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Ein weiteres Kind des Einem .. Vorbei.

Verfasst: Donnerstag 8. Februar 2007, 22:43
von Lhan´Chyl
Ein weiteres Kind des Herrn hat die Welt verlassen.
Regungslos lag sie da, in Blut getränkt und alles was noch Erkennbar war, war ihr Oberkörper und ihr Gesicht was von einer grausamen Mimik überzogen war. Die Angst in ihren Augen, welche wohl selten in den Blicken dieses Volkes zu sehen ist.
Die Schlange riss mit ihrem riesigen Maul den ganzen Unterleib, so wie die Beine der jungen Lethra mit sich. Ein Blutbad, das Wasser in der sich die Seeschlange befand färbte sich vom schlammigen Braun in ein tief, fast schwarzes, Rot. Man hörte in der Höhle nur laute Schreie, ob sie nun von dem Tier ausgingen oder von den Anwesenden, dies konnte sie in ihre letzten Minuten nur noch erahnen. Nichts bekam sie mehr mit, nur noch unverständliche Worte drangen in den letzten paar Minuten an ihr Gehör. Die letzten Minuten, waren wohl die Letzten. Diese Schmach die sie als weibliches Wesen in ihrem Volk ertragen musste, war jene Schlimmer als das jetzt? Jene Frage stellte sie sich die letzten Sekunden ihres Lebens.
Dieses verachtenden Worte ihres Letharfen, die Prügel und alles was sie als Frau ertragen musste, welcher Schmerz war schlimmer? Und, wird der Vater die junge Lethra in seine Hallen nehmen? Oder habe sie sich wirklich so benommen, wie es nicht mal der Vater gern sah?
Die Haut der Lethra wurde blass und ihre Haltung versteifte sich letztendlich. Und auch die geschockten Blicke der Anderen lösten sich langsam von ihrem Leib und wendeten sich, der noch vorhandenen Schlange entgegen…

Ist jener Schmerz schlimmer, als Jener den sie das ganze Leben ertragen musste?
Nein…

Verfasst: Freitag 9. Februar 2007, 00:33
von Aethar xul'Vrath
Das grinsende Gesicht des Letharen blickte fast gierig auf das Buch, dass er aufhob. Aufgeschlagen bemerkte er jedoch, dass es nur mehr ein Umschlag war: die Seiten darin waren bereits verwest, nur das Äußere schien noch intakt.
Weiter kramten sich seine Finger durch den Bücherhaufen, eine Made und etwas Schleim pickte dabei auf seiner Hand, und er wischte die Made ohne groß darüber nachzudenken ab, viel eher war es jenes andere Buch, welches nun seine Aufmerksamkeit eroberte.
Erneut innen ausgebrannt. Lauter leere Hüllen.
Ein Knurren kam ihm kurz aus, als er wieder einige Bücher vom Regal wischte und hastig noch eines aufschlug.
"Sichert die Bücher!" hat es geheissen. Man brauchte es ihm nicht befehlen. Irgendwann würden die Lethyren einen Blick auf alles werfen, was sie finden würden, und dann würden sie irgendwo verschwinden, die Bücher, aber auch er wollte etwas lernen, etwas verstehen, etwas erfahren.

Wieder flog ein Buch in hohem Bogen vom kauernden Letharen fort. Wie ein Tier wühlte er weiter. Er krabbelte auf allen vieren unter den Steintisch, seinen Bruder, dessen Namen er noch nicht gehört hatte, aber sich nichts anmerken ließ, ignorierend, der abwesend diese verdreckten Schriftrollen betrachtete.

Zumindest nahm er an, sein Bruder würde das tun. Aber eigentlich war der schon länger verschwunden. Doch Aethar hatte nichts davon bemerkt. Zu gehetzt war er, zu strebsam, erfüllt vom Feuer etwas in den Händen zu halten, welches ihm neues Wissen einflößen würde...
Eine alte Geschichte vielleicht? Ein Gedicht? Noten? Gedanken eines verfluchten Wesens, dessen verwirrte Ansichtsweisen ihn für einige Minuten unterhalten hätten?

Verfluchte Hurenanbeter und ihre Lügen, mit ihrem Schöndenken, dass am Ende doch alles besser würde, und so weiter. "Am Ende steigen sie aus dem Feuer und besiegen jedes Ungeheuer!" - so ein lächerlicher Gedanke!
Als ob irgendwas im Leben mit Großartigkeit enden würde? Nein. Die meisten Dinge klangen nur im Hinterher großartig. Alles was auf einem zukam, sobald das Ende kam, war Vernichtung. Das Leben endete mit dem Tode, nicht mit einem Lichtstrahl, sondern in schierem Tod. Nur der Vater selbst hatte dies erkannt. Sein Vater, der ihn so wunderbar geformt hatte, jede Narbe an seinem Körper, und seine blaue Haut...

Als er sich dabei ertappte wie er gerade sanft seine Wange streichelte und dabei hämisch und lüstern grinste, fiel ihm auf, wie leise es um ihn geworden war. Er hielt inne.

Wo... wo waren die anderen?
Aethar stand auf. Sein Blick schweifte auf diesen wunderbaren Anblick dieses verfluchten Sumpfes, von dem ein Geruch des Moders, ein Geruch von Zerstörung und Tod, von endloser Auflösung ausging... Auflösung... war es nicht das Ziel sich aufzulösen? Zu vernichten, sich dem Schmerz hinzugeben, darauf zuzustreben, diesen Fluch von Welt zu erlösen?
Er kannte viele Begebenheiten im Leben deren Ende immer Auflösung selbst waren...

Ein riesiger Schrei durchfuhr die Hallen. Aethar zuckte zusammen, fasste nach seinem Bogen und blickte in die Kaverne. Langsam kräuselte sich das Wasser, bildete wunderschöne Wellen, und eine wunderbare Schlangenlinie erschien als riesiger Schatten auf ihr. Fasziniert stieg Aethar sofort in das dreckige Wasser, um es näher zu sehen.

Die Schlange erhob sich schließlich, zwar mit dem Rücken zu ihm, riesig aus dem Wasser. Sie reichte bis zur Decke der Kaverne und als sie einen Schrei losließ, ein Brüllen sondergleichen, lachte und kreischte Aethar vor Entzückung auf und breitete seine Arme aus.
"Welch Kraft!" schrie er.
Erneut ein Brüllen.
Aethar lachte und brüllte mit.
Kraft und Wahnsinn, es klang wundervoll, das Plätschern des Wassers, die sanften Wellen des Sees, die sich verdichteten zu einem spritzenden Orkan aus dem ein riesiger muskulöser Hals herausragte, mit einem Gebrüll welches verzogen klang und ungeheuerlich!

Mit seinem Körper Schlangenlinien nachmachend watete der wahnsinnige Lethar langsam auf die Schlange zu, wie in Trance. Er war erfüllt von Faszination und Heiterkeit, als sein Blick auf die Gestalten vor der Schlange fiel: seine Brüder waren da, Lhan'Chyl genau unter dem Maul der Schlange, Gry'laox mit der Letharenklaue durch das Wasser watend, alle fluchend, schreiend - was war hier los?
Die Wirklichkeit war wie ein kalter Schlag in sein Gesicht.
Der Bogen würde nichts nützen. Die Lethrixoren würden das Tier schon besiegen, als er plötzlich bemerkte, wie ein riesiger Angure einen seiner Brüder ins Wasser stieß... Eingekesselt!

Er musste ihnen Zeit geben... aber wie?

Er löste sofort seine Schelle vom Gürtel und versuchte einen sinnlosen Krach zu machen.
"Hierher" schrie er hinaus. Er sah wie Gry auf die Schlange einhob, und auch der andere Lethar auf der anderen Seite schien dies zu versuchen, als die Schlange zubiss...
Blut spritzte...
Aethar kreischte weiter, die Schelle machte reinen Krach ohne Melodie oder ähnliches aber die Schlange ließ nicht ab...
Bis...
die Schlange langsam sich im Wasser drehte und wohl das Leben aushauchte...

Aethar stand im stillen Wasser. Das Wasser schwabbte leise um ihn und er blickte in die Ferne, mitten im See stehend, weit weg von jeglichem Ufer, auf die Szenerie vor ihm. Auch die anderen schienen sich kurz nicht zu bewegen. Sein Blick fiel auf die blutigen Reste der Lethra.
Lhan'Chyl.
Er konnte sich an sie erinnern.
An ihren Blick.
Er war wie ein Buch ohne Inhalt gewesen, ein Umschlag dessen inneres bereits ausgebrannt war.
Es war ein Ende gewesen, wie ein Ende nunmal ist: absolut nicht aufregend, unspektakulär, kurz, schnell - dies machte die anderen wohl baff...
Morgen würde er es nieder schreiben. Übermorgen würde er es anderen erzählen.
"Ja auch ihr, ihr Hurensöhne, auch ihr werdet einmal so sinnlos enden" durchfuhr es ihn wie eine reine Hassallüre und er spannte sich kurz an.
Er hatte eine gewisse Sympathie für die Lethra gehabt, erinnerte sich an seine erste Begegnung mit ihr und... - seine Gedanken wurden unterbrochen, als plötzlich ein lauter Schrei von hinten die Kaverne ausfüllte...

Das Wasser zu seiner Seite in einigen Schritt entfernung setzte sich in Bewegung... es gibt nunmal immer einen größeren Fisch...

Sein Blick fuhr zur Seite, in die dunkelheit hinein, woher der Schrei gekommen war und ein zweiter sich dazugesellte...
"ohoh" dachte sich Aethar
- noch immer mitten im See und allein -
"Wäre doch peinlich wenn so ein Tier mich noch schneller töten würde als eine Frau..."