Arvanya – Schritte in das echte Leben
Verfasst: Donnerstag 5. April 2007, 11:29
Morgendliches Übel
Rau fühlte sich der körnige Sand auf dem ausgeschütteten Wege an, der unter Arvanyas nackten Füßen knirschte. Kleine Wirbel bildeten sich bei jedem ihrer zaghaften Schritte und hatten unlängst ihre Füße mit einer grauen Schicht bedeckt, in der nur noch winzige helle Flecken an die ursprüngliche Hautfarbe erinnerten.
Arvanya fühlte sich elend. In ihrem Kopf surrte und summte es wie in einem Wespennest und die Strahlen der aufgehenden Sonne brachte sie zum Blinzeln und verursachte ihr Schmerzen anstatt sie zu erfreuen. In ihrem Bauch grollte und gluckerte es, der leere Magen verlangte nach etwas zu Essen und vor allem etwas zu Trinken. Nur wenige Schritte von sich entfernt nahm Arvanya einen mit glänzenden Früchten beladenen Baum wahr. Verführerisch, lockend und über den Zaun vor sich hinweg lügend, raffte sie all' ihre Kraft zusammen und befahl den schweren und zugleich schwachen Beinen sich zu bewegen. Meter um Meter kam sie dem Objekt der hungrigen Begierde näher, ihr Magen feuerte sie mit stetigem Glucksen und Knurren an.
Doch dann, oh nein, nicht schon wieder! Arvanya fühlte wie sich alles in ihrem Bauch nach oben hob, wie die giftige Galle in ihren Hals hinauf schoss, ihren Mund ausfüllte und an ihren geschlossenen Lippen pochte. Die Lippen brachen, öffneten sich und Arvanya erbrach sich schwallartig auf den Erdboden. Zittrig und erschöpft von dem erneuten Flüssigkeitsverlust patschte sie mit ihren Händen nach dem Zaun. Er musste in unmittelbarer Nähe sein! Ja, da war er! Die Finger krallten sich krampfartig um die hölzerne Latte, ungeachtet der kleinen Splitter die sich in die Haut bohrten. Schwärze vor den Augen, immer diese verdammte Schwärze!
Plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter. Nicht erdrückend, viel mehr beistehend. Eine weitere Hand, die sie vom Zaun wegführte und sie auf eine Bank drückte. Unterdessen die Stimme einer Frau, weit entfernt klingend und vom Rauschen in Arvanyas Kopf übertönt. Ja, im Sitzen wurde es langsam besser, die dunklen Flecke im Blickfeld verschwanden wieder.
„Ich stehe täglich mit meinen Füßen im Kuhmist, das geht schon", entgegnete die Führerin der helfenden Hände auf Arvanyas stammelnde Entschuldigung, dass sie ihr Gut beschmutzt habe. Mit den viel zu langen und zu weiten Robenärmeln wischte sie sich über die Mundwinkel.
„Habt ihr etwas falsches gegessen?“, kam die Nachfrage der ehrlich besorgt scheinenden Frau, welche sich zuvor noch als Emma vorgestellt hatte. Im ersten Affekt den Kopf schüttelnd, sich dann jedoch zu einem Nicken um entscheidend, war Emmas Verdacht geweckt.
„Ja oder nein, ihr solltet euch schon entscheiden!“. Die Stirn zu einem skeptischen Runzeln verzogen, spürte Arvanya Emmas zweifelnden Blick auf sich. Sie vergrub ihr Gesicht zwischen den Händen, in der Hoffnung, dass Emma es damit auf sich beruhen ließe. Doch hatte sie sich getäuscht, denn Emma stellte nun ihre ganz eigene These über den Zustand des Mädchens auf. Entweder habe sie sich eine Magenverstimmung zugezogen oder aber sie sei guter Hoffnung!
Arvanya erstarrte ob letzterer Vermutung und lieferte Emma wahrscheinlich genau dadurch ungewollt den Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie. Jedoch ließ sich Arvanya nicht davon abhalten dies zu bestreiten und schob es stattdessen mit heftiger Untermalung mittels Stimme und Gestik auf die Tatsache schon lange nichts mehr gegessen zu haben. Was natürlich auch ein Teil der Wahrheit war.
Emmas Schmunzeln sprach Bände ob der Erklärungsversuche Arvanyas, jedoch ließ sie davon ab sie weiter zu bedrängen und willigte vorerst in ihre Version ein. „Na, wenn ihr so lange schon nichts mehr zu essen gehabt habt, dann habt ihr sicher nichts gegen eine kräftige Brühe einzuwenden. Und einen Eimer bringe ich euch auch gleich mit!“
[...]
Rau fühlte sich der körnige Sand auf dem ausgeschütteten Wege an, der unter Arvanyas nackten Füßen knirschte. Kleine Wirbel bildeten sich bei jedem ihrer zaghaften Schritte und hatten unlängst ihre Füße mit einer grauen Schicht bedeckt, in der nur noch winzige helle Flecken an die ursprüngliche Hautfarbe erinnerten.
Arvanya fühlte sich elend. In ihrem Kopf surrte und summte es wie in einem Wespennest und die Strahlen der aufgehenden Sonne brachte sie zum Blinzeln und verursachte ihr Schmerzen anstatt sie zu erfreuen. In ihrem Bauch grollte und gluckerte es, der leere Magen verlangte nach etwas zu Essen und vor allem etwas zu Trinken. Nur wenige Schritte von sich entfernt nahm Arvanya einen mit glänzenden Früchten beladenen Baum wahr. Verführerisch, lockend und über den Zaun vor sich hinweg lügend, raffte sie all' ihre Kraft zusammen und befahl den schweren und zugleich schwachen Beinen sich zu bewegen. Meter um Meter kam sie dem Objekt der hungrigen Begierde näher, ihr Magen feuerte sie mit stetigem Glucksen und Knurren an.
Doch dann, oh nein, nicht schon wieder! Arvanya fühlte wie sich alles in ihrem Bauch nach oben hob, wie die giftige Galle in ihren Hals hinauf schoss, ihren Mund ausfüllte und an ihren geschlossenen Lippen pochte. Die Lippen brachen, öffneten sich und Arvanya erbrach sich schwallartig auf den Erdboden. Zittrig und erschöpft von dem erneuten Flüssigkeitsverlust patschte sie mit ihren Händen nach dem Zaun. Er musste in unmittelbarer Nähe sein! Ja, da war er! Die Finger krallten sich krampfartig um die hölzerne Latte, ungeachtet der kleinen Splitter die sich in die Haut bohrten. Schwärze vor den Augen, immer diese verdammte Schwärze!
Plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter. Nicht erdrückend, viel mehr beistehend. Eine weitere Hand, die sie vom Zaun wegführte und sie auf eine Bank drückte. Unterdessen die Stimme einer Frau, weit entfernt klingend und vom Rauschen in Arvanyas Kopf übertönt. Ja, im Sitzen wurde es langsam besser, die dunklen Flecke im Blickfeld verschwanden wieder.
„Ich stehe täglich mit meinen Füßen im Kuhmist, das geht schon", entgegnete die Führerin der helfenden Hände auf Arvanyas stammelnde Entschuldigung, dass sie ihr Gut beschmutzt habe. Mit den viel zu langen und zu weiten Robenärmeln wischte sie sich über die Mundwinkel.
„Habt ihr etwas falsches gegessen?“, kam die Nachfrage der ehrlich besorgt scheinenden Frau, welche sich zuvor noch als Emma vorgestellt hatte. Im ersten Affekt den Kopf schüttelnd, sich dann jedoch zu einem Nicken um entscheidend, war Emmas Verdacht geweckt.
„Ja oder nein, ihr solltet euch schon entscheiden!“. Die Stirn zu einem skeptischen Runzeln verzogen, spürte Arvanya Emmas zweifelnden Blick auf sich. Sie vergrub ihr Gesicht zwischen den Händen, in der Hoffnung, dass Emma es damit auf sich beruhen ließe. Doch hatte sie sich getäuscht, denn Emma stellte nun ihre ganz eigene These über den Zustand des Mädchens auf. Entweder habe sie sich eine Magenverstimmung zugezogen oder aber sie sei guter Hoffnung!
Arvanya erstarrte ob letzterer Vermutung und lieferte Emma wahrscheinlich genau dadurch ungewollt den Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie. Jedoch ließ sich Arvanya nicht davon abhalten dies zu bestreiten und schob es stattdessen mit heftiger Untermalung mittels Stimme und Gestik auf die Tatsache schon lange nichts mehr gegessen zu haben. Was natürlich auch ein Teil der Wahrheit war.
Emmas Schmunzeln sprach Bände ob der Erklärungsversuche Arvanyas, jedoch ließ sie davon ab sie weiter zu bedrängen und willigte vorerst in ihre Version ein. „Na, wenn ihr so lange schon nichts mehr zu essen gehabt habt, dann habt ihr sicher nichts gegen eine kräftige Brühe einzuwenden. Und einen Eimer bringe ich euch auch gleich mit!“
[...]