leider hatte sie sich für Götter und deren Verehrung noch nie viel interessiert. Früher war sie nur Magd an einem Gutshof gewesen, an dem Religion nie ein Thema war. Und seit sie hier war, stolperte sie zwar schon einmal darüber, aber richtig damit befasst, hatte sie sich noch nicht damit. Und ausserdem Segen…was sollte an ihrem Leben so Segenreich sein? Derzeit fühlte sie sich eher, als läge ihr Leben in Scherben. Daher antwortete sie „Danke, aber ich glaube der hat mich bereits verlassen, wenn ich ihn je hatte!“ Sie hatte angenommen, das würde dem Priester zu verstehen geben, dass sie derzeit nicht gerade zu einem Gespräch aufgelegt war, doch er erwiderte ruhig „Wenn Ihr den Glauben einmal hattet, wird er Euch nicht verlassen.“ Er gab wirklich nicht leicht auf „Nun, dann liegt es vielleicht daran, dass ich bisher noch keinen fand.“ antwortete sie. Plötzlich fand sie es fast schade, dass sie sich nie damit befasst hatte. Der Priester strahlte solch eine innere Ruhe und Zufriedenheit aus, eine innere Stärke, die sie selbst gerade gern hätte. Wie gern hätte sie etwas gehabt, worauf sie sich immer verlassen konnte. Hatte er nicht gesagt, der Glauben verlässt einen niemals, wenn man ihn einmal gefunden hat? Das musste wahrlich ein friedvolles erfülltes Leben sein, dachte sie sich. Plötzlich kam ihr ein Gedanke und sie sah den Priester fragend an „Wie ist das, wenn man einen Gott verehrt?“ Der Mann sah sie kurz nachdenklich an, dann stand er auf und kam zu ihr herüber. „Darf ich?“ fragte er sie mit einem Deut gen den Stuhl ihr gegenüber. Alana nickte nur knapp und so begann ein sehr interessantes und aufschlussreiches Gespräch an diesem Abend mit Hochwürden Lucenius van Sareth. Denn kein geringerer war es, der sich zu ihr setzte.

Verfasst: Freitag 4. Mai 2007, 14:56
von Kilyan Carnova
Er saß, wie so oft, alleine in der Taverne zu Bajard. Sein rechter Arm hing schlaff hinab in seinen Schoß und vor ihm stand ein halbvoller Kurg mit Wasser. Langsam ließ er den Blick durch die Taverne streifen, nur wenige Personen waren anwensend, darunter aber eine, die ihm das letzte Mal aufgefallen ist, als sie mit einem Priester der Temora in Varuna gesessen hat.
Er grübelte kurz nach, wie war gleich ihr Name?

Alana. Jetzt viel es ihm wieder ein... Alana. Er musterte sie aus ruhigen, grün-braunen Augen und er brauchte nicht lange, um festzustellen, dass es ihr scheinbar nicht sehr gut ging. Sie wirkte traurig und etwas niedergeschlagen.

Nur wenige Augenblicke vergingen und sie erhob sich um die Taverne zu verlassen. Sie grüßte höflich und Kilyan erwiederte diesen Gruß ebenso freundlich. Sein Blick folgte ihr und schnell fand Kilyan sich in seinen Gedanken wieder, die um diese junge Dame kreisten. Was hat sie wohl so traurig gemacht? Was beschäftigte sie wohl?

Plötzlich ging die Tür wieder ein und die junge Alana lächelte ihn verlegen an. "Wer es nicht im Kopf hat..." ließ sie den Rest des Sprichwortes offen und ging zum Wirt um dort einen beachtlichen Vorrat an Wasser zu kaufen, den sie dann zum Ausgang balancierte.
Schnell erhob sich Kilyan und bot ihr an ihr zu helfen. Sie nahm dies dankend an und so fanden sich die beiden im Regen stehend vor ihrer hübschen Stute wieder und kamen etwas ins Gespräch.

Sie hatte einen Tag zuvor Geburtstag. Niemand hatte an sie gedacht. Sie war auf der Suche nach Glauben.
Im Kopf des Druidens formte sich langsam ein sachtes Bild von dem inneren Aufruhe in dem sich die Frau befinden musste und so erzählte er ihr von Eluive, von ihrer Liebe zu ihren Kindern und davon, dass sie Halt gibt.
Alana schien interessiert, sie schien wirklich mehr erfahren zu wollen, über Eluive, Temora und den Rest des Pantheons. Und so bot Kilyan ihr an, beim nächsten Treffen mehr über die allgegenwärtige Mutter zu berichten.

Nachdem sie sich verabschiedet hatten, ging Kilyan nachdenklich wieder in die Taverne. Sie ist wahrlich eine Suchende, die er mit Freuden auf ihrem Weg zu den Göttern begleiten will.