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Edle Geschöpfe für ehrenvolles Sein

Verfasst: Donnerstag 15. März 2007, 08:57
von Rai´a Lalaith
Ruhig stand die zierliche junge Frau auf der Weide hinter der Adlerfeste.
Lange hatte sie jedes einzelne Pferd angesehen, lange jeden einzelnen Charakter herauskristallisiert.
Nun war es an der Zeit, die zarten und doch so starken Geschöpfe zu formen.
Rai’a ging auf jenen Hengst zu, den Rolosin ihr als erstes empfohlen hatte.
Die Schlachtrösser hatten eine beachtliche Größe und Statur, dennoch erschienen sie Rai’a, die ihnen eigentlich nichts an Kraft entgegensetzen konnte, leichtführig zu sein.
Den Blick vom Hengst abgewandt, näherte sie sich ihm mit einem süßliche duftendem Stück Apfel, er schnaubte ruhig, war er ihren Anblick seit Wochen schon gewöhnt.
Mit geübter, dennoch langsamer Handbewegung legte sie ihm das Lederhalter um, ihm dabei sanft zusprechen, ruhig ihren Rücken gegen seinen mächtigen Hals lehnend.
Mit einigen eigenen Windungen fand der Strick, der das Pferd hielt, in einem Haken halt.
Rai’a hatte sich jene Technik zu Nutze gemacht, da man den Strick im Notfall mit nur einem Handgriff wieder lösen konnte.
Es war ein wunderschöner Frühlingsmorgen, die Sonne brach soeben über den Horizont und der dampfende Atem Rai’as und der Pferde verlor sich langsam in den Sonnestrahlen.
Lange ließ sie sich für die Pflege des Hengstes Zeit, um Nähe und Berührungsängste zu nehmen, ihm das nötige Vertrauen zu geben.
Jede Erschütterung jenes Vertrauens konnte maßgebliche Schwächen entfachen, die für Pferd und Reiter tödlich enden konnten.
Das durfte Rai’a nie aus den Augen verlieren. Gewiss hatte sie die hohe Reitkunst auf dem Gestüt ihres Großvaters erlernt, doch Rai’a selbst bevorzugte eine freie Art des Reitens, ohne Sattel und manches Mal auch ohne Zaum.
Mansur war aber auch auf sie fixiert und musste nicht in den Krieg ziehen, oder Verbrecher einkreisen.
Seit Wochen schon kümmerte sie sich um die Pferde der Königlichen Kürassier und die Grundausbildung des einen Hengstes war bereits abgeschlossen.
Nun wollte Rai’a ihn auf das Leben als Schlachtross vorbereiten.
Ungewöhnlich schnell, mit lauter Stimme, hastigen Bewegungen warf sie den schweren Sattel auf den Hengst, der, sie lächelte, ruhig stehen blieb.
Ebenso hastig stieg sie auf, die Aufregung, die sie erzeugte, strahlte auf den Hengst über, der aufgeregt, aber doch kontrollierbar, zu tänzeln begann.
Er hatte genug Vertrauen zu ihr, um nun nicht in Unsicherheiten zu geraten.
Nun trieb sie ihn mit festem Schenkdruck gen Tor, manövrierte ihn so, dass sie das Tor vom Rücken des Pferdes öffnen und wieder schließen konnte.
Nun ritt sie im schnellen Tempo aus der Feste, ließ ihn erstmal im kontrollierten, versammelten Trab laufen, ehe sie an die Lichtung kam, die sie zuvor für dieses Training vorbereitet hatte.
Hier hatte sie wehende Bänder, Töpfe und Pfannen, die aneinander schlugen, aufgehängt, so dass sie ein bedrohliches Bild für jedes Fluchttier, wie es das Pferd war, boten.
Im passagierendem Schritt trieb sie den Hengst durch den „Pfad“ und sobald sie spürte, dass er aus der Situation auszubrechen suchte, hielt sie ihn mit festen Druck der Schenkel zusammen.
Nach wenigen Momenten hatte sich die wochenlange Phase des Vertrauensaufbaues bewährt und der Hengst ging, wenngleich noch jeder Muskel angespannt war, durch den bedrohlichen Weg.
Rai’a war sehr zufrieden und entließ den Hengst aus der Stresssituation, indem sie den langen weichen Waldweg entlang galoppierte, so dass er sich austoben und strecken konnte.
Den Weg zurück zur Adlerfeste ließ sie ihm am langen Zügel im Schritt auslaufen und als plötzlich eine kreischende Katze vor einem bellenden Hund, zwischen zwei Häusern hervorpreschte, zuckte der Hengst nicht mal zusammen. Rai’a lobte ihn zufrieden.
Sie hatte den ersten Teil der Ausbildung scheinbar bisher gut bestritten und schon bald wären die Pferde, die ehrenvollen Helfer, für ihre Aufgabe vorbereitet.
Auf der Weide angekommen, bekamen alle natürlich noch frische Äpfel und lobende Worte.
Bald wären sie soweit, dass man mit der hohen Schule beginnen könnte…
Rai’a sah noch eine Weile lächelnd auf die Weide, ehe sie sich auf den Weg nach Hause machte…