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[SQ] "Um einen Drachen zu wecken, nehme..."
Verfasst: Montag 12. März 2007, 03:20
von Der Erzähler
Die erste der Drachenschuppen
Prüfend glitten die Finger wieder über die feinen Linien und Konturen auf der hornigen Fläche. Sie war immer etwas warm. Immer, seit er sie entdeckt und diesem verwirrten Bastard abgenommen hatte. Kurz verengten sich die hellgrauen Augen.
Immer wieder nur die Ahnung, wozu sie gut sein mochte. Detailreiche Malereien an Höhlenwänden hatten eher wie ein Märchen ausgesehen damals, als wie ein Hinweis, aber er kannte das Schwert und seine Geschichte einfach zu gut, um den Namen und die Gestalt Gelmir Ancalimes leichtfertig abzutun.
Ein Drache war dort abgebildet gewesen, ein gewaltiger roter Drache. Und die Bilder hatten von einem Kampf erzählt, in dem absurderweise Elfen neben Zwergen kämpften. Die Malereien zeigten, wie der Drache sich auf einen Elfen gestürzt hatte, der das Schwert in der Hand hielt. Im Knauf der Waffe hatte ein Edelstein heller als alles andere gestrahlt.
Der Drache hatte das Schwert zersplittert und war doch im Kampf gestorben.
Vielleicht hätte er selber dies alles nicht mal für so wichtig gefunden. Aber der Bastard hatte es sich in den Kopf gesetzt, diese Schuppe zu erlangen und zu vernichten. Es war selten gewesen, daß sie so direkt aufeinanderstießen, daß es tatsächlich zum Kampf kam - und es hatte Leben gefordert. Schon deshalb behielt er die Schuppe. Wollte die Worte, die auf der kostbaren Stele darunter gestanden hatten, nicht so einfach für bedeutungslos für die Sache halten:
"Finde mich! Wecke mich!"
Was immer das heißen mochte. Wie auch immer das gehen sollte... er hatte bisher kaum Vergleichbares gefunden. Manchmal schien der Bastard erneut auf Spuren eines Drachen zu stoßen, doch er hütete seine Geheimnisse gut.
Aber die Schuppe war immernoch warm. Obwohl der Drache seit langen Jahren tot sein musste. Auf beiden Seiten waren diese Linien, wie eingebrannt in das Gebilde aus dickster Hornhaut. Manchmal hatte er das Gefühl, er könnte sie nachzeichnen, selbst wenn man sie ihm wegnähme.
Doch sie waren zu kompliziert.
Auf einer Seite Linien, die wie Schrift anmuteten, doch noch keine ihm bekannte Seele hatte sie lesen können.
Und auf der anderen Seite waren eher wirre Linien, ein paar sahen wie Ecken und Kanten aus, Markierungen, winzige Zahlen... eine unfertige Karte, wie er inzwischen vermutete.
Dazu hatten zwei Seitenkanten der Schuppe glatte Ränder, doch zwei hatten Einkerbungen und Ausbuchtungen, daß sie eher aussahen wie komplizierte Puzzlestücke.
Vielleicht würde sie irgendwann noch Sinn geben. Kurz schlossen sich die hellgrauen Augen, dann hüllte er seinen Schatz wieder in ein Tuch.
Verfasst: Mittwoch 21. März 2007, 18:43
von Tael Nemar
Als die Priesterin, die von einer derartigen Präsenz umgeben war, dass die Umgebung um sie durch und durch von Kra'thor zeugte, gerade so als schriee immerfort ein Seelenchor um sie herum seinen Namen, mit ihren Ausführungen über die vom Richter empfangende Vision geendet hatte, erklärte sich Tael bereit sich nach Menek'Ur auf den Weg zu machen, um dort in der Academia Leviathan nach Informationen über den Drachen zu suchen.
Als er den langen Gang durchquerte, wobei jeder Schritt an Wänden und Boden tausendfach widerhallte, durchfuhr ihn noch immer dieses starrgewordene Gefühl, ihm leibhaftig gegenüber gestanden zu haben. Ein zittriger Kerzenschein begleitete seinen Weg durch die kalten Katakomben, seine Bewegungen beinahe apatisch anmutend, während er immernoch Gedanken an das gerade Geschehene nachhing.
Diese Frau, die im ersten Moment freundlich und zuversichtlich anmuten mochte, war in Wirklichkeit - hatte man ersteinmal das flackernde Licht in ihren Augen bemerkt - von derart kalter, berechnender Ausstrahlung, wie er es in seinem Leben noch nie erlebt hatte.
Seine Gedanken verfingen sich in seiner Vergangenheit - weite Ausläufer irregeführter Gedanken, deren einiger Daseinszweck ihre blose Existenz sein mochte, klammerten sich unerbittlich an sein Bewusstsein und schlugen ihm damit seinen Verstand in Ketten. So wenig er es wollte, mit eben solcher Macht fand er sich im nächsten Moment inmitten seiner Gedanken an die Vergangenheit.
Eine weite Wiese... vom Wind gewogene Grashalme...
Eine Bauernhütte im Halblicht des Mondes...
Ein unruhiges Rauschen des nahen Stromes, den der Fluss, der am Hause vorbeiführte, bald hinter der Hütte hinabstürtzen sollte...
Ein ausdrucksloses Gesicht... kalt... erschrocken...
Tot
Als seine Gedanken ihre gnadenlosen Fesseln von ihm abnahmen, fand er sich bereits wieder auf der weiten Wiese vor dem Hügelgrab, wo inzwischen der Schnee der gefrässigen Wärme der Sonne zum Opfer fiel. Zielstrebig machte er sich sogleich auf nach Berchgard. Von dort würde sicher bald das nächste Händlerschiff nach Menek'Ur auslaufen, das dort dem Salzhandel nachgehen würde.
Der erste Kahn, der den Hafen verließ, trug die einsame Gestalt in der Braunen Robe am Bug. Der eisige Wind, der noch immer die See in seine unerbittlichen Griff gefangen hielt, war nichts im Vergleich zu dem, was er gefühlt hatte, als er in den Katakomben war.
Gerade als ihn wieder seine Gedanken zu überwältigen drohten, rüttelte eine Hand unsanft an seiner Schulter. Als er sich umsah, bemerkte er, dass er an der Reling herabgerutscht und auf dem Deck eingeschlafen war. Der Botsjunge hatte ihn geweckt, denn sie hatten das Ziel, den Hafen Menek'Urs, erreicht.
Nichteinmal die erdrückende Wärme, die allerzeit Menek'Ur beherrschte, konnte ihm die Gedanken an Kälte vertreiben, doch die Person, die auf ihn zutrat vermochte es. Der Wesir Fadi aus dem Hause der Yazir, der ihn hier empfing, war eine wahrlich gern gesehene Gestalt. Der Wesir hatte ihm, nachdem er sich aufs Pinibelste nach Taels Beweggruenden informiert hatte, die Erlaubnis erteilt, in der Bibliothek nach einem geeigneten Buch über die Drachen zu suchen.
Während der Wesir sich dem Berg von Gesuchen an die Akademie, der inzwischen eine bedenkliche Höhe angenommen hatte und verheissungsvoll schwangte, durchforstete Tael die Regale. Drachen schienen hier in jedem Werk vorzukommen, doch über das Wesen eben dieser Geschöpfe gab es nur wenige Bücher.
"Der Leviathan - der höchste aller Drachenwesen"...
"Von der Gründung der Academia Leviathan"...
"Diplomatie des Reiches Menek'Ur und der Weisen der Academia Leviathan"...
"Gründungschroniken Menek'Urs"
Wen interessierten derartige Bücher? Konnte jemand allen erstes Zeit darauf verwenden, soetwas zu lesen?
"Die Macht der Elemente: der Weg zum Wyvern"
Lange war es inzwischen hergewesen, dass er arkane Magie gewirkt hatte, ohne das Wissen auf abstruseste Weise im Namen Kra'thors zu pervertieren und für sich dienstbar zu machen...
"Feuer und Erde - die Dualität des Landes unter der Sonne"
Immer weiter wanderte sein Finger durch die Regale, den Kopf etwas schief geneigt, um die vielen bedeutungslosen Titel zu erhaschen. Und schließlich...
"Das Schwert und der Dunkeldrachen - wo Mythos und Wahrheit einen fließenden Übergang finden"
Sofort hatten sich seine Finger um den starken Buchrücken gekrallt und zogen ihn heraus.
Und so wanderte er auf den mit Kissen überfüllten Lesenplatz, am Wesir vorbei und ließ sich dort nieder....
Verfasst: Donnerstag 22. März 2007, 14:46
von Der Erzähler
"Das Schwert und der Dunkeldrachen - wo Mythos und Wahrheit einen fließenden Übergang finden"
Es war glatt Quälerei, sich durch dieses Buch zu arbeiten, obwohl es vom Umfang her weit davon entfernt war, einen Kampf gegen manch anderen wuchtigen Wälzer dieser Akademie bestehen zu können.
Doch offenbarte sich der Inhalt als recht wildes Sammelsurium von Mythen, Legenden, Erzählungen, sachlich wirkenden Abschnitten, die dann mit irrwitzigen Verknüpfungen gar zu Prophezeiungen überleiteten.
Einiges, was näheres Interesse wecken konnte oder sich aus der Erinnerung des Lesenden heraus später vielleicht als nützlich erweisen könnte:
"Des Drachen wahrer Name
Ansonsten eher aus dem Gebiet der Daimonologica bekannt ist es unbestritten Tatsache, daß Drachen neben einem Rufnamen, unter dem sie zuweilen bekannt werden mögen, einen 'wahren Namen' besitzen. Dieser ist in der den Drachen eigenen Sprache den Menschen meist viel zu komplex, um sinnvoll gebraucht werden zu können - wenn man ihn denn überhaupt aussprechen kann.
Es gehen Sagen, daß die Drachen mit Nennung ihres wahren Namens Zutritt zur Feenwelt gewährt bekommen, wie auch die Elfen, die...
... (wirres Gefasel) ...
Als gesichert darf allerdings gelten, daß dieser wahre Name Teil des eigenen Klanges jeden Drachens in Eluives Harmonie ist - und somit über die Magie ermöglicht, einen Drachen damit "zu rufen". Dies bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß unter Zuhilfenahme formender Magie sehr leicht die Aufmerksamkeit des Drachen auf den Zaubernden gelenkt werden kann, egal wie weit er entfernt wäre.
Es gehen wiederum Geschichten, daß diese Rufe jegliche Hindernisse - selbst die des Todes - überbrücken und man sich mit den Geistern der Drachen noch selbst nach ihrem Ableben unterhalten könne.
Der Mythos von Drache und Schwert
Es gibt viele Geschichten von heldenhaften Kämpfen gegen Drachen, doch eine der neuesten und beeindruckendsten dürfte jene vom Tod Kryndlagors sein. Elfen wie Zwerge wissen von einer Zeit zu berichten, in der ein monströs mächtiger roter Drache ihre Völker tyrannisierte, und es hält sich der Glaube, des Drachen Geist sei durch Alatar vergiftet oder gar gelenkt worden.
Fallen die Recherchen doch nicht leicht, so war dennoch herauszufinden, daß beide Völker für sich zunächst den Drachen bekämpften und ein Kampf gegen die Elfen ihn für längere Zeit vertrieb. Als Kryndlagor jedoch zurückkehrte, drang er in die Stollen Nilzadans ein und wurde auch dort zum Kampf gestellt. Überraschenderweise fanden sich zu diesem Gefecht innerhalb des Berges erneut die Elfen ein, und mit gemeinsamer Kraft gelang es, ihn zu töten. In ihrer Gründlichkeit sollen die Zwerge den Drachen in dutzende Stücke zerlegt haben, doch ist nichts von trophäenartigen Überresten oder dergleichen näher bekannt, obwohl die Prophezeiung über "Vier und Eins" viel Grund zu Spekulationen gibt.
An sich sollte der Verlauf der Geschichte nicht spektakulärer sein als sonstige Drachengeschichten, wäre der Erzfeind in beiden Kämpfen nicht jener Gelmir Ancalime gewesen, welcher Jahre später im Kampf Temoras gegen Alatar zu unsterblichem Ruhm gelangen sollte.
Es findet unser unsägliches Bedauern, daß Elfen und Zwerge sich zum Zeitpunkt unserer Nachforschungen sehr bedeckt hielten, was Details zu diesen Geschehnissen angeht. Es hieß, die von Gelmir geopferte Waffe sei die Gleiche aus den Drachenkämpfen gewesen, es hieß genauso, das Schwert sei im Kampf in Nilzadan vom Drachen in tausend Stücke zersplittert worden. Mal wird Gelmir zugesprochen, Kryndlagor den finalen Streich versetzt zu haben, andere erzählen, der Drache hätte sich bei Gelmirs Auftauchen gezielt auf ihn gestürzt und ihm fast das Leben gekostet.
Ebenso wurden Gerüchte laut, Kryndlagor habe zu Beginn eine Elfe getötet, an der Gelmirs Herz hing und... (es folgen noch ein paar viel abstrusere Details) ...
Der Mythos von Drache und Seelenstein
Es ist unter manchen Drachenjägern der Aberglaube verbreitet, Drachen besäßen einen "Seelenstein", der das ganze geistige Wesen des Drachen enthielte und als Edelstein von unschätzbarem Wert wäre. Tatsächlich ist die Gier der Drachen nach Reichtümern und funkelnden Gemmen bekannt, sie schlafen auf ihren Horten aus Schätzen, und schon in mehr als einem Drachenmagen fanden sich Juwelen. Ob es nun aber tatsächlich Berechtigung findet, daß manche Schatzjäger die Gehirnmasse des getöteten Drachen durchwühlen, um einen mystischen Seelenstein zu finden, konnte nicht mit Beweisen belegt werden.
(mit einer Randnotiz hat hier jemand recht enthusiastisch den Kommentar "Schwachsinn!" hinterlassen)
Dennoch gibt auch hier das Schicksal des Drachen Kryndlagor Grund für neue Spekulationen, denn in Zusammenhang mit ihm und doch scheinbar wie ein Geheimnis gehütet findet immer wieder ein bestimmter Edelstein Erwähnung, der in irgendeiner Art dem Drachen sehr verbunden gewesen sein soll. Müsste die Art benannt werden, so würden einzig vage Indizien auf einen Saphir hindeuten. Das Volk der Zwerge erwies sich hier als sehr beharrlich im Schweigen und sehr schnell und unerhofft im Griff zur Axt. Möge Eluive dem armen Alricio gnädig sein, er war ein guter Scolarius. Wir brachen unsere Recherchen an dieser Stelle ab.
Erwähnung finden soll diesbezüglich noch in jedem Fall die Prophezeiung über "Vier und Eins", deren Ursprung leider unbekannt ist; sie fand sich jedoch als gemeißelter Schriftzug in einer Höhle bei Wyrstyagten - eine Ortschaft, die für ihre Begeisterung für Drachen berühmt ist, seit ein Wyrm dort von... (es folgt eine "nur" wenige Seiten umfassende abschweifende Erzählung über einen völlig anderen Drachen, zusammen mit der Vermutung, er habe einst zu Kryndlagors Gefolge gehört) ...
Schließlich findet sich nach dieser Exkursion eine zerknitterte Seite, die merklich hierher gehört, aber wohl reparierend neu eingeklebt werden musste. Ein Gutteil der unteren Seite ist abgerissen und fehlt ganz, und auch die nächste Seite scheint nicht vorhanden. Bis dahin war noch zu lesen:
...doch ließ eine Zeichnung daneben die Weissagung als zu Kryndlagor gehörig erkennbar werden:
"Wenn Vier und Eins zusammenfindet, der Griff des Todes von ihm schwindet.
Wenn Vier und Zwei sich neu vereinen, hört man der lichten Völker Weinen.
Wird er den Stein je neu gewinnen, muß alle Hoffnung fast ve..."
"Eine Schande, so mit Büchern umzugehen!", macht ein während des Lesens hereingekommener alter Bediensterer der Bibliothek mürrisch auf sich aufmerksam und deutet zu dem aufgeschlagenen Buch hinüber. "Ist ja ein Wunder, daß es das Buch überhaupt noch gibt, aber hätte man diesem Irren nicht Einhalt geboten, der hätte noch den ganzen Band aufgegessen!"
Man erfährt mehr oder weniger gewollt, daß das Buch (wie auch der Bibliothekar) noch aus Tirell stammen und beide die Explosion der Akademie überlebten. Der Bibliothekar, weil er an dem Tag bei Verwandten zu Besuch war, und das Buch durch ein Wunder.
"Unglaublich, wirklich! War pechschwarz vor Ruß, das Ding, aber man hat es nur säubern müssen und es war fast wie vorher. Magisch ist es aber nicht - gefiel dem Herrn Phanodain wohl nicht, daß es vernichtet worden wäre.
Und dann, schon bald dreißig Jahre her, glaub ich, kam dieser Mann nach Tirell und hat etwas über Gelmir Ancalime in Erfahrung bringen wollen. Nur deswegen hat er sich den ganzen Band durchgelesen - und plötzlich fing er an, die Seiten herauszureißen und sich in den Mund zu stopfen. Ja, gegessen hat er sie!
Schließlich hat seine Eminenz ihn der Akademie verwiesen. Was in ihn gefahren war, war nicht aus ihm herauszukriegen, und ich glaube, dem hat es nur die Knochen gerettet, daß er so temoragläubig war und das Gemunkel ging, er wäre ein fremder Ritter des Königs."
"Name? Hm. Nein, Herr, den weiß ich nicht mehr, so wahr mir Eluive und Phanodain helfen. Irgendwas mit einem Löwen, glaub ich..."
Verfasst: Dienstag 27. März 2007, 18:43
von Tael Nemar
Als er das Buch in das Regal zurückstellte, wanderten seine Gedanken längst auf verworrenen Pfaden durch die Gedanken.
Ein gleißend blaues Licht fiel durch das Fenstermosaik an der Südseite des spartanisch eingerichteten Raumes. Der helle Sandsteinboden gab niederwürfig seine Farbe zugunsten des übermächtigen, sich von oben auf ihn werfenden, blauen Lichts auf. Im Lichtkegel vor dem Fenster wanderte eine unruhige Heerschar unscheinbarer Soldaten vorrüber auf ihrem Feldzug zurück ins Dunkel des Raumes, wo ma ihre Gegenwart sofort wieder verdrängt.
Ein lautes Knacken aus dem vorderen Teil des Raumes kündigte ein gemurmeltes Fluchen an. Magister Roderick hatte, von der Brisanz der Thematik beflügelt, dem Kreisestück etwas zuviel Schwung gegeben. Mitten im Raum schwebte ein entzweigebrochenes Kreidestück unruhig vor unvollendeten Notizen verharrend, ganz wie zwei junge Knaben, die beim Verrichten ihrer Arbeit in der Küche Geschirr haben fallen lassen und nun unschlüssig das Missgeschick betrachteten und der schleunigst eintretenden Schelte harrten.
Zu leises Seufzen des Magisters, ehe nunmehr beide Kreidestücke eilig begannen, das Tafelbild zu vervollständigen. Der viele Jahre jüngere Tael ließ den Blick durch den Raum schweifen, in dem viele andere Knaben und Mädchen saßen und eifrig das Tafelbild abzeichneten. Ein unruhiges Kratzen abgenutzter Federkiele erfüllte den Raum.
Er hatte sich schon so lange nichtmehr zurückerinnert. Je länger der die Gedanken wandern ließ, desto realer wurde diese Erinnerung um ihn. Immer genauer wurden die Umrissen, immer detailreicher der Raum. Auf der Tafelö prangte die Überschrift:
Wahre Namen - Die Essenz des Seins
Noch immer wuselten die sich selbst verzehrenden Kreisestückchen vor der Tafel herum und notierten weiter, während der Blick des Magisters gedankenverloren aus dem Fenster wanderte. Schon damals während seiner Taels Aufnahmeprüfung hatte er ihn zu den Wahren Namen befragt und das wohl interessanteste Gespräch seines bisherigen Lebens ins Rollen gebracht....
Gleich einer undefinierbaren Nebelwand, in die er mit einem Schwert grobe Strukturen hineinritzt, die sich dann aus ihrer eigenen Bewegung heraus immer weiter selbst formt und schließlich derart konzentriert ist, dass sie das Licht der Erkenntnis selbst ausstrahlt.
Nocheinmal fiel sein Blick auf den Buchrücken des Buches, das in ihm in derart kurzer Zeit die Vergangenheit einer wirklichen Vision gleich auferweckt hatte - wie konnte er dieses Buch hier lassen? Hier wo es ungebührlich von den Händen dummer kleiner Magiestudenten immer mehr in den Verfall getrieben wurde. Hier wo unscheinbare, weiße Soldaten ihren unerbittlichen Marsch durch totes Gemäuer antraten. Hier wo Wissen nicht als das geehrt wurde, was es war?
Ein prüfender Blick über die Schulter offenbarte Tael, dass er immernoch unter Beobachtung des Wyverns stand, der sich offenkundig dem Stapel Anschriften auf seinem Eichentisch widmete, der dabei jedoch immer wieder verstohlene Blick zu Tael herüber warf.
Zuvorerst würde dieses Buch hier zurückbleiben; zuerst würde er den anderen Berichten, was er erfahren hatte - man würde um den Wert des Buches verstehen...
Verfasst: Freitag 30. März 2007, 02:51
von Der Erzähler
Die zweite der Drachenschuppen
Wie lange mochte dieses Kästchen im Meer getrieben haben? Eigentlich ein Wunder, daß sich darin überhaupt noch eine lebende Schlange befunden hatte - armes Tier, von elf waffenstarrenden Frauen umzingelt und letztendlich getötet.
Doch nun war alles in Voxias Händen, auch wenn es schien, daß die Gefährtinnen des Waldes Verdacht geschöpft hatten, daß sich nicht nur ein brüchiges Pergament in dem runenverzierten Kästchen befunden hatte.
Ihnen allen war erzählt worden, was auf dem Papier zu sehen gewesen war: Die Zeichnung eines roten Drachen, der gerade an einem zerbrochenen Schwert in seinem Leib zu sterben schien - und auf der anderen Seite Worte:
"Wenn Vier und Eins zusammenfindet, der Griff des Todes von ihm schwindet.
Wenn Vier und Zwei sich neu vereinen, hört man der lichten Völker Weinen.
Wird er den Stein je neu gewinnen, muß alle Hoffnung fast verinnen."
Ja, welch Aufregung um dieses Kästchen heute, auf dessen Boden mit großer Kunstfertigkeit ein Bild graviert war: Ein Drache mit ausgebreiteten Flügeln vor einem strahlenden Berg, und über dem Berg ein liegendes Schwert.
Doch der bedeutendste Teil war mit Sicherheit diese rote, große Drachenschuppe. Hornhaut, sicher so dick wie eine schlichte hölzerne Tischplatte. Sie war warm, trotz der langen Zeit in einem in den kalten Meeresfluten treibenden Kästchen. Und es schien... irgendwie Leben in ihr zu sein. Es war sicher keine Einbildung, dieses nur manchmal zu fühlende, einzelne dumpfe Pulsieren wie ein viel zu langsamer Herzschlag, oder?
Die Schuppe wies zwei glatte Seitenränder auf, doch die anderen zwei zeigten Auswölbungen und Einkerbungen, fast wie bei einem Puzzlestück.
In das hornige Material waren dünne Furchen wie eingebrannte filigrane Linien. Auf der einen Seite zeigten sie wirr anmutende Symbole und Figuren: eine unregelmäßig gezackte Linie, vielleicht ein Gebirge oder die Rückenschuppen eines Drachen oder was-auch-immer. Darunter eine Kurve, die an einer der gezackten Seitenränder abrupt endete.
Ehrfürchtig und auch mit einer gewissen Gier glitten die Finger der jungen Frau wie streichelnd auch über die andere Seite, und kurz schien ein rötliches Glühen in den Furchen ihren Fingern zu folgen.
Auf der anderen Seite waren die Symbole deutlicher zu erkennen, doch kaum minder rätselhaft: Ein etwas unförmig anmutendes Gebilde, das vielleicht ein Herz sein mochte - durchbohrt von einer Schwertklinge, und Tropfen flossen heraus, wahrscheinlich also Blut.
Daneben war eine geometrische Anordnung von Linien: ein dreieckiger Körper auf einer quadratischen Grundfläche. Und inmitten des Dreiecks fand sich ein größerer Tropfen. Mehrere Schlangen umrahmten wie eine Zier diesen Teil der Abbildung.
[img]http://img402.imageshack.us/img402/4592/pyramideev5.jpg[/img]
Und sie gehörte ihr. Ein kreischender Schwarm Möwen hatte sie und ihre zwei Begleiterinnen auf das Treibgut aufmerksam gemacht.
"Das kann doch alles kein Zufall sein, oder?", flüsterte sie ergriffen und presste den gefundenen Schatz dicht an ihren Körper, spürte seine Wärme. Wo mochte das alles noch hinführen?
Verfasst: Samstag 31. März 2007, 17:13
von Wijay Loreen
Wijay brütete über dem Pergament, der Kopie der Zeichnung die von der Schuppe angefertigt wurde, als auch dieses Gedicht... die Symbole... die Ornamente.
Die Frage die sich nun stellte war, in wie weit man das entziffern konnte. Das Mosaik fügte sich langsam zusammen, die Nebel hoben sich und die Schleier wichen. Langsam nahmen Schatten Form an und langsam klärte sich die Sicht auf das Wesentliche.
Sie brütete nachdenlich über der Abbildung der Schuppe. Dieses Pergament musste sicher aufbewahrt werden. Galt es doch schließlich, dieses Rätsel zu lösen.
Es waren in jedem Falle Zeichen die sie nicht kannte. Allerdings schien die Arkoritherin sehr erpicht darauf zu sein, dieses Rätsel zu lösen. Und was sollten die Ihren da für eine Rolle spielen? Ein Rätsel, dessen Lösung wohl nicht fern lag, doch wude offenbar nicht alles erwähnt.
Nun musste geklärt werden, in wie weit man diese Zeichen entschlüsseln konnte. Auf jedem Falle würde sie schon bald die ihren wieder zusammenrufen müssen. Sie überlegte, wen sie wissentlich erreichen konnte.
Vikko und Anveena, keine Frage
Chalys bei den Waldfrauen
Tael und sein Schützling Morra
die ältliche Dienerin vielleicht wenn sie Glück hatte und ihr nochmals begegnet
Eran, der Forscher
Thrilliom auf Eisenwart bestimmt auch
Alle anderen mussten dann über ihre Kontakte informiert werden. Die Runenkunde war ein sehr komplexer Wissensbereich, und so bedurfte es das Wissen so vieler wie möglich, um "ES" voranzubringen.
Die andere Schuppe... warum dachte sie nicht an die andere Schuppe und den Symbolen auf dieser? Sie musste wissen ob sich auch auf dieser Symbole fanden.
Hoffend Vandrak und seinem Lakaien nicht zu begegnen würde sie sich wohl nach Rahal aufmachen. Stünden diese ihr im Weg würde sie ihnen deutlich machen müssen, womit sie es zu tun hatten, schließlich schadeten die beiden Narren Rahal mit der letztlichen Aktion mehr als sie der Stadt nutzten.
Ein paar Briefe schreiben und dann umgehend nach Rahal reisen. Arbeit stand ihr bevor.
Und immer wieder ging ihr dieses Gedicht durch den Sinn. Endlich war auch dieses Rätsel gelöst.
"Wenn Vier und Eins zusammenfindet,
der Griff des Todes von ihm schwindet.
Wenn Vier und Zwei sich neu vereinen,
hört man der lichten Völker Weinen.
Wird er den Stein je neu gewinnen,
muß alle Hoffnung fast verinnen."
Verfasst: Freitag 6. April 2007, 19:48
von Der Erzähler
Selten geschah es wohl, daß elfische Silben im heiligen Berg ausgesprochen wurden. Noch seltener, daß sie dabei nicht den Mund eines Elfen verließen. Doch manchmal geschahen eben Zeichen und Wunder...
Schon bevor der Khaz-Aduir die Silben wiederholte, die von niemandem sonst gehört durch seinen Schädel donnerten, hob ein anderes Wesen den Kopf und Dampf stieß durch die Nüstern.
Hatte sie es nicht geahnt? Seit wenigen Wochen schon hatte ein ungutes Gefühl sie beschlichen - die Wachsamkeit der Zwerge schien nachgelassen zu haben, denn sie konnte spüren, wie der Stein sich regte, eine verdorbenere Aura als je zuvor.
Heute beruhigten und beunruhigten sie die Geschehnisse gleichermaßen. Das war nicht ungewöhnlich. Nachdenklich rieb sie ihr Kinn an einer Felsenkante, die langen Klauen kratzten über den Boden. Der Stein war zwiespältig, ungewöhnlicher als seine Geschichte war wohl nur die Geschichte des Schwertes, das er einst geziert hatte. Schönste Zwergenarbeit, einen Edelstein so zu schleifen. Unwissend hatten die Schmiede ihrer Schützlinge die in ihm ruhende Magie gespürt. Magie eines Drachen. Und nun rief der Stein nach beidem, rief nach seinem Platz in der Klinge, rief nach dem Drachen, dessen Magie ihn durchwob...
Zwiespältig, wunderschön und verdorben. Segen und Fluch. Dinge, die ruhten, regten sich. Dinge, die vielleicht besser vergessen geblieben wären, riefen nach Aufmerksamkeit. Es war keine Frage gewesen, ob dies passieren würde. Dinge wie diese verschwanden nicht einfach. Die Frage, wann dies passieren würde - fand gerade Antwort.
Doch über einiges war sich auch das alte Wesen unsicher: was wussten ihre Schutzbefohlenen noch? Sie schienen sich der Gefahr schon damals nicht recht bewusst gewesen zu sein, und solange alles ruhig schien, hatte sie den Frieden Frieden sein lassen. Warum stören? Doch nun musste gesichtet und sortiert werden, wer von was wusste. Eine von allen Gefahren schien die schlimmste, und sie wollte nicht riskieren, daß die Wälder der Elfen erneut brennen würden - sie musste tätig werden, raten, weisen, warnen.
Ein leises Grollen ging durch den gesamten silbrig geschuppten Leib, als Seline sich erhob und ihre glänzenden Schwingen ausbreitete...
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Schon bevor der Khaz-Aduir die Silben wiederholte, die von niemandem sonst gehört durch seinen Schädel donnerten, hob ein anderes Wesen den Kopf und Dampf stieß durch die Nüstern.
Hatte er es nicht geahnt?
"So, das Volk Cirmias' hat deinen Stein also erwachen lassen, Roter... du verlangst ihn zurück, nicht wahr? Schließlich gehört ihr zusammen... ja... Fluch für die Völker der Sterblichen, wenn deine Flügel wieder die Luft zerschneiden."
Ein dumpfes Grollen erklang, und mit hellem Klirren erwiderten einige Eiszapfen den Gesang. Silbrige Lider bedeckten die Augen und es mochte den Anschein erwecken, der Drache schliefe, doch Slain dachte nur nach.
"Wenn er wirklich erwacht, wenn irgendwelche Narren tatsächlich die Überreste von ihm zusammentragen... hrrrrmmm... Wenn ich zu früh handle, wird nur mehr Aufmerksamkeit auf die Dinge gelenkt, als gut sein kann. Jahrelang wusste niemand, was hier ist - vermutlich wissen sie es selbst jetzt noch nicht. Handle ich zu spät, gerät das Ding in die falschen Hände, wird ein harter Winter noch die geringste Sorge Fuachteros sein..."
Ruckartig hob sich der silberne Drachenschädel. Unschlüssig verharrte er. Schließlich erscholl ein mißmutiges Schnauben und Brüllen.
"Wage es, Roter... du schläfst noch - ich bin bereits wach!"
Verfasst: Dienstag 24. April 2007, 15:20
von Der Erzähler
Zufrieden legte der Silberne den Kopf auf einen bequemen Eisblock und schloß die Augen. Es hatte ihn einiges an Kraft gekostet, die magischen Verwebungen zu lösen, um den Zugang zu der verdammten Höhle zu verlegen, doch es würde besser für seine Insel gewesen sein, und er war nun noch immer gut bewacht - wenn auch nicht mehr unter seinem direkten Einfluß.
Was er nicht wusste, war...
Die dritte der Drachenschuppen
Lange hatte sie geruht, doch nun hatte sich was geändert. Der Wächter hatte seinen Schatz an einen anderen Ort gebracht, und so wurde ein Teil an Magie geweckt, der nur aufgrund der herrlichen Umsicht des schwarzen Götterbruders in den Schuppen schlief...
Die Linien, die auf jeder der Schuppen wie in das hornige Material gebrannt schienen, änderten sich, veränderten Details, denn ihnen war einst bestimmt worden, immer die Karte zu sein, die zu den Dingen führte, die notwendig waren wie sie selbst.
Jahrhunderte hatte die Kiste eingemauert hier gelegen, in einer Wand der alten Arkorithergewölbe. Locker und brüchig war der Mauerstein über all die Jahre geworden, bis durch einen dummen Flügelaffen ein Kind des Schwarzen aufmerksam wurde. Was für ein Zufall aber auch...
Runen und Gravuren zeigte die Kiste, größtenteils Schneekristalle, an den Seiten jeweils ein Drache mit weit ausgebreiteten Schwingen, und sollte sich je jemand die Mühe machen, auf den Boden zu sehen, so würde er dort ein Schwert eingraviert finden, die Klinge in mehrere Teile zerbrochen, der Knauf beschädigt, und ein Stück daneben ein Edelstein - die Gravur offenbarte unglaubliche Mühe dabei, die Facetten des Steines hervorzuheben, die von höchster Schleifkunst zeugten, und er schien durch feinste Linien den Eindruck zu vermitteln, daß er strahle.
Das Schloß durch eine findige Idee mit Feuer aufgebrochen, ruhte in dem Behältnis auf einem Samtkissen eine Drachenschuppe, wie schon in den Händen dunkler Diener zwei weitere waren - doch diese war kalt, nicht warm. Beständig strahlte sie Kälte aus, daß man neben ihr gut Lebensmittel kühl halten könnte, und wer sich länger ihrer direkten Nähe aussetzte, würde die Kälte gar als angenehm empfinden. Was bei Letharen regelrecht widersinnig erscheinen mochte.
Genauso wie ihre zwei weiteren Schwesterexemplare wies die Schuppe eine halbwegs quadratische Form auf, groß wie zwei nebeneinandergelegte Männerhände, dick wie eine einfache Holztischplatte. Zwei Kanten waren glatt, zwei wiesen Ausbuchtungen und Einkerbungen auf, als fehle ein dazu passendes Gegenstück.
Solange niemand wagen sollte, sie anzurühren, würde dem Auge verborgen bleiben, daß sich feine, wie in das Horn gebrannte Linien auf beiden Seiten zeigten.
Die Linien und Strukturen auf der einen Seite waren gar nicht bis nur schwer zu deuten: scheinbar wirr zackige Linien, dann gerade, winzige Pfeile, Ecken.... es könnte der Verdacht geweckt werden, daß es sich um Teil einer größeren Karte handeln musste, die sowohl landschaftliche Merkmale wie auch einen Wegweiser durch Räumlichkeiten offenbaren würde, hätte man die fehlenden Stücke.
Die Seite, die in der Kiste ruhend sich bislang offen zeigte, enthielt scheinbar in sich selber geschlossen Bilder: dutzende winziger Schneekristalle, im Zentrum ein großer Kristall, der ein klumpenförmiges Gebilde umschloß. Wie Wächter an den Seiten zwei Gestalten - rechts ein etwas kantig wirkender Drache, der einen "Feuerodem" auszuspeien schien, der ebenso eher wohl aus Kälte und Eis bestand. Der Drache stand auf einem Pentagramm.
Links ein Koloß, der selbst den Drachen zu überragen schien, am Fellumhang wurde bei sehr genauem Blick deutlich, daß am Kragen vier Bärenköpfe nebeneinander zu sein schienen. Das sonst menschenähnliche Ungetüm in einer Haltung, die selbst bei der ohnehin vorhandenen Unbeweglichkeit des Bildes unnatürlich starr wirkte.
So viel gegensätzliches, das in den bisherigen Geschehnissen schon durch seltsame Fügungen einander näher gekommen war, so ruhte diese Schuppe der Kälte nun ausgerechnet nahe der Lavahöhlen der Letharen...
Verfasst: Samstag 28. April 2007, 16:46
von Sal´vaen Lyratar
Die Lethra verlässt den Raum für ihren "äußerst wichtigen" Auftrag und ich bin froh alleine zu sein. Eine seltsame Kiste hat sie gefunden, erzählte sie, und der ehrenwerte Mory'tael hatte befohlen dass nur Lethyren die Kiste und deren Inhalt untersuchen dürfen. Was für ein Glück dass ich als erstes davon erfahren habe. Jetzt geht es nur noch darum den Vorsprung an Wissen vor den anderen Junglethyren zu halten, also warum Zeit verschwenden? Ich wende mich zu der Kiste um und betrachte sie. Kunstvoll ist das erste Wort das mir dazu einfällt. Es gibt also zwei Dinge welchen ich beschliesse mich zu widmen: Die Kiste und ihr Inhalt. Langsam greife ich zu der Kiste und halte meine Hand knapp über dem Deckel. Die Kälte die mir schon vorhin einen Schauer über den Rücken jagte dringt sogar durch meine knöchernen Handschuhe. Erstaunlich denn der Unterschlupf wird von Lava durchflossen und weist normalerweise angenehm warme Temperaturen auf. Einige Momente verharre ich so. Die Kälte wird nicht unangenehm, meine Hand wird nicht taub und beginnt zu schmerzen wie es war als mich einst eines dieser Eismonster überfiel. Gut so. Ich trenne mich von meinen Handschuhen, sie sind mit ihren zu Spitzen geschliffenen Fingerkuppen nur hinderlich für meine kommende Arbeit. Schliesslich muss hier niemand beeindruckt werden. Mit vorsichtigen Griffen öffne ich die Kiste. Das Schloss wurde schon aufgebrochen, wahrscheinlich von der Lethra. Hoffentlich hat sie sonst nichts kaputt gemacht. Eine Gänsehaut bildet sich auf meinen Armen je tiefer ich in die Kiste greife. Aber keine unangenehme. Als würde jemand mit eiskalten Fingern sanft über meine Haut streifen. Ich berühre die Drachenschuppe nicht, nur das Kissen auf dem sie liegt und hebe sie heraus um sie auf den Alchemietisch zu legen. Dann räume ich alle Flüssigkeiten auf die andere Seite des Tisches. Wer weiss wie sie auf Kälte reagieren. Ich will das hier schließlich überleben.
Dann widme ich mich der Kiste. Sie ist nun nicht mehr so kalt wie vorhin. Die Kälte geht also von der Drachenschuppe aus. Mit Kunstvoll hatte ich Recht. Die Kiste ist über und über mit Schneekristallen graviert. Schnee in den Katakomben der Akorither? Niemals um diese Jahreszeit. Also musste es einen anderen Zusammenhang haben. Ich nehme mir eines der herumliegenden Bücher, reisse eines der Blätter heraus und schreibe in großen Buchstaben "Schnee" darauf. Ein zweites folgt mit dem Wort "Eis". Ich nehme die Kiste, stelle sie herunter auf den Boden und drehe sie. Die Schnee oder Eiskristalle ziehen sich über die ganze Kiste. An der Seite fällt mir etwas weiteres auf. Eingravierte Drachen. Drachen gepaart mit Eis und Schnee? Normal spucken diese Biester Feuer. "Drache" ist das nächste Wort das ich mir notiere. Fehlt nur noch eine Seite, die Unterseite. Und diese erweist sich als die kunstvollste von allen. Ein zerbrochenes Schwert mit beschädigtem Knauf. Daneben ein noch viel besser gravierter Edelstein. "Zerbrochenes Schwert" "beschädigter Knauf" und "Kristall" sind drei weitere Wörter für meine Ideensammlung. Mehr gibt es an der Kiste leider nicht zu entdecken. Und einen Reim kann ich mir daraus bis jetzt auch nicht machen. Villeicht verrät mir die Schuppe mehr.
Diese liegt immernoch auf dem Alchemietisch wo ich sie plaziert habe. Und sie ist immernoch kalt merke ich als ich mich ihr wieder nähere. Meine Fingerkuppen gleiten über die Oberfläche der Schuppe. Auch in sie sind Bilder eingraviert. In eine Drachenschuppe. Ich verwende einen kurzen Gedanken daran eine Kerze zu verwenden um die kleineren Bilde als auf der Kiste besser erkennen zu können. Aber sie würde die Kälte wohl nicht überstehen. Also verwende ich meine angebohrenen Kräfte: ich erhelle meine Sicht und schon wird die Kerze unnötig, die Bilder liegen klar vor mir. Wieder der Stein. Diesmal aber ist irgendetwas in ihm. Ich notiere mir "Klumpenförmiger Einschluß". Daneben zwei Figuren. Ein Drache und ein..undefinierbarer Humanoid. Der Drache steht auf einem Pentragramm und speit Eis..oder Schnee. Schon wieder. Ich notiere mir "Eisdrache" "Humanoid". Auf das Blatt mit dem Wort "Humanoid" kommen noch die Stichpunkte "vier Bärenköpfe am Umhang" hinzu. Dann wende ich die Schuppe und bin beinahe enttäuscht. Keine weiteren Bilder. Nur undefinierbare Linien, Pfeile, Ecken. Ich kann damit nichts anfangen also belasse ich es dabei. Aber ich nehme mir etwas vor. Die Schmiedin wird mir in nächster Zeit einen Dienst erweisen müssen. Denn ich will die Schuppe nicht mehr strapazieren als nötig. Und wohin damit bis jetzt? Zurück in die Kiste. Ich hoffe sie wird niemand anrühren. Wenigstens nicht solange ich der Schmiedin ihren Auftrag gegeben habe.
Nun der letzte Schritt. Der Schritt der mir helfen soll meine Gedanken zu ordnen. Ich nehme mir meine beschrifteten Blätter und verstreue sie über den Tisch. Nachdenklich schiebe ich sie hin und her. Ein konstruiertes Bild ergibt sich. Ich zeichne es auf ein extra Blatt Papier.
[URL=http://server2.pictiger.com/img/88871/picture-hosting/schwertquest.php][img]http://images2.pictiger.com/thumbs/29/7084851bc09bb9d82ccd0317cadef529.th.jpg[/img][/URL]
Einige Zusammenhänge sind klar. Aber nur einige. Nicht alle. Zu wenige! Ich hänge das gezeichnete Blatt an die Wand des Alchemietisches und starre darauf. Was willst du mir sagen?
Verfasst: Donnerstag 3. Mai 2007, 00:19
von Isdaniel Nifar
Wiedereinmal trat Isdaniel vor das Konvent der Phoenix. Aufmerksam durchschritt er die Hallen zu dem kleinen Nebenraum. Dort berichtete er jenen die bereit waren seinen Worten zu lauschen. Singend, melodisch mehr einem Lied gleichend, berichtete er.
Es ist ein langer dunkler Schatten der uns droht. Einst, als selbst ich noch jung war, bevor der Zeit als jene Schlacht toppte welche heute noch in Erinnerung ist. Jene Schlacht in der Temora selbst das Schwert ergriff um es gegen ihren Bruder zu führen. Vor dieser Zeit gelang es dem verloren Bruder einen Drachen zu verführen. Jenem vom alten Volk lehrte er die Gier. Diese war es die ihn prägte und zu einer Gefahr machte. Er plünderte wild. Nur die vereinte Kraft der Edhil und Zwergen war es damals zu verdanken das jener zur Ruhe geschickt wurde.
Doch jene Ruhe könnte nicht ewig sein. Dies ist der Grund warum ich hier stehe und meine Worte erhebe. Einst wurde er besiegt - doch noch existieren Teile - Teile die missbraucht werden könnten. Diese Teile gilt es zu finden und zu behüten. Ich hörte Erzählungen von Schuppen und ich hoffe hier mehr Informationen zu finden, oder jene zu finden welche bereit sind dieses Wissen zu suchen.
Langsam lies er seine Stimme ausklingen und blickte abwartend in die Runde.
Verfasst: Donnerstag 3. Mai 2007, 17:45
von Der Erzähler
Die vierte und letzte der Drachenschuppen
Wie ein pechwarzer Gürtel hatten gestern in den Abendstunden Gewitterwolken über dem rahaler Gebirge gehangen. Es regnete Bindfäden, die ersten schmalen Sturzbäche flossen über die Felsen, rissen Staub und losen Kies mit sich.
Und nur eine einzige Gestalt war so wahnsinnig gewesen, bei diesem Wetter eine Kletterei zu beginnen, die ihr Leben hätte kosten können. Doch Glaube spornte zu vielen Dingen an... Blitze durchzuckten das Dunkel, und im fahlen Licht der irrwitzig verästelten Himmelslanzen wurde das Ziel erkennbar, die Felsen, die kleine Höhle, die sie im Tempel vor Augen gehabt hatte - und der Lohn aller Mühen, die Kiste.
Blitze waren es später auch, die sich in einem Quartier der Diener Alatars zeigten - jedesmal, wenn sie einen falschen Buchstaben drückte. Konzentriert saß Laraanji vor der Kiste, die mit dutzenden von Halbedelsteinen verziert war, mit seltsamen Schnörkeln und Symbolen auf dem Metall. An den Seiten zeigte sich ein Drache mit ausgebreiteten Schwingen.
Auf dem Boden der Kiste war aus mehreren kleinen Saphiren in einem perfekten Mosaik ein großer, facettenreicher Saphir geformt, winzig daneben wirkte das Schwert, dessen Knauf zu dem blauen Stein wies und dessen Klinge in mehrere Stücke zerbrochen war.
Vorne um das filigrane Schloß herum gruppiert, mehrere flach abgeschliffene Halbedelsteine, sorgsam eingefasst, und in jeden von ihnen ein Buchstabe graviert:
N - R - A - Y - D - R - K - O - L - G
"Kryndlagor", wie sie nach sechs immer schmerzhafter werdenden Blitzen, die von der Kiste ausgingen, festgestellt hatte. Zweimal schon hatten sie ihr die Besinnung geraubt, teils waren ihre Haare angesengt, die Robe beschädigt. Wahrscheinlich hätte der siebte sie getötet.
Doch nun war mit einem Klicken das Schloß aufgesprungen, und vor ihr ruhte, was sie in zweifach anderer, aber ähnlicher Form schon mal bereits gesehen hatte:
Eine weitere rote Drachenschuppe. Wieder mit Linien und Symbolen, die als feinste Linien in die Hornhaut gebrannt zu sein schienen. Wieder ein einzelnes, dumpfes Pochen, das in viel zu langsamen Rythmus eines Herzschlages eher zu spüren als zu hören war. Als die Templerin die Schuppe anhob, war selbst durch die Handschuhe die Energie zu fühlen, die von dem Begierde weckenden Objekt ausging. Die Nähe zum Herrn zu suchen, fiel in der Nähe der Schuppe wunderbar leicht, fast als wär die Schuppe selber Teil seiner Macht.
Auf der Rückseite die bekannten Linien und Symbole, die zu einer größeren Karte gehören würden. Zwei der Schuppen hatten sie schon aneinandergefügt, welche nun untrennbar miteinander vereint waren. Ein berückendes Erlebnis.
Auf der Vorderseite war ein Gebirge zu sehen, und eine nebelhaft wirkende Frauengestalt überragte dieses und hielt wie schützend ekelhaft gütig lächelnd die Hand darüber. Links und rechts des Gebirges wie Wächter stehend mit langen Bärten, Bierkrug am Gürtel und einer Armbrust bewaffnet offenbar zwei Zwerge.
Und in die Mitte der Gebirgszeichnung war scheinbar eine Mulde in die Schuppe eingelassen. Mit der Größe einer breiten Daumenkuppe verschloß diese Mulde ein glasartig klarer Sein, daß man wie durch ein dunkles Fenster meinte, in der Schuppe hinter diesem "Fenster" einen anderen Stein zu sehen: einen Saphir. Je näher man das Auge vor dieses Fenster hielt, desto größer und klarer erkennbar wurde der Anblick des Saphirs. Es schien tatsächlich in die Schuppe eingebettet ein winziges magisches Fenster zu sein, mit dem man vage eine Höhle erkennen konnte, Gitter und Mauerwerk im Hintergrund, doch im Zentrum eine graue steinerne Stele, und darauf ein betörend schöner, hell strahlender Saphir. Kunstvoll war er in unzählbar vielen Facetten geschliffen, ein Meisterwerk der Edelsteinschleifkunst.
Es fiel schwer, den Blick davon zu lösen. Jede dieser Schuppen barg eine betörende Macht, und jede dieser Schuppen zeigte auf ihre Weise den Weg zu noch viel mehr Macht...
Verfasst: Freitag 4. Mai 2007, 00:00
von Der Erzähler
"Sein Name, der nicht genannt werden soll..."
Ein Aufbrüllen hoch in den Bergen über Ered Luin. Klirrend zerbarsten Eiszapfen auf Fuachtero. Vom Konvent des Phönix brachen die höchsten der Magister zusammen, als ihr ganzes Empfinden für das Gefüge von Eluives Harmonie sich in ihrem Körper wie in Agonie zusammenkrampfte. In der Kirche ein dumpfes Poltern, als die Heiligkeit ungewollt in die Knie sank. Kein Ritter reinen Herzens, dessen Handgriff nicht zum Schwert fuhr...
...als auf einer Insel, knapp südlich von Lameriast sich die Wolken zusammenballten und Blitze niederzuckten. Arkos Revnstrand, seines Zeichens Kapitän, zog den Hut tiefer ins Gesicht und befahl den Matrosen in gewohnt fluchender Zunge, das große Segel zu reffern, bevor der stürmende Wind aus seinem Schiff ein Bündel Schwefelhölzer machen würde.
Was hatte er hier nur alles angekarrt: Eine Ahad, Ritter Alatars, Leute der Garde Rahals, dunkle Templer, Eisenwartler, Letharen... und diese gruseligen Leute in staubweißen Roben und mit Knochenstäben...
Tiere auf der Insel hatten sie getötet - ein paar Rehe und jede Menge Möwen. Ein Pentagramm aus Blut war gezeichnet worden, und die in den Riten des Dämonenkultes erfahrenste von den Dienern Kra'thors hatte die Worte gesprochen, die Aufmerksamkeit ihres Herren zu rufen und ihrer Seele Gestalt zu geben, um nicht mehr mit den Augen der diesseitigen Welt zu sehen... wie leblos sank ihr Körper zu Boden, und mit einem Kreischen erhob sich eine geisterhafte Kreatur aus dem reglosen Fleisch.
Syrellia stand vor ihr, die bereits zusammengefügten Schuppen in Händen, von denen auf einer die Zeichen standen, die kein rein sterblicher Verstand zu entziffern vermochte.
Der Name, die Worte, guturalen Silben, die fielen, waren kompliziert. So kompliziert, daß man sich fragen könnte, warum sie überhaupt verschlüsselt wurden, waren sie doch so schon kaum auszusprechen und unmöglich von nur einem Mal anhören zu merken. Was mochte geschehen, wenn man die Silben unwissend falsch wiedergeben würde?
Was jetzt geschah, sollte nur allzu eindringlich bewusst werden: alte niedergeschriebene Worte hatten Wahrheit in sich getragen, als sie sagten, daß mit dem wahren Namen eines Drachen die Schwelle des Todes zu ihm überschritten werden konnte.
Aus gewaltigen Knochen und rötlichen Schatten gefügt, ballten sich die schwarzen Nebel um das Blutpentagramm zusammen. Schon ohne Fleisch wurde mehr als gegenwärtig, welche Kreatur zwischen Tod und Leben irgendwo über die Welt verstreut schlummerte und verlangte, wieder erweckt zu werden. Ein rotes Glühen zeigte sich in den schwarzen leeren Augenhöhlen, und der Kiefer mit den fingerlangen Zähnen darin klappte bedrohlich auf.
Sein Fauchen und Brüllen allein schon schmerzte jeden, der nicht im Schutze des Pentagrammes stand, schien gierig das Leben aus allem in seiner Nähe ziehen zu wollen.
"FINDE MICH! WECKE MICH!"
Der glutrote Blick glitt gierig über die winzige Ahad vor ihm, über eine der Templerinnen, über die Letharen...
"ALLE MEINE SSSSSSCCCCHUPPEN IN EUREN HÄNDEN!" Es klang fordernd, fauchend, wütend, vielleicht gar eine Spur verzweifelt. Aus jedem Knochen das unbändige Verlangen zu spüren, zu zerreißen, zu zerfetzen, zu zerfleischen... dem Tod zu Diensten, dem Haß zu Diensten.
Ein Aufbrüllen, als die Macht der Magie die Illusion der Knochen nicht mehr in dieser Welt halten konnten und die Nebel verschwanden.
Ein Aufbrüllen, als die Macht aller Hüter von Eluives Schöpfung erschüttert wurde und die Ahnung Gewißheit wurde:
Die letzte Zeit des Friedens rann wie Sand durch die Finger.
Verfasst: Freitag 4. Mai 2007, 05:40
von Adrian von Hohenfels
Ein Abend wie so viele nun vorher schien es zu sein. Die Tage der Ruhe, trotz manch politischer Unterbrechung, genossen sie beide. Eileen ebenso wie er. Die Morgenstunden, als sanft rot leuchtend die Sonne sich über dem Meer erhob. Die Abende als deren letzten Strahlen sich in den hohen Bergen brachen, die sie so schützend umgaben. Eileen im Arm zu halten, alle Sorgen von sich zu schieben. Er genoss es, vielleicht zu sehr um nicht verwerflich zu sein. Doch in diesen Stunden sollte ihn dies nicht kümmern. Selten in den Monden davor, hatten sie soviel Nähe geniessen können.
Mochte das Schicksal dies Ärgern? Mochte es gar sehen, dass Sorgen überhand nahmen, statt Ruhe und Gemütlichkeit? Es schien beinah, hierin lag Wahrheit. Das noch spärlich ausgestattete Zimmer war doch von Wärme geprägt, durch das gemütlich knisternde Feuer des Kamines, vor dem es sich Adrian und Eileen gemütlich gemacht hatten. Ein Anlehnen aneinander, doch sollte die zarte Nähe jäh unterbrochen werden.
Schwer zuckte Adrian zusammen, plötzliche Blässe zierte sein Gesicht. Ein hastiger Griff in Richtung an der Wand lehnenden Schwertes, liess Eileen aufschrecken. Leise gehaucht das Wort "Gefahr" aus Adrians Mund, zudem die plötzliche und unübersehbare Blässe. Kurz schien er noch aufspringen zu wollen, als seine Hand sich in Höhe seines Herzens in das Hemd krampfte. Schon im nächsten Moment brach er unter offensichtlichen Schmerzen zusammen. Minutenlang rührte er sich nicht. Einzig auf seinen Haaren schien das silbrige Schimmern mehr Glanz anzunehmen, gar für einen Moment zu leuchten. Oder war dies doch nur Einbildung?
Es war schon zu befürchten, dass er hier vor dem Kamin sein Leben aushauchte, als er nach schier endlosen Minuten endlich die Augen wieder aufschlug. Noch immer blass, doch offenbar die Schmerzen zumindestens erträglicher hauchte er nur wenige Worte: "Drachen.. sie sind in Gefahr! Vermutlich nicht nur sie, wir alle...
Unschlüssig sah er zu Eileen, doch sie vermochte in seinen Augen zu sehen, dass die Unruhe ihn plagte, nicht länger hier verweilen lassen wollte. Einzig die Zerrissenheit, ihre Nähe zu suchen oder sie erneut für unbekannte Ziele verlassen zu müssen, brannte in ihnen und es schien als suche er von ihren Lippen Antwort.
Verfasst: Freitag 4. Mai 2007, 11:03
von Treia
Mit leerem Blick saß die Priesterin an der kleinen Tafel und starrte auf ihr Glas, den vergangenen Abend noch ein mal reflektierend. Das sie mit dem Pakt, den die Ahad mit ihr zu schließen gewillt war einen gewaltigen Stein ins Rollen bringen würde war ihr durchaus bewußt und dies hatte sie willentlich in Kauf genommen. Doch wie weit ihr dieser Stein nun entgleiten mochte ward ihr jetzt erst bewußt geworden.
Es war gut gewesen, daß mehrere der Ihren diesem Ritus beigewohnt hatten und doch hatte er sie verwirrt. Sie hatte mit mehr Gegenwehr gerechnet, sowohl von der Kreatur als auch von den Rahalern. Irgendetwas stimmte hier nicht, das sagte ihr ihr Verstand. Sollte sie deswegen besorgt sein? Nein. Besorgnis ist auch nur ein Gefühl, eines der Angst, der Angst vor Verlusten. Sie hatte nichts zu verlieren außer Chancen und diese waren mannigfaltig. Zu viele um sie alle ergreifen zu können. Man mußte selektieren. Nichts anderes tat sie. Zweifelte sie? Hatte sie Zweifel, auch die richtige Wahl getroffen zu haben? War es nun gut, sich in Frage zu stellen, um nicht übermütig zu werden oder war es falsch, waren alle Zweifel an ihrer Person nicht zugleich Zweifel an ihrem Glauben? Zweifelte sie überhaupt? Waren Zweifel nicht auch Angst? Wovor sollte sie sich fürchten? Sollten nicht vielmehr die anderen sie fürchten, war nicht dies ihre letztendliche Bestimmung? Nehmen wir doch nur einmal die Fakten.
Nachdem die Insel von allem überflüssigen Leben befreit worden war hatte die Rabenfrau das Pentagramm mit dem Bannkreis gezogen. Sie leitete es, sie stand darin. Die anderen, auch Treia, hatten dafür zu sorgen, daß der Strom nicht verebbte und das Lied darselbst sich nicht recht zu manifestieren vermochte. Fünf Linien des Verfalls, fünf Linien der Leere um ein Zentrum der Stille zu formen. Ein Kreis der Resonanz, der die Töne, die auf ihn einprallten, zurück warf, eine Mauer, ein Übergang, vom Reich des Todes in das Reich des Lebens, vom Chaos zur Ordnung. Eine Barriere für jene, die nicht der Ordnung, nicht dem Leben zuzuordnen sind. Und doch war diese Barriere nicht angetastet worden. War sie überhaupt nötig gewesen? Sie würde es wohl nie erfahren. Und doch, wo wäre die Rabenfrau nun, wäre ihre Seele nicht im Bannkreis gefangen worden, wohin wäre sie gegangen? Eine jede Seele zieht es zu ihrem Körper zurück und doch, der Griff des Raben war eisern und kalt wie die Stimme der Kreatur, die sie beim Namen gerufen.
Ein Ausblick, eine Verheißung auf das, was kommen möge. Ein Dracolich und wie es schien, sogar einer der älteren. Eine durch und durch mystische und mythische Kreatur, über die es mehr Sagen als wirkliches Wissen gab. Und doch, wenn vier und zwei sich vereinen werden die lichten Völker weinen. Ja. Zwei. Alatar und Kra'thor. Darin lag der Schlüssel zum Leid, der Hass gepaart mit kalter Effizienz. Doch wie brüchig dieser Pakt war hatte das ganze drumherum mehr als deutlich offenbart. Beide Seiten wußten es, ein jeder dachte an seinen Vorteil. Warum auch nicht? Umsonst war nicht einmal der Tod, kostete er doch das Leben. Ein akzeptabler Preis, wie sie fand. Doch das Gefeilsche um andere, weltlichere Dinge widerte sie an. Taschen hat kein Totenkleid. Man konnte es deutlich in den Augen des Dracoliches sehen. Er klammerte sich an seine Existenz. Er war furchtsam. Verzweifelt. Eine tragische Gestalt, eine verlorene Seele, rastlos, ruhelos, getrieben, gepeitscht von einem Gott und einem Erzdämonen. Unermesslich mochte seine Qual sein, unendlich die Spanne seines Dienstes. Gab es etwas erniedrigenderes, als von seinem eigenen Futter abhängig zu sein, der Menschen zu bedürfen um Sein zu können, um entfliehen zu können um endlich wieder nützlich sein zu können? Seine Abscheu war nicht zu überhören und hallte dumpf in der Stille des liedlosen Kreises wider. Er wollte befehlen und doch bat er zugleich. Weckt mich, ha, hier standen sie, die Nekromanten, die Dämonologen von Leethe, dem sechsten Höllenkreis, der da Stille ward, hier standen die Paktierer und die Priester. Du wendest Deine Worte an die falschen, Dracolich, die Herren der Stille waren nicht die, die Du Dir erkoren. Aber sie wußte schon, weshalb er sich an sie gewandt hatte. Jene dort wußten nicht was sie taten, sie spielten nur mit der Schöpfung und der Nichtschöpfung. Möglich, daß sie ihn rufen konnten, doch ward er erst einmal körperlich, so würde nichts mehr ihn an sie binden und mit nichts vermochten sie ihn dann noch zu bändigen, ward er dann doch nicht mehr als jeder andere Lich, zur Hölle, jeder simple Zombie darselbst. Eine Kreatur des Unlebens, getrieben von dem Hunger nach Leben, dem Hunger, den keine Lebensessenz jemals stillen konnte. Eine Kreatur des Wahnsinns unter der Knute des Erzdämonen. Er wollte diesen Verlust an Kontrolle und darum wollte er, daß jene, die nicht wußten, was sie taten, ihn erweckten. Ihr sollte es recht sein. Immerhin war der Verlauf recht erbaulich gewesen. Seine Worte waren Verheißung und Ermahnung zugleich und sein Auftritt war gewählt bombastisch gewesen. Er hatte seinen Zweck erfüllt.
Somit hätte sie eigentlich zufrieden das kleine Eiland verlassen können, mit seinen toten Tieren und dem leblosen Fleck erloschenen Lebens, wo das Pentagramm in verdorrter Erde versickerte und der Wind kalt über die verwelkten und schließlich zu Staub zerfallenen Grashalme wehte, wo ehedem noch saftige Wiese gegrünt hatte, Nachhall der Kräfte, die sie hier vergossen hatten. Und doch belastete sie die Tatsache, daß die ganze Zeit eine dritte Schuppe in ihrem Kreis kursiert hatte. Wie viel mehr hätte man hier erfahren, wie viel mehr erreichen können, wären dreie statt zweien vereint gewesen zu einer. Sollte sie dies erregen, verärgern gar? Sie dachte nicht. Zorn war auch nur ein Gefühl.
Verfasst: Freitag 4. Mai 2007, 18:53
von Yejide
Die knöchernen Handschuhe der Templerin umgriffen ein weiteres mal die kleine, filigrane Statue. Einem Panther nachempfunden war sie einst das Geschenk einer alten Freundin gewesen und nach langer Zeit hatte sie es einmal wieder aus dem Nachtschrank geborgen. Die Nacht war bereits herein gebrochen, doch sollte man davon in den Kellergewölben des alten
Tempels nicht viel bemerken, denn ihre karge Schlafstätte lag beinahe zu jedem Zeitpunkt in dem dämmrig-düsteren Licht der Kerzen. Ihre Gedanken kreisten. Die jüngsten Ereignisse ließen sie einfach nicht los und an Schlafen war kaum zu denken.
Vor allem beschäftigte sie die Schuppe des Drachen, die sie nur schweren Herzens aus den Händen gegeben hatte. Sie wusste, es war die richtige Entscheidung gewesen, doch es verging keine Stunde, in der sie sich nicht nach dem hornigen Stück - nach der Nähe des Herrn - sehnte. Welche gewaltige Macht würde dieses Geschöpf wohl besitzen, ein Wesen, welches dem All-einen so nahe steht? - Ein flüchtiges Kribbeln durchfuhr sie bei dem Gedanken daran.
Wann würde es wohl so weit sein?
"Finde mich .. Wecke mich!" Echote es in ihrem Kopf.
Nicht mehr lange, dachte sie.
[URL=http://img255.imageshack.us/my.php?image=sqlara1gy7.jpg][img]http://img255.imageshack.us/img255/7228/sqlara1gy7.th.jpg[/img][/URL]
(C) PO Laraanji
[Falsch einloggt => von Laraanji]