Moras Pfad zwischen Ärgernis und MacAgrona
Verfasst: Dienstag 6. März 2007, 17:54
Mora, Moras Schuld und Hoffnung
... in Bereks Augen
Mora.
So nannte sie jeder, doch so hatte sie sich nicht vorgestellt. Eine vage Erinnerung, schon am verblassen.
Mora-Raelin.
Ihre Stimme und ihr Verhalten konnten sich ebenso in die Nerven bohren wie ein Speer in das weiche Fleisch eines Hirschen. Berek war inzwischen gegen ihr vorlautes Mundwerk immun, vielleicht ein Privileg des Alters oder eine Abhärtung, die zu guten Teilen an Caitlins Verhalten hing. Die beiden nahmen sich wenig, wenn es ans störrische Bocken ging oder sich jugendlicher Leichtsinn bestätigt sehen wollte. Wie es das junge bockige Alter - besonders bei Frauen, so schien es Berek - immer mit sich brachte, verstanden sie sich untereinander nicht. Sie waren nicht sonderlich verschieden und andererseits doch.
Kleinigkeiten.
Caitlin älter, Mora ein wenig jünger.
"D'e Kleine" kleiner; Mora ordentlich groß für eine Göre Ihres Alters.
Caitlin, die hitzköpfige Jägerin mit Hang zur Selbstüberschätzung; Mora, die ohnehin alles konnte. Mit dem Mund.
Doch da war etwas viel wichtigeres, was sie grundlegend voneinander
unterschied.
Mora-Raelin MacDeclan.
Sie war keine von den seinen.
Sie war in Ihrer Notlage ganz auf sich gestellt und hatte Unterschlupf gesucht.
Sie hatte sich schnell bei Ihnen eingelebt.
Berek hatte es ihr erlaubt, denn er würde keinem unbedarften Hilfesuchenden die Türe vor der Nase zuschlagen. Moras Streifzüge auf eigene Faust waren niemandem groß aufgefallen. Sie sollte auf sich Acht geben und das konnte sie in der Nähe Machads sicherlich auch ganz gut. Sie war eine Angure und mehr als gute Ratschläge konnte man ohnehin nicht geben. Doch Bereks Sorge um ihr Wohl war nicht ganz grundlos gewesen, ebensowenig wie es seine Mildtätigkeit war. Mora hatte eine Eignung, die sie auszeichnete und wertvoll für den Clan machte: Sie konnte ein Schiff steuern und an ihre Vereinbarung und ihr Versprechen hatte sie sich gehalten. Sie hatte dem Clan einen Dienst erwiesen, nicht ganz so wie geplant, denn der Kahn war kurz vor seiner Rückkehr auf einer Untiefe aufgelaufen, aber sie hatte ihr Wort gehalten.
In all der Zeit, die sie bei den MacAgrona war, hatte sie nie mehr ein Wort über ihren Clan verloren. Das war etwas, das Berek verstehen konnte, denn er war es nicht, der in einem dampfenden Kochtopf der Emotionen wild umrühren würde. Ein letzter Rest von Feinfühligkeit verbarg sich unter dem dichten Fell und der ledrigen Haut und eben jener hatte dafür gesorgt, daß er nicht in ihrer Vergangenheit herumstocherte und sich still wunderte, daß sie ihrem Clan zumindest nach außen so fern war.
Also doch nur...
Mora-Raelin.
Sie hatte keinen Clan.
Sie hatte womöglich nie einen Clan wirklich gekannt.
Sie hatte wahrscheinlich nie gewußt, was es bedeutet, einem Clan anzugehören; was es bedeutet, eine Gemeinschaft im Rücken zu haben, in der man nicht alleine auf sich gestellt Entscheidungen fällt, sondern sich auf den Rückhalt der anderen verläßt; was es bedeutet, einer Gemeinschaft anzugehören, für die jeder einzelne verantwortlich ist und mit deren Schicksal man untrennbar verbunden ist.
Sie hatte vermutlich auch nie gelernt, daß man die Entscheidungen der Älteren zu respektieren hat und auf ihre weisen Entschlüsse abwartet, gleich wie sehr es einen nach Taten juckt.
Nur so konnte es kommen, daß sie Bereks eigenes Fell gestohlen hatte und sich klammheimlich damit auf die grüne Insel davongestohlen hatte, zurück an den Ort Back-hrrt, wo sie Tage davor jemanden getötet hatte. Berek hatte sich mit ihr, Caitlin und Halvar hingesetzt und hatte ihnen erklärt, was es bedeutete, zu töten. Er hatte versucht, sie zu beruhigen und es ihnen schonend beizubringen, denn sie alle waren noch jung und er wollte ihren unbefleckten Geist nicht zu sehr trüben. Er hatte ihnen das wichtigste erklärt über das Töten. Wann es notwendig sein kann und wann man es muß. Wann man sich nicht zu schämen braucht dafür und wann man stolz darauf sein kann.
Doch der sanfte Wind läßt die Haut nicht erhärten, ein mildes Lüftchen läßt einen nicht reagieren, man spürt es ja kaum und ist versucht, es zu ignorieren. Erst wenn sich ein Wetterumschwung bedrohlich ankündigt, dann werden auch jene verstehen, die nicht darauf geachtet haben und sorglos durch die Welt stapften. Berek hatte dafür gesorgt, daß ein rauherer Wind aufgezogen war. Er hatte den Donnerschlag herbeigeführt, der Mora wachrütteln sollte und es würde ihr nur gut tun, wenn sie sich möglichst lange an den bohrenden Schmerz erinnerte, den seine Faust in ihrer Magengrube verursacht hatte. Er hatte sein Fell wiedererlangt und Mora dafür eine wichtige Erfahrung gemacht. Sie hatte eine neue Grenze kennengelernt. Ein wertvoller Tausch, doch war er weder für Berek genug, noch für ...
Schlicht ...
Mora
... so, wie sie jeder im Clan nannte.
Sie hatte in Back-hrrt den Clan in Gefahr gebracht. Indem sie zurückgekehrt war. Der Clan hatte sich um sie gesammelt und so hatte sie es Berek gedankt, daß er sie in der Mitte des Clans vor Bedrohungen abgeschirmt hatte. Doch es gab auch anderes, das Berek davon abhielt, sie sogleich davon zu jagen.
Sie hatte Wort gehalten als es um das verläßliche Steuern des Schiffs gegangen war. Sie hatte gemurrt und gemault, aber das würde Berek vermutlich in ihr nächtes Versprechen mit aufnehmen müssen.
Die wichtigste Lektion eines Anguren, auf den man sich verlassen konnte, hatte sie beigebracht bekommen. Es gab Hoffnung für sie.
Sie stand zu ihrem Wort.
Sie stand zu ihren Versprechungen.
Sie konnte zuhören und sie konnte gehorchen.
Sie würde sich entscheiden müssen, ob sie beim Clan bleiben wollte und für diesen das tun, was alle im Clan zu tun haben, oder ob sie für immer von ihm scheiden würde.
Sie würde Berek ihre Entscheidung mitteilen. Danach.
... in Bereks Augen
Mora.
So nannte sie jeder, doch so hatte sie sich nicht vorgestellt. Eine vage Erinnerung, schon am verblassen.
Mora-Raelin.
Ihre Stimme und ihr Verhalten konnten sich ebenso in die Nerven bohren wie ein Speer in das weiche Fleisch eines Hirschen. Berek war inzwischen gegen ihr vorlautes Mundwerk immun, vielleicht ein Privileg des Alters oder eine Abhärtung, die zu guten Teilen an Caitlins Verhalten hing. Die beiden nahmen sich wenig, wenn es ans störrische Bocken ging oder sich jugendlicher Leichtsinn bestätigt sehen wollte. Wie es das junge bockige Alter - besonders bei Frauen, so schien es Berek - immer mit sich brachte, verstanden sie sich untereinander nicht. Sie waren nicht sonderlich verschieden und andererseits doch.
Kleinigkeiten.
Caitlin älter, Mora ein wenig jünger.
"D'e Kleine" kleiner; Mora ordentlich groß für eine Göre Ihres Alters.
Caitlin, die hitzköpfige Jägerin mit Hang zur Selbstüberschätzung; Mora, die ohnehin alles konnte. Mit dem Mund.
Doch da war etwas viel wichtigeres, was sie grundlegend voneinander
unterschied.
Mora-Raelin MacDeclan.
Sie war keine von den seinen.
Sie war in Ihrer Notlage ganz auf sich gestellt und hatte Unterschlupf gesucht.
Sie hatte sich schnell bei Ihnen eingelebt.
Berek hatte es ihr erlaubt, denn er würde keinem unbedarften Hilfesuchenden die Türe vor der Nase zuschlagen. Moras Streifzüge auf eigene Faust waren niemandem groß aufgefallen. Sie sollte auf sich Acht geben und das konnte sie in der Nähe Machads sicherlich auch ganz gut. Sie war eine Angure und mehr als gute Ratschläge konnte man ohnehin nicht geben. Doch Bereks Sorge um ihr Wohl war nicht ganz grundlos gewesen, ebensowenig wie es seine Mildtätigkeit war. Mora hatte eine Eignung, die sie auszeichnete und wertvoll für den Clan machte: Sie konnte ein Schiff steuern und an ihre Vereinbarung und ihr Versprechen hatte sie sich gehalten. Sie hatte dem Clan einen Dienst erwiesen, nicht ganz so wie geplant, denn der Kahn war kurz vor seiner Rückkehr auf einer Untiefe aufgelaufen, aber sie hatte ihr Wort gehalten.
In all der Zeit, die sie bei den MacAgrona war, hatte sie nie mehr ein Wort über ihren Clan verloren. Das war etwas, das Berek verstehen konnte, denn er war es nicht, der in einem dampfenden Kochtopf der Emotionen wild umrühren würde. Ein letzter Rest von Feinfühligkeit verbarg sich unter dem dichten Fell und der ledrigen Haut und eben jener hatte dafür gesorgt, daß er nicht in ihrer Vergangenheit herumstocherte und sich still wunderte, daß sie ihrem Clan zumindest nach außen so fern war.
Also doch nur...
Mora-Raelin.
Sie hatte keinen Clan.
Sie hatte womöglich nie einen Clan wirklich gekannt.
Sie hatte wahrscheinlich nie gewußt, was es bedeutet, einem Clan anzugehören; was es bedeutet, eine Gemeinschaft im Rücken zu haben, in der man nicht alleine auf sich gestellt Entscheidungen fällt, sondern sich auf den Rückhalt der anderen verläßt; was es bedeutet, einer Gemeinschaft anzugehören, für die jeder einzelne verantwortlich ist und mit deren Schicksal man untrennbar verbunden ist.
Sie hatte vermutlich auch nie gelernt, daß man die Entscheidungen der Älteren zu respektieren hat und auf ihre weisen Entschlüsse abwartet, gleich wie sehr es einen nach Taten juckt.
Nur so konnte es kommen, daß sie Bereks eigenes Fell gestohlen hatte und sich klammheimlich damit auf die grüne Insel davongestohlen hatte, zurück an den Ort Back-hrrt, wo sie Tage davor jemanden getötet hatte. Berek hatte sich mit ihr, Caitlin und Halvar hingesetzt und hatte ihnen erklärt, was es bedeutete, zu töten. Er hatte versucht, sie zu beruhigen und es ihnen schonend beizubringen, denn sie alle waren noch jung und er wollte ihren unbefleckten Geist nicht zu sehr trüben. Er hatte ihnen das wichtigste erklärt über das Töten. Wann es notwendig sein kann und wann man es muß. Wann man sich nicht zu schämen braucht dafür und wann man stolz darauf sein kann.
Doch der sanfte Wind läßt die Haut nicht erhärten, ein mildes Lüftchen läßt einen nicht reagieren, man spürt es ja kaum und ist versucht, es zu ignorieren. Erst wenn sich ein Wetterumschwung bedrohlich ankündigt, dann werden auch jene verstehen, die nicht darauf geachtet haben und sorglos durch die Welt stapften. Berek hatte dafür gesorgt, daß ein rauherer Wind aufgezogen war. Er hatte den Donnerschlag herbeigeführt, der Mora wachrütteln sollte und es würde ihr nur gut tun, wenn sie sich möglichst lange an den bohrenden Schmerz erinnerte, den seine Faust in ihrer Magengrube verursacht hatte. Er hatte sein Fell wiedererlangt und Mora dafür eine wichtige Erfahrung gemacht. Sie hatte eine neue Grenze kennengelernt. Ein wertvoller Tausch, doch war er weder für Berek genug, noch für ...
Schlicht ...
Mora
... so, wie sie jeder im Clan nannte.
Sie hatte in Back-hrrt den Clan in Gefahr gebracht. Indem sie zurückgekehrt war. Der Clan hatte sich um sie gesammelt und so hatte sie es Berek gedankt, daß er sie in der Mitte des Clans vor Bedrohungen abgeschirmt hatte. Doch es gab auch anderes, das Berek davon abhielt, sie sogleich davon zu jagen.
Sie hatte Wort gehalten als es um das verläßliche Steuern des Schiffs gegangen war. Sie hatte gemurrt und gemault, aber das würde Berek vermutlich in ihr nächtes Versprechen mit aufnehmen müssen.
Die wichtigste Lektion eines Anguren, auf den man sich verlassen konnte, hatte sie beigebracht bekommen. Es gab Hoffnung für sie.
Sie stand zu ihrem Wort.
Sie stand zu ihren Versprechungen.
Sie konnte zuhören und sie konnte gehorchen.
Sie würde sich entscheiden müssen, ob sie beim Clan bleiben wollte und für diesen das tun, was alle im Clan zu tun haben, oder ob sie für immer von ihm scheiden würde.
Sie würde Berek ihre Entscheidung mitteilen. Danach.