Träume...
Verfasst: Freitag 23. Februar 2007, 22:27
„Das ist er! Lasst ihn nicht entwischen!“
Trotzdem sich die eiskalte Winterluft in seiner Kehle anfühlte, als würde er scharfkantige Eiskristalle atmen, hetzte Zotage die Straße hinab.
Wie konnte es den nur so weit kommen? Er wollte doch nur eine Mahlzeit und…
Ein Bolzen, der neben ihm an der Hauserwand einschlug, hinderte ihn daran, den Gedanken zu Ende zu denken, ein Spliter des berstenden Holzes kratze ihm scharf übers Gesicht, und doch überwand er sich einen Blick zurück auf seine Verfolger, die varunesische Garde, zu werfen, was er aber im nächsten Moment wieder bereute:
Es war, als hätte die gesamte Wachmannschaft nichts Besseres zu tun, als einem Wirt seinen Laib Brot wieder zurück zu holen!
Er richtete den Blick wieder nach vorne, stellte mit Schrecken fest wie weit er doch von der Mitte es Weges abgekommen war: Seine Kräfte schwanden.
Als ob das nicht gereich hätte, fühlte er plötzlich die Explosion aus Schmerz hinter seinem Schulterblatt, als hätte sich ein glühender Kohlen durch seine Robe gebrannt.
Unter dem Jubeln der Garde verlor Zotage das Gleichgewicht, brach nach vorne hin zusammen und rutschte auf dem glatt gefrorenen Steinweg noch ein paar Ellen weiter, ehe er wieder zaghaft das Haupt hob um auf den Bolzen einen Blick zu werfen, der sich da durch seinen Brustkorb gebohrt hatte. In der Selben, schmerzhaften Kopfbewegung sah er auch noch ein letztes Mal die Klinge der Hellebarde aufblitzen, ehe sie schwungvoll seinen Kopf von den Schultern trennte.
Zotage fuhr hoch, schweißgebadet und keuchend, als wäre er tatsächlich gerannt, blickte er sich in dem stockdusteren Zimmer um, als wollte er sich bereithalten noch einem der Ordnungshüter, die da im Schatten lauern konnten, aus zu weichen. Doch da war nichts.
Mit einem Schnaufen fiel er zurück in die Federn, legte den Kopf auf die Seite und blickte gen Lotte, deren Schlaf sich schwerer Brechen lassen würde als Die Stadtmauern selbst.
Ein Schmunzeln umspielte seine Züge, als diese Gedanken ihn von dem eben geträumten ablenkten.
„So weit wird es nicht kommen…niemals…“
Du solltest dir nicht so sicher sein, was deine Zukunft anbelangt, Junge.
Wieder schreckte er hoch, doch dieses Mal war dort tatsächlich etwas in den Schatten!
So sehr er seine Augen auch verengte, mehr als die schwachen Umrisse einer Kutte konnte er in der Dunklen Ecke des Raumes nicht ausmachen. Gerade als er Luft holte um etwas zu sagen, erklang erneut diese Stimme.
Ich bin hier, damit du endlich aufhörst jeder Fantasie nach zu laufen, die man dir erzählt.
Diesmal war er sich sogar sicher, dass die Worte nicht gesprochen wurden, es war aber auch nicht das, was er sich immer unter Gedankenübertragung vorgestellt hatte, nein, die Worte waren einfach...da.
„Ich kann sehr gut selbst abwägen, was eine Fantasie ist, und was ein Plan.“
Ein Geisterhaftes Lachen füllte den Raum aus, es klang kaum amüsiert, nur kalt und emotionslos, als wollte der Kuttenträger ihm lediglich klarmachen, wie dumm seine Meinung doch in seinen Ohren klingen musste.
Du hast viel zu viele Pläne…und du machst noch neue.
Viele von ihnen können nicht nebeneinander existieren.
Ich bin hier, um dir zu helfen. Dir zu helfen, dich zu entscheiden.
Abermals musste Zotage seine Antwort für sich behalten, denn er fiel erneut in einen tiefen Schlaf…
Geraume Zeit Schon drehte Lotte sich vor dem Spiegel in alle erdenklichen Positionen hin und her, um den runden Bauch, verborgen unter dem blassroten Umstandsgewand, mit argwöhnischen Blicken ab zu tasten. Erst Tages zuvor hatte Zotage es geschafft sie dazu zu überreden, sich im Handelshaus zu Berchgrad ein paar angemessener Gewänder schneidern zu lassen, denn von sich aus hätte Lotte wohl selbst einen Narrenanzug lieber getragen, als das, was zur Auswahlstand. Zu niedlich.
In eine Pose nach der anderen warf sie sich, doch schien keine sie wild genug wirken zu lassen, um die seichten Falten ihrer Stirn zu glätten.
„Du siehst wunderschön aus“
Als hätten sich die Worte angehört, wie das Brüllen eines geweckten Drachen, fuhr sie herum und blickte in das Gesicht Zotages, der mit verträumten Schmunzeln am oberen Ende der Treppe stand um sie von dort aus zu betrachten.
„Wie lange stehst du schon da?“
Er hob andeutungsweise die Schultern.
„Ein paar Minuten vielleicht…eine…zwei…oder ein gutes Dutzend“
Mit einem zusammengekniffenen Auge und einem Gesichtsausdruck, der erahnen ließ, dass sie am überlegen war was sie nun mit ihrem Verlobten anstellen würde, begann sie langsam näher zu schreiten, fast bedächtig, als hätte sie Angst mit dem Kind gegen irgend Etwas zu stoßen, was ihm schaden könnte.
„Das ist ziemlich ungerecht von dir, einfach eine wehrlose Frau hinterrücks zu beobachten“
Vor ihm kam sie schließlich zum Stillstand, sah ein Stück hinauf in sein Grinsen, hob dann die Hand und ließ sie zwischen seine breiten Schultern sausen. Erst im letzten Moment bremste die Hand, um ihm nur sanft auf die Brust zu klopfen, was Zotage aber nicht daran hinderte gelassen stehen zu bleiben, ja danach gar seine Arme um ihre Hüften zu legen und einen sachten Kuss auf die Stirn zu hauchen.
Mit verschlafenen Blinzeln und einem müden Lächeln im Gesicht, fand er sich wieder im Bett in der Herberge Varaunas.
Dir scheint die sonnige Zukunft zu gefallen, Junge.
Mit einem Mal wurde die angenehme Müdigkeit wieder weggewaschen, und der zurückbleibende, klare Geist ließ ihn wieder auf die Erinnerungen an den Fremden in seinem Zimmer zurückgreifen.
Das ist eine der besseren Alternativen, nicht wahr?
Alles erreicht, wofür es sich zu Leben lohnt, ein Haus, eine Verlobte und bald auch ein Kind.
Mühselig richtete er sich wieder auf, warf einen Blick auf Lotte neben sich, die schlank wie eh und je da lag, bevor er wieder versuchte die Konturen der Gestallt auszumachen, um ihm beim Sprechen wenigstens andeutungsweise ins Gesicht erkennen zu können.
„Wie bist du hier hereingekommen? Wer bist du? Wie machst du das?“
Obwohl er ihn immer noch nicht recht deutlich sah, konnte er das amüsierte, fast höhnende Grinsen förmlich riechen, das der Kuttenträger aufsetzte.
Ich zeige dir deine Zukunft. Ich zeige dir, wie sich deine Entscheidungen auswirken, denn es wird Zeit, dass du endlich einen weg wählst. Endgültig.
Es gefiel Zotage nicht dass der Fremde meinte, sich die Frage aussuchen zu können, auf die er antworten wollte, doch ehe er ihm die anderen beiden erneut stellen konnte, spürte er, wie ein unüberwindlicher Sog der Ermattung ihn wieder zurück ins Land der Träume zog…
Tage zuvor war Zotages schlimmster Alptraum Realität geworden:
Ein neues Mitglied der Wölfe hatte Verrat begangen.
Viele Söldner, allen voran die Sturmkrähen, wussten nun genau wo sie suchen mussten, um alles, was er so mühsam aufgebaut hatte, zu zerstören.
Heute war der Tag gekommen, an dem er jenem ein Ende bereiten wollte:
Zu viele seiner Wölfe waren schon durch die Überraschenden Angriffe der Söldner umgekommen, zu viele Verstecke waren niedergebrannt, und zu grausam waren sie vorgegangen, als dass er ihnen verzeihen konnte.
Die Schlacht stand bevor.
Auf der einen Seite gab es einige Dutzend Söldner, die Blut seiner Männer wollten, doch auf der anderen waren nur noch fünfzehn Leute übrig geblieben.
Zotage selbst saß über seine Landkarte gebeugt, wie ein Schachspieler über sein Brett, als Irakas den provisorischen Unterschlupf betrat.
„Du weißt, dass ich dir Vertraue Zo“, begann er nach einigen Augenblicken, doch Zotage sah nicht auf, zeigte mit keiner Reaktion dass er ihn überhaupt bemerkt hatte.
„Aber du weißt auch, dass Liebe blind macht. Vielleicht sollte den Plan jemand anders…“
Er schlug mit der Faust so heftig auf den Tisch, dass die Stimme seines Freundes verebbte.
„Nein, Irakas. Wir haben so die besten Chancen. Sie haben sie getötet, und deshalb werde ich erstrecht dafür sorgen dass ihr Anführer enthauptet wird. Höchstpersönlich!“
Irakas schloss die Augen und atmete kurz durch.
„Oh nein, dir geht es allein darum, Rache zu üben, du wirst uns noch alle in den Tod führen!“
„Dann geh, geh wenn du denkst ich könnte die Truppen nicht führen wie ich es immer tue!“
Erst jetzt trafen sich ihre wütenden Blicke, aber dafür verstrichen lange Momente in denen niemand etwas sagte, ja nicht einmal blinzelte. Erst nach geraumer Zeit wandte sich Irakas mit einem Schnauben ab, hielt aber im Türrahmen inne.
„Viel Glück, alter Freund“
Stunden später hatte sich Zotages kleine Sechs-Mann-Armee vor dem Wald aufgebaut, und auch die Söldner marschierten in Formation in Richtung Wald.
Allen voran in dem Rudel, war ein Mann, in einer roten Rüste, bewaffnet mit einem Turmschild und einer Kriegsaxt in derselben Farbe: Zotages bevorzugte Ausrüstung.
In dem anderen Heer trug der Anführer eine Rüstung in einem blassen weiß, welches, wie seine Waffen auch, eindeutig aus Diamant zu bestehen schien.
„Noch ein paar rührende letzte Worte, Roganma?!“, brüllte er über das Schlachtfeld, und der Helm des anderen Feldherrn wackelte lediglich hin und her.
Ein Grinsen machte sich unter dem Helm des Söldners breit.
Siegessicher war es, und hämisch.
„Zum Angriff!“
Schon hagelten die ersten Bolzen auf die Wölfe ein, die ihrerseits die heranstürmenden Plattenkrieger eindeckten. Trotz der Minderzahl schlugen sich die Räuber recht gut, doch schnell wurde klar wie aussichtslos der Kampf war. Zwar kämpfte der Feldherr besessen wie nie, doch schon als dritter Mann war er gefallen, als einer der Bolzen sich durch seine Rüstung bohre. Er sackte zusammen, leblos zwischen den Graßbüscheln. Als seine Männer das sahen, machten die ersten kehrt, in den Wald, um zu flüchten, doch nur die Schützen in ihrer Ledertracht waren schnell genug unterwegs.
„Ihnen nach, jagt sie bis zum Teufel und noch weiter!“, brüllte der Söldner wieder, und sofort machten sie sich auf, ihnen zu folgen: Selbst wenn sie ihren Feldherren gehabt hätten, so war er sich sicher, dass diese Truppe jeden Hinterhalt gnadenlos scheitern lasse würden.
Den Helm abnehmend, schritt er langsam an den Rand des Waldes, dort, wo sein Feind den Geist ausgehaucht hatte, und nur zwei weitere Krieger, die offenbar den Befehl hatten, ihn zu schützen, blieben bei ihm. Mit triumphierendem Grinsen schritt er neben ihn, versetzte ihm noch einen Tritt gegen den Brustkorb.
„Nehmt ihm den Helm ab. Ich will sein Gesicht sehen…“
Auf sein Wort wuselte der erste Krieger herbei, legte seine Waffe zur Seite, drehte den Körper auf den Rücken und zog ihm den Helm ab. Das Grinsen des Söldners gefror.
Er kannte das Gesicht Zotages, er war ihm schon unmaskiert gegenübergestanden, doch was sich unter dem Helm gezeigt hatte, waren keineswegs die kantigen Züge eines Mannes, nein!
Ein Blondschopf hatte sich darunter verborgen, sogar kindliche Züge hatte er!
„Aber das…das ist nicht möglich…“
Murmelte er vor sich hin, ehe er realisierte was das zu bedeuten hatte, doch es war zu spät, seine Truppen zurück zu rufen. In diesem Moment, in dem die beiden anderen Soldaten nicht minder perplex erschienen als ihr Anführer, schoss etwas rötliches von einem höheren Ast herunter und traf den einen Mann, der gerade wieder beim Aufstehen war, mit voller Wucht am Kopf. Sein Helm drückte sich ein wie ein dünnes stück Blech, und als Zotage die Axt wieder herauszog um besseren Stand zu fassen, kippte der Körper schlichtweg um. Ein Moment verstrich noch, so perplex waren die beiden anderen noch, ehe der Kampf entbrannte:
Zotage war in der Zeit recht geschickt im Umgang mit der Waffe geworden, doch letzten Endes waren ihm allein zwei Kämpfer doch überlegen.
Vor Erschöpfung ein wenig wankend, trat der Mann in der Diamantplatte auf ihn zu und holte zu einem letzten Streich aus. Abermals hatte er dieses siegessichere Grinsen im Gesicht, und abermals sollte es so kommen, dass er es zu früh aufgesetzt hatte:
Irakas’ Klinge beendete die Auseinandersetzung recht rasch, und nicht zu Gunsten der beiden Söldner.
„Ich habe doch gesagt, du bist zu sehr auf Rache fixiert…du hast deine Leute geopfert um eine Chance zu bekommen es ihm heim zu zahlen“
Recht unbeeindruckt der Worte, stützte sich Zotage auf seine Axt und richtete sich wieder auf.
„Ich kann zwischen einer Partie Schach und einer Schlacht unterscheiden, Irakas. Der Wald ist mit Fallen gespickt, bald werden die Schützen meine Leute verloren haben, und die Plattenträger werden ihnen nicht schnell genug folgen können, und wenn sie alleine sind, wird es ein Leichtes, sie zu schlagen, und die Schützen allein, werden sich auch nicht lange wehren können…wir haben den Vorteil des Geländes auf unserer Seite.“
Ein Schmunzeln bildete sich auf den Lippen seines Freundes.
„Du bist ein Fuchs. Gehen wir trotzdem nachsehen wie sie sich schlagen?“
Ein Nicken noch, und beide verschwanden im Geäst.
Zotage schlug die Augen auf.
War er das wirklich gewesen?
Nein, niemals würde er Menschen so leichtfertig opfern wie einen Bauern beim Schach.
Oder doch…?
Du kannst dich für diesen Weg entscheiden.
Du kannst deinen Traum erfüllen, aber wisse, dass alles seinen Preis hat.
Er warf einen Wehmütigen Blick neben sich, auf Lotte, die immer noch tief und fest schlief.
„So sieht der Traum nicht aus, den ich mir erfüllen will…“
Die Gestallt schien kurz zusammen zu zucken.
Unsere Zeit ist nun vorüber…denke darüber nach, was ich dir gezeigt habe.
Auf bald, Zotage, ich werde wiederkommen und dir noch andere Möglichkeiten zeigen…
Ehe er wieder die Stimme erheben konnte, gab die Matratze unter ihm nach, und er fiel, fiel in einen tiefen Schlund, zuerst nur aus Finsternis, doch bald wurde er von einem Gleißenden Licht überschwemmt…
Mit einem Dumpfen Geräusch landete er auf dem Fußboden vor seinem Bett. Einen Moment dauerte es, bis er verstanden hatte, dass es nur wieder ein Traum gewesen war…und trotzdem.
Einen Vorsichtigen Blick warf er in die Zimmerecke, doch dort fand sich nichts mehr, was auch nur an die Umrisse eines Kuttenträgers erinnern könnte. Nur ein paar morgendliche Sonnenstrahlen tanzten über die Wehenden Vorhänge…
((OOC Anmerkung: Was hier als die Zukunft beschrieben wird, ist lediglich eine Phantasie von Zotage. Es kann sein, dass einige vorkommende Charaktere ganz anders reagieren würden, da das geschiebene ledigich die Meinung wiederspiegelt, die er von ihnen hat))
Trotzdem sich die eiskalte Winterluft in seiner Kehle anfühlte, als würde er scharfkantige Eiskristalle atmen, hetzte Zotage die Straße hinab.
Wie konnte es den nur so weit kommen? Er wollte doch nur eine Mahlzeit und…
Ein Bolzen, der neben ihm an der Hauserwand einschlug, hinderte ihn daran, den Gedanken zu Ende zu denken, ein Spliter des berstenden Holzes kratze ihm scharf übers Gesicht, und doch überwand er sich einen Blick zurück auf seine Verfolger, die varunesische Garde, zu werfen, was er aber im nächsten Moment wieder bereute:
Es war, als hätte die gesamte Wachmannschaft nichts Besseres zu tun, als einem Wirt seinen Laib Brot wieder zurück zu holen!
Er richtete den Blick wieder nach vorne, stellte mit Schrecken fest wie weit er doch von der Mitte es Weges abgekommen war: Seine Kräfte schwanden.
Als ob das nicht gereich hätte, fühlte er plötzlich die Explosion aus Schmerz hinter seinem Schulterblatt, als hätte sich ein glühender Kohlen durch seine Robe gebrannt.
Unter dem Jubeln der Garde verlor Zotage das Gleichgewicht, brach nach vorne hin zusammen und rutschte auf dem glatt gefrorenen Steinweg noch ein paar Ellen weiter, ehe er wieder zaghaft das Haupt hob um auf den Bolzen einen Blick zu werfen, der sich da durch seinen Brustkorb gebohrt hatte. In der Selben, schmerzhaften Kopfbewegung sah er auch noch ein letztes Mal die Klinge der Hellebarde aufblitzen, ehe sie schwungvoll seinen Kopf von den Schultern trennte.
Zotage fuhr hoch, schweißgebadet und keuchend, als wäre er tatsächlich gerannt, blickte er sich in dem stockdusteren Zimmer um, als wollte er sich bereithalten noch einem der Ordnungshüter, die da im Schatten lauern konnten, aus zu weichen. Doch da war nichts.
Mit einem Schnaufen fiel er zurück in die Federn, legte den Kopf auf die Seite und blickte gen Lotte, deren Schlaf sich schwerer Brechen lassen würde als Die Stadtmauern selbst.
Ein Schmunzeln umspielte seine Züge, als diese Gedanken ihn von dem eben geträumten ablenkten.
„So weit wird es nicht kommen…niemals…“
Du solltest dir nicht so sicher sein, was deine Zukunft anbelangt, Junge.
Wieder schreckte er hoch, doch dieses Mal war dort tatsächlich etwas in den Schatten!
So sehr er seine Augen auch verengte, mehr als die schwachen Umrisse einer Kutte konnte er in der Dunklen Ecke des Raumes nicht ausmachen. Gerade als er Luft holte um etwas zu sagen, erklang erneut diese Stimme.
Ich bin hier, damit du endlich aufhörst jeder Fantasie nach zu laufen, die man dir erzählt.
Diesmal war er sich sogar sicher, dass die Worte nicht gesprochen wurden, es war aber auch nicht das, was er sich immer unter Gedankenübertragung vorgestellt hatte, nein, die Worte waren einfach...da.
„Ich kann sehr gut selbst abwägen, was eine Fantasie ist, und was ein Plan.“
Ein Geisterhaftes Lachen füllte den Raum aus, es klang kaum amüsiert, nur kalt und emotionslos, als wollte der Kuttenträger ihm lediglich klarmachen, wie dumm seine Meinung doch in seinen Ohren klingen musste.
Du hast viel zu viele Pläne…und du machst noch neue.
Viele von ihnen können nicht nebeneinander existieren.
Ich bin hier, um dir zu helfen. Dir zu helfen, dich zu entscheiden.
Abermals musste Zotage seine Antwort für sich behalten, denn er fiel erneut in einen tiefen Schlaf…
Geraume Zeit Schon drehte Lotte sich vor dem Spiegel in alle erdenklichen Positionen hin und her, um den runden Bauch, verborgen unter dem blassroten Umstandsgewand, mit argwöhnischen Blicken ab zu tasten. Erst Tages zuvor hatte Zotage es geschafft sie dazu zu überreden, sich im Handelshaus zu Berchgrad ein paar angemessener Gewänder schneidern zu lassen, denn von sich aus hätte Lotte wohl selbst einen Narrenanzug lieber getragen, als das, was zur Auswahlstand. Zu niedlich.
In eine Pose nach der anderen warf sie sich, doch schien keine sie wild genug wirken zu lassen, um die seichten Falten ihrer Stirn zu glätten.
„Du siehst wunderschön aus“
Als hätten sich die Worte angehört, wie das Brüllen eines geweckten Drachen, fuhr sie herum und blickte in das Gesicht Zotages, der mit verträumten Schmunzeln am oberen Ende der Treppe stand um sie von dort aus zu betrachten.
„Wie lange stehst du schon da?“
Er hob andeutungsweise die Schultern.
„Ein paar Minuten vielleicht…eine…zwei…oder ein gutes Dutzend“
Mit einem zusammengekniffenen Auge und einem Gesichtsausdruck, der erahnen ließ, dass sie am überlegen war was sie nun mit ihrem Verlobten anstellen würde, begann sie langsam näher zu schreiten, fast bedächtig, als hätte sie Angst mit dem Kind gegen irgend Etwas zu stoßen, was ihm schaden könnte.
„Das ist ziemlich ungerecht von dir, einfach eine wehrlose Frau hinterrücks zu beobachten“
Vor ihm kam sie schließlich zum Stillstand, sah ein Stück hinauf in sein Grinsen, hob dann die Hand und ließ sie zwischen seine breiten Schultern sausen. Erst im letzten Moment bremste die Hand, um ihm nur sanft auf die Brust zu klopfen, was Zotage aber nicht daran hinderte gelassen stehen zu bleiben, ja danach gar seine Arme um ihre Hüften zu legen und einen sachten Kuss auf die Stirn zu hauchen.
Mit verschlafenen Blinzeln und einem müden Lächeln im Gesicht, fand er sich wieder im Bett in der Herberge Varaunas.
Dir scheint die sonnige Zukunft zu gefallen, Junge.
Mit einem Mal wurde die angenehme Müdigkeit wieder weggewaschen, und der zurückbleibende, klare Geist ließ ihn wieder auf die Erinnerungen an den Fremden in seinem Zimmer zurückgreifen.
Das ist eine der besseren Alternativen, nicht wahr?
Alles erreicht, wofür es sich zu Leben lohnt, ein Haus, eine Verlobte und bald auch ein Kind.
Mühselig richtete er sich wieder auf, warf einen Blick auf Lotte neben sich, die schlank wie eh und je da lag, bevor er wieder versuchte die Konturen der Gestallt auszumachen, um ihm beim Sprechen wenigstens andeutungsweise ins Gesicht erkennen zu können.
„Wie bist du hier hereingekommen? Wer bist du? Wie machst du das?“
Obwohl er ihn immer noch nicht recht deutlich sah, konnte er das amüsierte, fast höhnende Grinsen förmlich riechen, das der Kuttenträger aufsetzte.
Ich zeige dir deine Zukunft. Ich zeige dir, wie sich deine Entscheidungen auswirken, denn es wird Zeit, dass du endlich einen weg wählst. Endgültig.
Es gefiel Zotage nicht dass der Fremde meinte, sich die Frage aussuchen zu können, auf die er antworten wollte, doch ehe er ihm die anderen beiden erneut stellen konnte, spürte er, wie ein unüberwindlicher Sog der Ermattung ihn wieder zurück ins Land der Träume zog…
Tage zuvor war Zotages schlimmster Alptraum Realität geworden:
Ein neues Mitglied der Wölfe hatte Verrat begangen.
Viele Söldner, allen voran die Sturmkrähen, wussten nun genau wo sie suchen mussten, um alles, was er so mühsam aufgebaut hatte, zu zerstören.
Heute war der Tag gekommen, an dem er jenem ein Ende bereiten wollte:
Zu viele seiner Wölfe waren schon durch die Überraschenden Angriffe der Söldner umgekommen, zu viele Verstecke waren niedergebrannt, und zu grausam waren sie vorgegangen, als dass er ihnen verzeihen konnte.
Die Schlacht stand bevor.
Auf der einen Seite gab es einige Dutzend Söldner, die Blut seiner Männer wollten, doch auf der anderen waren nur noch fünfzehn Leute übrig geblieben.
Zotage selbst saß über seine Landkarte gebeugt, wie ein Schachspieler über sein Brett, als Irakas den provisorischen Unterschlupf betrat.
„Du weißt, dass ich dir Vertraue Zo“, begann er nach einigen Augenblicken, doch Zotage sah nicht auf, zeigte mit keiner Reaktion dass er ihn überhaupt bemerkt hatte.
„Aber du weißt auch, dass Liebe blind macht. Vielleicht sollte den Plan jemand anders…“
Er schlug mit der Faust so heftig auf den Tisch, dass die Stimme seines Freundes verebbte.
„Nein, Irakas. Wir haben so die besten Chancen. Sie haben sie getötet, und deshalb werde ich erstrecht dafür sorgen dass ihr Anführer enthauptet wird. Höchstpersönlich!“
Irakas schloss die Augen und atmete kurz durch.
„Oh nein, dir geht es allein darum, Rache zu üben, du wirst uns noch alle in den Tod führen!“
„Dann geh, geh wenn du denkst ich könnte die Truppen nicht führen wie ich es immer tue!“
Erst jetzt trafen sich ihre wütenden Blicke, aber dafür verstrichen lange Momente in denen niemand etwas sagte, ja nicht einmal blinzelte. Erst nach geraumer Zeit wandte sich Irakas mit einem Schnauben ab, hielt aber im Türrahmen inne.
„Viel Glück, alter Freund“
Stunden später hatte sich Zotages kleine Sechs-Mann-Armee vor dem Wald aufgebaut, und auch die Söldner marschierten in Formation in Richtung Wald.
Allen voran in dem Rudel, war ein Mann, in einer roten Rüste, bewaffnet mit einem Turmschild und einer Kriegsaxt in derselben Farbe: Zotages bevorzugte Ausrüstung.
In dem anderen Heer trug der Anführer eine Rüstung in einem blassen weiß, welches, wie seine Waffen auch, eindeutig aus Diamant zu bestehen schien.
„Noch ein paar rührende letzte Worte, Roganma?!“, brüllte er über das Schlachtfeld, und der Helm des anderen Feldherrn wackelte lediglich hin und her.
Ein Grinsen machte sich unter dem Helm des Söldners breit.
Siegessicher war es, und hämisch.
„Zum Angriff!“
Schon hagelten die ersten Bolzen auf die Wölfe ein, die ihrerseits die heranstürmenden Plattenkrieger eindeckten. Trotz der Minderzahl schlugen sich die Räuber recht gut, doch schnell wurde klar wie aussichtslos der Kampf war. Zwar kämpfte der Feldherr besessen wie nie, doch schon als dritter Mann war er gefallen, als einer der Bolzen sich durch seine Rüstung bohre. Er sackte zusammen, leblos zwischen den Graßbüscheln. Als seine Männer das sahen, machten die ersten kehrt, in den Wald, um zu flüchten, doch nur die Schützen in ihrer Ledertracht waren schnell genug unterwegs.
„Ihnen nach, jagt sie bis zum Teufel und noch weiter!“, brüllte der Söldner wieder, und sofort machten sie sich auf, ihnen zu folgen: Selbst wenn sie ihren Feldherren gehabt hätten, so war er sich sicher, dass diese Truppe jeden Hinterhalt gnadenlos scheitern lasse würden.
Den Helm abnehmend, schritt er langsam an den Rand des Waldes, dort, wo sein Feind den Geist ausgehaucht hatte, und nur zwei weitere Krieger, die offenbar den Befehl hatten, ihn zu schützen, blieben bei ihm. Mit triumphierendem Grinsen schritt er neben ihn, versetzte ihm noch einen Tritt gegen den Brustkorb.
„Nehmt ihm den Helm ab. Ich will sein Gesicht sehen…“
Auf sein Wort wuselte der erste Krieger herbei, legte seine Waffe zur Seite, drehte den Körper auf den Rücken und zog ihm den Helm ab. Das Grinsen des Söldners gefror.
Er kannte das Gesicht Zotages, er war ihm schon unmaskiert gegenübergestanden, doch was sich unter dem Helm gezeigt hatte, waren keineswegs die kantigen Züge eines Mannes, nein!
Ein Blondschopf hatte sich darunter verborgen, sogar kindliche Züge hatte er!
„Aber das…das ist nicht möglich…“
Murmelte er vor sich hin, ehe er realisierte was das zu bedeuten hatte, doch es war zu spät, seine Truppen zurück zu rufen. In diesem Moment, in dem die beiden anderen Soldaten nicht minder perplex erschienen als ihr Anführer, schoss etwas rötliches von einem höheren Ast herunter und traf den einen Mann, der gerade wieder beim Aufstehen war, mit voller Wucht am Kopf. Sein Helm drückte sich ein wie ein dünnes stück Blech, und als Zotage die Axt wieder herauszog um besseren Stand zu fassen, kippte der Körper schlichtweg um. Ein Moment verstrich noch, so perplex waren die beiden anderen noch, ehe der Kampf entbrannte:
Zotage war in der Zeit recht geschickt im Umgang mit der Waffe geworden, doch letzten Endes waren ihm allein zwei Kämpfer doch überlegen.
Vor Erschöpfung ein wenig wankend, trat der Mann in der Diamantplatte auf ihn zu und holte zu einem letzten Streich aus. Abermals hatte er dieses siegessichere Grinsen im Gesicht, und abermals sollte es so kommen, dass er es zu früh aufgesetzt hatte:
Irakas’ Klinge beendete die Auseinandersetzung recht rasch, und nicht zu Gunsten der beiden Söldner.
„Ich habe doch gesagt, du bist zu sehr auf Rache fixiert…du hast deine Leute geopfert um eine Chance zu bekommen es ihm heim zu zahlen“
Recht unbeeindruckt der Worte, stützte sich Zotage auf seine Axt und richtete sich wieder auf.
„Ich kann zwischen einer Partie Schach und einer Schlacht unterscheiden, Irakas. Der Wald ist mit Fallen gespickt, bald werden die Schützen meine Leute verloren haben, und die Plattenträger werden ihnen nicht schnell genug folgen können, und wenn sie alleine sind, wird es ein Leichtes, sie zu schlagen, und die Schützen allein, werden sich auch nicht lange wehren können…wir haben den Vorteil des Geländes auf unserer Seite.“
Ein Schmunzeln bildete sich auf den Lippen seines Freundes.
„Du bist ein Fuchs. Gehen wir trotzdem nachsehen wie sie sich schlagen?“
Ein Nicken noch, und beide verschwanden im Geäst.
Zotage schlug die Augen auf.
War er das wirklich gewesen?
Nein, niemals würde er Menschen so leichtfertig opfern wie einen Bauern beim Schach.
Oder doch…?
Du kannst dich für diesen Weg entscheiden.
Du kannst deinen Traum erfüllen, aber wisse, dass alles seinen Preis hat.
Er warf einen Wehmütigen Blick neben sich, auf Lotte, die immer noch tief und fest schlief.
„So sieht der Traum nicht aus, den ich mir erfüllen will…“
Die Gestallt schien kurz zusammen zu zucken.
Unsere Zeit ist nun vorüber…denke darüber nach, was ich dir gezeigt habe.
Auf bald, Zotage, ich werde wiederkommen und dir noch andere Möglichkeiten zeigen…
Ehe er wieder die Stimme erheben konnte, gab die Matratze unter ihm nach, und er fiel, fiel in einen tiefen Schlund, zuerst nur aus Finsternis, doch bald wurde er von einem Gleißenden Licht überschwemmt…
Mit einem Dumpfen Geräusch landete er auf dem Fußboden vor seinem Bett. Einen Moment dauerte es, bis er verstanden hatte, dass es nur wieder ein Traum gewesen war…und trotzdem.
Einen Vorsichtigen Blick warf er in die Zimmerecke, doch dort fand sich nichts mehr, was auch nur an die Umrisse eines Kuttenträgers erinnern könnte. Nur ein paar morgendliche Sonnenstrahlen tanzten über die Wehenden Vorhänge…
((OOC Anmerkung: Was hier als die Zukunft beschrieben wird, ist lediglich eine Phantasie von Zotage. Es kann sein, dass einige vorkommende Charaktere ganz anders reagieren würden, da das geschiebene ledigich die Meinung wiederspiegelt, die er von ihnen hat))