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Ein Duell unter Freunden

Verfasst: Sonntag 4. Februar 2007, 12:44
von Rafael de Arganta
Mit dem Glas Wein in der Hand lag er unten in dem kleinen Bad.
Das Wasser plätscherte dahin und er hatte die Augen geschlossen, während ihm so einiges durch den Kopf ging.
Das Duell mit Darna war gut ausgegangen. Rafael dankte Temora dafür.
Es war schon ein etwas komisches Gefühl gewesen ihr gegenüber zu stehen, und am liebsten hätte er das Duell
abgebrochen. Das hier war kein Rahaler, kein Monster, kein wirklicher Gegner... es war Darna.
Er wollte alles andere als sie verletzen, und als das Duell freigegeben wurde...es begann, umrundeten sie einander, als hätte jeder Furcht den Anfang zu machen.
Halbherzig schlug er den ersten Angriff, den jedes Kind hätte abwehren können, er hatte als Ziel direkt ihren Schild gewählt, und Funken sprühend prallte die
Klinge davon ab.
Der Anfang war gemacht, aber wieviele Stundne wollte man so umeinander kreisen.
Wie Paradox es doch war. Ein Duell und niemand war bereit den anderem Weh zu tun.
Demut ... schoss es ihm durch den Kopf....
Sie ist deine Freundin... deine Vertraute, warum hast du ihr diese Beleidigungen nicht verziehen....
Ehre...
Sie hatte seine Ehre in zweifel gestellt...
Aber es war Darna! Warum all das? Weil sie Angst um ihn hatte... Furcht das genau das wieder geschehen konnte, an dem er zerbrechen würde...
seine Ehre verlieren.
Dennoch waren sie beide in Rage geraten und hatten Dinge gesagt die unter Freunden verzeihbar gewesen sein sollten.
Er war zu weit gegangen... sie war zu weit gegangen...
Beide hatten mehr gesagt als gut gewesen war.
Und jetzt?
Jetzt verletzten sie einander nicht nur mit Worten.
Bis zum Ersten Blut ...
Bis zum ersten Blut ... er wollte ihr nicht weh tun... doch es würd weh tun, ihr oder ihm und so versuchte er vorsichtig zu sein.

Dieser ... Kampf war schwerer als jeder Kampf den er je geführt hatte.
Jedes Untier, oder Monster war einfacher, aber hier? Treffen ohne zu verletzen. Verletzen ohne groß weh zu tun.
Doch es musste beendet werden.
Von mal zu mal wurde man sicherer.
Schwert auf Schwert, Schwert auf Schild... sie spielten sich ein.
Ja das war das rechte Wort.
Es war kein Kampf im eigentlichen Sinne gewesen, sondern eher ... ja was eher... ein gemeinsames Spiel? Eine Übung?
Nein auch das nicht.
Der gewisse Ernst war gegeben aber beide waren Vorsichtig.
Attacken und Paraden wechselten sich ab. Bald schon waren beide außer Atem und irgendwann würde sie beide wohl aufgeben müssen.
Was dann? Einen weiteren Kampf?
Vielleicht reichte es auch zu versuchen ihr das Schwert aus der Hand zu schlagen.
Er machte einen weitern Ausfall, tauchte unter ihrem Schild hinweg und schlug, die Worte "Temora hilf" auf den Lippen nach ihrer Schwerthand.
Die Silberklinge traf die Ihre, fuhr einmal kreisend um die Ihre um dann mit macht auf das Silber ihrer Handschuhe zu treffen.
Das Material gab nach, splitterte und die Klinge traf auf Fleisch.
Rafael sah das Blut und ließ augenblicklich das eigene Schwert sinken, besorgt zu ihr tretend. "Darna?!"
Sie hielt sich die Hand, nahm ihren Helm ab und ...
Sie Grinste!
Bei allem was ihm heilig war sie grinste tatsächlich.
Fassungslos blickte er sie einfach nur an, während sie ihm ihre rechte Hand hinstreckte.
Ihre Worte erreichten ihn nicht wirklich so perplex war er ob ihrer Reaktion. Ihrgendetwas davon das sie froh war nicht Recht behalten zu haben.
Er ergriff vorsichtig ihre Hand besorgt ob ihrer Verwundung doch die interessierte sie kaum.

Es war getan. Vorbei....diese Wogen geglättet, nun stand ihrer Freundschaft nichts weiter mehr im Wege.

Verfasst: Mittwoch 7. Februar 2007, 23:54
von Darna von Hohenfels
"Gebührt dem Sieger nicht, daß man sich vor ihm verneigt?"

Das herausgearbeitete verästelte Geweih des Hirschen auf dem Harnisch brach das Kerzenlicht und offenbarte seinen Glanz. Der nachgeformte Adlerkopf, der den Helm der Silberrüstung bildete, ruhte schräg vor ihr auf dem Boden - bald schon würden ihre Augen hinter den schmalen Öffnungen der symbolischen des Raubvogels ruhen.
Bald schon... würde sie hier nicht mehr knien und beten.

"...Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag." Sie nahm ihre Waffe und stellte sie vor sich, mit der Spitze auf den Boden. "Kein Blut eines Waffenbruders soll je diese Klinge beflecken. Dir zu ehren hoffe ich, zu streiten in dem Glauben, daß Wahrheit aus dem inneren Wesen und dem äußeren Bild besteht, so wie die Macht der Schreine deiner Kinder an sieben Orten zu spüren ist und dennoch von weltlichem Stein gekleidet, auf daß für jeden zu sehen sei, was vor ihm liege." Erneut senkte sie den Kopf und endete: "Ließ ich mich vom Äußeren blenden, so wirst du mich weisen. Es sei."
Yarin war auf ihrer Seite, ihrer Meinung, daß sie recht darin gehandelt hatte, Rafael seines Benehmens wegen zur Rede zu stellen, bis es für eine Forderung gereicht hatte - mehr noch vielleicht, als sie selber es war. Auch er kniete vor dem Schrein in der Kirche Varunas nieder und betete zur Herrin. Und er bat um ihren Segen für die Ritterin. Darna richtete den Blick auf einen unbestimmten Punkt am Boden, als wäre sie nicht erwähnt worden. War es recht?

Es war hoffentlich entschuldbar, wofür sie sich entschieden hatte. Rafael derartig vor den Kopf zu stoßen, ihn derartig zu reizen... Es würde in jedem Fall recht sein, was heute eine Entscheidung verlangte.

Am Turnierplatz erwartete Cathal die Ritterin und den Baronssohn bereits. Rafael erhob sich in diesen Momenten vom Gebet etwas abseits in der hinteren Ecke des umzäunten Bodens, der heute nach altem Zeremoniell Blut erhalten sollte - erstes Blut. Ein Duell unter Ehrenleuten war ein Gottesurteil, und hatte mit dem viel von anderen zitierten "Köpfe einschlagen" nichts zu tun. Der erste Treffer würde es bereits beenden und den Sieger feststehen lassen.
Felicitas und Elias waren ebenso anwesend, doch verhielten sich schweigsam. Ebenso wie eine weitere, scheinbar allen unbekannte Person, die jedoch seltene Bilder zu Gesicht bekam: zwei Ritter des Reiches, die in etwas anderem als einem Übungskampf die Klingen miteinander kreuzten.

Silberne Rüstungen, so hatten die Vereinbarungen zwischen den Sekundanten gelautet. Langschwerter aus dem gleichen Metall, und ebenso händigte Sir Cathal zwei silberne Drachenschilde aus, die jeweils die Wappen der beiden Häuser trugen, de Arganta und von Elbenau.
Rafaels Sekundant hingegen trug den schweren Schutz, den die Schmiede seiner Majestät den Rittern des Reiches boten und erklärte Yarin: "Ich habe zudem die Rüstung angelegt, um zur Not in den Kampf eingreifen zu können falls etwas sein sollte, und da ich annehme, Ihr seid das Tragen einer solchen Rüstung nicht gewohnt, biete ich Euch an, für Euch zu gehen, solltet Ihr den Kampf unterbrechen wollen..."
"Beide sind Ehrenleute, ich denke es wird kaum nötig sein, den Kampf zu unterbrechen."
An der einen Seite des Platzes tauschte Darna mit gemächlichen Bewegungen ihre Rehlederhandschuhe gegen die Plattenhandschuhe aus, mit leisem Knirschen des Futterleders verschoben sich die silbernen Lamellen, gaben den Regungen der Finger nach.
"Nun, das denke ich auch, Herr Baron, dennoch kann immer etwas Unvorhergesehenes geschehen...", gab der Sire des Hauses Lalstobhar zu bedenken und fügte an: "Ich bin in dieser Situation bereit, mich ebenso für Mylady in Gefahr zu begeben wie für Sir de Arganta."
Yarin von Wolfenfels blickte kurz nachdenklich zu Cathal, dann nickte er leicht.
"Gebt mir ein Zeichen solltet ihr meiner Dienste bedürfen, Euer Wohlgeboren."
"Gewiss."

So nervös Darna war, so viel Ruhe sie nach außen zu verströmen versuchte, etwas in ihr genoß dies alles in vollen Zügen. Dieses Formelle, die abgezirkelte Höflichkeit, das Korsett, das alles den Rahmen einer ausgefeilten Choreographie verlieh. Die edlen Gewänder der Ehre.

"Der Kampf ist beendet, wenn das erste Blut geflossen ist. Dies wird angezeigt, indem beide Sekundanten die Hand heben als Zeichen. Seid ihr mit dem Verfahren zufrieden, Herr von Wolfenfels?"
"So hatten wir es ausgemacht, und so möge es geschehen, Sire Llastobhar."
Die Ritterin warf Yarin noch einen Blick aus steinerner Mimik zu, ehe sich ihre Hand erhob... mit einem entschlossenen Kopfrucken verbunden klappte das Visier ihres Helmes herunter.

Die restliche Welt versank, wurde unwichtig. Alles hinter der Umzäunung des Platzes wurde unwichtig. Hier hatten Tarrak und Luczilla versucht, der "uneffektiven" Ritterin das Kämpfen beizubringen - ihre Art des Kämpfens. Ihre Art des Tötens. Das hatte hiermit nichts zu tun.
Doch auch diese Erinnerungen wurden unwichtig. Ihr Blick fixierte sich auf die Gestalt Rafaels, von dessen Gesicht ebensowenig zu sehen war. Er zog das Schwert senkrecht zur Brust, und sie erwiderte mit Respekt die grüßende Geste, wobei sich beim Absenken die Schwertspitze ihm kurz bedrohlich anmutend entgegenneigte. Keine Späße heute. Ihr Gesicht brannte.
"Bereit."
Und damit begann es.

Fast schon schienen die ersten Bewegungen die Kontrahenten charakteristisch zu zeichnen - Rafael ließ das Schwert einmal im Kreis wirbeln, ohne anzugreifen, während ihre Waffe ihn wie still lauernd erwartete. Langsam begannen sie einander zu umkreisen, die Bewegungen ihres Gegenübers auslotend. Man hätte die Luft auf dem Platz schneiden können. Schließlich setzte Rafael zum ersten Angriff an, doch zielte dieser direkt auf den Schild ab, ein übliches Testen der Nerven, kleine Kinder gut erschreckend. Regelrecht störrisch reckte sie ihm den Schild noch entgegen. "Er ist nervös" - und ihre eigene erwidernde Schwertbewegung viel zu zaghaft, um eine Bedrohung zu sein.
Weiter tigerte er um sie herum. Und sie blieb nun trotzig stehen, sich nur noch mitdrehend. Etwas in ihr verfiel wieder in die alte Sturheit, mit der sie Gernot von Kelterburg keinen Schritt breit Boden gegönnt hatte. Etwas in ihr wusste, würde Rafael jetzt angreifen, würde er sie nicht zurücktreiben, sondern nur gegen eine Wand anlaufen, die zurückschlug. Doch außer einem halbherzigen Angriff kam von ihm nichts.
"Hört auf, zu spielen, Rafael", knurrte sie gedämpft unter dem Helm.
Umso energischer sauste ihre Klinge nun auf sie zu, doch zu ungezielt - er ließ sie an seinem Schild abgleiten, auch seine Klinge prallte auf ihre Wehr. Auch der Rückschwung voller Wucht geführt prallte nochmal auf seinen Schild, drückte den Arm schmerzhaft zurück.

"Du beißt die Zähne zusammen. Du kämpfst genau wie damals. Laß das sein, das ist falsch..." In Gedanken begann sie einen seltsamen Kampf gegen sich selber zu führen. Aradans Lehre, wo war sie hin? Die Gelassenheit, die sie bislang in allem hatte gewinnen können, schien wie ins Nichts verschwunden. "So wirst du verlieren, dieser Kampfstil ist fehlerhaft, er hat es dir aufgezeigt." Wieder so ein vorsichtiger Schlag von Rafael. Ihre Klinge sauste knallend dagegen, ihm die Waffe aus der Hand zu reißen. Etwas in ihr hatte seine Spielerei satt - und etwas, ganz leise in ihr, wollte verlieren.
Rafaels Kunst ließ ihre grobe Wucht abprallen, und mit einer eigenen Drehung zwang er sie selber zum Rückzug, wollte sie sein Schwert nicht vernichtend abkriegen. Zischend atmete sie aus und rammte ihren Schild reichlich ruppig vor, als sie sich plötzlich gegen einer der Pfosten vom Eingang des Turnierplatzes gedrängt sah.
"Kein Platz. Fehler", analysierte es in ihr nüchtern. "Du musst hier weg, oder es ist gleich schon vorbei."
Einige schnelle Angriffe von ihm, einfach abzuwehrende Finten. "Vorbereitung." Ihr Schwert tauchte nach unten, begegnete dort seinem, und mit kreischendem Geräusch glitten die Klingen verkeilt aneinander längs. Sie versuchte mit einem weiten Seitenschritt, vom Pfosten wegzukommen, zurück in offenen Raum. Seltsam präzise beobachtet sah sie, wie er eine Lücke in ihrer Deckung nutzte und seine Waffe unter ihrem Schild vorbeiglitt, auf ihren rechten Arm zu. Es schien überhaupt nicht zu ihr zu gehören, daß sie ihren Arm noch beiseite riß. Es schien völlig fremd, daß die Klinge den geringeren Schutz an der Unterseite ihres Armes durchteilte, Leder, Stoff und Haut durchschnitt.

Der Schmerz war echt. Der dies bedenkende Laut stammte wohl auch von ihr. Sie riß den Arm noch weiter zur Seite, als kehrte sie erst jetzt in ihren Körper zurück, schob den Schild schützend weiter vor sich und rief:
"Treffer!"
Im gleichen Moment waren die Hände beider Sekundanten erhoben.
Aus der ihren rutschte die Waffe, vermutlich das Gewicht nicht halten könnend. Es war vorbei.
Vorbei. Das war ihr Atmen. "Überstanden. Du hast verloren. Temora sei dank. Vorbei." Irgendwelche Worte wurden gewechselt, denen sie gerade keine Beachtung schenkte. Sie klappte das Visier hoch - und begegnete Rafaels Blick, der verdutzt wurde, weil die Ritterin in einem verschwitzten Gesicht ein breites Lächeln zeigte.

Sie schien erleichtert vor Freude regelrecht zu strahlen und verneigte sich schwungvoll. "Sire..."
Yarin blinzelte etwas und sah zu den beiden. Cathal hielt darin inne, in einer Tasche hektisch nach Verbandsmaterial zu kramen. Begeistert, doch voller Ernst hörte man Darna vor dem irritierten Rafael verkünden:
"Damit darf ich mich in aller Form und aufrichtigst! bei Euch dafür entschuldigen, daß ich Euer Handeln bei Hofe mißverständlich zu deuten gewillt war und Euch gegenüber mich ungebührlicher Worte bediente. In keinem Fall werdet Ihr unzüchtige Absichten gehegt haben und die Ehre von Fräulein Rai'a auch nur behelligt haben - ich werde fortan jedem sein ebenso Lüge sprechendes Mundwerk stopfen, der ähnliches behaupten sollte wie ich!"
Die Ritterin strahlte ihn an, die siffende Wunde ignorierend, die sich auch... seltsam schnell... zu schließen begann. Rafael stand vor ihr wie vom Donner gerührt. Ihre Miene wurde etwas ernster. Sie konnten jetzt wieder zusammen streiten, sie konnte an seiner Seite sein. Sie hatte sich endlich für ihre Worte entschuldigen dürfen und sie konnte mit Berufung auf dieses Gottesurteil jeden dafür zur Rechenschaft ziehen, der Rafaels Ehre als Außenstehender mit dieser Sache beschmutzen wollen würde. Sie konnte nun für Rafaels und Rai'as Ehre mit einstehen, denn ihre eigenen Zweifel waren unmißverständlich widerlegt worden. Ob ihm das alles klar war wie sie es sah?
Er musste nur noch annehmen.
"Akzeptiert Ihr die Entschuldigung, Sire?"
"Meiner Ehre sei Genüge getan. Die Entschuldigung nehme ich an."

Sie reichten einander die Hände, und die Rüstungen knirschten, als er sie in kriegerischer Kameradschaft an sich zog und ihr die Hand kurz auf die Schulter legte.
"Lasst das... verbinden."
Sie sah auf ihren Arm, furchte die Stirn leicht. "Es schmerzt nicht", lautete die schlichte Feststellung.

"Irgendwie gefällt mir dein Blick nicht", meinte Rafael kurz darauf, als sie sich auf den Rücken ihrer Pferde auf den Weg gen Schloß machten. Sie hob eine Braue.
"Nein? Warum nicht?"
"Du wirkst so... zufrieden."

Ja und? Hatte sie nicht Grund dazu?