Zauberei und Hexenwerk
Verfasst: Samstag 7. April 2007, 00:20
Unvorstellbar. Absolut undenkbar.
Ich stand vor der Waschschüssel und legte den nassen Schwamm beiseite. Immer noch nichts. Ich war seit acht Tagen überfällig und allmählich begann ich mir ernsthafte Sorgen zu machen. Es war für mich und meine Vorstellung von Moral und Anstand absolut undenkbar, meinem geliebten Freund einen Bastard anzuhängen - noch dazu bei Calors gesellschaftlicher Position.
Unmöglich.
Seit das Mondbluten ausgeblieben war und ich mich siedend heiß daran erinnert hatte, daß ich zweimal in meinen Vorkehrungen schlampig gewesen war, hatte ich mir unzählige Male die Frage gestellt: Was, wenn doch? Ich liebte Calor von Herzen, doch an Kinder hatte ich noch nie gedacht. Für mich war es ganz selbstverständlich gewesen, dafür erst einmal verheiratet zu sein!
Unmöglich - was für eine unvorstellbare Situation.
So hoch studiert ich auch sein mochte, so selbstverständlich mir magische Beschwörungsformeln von den Lippen gingen, ich Elementargeister rief oder Blitze schleuderte - von Schwangerschaften hatte ich reichlich wenig Ahnung. Der Gedanke, mich ausgerechnet Rika anzuvertrauen, die ihren Bruder über alles liebte und stehts auf sein Wohl bedacht war, verursachte mir ein flaues Gefühl in der Magengrube. Natürlich wußte ich, daß die studierte Medica darüber Bescheid wußte, was Mann und Frau zwischen den Bettlaken trieben und mehr als einmal hatte ich sie von Schwangerschaften bei Mensch und Tier berichten hören, doch das hier war etwas anderes. Vielleicht trug ich das Kind, daß sie sich immer gewünscht hatte?
Mir wurde schlecht und ich beschloß, meine Gedanken in diese Richtung nicht mehr weiter schweifen zu lassen.
Und dann fiel mir Jana ein.
Jana, meine alte Schulfreundin, hatte ich vor einigen Wochen überraschend in Bajard wiedergetroffen. Ich freute mich herzlich, sie zu sehen und vernahm mit großer Bewunderung und Anteilnahme, daß sie tatsächlich den Weg der Medica eingeschlagen hatte. Heute Abend würde sie hoffentlich schon in Varuna auf mich warten.
Ich warf einen Blick gen Himmel und fluchte leise, als ich wieder einmal zu spät dran war, doch glücklicherweise traf ich sie bei den Weinschenks noch an. Dort, am Kamin sitzend, hatte sie den üblichen Glühwein vor sich und wirkte auf mich so beruhigend wie ein Fels in der Brandung. Mit fliegenden Schritten war ich bei ihr und schließlich brachte ich es auch über mich, ihr vom Grund meines dringenden Wunsches nach einem Treffen zu berichten.
"Bin ich schwanger?!"
Die Frage schwebte für mich groß, dunkel und bedrohlich im Raum.
Die Freundin war wie immer gefaßt und umsichtig und natürlich hatte sie recht, daß ein privaterer Rahmen für derlei Dinge der geeignetere sei. Kurzerhand ludt ich sie in mein Stadthaus ein - und war nicht das erste Mal froh darüber, daß mein Häuschen im hintersten Winkel Varunas lag, geborgen im Schutz der Stadtmauern.
Mir schlug das Herz im Halse und dennoch konnte ich mir niemanden vorstellen, den ich im Moment lieber bei mir hätte als Jana. Ich bot ihr einen Stuhl an meinem kleinen Tischchen im Obergeschoß an, dann stellte ich mich tapfer ihren Fragen.
Ob ich besonderen Appetit auf Obst oder Milch hätte, ob mir übel wäre, ob mein Bauch weicher geworden wäre... weicher, nicht dicker.... überlege Finja, überlege genau....
Ich hangelte mich von Frage zu Frage, gab Antwort um Antwort, mal hoffnungsvoll, mal ängstlich aufgeregt.
Schließlich klatschte Jana in die Hände:
"Herzlichen Glückwunsch, Ihr seit nicht schwanger, Arcomaga."
Einen Moment fragte ich mich unwillkürlich, ob man den Stein wohl hören konnte, der mir da vom Herzen fiel - doch Janas nächster Satz türmte gleich ein neues Gebirge auf.
"Aber man müßte schon ein wirklicher Hexer sein um dir das in so einer frühen Zeit mit Sicherheit sagen zu wollen."
Ich wurde blaß.
"Also kann es doch noch immer sein, daß ich schwanger bin?"
"Ja, erst in einem oder vielleicht sogar drei Monden kann man das mit absoluter Sicherheit bestimmen. Allein... es gibt Wege - gerade dir als Magierin sind sie nicht verschlossen - oder sagen wir.. du würdest dich ihnen weniger verschließen. Diese Wege geben zuverlässig Auskunft. Jetzt und später."
"Was muß ich tun?" fragte ich leise.
"Hexenkreise... wir müssen Hexenkreide anwenden."
Hexenkreide? Ich zermarterte mir das Hirn, hatte aber nicht den geringsten Schimmer, was sie meinte.
"Ich habe nie davon gehört, mein Interesse lag immer auf der Elementarmagie und ihren Zusammenhängen," antwortete ich schwach.
Doch Jana klärte mich auf.
"Es handelt sich um ein altes, überliefertes Ritual aus grauer Vorzeit. Irgendwie schafft man es damit, die Aufmerksamkeit wohlwollender Geistwesen zu erlangen die jedes Leben erspüren können, auch ungeborenes Leben.
Die Hexenkreide wird während des Rituals auf den Bauch der Frau gestreut die geprüft werden soll, und dort kann sie bestimmen, ob die Frau trägt, und wenn nicht, ob sie jemals Kinder tragen wird."
Ich biß mir auf die Lippen. Hokuspokus, Geistwesen, Hexenwerk....
"Ich kann nicht drei Monate warten, Jana...."
Meine Antwort besiegelte mein Schicksal.
Kurze Zeit später fand ich mich an meinem Waschtisch wieder. Jana hatte überall die Vorhänge zugezogen und war mit Vorbereitungen beschäftigt. Volltönend drang ihre Stimme zu mir hinter den Vorhang:
"Frische Blüte, Jungfraus Zier, zu dem Ei - Geister, hier!"
Eidotter und Blüten brutzelten auf einem Löffel über einer Kerzenflamme.
"Sieben Kinder hat die Hex, kriegt diese keins, sind's nur noch sechs!
Sechse sind der Hexe Kinder, kriegt diese keins, ist's eines minder!"
Der Geruch nach verkohltem Eidotter, vermischt mit Blütenblättern durch den Raum und ich griff entschlossen nach einem Handtuch, in das ich mich einwickelte.
"Fünf Balgen rangen im Hexenhaus, kriegt diese keins, fliegt eines raus."
Ich legte den Schwamm beiseite und begann mich abzutrocknen.
"Vier Kinder hatte die Hexe Hon, kriegt diese hier keins, macht sich eins davon!"
Frisch gewaschen trat ich zurück vor den Vorhang und sah zu der Medica hinüber.
"Drei Kinder wollten die Hexe sehen, kriegt diese keins, muß eines gehen!"
Still folgte ich dem Beschwörungsgerede meiner Freundin. In meinen Ohren klangen ihre Worte sonderbar und ich schüttelte kurz den Kopf, um das dunkle, tiefe Dröhnen, das sich kaum merklich unter den Klang des Liedes gemischt hatte, loszuwerden.
Als sich Jana nun zu mir umdrehte und auf das weiße Laken auf dem Boden deutete, ließ ich das Handtuch fallen und trat in den "Bannkreis". Wie geheißen stach ich mir mit einer silbernen Nadel in den Finger, der Tropfen Blut fiel auf den Löffel mit dem verkohlten Eidotter, den Jana mir hinhielt. Über der Kerzenflamme verkohlte sie dann den Rest.
"Zwei Kinder für die Hexenzunft, kriegt diese keins, ruf Euch die Brunft."
Ich schlang mit die Arme um den Oberkörper.
"Macht neue Kinder für die Hexen, Hexen, Hexen, Schwestern, Reigen...."
Der Rest des Satzes ging für mich in einem unverständlichen Gebrabbel unter.
"Kriegt diese aber gar kein Kind, so zeigt, Ihr Geister - so zeigt, Ihr Geister, das geschwind!"
Mit diesen Worten umrundete sie mich. Tapfer unterdrückte ich das aufkommende Unbehagen und schüttelte erneut den Kopf, um diesen unterschwelligen, dumpfen Klang endlich loszuwerden. Dann nahm mich das Geschehen wieder ganz gefangen.
Ich erinnerte mich später nicht mehr wirklich, was eigentlich geschehen war. Es schien, als hätte ein wahrer Geisternebel eine deutliche Erinnerung überdeckt und verschleiert, so daß sich mir jeder direktere Gedanke entzog. Ich wußte noch, daß ich folgsam eine Vision Calors vor meinem inneren Augen heraufbeschworen hatte, wußte, daß mir furchtbar warm geworden war und mir schließlich die Beine wegsacken wollte, daß mich irgendwer gehalten und ich mich schließlich auf dem Laken liegend wiedergefunden hatte. Ich fühlte mich angenehm erschöpft und berauscht und es dauerte einen Moment, bis ich Janas Worten folgen konnte:
"Wenn du wieder kannst, schlag die Augen auf, meine lange Blonde und schau auf deinen Bauch. Die Geister haben gesprochen - du bist nicht schwanger."
"Oh..." machte ich nur etwas zittrig und wußte im ersten Moment nicht, ob ich das nun gut oder schlecht fand. Doch dann machte sich grenzenlose Erleichterung in mir breit. Doch viel Zeit zur Entspannung blieb mir nicht, denn Jana nötigte mich freundlich aber bestimmt, aufzustehen.
"Jetzt solltest du das Geisterzeichen mit einem Guß Quellwasser abwaschen. Du hast nun deine Botschaft, aber sie ist Teil der Geisterwelt, sagen die Hexen und die Geisterwelt soll nicht zu lang in der unseren verbleiben."
Ich folgte, angenehm erschöpft, zittrig und erleichert und hüllte mich, nachdem ich das Zeichen sorgfältig abgewaschen hatte, in eine weiche Robe ein. Dankbar lächelte ich meiner Freundin zu, die derweil die Utensilien weggeräumt hatte und mich nun sanft, aber bestimmt ins Bett schickte.
"Dein Mann ist nicht da, also muß ich dich zudecken."
Ich kuschelte mich in die Decken.
"Schlaf gut, Sturmvogel...."
Ich unterdrückte ein Gähnen und nickte folgsam.
"Und süße Träume, Nordwindstochter."
Irgendwo hatte ich diesen Satz schon einmal gehört - doch bevor ich mir darüber klar werden konnte, wo das gewesen war, hatte mich der Schlaf übermannt.
Ich stand vor der Waschschüssel und legte den nassen Schwamm beiseite. Immer noch nichts. Ich war seit acht Tagen überfällig und allmählich begann ich mir ernsthafte Sorgen zu machen. Es war für mich und meine Vorstellung von Moral und Anstand absolut undenkbar, meinem geliebten Freund einen Bastard anzuhängen - noch dazu bei Calors gesellschaftlicher Position.
Unmöglich.
Seit das Mondbluten ausgeblieben war und ich mich siedend heiß daran erinnert hatte, daß ich zweimal in meinen Vorkehrungen schlampig gewesen war, hatte ich mir unzählige Male die Frage gestellt: Was, wenn doch? Ich liebte Calor von Herzen, doch an Kinder hatte ich noch nie gedacht. Für mich war es ganz selbstverständlich gewesen, dafür erst einmal verheiratet zu sein!
Unmöglich - was für eine unvorstellbare Situation.
So hoch studiert ich auch sein mochte, so selbstverständlich mir magische Beschwörungsformeln von den Lippen gingen, ich Elementargeister rief oder Blitze schleuderte - von Schwangerschaften hatte ich reichlich wenig Ahnung. Der Gedanke, mich ausgerechnet Rika anzuvertrauen, die ihren Bruder über alles liebte und stehts auf sein Wohl bedacht war, verursachte mir ein flaues Gefühl in der Magengrube. Natürlich wußte ich, daß die studierte Medica darüber Bescheid wußte, was Mann und Frau zwischen den Bettlaken trieben und mehr als einmal hatte ich sie von Schwangerschaften bei Mensch und Tier berichten hören, doch das hier war etwas anderes. Vielleicht trug ich das Kind, daß sie sich immer gewünscht hatte?
Mir wurde schlecht und ich beschloß, meine Gedanken in diese Richtung nicht mehr weiter schweifen zu lassen.
Und dann fiel mir Jana ein.
Jana, meine alte Schulfreundin, hatte ich vor einigen Wochen überraschend in Bajard wiedergetroffen. Ich freute mich herzlich, sie zu sehen und vernahm mit großer Bewunderung und Anteilnahme, daß sie tatsächlich den Weg der Medica eingeschlagen hatte. Heute Abend würde sie hoffentlich schon in Varuna auf mich warten.
Ich warf einen Blick gen Himmel und fluchte leise, als ich wieder einmal zu spät dran war, doch glücklicherweise traf ich sie bei den Weinschenks noch an. Dort, am Kamin sitzend, hatte sie den üblichen Glühwein vor sich und wirkte auf mich so beruhigend wie ein Fels in der Brandung. Mit fliegenden Schritten war ich bei ihr und schließlich brachte ich es auch über mich, ihr vom Grund meines dringenden Wunsches nach einem Treffen zu berichten.
"Bin ich schwanger?!"
Die Frage schwebte für mich groß, dunkel und bedrohlich im Raum.
Die Freundin war wie immer gefaßt und umsichtig und natürlich hatte sie recht, daß ein privaterer Rahmen für derlei Dinge der geeignetere sei. Kurzerhand ludt ich sie in mein Stadthaus ein - und war nicht das erste Mal froh darüber, daß mein Häuschen im hintersten Winkel Varunas lag, geborgen im Schutz der Stadtmauern.
Mir schlug das Herz im Halse und dennoch konnte ich mir niemanden vorstellen, den ich im Moment lieber bei mir hätte als Jana. Ich bot ihr einen Stuhl an meinem kleinen Tischchen im Obergeschoß an, dann stellte ich mich tapfer ihren Fragen.
Ob ich besonderen Appetit auf Obst oder Milch hätte, ob mir übel wäre, ob mein Bauch weicher geworden wäre... weicher, nicht dicker.... überlege Finja, überlege genau....
Ich hangelte mich von Frage zu Frage, gab Antwort um Antwort, mal hoffnungsvoll, mal ängstlich aufgeregt.
Schließlich klatschte Jana in die Hände:
"Herzlichen Glückwunsch, Ihr seit nicht schwanger, Arcomaga."
Einen Moment fragte ich mich unwillkürlich, ob man den Stein wohl hören konnte, der mir da vom Herzen fiel - doch Janas nächster Satz türmte gleich ein neues Gebirge auf.
"Aber man müßte schon ein wirklicher Hexer sein um dir das in so einer frühen Zeit mit Sicherheit sagen zu wollen."
Ich wurde blaß.
"Also kann es doch noch immer sein, daß ich schwanger bin?"
"Ja, erst in einem oder vielleicht sogar drei Monden kann man das mit absoluter Sicherheit bestimmen. Allein... es gibt Wege - gerade dir als Magierin sind sie nicht verschlossen - oder sagen wir.. du würdest dich ihnen weniger verschließen. Diese Wege geben zuverlässig Auskunft. Jetzt und später."
"Was muß ich tun?" fragte ich leise.
"Hexenkreise... wir müssen Hexenkreide anwenden."
Hexenkreide? Ich zermarterte mir das Hirn, hatte aber nicht den geringsten Schimmer, was sie meinte.
"Ich habe nie davon gehört, mein Interesse lag immer auf der Elementarmagie und ihren Zusammenhängen," antwortete ich schwach.
Doch Jana klärte mich auf.
"Es handelt sich um ein altes, überliefertes Ritual aus grauer Vorzeit. Irgendwie schafft man es damit, die Aufmerksamkeit wohlwollender Geistwesen zu erlangen die jedes Leben erspüren können, auch ungeborenes Leben.
Die Hexenkreide wird während des Rituals auf den Bauch der Frau gestreut die geprüft werden soll, und dort kann sie bestimmen, ob die Frau trägt, und wenn nicht, ob sie jemals Kinder tragen wird."
Ich biß mir auf die Lippen. Hokuspokus, Geistwesen, Hexenwerk....
"Ich kann nicht drei Monate warten, Jana...."
Meine Antwort besiegelte mein Schicksal.
Kurze Zeit später fand ich mich an meinem Waschtisch wieder. Jana hatte überall die Vorhänge zugezogen und war mit Vorbereitungen beschäftigt. Volltönend drang ihre Stimme zu mir hinter den Vorhang:
"Frische Blüte, Jungfraus Zier, zu dem Ei - Geister, hier!"
Eidotter und Blüten brutzelten auf einem Löffel über einer Kerzenflamme.
"Sieben Kinder hat die Hex, kriegt diese keins, sind's nur noch sechs!
Sechse sind der Hexe Kinder, kriegt diese keins, ist's eines minder!"
Der Geruch nach verkohltem Eidotter, vermischt mit Blütenblättern durch den Raum und ich griff entschlossen nach einem Handtuch, in das ich mich einwickelte.
"Fünf Balgen rangen im Hexenhaus, kriegt diese keins, fliegt eines raus."
Ich legte den Schwamm beiseite und begann mich abzutrocknen.
"Vier Kinder hatte die Hexe Hon, kriegt diese hier keins, macht sich eins davon!"
Frisch gewaschen trat ich zurück vor den Vorhang und sah zu der Medica hinüber.
"Drei Kinder wollten die Hexe sehen, kriegt diese keins, muß eines gehen!"
Still folgte ich dem Beschwörungsgerede meiner Freundin. In meinen Ohren klangen ihre Worte sonderbar und ich schüttelte kurz den Kopf, um das dunkle, tiefe Dröhnen, das sich kaum merklich unter den Klang des Liedes gemischt hatte, loszuwerden.
Als sich Jana nun zu mir umdrehte und auf das weiße Laken auf dem Boden deutete, ließ ich das Handtuch fallen und trat in den "Bannkreis". Wie geheißen stach ich mir mit einer silbernen Nadel in den Finger, der Tropfen Blut fiel auf den Löffel mit dem verkohlten Eidotter, den Jana mir hinhielt. Über der Kerzenflamme verkohlte sie dann den Rest.
"Zwei Kinder für die Hexenzunft, kriegt diese keins, ruf Euch die Brunft."
Ich schlang mit die Arme um den Oberkörper.
"Macht neue Kinder für die Hexen, Hexen, Hexen, Schwestern, Reigen...."
Der Rest des Satzes ging für mich in einem unverständlichen Gebrabbel unter.
"Kriegt diese aber gar kein Kind, so zeigt, Ihr Geister - so zeigt, Ihr Geister, das geschwind!"
Mit diesen Worten umrundete sie mich. Tapfer unterdrückte ich das aufkommende Unbehagen und schüttelte erneut den Kopf, um diesen unterschwelligen, dumpfen Klang endlich loszuwerden. Dann nahm mich das Geschehen wieder ganz gefangen.
Ich erinnerte mich später nicht mehr wirklich, was eigentlich geschehen war. Es schien, als hätte ein wahrer Geisternebel eine deutliche Erinnerung überdeckt und verschleiert, so daß sich mir jeder direktere Gedanke entzog. Ich wußte noch, daß ich folgsam eine Vision Calors vor meinem inneren Augen heraufbeschworen hatte, wußte, daß mir furchtbar warm geworden war und mir schließlich die Beine wegsacken wollte, daß mich irgendwer gehalten und ich mich schließlich auf dem Laken liegend wiedergefunden hatte. Ich fühlte mich angenehm erschöpft und berauscht und es dauerte einen Moment, bis ich Janas Worten folgen konnte:
"Wenn du wieder kannst, schlag die Augen auf, meine lange Blonde und schau auf deinen Bauch. Die Geister haben gesprochen - du bist nicht schwanger."
"Oh..." machte ich nur etwas zittrig und wußte im ersten Moment nicht, ob ich das nun gut oder schlecht fand. Doch dann machte sich grenzenlose Erleichterung in mir breit. Doch viel Zeit zur Entspannung blieb mir nicht, denn Jana nötigte mich freundlich aber bestimmt, aufzustehen.
"Jetzt solltest du das Geisterzeichen mit einem Guß Quellwasser abwaschen. Du hast nun deine Botschaft, aber sie ist Teil der Geisterwelt, sagen die Hexen und die Geisterwelt soll nicht zu lang in der unseren verbleiben."
Ich folgte, angenehm erschöpft, zittrig und erleichert und hüllte mich, nachdem ich das Zeichen sorgfältig abgewaschen hatte, in eine weiche Robe ein. Dankbar lächelte ich meiner Freundin zu, die derweil die Utensilien weggeräumt hatte und mich nun sanft, aber bestimmt ins Bett schickte.
"Dein Mann ist nicht da, also muß ich dich zudecken."
Ich kuschelte mich in die Decken.
"Schlaf gut, Sturmvogel...."
Ich unterdrückte ein Gähnen und nickte folgsam.
"Und süße Träume, Nordwindstochter."
Irgendwo hatte ich diesen Satz schon einmal gehört - doch bevor ich mir darüber klar werden konnte, wo das gewesen war, hatte mich der Schlaf übermannt.