Seite 1 von 1

Der Trollkopf - den Weg zueinander finden

Verfasst: Samstag 7. April 2007, 20:27
von Keikya Bunjam
Vor ein paar Tagen…

Keikya stampfte schnell Atmend nach draußen an die frische Luft. Nur schnell raus aus der bunjamschen’ Feste. Was hatte sie da gerade zu Skallagrim gesagt? Ein kopfschütteln folgte, denn sie konnte es selbst kaum fassen, aber was hätte sie denn schon tun sollen? Er hatte ihr keine andere Wahl gelassen. „So ein Trollkopf“, dachte sie bei sich.
So hatte sie ihm gerade unverbunden mitgeteilt, dass sie ihn gerne hatte. Gut, so hatte sie sich nicht ausgedrückt. Wohl eher klang es nach: „ Du trollköpfige Sumpfnatter…“ und so etwas Ähnliches wie „ Ich hab keine Lust mehr, bin ich so abstoßend für dich?“ Aber im Endeffekt kam die Nachricht wohl richtig bei ihm an, denn schließlich folgte er ihr nach draußen.
Dem Kerl musste man wohl alles genau aufs Brot schmieren. Nein, da langte es nicht nur einfach mit dem Zaunpfahl zu winken, erschlagen musste man ihn regelrecht damit, das er endlich verstand worauf man hinaus wollte.

Für Keikya war das fast zu viel. War sie sonst immer so zurückhaltend, fast schüchtern will man meinen, sprudelten eben diese Worte gerade so aus ihr hinaus. Nun wusste er wenigstens bescheid, mehr konnte sie nun auch nicht mehr tun. Sie kletterte auf die Brüstung und wand den Blick in die Ferne gen das Meer. Was würde sie wohl machen wenn er nicht so dachte, und eben diese Gefühlte nicht erwidern würde? Ihr Magen Krampfte sich zusammen, und sie wurde schmerzlich an die Vergangenheit erinnert, als ihr schon mal ein Mann Avancen gemacht hatte, jene aber nur heiße Luft waren, da er einer anderen Frau genauso schöne Augen gemacht und sich dann für diese entschieden hatte.

Ihre Finger krallten sich in die Brüstung fest, dabei versuchte sie diese Gedanken wieder zu verscheuchen. Nach einem Augenblick hörte sie Skalla ihren Namen rufen. Was würde er ihr wohl antworten? Bestimmt nichts gutes, so drehte sie sich um und ließ sich niedergeschlagen, mit dem Rücken gen die Brüstung gelehnt, zu Bode sinken, und genau in diesem Augenblick stieg er die Leiter Hoch und sein Kopf lugte zu ihr hinüber. Sie wechselten nur knapp die Worte und irgendwie wurde alles immer komplizierter, bis hin das er einfach wieder die Leiter runter gestiegen war. Jetzt wollte er doch tatsächlich wieder gehen? Nur weil er dachte er könnte nicht ihre Erwartungen erfüllen? Keikya kramte einen Apfel aus ihrer Tasche und warf ihn nach Skallagrim. „So ein Trollkopf“ das er es immer noch nicht zu realisieren schien, dass sie ihn wirklich mochte, egal welche Erwartungen er nun erfüllen konnte oder nicht. Der Schlag mit dem Apfel hatte ihm dann wohl doch noch mal nachgeholfen, und er gestand ihr auch ein dass er sie gern hatte, darauf hin stieg sie die Leiter zu ihm hinunter.
Er mochte sie also auch! Dabei machte ihr Herz einen kleinen Freudensprung. Er würde Leif und Eldjarn sogar, sobald er sie sah, nach dem ersten Segen fragen. War das zu fassen? Endlich, nach so langem hin und her, hatte sie den Kerl für sich gefunden…

Verfasst: Sonntag 8. April 2007, 17:14
von Skallagrim Bunjam
Der Clan hatte sich gefunden, ja, selbst eine provisorische Feste hatten sie schon. So schien es, als würde das Bestreben, die Clans vereint in ihrer alten Heimat als ein Volk wieder erstarken zu lassen, Früchte tragen.
Das Clansleben hatte seinen "normalen" Lauf genommen, nachdem die Bunjams und die Hinrahs sich "beschnuppert" hatten. Hände gingen ihrer Arbeit nach, Schwerter übten den Kampf und sorgten dafür, dass die eigenen Grenzen nicht missachtet wurden, gerade in jenen schwierigen Zeiten, an welchen an jeder Ecke ein Feind zu stehen schien.
Die Bunjams waren noch klein in ihrer Mannesstärke, aber was bedeutet das? Nichts. Bereits nach kurzer Zeit, ja, im Nachhinein schon, als er sie das erste Mal sah, wusste er irgendwie, dass _sie_ diejenige war, welche sein Interesse weckte. Als einzigste junge, weibliche Hand im Clan würde das vielleicht nicht verwunderlich wirken, aber wahrlich, es war mehr als das.
Keikya, die einerseits so zerbrechlich und mädchenhaft wirkte, andererseits aber oftmals viel mehr Ernst und Durchblick besaß als ihre Handskolleginnen aus den Hinrah, hatte es ihm angetan.

Was nun? Tag um Tag verging, aber er war sich nicht sicher.. nicht seines Selbst Willen und auch nicht, was sie betraf. Die vielen kleinen Zeichen, die für einen objektiven Zuschauer unübersehbar eindeutig sein würden, für ihn waren sie das nicht. Auch die immer wiederkehrenden, mit der Zeit zunehmenden Spötteleien der anderen Schwerter, des Jarls, des Schamanen.. Da steckte viel mehr hinter als der Sinn nach Humor.
Macht Liebe blind? Diese Weisheit kommt sicher nicht von ungefähr. Bei ihnen hatte es gedauert, und er war sicher nicht ganz unverantwortlich dafür. Seine Aufgabe war es, die Köpfe seiner Feinde zu zerschmettern und den Clan vor Unheil zu schützen. Eine Aufgabe, die seinen Fähigkeiten entsprach. Aber das fragile Gespinst der Liebe zu durchschauen..? Nein. Da musste es erst Knall auf Fall kommen.


"Du trollköpfige Sumpfnatter!!"


Ja, das war es wohl. Man musste erst direkt werden. Vermutlich war das die einzigste Sprache, die er verstand.
Oder nicht? Wäre der Schamane des Clans nicht so dreist gewesen und hätte sich das ganze Spektakel in der Halle durch die Türe nicht entgehen lassen.. was dann?
Sie war bereits nach draußen gerannt, da öffnete sich hinter ihm die Türe, und Eldjarn trat mit einem Ernst, welcher sonst nur selten in dem immerwährend schalken Gesicht des Schmamanen zu sehen war, auf ihn zu.


"Wenn du jetzt ney rausgehst, bekommst` von mir so eine runtergehaun, das die Halle wacklt`!"


******


Es war ganz genau wie in einem Theater. Ein hin und her, Fragen wurden mit Gegenfragen beantwortet, keiner traute sich, das auszusprechen, was die ganze Chose glücklich beendet hätte. So dauerte es noch eine ganze Weile, bis auch Skallagrim endlich für sich akzeptieren konnte, dass die ganzen Zeichen, die Spötteleien der anderen, wahrlich eine Daseinsberechtigung hatten...




Das Feuerritual


Der erste Segen war in den Traditionen der Tiefländer fest verankert, als fortwährende Rückbesinnung auf Zeiten, als Frauen unter den Clans noch geraubt wurden.
Die Bunjams waren seit je her ein stolzer, starker Clan. Das Feuerritual stellte so eine Prüfung dar, bei der es eigentlich um viel mehr ging als um das Recht des ersten Segens. Es galt zu beweisen, das die innere Kraft, der Wille, etwas zu schaffen, etwas zu bewirken un die eigenen Grenzen zu überschreiten immer und überall ihre Berechtigung hatten. Nur diejenigen, welche die Malträtation und harten Anforderungen des Rituals bestanden, würden diese Werte dem Clan zur Ehre gereicht halten können.


Er stand inmitten des Kreises aus feuer. Um ihn herum züngelten die Flammen, eine Elle, 2 Ellen.. als wollten sie ihn verzehren und ihm die Luft zum Atmen nehmen. Der Sauerstoff um ihn herum war glühend heiss, brannte in seinen Lungen, schien ihn von innen zu verzehren. Dennoch.. er rührte sich nicht. Wich keinen zentimeter von seiner Position und stellte sich den Fragen Leifs, den fragen Eldjarns, um das Ritual zu bestehen und den beiden die Gewissheit zu geben, dass der Segen für ihn und Keikya berechtigt war.
Auch Keikya musste in diesen Kreis aus Feuer. Zwischendurch legte Leif Feuer nach.. provozierend langsam. Beinahe hypnotisch fixierte er sie, um sie zu prüfen..

"Spürst du die Flammen? Wie sie an deiner Kleidung zehren wollen, die dir Luft zum Atmen rauben? Spürst du sie, Keikya?"


Natürlich spürte sie den feurigen Atem. Die Haare klebten ihr im Gesicht, das Gesicht nurmehr eine Maske aus Pein und Qual... Der Anblick traf Skallagrim tief. Er donnerte Leif, seinen Jarl, an, er möge es doch endlich zuendebringen, aber genausogut hätte er sich auch selbst ins Feuer stürzen können.
Keikya indes, sie hielt standhaft durch, ebenso wie er. Das war das Ritual. Wer den Kreis verlies, ohne dass die Befragung ihr Ende gefunden hatte, konnte die Werte des Clanes nicht tragen und verdiente es somit auch nicht, einen Segen zu erhalten, um vielleicht später gar ebenso schwächliche Nachkommen auf die Welt zu setzen.


*******


Beide, Keikya und Skallagrim, waren Bunjams. Die Strapazen des Rituals sollten sie nicht daran hindern, ihre Liebe zueinander zu leben, zu spüren.
Und so war das letzte, was er hörte, bevor das euphorisierende Gefühl des Glücks seine Sinne benebelte, Leifs Wort:



"Und nun koste endlich von den süßen Lippen Keikyas, Skallagrim, oder willst du etwa nicht?!"