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Die vierte Pfote.

Verfasst: Freitag 26. Januar 2007, 14:38
von Kilyan Carnova
*Der Himmel ist strahlendblau und die Sonne scheint freundlich auf den jungen Mann herab, der in seiner dunkelblauen Gewandung durch den Wald streift. Kilyans Gesicht zeigt ein seichtes Lächeln, welches durch die Sonnenstrahlen, die ihm in sein jugendliches Gesicht geworfen werden, noch unterstützt wird.
Er geht seine Lieblingsbeschäftigung nach: Das Wandern und das Beobachten der Tiere, welche ruhig duch den Wald ziehen.
Sie scheinen ihn zu akzeptieren, denn sie gehen weiter ihren normalen Tätigkeiten nach und ignorieren sein Interesse. Es scheint fast so, als würden sie in ihm einen Teil dieses Waldes sehen.
Genau diesen Zustand hatte Kilyan lange angestrebt und nun, als es so weit ist, erfüllt es sein Herz mit Freude und Stolz.
Die Melodien der Tiere klingen deutlich in seinem Geist, ab und an lauscht er genauer auf die verschiedenen Klänge, um ungewöhnliche Töne und neue Melodien in sich aufzunehmen und sie sich zu verdeutlichen, sie in seinem Gedächtniss zu lagern, sie Teil von sich werden zu lassen.
Aber nicht nur fröhliche Dinge begegnen ihm im Wald, denn hier und da sieht er ein verendetes Tier oder ein Reh, welches wohl durch die Hand eines Jägers gestorben war. Doch stellte er beruhigt fest, dass sich der Bestand in diesem Wald noch auf einem normalen Status befindet. Anscheinend sind die Jäger darauf bedacht den Kreislauf zu achten und die Tiere zu schonen so es nötig ist. So bleibt er nur hier und da stehen um einen Segen zu sprechen, der die Tiere auf ihrem Weg zurück in das Lied begleiten soll.
Sein Herz lässt einen glücklichen Sprung zu, als er sich verinnerlicht, wie gesund dieser Wald ist.
Leise und ruhig schreitet Kilyan weiter durch den Forst, bis er auf einmal eine Blutspur entdeckt, die in Richtung Westen führt. Der junge Mann beugt sich sachte herunter und schaut auf die Fußspuren, die sich um der Blutspur befinden und stellt fest, dass es sich anscheinend um einen jungen Hasen handeln muss.

"Er ist verletzt."
war sein erster Gedanke, wischt diesen aber vorerst beiseite, dann fällt ihm aber etwas auf. Die Blutspur ist zu groß für eine kleine Verletzung, mit der ein Hase noch fliehen könnte. Das bedeutet, entweder, dass der Jäger verscheucht wurde oder eine Falle zugeschlagen hat.
Kilyan brummt sachte. Fallen. Immer diese Fallen.
Er folgt langsam der Blutspur, bis er an einem kleinen Loch ankommt. Langsam schaut sich der Mensch um und stellt fest, dass hier keinerlei Spuren von anderen Tieren zu finden sind, die den Hasen bedrohen könnten. Er kniet sich nun direkt vor den Bau und schließt langsam seine Augen.
Die Melodien des Waldes tönen lauter und Kilyan taucht weiter in das Lied ein. Er konzentriert sich auf seine Umgebung und versucht die wohlbekannte Melodie eines Hasens aufzuspüren. Nach einer kurzen Weile findet er sie in der Flut der Melodien und konzentriert sich auf diese. Sogleich fällt ihm eine Unregelmäßigkeit auf, die auf eine Verletzung schließen lässt - auf eine nicht unbedeutende Verletzung.
Langsam sendet Kilyan seine Gefühle aus und richtet sie auf den jungen Hasen, der verschreckt und verängstig in seinem Bau hockt und sich seine Wunden leckt. Langsam vollzieht er den gleichen Vorgang, den er immer anwendet, wenn er einem Tier Vertrauen schenken will und sendet die Gefühle, die in ihm hochkommen, wenn er seine besten Freunde trifft.
Nach einiger Zeit scheint diese Prozedur wirkung zu zeigen und der kleine Hase schaut schüchtern und scheu aus dem Bau.
Ein Lächeln fliegt über Kilyans Züge, als er die Augen öffnet und den Hasen entdeckt. Wieder einmal scheint das Tier die Aufrichtigkeit hinter seinen Gefühlen entdeckt zu haben.
Langsam streckt der Druide seine rechte Hand aus und spricht leise zu dem Hasen. Dieser humpelt nun sachte auf ihn zu. Eine Braue wandert nach oben, als Kilyan den rechten Vorderlauf begutachtet.
Sie fehlte. Ein sauberer Schnitt.
Es war eine Falle gewesen. Ein Anflug von Zorn bildete sich in seinem jungen Herzen, den er aber schnell versucht wieder zu beiseite zu wischen.
Langsam kommt der Hase näher und als er mit der Nase Kilyans Hand berührt, konzentriert sich der junge Mann sofort auf die Verletzungen des Hasen und beruhigt die Melodien, um sie so wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Langsam lässt die Blutung nach, doch die Wunde ist nicht vollends geheilt.

"Der Körper soll auch etwas selber machen", sagt er sich selber und macht sich dann an die Arbeit, die Wunde mit Bandagen zu versorgen, sodass der kleine Hase nun anstatt des rechten Vorderlaufes ein kleines Knäuel frischer Bandagen trägt. Als er die Wunde vollends versorgt hat, nimmt er seinen kleinen Freund auf den Arm und streichelt ihn ein wenig.
"Ich denke, ich weiß schon was ich mit dir mache!" spricht er dem Hasen direkt in die großen Ohren, wobei Kilyan ein Gesicht vor dem inneren Auge erscheint. Der Feinschmied aus Berchgard wollte sich um ein Tier kümmern. In diesem Moment huscht wieder ein Lächeln auf die Züge des blau gewandeten Mannes.
Der Weg führt Kilyan nun wieder zurück in Richtung des Hains. Er fühlt sich glücklich, er schenkt dem Hasen ein neues Heim, weil er ohne fremde Hilfe schnell wieder in das Lied eintauchen würde.
Nicht er hat den Hasen aus dem Kreislauf genommen, nein der Fallensteller, dieser Fremde sorgte dafür, dass ein Hase, der noch nicht als Beutetier gedacht war, nun ein hilfloses Geschöpf ist, welches Hilfe benötigt nur um Futter zu finden.
Leise klingt der Gedanke nach..... Fallensteller*