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25 Jahre... Geburtstag auf heilerhexisch
Verfasst: Donnerstag 25. Januar 2007, 23:38
von Nuria Mondin
Im Kopf ging sie noch einmal alles durch...
Etwas zu essen war im Haus, etwas zum Anziehen hatte sie auch, und die Kundschaft war informiert... schließlich hing der Zettel unübersehbar an der Türe:
Werte Kundschaft,
aber der sechsten Stunde des Abends ist meine Heilerstube an diesem Freitag geschlossen, da ich gerne meinen 25. Geburtstag feiern möchte. Jeder, der gerne darauf anstoßen mag, sei herzlich dazu eingeladen, doch bitte ich Geschäftliches auf einen anderen Termin zu vertagen, es sei denn es handelt sich um einen medizinischen Notfall.
Vielen Dank für Euer Verständnis.
Möge Eluive euch schützen.
Laila
Taralea machte ja schon ein riesen Aufheben... sie rechnete nicht damit, dass viele Kunden kommen würden... aber vielleicht der eine oder andere? Man konnte es ja nie wissen... Doch schnell wurden die Gedanken durch den letzten Schlaf der Gerechten ihres 24. Lebensjahres abgelöst.
Verfasst: Freitag 26. Januar 2007, 10:04
von Nuria Mondin
Mit den Hühnern stand Nuria auf. Ein wenig kribbelig war sie... mit einem Blick auf das gute Kleid und der energischen gedanklichen Mahnung "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" schlüpfte sie in ihre Arbeitskleidung und machte sich daran, die Kräuter, die noch mit Morgentau ob der frühen Stunde benetzt waren, zu ernten und alles für den Tag vorbereiten. "Mensch Nuria... um halb 7 kommt doch noch kein Kunde... ein bisschen mehr Zeit hätteste dir ja lassen können... hast dich von Taralea mit ihrer Hibbeligkeit wohl doch anstecken lassen." Bei dem eifrigen Gewusel merkte man ihr sicherlich auch kein Jahr mehr an. Ihr Blick fiel auf den kleinen Briefkasten. "Ach mensch, Nuria, du bist doch ne blöde Pute... du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass du schon früh um halb sieben Geburtstagspost hast... aber... man kann ja mal nachgucken..." und schon war der Postkasten auf und kurz darauf konnte man erst zwei große blaue Augen sehen, die ganz baff eine kleine Kiste anstarrten, dann ein so gar nicht alt wirkendes Wesen, dass mit dem Eifer einer 7- jährigen jene aufklappte, den lieben Brief las und jede der drei Holzstatuen heraus nahm, in alle Himmelsrichtungen drehte und begutachtete, vorsichtig mit den Fingern über das liebevoll geschliffene Holz strich. Sie strahlte und eine Freudenträne kullerte ihr die Wange herunter. Das war... einfach so unglaublich... süß von Sissca... sie war vollkommen sprachlos. Sie blickte sich um. "Noch keiner da... ist ja auch noch früh, dich sieht also keiner..." getragen von der Erkenntnis machte sie fröhlich vor sich hin summend einen kleinen Freudentanz vor der Heilerhütte. "Das Baumhaus ist noch so leer.. vielleicht dort hin.. den Holzadler auf die Astgabel der Baumkrone, der Fuchs und der Bär in die Ecken... ja, da würden die drei gut zur Geltung kommen. Oh ja.. schön würde es werden."
Fröhlich summend und hoffend, dass ihr keiner dabei zu hörte, machte sie sich daran, ein Gebräu für einen Kunden aufzusetzen und Sissca einen Dankesbrief zu schreiben. Ein wenig beengt diesmal, denn zumindest bis der erste Patient kam, sollten die drei neuen hölzernen Gefährten ihr im Heilerstübchen Gesellschaft leisten...
Verfasst: Samstag 27. Januar 2007, 00:23
von Taralea Mirrosil
Leise seufzend ließ Taralea sich auf einen der Stühle sinken. Das ganze Haus war bereits in Dunkelheit getaucht und scheinbar schliefen alle. Kein Wunder, war es doch recht spät geworden.
Sie griff zu dem Krug Wein auf dem Tisch und füllte das Glas vor sich zur Hälfte an. Achtlos striff sie ihre Stiefel ab und lies sie auf den Boden fallen. Ein rundum gelungener Abend. Zufrieden lehnte sie sich mit dem Glas in der Hand zurück und legte die Beine auf dem Tisch ab. So saß sie da, immer wieder an dem Glas nippend und genoß einfach die Stille. Einzig die Kerzenflamme vor ihr tauchte den Raum in ein warmes Licht.
Die Gäste schienen sich prächtig amüsiert zu haben und die Speisen hatten offenkundig allen gemundet. Kaum etwas war übrig geblieben. Dank der wunderbaren Nimuelia Aumar hatten sie Tanz und Musik gehabt und selbst der störrische Lucenius hatte sich - wenn auch widerwillig- überreden lassen, die Gastgeberin auf die Tanzfläche zu führen.
Taralea musste warm lächeln, als sie an Nuria dachte. Den ganzen Abend hatte ein seeliger Ausdruck auf ihrem Gesicht gelegen. Das alleine war die schweren Beine, die sie nun quälten, wert gewesen.
Es war herrlich zu sehen, wie die sonst so in sich ruhende, beherrschte Freundin förmlich aufblühte und einfach ihren Ehrentag genoss. Genauso war es geplant. Es war ihr Tag und so sollte sie ihn in Erinnerung behalten. Hatte sie doch gefürchtet, der Tag würde ruhig werden und sogar zunächst kaum Zweifel gehabt, der Platz in der Heilerhütte würde ausreichen um die Gäste bewirten zu können. Glücklicherweise war ein freundlicher Gastwirt bereit gewesen, sein Festzelt und ein paar Bänke zu leihen. Leise lachte Taralea auf. Das überraschte Gesicht war einfach köstlich gewesen.
Rundum gelungen. Eindeutig!
Zufrieden und mittlerweile entspannt leerte sie ihr Glas, bließ die Kerze aus und drückte sich von ihrem Stuhl hoch. Müde schleppte sie sich zur Treppe. Auf halbem Weg hinauf hielt sie leise grummelnd inne. Mit mürrischem Gesicht stieg sie wieder hinab und sammelte ihre Stiefel ein, damit ihr Bruder am nächsten Morgen nicht maulte.
Dann begab sie sich endgültig die Stufen hinauf um nach einer kurzen Katzenwäsche endlich in die weichen Kissen zu sinken und sich in den Arm des bereits schlafenden Janus' zu kuscheln.
Verfasst: Samstag 27. Januar 2007, 00:55
von Sahrahlil
Eine ganze Krone Geld! Und soviel zu essen! Und Wein zu trinken! Und keiner
hatte sie hinausgeworfen, sie musste sich am Ende selbst verabschieden!
Wahrlich, Mutter hatte sie zu guten Menschen geführt... . Das war also eine
Geburtstagsfeier, wenn man mitten drin sass. Dabei wollte sie doch nur
etwas Geld für Mutters Gaben haben, mit denen sie selbst so rein gar nichts
anfangen konnte... .
Wenn sie sich mit dem kleinen Knochensplitter durch die Zähne fuhr, war sie
ganz sicher, noch immer den Geschmack der Torte hervorzulocken. Dieses
Haus musste sie sich unbedingt merken... . Leicht grinsend singsangte sie
wieder leise vor sich hin:
'Ich bin wie das Flüstern im Wind, wie das Plätschern im Wasser – nur ein
winziger Teil und bereit, mich dem großen Ganzen völlig hinzugeben. Eines
ist alles, alles ist eines.
Eines bin ich, alles ist die Welt.'
Verfasst: Samstag 27. Januar 2007, 11:25
von Nuria Mondin
Als sie aufwachte, blickte sie als erstes zu der Liegestätte ihres Bruders. Nein, kein Traum... der Tag war wie in einem Nebel vergangen, war wunderschön gewesen, sie wurde beschenkt, sie wurde geehrt, sie hatte etwas wertvolles Wiederbekommen und etwas anderes Wertvolles wurde ihr entgültig genommen... noch einmal lies sie jenen ereignisreichen Tag vor ihrem inneren Auge Revue passieren.
Es begann so harmlos... ein Mann, der ihre Heilerstube betrat, blass, eingefallen, halb erfroren, mit kaltem Schweiß auf der Stirn. Keine Frage... dieser Mann suchte Heilung. Militärisch, streng wirkte er... aber irgend etwas war seltsam, als er sie ansah... und er kam ihr bekannt, vertraut vor... irgendwas hatte dieser Mann an sich. Sogleich begann sie mit der Behandlung, untersuchte ihn, machte heilenden Tee, einen warmen Umschlag für den Hals, als sie sah, wie erfroren er war, dass er nicht einmal die Hitze des frisch aufgebrühten Tees bemerkte, brachte sie ihm noch eine Decke. Sie unterhielten sich über Temora, über Eluive, über verschiedene Lebenswege. Aber etwas in der Gestik sagte ihr, dass sie diesen Mann kannte, diese Augen... auch wenn sie sie so distanziert anblickten. Bis sie sich ein Herz nahm und nach seinem Namen fragte... "Zyran". Das konnte nicht sein. Aber es musste sein. Er musste es sein. "Ihr heißt nicht zufällig mit Nachnamen Mondin?" Nun war es an ihm, überrascht zu sein. Seine distanzierte Fassade bröckelte. "Woher kennt ihr meinen Namen?" Es schien bei ihm zu arbeiten, es schien er, als wüsste er, worauf das Ganze hinaus lief... ahnte es... und wich aus. "Wenn ihr der... Zyran Mondin seid, den ich kenne... und bei Eluive, ich wüsste nicht, dass dieser Name allzu häufig ist! Dann bin ich... eure große Schwester." Es fiel ihr schwer diese Worte auszusprechen, in ihrem Inneren kämpften Schmerz, Freude, Hoffnung, Erkenntnis mit einander und verfochten sich in ein hartnäckiges Gefühlsknäuel, dass sich nicht so recht händeln lassen wollte. Ihm schien es nicht viel anders zu gehen, von der Reserviertheit und Distanz war nicht mehr viel übrig geblieben, als er leise fragte: "Wie ist euer Name?" Sie schluckte. Gedanken prasselten auf sie ein. Verrate niemandem deinen richtigen Namen. Aber er kennt ihn... doch wenn du dich irrst... Sie blickte dem Mann tief in die Augen. Ich kann mich nicht irren... ich bin mir sicher... es sind seine Augen, der Klang hat sich verändert... aber es ist SEIN Klang. Leise sagte sie: "Nuria..." Das erste Mal, dass sie diesen Namen einem Menschen gegenüber aussprach, seit sie in der Schwesternschaft war. In seinem Gesicht regte sich viel... er schien zu kämpfen, zu verstehen, nicht zu wissen, wie er reagieren sollte. Sie beugte sich über ihn. Mein Zyran war unglaublich kitzelig unter den Rippenbögen, man musste ihn nur einmal kräftig pieken... jenes wird die letzten Zweifel ausräumen. Plötzlich, wie aus dem nichts, ihre kleine Zweifingerattacke auf jene Stellen an seiner Seite. Überraschung malte sich in sein Gesicht und er kullerte lachend von der Krankenliege. Ja, das war ihr Zyran! Sie lachte laut auf und fing den nunmehr großen kleinen Bruder auf... hielt ihn fest in ihren Armen... und alle Anspannung löste sich in einem Meer von Tränen. Ohne dass einer von ihnen inder Lage gewesen wäre, viele Worte zu sprechen saßen sie dort eine Weile auf den Dielen, sich schließlich voneinander lösend, betrachtend. 10 Jahre.... eine lange Zeit, die vergangen war, seit sie das letzte Mal sein Lachen gehört, seine Hand gefasst, ihn geärgert hatte. Langsam hob sie ihre Hand zu seiner Wange... er war es... wirklich..
Bis sie ein leises Klopfen an der Tür radikal zurück in die Realität holte. Er wusste noch nicht.. sie erwartete Gäste.. panisch versuchte sie sich halbwegs zu ordnen. "Hier kennen mich alle nur als Laila... bitte nenne mich auch so... ich erkläre es dir später.."
Nach dem zweiten Klopfen folgte ihr Ruf: "Nur herein, die Türe ist offen!" Ihr Ärmel entfernte alle Tränen und sie bemühte sich um eine gefasste Mine, als sie hinter der Abtrennung zu den Krankenliegen hervortrat. Der Anblick, der sich ihr bot, war vollkommen unerwartet. Eine junge Frau, zerfetzte Kleidung verdeckte nur das nötigste von ihrem Körper, im verfilzten Haar hatten sich Blätter, Knochenstücken, Schalen, Federn angesammelt. Und ihr fehlte eine Hand.
Sie kaufte ihr die REagenzien für viel mehr ab, als sie wert waren. Sie wusste... jene brauchte die Münzen dringender als sie, um zu überleben. Und sie lud sie zum Essen ein. Die Gäste würden sicher gleich kommen... und für sie war jeder Gast, der den Weg in guten Absichten zu jener Heilerstube fand. Und zweifelsohne hatte diese junge Frau ein gutes Herz.
Taralea kam auch schon schwer beladen mit den Leckereien für die Gäste herein. Du bist ja noch gar nicht umgezogen! Sie eilte hinter die Abtrennung um jenen Makel geschwinde zu beheben und notdürftig ihr Haar ein wenig zu richten. Schon klopfte es abermals. Nimuelia Aumar... das wandernde Lied... sie begann zu erahnen: Jene Feier würde ihre Erwartungen vollkommen übertreffen.
Nach und nach füllte sich die kleine Heilerstube. Schnell waren es mehr Gäste als Stühle und mehr liebevolle Geschenke, als sie so recht in der kurzen Zeit würdigen konnte: Wundervoll geschliffene Steine in der Farbe ihrer Augen von Nimuelia, eine zarte Eierschale aus dem Haar von Sahrahlil, die eine ganz besondere Geschichte in sich trug, edler, vollmundiger Rotwein von Janus und Maldrin… und ein zauberhaftes Lied von der Bardin. Während sie noch ganz damit beschäftigt war, all ihre Gäste zu würdigen, huschte Taralea hinaus und wartete mit der nächsten Überraschung auf: ein Zelt für das Fest, da das Heilerhäuschen eindeutig zu klein zum Tanzen war und auch das Sitzen nur einigen möglich. Nach einigen Überredungskünsten schenkte ihr ihr Bruder den Ehrentanz, begleitet von dem wundervollen Spiel Nimuelias. Er eher ungeübt und etwas steif, sie ausgelassen hüpfend und geschmeidig tänzelnd, gaben sie wohl ein sehr ungleiches Paar ab. Doch das war nicht wichtig… sie strahlte wie die Sonne persönlich. Wahrhaftig, der, der sie im Arme hielt, war ihr leibhaftiger Bruder, wie aus dem Nichts aufgetaucht, und er tanzte mit ihr! Sie hatte das Gefühl zu schweben, konnte nicht genug finden, schneller und ungestümer wurde der Tanz… bis Zyran schließlich recht abrupt langsamer wurde. Noch bleicher war er als zuvor… nach der Krankheit war ihr Übermut wohl doch etwas zu viel für den geschwächten Körper gewesen. Mit einem etwas schlechten Gewissen begleitete sie ihn zum Krankenlager des Heilerhäuschens, ihn sorgsam zudeckend als wäre er immer noch der 13jährige Junge von damals. Einen liebevollen Gutenachtkuss auf die Stirn gab sie ihm und er schlief fast augenblicklich ein, ehe sie sich wieder zurück zu ihren Gästen wendete.
Jene hatten sich inzwischen noch vermehrt: Lucenius von Sareth überbrachte Temoras Segen und einige Reagenzien zum Ehrentag. Voller Heiterkeit tanzte sie mit Janus und mit eben jenem, scheinbar nicht müde werdend und Nimuelia wohl einiges bei ihrer Tanzwut abverlangend, ehe sich der Abend langsam zum Ende neigte und sich die Gäste nach und nach verabschiedeten. Am Ende waren nur noch Taralea und sie dort. Jene machte ihr ein wirklich liebreizendes Geschenk. In einem kleinen Samtbeutel war es verborgen. Als sie ihn vorsichtig öffnete, kam ein gar filigranes Geschmeide zum Vorschein: Eine silberne Kette, ein Anhänger in Form einer kleinen Sonne, dessen Kern ein strahlend blauer Sternensaphir bildete. Ihre Augen funkelten mit jenem um die Wette, als sie die Kette behutsam umlegte und spürte, wie das kalte Metall sich an ihrer Haut langsam erwärmte.
Sie sprachen noch eine Weile, Nuria berichtete ihr grob, wie sie und Zyran sich gefunden hatten. Nachdem alles aufgeräumt war und beiden wohl die Erschöpfung ob des langen Tages die Beine schwer werden ließ, verabschiedete Taralea sich schließlich, um Janus nachzufolgen. Sie selbst schlich sich in die Heilerstube und kniete sich an Zyrans Lager, ihn mit einem leichten Lächeln so schlafend betrachtend, als er langsam wieder erwachte.
Sie sprachen lange… und sie vergossen viele Tränen. Nicht nur Gutes war geschehen, seit sie von zu Hause fort gegangen war… in dem Wissen, die Wunde des Krathoris würde ihre Mutter verkraften, war Nuria gegangen ihn zu finden. Doch… zu früh. Schleichend hatte sich Gift in ihren Adern ausgebreitet… und nur wenige Wochen nach ihrem Weggehen war sie verschieden. Der Verlust schmerzte sie tief. So lange hatte sie sie nicht gesehen… um so schwerer wog die Gewissheit, dass sie es nie wieder tuen würde, bevor Mutter auch sie zu sich nahm. Schluchzend lag sie in dem Schoße Zyrans, Selbstvorwürfe, Verzweiflung, Wut und dann wieder diese dumpfe Leere in sich tragend… und sie spürte, dass in ihm ähnliche Gefühle tobten, als seine Tränen auf ihr nunmehr vollkommen verwuscheltes Haar tropften und er sie eher hilflos in den Armen hielt. Von dem steinernden, harten Mann, der ihre Stube vor einigen Stunden betrat, war nicht mehr viel zu erkennen. Doch… er hatte seinen Bericht noch nicht beendet. Vater… war anders geworden, nach dem Verlust. Er vernachlässigte sich, Kummer zerfraß ihn, fort ging er eines Tages, wohl ohne Ziel. Zyran hatte derweil seine Ausbildung zu einem Streiter Temoras begonnen… und war, als er die Grundausbildung abgeschlossen hatte, aufgebrochen, zumindest einen Teil seiner Familie wieder zu finden. Die Bande flocht sich von Minute zu Minute enger zwischen den beiden Geschwisterseelen. Fast widerwillig hatte sie sich erst spät von ihm getrennt, als ihre Augenlider so schwer wurden, dass sie dem Schlaf nicht länger entkommen konnte.
Mit einem warmen Lächeln betrachtete sie Zyran. Sie würde bei ihm sein, wenn er erwachte… und sie würde auf ihn aufpassen. In den Augen von Nuria war jener Mann noch immer der kleine Bruder, den sie beschützen musste… und sie würde es können. Mit Eluives Hilfe.
Verfasst: Montag 29. Januar 2007, 13:53
von Nimuelia Aumar
Sie hatte davon gehört...
Von dem Geburtstag der Dienerin Eluives.
Und da sie soeben in Bajard verweilte entschloss sie sich ihr wenigstens zu gratulieren.
Den Weg dorthin kannte sie, war sie ihn schon einige mal seis wegen Notfällen oder auch nur zu einem gemütlichen Plausch gegangen.
Als sie dort ankam waren bereits 3 Gäste da.Doch es herrschte eine recht unterschiedliche Stimmung. Unterschiedlich? Ja so konnte man es bezeichnen.
Freudige Erregung bei Laila und ihrer Schülerin Taralea...angespannte Schweigsamkeit bei Lailas Bruder Zyran und eher ein verdutztes Schweigen bei der kleinen Streunerin mit der einen Hand die dort auch zu Gast war.
Doch es sollte nicht so bleiben. Bald darauf trafen zwei weitere Gäste ein der Bruder der Taralea und der Liebste eben dieser. Beide so schien es ihr waren keine Kinder von Traurigkeit und verstanden es prächtig ein wenig Leben hereinzubringen.
Als sich die junge Strunerin verabschiedete hatte Taralea zur freudigen Überraschung aller ein Zelt auf der Insel aufgebaut. Dieses bot das was wohl in der kleinen Heilerhütte am meisten fehlte...Platz.
Platz zum Tanzen.
Sie lächelte freudig schon lang hatte sie nicht mehr einfach nur zum Tanze aufspielen können.
Die kleine Gesellschaft zog also um in das Zelt und dort stiess ein junger Mann namens Merigo zu ihnen zwar nur für einen kurzen Plausch dennoch wurde er freundlich empfangen.
Als er ging war der Tanz bereits im vollen Gange und Laila schaffte es zusehends ihren angeschlagenen schweigsamen Bruder in Grund und Boden zu tanzen. Noch wärenddessen verabschiedete sich Taraleas Bruder von dem Grüppchen.
Sie schmunzelte denn es schien als würde Zyran langsam auftauen. Doch ihm verlangte das ausgelassenen Herumgespringe doch sehr viel Kraft ab. Er ließ sich von Laila zu seinem Lager in der Hütte begleiten und als die beiden grade verschwunden waren tauchte ein Diener Temoras auf wohl wie um Zyrans Platz einzunehmen.
Oh er wehrte sich tapfer gegen die Bitten des Geburtstagskindes um einen Tanz doch selbst Temora schien ihn in dieser Sache im Stich zu lassen und so fügte er sich in sein tanzendes Schicksal.
Der Abend verstrich zusehends und alsbald war es auch für Nim an der Zeit ihre Wanderung wieder aufzunehmen.
Mit freundlichen Worten und Wünschen verabschiedete sich das wandernde Lied von der Gesellschaft und zog wie immer weiter um ihre Aufgabe zu erfüllen...
Die Leute würden wieder lernen zu hören. Musik war der Anfang Musik wird immer sein solange es lauschende Ohren gibt..
Verfasst: Sonntag 18. Februar 2007, 20:25
von Zyran Mondin
Das Fieber nahm mir die Sinne, ließ mir den Körper schwer werden. Ich fühlte, wie er immer weniger der war, den ich vor dem Antritt der Reise stählte. Und doch war es mir zuwider, mich in Bajard von einem Heiler behandeln zu lassen – in dieser Stadt gab es weder den Segen der Wahrheit noch irgendein Zeichen, dass sich ein gottesfürchtiger Mensch dort aufhielt. Einem gottlosen Pfuscher unter die Quacksalberhände zu geraten, dass wäre wohl mein Ende gewesen. Die Unwetter vermieden es zudem, dass ein Kutscher den Weg nach Varuna bestritt für eine so einfache Gestalt, wie ich sie eine war. Zerschlissene Kleidung versprach keinen guten Lohn für eine durchreiste Nacht. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf die Worte des Wirtes, einiger Wehrler und dem Geleit der Schwertmaid zu vertrauen. „Eine Heilerstube in den Sümpfen, eine gute, junge Frau, welche dort sogar andere in den Künsten Eluives unterrichtet.“, daran hing meine Hoffnung, denn ihr schrieb man den rechten Glauben und auch sehr große Fähigkeiten zu. So schleppte ich meinen Körper in die flachen Weiten der Winterlandschaft hinaus, immer gen Westen.
Der morastige Grund schien mir wie eine Prüfung, welche meinen Kräften spottete. Anders, als der Rest der Welt, schien dieser Ort nicht berührt worden zu sein von der frostigen, beissenden Kälte und der Boden war weich und nachgiebig. Zu nachgiebig: Er saugte mir förmlich die Beine unter dem Leib weg und schien sich an meinem durchnässten Schuhwerk gütlich tun zu wollen. Doch anscheinend war es die Berufung, die einen Menschen in eine solch verlassene Gegend trieb, so sollte es mich nicht weiter verwundern. Die Pfade der Götter blieben unergründlich und es war einem Kundigen nur vergönnt, die kleinsten Stücke, welche noch warteten, wahrzunehmen. Weisheiten brachte mich jedoch nicht voran und so mussten es die sturen Schritte erledigen.
Die Hütte war klein, aber nicht heruntergekommen. Ich sah sie erst zu spät, als sie inmitten des saftigen Gestrüpps auftauchte als wäre sie dort gerade erst gewachsen. Und obwohl sie an einem Ort stand, an dem es sicher sonst niemandem eingefallen wäre, zu leben, fehlte alles Modrige an diesem Haus. So war der Beschluss, der Heilerin einen Besuch abzustatten und nicht sofort wieder umzukehren, schnell gefasst. Vielleicht war es auch die Krankheit, die meinen Willen malträtierte, denn gesunden Geistes wäre mir wohl schnell aufgefallen, dass dieser Ort etwas Seltsames an sich hatte. So jedoch stapfte ich weiter, trat ein – und erblickte sie.
Die Frau, welche etwas disziplinlos daherkam, schien von gutem Herzen und starkem Glauben zu sein. Ihre Ansichten waren zwar etwas seltsam und zeugten von wenig Durchsetzungswillen, doch dies musste man einem Frauenzimmer verzeihen. Es war überall das Selbe. Trotzdem legte sich über dieses Bild der Schleier ferner Erinnerungen, welche kaum noch in meinem Leben Platz fanden. Die Heimat, die Familie, der süße Traum der Kindheit in Geborgenheit und ...?
Sie machte mir Tee, faselte und faselte, gab mir eine Decke. Es schien, als wüsste sie, was sie dort tat und mit der einlullenden Wärme des Raumes zusammen schwand mir jeder Willen, diesen Ort allzu schnell wieder zu verlassen. Man solle seinen Körper nicht verwöhnen, sonst würde er des Lebens müde, sprach mein Lehrmeister stets – aber gerade in dieser warmen Hütte fehlte mir die Kraft, den Körper wieder aufzuraffen. Es war eine wohlige Präsenz, die diesen Raum für mich so viel schöner machte. Sie, diese Heilerin. Etwas war an ihr, was mir in all der Zeit abhanden gekommen war. Ich ahnte nicht, wie nah diese Gedanken der Wahrheit kamen.
„Zyran könnt ihr mich nennen.“
„Ist euer Nachname ... Mondin?“
Die Worte hallten mir noch Tage im Kopf, ganz gleich wo ich war, was ich tat. Sie hatten eine Wahrheit zu Tage gefördert, welche so aberwitzig war, so unglaublich. Nuria – die verschollene Schwester, das letzte Stück Geborgenheit, das Relikt aus einer besseren Zeit. All die Orte der Welt gab es, all die Gefahren und Möglichkeiten. Trotzdem saß sie vor mir. Älter zwar, doch unverkennbar. Es war mir in diesen kurzen Momenten, als hätte ich die gesamte Zeit durch sie hindurchgeblickt und diese Frau erst jetzt gesehen.
Der Abend floss wie ein berauschender Bach, frisch und wohltuend, sodass erst die Schwäche der Krankheit mich wieder zurückriss aus diesem gelebten Traum. Eine Hütte im Hinterland, am Ende der Welt, einsam und nichtig - und doch wurde sie zu dem fast wichtigsten Ort meines Lebens.