I'lir - Das Lied
Verfasst: Sonntag 18. Februar 2007, 12:18
Glîr i Fae – Das Lied der Seele
Schwerelos. Das Wasser in dem See in der Mitte des Elfenwaldes vor dem Hintergrund gewaltiger Berge war zwar nicht warm doch auch nicht kalt. Das Ufer des Sees war frei von Schnee. Im Wasser lag Ethuilel, die Augen geschlossen, die Arme ausgebreitet. Das Lied formte kräftige Töne um sie herum, die das letzte bisschen Kälte vertrieben, das im Wasser verblieben war. Sie trieb auf dem stillen Wasser, ihr Haar wie ein Kranz offen und um ihren Kopf schwimmend. Sie wirkte vollkommen entspannt, schien fast zu schlafen. Tatsächlich hatte ihr Zustand vieles von einem Schlaf an sich – ihre ganze Aufmerksamkeit war nach innen gekehrt.
„Wie denke ich nicht?“, war eine von den Fragen, die in ihrem Kopf war. Sie trieb dort noch viele Stunden, ehe ihr Geist diese Frage als einzige in ihrem Kopf duldete. „Wie denke ich nicht?“ Die Sonne senkte sich hinter den Horizont und ihr Geist driftete in den Schlaf ab. Ihr Körper trieb zum Rand des Sees, wo die Wasser ihn sanft zum Schlafe betteten. Aufgewühlte Träume waren dieser Nacht lohn. Hundertdreißig Jahre zogen in bedeutungsschwerter Fremdartigkeit an ihrem inneren Auge vorbei, berührten das Innerste ihrer Seele und bewegten sich weiter. Abstrakt und nicht Greifbar. Ihr Kopf zuckte manches Mal diese Nacht umher, als ein dunklerer Traum mit eiseskälte über ihre Seele streichelte. Sie meditierte noch immer, war entspannt. Durch diese Entspannung, diese Selbstlosigkeit hatten die Erinnerungen einen viel größeren Einfluss auf sie.
Am nächsten Morgen zitterte sie vor Eiseskälte. Die Nacht war lang und voller Schmerzen seltsamster Natur gewesen. Sie war durchnässt und verwirrt, ihre Hände zitterten immernoch obwohl sie keine körperliche Kälte empfand. Es hatte einen Dolch aus purem Diamant in ihre Seele gestoßen – und ihr den Weg vor Augen geführt, schoss es ihr glühend heiss ins Gedächtnis.
“Das ist meine Seele, die ich gehört habe heute Nacht. Die Oberfläche. Sie verschließt sich mir. Ich muss tiefer dringen.”
Immer noch zitternd aber mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht ging sie zurück nach Ered Luin, die Stadt des Lichtes. Geradewegs an ihren Brüdern und Schwestern vorbei, die sie nur kurz anblickten und in ihrem Gesicht eine gewisse Verwunderung über die nicht mehr vorhandene Redseligkeit durchschimmern lassen. Aber sie bemerkten nichts von dem Zittern, nichts, was sie in Erklärungsnöte bringen würde. Oben in ihrem Haus setzte sie sich auf ihr Bett und blickte zum Fenster. Die Sonne stieg langsam über die Berge und der Mittag war angebrochen. Ethuilel lächelte und nahm ein feines, in elfischen Runen geschriebenes Buch hervor. Ihre Finger fand schnell die gesuchte Textstelle und mit der den Elfen eigenen, hellen und reinen Stimme begann sie zu singen:
filigod niben, tolo dad
havo na dâl nîn
linno na lâm nîn ad
linno an Eluive i huil
revio veren or imlath
nello linnad lîn
ir im ad a ad
linnon na lam nîn
Kleines Vöglein, komm hernieder,
setze dich an meinen Fuß.
Lasse hörn dein Stimmlein wieder,
sing Eluive einen Morgengruß.
Fliege fröhlich über das Tal,
lass dein Schilpen ertönen.
Während ich ein ums andere Mal
Meine Stimm' lass ertönen.
So erklang es im Raum und verblasste schnell im Tal, als sich nach kurzer Zeit eine andere Stimme beimischte. Es war das Zwitschern einer Schwalbe. Sie ergänzte sich mit der Stimme Ethuilels und schien sich mit ihr zu vereinen und auch als sie selbst keinen Ton mehr über ihre Lippen wandern lies erklang dieses Zwitschern in ihr. Doch in ihr selbst fühlte sie, das dies noch nicht die Vollendung war, nach die es ihr strebte. Den restlichen Tag bis zum Einbruch der Dämmerung saß sie dort und konzentrierte sich nur auf diesen Gedank, auf jede Nuance des Klanges. Mit dem Einbruch der Dunkelheit ging Ethuilel aus der Stadt hinaus in den Wald, der gerade im Begriff war, sich schlafen zu legen. Es sollte eine erleuchtende Reise werden, die sie zu unternehmen gedachte, wenn auch eine kurze. Zusammen mit den Geistern der Wäldern beriet sie sich und wurde von ihnen zu einer kleinen Quelle hoch oben im Gebirge getragen. Der Ort schien unberührt, einzig erleuchtet von dem Leuchten, in dessen Zentrum einer der Geister war, der sie hierher begleitet hatten. Sie ließ sich direkt im Gras vor der Quelle nieder und blickte sich um. Was sie sah waren endlose Hänge des Hochgebirges – doch dieser Ort war eine Aue in der Bergwüste. In einem Umfeld von drei Schritt um die Quelle herum sprossen Gras und Blumen, jede Winterkälte war von diesem Ort verbannt. Dann richtete sie Gehört und Augen auf das vorplätschernde Wasser. Eine Stimme in ihrem Inneren sandte Wärme über ihren Körper und sie wusste, dass sie den Weg des 'Wo' nun beendet hatte. Das 'wann' war allerdings noch offen. Nicht etwa meditierend sondern mit voller Aufmerksamkeit blickte sie zu dem Wasser, verfolgte seinen Fall und hörte das Plätschern.
Kurz vor dem Morgengrauen hörte sie dann das Zwitschern eine Schwalbe und sie wusste: Dies war ihr Seelenlied. Sie würde das Wissen um diesen Moment auf immer in ihrem Leben mittragen und gelegentlich wieder herkommen, um die Erinnerung zu erneuern.
Dann erhob sie sich und verbeugte sich vor dem Geist. Als sie sich wieder erhob stand sie vor dem Weg nach Ered Luin. Sie lächelte und wandte sich ab – ihr Weg führte sie durch die Natur, nicht in die Stadt.
Schwerelos. Das Wasser in dem See in der Mitte des Elfenwaldes vor dem Hintergrund gewaltiger Berge war zwar nicht warm doch auch nicht kalt. Das Ufer des Sees war frei von Schnee. Im Wasser lag Ethuilel, die Augen geschlossen, die Arme ausgebreitet. Das Lied formte kräftige Töne um sie herum, die das letzte bisschen Kälte vertrieben, das im Wasser verblieben war. Sie trieb auf dem stillen Wasser, ihr Haar wie ein Kranz offen und um ihren Kopf schwimmend. Sie wirkte vollkommen entspannt, schien fast zu schlafen. Tatsächlich hatte ihr Zustand vieles von einem Schlaf an sich – ihre ganze Aufmerksamkeit war nach innen gekehrt.
„Wie denke ich nicht?“, war eine von den Fragen, die in ihrem Kopf war. Sie trieb dort noch viele Stunden, ehe ihr Geist diese Frage als einzige in ihrem Kopf duldete. „Wie denke ich nicht?“ Die Sonne senkte sich hinter den Horizont und ihr Geist driftete in den Schlaf ab. Ihr Körper trieb zum Rand des Sees, wo die Wasser ihn sanft zum Schlafe betteten. Aufgewühlte Träume waren dieser Nacht lohn. Hundertdreißig Jahre zogen in bedeutungsschwerter Fremdartigkeit an ihrem inneren Auge vorbei, berührten das Innerste ihrer Seele und bewegten sich weiter. Abstrakt und nicht Greifbar. Ihr Kopf zuckte manches Mal diese Nacht umher, als ein dunklerer Traum mit eiseskälte über ihre Seele streichelte. Sie meditierte noch immer, war entspannt. Durch diese Entspannung, diese Selbstlosigkeit hatten die Erinnerungen einen viel größeren Einfluss auf sie.
Am nächsten Morgen zitterte sie vor Eiseskälte. Die Nacht war lang und voller Schmerzen seltsamster Natur gewesen. Sie war durchnässt und verwirrt, ihre Hände zitterten immernoch obwohl sie keine körperliche Kälte empfand. Es hatte einen Dolch aus purem Diamant in ihre Seele gestoßen – und ihr den Weg vor Augen geführt, schoss es ihr glühend heiss ins Gedächtnis.
“Das ist meine Seele, die ich gehört habe heute Nacht. Die Oberfläche. Sie verschließt sich mir. Ich muss tiefer dringen.”
Immer noch zitternd aber mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht ging sie zurück nach Ered Luin, die Stadt des Lichtes. Geradewegs an ihren Brüdern und Schwestern vorbei, die sie nur kurz anblickten und in ihrem Gesicht eine gewisse Verwunderung über die nicht mehr vorhandene Redseligkeit durchschimmern lassen. Aber sie bemerkten nichts von dem Zittern, nichts, was sie in Erklärungsnöte bringen würde. Oben in ihrem Haus setzte sie sich auf ihr Bett und blickte zum Fenster. Die Sonne stieg langsam über die Berge und der Mittag war angebrochen. Ethuilel lächelte und nahm ein feines, in elfischen Runen geschriebenes Buch hervor. Ihre Finger fand schnell die gesuchte Textstelle und mit der den Elfen eigenen, hellen und reinen Stimme begann sie zu singen:
filigod niben, tolo dad
havo na dâl nîn
linno na lâm nîn ad
linno an Eluive i huil
revio veren or imlath
nello linnad lîn
ir im ad a ad
linnon na lam nîn
Kleines Vöglein, komm hernieder,
setze dich an meinen Fuß.
Lasse hörn dein Stimmlein wieder,
sing Eluive einen Morgengruß.
Fliege fröhlich über das Tal,
lass dein Schilpen ertönen.
Während ich ein ums andere Mal
Meine Stimm' lass ertönen.
So erklang es im Raum und verblasste schnell im Tal, als sich nach kurzer Zeit eine andere Stimme beimischte. Es war das Zwitschern einer Schwalbe. Sie ergänzte sich mit der Stimme Ethuilels und schien sich mit ihr zu vereinen und auch als sie selbst keinen Ton mehr über ihre Lippen wandern lies erklang dieses Zwitschern in ihr. Doch in ihr selbst fühlte sie, das dies noch nicht die Vollendung war, nach die es ihr strebte. Den restlichen Tag bis zum Einbruch der Dämmerung saß sie dort und konzentrierte sich nur auf diesen Gedank, auf jede Nuance des Klanges. Mit dem Einbruch der Dunkelheit ging Ethuilel aus der Stadt hinaus in den Wald, der gerade im Begriff war, sich schlafen zu legen. Es sollte eine erleuchtende Reise werden, die sie zu unternehmen gedachte, wenn auch eine kurze. Zusammen mit den Geistern der Wäldern beriet sie sich und wurde von ihnen zu einer kleinen Quelle hoch oben im Gebirge getragen. Der Ort schien unberührt, einzig erleuchtet von dem Leuchten, in dessen Zentrum einer der Geister war, der sie hierher begleitet hatten. Sie ließ sich direkt im Gras vor der Quelle nieder und blickte sich um. Was sie sah waren endlose Hänge des Hochgebirges – doch dieser Ort war eine Aue in der Bergwüste. In einem Umfeld von drei Schritt um die Quelle herum sprossen Gras und Blumen, jede Winterkälte war von diesem Ort verbannt. Dann richtete sie Gehört und Augen auf das vorplätschernde Wasser. Eine Stimme in ihrem Inneren sandte Wärme über ihren Körper und sie wusste, dass sie den Weg des 'Wo' nun beendet hatte. Das 'wann' war allerdings noch offen. Nicht etwa meditierend sondern mit voller Aufmerksamkeit blickte sie zu dem Wasser, verfolgte seinen Fall und hörte das Plätschern.
Kurz vor dem Morgengrauen hörte sie dann das Zwitschern eine Schwalbe und sie wusste: Dies war ihr Seelenlied. Sie würde das Wissen um diesen Moment auf immer in ihrem Leben mittragen und gelegentlich wieder herkommen, um die Erinnerung zu erneuern.
Dann erhob sie sich und verbeugte sich vor dem Geist. Als sie sich wieder erhob stand sie vor dem Weg nach Ered Luin. Sie lächelte und wandte sich ab – ihr Weg führte sie durch die Natur, nicht in die Stadt.