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Verloren in der Hoffnung

Verfasst: Mittwoch 28. März 2007, 02:24
von Lauriel i´thor
I Ein lebendes Gemälde

Das Bild war keineswegs ungewöhnlich. Lauriel saß an einem alten, mächtig wirkenden Baum, einer von vielen, und liess das sperrliche Licht der Abendsonne, unterbrochen vom Laubwerk des Baumes, auf sein blassgrünes Gesicht fallen. Mit jedem Blatt mag er wohl eine andere Erinnerung asozieren, doch die Geschichte, welche einst an genau diesem Ort statt fand, steht in einem anderen Buch.
So saß er da, die Beine angewinkelt, fest von den Armen umschlungen und der Kopf lag unsanft auf seinen Knien.
Doch trügerisch ist das Bild. Denn betrachtet man das lebendige Gemälde eines Waldelfen nicht rein äußerlich, sondern hinterfragt alles, sei es sein trüber Blick, seine Haltung oder sogar seine Gedanken, so wird man mehr über ihn erfahren.
Man kann dem Bild also viele Namen geben, es kommt lediglich darauf an wie man es betrachtet, doch steht eines fest – Die Hintergedanke des Künstlers. Über diesen lässt sich nicht diskutieren, denn es gab einen Gedanken bei dem Malen des Bildes und eben dieser steht fest.
Was dachte sich also der Künstler bei diesem Bild?

Sitzt dort ein Waldelf, der sich gerade bemüht eins mit der Natur zu werden, sie gänzlich aufzusaugen und alles Leben so intensiv zu spüren, wie es kaum einem vor ihm gelungen ist?
Liegt dort nurnoch eine leere Hülle eines längst verstorbenen Waldelfen, dessen Geist gerade den ersten Schritt auf die Sterne antritt und sich bemüht das Ende des ewigen Weges zum Paradies zu finden?
Sieht man einen einsamen Waldelfen, der keinerlei Zugehörigkeit mehr empfindet und einfach irgendwelche Gedanken spinnt, die mal etwas ändern könnten?

Der beste und auch einfachste Weg genau das herauszufinden, wäre wohl, wenn man den Künstler einfach selber fragen würde. Allerdings kann es eine Weile dauern, bis sich der Künstler nach außen öffnet und die Geschichte des Bildes oder auch seine Geschichte dem begeisterten Zuschauer offenbart.

Verfasst: Mittwoch 28. März 2007, 17:03
von Shiya´fen (zu loeschen!)
Seit Tagen sucht Shiya’fen immer wieder jene Lichtung auf, die dieses fahle Gemälde zeigt und seit Tagen findet sie dasselbe Bild. Auch sie schwebt beim Beobachten dieses Baumes in Erinnerungen. War es doch jener Elf der nun zusammengekauert dieses trügerische Bild zeigt, welcher sie genau unter jenem Baum zum ersten Mal sah und war es auch Lauriel der sie aus den dunklen Ketten ihrer Vergangenheit befreite.

Auch im heutigen Zwielicht der untergehenden Sonne sitzt Shiya’fen im feuchten, weichen Moos des Waldbodens am Rande der Lichtung. Ihr Blick von Mitleid getrübt auf diesem dämmerigen Bild ruhend. Ist es die Verlassenheit, die Einsamkeit und die Not, die dieser Elf in sich trägt, welche auch Shiya’fen berührt. "Einsamkeit ist die Belästigung durch sich selbst." Wurde ihr immer wieder gesagt. Augenblicke des schweigenden Beobachtens vergehen, traut Shiya’fen sich doch nicht ihn anzusprechen. Bis ein Schmetterling vom milden Frühlingswind tanzend zu ihr getragen wird. Shiya’fen streckt langsam ihren Zeigfinger nach ihm, worauf dieser mit seinen sanften Flügelschlägen zu dem ausgestreckten Finger gleitet. Mit selbem betrübtem Blick schaut Shiya’fen auf den Schmetterling, welcher auf ihrem feingliederigen Finger ruht. Langsam öffnet und schließt der Schmetterling immer wieder seine Flügel, um seine volle Farbenpracht zu zeigen. Ein kurzes Lächlen schleicht bei diesem Anblick über Shiya’fen doch wird es sogleich auch wieder von der Stimmung des Mitleids unterdrückt. Zeigt der Schmetterling ihr doch sein schönstes Kleid, geziert von feinsten Mustern, geschmückt in allen Farben. Ihr Blick ruht eine ganze Weile und bestaunt diese Schönheit.

"Oh hübsche kleine Seltsamkeit, schau nur wie verloren, wie verlassen er seit Tagen hier verweilt, umwoben nur von seinen Gedanken, gefesselt von Einsamkeit. Oh hilf mir, im zu helfen, hilf mir mit ihm zu sprechen."

Mit diesen Worten streckt Shiya’fen ihre Hand in Lauriels Richtung und der Schmetterling hebt mit sanftem Flügelschlag ab.

Verfasst: Mittwoch 28. März 2007, 17:32
von Lauriel i´thor
So fand der Schmetterling ohne große Umwege den Weg direkt auf den Kopf von Lauriel. Für einen Moment schreckte der Elf auf, als er das Kitzeln am Hinterkopf spürte, und der Schmetterling erhob sich sogleich wieder, nur um sich dann erneut auf dem linken Knie Lauriels niederzulassen.
Zögerlich streckte er den Finger in Richtung des Insektes aus, als wolle er es streicheln, doch dann begann er zu sprechen.

Na du kleines Wesen. Was hat man dir angetan, dass du nicht mehr durch die Lüfte tanzen willst. Wer hat dir all deine Farben genommen, in die dich das Lied des Waldes getränkt hat. Seit wann sind deine Muster so schlicht und trist.
Magst du mir es nicht sagen?


Lange Zeit betrachtete er die Erscheinung noch eindringlich, als erwarte er weiterhin eine Antwort, doch kein Deut, keine Reaktion war zu sehen. Kein Hauch eines Hinweises.
Es wirkte fast so, als hätte jemand das Bild, das Spiel direkt um den Baum herum eingefroren, und alles andere würde weiter seinen Lebensweg betreten. Doch dann, aus dem Nichts heraus, ohne jede Vorwarnung, erhob sich der Schmetterling in die Lüfte. Nicht lange stand er unmittelbar vor Lauriel in der Luft, bis er sich wieder in rege Bewegung begab und sich den Weg zurück gen Shiya’Fen bahnte.
Lauriel musste blind gewesen sein, denn nur für wenige Sekunden bemerkte er die hellblauen Augen die samt Körper in das Moos am Rande der Lichtung eingebettet waren.
So verharrte er wieder in seiner einstigen Position, die Beine angewinkelt, mit den Armen umschlungen, einfach nur darauf wartend bis irgendetwas ihn befreien würde.

Verfasst: Mittwoch 28. März 2007, 22:05
von Shiya´fen (zu loeschen!)
II Quälende Worte

Shiya’fens Blick folgte dem Insekt bis auf ihre linke Hand und ruht anschließend länger auf dem Schmetterling. Wieder spreizt er seine Flügel aus und zeigt seinen prächtigen Farbenmantel. Sieht sie doch dieselbe wunderschöne Seltsamkeit die sie zu Lauriel sendete. Dann wandert ihr Blick wieder auf den zusammengekauerten Elfen in dem wilden Geäst der Eiche. Shiya’fen erhebt sich gemächlich und geht mit ihren unbewusst eleganten Schritten auf den Baum zu während der Schmetterling immer noch auf ihrer Hand ruht. Kurz hält sie inne und legt ihre rechte Hand sanft auf die Eichenrinde des alten Baumes. Ihren Blick empor gehoben, in das zwielichtumspielte Geäst wo Lauriel sass, verharrt sie wenige Augenblicke. Dann streckt sie ihre linke Hand mit dem Schmetterling zu ihm hoch und fragt leise.

"Warum siehst du in ihm ein farbloses Wesen, warum soll jemand diesem Wunder etwas antun und ihm seine Farben nehmen? Wenn nicht du selbst in deinem Kummer, in deiner Einsamkeit ihm seine Pracht in deinen Augen genommen hast?
Lauriel was wurde dir angetan, was ist geschehen? Ist das doch nicht der Elf der mich in den Nebelwald führte, ist das doch nicht der Elf der mir wieder Hoffnung schenkte. Meine Lebensfreude wieder weckte und mich aus den Fesseln befreite. Doch könnte ich diese Lebensfreude nicht behalten, wenn du dafür deine aufgeben mustest.
Lauriel was ist geschehen?"

Verfasst: Mittwoch 28. März 2007, 22:56
von Lauriel i´thor
Als ob Lauriel vielleicht ahnen konnte dass ihn seit längerem jemand beobachtet hebt er nicht einmal den Kopf und verharrt weiter in dieser verzweifelten Haltung.

Vieles was einmal war ist vergangen doch etwas, dass wurde mir gelehrt, etwas soll für immer bleiben. Einiges hat sich geändert, schon bevor du zu uns gekommen bist. Das Versprechen, dich in eine Gemeinschaft zu führen, hat hier nicht weiter seine Gültigkeit. Ich selbst hör den Einklang nicht wieder, jener der für immer bewahrt sein sollte. Ich selbst verliere mich in der Einsamkeit, wie soll ich dich dann aus dieser retten? Wie kann ich dir eine Gemeinschaft versprechen, die ich selbst nicht hören kann? Vieles verbirgt sich vor mir, oder ich will vieles einfach nur nicht sehen. Langsam verliert alles an Leben, es wird trostloser als dein Schmetterling. Hier kann ich nicht länger verweilen. Nicht hier kann ich dieses Versprechen bergen, nicht hier lässt sich finden, was ein jeder gelernt hat zu schätzen und zu bewahren. Doch weiß ich nicht wohin hin ich soll, weiß ich nicht was ich tun soll.

Seine Stimme klang gebrochen. So zerrissen wie ein Klang nur sein kann. Die wenigen gesprochenen Worte mögen einem jeden Hörer einen tiefen Einblick in das Innere von Lauriel gewähren.

Verfasst: Donnerstag 29. März 2007, 01:12
von Shiya´fen (zu loeschen!)
Shiya’fen blickte erst ganz erschrocken zu Lauriel hoch, doch dann fiel ihr auf einmal auf, dass er dieses Versprechen doch schon vor einiger Zeit gegeben hatte. Und dennoch grüsst sie unbewusst alle in der Gemeinschaft immer noch mit “Sanya sa...“ – Ich grüsse dich an einem fremden Ort. Auch sie konnte keinen Einklang hören, auch sie fühlte sich immer noch fremd an diesem Ort und ihr wurde bewusst dass es immer noch die selbe Fremdheit ist, wie diese als sie das erste Mal in die verschiedenen Augen der Sippe blickte. Vielleicht traute sie sich dies in der Gemeinschaft nicht immer zu zeigen, vielleicht war es aber auch nur der große Wunsch das Lied der Sippe zu hören, dass sie es manchmal zu verbergen wusste.
Bestimmt hat Shiya’fen bereits wärmere Frühlinge erlebt und sie erwischte sich nicht selten dabei, wenn sie alleine bei dem Wolfsrudel war um dieses nur zu beobachten, stetig zu frösteln. Doch nun weiß sie, liegt dieses Frösteln nicht an den kälteren Frühlingstagen, viel mehr an ihrer Einsamkeit die sie versucht zu verbergen. Sie kann nicht sagen dass sie keine Wunder in der Sippenschaft erlebte, sei es das bezaubernde Lied der Nachtigall, welchem sie mit Shalaryl für Stunden lauschte, oder sei es die Umarmung eines Baumes, umwoben von den berauschenden Worten von Lamentinu. Sie konnte sich noch an einige andere erinnern, die Lauriel jedoch alle nicht miterleben konnte. Saß er doch immer in der selben Haltung auf dieser Eiche, getrübt und geknickt von Einsamkeit. Er musste einst dieses Lied deutlich gehört haben, doch auch ihm blieb es nun verborgen. Shiya’fen ist sich bewusst, dass es sehr lange dauern kann ein fremdes Lied einer fremden Gemeinschaft zu hören, doch kann sie die Hoffung dieses je zu hören weiter hegen, wenn Lauriel selbst es nicht mehr vernehmen konnte? Shiya’fen schien sich auch in den Fesseln der Gaukler immer mehr daran zu gewöhnt zu haben das bekannte Lied ihrer Sippe nicht zu hören, auch wenn sie es in jedem einzelnen Augenblick so vermisste. Was ihr vielleicht auch dabei half ihr stetiges Frösteln zu verbergen. War es aber doch auch einfach die Freude wieder frei im Wald alle Wunder bestaunen zu können die ihr dabei half.

Das Gestirn am Horizont schlich immer tiefer hinter die majestätischen Felsen von Ered Luin, der Schmetterling der bis vor Kurzem noch auf Shiya’fens Hand ruhte ist inzwischen auch wieder davon geschwebt und suchte seinen Ruheplatz auf. Auch die zwitschernden und werbenden Vögel, das bekannte Frühlingslied, waren verstummt. Die nächtliche Ruhe kehre in den Nebelwald und nur noch der Ruf einer Eule und das Zirpen der Grillen bereicherte dieses Schweigen.

“Lauriel, die Ruhe der Nacht kehrt ein und du wirst wie in den letzen Nächten nicht zurück in die Gemeinschaft wollen. Du wirst hier verweilen wie in den vergangenen Nächten.“

Shiya’fen lasst sich mit folgenden Worten langsam ins Moos unter der Eiche sinken, genau an jenen Ort wo sie bereits einmal geruht hatte. Doch etwas war anders, diesmal würde nicht Lauriel über sie wachen, fühlt sie sich doch verpflichtet in dieser Nacht an der Seite dieses zerbrechlichen Elfen zu bleiben.

Verfasst: Sonntag 1. April 2007, 21:32
von Lauriel i´thor
III Weisender Traum

Majestätisch baute sich der Adler am Rande seines Horstes auf und breitete seine mächtigen Flügel aus, als wolle er sein Revier verteidigen und anderen seine Größe zeigen. Völlig angespannt krallte er seine Fänge in die massive Nestbaute hinein und präsentierte seinen Brustkorb und sein glänzendes, braun farbendes Gefieder. Ein einziger Flügelschlag mit seinen Spannen reichte aus und er erhob sich ruckartig in luftige Höhen. Die anfängliche Körperspannung verfiel mit jedem Meter den er an Höhe gewann und so lies er sich auf der von schleierhaften Wolken durchzogenen Luft treiben. Mit einigem Abstand streifte er sanft über Berge, dessen Gipfel in Schnee getaucht waren. Unter ihm öffnete sich ein rießiger Wald, der durch seine Vielfalt an verschiedenen Bäumen bestach. Überall standen beherrschende Laubbäume, dessen Laubwerk sich über mehrere Meter erstreckte, verstreut über die ganze Fläche waren einige wenige Nadelbäume, die dafür um so pompöser erschienen, obwohl deren Belaubung weitaus weniger prunkvoller erschien.
Getrennt wurde der Wald lediglich von wenigen Seen und Teichen an denen sich manch Tiere versammelten und ihr Bedürfnis nach Wasser stillten.
Wie in Zeitlupte bewegten sich die ameisengroßen Tiere durch den Wald, jeder Schritt, jede Bewegung konnte der Adler mit seinen geschulten Augen genau beobachten. Hier und dort konnte er durch etwas sperrlich begrünte Bäume sogar den ein oder anderen Hirsch erkennen, der mit einem anderen um seine Machtposition zu kämpfen schien.
So langsam sich alles auf dem Boden abspielte, umso schneller wurde der Flug des Adlers. Der Wind peitschte um die zu einem Schlitz geöffneten Augen des prächtigen Tieres. Weit sollte sie ihn an diesem Tage noch tragen, doch verschwendete er keinen weiteren Gedanken mehr daran, denn wieder erspähte er ein Tier, dem er seine volle Aufmerksamkeit schenken wollte.
Ein Wolf lief nicht weit hinter ihm mit schnellen Schritten in seine Flugrichtung.

Verfasst: Freitag 13. April 2007, 08:02
von Merenwen Lissesul
IV Verloren im Wald

In nächtlicher Unruhe streifte sie durch die Wälder auf der Suche nach deren Melodien die ihr Leben vollkommen machte. Nur die Wächter des Waldes mögen erkennen was sich hinter der grazilen Gestalt eines Tieres verbirgt. Nur war es diesmal anders, war es sonst so springfreudig und voller Tatendrang sahen sie es müde und ohne Rast. Schon viel zu lange waren die Melodien verstummt, rückte die Gefahr stetig näher.

Verfasst: Mittwoch 12. September 2007, 22:50
von Shiya´fen (zu loeschen!)
V Reise ohne Gewissheit

Aus Tage wurden Wochen, aus Wochen Monate und immer noch kann man die zwei Lebewesen durch Wald und Wiese, über Berg und Hügel streifen sehen. Durch das unbekannte Land, durch das unwegsamste Gebiet sind sie gemeinsam gekommen und haben dabei viel gesehen und erlebt. Jedoch bleibt alles nur in einem Nebelschleier in ihren Erinnerungen, sind sie doch nicht bewusst diese Reise angetreten. Ist das Erlebte doch nur ein Traum oder ist die raue Rinde eines Baumes Gewissheit auf welche Shiya’fen gerade sanft ihre Handfläche auflegt und sind die tiefgrauen Wolken, welche bedrohlich am Himmelszelt hängen oder der süssliche Geruch wie vor einem Gewitter, Wirklichkeit. Tod, ohne jegliches grünes Blatt steht der Baum in einem tiefen unbekannten Wald. Knorrig und trocken reichen die tiefen Äste fast bis zum Waldboden, welcher von einem feuchten Moosbeet bedeckt wird. Bedächtig gleiten Shiya’fens Hände an der rissigen Rinde entlang und immer mehr umarmt sie den dicken Baumstamm, bis sie nahezu mit ihm verschmilzt. Shiya’fens drückt ihre linke Wange an den Laubbaum und langsam fliesst über diese eine Träne welche in einer tiefe Ritze in der Rinde versickert.
Eine erdrückende Stille vor dem Sturm macht sich breit, alles um die beiden Elfen verstummt und die Zeit scheint für einen kurzen Augenblick still zu stehen. Dann erhellen erste Blitze für nur einen Wimpernschlag die verdunkelte Umgebung und grosse Tropfen prasseln auf den Erdboden. Doch scheint der todgeglaubte Baum mit den ersten Tropfen zu frischem Leben erwacht. Hellgrüne frische Blätter spriessen aus den tiefhängenden Ästen und bilden ein schützendes Laubdach über den Elfen bis beide im dichten Laubwerk verschwinden und auch für ein geübtes Auge kaum ersichtlich sind.

Verfasst: Mittwoch 19. September 2007, 00:05
von Shiya´fen (zu loeschen!)
Zweite Gegenwart

Feucht liegt der Tau an diesem Morgen auf Moos und Stein. Fast schleichend erhebt sich das Gestirn am Horizont und taucht den Wald in einen goldenen Schimmer. Ein frischer Herbstwind raschelt an den bereits in Rot, Gelb und Braun gefärbten Laubblättern der Bäume.

Regungslos liegt Shiya’fen in einem weichen Moosbeet unter einem Baum. Ihr Gesicht wirkt fahl, weder mit Ausstrahlung noch mit jeglicher Mimik, eigentlich äußerst fremd für diese junge Waldelfe. Die Augen sind geschlossen und jeder einzelner Muskel völlig entspannt. Man könnte diesen zerbrechlichen Körper für leblos halten, wäre da nicht der regelmäßige, tiefe und ruhige Atem, der den Brustkorb langsam hebt und senkt. Doch wie vom einen Augenblick auf den anderen, sind Bewegungen unter ihren geschlossenen Augenliedern zu erahnen, als ob sie in tiefen Träumen liegen würde. Dann öffnet sie auf einmal schlagartig ihre Augen, doch ungewöhnlich stark geblendet von den ersten Sonnenstrahlen schließt sie diese sogleich wieder. Sie will die geblendeten Augen mit ihrem linken Arm reiben, doch kann sie diesen weder bewegen, geschweige denn heben. Erst nur schleichend doch schon bald unangenehm deutlich macht sich das Gefühl in ihrem ganzen Leib breit, als würden unzählige Ameisen durch jedes einzelne Glied krabbeln. Auch wenn sie mit noch so großem Wille versucht einen Arm zu bewegen, scheint der Wille dem Körper fremd. Das Gefühl der Hilflosigkeit kommt in ihr hoch. Jedoch liegt sie immer noch regungslos da, ohne ihrem Gefühl Ausdruck verleihen zu können, ausschließlich ihr hektisch werdender Atem lässt erahnen dass sie Furcht verspürt. Irgendwann lässt sie geschehen, was geschehen soll und entspannt sich wieder und verweilt weiter in der selbigen Haltung wie sie aufgewacht ist.

Es vergehen mehrere Stunden bis sie wieder die Augen öffnet und den Kopf zur Seite legt wo sie Lauriel erwartete, den sie die ganze Zeit an ihrer Seite glaubte. Doch dann der weitere Schreck, ist sie nicht unter jenem Baum den ihr letzte Nacht ein schützendes Laubdach vor dem Sturm bat. Liegt sie nicht in jehnem Moos welches ihr letze Nacht ein weiches Bett bot. Ist sie nicht an jehnem Ort wo sie glaubte eingeschlafen zu sein. Sie erkennt beim Blick in das wilde Geäst die alte Eiche wo sie vor Monaten ein fahles Bild vorfand. Das Laubwerk ist inzwischen in die verschiedensten Herbstfarben getaucht, jedoch ist es eindeutig dieser Baum an den sie einige Erinnerungen knüpft. Langsam richtet sie sich von dem weichen Moosteppich auf, doch immer noch fällt ihr jede Bewegung schwer und mit größter Anstrengung verbunden. Erst jetzt nimmt sie die veränderte Landschaft, gezeichnet von der Jahreszeit, wahr und ihr wird immer mehr bewusst dass sie wohl geschlafen haben muss. In der Traumwelt schwebte während die Tage, Wochen und Monate ins Land gezogen sein müssen. An das letzte wo sie sich deutlich erinnern konnte war das fahle Bild auf dieser Lichtung. Verschwommen war da noch das eine oder andere Bild einer endlosen Reise die bis weit in unbekannte Landschaften führte. Sie wusste innerlich dass sie mehr erlebte als bei einem gewöhnlichen Traum, manche Bilder waren fast zum greifen nahe und so plastisch wie sie diese nur aus der Wirklichkeit kennt. Ihr schien als hätte sie während der ganzen Zeit eine andere Gegenwart erlebt.

Die Ältesten haben ihr einst von dem reisenden Traum erzählt, wo der Körper nur noch eine Hülle sein soll und die Seele in ferne Welten zu reisen vermag. Noch nie erlebte Shiya’fen diesen Zustand zuvor und wird ihn wohl auch nie wieder erleben können, ist er bewusst nur den begabten Magiern vorenthalten. Doch erinnert sie sich noch an einen Elfen aus ihrer Kindheit der bereits seit mehreren Dekaden in der Traumwelt gefangen sein soll. Selbst die Ältesten konnten nicht sagen ob er je wieder aufwachen wird und seine Melodie zurück in seinen Körper finden wird. „Ob er derweil vielleicht aufgewacht ist?“ fragt sie sich. Doch sogleich schwindet diese Frage wieder und ihr Gesichtsausdruck wandelte sich von einem nachdenklichen zu einem besorgtem. „Lauriel, wo ist Lauriel?“ schießt es ihr durch den Kopf. Dann erhebt sie sich schleppend und fast noch schläfrig begebt sie sich auf den Weg zum Gemeinschaftsort der Waldelfen im Nebelwald...