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Das Kreide-Dilemma
Verfasst: Montag 5. März 2007, 15:16
von Leith Llastobhar
Verflucht, verdammt, vermaledeit nocheins.
Wieso konnte er nicht einfach einmal zuhören, wenn seine kleine Cousine zweiten Grades wieder einmal in ihrem Element war?
Wieso war es so unmöglich auch nur einen Augenblick lang gänzlich aufmerksam zu sein?
Und wieso zum Flügelaffen hatte ihm niemand vorher gesagt, dass man nicht durch ein Pentagramm laufen soll?
Blöde Kreide... blödes Pentagramm... blöder Keller.
Auf Knien und mit gebeugtem Rücken strich er so gut es ihm möglich war mit der Kreide den Kreis nach und war dabei so akribisch genau wie man es ihm zu Hause mit dem Stock hatte einprügeln wollen.
Während er Una dabei zusah, wie sie sich konzentrierte, (auf was konnte er nicht sagen) schossen Gedanken durch seinen Kopf an den vergangenen Exkurs mit den Beschwörern...
Ein wahrlich großartiger Raum war das gewesen... dieser Luftelementaristenraum. Die treibende Kraft, der unbändige Wirbel, die tosenden Wolken, der brausende Wind... Schöner als im Traum, dachte er bei sich.
"Ich will wieder in diesem Raum" dachte er wohl mehr als er es aussprach.
Una öffnete die Augen und blickte ihm mitten ins Gesicht, als ob sie hätte hören können, was er gedacht hatte. Aber das konnte nicht sein.
Verfasst: Dienstag 20. März 2007, 13:41
von Una Llastobhar
Nachdenklich lehnte sie an der dunklen, kühlen, doch keineswegs feuchten Mauer des Beschwörungskellers, hatte die Arme eher lässig vor der eher flachen Brust verschränkt und beobachtete ihn.
Strich um Strich wuchs das Pentagramm neu heran und wenn er diese Arbeit getan hatte, so war es dann an ihr alles erneut zu überprüfen und es in einer etwas längeren Nachtschicht noch zu weihen. Allein der Gedanke an diese Mühe ermüdete sie enorm und sie sank noch ein wenig schiefer in sich zusammen. Einen besonders drohenden, majestätischen Eindruck machte sie wohl schon lange nicht mehr... aber mit der Zeit hatte sie Leiths gewissenhafte Arbeit eh längst soweit überzeugt, dass er sein Mißgeschick nun in ihren Augen wieder tilgen konnte.
Beunruhigend war nur der Blick, den er kurz mit voller Sehnsucht dem Tore zuwarf und für wenige Lidschläge wurden die nebelgrauen Augen der kindlichen Priora schmäler. Eine derartig waghalsige Begeisterung hieß meist nichts Gutes bei ihrem Cousin und wieder regte sich ein ähnlich mulmiges Gefühl wie vor wenigen Stunden, als sie den Tempel der Elementarmagie betreten hatten, in ihrem Magen. In etwa so, als falle man recht schnell und sehr tief oder so, als erfahre man zu viele Drehbewegungen um die eigene Achse.
Angestachelt durch diese Alarmmomente reckte sie sich etwas vor und fixierte den am Boden knienden, zeichnenden Burschen genauer. Seine Lippen bewegten sich, tonlos... und ehe sie sich versah, streckte sie nur sehr vorsichtig mental die Hände nach seinem Geist aus.
Nicht zu verzeihen, eine derartige Handlung, wo es doch nicht einmal einen festen, dringlichen Grund gab- nur dieses vage Gefühl der Unruhe in ihrem Inneren.
Doch ehe sie Schuldgefühle packen konnten, brüllten Leiths Gedanken ihr förmlich entgegen und von der derben Intensität getroffen, presste sie sich erneut mit einem leisen Aufkeuchen an die Wand.
Er hatte sie wohl gehört und verwirrt hob er den Kopf um sie mit seinen schuldlosen, grünen Augen beunruhigt anzublicken.
"Ist alles in Ordnung, Un... ah Priora? Geht es Euch nicht gut?"
Mit einem Schnauben und einer flapsigen Handbewegung wischte sie diesen plötzlichen Anfall von Respekt beiseite und trat dann auf ihn zu. Langsam nur ging sie neben ihm in die Hocke, überflog blicklich nochmals kurz seine Arbeit und legte ihm dann nickend die schmale, blasse Hand auf die Schulter.
"Das hast du gut gemacht, Leith. Ich danke dir... und ich hoffe auch, dass du das nächste Mal etwas besser hinhörst, wenn ich etwas erzähle. Sicher ist es nicht immer für alle interessant und ich weiss, dass es nicht einfach ist privat mit der Cousine Pfeifchen zu rauchen und ihr im Konvent dann ehrfürchtig den Kopf entgegen zu neigen aber... du solltest doch langsam erkennen was da nun bald vor dir liegt, verstehst du?"
Verstand er? Bisher nicht, denn zunächst blinzelte er ihr lediglich irritiert entgegen und schön öffnete er mit einem Stirnrunzeln den Mund. Doch auch diesmal ließ sie ihm keine Chance zu reagieren und fiel ihm rasch ins Wort.
"Wenn du Magier werden willst, dann übernimmst du nicht mehr nur für dich eine Verantwortung- sondern auch für alles und jeden um dich herum. Du wirst in gewisser Weise sogar zum Aushängeschild und deine Aktionen reflektieren das gesamte Bild eines Magiers. Manche Leute werden dir vertrauen und du solltest diese nicht enttäuschen, andere werden dich fürchten oder gar hassen und sogar damit musst zu leben."
Er begann zu verstehen... und er ahnte, dass sie seine Gedanken gelesen hatte, denn kurz verdunkelte sich sein bleiches Gesicht- entweder mit Zorn oder Scham, das war schier unmöglich zu deuten. Sie erhoben sich beide gleichzeitig und obwohl Leith nicht unbedingt der größte aller Männer war, so musste sie nun den Kopf heben um zu ihm aufzublicken. Ein nachdenklicher Blick lag auf seinem ansonsten wieder sehr starrem Gesicht.
"Denk einfach mal darüber nach, Leith... und nun schau das du noch etwas Schlaf abbekommst, es ist längst dunkel draussen."
Er nickte, dann wurden noch die üblichen Abschiedsfloskeln gesprochen und schon wurden seine Schritte auf der Kellertreppe leiser. Mit einem flachen, trüben Seufzen ging sie langsam wieder in die Knie und begann einige Sachen auszubessern.
Es schmerzte, dass sie ihn hatte zurechtweisen müssen, obwohl sie selbst nicht immer das leuchtende Vorbild sein konnte und ihre Familienbande sie eigentlich so eng verknüpften, dass sie ihn verstehen konnte.
Es schmerzte aber auch, dass ihr der Beistand und die Worte jener Person, die damals, zu Beginn des Konvents und Leiths Unterricht, sein strahlendes Idol und Richtfaden gewesen war, völlig fehlten... und sie nun im Keller zeichnete, weihte, ohne dass man sie sonst irgendwo gerade vermisste.