Manchmal muss man wissen wo der Anfang liegt um zu wissen wieso Dinge sind, wie sie sind.
Varuna vor 18 Jahren
Das Leben war angenehm an jenem schönen sommerlichen Tag in Varuna. Der Markt neigte sich gerade gen Ende und die Händler verließen die Stadt, welche der Königin Anara die Treue geschworen hatte. Ein geschäftiges Treiben herrschte in der Stadt und selbst jetzt, wo die Händler allmählich ihre Stände abbauten, war die Stimmung wie so oft gut, Barden spielten und sangen zu ihrer Musik, Kinder tollten über den Platz. Drei Personen schritten besonnen über den Platz und näherten sich dem östlichen Viertel der Stadt. Teldron, Vaneria und Sarah Ser’Rhal. Eine glückliche kleine Familie welche nun schon seit Jahren in Varuna lebte. Teldron war Schreiner, er verstand sein Werk, aber trotz allem herrschte in der Stadt der Konkurrenzkampf und Schreiner waren nicht gerade selten. Trotz allem reichte es, die Familie mit Müh und Not über Wasser zu halten, zu ernähren und letztendlich auch dass ein paar Münzen übrig blieben bevor die Miete für das Haus eingetrieben wurde. Sie waren sicher nicht reich, aber sie lebten glücklich und zufrieden; für Sarah wurde das Gold beiseite gelegt, sie sollte Lesen und Schreiben lernen, sie sollte etwas aus sich machen und vielleicht würde sie sogar für den Adel arbeiten dürfen, eine Aussicht die dem sechsjährigen Mädchen bereits jetzt schon gefiel. Vaneria und Teldron waren glücklich verheiratet und das merkte man den beiden auch an, auch wenn sie sich in Zurückhaltung übten und nur zu bestimmten Zeiten den Beischlaf praktizierten, ganz davon abgesehen dass Teldron immer lange arbeiten musste und erschöpft war wenn er Heim kam. Doch heute Abend hatte er sich frei genommen, für seine Familie, für seine Frau, für einen schönen Abklang des Tages mit seiner Frau in den Armen und der Leidenschaft, auf welche sie beide die letzten Wochen hatten verzichten müssen. Daheim brachte er seine Tochter zu Bett, gab ihr einen Kuss auf die Stirne und wandte sich ab, seine Frau wartete bereits. Die Nacht war so angenehm wie noch nie und beide schliefen letztendlich friedlich ein. Wahrlich, sie beide waren nicht reich doch sie waren gesegnet mit einem wunderschönen Kind und einem Leben in denen es ihnen nicht an Speis und Trank mangelte, den Göttern sei es gedankt.
Man konnte es ein Wink des Schicksals nennen, dass der ehrgeizige Schreiner immer mehr an Kundschaft dazugewann und mit der Zeit immer mehr Goldstücke in den Haushalt der Familie flossen, es hätte fast gar nicht besser sein können, doch das Schicksal hatte die Gewohnheit auch mal weniger angenehm zu sein. Vaneria merkte es selbstverständlich als erste, ihr wurde schlecht, sie schwitzte mehr und sie fühlte sich seltsam. Ein Besuch beim örtlichen Medicus machte aus der Befürchtung dann Gewissheit, Vaneria trug ein Kind in ihrem Leib und war auf dem Wege der Familie Ser’Rhal ein weiteres Kind zu schenken. Anfänglich war diese Nachricht für beide Eltern weniger erfreulich, ein weiteres Kind? Konnte das gut gehen? Doch trotz all der Ungewissheit, freute man sich auf den kommenden Nachwuchs, das Gold was Teldron nun zusätzlich verdiente durch seine neuen Kunden reichte um ein weiteres Kind zu ernähren und wer wusste schon so recht, vielleicht war dieses Kind ja ein Geschenk der Götter? Für Sarah war die Tatsache dass sie ein neues Geschwisterchen bekam einfach nur toll und für sie war genauso klar dass es sich dabei nur um ein kleines Schwesterchen handeln konnte, die Vorfreude auf den Nachwuchs wurde immer größer und nach einigen Monaten sah man es der werdenden Mutter auch an; ein Kind war auf dem Weg. Die Tage wurden für Vaneria ruhiger, sie musste immer mehr ruhen und die Zeit schien gar nicht stehenbleiben zu wollen, denn immer näher rückte der Zeitraum der Geburt, den man vage abgeschätzt hatte.
Und dann war er auch da, der große Tag. Es war mitten im Frühling, es regnete draußen und eine angenehme Brise zog über Varuna. Aus dem kleinen Haus der Ser’Rhals drangen schmerzenserfüllte Schreie, die Wehen hatten schon längstens eingesetzt und Vaneria stand der Schweiß im Gesicht als sie keuchend und vor Schmerzen unter den Qualen der Geburt litt. Ein Heiler war zugegen und half der Mutter so gut es ging und beäugte die ganze Situation kritisch, doch letztendlich ging alles ohne Probleme von Statten. Erschöpft und etwas zittrig sah Vaneria zu dem heiler auf, welcher ein kleines, schreiendes Kind in der Hand hielt. Ein kurzes, kontrollierender Blick ging über das Baby ehe er nickte. „Ein Mädchen …“ und mit diesen Worte überreichte er das Kind der Mutter welche lächelte und leise flüsterte.
„Viola … oh meine kleine Viola …"
Ein Blick in die Vergangenheit
-
Viola Ser´Rhal
Fünf Jahre später
„Viola, komm rein! Das Essen ist fertig!“ die Rufe hallten durch die Straße vor dem Tor Varunas, ein paar Kinder spielten hier fangen und verstecken. Eines davon hielt inne und sah auf, das lange, rabenschwarze Haar fiel ihr bis in den Rücken und zwei große Augen blickten in Richtung der Stimme. „Muss los“ murmelte sie rasch und rannte so schnell sie konnte in Richtung Haus, ihre Eltern wollten dass sie schnell kam wenn es Essen gab. Sie streifte sich die Schuhe schnell von den Füßen und trat dann ein, die anderen saßen bereits am Tisch. Sahra hatte sich bereits auf die Suppe gestürzt, die letzten Wochen gab es immer öfters Suppe. Ihr Vater und ihre Mutter saßen schweigend da, die Teller nicht einmal halb so voll wie die ihrer Töchter. Viola wusste nicht recht wieso, sie wusste nur dass ihr Vater in der letzten Zeit immer früher wieder Heim kam, was sie natürlich freute, doch alle anderen schienen das nicht so toll zu finden. Nichtmal Sarah konnte sich so recht darüber freuen und auch sie zog die letzten Tage ein eher mattes Gesicht, doch immer wenn Viola fragte was denn los sei, bekam sie keine richtige Antwort, sie waren halt alle doof. Vaneria sah auf ihren Ehegatten, „Wieder niemand?“. Dieser schüttelte nur den Kopf und seufzte. „Nichts … nein. Nur das übliche.“ Viola verstand nie so recht was die beiden meinten, und sie konnte auch nicht ahnen, dass die Glückssträhne ihres Vaters bereits seit einiger Zeit geendet hatte. Die Schreinerei hatte enormen Zuwachs bekommen, aus Berchgard wanderten wieder mehr Schreiner in die Stadt und auch aus den Dörfern kamen die Handwerker und unterboten sich mit ihren Preisen wo es nur ging. Wer dabei nicht für einen Hungerlohn arbeitete, hatte ein schlechtes Los gezogen, wie Teldron. Zwar hatte er seine Preise deutlich hinab gesenkt doch es gab immer noch genügend andere, die deutlich billiger arbeiteten und selbst seine treusten Kunden wechselten zu jemand anderen, das Gold wurde immer knapper. Die Mahlzeiten der letzten Tage bestanden aus einer dünnen Suppe, es musste gespart werden wo es nur ging, oft gingen die Eltern hungrig ins Bett während die Kinder wenigstens für eine Weile gesättigt waren , doch es würde so nicht weitergehen können. Abends als Viola und Sarah im Bett lagen und schliefen, unterhielten sich ihre Eltern noch oft. „Ich weiß nicht weiter Vaneria … wir schaffen es nicht … wir können uns bald die Miete nicht mehr leisten, wir werden die Werkstatt verlieren. Wir können nicht für die beiden sorgen, Sarah, es wäre gegangen, aber Viola … wieso nur? Wieso mussten uns die Götter noch ein Kind anhängen dass uns alles wegfrisst?!“ Die Mutter riss die Augen auf. „Sprich nicht so von deiner Tochter! Wir werden das hinkriegen, wir werden aus dieser Lage herauskommen, ich werde weiterhin nach einer Stelle als Hausmagd Ausschau halten, es wird wieder werden, hörst du?“ Beide glaubten noch fest daran, so wie man nun einmal an Träume glaubte.
Es waren genau zwei Monate vergangen. Der Brief war ihnen überbracht worden, sie hatten das Haus zu räumen, die Miete konnte nicht gezahlt werden. Das Essen war knapp geworden und die Kinder quengelten immer mehr dass sie Hunger hatten und die letzte Möglichkeit an Gold zu kommen schien zu versiegen. Die beiden Eltern waren ratlos, am Ende und vielleicht war es dieser Umstand, der die Tat an jenem Abend ermöglichte. Viola und Sarah wurden plötzlich aus dem Schlaf gerissen, als sie der Vater aufweckte. „Aufstehen!“ brüllte er, er hatte noch nie gebrüllt! Es ging alles so schnell, sie sollten ihre Sachen anziehen, dann wurden sie runtergedrängt, die Mutter stand da, aufgelöst und weinend, doch sie sah ihre Kinder nicht an. Die Miene des Vaters war eisern, undurchdringlich und kalt . „Ihr beide werdet gehen! Ihr seid hier nicht mehr willkommen, verschwindet! Wir brauchen keine Mäuler mehr, die uns das Essen wegfressen, wir brauchen keine Kinder die unser letztes Hab und Gut verschlingen! RAUS!“ Die Worte hallten durch die Köpfe der beiden Geschwister, war das gerade alles Wirklichkeit? Nein, sie mussten träumen. Sarahs Augen begannen zu Tränen und sie schluchzte auf. „Papa … das … das kannst du nicht! Papa wir haben dich doch lieb … wir …“ doch ehe sie weiterreden konnte schnellte seine Hand vor und verpasste ihr eine Ohrfeige, so laut dass es knallte und Sarah zurücktaumelte. Ihre Wange war knallrot und der Abdruck der Hand war deutlich zu sehen. Verstört sahen die beiden Kinder auf zu dem Mann, dieser Mann der mal ihr Mater war, doch was da vor ihnen stand war nichts weiter als ein lauter, brüllender wahnsinniger. „RAUS! RAUS VERDAMMT!“ und damit holte er erneut aus, diesmal um Viola eine zu verpassen, doch Sarah reagierte aus irgendeinem Grund sehr schnell zog die Schwester an sich heran und stürmte heraus und rannte, immer weiter, immer weiter. Sie hörten noch seine Schreie in der Ferne, doch sie verstanden nicht was er brüllte, sie verstanden gar nichts. Der Schock saß tief in ihnen. Erst nach einer ganzen Weile hielten sie inne, nachdem Viola mehrmals gestolpert war und sich das Knie aufgeschlagen hatte und nun gänzlich in Tränen ausbrach. Sarah presste ihre kleine Schwester fest an sich, das Gesicht verheult und knallrot noch von der Ohrfeige. Was war nur los? Was war mit ihrem Papa geschehen? Dem Mann der sie vor einigen Wochen noch lachend in den Arm genommen hatte? Sie verstanden die Welt nicht mehr.
Sarah war nun elf Jahre alt und sie war alleine mit ihrer kleinen Fünfjährigen Schwester welche weinend und wimmernd an ihr klammerte. Sie konnte nicht nachdenken, keinen klaren Gedanken fassen, was nun? „Mir ist kalt Sarah … ich will zu Mama!“ Mama … das Wort gab es nicht mehr, Eltern, dieses Wort gab es ebenfalls nicht mehr. „Das geht nicht Vio … Mama und Papa wollen uns nicht mehr“ schluchzte sie und weswegen auch immer, sie behielt einen klaren Verstand, sie brüllte nicht los, sie weinte nicht, sie hob die kleine Schwester einfach hoch und lief durch die riesigen Straßen Varunas. Ganz alleine waren die beiden, verlassen und ohne Heim. Zukunft, das war ein Wort das Sarah nun nicht im Kopf herumgeisterte, was zählte ward as hier und jetzt. Irgendwann konnte sie nicht mehr, sie lehnte sich inmitten einer kleinen Seitengasse an eine Hauswand, drückte Viola, welche eingeschlafen war und selbst im Schlaf noch schniefte und zu weinen schien, fest an sich und deckte beide mit dem Umhang zu, welchen sie umgelegt bekommen hatte daheim. Sie beide schliefen in jener kalten Nacht aus Erschöpfung ein. Kalt und Dunkel, wie sollte es nur weitergehen? Das letzte was vor dem Schlaf über Sarahs Lippen drang waren ein paar von tränen erstickte Worte, nicht mehr als ein Hauchen.
„Ich pass auf dich auf Vio … ich schwörs!“
„Viola, komm rein! Das Essen ist fertig!“ die Rufe hallten durch die Straße vor dem Tor Varunas, ein paar Kinder spielten hier fangen und verstecken. Eines davon hielt inne und sah auf, das lange, rabenschwarze Haar fiel ihr bis in den Rücken und zwei große Augen blickten in Richtung der Stimme. „Muss los“ murmelte sie rasch und rannte so schnell sie konnte in Richtung Haus, ihre Eltern wollten dass sie schnell kam wenn es Essen gab. Sie streifte sich die Schuhe schnell von den Füßen und trat dann ein, die anderen saßen bereits am Tisch. Sahra hatte sich bereits auf die Suppe gestürzt, die letzten Wochen gab es immer öfters Suppe. Ihr Vater und ihre Mutter saßen schweigend da, die Teller nicht einmal halb so voll wie die ihrer Töchter. Viola wusste nicht recht wieso, sie wusste nur dass ihr Vater in der letzten Zeit immer früher wieder Heim kam, was sie natürlich freute, doch alle anderen schienen das nicht so toll zu finden. Nichtmal Sarah konnte sich so recht darüber freuen und auch sie zog die letzten Tage ein eher mattes Gesicht, doch immer wenn Viola fragte was denn los sei, bekam sie keine richtige Antwort, sie waren halt alle doof. Vaneria sah auf ihren Ehegatten, „Wieder niemand?“. Dieser schüttelte nur den Kopf und seufzte. „Nichts … nein. Nur das übliche.“ Viola verstand nie so recht was die beiden meinten, und sie konnte auch nicht ahnen, dass die Glückssträhne ihres Vaters bereits seit einiger Zeit geendet hatte. Die Schreinerei hatte enormen Zuwachs bekommen, aus Berchgard wanderten wieder mehr Schreiner in die Stadt und auch aus den Dörfern kamen die Handwerker und unterboten sich mit ihren Preisen wo es nur ging. Wer dabei nicht für einen Hungerlohn arbeitete, hatte ein schlechtes Los gezogen, wie Teldron. Zwar hatte er seine Preise deutlich hinab gesenkt doch es gab immer noch genügend andere, die deutlich billiger arbeiteten und selbst seine treusten Kunden wechselten zu jemand anderen, das Gold wurde immer knapper. Die Mahlzeiten der letzten Tage bestanden aus einer dünnen Suppe, es musste gespart werden wo es nur ging, oft gingen die Eltern hungrig ins Bett während die Kinder wenigstens für eine Weile gesättigt waren , doch es würde so nicht weitergehen können. Abends als Viola und Sarah im Bett lagen und schliefen, unterhielten sich ihre Eltern noch oft. „Ich weiß nicht weiter Vaneria … wir schaffen es nicht … wir können uns bald die Miete nicht mehr leisten, wir werden die Werkstatt verlieren. Wir können nicht für die beiden sorgen, Sarah, es wäre gegangen, aber Viola … wieso nur? Wieso mussten uns die Götter noch ein Kind anhängen dass uns alles wegfrisst?!“ Die Mutter riss die Augen auf. „Sprich nicht so von deiner Tochter! Wir werden das hinkriegen, wir werden aus dieser Lage herauskommen, ich werde weiterhin nach einer Stelle als Hausmagd Ausschau halten, es wird wieder werden, hörst du?“ Beide glaubten noch fest daran, so wie man nun einmal an Träume glaubte.
Es waren genau zwei Monate vergangen. Der Brief war ihnen überbracht worden, sie hatten das Haus zu räumen, die Miete konnte nicht gezahlt werden. Das Essen war knapp geworden und die Kinder quengelten immer mehr dass sie Hunger hatten und die letzte Möglichkeit an Gold zu kommen schien zu versiegen. Die beiden Eltern waren ratlos, am Ende und vielleicht war es dieser Umstand, der die Tat an jenem Abend ermöglichte. Viola und Sarah wurden plötzlich aus dem Schlaf gerissen, als sie der Vater aufweckte. „Aufstehen!“ brüllte er, er hatte noch nie gebrüllt! Es ging alles so schnell, sie sollten ihre Sachen anziehen, dann wurden sie runtergedrängt, die Mutter stand da, aufgelöst und weinend, doch sie sah ihre Kinder nicht an. Die Miene des Vaters war eisern, undurchdringlich und kalt . „Ihr beide werdet gehen! Ihr seid hier nicht mehr willkommen, verschwindet! Wir brauchen keine Mäuler mehr, die uns das Essen wegfressen, wir brauchen keine Kinder die unser letztes Hab und Gut verschlingen! RAUS!“ Die Worte hallten durch die Köpfe der beiden Geschwister, war das gerade alles Wirklichkeit? Nein, sie mussten träumen. Sarahs Augen begannen zu Tränen und sie schluchzte auf. „Papa … das … das kannst du nicht! Papa wir haben dich doch lieb … wir …“ doch ehe sie weiterreden konnte schnellte seine Hand vor und verpasste ihr eine Ohrfeige, so laut dass es knallte und Sarah zurücktaumelte. Ihre Wange war knallrot und der Abdruck der Hand war deutlich zu sehen. Verstört sahen die beiden Kinder auf zu dem Mann, dieser Mann der mal ihr Mater war, doch was da vor ihnen stand war nichts weiter als ein lauter, brüllender wahnsinniger. „RAUS! RAUS VERDAMMT!“ und damit holte er erneut aus, diesmal um Viola eine zu verpassen, doch Sarah reagierte aus irgendeinem Grund sehr schnell zog die Schwester an sich heran und stürmte heraus und rannte, immer weiter, immer weiter. Sie hörten noch seine Schreie in der Ferne, doch sie verstanden nicht was er brüllte, sie verstanden gar nichts. Der Schock saß tief in ihnen. Erst nach einer ganzen Weile hielten sie inne, nachdem Viola mehrmals gestolpert war und sich das Knie aufgeschlagen hatte und nun gänzlich in Tränen ausbrach. Sarah presste ihre kleine Schwester fest an sich, das Gesicht verheult und knallrot noch von der Ohrfeige. Was war nur los? Was war mit ihrem Papa geschehen? Dem Mann der sie vor einigen Wochen noch lachend in den Arm genommen hatte? Sie verstanden die Welt nicht mehr.
Sarah war nun elf Jahre alt und sie war alleine mit ihrer kleinen Fünfjährigen Schwester welche weinend und wimmernd an ihr klammerte. Sie konnte nicht nachdenken, keinen klaren Gedanken fassen, was nun? „Mir ist kalt Sarah … ich will zu Mama!“ Mama … das Wort gab es nicht mehr, Eltern, dieses Wort gab es ebenfalls nicht mehr. „Das geht nicht Vio … Mama und Papa wollen uns nicht mehr“ schluchzte sie und weswegen auch immer, sie behielt einen klaren Verstand, sie brüllte nicht los, sie weinte nicht, sie hob die kleine Schwester einfach hoch und lief durch die riesigen Straßen Varunas. Ganz alleine waren die beiden, verlassen und ohne Heim. Zukunft, das war ein Wort das Sarah nun nicht im Kopf herumgeisterte, was zählte ward as hier und jetzt. Irgendwann konnte sie nicht mehr, sie lehnte sich inmitten einer kleinen Seitengasse an eine Hauswand, drückte Viola, welche eingeschlafen war und selbst im Schlaf noch schniefte und zu weinen schien, fest an sich und deckte beide mit dem Umhang zu, welchen sie umgelegt bekommen hatte daheim. Sie beide schliefen in jener kalten Nacht aus Erschöpfung ein. Kalt und Dunkel, wie sollte es nur weitergehen? Das letzte was vor dem Schlaf über Sarahs Lippen drang waren ein paar von tränen erstickte Worte, nicht mehr als ein Hauchen.
„Ich pass auf dich auf Vio … ich schwörs!“
-
Viola Ser´Rhal
Auf die kalte Nacht folgte ein noch härterer Morgen, oder besser gesagt; es folgte ein hartes Leben. Die beiden Kinder mussten sich keine Illusion machen, sie waren alleine, sie hatten niemanden und sie wussten auch nicht, wohin. Die Gardisten der Stadt waren Sarah immer unheimlich gewesen und einige ältere Kinder hatten immer gesagt, dass diese wachen kleine Kinder in das Gefängnis sperrten und sie nie wieder rauslassen würden. Es blieb also gar nichts für die beiden Kinder und so trieben sie irgendwann knurrende Mägen umher. An allen möglichen Ecken in der Stadt roch es gut und vielleicht wären sie schon nach einigen Tagen am Hunger und Durst zu Grunde gegangen, hätten sie nicht ihn getroffen. Sein Name war James, er war vielleicht gerade mal zwanzig Sommer alt und er hatte kurzes, struppiges Haar. Er hatte die beiden Mädchen gesehen, wie sie mit den teils dreckigen und mitgenommenen Kleidern da standen und ratlos umherblickten. Wieso er das tat, das wussten sie nicht, doch er nahm die beiden mit sich und führte sie an jenen Ort, welcher die nächsten Jahre ihre Heimat sein sollte; das Armenviertel Varunas. Hier saßen Menschen allen Alters auf den Straßen, der Dreck stand auf den Wegen und ein beißender Gestank von Urin und totem Fleisch stieg in die Luft auf. Wer hier in den allerhintersten Vierteln der Stadt lebte, hatte nichts mehr, und noch weniger hatte man so etwas wie eine Zukunft. James führte die beiden zu seiner Laube, nicht mehr als ein kleiner Verschlag aus Brettern, der den Wind etwas abhielt und den Regen von seinem Kopf fernhielt und doch nannte er es stolz sein Zuhause. Sarah war skeptisch, doch was blieb ihr anderes übrig? Viola war müde, ihre Augen waren bereits halb zugefallen, das ganze Gelaufe den Tag über hatte sie mitgenommen und sie hatte Hunger und Durst und sie wollte wieder zu ihrer Mutter. Sie wollte und konnte einfach nicht verstehen, dass sie nicht mehr zurückkehren würde. Wenigstens der Hunger und Durst wurde etwas gestillt, denn James reichte jedem der beiden ein paar Äpfel und ein Stück Brot, welches noch etwas weich war, sowie einen Krug Wasser. „Is‘ eigentlich meine Wochenration aber ich kann euch ja schlecht hungern‘ lassn‘, mh?“ Er ließ sie auch bei sich schlafen, gab ihnen eine alte, stinkende aber warme Decke und es dauerte nicht lang da siegte der Schlaf über das Misstrauen der großen Schwester und beide schnarchten eng aneinander geschlungen vor sich hin.
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst hatten war dass James mit seiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft eine Rarität hier in den Gossen war. Die goldene Regel für das Leben in dieser Gegend war, jeder ist sich selbst der nächste und Freundschaften geschahen meistens nur aus Zweckbündnissen, ansonsten war ein jeder ein Konkurrent der um Essen oder dergleichen buhlte. Sogar Tiere waren die erklärten Feinde und man musste sich manchmal mit Katzen oder Hunden um etwas Essbares streiten. James war in dieser Hinsicht etwas glücklicher, denn er war mit einer geschickten Hand gesegnet welche er öfters gerne mal nutzte um Leute zu bestehlen und ihre Taschen um einige Goldmünzen zu erleichtern, eine Tatsache die Sarah alles andere als gerne sah und auch offen missbilligte, und noch viel mehr regte es sie auf, als er begann Viola einige Dinge beizubringen. „Du kannst ihr nicht beibringen wie man stiehlt! Sie ist ein ordentliches Mädchen und nicht so wie du!“ doch James hatte dafür nur ein höhnisches Lächeln über. „Natürlich ist sie ordentlich. Weißt du was mit ordentlichen Menschen hier geschieht? Sie leben ein paar Tage und verrecken dann! Find dich damit ab, deine Schwester will es schließlich auch. Sie will etwas Gold beisteuern, denn ich glaube im Gegensatz zu dir versteht sie, dass ich euch nicht für immer durchfüttern werde, klar?!“ Die Worte hatten ihre Wirkung getan, Sarah war still geworden, doch man sah es in ihren Augen was sie davon hielt, dass James ihrer kleinen Schwester solcherlei Dinge beibrachte. Viola erwies sich jedoch als gelehrige und gute Schülerin, sie sah es fast noch als ein Spiel an, was ihr James beibrachte. Sich an Leute ranschleichen, das hatte sie schon beim Fangen immer mal gemacht und dann wegrennen und sich verstecken, konnte sie auch gut. Und wenn sie dadurch noch etwas Gold kriegen konnte, wieso nicht?
Die Zeit verging, die Wochen flogen dahin, Viola wurde immer besser darin, sich an die Leute ranzupirschen, auch wenn sie immer nur Leute bestehlen konnte, die saßen, weil sie sonst nie an die Beutel kam. In den meisten Fällen stellte sie sich jedoch immer noch recht tollpatschig an und es war wohl nur ihren schnellen Beinen zu verdanken, dass sie immer mit heiler Haut davonkam und nie geschnappt wurde. Sie wusste nicht wieso, aber sie fühlte sich in dieser zeit glücklich, sie vermisste nicht einmal ihre Eltern mehr, es war einfach alles toll. Sarah hingegen sah es selten so und anstatt dass sie selbst Gold besorgte, stand sie immer bei einigen der älteren Frauen und unterhielt sich mit ihnen. Ab und an ging sie auch betteln, auch wenn das selten klappte, denn wenn die Gardisten nahten musste sie schnell abhauen, damit man sie nicht aufgriff. Alles in allem war es eine turbulente Zeit, in welcher Viola mehr und mehr lernte, all das war für sie immer noch mehr ein Spiel denn Wirklichkeit, doch die Wirklichkeit sollte sie alsbald einholen.
Es war ein heißer Sommertag in Varuna. Die Gassen stanken noch mehr als sonst und die Schwüle war fast nicht auszuhalten. Viola und Sarah saßen in James verschlag, bewegten sich kein bisschen und hofften nur auf den Abend, als plötzlich ein Junge durch die Gassen rannte, laut brüllend. „SIE HABEN EINEN! SIE HABEN EINEN! AM MARKTPLATZ, ER HAT NE WACHE GETÖTET, DIE HÄNGEN IHN! KOMMT“ Neugierig sprangen die beiden auf und begaben sich mit einigen anderen in Richtung des Marktplatzes wo der Galgen bereits stand. Es wurde bereits von einem Richter geredet, wer immer er auch war, und dann brachte man den Mörder herein. Der Anblick ließ Viola und Sarah den Atem verschlagen, das struppige Haar, das ernste Gesicht, James wurde zum Galgen geführt. Sarah wurde mit einem mal bleich um das Gesicht und Viola starrte verständnislos hinauf zu dem Geschehen. Die Worte des Richters schienen die beiden gar nicht richtig wahrzunehmen, sie starrten nur hinauf. Mehrfacher Mord, Diebstahl, Erpressung … all das wurde ihm vorgeworfen, aber was war mit der Tatsache, dass er sie beide gerettet hatte? Zählte das nicht? Sarahs Mund klappte auf, sie wollte das nicht glauben, doch dann war es bereits soweit. Er hatte keine letzten Worte, sein Blick streifte einfach nur in die Ferne und dann wurde die Falltür weggezogen. Viola hatte die ganze Zeit nicht ein Wort gesagt, sie hatte geschwiegen, die Augen auf das Geschehen gerichtet. Sie standen beide noch lange da, bis die Menge verflog und sie alleine zurückblieben, erst dann gingen sie zurück zu dem Verschlag … seinem verschlag. Sarah konnte es nicht glauben dass er tot war, er der für sie dagewesen war, das durfte nicht sein. Sie presste Viola fest an sich und fing an zu weinen, bitterlich zu weinen. Doch Viola schwieg, sie sagte kein Worte, sie starrte nur in die Ferne und gab keinen Mucks von sich. Jetzt waren sie wieder alleine …
„Ich werd uns Gold hol’n Sarah, versprochen …“ und die Worte waren so ruhig und klar, dass es fast beängstigend war.
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst hatten war dass James mit seiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft eine Rarität hier in den Gossen war. Die goldene Regel für das Leben in dieser Gegend war, jeder ist sich selbst der nächste und Freundschaften geschahen meistens nur aus Zweckbündnissen, ansonsten war ein jeder ein Konkurrent der um Essen oder dergleichen buhlte. Sogar Tiere waren die erklärten Feinde und man musste sich manchmal mit Katzen oder Hunden um etwas Essbares streiten. James war in dieser Hinsicht etwas glücklicher, denn er war mit einer geschickten Hand gesegnet welche er öfters gerne mal nutzte um Leute zu bestehlen und ihre Taschen um einige Goldmünzen zu erleichtern, eine Tatsache die Sarah alles andere als gerne sah und auch offen missbilligte, und noch viel mehr regte es sie auf, als er begann Viola einige Dinge beizubringen. „Du kannst ihr nicht beibringen wie man stiehlt! Sie ist ein ordentliches Mädchen und nicht so wie du!“ doch James hatte dafür nur ein höhnisches Lächeln über. „Natürlich ist sie ordentlich. Weißt du was mit ordentlichen Menschen hier geschieht? Sie leben ein paar Tage und verrecken dann! Find dich damit ab, deine Schwester will es schließlich auch. Sie will etwas Gold beisteuern, denn ich glaube im Gegensatz zu dir versteht sie, dass ich euch nicht für immer durchfüttern werde, klar?!“ Die Worte hatten ihre Wirkung getan, Sarah war still geworden, doch man sah es in ihren Augen was sie davon hielt, dass James ihrer kleinen Schwester solcherlei Dinge beibrachte. Viola erwies sich jedoch als gelehrige und gute Schülerin, sie sah es fast noch als ein Spiel an, was ihr James beibrachte. Sich an Leute ranschleichen, das hatte sie schon beim Fangen immer mal gemacht und dann wegrennen und sich verstecken, konnte sie auch gut. Und wenn sie dadurch noch etwas Gold kriegen konnte, wieso nicht?
Die Zeit verging, die Wochen flogen dahin, Viola wurde immer besser darin, sich an die Leute ranzupirschen, auch wenn sie immer nur Leute bestehlen konnte, die saßen, weil sie sonst nie an die Beutel kam. In den meisten Fällen stellte sie sich jedoch immer noch recht tollpatschig an und es war wohl nur ihren schnellen Beinen zu verdanken, dass sie immer mit heiler Haut davonkam und nie geschnappt wurde. Sie wusste nicht wieso, aber sie fühlte sich in dieser zeit glücklich, sie vermisste nicht einmal ihre Eltern mehr, es war einfach alles toll. Sarah hingegen sah es selten so und anstatt dass sie selbst Gold besorgte, stand sie immer bei einigen der älteren Frauen und unterhielt sich mit ihnen. Ab und an ging sie auch betteln, auch wenn das selten klappte, denn wenn die Gardisten nahten musste sie schnell abhauen, damit man sie nicht aufgriff. Alles in allem war es eine turbulente Zeit, in welcher Viola mehr und mehr lernte, all das war für sie immer noch mehr ein Spiel denn Wirklichkeit, doch die Wirklichkeit sollte sie alsbald einholen.
Es war ein heißer Sommertag in Varuna. Die Gassen stanken noch mehr als sonst und die Schwüle war fast nicht auszuhalten. Viola und Sarah saßen in James verschlag, bewegten sich kein bisschen und hofften nur auf den Abend, als plötzlich ein Junge durch die Gassen rannte, laut brüllend. „SIE HABEN EINEN! SIE HABEN EINEN! AM MARKTPLATZ, ER HAT NE WACHE GETÖTET, DIE HÄNGEN IHN! KOMMT“ Neugierig sprangen die beiden auf und begaben sich mit einigen anderen in Richtung des Marktplatzes wo der Galgen bereits stand. Es wurde bereits von einem Richter geredet, wer immer er auch war, und dann brachte man den Mörder herein. Der Anblick ließ Viola und Sarah den Atem verschlagen, das struppige Haar, das ernste Gesicht, James wurde zum Galgen geführt. Sarah wurde mit einem mal bleich um das Gesicht und Viola starrte verständnislos hinauf zu dem Geschehen. Die Worte des Richters schienen die beiden gar nicht richtig wahrzunehmen, sie starrten nur hinauf. Mehrfacher Mord, Diebstahl, Erpressung … all das wurde ihm vorgeworfen, aber was war mit der Tatsache, dass er sie beide gerettet hatte? Zählte das nicht? Sarahs Mund klappte auf, sie wollte das nicht glauben, doch dann war es bereits soweit. Er hatte keine letzten Worte, sein Blick streifte einfach nur in die Ferne und dann wurde die Falltür weggezogen. Viola hatte die ganze Zeit nicht ein Wort gesagt, sie hatte geschwiegen, die Augen auf das Geschehen gerichtet. Sie standen beide noch lange da, bis die Menge verflog und sie alleine zurückblieben, erst dann gingen sie zurück zu dem Verschlag … seinem verschlag. Sarah konnte es nicht glauben dass er tot war, er der für sie dagewesen war, das durfte nicht sein. Sie presste Viola fest an sich und fing an zu weinen, bitterlich zu weinen. Doch Viola schwieg, sie sagte kein Worte, sie starrte nur in die Ferne und gab keinen Mucks von sich. Jetzt waren sie wieder alleine …
„Ich werd uns Gold hol’n Sarah, versprochen …“ und die Worte waren so ruhig und klar, dass es fast beängstigend war.
-
Viola Ser´Rhal
Sie waren alleine ja, aber sie waren nicht verloren. Sie hatten einen Ort an den sie sich zurückziehen konnten aber der einzige Mensch den die beiden Geschwister als Bezugsperson hatten, war tot. Nun waren sie vollkommen auf sich gestellt, niemand der für sie sorgte und das bekam vor allem Sarah zu spüren. Sie verfiel Anfangs in eine Art von Depression, sie wollte sich zu nichts aufraffen, erst mit der Zeit raffte sie sich auf und ging wieder betteln, auch wenn es nicht viel einbrachte. Die Ironie wollte es so, dass Viola es war, die das meiste Gold mitbrachte von ihren Beutetouren. Seit dem Tod von James hatte sie sich nichts anderem mehr gewidmet als dem Stehlen, sie hatte geübt, hatte sich mit anderen Kindern und auch Erwachsenen unterhalten und soviel von ihnen gelernt, wie man bereit war, ihr beizubringen. Sie streifte meistens den ganzen Tag durch die Stadt beklaute die Anwohner und Besucher und gerade an Markttagen stibitzte sie immer wieder etwas zu Essen von den Ständen und brachte es Heim. Natürlich war sie nicht perfekt und immer wieder wurde sie erwischt, doch die Opfer reagierten alle unterschiedlich. Manche ließen sie laufen, andere verpassten ihr Schläge und manche wollten sie zur Wache schleifen, was auch einmal der Fall war. Das Schicksal meinte es jedoch gut mit ihr, als man sie nur mit einem strengen Blick ermahnte und sie versprechen musste es nie wieder zu tun; doch lügen gehörte zu ihrem Leben wie das Stehlen. Sie war kaum noch in dem alten Verschlag und wenn dann nur um etwas Essen nach Hause zu bringen oder Gold, damit sich Sarah und sie etwas davon kaufen konnten. Meistens reichte es gerade einmal für etwas zu Essen doch sie kamen über die Runden. Die beiden Schwestern sprachen mit der Zeit immer weniger miteinander, Sarah saß meistens nur schweigend da und starrte ins Leere, ab und an murmelte sie von Zukunftsplänen die sie hätte, doch wenn Viola nachfragte sagte sie nichts. Viola hatte sich der Schweigsamkeit angeschlossen, nur abends setzte sie sich zu ihrer Schwester kuschelte sich an sie und versuchte ihr näher zu kommen, doch Sarah hatte sich verändert und wie sehr würde sie zu spüren bekommen.
Drei Jahren waren ins Land gezogen. Viola, nun neun Jahre alt, hatte sich immer mehr dem Taschendiebstahl verschrieben, auch einige Häuser und Truhen hatte sie ab und an aufgebrochen mit Dietrichen, doch dies war ihr letztendlich zu gefährlich und so blieb sie bei den alten Gewohnheiten. Die Streifzüge durch die Stadt fielen immer etwas leichter, auch wenn man von etwas wie Routine freilich niemals sprechen konnte, denn ein jeder Diebstahl war eine Herausforderung für sie. Sie kam an einem Abend etwas später zurück, als sie plötzlich ihre Schwester vor sich wiederfand, der Blick war nachdenklich und sie schien mit den Tränen zu kämpfen. „Viola ich … es heißt Lebewohl sagen. Ich kann das nicht mehr. Ich kann nicht in diesem … Dreck leben. Ich habe mit den Frauen gesprochen, sie sagen dass … im Wald von Varuna ab und an Männer ein Treffen haben, sie … suchen Frauen die für sie arbeiten sie …“ sie schluckte und blinzelte Viola an welche sie schweigend ansah. „Ich weiß ich hab geschworen dich zu beschützen aber ... ich kann nicht mehr …“ Viola sah sie nur schweigend an, der Kopf senkte sich ab. Was sollte noch kommen? Wieso nun auch sie? Das Schweigen ihrer kleinen Schwester schien Sarah wütend zu machen oder was auch immer. „Verdammt, nun sag was! Du schweigst, du schweigst nur! Seit Monaten, du sprichst kaum! Weißt du was?! Du bist an alledem Schuld! Wenn du nicht gewesen wärst dann hätten vater und Mutter genug Gold gehabt, mir ginge es gut und du wärst jetzt nicht hier und würdest mich anschweigen … ich … ich HASSE DICH! Du …“ sie ballte die Faust, Viola schloss die Augen, die unterdrückte die Tränen die aufkamen. Sarah schnaubte nur auf. „Dann halt eben dein Maul! Ich bin weg! Verreck doch in dem Dreck hier!“ und sie wandte sich ab, rannte fort und verschwand. Viola blieb zurück und sah ihr nach. Nun war sie alleine, sie hatte niemanden mehr, gar niemanden.
Sie saß da, es war Dunkel. Sie hätte schlafen müssen, doch sie konnte nicht. Jede Nacht war ein atmender Körper hier gelegen, nun war sie alleine. Ungewollt … war sie das? War ihre Geburt ein Fehler? War es so, dass sie an allem Schuld war was geschehen war? Irgendwann schlief sie ein, doch sie schlief nicht gut. Von nun an war sie alleine, sie lebte für sich, für niemand anderen. Ihr Herz stumpfte ab, sie stumpfte ab, es galt nur eines; Überleben, ganz gleich wie. Sie musste einfach den Tag überstehen, sie hatte niemanden mehr den sie liebte und daran würde sich nichts ändern. Sie würde eines Tages in dieser Barracke einschlafen und dann nie wieder aufwachen, aber bis zu diesem Tag würde sie eisern sein und leben, und wenn es nur dafür da war, um zu existieren. Das Klauen war zu ihrem Leben geworden, auf eine fast schon krankhafte Art. Es war soetwas wie eine Sucht geworden, sie musste etwas stehlen, tat sie es nicht, wurde sie nervös, fing an umherzulaufen, wurde hibbelig, bis sie etwas klaute, bis sie wusste dass sie etwas gestohlen hatte. Tat sie es über einen längeren Zeitraum nicht, begann sie sich weh zu tun, damit dieses Verlangen gedämpft wurde, denn nur der Schmerz war stark genug dieses Verlangen zu stillen, wenn auch nur kurz. So schlug sie sich die Jahre durch, bis zu ihrem zwölften Lebensjahr im Herbst. Der Winter nahte bereits und es war noch einmal Markt. Viola stand an den Ständen herum und starrte auf die waren, allein unter all den Menschen als sie plötzlich von jemanden angesprochen wurde.
„Hey du … willst du nicht mal mit zu uns rüberkommen? Du siehst so mitgenommen aus ….“
Dies war der Tag an dem sie den Clan Hinrah kennenlernte, dies war der erste Schritt in ein neues Leben und in ein neues Kapitel in ihrem Leben. Der Tag an dem sie der Gosse entkommen war, für immer.
Und sie sollte noch viele Menschen kennenlernen die zu ihren Freunden, Feinden und Lieben werden sollten, dies ist ihr Leben ….
Und das ist es auch noch heute
[ooc: Falls wer Lust hast, würd mich freuen wenn einige Chars, mit denen Viola so zu tun hatte, ein wenig was hier reintippen würden, ganz gleich was ;) ]
Drei Jahren waren ins Land gezogen. Viola, nun neun Jahre alt, hatte sich immer mehr dem Taschendiebstahl verschrieben, auch einige Häuser und Truhen hatte sie ab und an aufgebrochen mit Dietrichen, doch dies war ihr letztendlich zu gefährlich und so blieb sie bei den alten Gewohnheiten. Die Streifzüge durch die Stadt fielen immer etwas leichter, auch wenn man von etwas wie Routine freilich niemals sprechen konnte, denn ein jeder Diebstahl war eine Herausforderung für sie. Sie kam an einem Abend etwas später zurück, als sie plötzlich ihre Schwester vor sich wiederfand, der Blick war nachdenklich und sie schien mit den Tränen zu kämpfen. „Viola ich … es heißt Lebewohl sagen. Ich kann das nicht mehr. Ich kann nicht in diesem … Dreck leben. Ich habe mit den Frauen gesprochen, sie sagen dass … im Wald von Varuna ab und an Männer ein Treffen haben, sie … suchen Frauen die für sie arbeiten sie …“ sie schluckte und blinzelte Viola an welche sie schweigend ansah. „Ich weiß ich hab geschworen dich zu beschützen aber ... ich kann nicht mehr …“ Viola sah sie nur schweigend an, der Kopf senkte sich ab. Was sollte noch kommen? Wieso nun auch sie? Das Schweigen ihrer kleinen Schwester schien Sarah wütend zu machen oder was auch immer. „Verdammt, nun sag was! Du schweigst, du schweigst nur! Seit Monaten, du sprichst kaum! Weißt du was?! Du bist an alledem Schuld! Wenn du nicht gewesen wärst dann hätten vater und Mutter genug Gold gehabt, mir ginge es gut und du wärst jetzt nicht hier und würdest mich anschweigen … ich … ich HASSE DICH! Du …“ sie ballte die Faust, Viola schloss die Augen, die unterdrückte die Tränen die aufkamen. Sarah schnaubte nur auf. „Dann halt eben dein Maul! Ich bin weg! Verreck doch in dem Dreck hier!“ und sie wandte sich ab, rannte fort und verschwand. Viola blieb zurück und sah ihr nach. Nun war sie alleine, sie hatte niemanden mehr, gar niemanden.
Sie saß da, es war Dunkel. Sie hätte schlafen müssen, doch sie konnte nicht. Jede Nacht war ein atmender Körper hier gelegen, nun war sie alleine. Ungewollt … war sie das? War ihre Geburt ein Fehler? War es so, dass sie an allem Schuld war was geschehen war? Irgendwann schlief sie ein, doch sie schlief nicht gut. Von nun an war sie alleine, sie lebte für sich, für niemand anderen. Ihr Herz stumpfte ab, sie stumpfte ab, es galt nur eines; Überleben, ganz gleich wie. Sie musste einfach den Tag überstehen, sie hatte niemanden mehr den sie liebte und daran würde sich nichts ändern. Sie würde eines Tages in dieser Barracke einschlafen und dann nie wieder aufwachen, aber bis zu diesem Tag würde sie eisern sein und leben, und wenn es nur dafür da war, um zu existieren. Das Klauen war zu ihrem Leben geworden, auf eine fast schon krankhafte Art. Es war soetwas wie eine Sucht geworden, sie musste etwas stehlen, tat sie es nicht, wurde sie nervös, fing an umherzulaufen, wurde hibbelig, bis sie etwas klaute, bis sie wusste dass sie etwas gestohlen hatte. Tat sie es über einen längeren Zeitraum nicht, begann sie sich weh zu tun, damit dieses Verlangen gedämpft wurde, denn nur der Schmerz war stark genug dieses Verlangen zu stillen, wenn auch nur kurz. So schlug sie sich die Jahre durch, bis zu ihrem zwölften Lebensjahr im Herbst. Der Winter nahte bereits und es war noch einmal Markt. Viola stand an den Ständen herum und starrte auf die waren, allein unter all den Menschen als sie plötzlich von jemanden angesprochen wurde.
„Hey du … willst du nicht mal mit zu uns rüberkommen? Du siehst so mitgenommen aus ….“
Dies war der Tag an dem sie den Clan Hinrah kennenlernte, dies war der erste Schritt in ein neues Leben und in ein neues Kapitel in ihrem Leben. Der Tag an dem sie der Gosse entkommen war, für immer.
Und sie sollte noch viele Menschen kennenlernen die zu ihren Freunden, Feinden und Lieben werden sollten, dies ist ihr Leben ….
Und das ist es auch noch heute
[ooc: Falls wer Lust hast, würd mich freuen wenn einige Chars, mit denen Viola so zu tun hatte, ein wenig was hier reintippen würden, ganz gleich was ;) ]