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Von fehlenden Menschen und einem reparierten Haus

Verfasst: Samstag 21. April 2007, 12:35
von Viola Ser´Rhal
Das Schloss zu Varuna fand sich in einer friedlichen Atmosphäre wieder und vielleicht war gerade das so problematisch. Die Lederstiefel Violas gaben einen leicht hallenden Laut von sich als sie durch die Eingangshalle in Richtung der Quartiere trat. Fast war der Blick schon etwas suchend als sie eintrat. „Jemand hier?“ doch die übliche Antwort war nur das Schweigen, welches die letzten Tage hier zu leben schien. Sie trat wieder zurück auf den Gang und winkte eine der Wachen zu sich, „ist Lady von Elbenau hier gewesen?“ und wie immer die gleiche Antwort „Ja aber nur kurz …“. Sie nickte mit enttäuschter Miene und trat zurück zu ihrem Quartier, mit einem leisen Seufzen ließ sie sich auf das Bett fallen. Wann hatte sie Darna eigentlich das letzte mal gesehen, geschweige denn mal richtig mit ihr gesprochen? Es war eine verdammt lange Zeit, gerade in den letzten Tagen war sie, laut Auskünfte der wachen, wieder mehr im Kloster als im Schloss gewesen … ausgerechnet dort! Aber allgemein wirkte das Schloss wie ausgestorben, den Grafen sah sie auch immer weniger, von Rafael fehlte jede Spur und die gelegentlichen Ritterbesuche waren auch Fehl am Platze, jedenfalls erschien ihr das so. Eigentlich konnte sie ja mit den Schultern zucken und es als „Pech“ abtun dass sie derzeit niemanden traf, doch grade im Fall von Darna war das etwas ärgerlicher oder besser gesagt; drückender. Mit nachdenklicher Miene kaute sie auf der Innenseite ihrer Wange herum und pustete anschließend eine Strähne des langen Haares aus dem Gesicht. Sicherlich, sie war auch nicht rund um die Uhr im Schloss, denn gerade in den letzten Tagen hatte sie sich zunehmend mit dem Fuchsbau beschäftigt, das Haus endlich weiter geflickt und endgültig bewohnbar gemacht. Im gleichen Zug gesellte sich ihr mit dem Namen ihres Hauses auch ein vertrautes Gesicht in ihre Gedanken; Fuchs. Wie lange hatte sie die Kleine nun nicht mehr gesehen? Es war fast schon das schlechte Gewissen, welches sie plagte, hatte sie sich doch vorgenommen etwas mehr für die Kleine da zu sein, gerade in den letzten Wochen.

Und dann war da halt noch jemand anderes an den sie denken musste; Demoar. Sie verzog nun das Gesicht, sie wollte ihn gerne einmal wiedersehen aber die Zeit hatte es nicht so wirklich wollen. Zudem kam die Tatsache dass sie eine kleine Ewigkeit nichts mehr von ihm gehört hatte, war es das altbekannte Pech dass alles wieder seinen Lauf zu nehmen schien, den es in der Liebe immer ging? Es wäre ja auch zu schön gewesen wenn es mal nicht so gewesen wäre. Mit einem leisen Brummeln richtete sie wieder auf und trat in die Schreibstube. Sie tauchte die Feder in etwas Tinte und begann eine Nachricht zu schreiben, welche sie auf Darnas Bett platzierte, sie würde irgendwann in ihr Quartier kommen, und wenn um nur einige Sachen zu holen, und dann würde sie das Schreiben auch sehen.

Liebe Darna,

da man dich persönlich wohl nicht mehr wirklich zu Gesicht bekommt, es sei denn man ist ein Priester im Kloster, versuche ich es einmal auf diesen Weg. Ich wollte eigentlich nur einmal wissen ob du noch lebst und wie es dir geht. Ich kann mir denken, dass du wieder eine Menge wichtiger Pflichten und Dinge zu erledigen hast, die deine ganze Aufmerksamkeit benötigen, was wohl auch der Grund sein wird, weswegen du so gut wie nie zu sehen bist. Ich hoffe du hast dich von den damaligen Schrecken in den Höhlen auf Lameriast gut erholt, ich hatte mir einige Sorgen um dich gemacht und ich hoffe auch, dass sich dein Körper vollkommen erholt hat. Das Schloss scheint recht leer, daher verbringe ich derzeit viel Zeit damit, den Fuchsbau wieder aufzuwerten und durch das Land zu stromern; wie früher halt. Mir selbst geht es eigentlich ganz gut, bin jedenfalls gesund, also soll man sich nicht beklagen, oder? Ich hoffe du vergisst nicht deine Einladung von mir und Selissa zum Essen, sie steht noch immer offen.

Ehrlich gesagt fällt mir gerade in diesem Moment wenig ein, was ich schreiben könnte, ich wollte dich nur wissen lassen das alles in Ordnung ist und du dir keine Gedanken um mich machen brauchst, so du das getan hast.

Ich freu mich auf unser Wiedersehen

Viola

Verfasst: Sonntag 22. April 2007, 09:38
von Darna von Hohenfels
"Ich bin nicht da, verstanden?!" Dieses Gesicht zeigte sie jedenfalls jedem, als sie in ihr Quartier marschierte und sich diese muffig riechende Tunika auszog, sie lose über die Truhe legte.
Sie entkomplizierte die Dinge und sparte die Zeit für den Vortrag über Sinn und Nutzen normal menschlicher Mahlzeiten, indem sie sich selber ihr Nachthemd überwarf - und damit auch gar nicht merkte, daß Savea nicht da war.

Sie wollte gerade die Kerze auspusten, als ihr Blick auf das Schreiben fiel. Feindselig starrte sie das Papier an, schon aus Prinzip. Kurze Zeit später hörte man aus ihrem Separee leise Silben:
"Au...
Aua... autsch..."
Mit verzogener Miene und seitlich weggeneigtem Kopf las sie den Brief, und zuckte unter jedem verbalen Kinnhaken erneut zusammen. "Hat sie das von mir gelernt, oder von wem hat sie das, so schreiben zu können?" Es rang ihr ein schiefes Grinsen ab, damit es sich ein wenig leichter ertragen ließ, seufzte dann leise.
"Morgen früh red ich mit ihr. Ach nein, morgen früh muß ich ja..."
Sie vergrub das Gesicht im Kissen, stand dann auf, ging in die Kaminecke.

"Liebes,

es tut mir leid, wie recht du damit hast, derzeit wohl eher nur als eine Geistererscheinung hier ab und zu herumzuspuken und wieder zu verschwinden, sobald man genauer hinsieht. Auch kennst du mich genug, um zu wissen, daß ich selber wünschte, es wäre anders. Ja, ich denk an dich, wie ich auch an Selissa und Adrenalon denke, von Eileen bis Savea - jedesmal, wenn ich euch vermisse und Gewissensbisse kriege, und das ist ziemlich oft mit zunehmender Tendenz. So freue ich mich, daß es dir und hoffentlich auch den anderen gut geht; Hoffnung in der Tat, denn viel dazu tun, kann ich gerade nicht, nicht mal mit meiner eigenen Anwesenheit dienen.

Ja, ich weiß, daß das Essen noch aussteht. Wenn du in einigen Wochen irgendwo ein Gerippe mit meinem Wappen findest, darfst du ausnahmsweise mal gebilligt fluchen, was das Zeug hält.

Hoffend, daß es soweit nicht kommt, herzt und drückt dich
deine Darna"


Sie faltete den Brief einmal, ehe sie ihn auf Violas Nachtschränkchen drapierte. Früh morgens war dann ihre erste Maßnahme, oben aus der Küche ein etwas größeres Frühstücksbrett zu entwenden und Tusche und einen schmalen Pinsel zu suchen. Erst hatte sie es festnageln wollen, doch mit Rücksicht auf die Schloßmauer lehnte wenige Zeit später das Brett nur lose oben auf dem Kopfende ihrer ordentlich gemachten Schlafstatt:

"Ich bin kein Schreibtisch!

gez.
ein armes mißbrauchtes Bett"