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Das Schauspiel

Verfasst: Dienstag 27. Februar 2007, 05:21
von Somee Darg
Das Leben ist ein Schauspiel.

Und Somée spielte ihre Rolle besser als manch eine ausgebildete Darstellerin.
Früh hat sie gelernt sich so zu verhalten wie sie meinte, dass die Menschen um sie herum es erwarteten, denn so war es am einfachsten das zu bekommen was man sich wünschte. Und Somée wünschte viel. Sie wollte viel. Um nicht zu sagen alles was das Leben ihr bieten konnte. Gefahr, Lust und Freude bildeten für sie hierbei eine erstrebenswerte Einheit und nichts erregte ihre Sinne mehr als eine richtige Herausforderung. Mochte dies ein Rätsel, für das es sich lohnte sich anzustrengen oder ein schöner harter Kampf gegen einen ebenbürtigen Gegner sein. Es war ihr gleich, solange sie sich dabei nicht langweilte.
Naturgemäß akzeptierten nicht alle Menschen in ihrer Umgebung ihr wildes Wesen und deshalb hat Somée mit den Jahren begonnen das Verhalten jener Menschen zu erlernen. Sie studierte, ihre Sprechweise, ihre Mimik und Gestik, sie beobachtete wie sie gingen, wie sie sich kleideten und sich berührten. Und schon bald konnte sie jenes Verhalten ohne weiteres imitieren. Würde ein fremder ihr begegnen müsste er wohl meinen die junge Frau wäre eine wohlerzogene und kultivierte Dame, eine Frau mit erlesenem Geschmack was Kleidung betrifft und höflich und bescheiden in ihrem Auftreten. Niemals würde er erkennen welch dunkle Begierden hinter den warmen, tiefbraunen Augen lauern, welch gewissenlose Ziele jene verfolgten. Und er würde es nie erfahren. Es sei denn, er würde sie sich durch vielleicht eine unbedachte Äußerung zum Feinde machen.

Niemand kannte Somée wirklich, denn das Leben ist ein Schauspiel und die Menschen nur Nebendarsteller, in welche es sich nicht lohnt zu investieren.

Verfasst: Donnerstag 8. März 2007, 05:56
von Somee Darg
Es war gut nach Rahal zu kommen.
Nirgends fand man Leute, die solch ein Maß an Unterhaltung boten, Menschen die es sogar vermochten Somee zu faszinieren. Und schien es beinahe, bis auf einige wenige Ausnahmen so, als ob hier alle dem rechten Pfad folgten, dem Pfad des einzig wahren Herrn über die Welten. So fiel es nicht schwer sich in jener Stadt schnell wohl zu fühlen.
An jenem Tag schien die Sonne hell, der Wind blies schwach durch das Blätterdach der Bäume als Somee sich unweit der Stadt unter ein Baum stellte, um ihre neue, noch immer glänzende Rüste anzulegen. Nachdem sie auch die letzte Schnalle sorgsam verschlossen hatte, machte sie sich auf den Weg in den Norden des Reiches. Dort sollten wohl Mörder, Ketzer und Diebe ihr Unheil treiben. Dies hörte sie aus einem der vielen Gespräche in der Taverne heraus und so beschloss sie sich selbst ein Bild davon zu machen.
Recht nahe am Lager sah sie ihn dann. Jene Gestallt in einer in der Sonne glänzenden Lederrüste stand nicht unweit der Lichtung und beobachtete genau wie sie das Treiben der Lagerbewohner. Kurz schoss ihr durch den Kopf den Mann zuerst anzugreifen, denn er würde wohl die größte Herausforderung darstellen, doch schon nach einigen Augenblicken wurde ihr bewusst, dass jener nicht zu ihnen gehörte. Auch er wollte sich wohl in den Kampf stürzen um en Schmutz der Menschheit aus der Welt zu schaffen. Sie konnte sein Gesicht nicht erkennen, denn eine Maske verdeckte sein Gesicht und auch von seinem Körperbau war unter der Rüste nur wenig zu erkennen. Dennoch, irgendetwas an der Art wie er sich bewegte, wie er seinen Bogen spannte faszinierte sie. In ihrem Versteck sicher, beobachtete sie ihn wie er sich einen Gegner nach dem anderen vorknüpfte.
Blut spritzte in alle Richtungen während der Fremde seine Pfeile immer wieder mit äußerstem Geschick und großer Schnelligkeit in die Körper der Räuber schnellen ließ. Beinahe tanzend wich er seinen Angreifern aus, nur um jene dann aus nächster Nähe aufzuspießen und Somee konnte ihre Augen nicht von dem Geschehen wenden. Nicht lange hat es gedauert bis um den Mann nur noch leblose mit Blut überströmte Körper lagen während er sich kaum außer Atem umblickte.

Als sein Blick den ihren traf durchzog Somee eine eigenartige Hitze, doch sie konnte ihren Blick nicht abwenden. Viel zu faszinierend war dieser Mensch. Mit sicheren Schritten bewegte er sich langsam auf sie zu. Unwillkürlich umfasste Somee ihren Schwertknauf stärker, obschon sie wusste, dass jener Mann nicht die Absicht hatte ihr zu schaden.
Wortlos stand er nun da, nur wenige Schritte von ihr entfernt, und musterte sie recht offensichtlich. „Des einen Segen“ erklang es inmitten der friedlichen Ruhe. Ihre Stimme klang merkwürdig dumpf, fast so als wäre es die einer Fremden und unwillkürlich musste sie sich räuspern.
Ganz seiner Art entsprechend nahm er nur zögernd und langsam seine Maske ab und Somee blickte überrascht in das Gesicht eines noch recht jungen Mannes. Sie hatte erwartet einen älteren, reiferen Krieger zu erkennen, doch seine Züge wirkten beinahe unschuldig. Dies passte so ganz und gar nicht zu dem Schauspiel, welches sie eben hatte beobachten dürfen.
„Seinem Königreich zur Ehr“ erwiderte der Fremde mit einer weichen und tiefen Stimme, einer Stimme die auch nicht so recht zu seinem Äußeren passen wollte.
Den Kopf zur Seite gelehnt und mit dem Blick eines neugierigen Kindes betrachtete sie ihn näher. „Sehr beeindruckend euer Kampf“ sprach sie mit dem Kopf in Richtung der Lichtung deutend, welche in eine merkwürdige Mischung aus grünem Gras und frischem Blut getaucht war.
Nur sachte zuckte der Fremde mit den Schultern ohne etwas zu antworten und so standen sie beide eine Weile da, schweigend, sich gegenseitig musternd und einschätzend. Sie hatte sein Interesse geweckt, dies war ihr vom ersten Moment indem sich ihre Blicke trafen an bewusst. Und so beschloss sie jenes Interesse zu schüren indem sie sich abwandte und sich langsamen Schrittes davon machte.
„In einer Stund in der Taverne“ hörte sie ihn hinterher rufen und ein zufriedenes Schmunzeln legte sich um ihre Züge.

Eine halbe Stunde Verspätung sollte wohl reichen um ihren neuen Freund zu verunsichern und so betrat sie pünktlich, genau anderthalb Stunden später die gemütliche Trankhalle der Taverne zu Rahal. Trotz des doch regen Treibens bemerkte sie ihn sofort. An die Wand gelehnt saß er unweit des Feuers an einem kleinen Tisch und führte sich ein Bier zu Gemüte. Nicht einmal seinen Blick erhob er als sie sich zu ihm an den Tisch setzte, nur ein Wink, der Wirt möge noch ein Bier bringen, bedeutete ihr dass er ihre Anwesenheit bemerkte.
Dann blickte er ihr direkt in die Augen und es war geschehen. Das Spiel war beendet. Eine eigenartig vertraute Stimmung legte sich wie Nebel um die beiden und plötzlich wurde Somee bewusst, dass es keinen Sinn hatte ihm etwas vorzumachen, ihre Rolle zu spielen würde überflüssig sein, dies war ihr klar wie Quellwasser.
Zunächst mit einem Anflug von Vorsicht begannen sie sich über belanglose Dinge wie die Menschen der Stadt zu unterhalten, doch schon bald erwärmte das Bier und das lodernde Feuer des Kamins ihre Zungen und das Gespräch nahm tiefere Züge an.
Sie redeten lang und sie redeten viel. Bis spät in die Nacht saßen sie da und tauschten beinahe alle Geschichten aus, die es lohnten erzählt zu werden.
Wie merkwürdig eigen es war so offen mit einem Fremden zu reden und wie merkwürdig vertraut war es.

Als sie sich beinahe schon im Morgengrauen zur Ruhe begab spuckte nur dieses eine Gesicht in ihrem Kopf. Nur der eine Name huschte wie ein flüchtiger Geist durch ihre Gedanken.
Desmond.

Es war gut gewesen nach Rahal zu kommen, dachte sie bei sich.

Verfasst: Sonntag 11. März 2007, 16:16
von Desmond van Gor
Langsam streckte er sich am nächsten Morgen, bevor ihn die Gedanken des Vortags wieder ereilten. Er dachte wieder an den Abend in der Taverne. Innerlich fluchte er schon wieder, dass er sich auf eine Verabredung mit einer Fremden eingelassen hatte und das sie nicht erschien, war wohl nur seine gerechte Strafe. Andererseits... es war die Taverne, er war ohnehin beinahe jeden Abend hier und es gab schlimmere Plätze an denen man warten konnte. Schmunzelnd winkte er dem Wirt zu, der den zweiten Krug zu ihm brachte. Als er, immer wieder durch die Runde blickend den zweiten Krug Schluck für Schluck leerte sah er sie schon eintreten. "Nicht aufsehen, nich aufsehen." dachte er sich beiläufig. Als er sie am Tisch wähnte bestellte er eien weiteren Krug, ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren.

Unerwartet traf ihn dann auch wohl der Grund, weshalb er sie herbat. Er fühlte sich unglaublich wohl in ihrer Nähe. Schnell fanden sie ins Gespräch und wechselten im Laufe der dahinfliegenden Stunden häufiger die Themen. Er hatte wahrlich gefallen an ihr gefunden.

Kurz schmunzelte er einen Moment etwas verträumt vor sich hin. Er war sich sicher sie wieder zu sehen und somit auch einen weiteren guten Tag zu erleben und wer weiß was sich noch daraus ergeben würde.