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Ein seltsamer Handel

Verfasst: Sonntag 21. Januar 2007, 17:48
von Cyrion Sha´Ar
Wo sollte er einen Schreiber auftreiben? Einen, der die Kälte mochte? Einen, der die Einsamkeit mochte? Eisbären, Schnee, Eis, ewige Kälte...
Er hatte nur weisse Felle erhandeln wollen. Ein paar weisse Pelze für seine kleine Schneeflocke, Enghwyn und sich.
Seltsam war es daoben gewesen, beschwerlich der Aufstieg mit den Schneeschuhen, sank man doch sonst bist zu den Knien und höher in den Schnee ein. Die meisten Hütten waren unbewohnt, er hatte schon angenommen, er hätte Pech gehabt... Und dann...
Ein Angure, mit einem Speer bewaffnet, war aus einem Haus getreten, überrascht ihn zu sehen. Hünnenhaft wie Falk, wirkte er jedoch wilder, eine stille Bedrohung durch sein wildes Aussehen. Cyrion musste feststellen, das sie einander nicht verstanden. Ungemütlich, diese ersten Minuten, in dem der Angure nach einem Berek rief. Cyrion - selbst nicht Klein geraten, fühlte sich hier fehl am Platz und hatte ein beklemmendes Gefühl in sich, als schliesslich Berek kam, noch ein Hünne, bäriger noch als der erste und nicht gerade erfreut, Cyrion hier zu sehen. Die ersten Worte, die er ausstiess, klangen guttural... es sollten wohl Worte der Handelssprache sein, doch waren sie derart verzehrt, das der Krieger Schwierigkeiten hatte, sie zu verstehen. Wie lange hatte der Angure gebraucht, sich Cyrion verständlich zu machen? Wie lange Cyrion, ihm begreiflich zu machen, was er wollte? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass ihm kalt war und er nicht ernsthaft damit gerechnet hatte, solche Schwierigkeiten beim Handeln zu haben.
Der Angure indes wirkte sehr zufrieden zu erfahren, dass Cyrion wegen weissen Fellen hergekommen war - Wolfs oder Leopardenfelle. Das Cyrion Glück hatte, keine Eisbärenfelle genannt zu haben, erfuhr er später von dem anderen, Elryk, als dieser ihn zum Hafen zurück brachte.
Doch verlangte der Angure kein Gold dafür - was Cyrion überraschte... er verlangte etwas anderes... und brauchte gut eine Stunde, um Cyrion dies verständlich zu machen...
'Froint' Cyrion schmunzelte in Erinnerung an seine Worte. Ein Freund... Ein Freund der Schreiben konnte und Interesse hatte, da oben bei denen zu leben... ihre Briefe zu schreiben, zu lesen, zu übersetzen. Der Krieger schüttelte seinen Kopf leicht. Seine Felle hatte er. Als Anzahlung für diese Dienstleistung jemanden zu finden, der Abenteuerlustig genug war, bei den Anguren zu leben und mit ihnen zu arbeiten. Wo sollte er so jemanden finden? Er seufzte leicht.
Wie hatte er sich auf diese Abmachung einlassen können? Vielleicht weil direkt hinter ihm Elryk, der mehr wie ein Wilder aussah, stand, mit dem Speer in der Hand? Vielleicht weil Berek schon sehr ungehalten wirkte, als er Cyrion Fleisch anbot, dass alles andere als frisch wirkte und dieser es höflich ablehnte? Vielleicht auch weil Cyrion sich nicht sicher war, würde er darauf bestehen, mit Gold zu bezahlen... was konnten sie hier oben schon damit anfangen? Nicht viel. Wieder schüttelte Cyrion leicht den Kopf in Erinnerung.
Manch einer würde nichts auf diesen Handel geben... die Felle mitnehmen und auf nimmer wieder sehen verschwinden... Doch Cyrion hatte sein Einverständnis gegeben, sein Wort, etwas, woran er sich hielt. Er konnte nichts versprechen, aber er konnte versuchen, jemand zu finden, der des Schreibens mächtig war. Berek hatte deutlich gemacht, das er noch erfreuter wäre, wenn dieser jemand weiblichen Geschlechts war. >Auch das noch...<
Gedankenvoll nahm er einige Pergamente in die Hand, griff nach der Feder und tunkte sie in die Tinte. Leise schabte die Feder über den Glasrand, als er die Tinte abstrich und kratzte dann über das Pergament, während sich in Cyrions Geist einige passende Worte bildeten.
Abenteurer gab es genug. Er würde wohl in Bajard, Varuna, Berchgard wie auch noch Lameriast Schreiben an die Nachrichtenbretter setzen...
Irgendwo musste es doch jemanden geben, der bereit war, bei denen zu leben... und das Zeug mit sich brachte, das auch zu überleben.

Schneewehen

Verfasst: Dienstag 23. Januar 2007, 06:44
von Enghwyn
Schneewehen ...

Nicht dass sie nicht einiges gewohnt wäre, aber schlimmer gings immer.

Enghwyn lag unter 3 Lagen Fell und frohr immer noch. Ihr Blick fiel auf den Eingang der provisorischen Hütte und es war keine Türe die sie anlächelte.
Nein nur eine kleine Düne aus Schnee geboren, deren Oberkannte vom Wind angefacht immernoch weiter in den Raum hinein leckte. Das feine Weiß zerstob im Raum und schien aus einer Art seltsamen Respekt vor der Ecke in der Enghwyn lag halt zu machen. Das war aber auch schon alles.

Zusammengerollt hatte sie die Nacht verbracht und sogar geschlafen. Es war erst gen Morgen kälter geworden und dann doch unter die Decken gekrochen.

Sie klagte nicht, sondern nahm es als von Mutter gewollt an.
Lange schon hatte diese seichte Gelassenheit einzug gehalten und es waren die kleinen Wunder welche ihre Aufmerksamkeit in solchen Momenten fesselte.
So wie nun die Abrisskannte der Schneewehe in der Hüttentür.

Dieser Norden war etwas raues, urtümlich, unbändiges und gleichsam doch so ruhig.
Die wenigen Seelen die hier auf Fuachtero lebten wirkten unbefangen.

Cyrion hatte davon gesprochen, dass die Leute einen Schreiber suchten, der Handelssprache mächtig, schlicht um ihre Belange äussern zu können.
Er war nicht wenig überrascht als Enghwyn ihm sagte, er solle nicht so lang suchen.

Eine Bauchentscheidung. Etwas Neues tun und dem Umbruch folgen.
Sie konnte der Regung nicht wiederstehen und Abstand würde ihr sicher gut tun, tat ihr immer gut. Denken brauchte Raum.
Cyrion wusste es. Sie war wie eine dieser Schneeflocken im Wind und er würde sie nicht einengen wollen.

Es würde ein interessantes Unterfangen werden, sich hier einzuleben und zu verstehen, was die Anguren bewegte, wenn man sie denn annahm.

Wie Enghwyn gehört hatte, waren nicht alle Nordleute gut auf das Volk aus Gerimor zu sprechen und Feingefühl war gefragt.
Vieleicht auch das Feingefühl grober angepackt zu werden und sich selbst auf die natürliche Art hier einzulassen.

Ohne Vorbehalte, ganz kleine Brötchen backen.

Dieser Ort bot die Chance Gedanken zu sortieren und mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Was man genau von ihr erwartete, würde sich zeigen, aber Geduld war nichts, was Enghwyn lernen musste.

Verfasst: Dienstag 23. Januar 2007, 15:24
von Cyrion Sha´Ar
Das Feuer flackerte und knisterte im Kamin und Kerzen pafümierten die Luft mit ihren Bienenwachsduft. Weiche Schatten wurden an die Wand geworfen und wanderten auch über Cyrions Anlitz, der er in das Feuer sah und ab und an den Blick durch das Wohnzimmer schweifen liess. Ein Abend wie jeder andere... Doch etwas fehlte.

Rastlosigkeit war in ihm, trieb ihn dazu, immer wieder eine neue Lage auf den Fellen vor dem Kamin einzunehmen. Der Blick schweifte wieder mal zur Tür... über die Wände. Sein geliebtes Heim... Es hatte an Glanz eingebüsst. An Leben... Er hatte vergessen wie es war...Nach Hause zu kommen – und niemand wartete auf ihn. Niemand würde da sein, ihn mit einem Lächeln zu begrüssen. Auch Niemand, auf den er warten konnte.
Sie war häufiger verschwunden. Kam spät Abends oder sogar Nächtens wieder. Er war daran gewöhnt. Sie brauchte den Kontakt mit der Natur... Brauchte die Zeit, in der sie allein mit sich selbst und der Welt ein Zwiegespräch halten konnte. Nachdenken konnte. Er wusste, dass sie wiederkam, manchmal in den dunkelsten Stunden der Nacht, wenn man spüren konnte, das der Umschwung zur Dämmerung kurz bevorstand. Dann würde sie ihre winterkalten Beine an seine schmiegen, ein Lächeln auf den Lippen, dass er davon aus dem Schlaf gerissen wurde. Es störte ihn nicht... Er mochte es sogar. Doch diesmal würde sie ihn nicht aus dem Schlaf reissen. Würde er nicht seine kleine Schneeflocke in die Felle tragen. Sie war fort.
Wieder sah er sich um, der Blick suchend. Wanderte... hielt an nichts fest. Diese Stille... Ein grosses stilles Haus. Es war als würden die Wände einen kalten Hauch von sich geben. Schliesslich erhob er sich und zog sich warm an. Der kurze Mantel, eher ein warmes Wams für ihn. Der dichte Umhang, der die Kälte abweisen würde. Sorgfältig steckte er die Silberfibel fest, auf der sich das Siegel der Sha'Ar befand. Seine Hände hielten inne. Präzision... war es wieder soweit, dass Präzision sein Leben bestimmte? Bestimmt war es nicht so schlimm... Sie war ja nicht tot... Nur fort. Leise seufzend nahm er seine Handschuhe sowie den Kreuzgurt und ging ins andere Gebäude, stieg bis zum Ausguck hinauf. Wind spielte mit seinem Haar, als er sich an eine Säule stellte und hochblickte. Der Himmel war bewölkt. Keine Sterne heute. Trotzdem konnte er weit blicken. Alle Städte sehen, von diesem Punkt aus. In jede Himmelrichtung blicken, ragte sein Turm doch über die Kronen der Bäume hinweg. Ja... er konnte weit blicken... Doch nicht weit genug... Er konnte nicht bis zur Eisinsel blicken. Nicht bis zu seiner Schneeflocke.
Irgendwo dort im hohen Norden war sie. Hörbar atmete er aus und weisslicher Nebel zeigte sich dicht vor seinem Gesicht. Er wendete nicht den Kopf, als er ein Flattern, dann ein Rauschen hörte und Murelay, sein Kolkrabe, auf dem Schultersitz aufsetzte. Gewohnt gingen seine Finger zu dessen Kopf und liebkoste das glänzend schwarze Gefieder. Doch der Blick lag weiterhin Richtung Norden, vorbei an Varuna, wo sich alles in bläulichem Weiss und Schatten verlor.

Weisse Felle für seine Schneeflocke. Er hatte nicht geahnt, dass diese Wortspielerei diese Bedeutung annehmen würde. Die Felle waren unten im Bad vor dem Kamin. Dafür gedacht, nach einem gemeinsamen Bad ihm und Enghwyn als weiche Unterlage zu dienen... Elfenbeinweisses Haar vermischt mit Rabenschwarzem auf dem weissen Grund edler Wolfspelze. Doch dazu war es nie gekommen. Aye... Weisse Felle für seine Schneeflocke. Ein ungleicher Tausch... Doch sie brauchte eine Aufgabe... Einsamkeit, Ruhe, Zeit... Sie konnte von den MacAgronas lernen und ihnen vielleicht einiges beibringen...
Und er? Er konnte sie besuchen. Und das würde er. Aber er konnte ihr dorthin nicht folgen, sein Haus, sein Heim, aufgeben. Hier hatte er sich verwurzelt, die Wildrosen gepflanzt. Auf Fuachtero... er glaubte nicht, das dort Wildrosen wuchsen.
Er würde hier auf sie warten. Warten auf ihre Rückkehr. Etwas kaltes berührte seine Wange und er schaute auf. Leise, still, tanzten sie vom Himmel. Einzelne kleine Schneeflocken, winzig und zart. Eine trieb auf ihm zu und er streckte die Hand aus, sie einzufangen. Schwarze Wimpern senkten sich herab, als er sie betrachete, an sein Gesicht heranholte. Kristaline Schönheit, klare Formen filligran in Eis gefasst. Doch hielt sie sich nicht lang, sie schmolz, noch während er ihre Schönheit bewunderte. Wieder wandte sich sein Blick nach draussen, folgte dem Flug der einzelnen Flocken. Aye... Schneeflocken... Solang sie flogen, vom Wind getrieben wurden, hatten sie ein Ziel. Sobald sie dieses Ziel erreichten, starben sie, gingen ein in die endlosen Weiten von reinem unbeflecktem Weiss. Der Wind hatte seine kleine Schneeflocke zu ihm getrieben... Und nun in den Norden, einem neuem Ziel entgegen, denn Ziele brauchte sie, sonst ging sie ein. Der Wind würde sie auch wieder zu ihm zurück treiben... dessen war er sich sicher.
Stille herrschte ringsum, während er gen Norden blickte und wartete. Eine einsame Gestalt auf einem einsamen Turm, während der Rest der Welt in Schatten und bläulichem Weiss versank. Still tanzten Schneeflocken im Wind.

Verfasst: Freitag 26. Januar 2007, 16:20
von Cyrion Sha´Ar
Leer... Er fühlte sich leer und erschöpft... Leer an Emotionen. Als wäre er nicht länger fähig, etwas zu empfinden. Enghwyn war in Berchgard geblieben. Sie waren im Streit auseinander gegangen. Der erste wirkliche Streit unter Liebenden. Wie war es dazu gekommen?

Die letzten Tage waren anstrengend gewesen... Sie waren nach Machat gegangen... Die Begegnung war urtümlich gewesen, hatte etwas herzliches, nachdem das erste Eis gebrochen war. Elryk hatte eine Weile gebraucht, bis er verstand, dass Enghwyn Cyrions Frau war... Sein Interesse an ihr war damit erloschen, wie Cyr später verstand. Deswegen störten ihn auch nicht Engwhyns freies Handeln, hervor gerufen durch das Glück das sie empfand. Sie hatte wohl – wie auch Cyrion - gedacht, Elryk wäre ein Beispiel für die anderen Anguren. Sie hatte gedacht, dies hier wäre das Paradies... Ein Ort, wo sie sein konnte, wer sie war. Inzwischen verstand Cyrion, das Elryk schlichtweg egal war, was sie tat – und wenn sie an der Wand Kopfstand übte oder nackt im Schnee tanzte. Den letzten Gedanken revidierte Cyr wieder. Das hätte ihn doch wohl interessiert. Nein, sein Interesse war für die Flasche Whisky aufgeflammt, die sie ihm als Geschenk darreichte. Diese hatte er in einem Zug geleert. Cyrion hatte erst später auf angurische Weise erklärt bekommen, das Alkohol als etwas Schlechtes galt... Elryk war wohl das schwarze Schaf der Gemeinde. Diese erste Nacht hatte Cyrion Enghwyn dort gelassen auf ihren Wunsch hin. Sie hatte die Nacht in einem kleinen Haus verbracht – ein Haus ohne Tür. Wie er später erfahren hatte, hatte sie trotz der Felle, die man ihr gab, bitterlich gefroren.

Das treffen mit den anderen Anguren... Offenbar hatte Elryk nicht erzählt, dass Cyr Enghwyns Ehemann war... Oder er war nicht dazu gekommen, es zu erzählen. Redeten die MacAgronas nicht mit einander? Jedenfalls hatte er schnell begriffen, dass Enghwyn und er doch vorsichtig sein mussten. Schnell mochte man etwas falsch verstehen, falsch auffassen. Auch waren sie nicht glücklich, Cyrion zu sehen – selbst, als er sich als ihr Ehemann herausstellte. Seltsam, befand Cyrion. Man konnte doch – musste doch von ihm erwarten, dass er sich um das Wohlergehen seiner Frau kümmerte. Das er sie gerade in den ersten Tagen versorgte, bis sie sich einlebte. Das er sich erkundigte, wie es ihr erging... was sie brauchte – und es ihr brachte. Doch schienen die MacAgronas irritiert, dass er sich verhielt, wie es einem Ehemann geziemte. Erwarteten sie, dass er seltenst kam und auf seine Frau verzichtete?

Enghwyn hatte ihm an dem Tag gesagt, das sie ein paar Sachen benötigte – und so war er am nächsten Tag mit einem Packpferd den Pass hochgekommen. Eine selten dumme Idee, ein Pferd im Winter über den Pass bringen zu wollen. Etwas, dass er wohl nie wieder tun würde. Er war so erschöpft gewesen, als er oben ankam – das Pferd im übrigen auch – das er Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, was ihm Enghwyn und die Anguren sagten... Bis von Enghwyn der Kommentar fiel, das er alles kaputt mache.
Er? Mache alles kaputt? Erschöpft wie er war, verstand er erst nicht, wovon sie sprach. Er hatte doch ihren Wunsch erfüllt... Hatte ihr Leder und Stoffe mitgebracht... Hatte ihr Brot, Gemüse, Obst und Süssigkeiten gebracht. Dinge, die sie hier oben unter Umständen nicht bekam. Sogar ein zwei Flaschen mit scharfen Alkohol, falls ihr kalt war, obwohl er sie nie hatte Schnaps trinken sehen.

Er hatte verstanden, was sie meinte, als er merkte das einige MacAgronas überhaupt nicht erfreut über sein herkommen waren. Und Berek... wühlte rücksichtslos in den Packtaschen herum. Wie lange hatten Cyr und Engwhyn gebraucht, den Anguren verständlich zu machen, das dies nur Sachen für Enghwyn waren. Cyrion verstand soviel, das sie wohl Geschenke erwartet hatten. Geschenke? Vom Gast wurde erwartet, das er Geschenke brachte? Cyrion handelte schnell, wollte er doch nicht Unmut hervor rufen. Ihm war durchaus klar, das er aus dem Dorf verbannt werden könnte – hatte ihn doch der Älteste schon am Vorabend gesagt, er sollte weg sein, wenn die Sonne unterging. Und die Sonne stand bereits tief – die Reise über den Pass mit dem Pferd hatte weit mehr Zeit in Anspruch genommen, als er angenommen hatte. Doch war seine Wahl nicht gut gewesen... Der Schnaps, den er darreichte... Er flog bedeutungsvoll im hohen Bogen davon. Soviel zu Alkohol. Auch der restliche Abend dort oben war nicht gut verlaufen. Die Anguren hatten auch keinen Gefallen an Murelay, Cyrs Raben, gefunden. Hatten keinen Gefallen daran gefunden, das er seine Frau sehen wollte... Jall, der Älteste und wohl auch der Geistliche, hatte irgendetwas mit Cyr gemacht, ihm dabei die Hand auf die Brust legend. Auch hatte er den Eindruck, dass Murelay auch... getestet worden war. Sie hatten wohl bestanden, denn wurde er kurz darauf eingeladen, die Nacht über zu bleiben. Ein Ärgernis für Enghwyn, wusste sie doch nicht, wo das Pferd lassen, das zwar eine Pferdedecke trug, aber nichts desto trotz nicht geeignet für diese Temperaturen war. Und dann... keine Fünf Minuten nach dem Entscheid sollte er doch gehen... Essen und Gehen. >Seltsam dieses Volk.< War dem jungen Mann durch den Kopf gegangen. Und Engwhyn? Sie war sichtlich wütend auf ihn. Er verstand sie nicht... Erst bemühte er sich zu sehr um sie, dann zu wenig... Sah sie nicht, dass Jall allen ernstes von ihm erwartete, zu essen und zu gehen, ihn ja sogar dabei beobachtete? Das er deswegen mit Enghwyn nur wenige Worte beim Essen wechseln konnte? Cyrion war diesen Abend ohne Abschiedskuss gegangen, selbst erzürnt über den Verlauf des Abends, den er sich so ganz anders vorgestellt hatte.

Und heute...
Er hatte Engwhyn in dem Dorf im Tal angetroffen. Ein freudiges Wiedersehen... Endlich ein paar Minuten alleine, die sie einander umarmend verbrachten. Keine Augen, die sie beobachteten... Niemand, der ihnen lauschte, niemand der aufschnappen konnte, was sie sagten und es womöglich falsch verstand.
Offenbar hatte sie wieder in einem Haus ohne Tür übernachtet, was Cyr verwunderte... Berek hatte ihm am Vorabend stolz gezeigt, dass Engwhyn im Gemeinschaftshaus mit den anderen schlief, etwas, das Cyr beruhigt hatte, musste sie doch nicht mehr frieren. So vieles, was Cyrion irritierte... Wollten die MacAgrona sich nicht um ihren Gast kümmern? Ein Schreiber, der seine Aufgaben verrichtete und sonst nicht in Erscheinung trat?
Gemeinsam waren sie hoch nach Machat gegangen, konnte er ihr da doch helfen, eine Tür in ein leeres Gebäude einzuhängen. Aber sie hatten Pech gehabt... Die Tür, los in der Ecke eines anderen Hauses gelegen, hatte nicht gepasst. Betrübt hatten sie sich ans Feuer des Dorfplatzes gesetzt, eng aneinander gekuschelt, sich gegenseitig wärmend und redent. So hatte sie Jall gefunden. Und wieder hatte Cyrion deutlich erkannt, dass er nicht wirklich willkommen war. So war er vorgetreten und hatte Jall sein Geschenk Geschenk überreicht – Kräuter und andere Dinge, für die ein weiser Mann Verwendung haben konnte. Er war sichtlich erfreut über diese Dinge. Erfreut genug, dass man ihn auf das Haus ansprechen konnte? Sie versuchten es. Und verstand der Ältere wohl um die Notwendigkeit eines Hauses für Engwhyn, eines sicheren Platzes für sie in dieser Gemeinde.
Dann war Berek dazu gekommen... Auch er war nicht glücklich, Cyrion hier zu sehen... Nahm aber mit Freude das Geschenk Cyrions an, Pfeile und Bolzen, schwarzbefiedert aus Cyrion eigener Hand gemacht. Ein Gespräch zwischen den beiden Anguren fand statt in der urtümlichen Sprache der Anguren. Und als dieses endete... Cyrion sollte gehen. Und nicht wiederkommen. Zu häufig war er für ihren Geschmack da, zu häufig bei seiner Frau... Der junge Mann war bass erstaunt gewesen. Erst recht, als Engwhyn klar und deutlich Nein sagte. Ihren Standpunkt vertrat – wie immer. Sicher – sie hatte recht. Und doch wurde Cyrion ganz anders zumute, als sie klarstellte, das sie gehen würde... Und die Vorwürfe von Seiten der Angurer begannen. Aye, Cyrion hatte versprochen, einen Freund zu bringen. Aye, Cyrion hatte dafür Felle bekommen. Nein, sie wollten die Felle nicht zurück, sie wollten einen 'Froint', einen Schreiber. Cyrion versprach weiter zu suchen... Enghwyns Kommentar, dass sich Menschen nicht kaufen liessen, liess Cyrs Eingeweide zu Eis erstarren. Und die Anguren? Zorn zeigte sich in dem einem Gesicht, röte in dem anderen, auch wenn es ruhig blieb... Grösser, als er ohne hin war, wirkend, hatte Berek Cyrion verständlich gemacht, das er ein guter Freund war, einen weiteren Freund suchen und hier her bringen würde... sonst... sonst was? Fantasie war eine sehr farbenfrohe Sache.
Der drohende Vulkanausbruch, den Cyrion befürchtet hatte, erfolgte nicht. Statt dessen gingen die Beiden davon... Und Cyr beeílte sich, seine Frau aus dem Tal zu bringen, die weiterhin Wahrheiten von sich gab, die die beiden falsch verstehen mochten oder nicht hören wollten. Götter, er wollte nicht an diesem verdammt kalten Ort sterben. Oder seiner Frau beim Sterben zusehen.
Und danach... Engwhyn hatte ihm vorgeworfen weggelaufen zu sein. Er wusste, dass sie recht hatte, gab es auch zu, aber war es nicht klüger, zu gehen solang man noch konnte. Es war ein aussichtsloser Kampf, die MacAgronas etwas verstehen zu machen, wenn man die Sprache kaum bis gar nicht beherrschte. Lieber wieder kommen, wenn man jemanden dabei hatte, der übersetzen konnte.

Hitzig hatten sie miteinander geredet... Und schliesslich hatte sie etwas gesagt, was ihn traf...
„Ich habe keine Lust von deinen Sorgen erstickt zu werden.“
Leidenschaftslos gesprochen, die ersten Worte, die keine Hitze enthielten. Cyrion nahmen diese Worte den Wind aus den Segeln... Erinnerungen huschten in Gedankenschnelle durch seinen Kopf... Gesprächsfetzen über ihre ehemaligen Freunde... Gespräche über ein anderes Leben. Sie hatten sie überfordert mit ihren emotionalen Problemen... Mit ihrer Eifersucht, ihrer Sorge, und letztlich mit ihrem Unverständnis dessen, was Engwhyn war, was sie bewegte. Hatten sie eingeengt... sie erstickt... Bis Enghwyn es nicht mehr ertrug und ging.
Und jetzt... „...von deinen Sorgen erstickt zu werden...“ Für Cyrion war es ein Schlag ins Gesicht. Ein Schock, dies von ihr zu hören. Sein Zorn verrauchte schlagartig. Alle Gefühle verebten... Bis nur noch Ruhe in ihm war. Er hatte sich nicht von der Stelle gerührt und doch... war er einen Schritt zurück gewichen, innerlich, während sie weiter redete. Etwas das sie bemerken musste.
„...verbieten, dich zu sorgen. Sorg dich, soviel du willst. Ich hab keine Lust dazu.“ Fassungslos hatte er den Kopf geschüttelt, eine leichte Bewegung, gerade genug, seine langen Strähnen in Bewegung zu versetzen. Das hier musste ein Traum sein. Ein Alptraum. Die Stimme war seltsam ruhig, leer, bar jeglicher Emotionen, als er ihr antwortete.
„Würde ich dich nicht besser kennen... würde ich dich fragen ob das dein Ernst ist.“
Sie dachte ein paar Sekunden nach, bevor sie antwortete, während er sie anblickte, das Gesicht leer, nichtssagend... Und doch gab er damit so viel preis, denn es war exakt das, was er gerade fühlte. Nichts... ausser der Kälte, die sich in sein Sein setzte.
„Ist es.“
Weisser Nebel formte sich vor Cyrions Gesicht, als er tief ausatmete.
„Die einzige Erklärung, die ich für dein Verhalten habe, ist die, das du die Nase voll...“
„Sags nicht...“ leise ihre Stimme... Hatte sie letztlich doch erkannt, was in ihm vorging?
„...von den MacAgronas hast... Ich kann verstehen das du zornig bist... Ich kann verstehen, dass du ihnen Wahrheiten ins Gesicht schreien wolltest, die für jeden sonst so normal sind wie das atmen...“ Der Blick senkte sich, während er tief einatmete und für einen Moment die Augen schloss.
„Ich hab nicht geschrien.“
Er liess sich nicht von diesen Worten ablenken. „Aber richte diesen Zorn nicht auf mich und wirf mir Dinge vor die ich nicht ändern kann.“ Die Stimme war immer noch seltsam ruhig.
„Du hast den Teil Zorn bekommen, der für dich gedacht war. Schieb nicht alle Schuld auf die Anguren. Das machen nur jene, die die eigene nicht erkennen wollen.“ Auch ihre Stimme war ruhig... Seltsam... konnte man das noch Streit nennen? Er schüttelte leicht den Kopf. Nicht nur, um den Gedanken zu vertreiben, auch um zu verneinen, dass er nicht erkennen wollte, was sie meinte. Er glaubte, zu wissen, was sie meinte.
„Ich weiss, dass ich da oben nicht so gehandelt habe, wie du es dir gewünscht hättest...
„Ich urteile nicht darüber, wie du handelst. Ich urteile nur darüber, wie man mir vorschreiben will, zu handeln.“
Dies war es also... Hatte er ihr je vorgeschrieben, was sie tun sollte? Soweit er sich erinnern konnte, war dem nicht so gewesen. Einmal... nur Einmal hatte er ihr regelrecht den Mund verboten.. Oben, als sie weiterhin den Anguren Wahrheiten sagen wollte, die sie beide Kopf und Kragen kosten konnten, wenn sie falsch verstanden wurde. Einmal hatte er sich eingemischt, aus Sorge – nein aus Furcht, dass diese bärigen Männer ihm und seiner Frau etwas antun würden... Er konnte nicht gegen sie gewinnen. Gegen einen vielleicht... aber gegen Zwei von der Sorte? Noch dazu auf ihrem Terrain? Zu schwer waren diese Leute einzuschätzen, war ihm ihre Kultur schlichtweg unbegreiflich, wusste er doch nichts darüber. Das sie ihm dies so übel nahm... Er seufzte leicht und deutete ihr, mit ihm zu kommen. Er wollte nach Hause... nur noch nach Hause. Sie gingen durch das Dorf, schweigsam alle beide. Doch was sie, kaum das sie den Dorfplatz passierten, von sich gab, war wieder ein eisiger Stich.
„Ich bleib hier.“
Cyrion drehte sich zu ihr um und sah sie aus leeren Augen an. Doch war es, als würde er innerlich einen weiteren Schritt zurück gehen. Sich abschotten... Sie blieb hier... Wollte nicht mit ihm gehen. Nicht bei ihm sein... Es war doch, was er geahnt hatte. „...keine Lust von deinen Sorgen erstickt zu werden...“
„Dahinten brennt noch ein Feuer.“ Er brauchte nicht hinzusehen. Er wusste, dass es da war. Statt dessen sah er sie an. So war es also... Der erste Streit, geboren aus seiner Furcht um ihrer beider Leben. Und dies hier war, was übrig blieb. Was fühlte er? Nichts... Taubheit... Er wusste nicht, was er fühlen sollte.
„Aye... Wenn du so magst.“ Die Stimme leer wie alles andere in ihm.
„Gute Nacht, Cyrion.“ Davon gehend, hatte sie sie gesagt. Wie ruhig die Worte... Nichts, was daran erinnerte, dass sie Liebende waren. Eher wirkte es so, als seien sie einander Fremd.
Ein leichtes Nicken von seiner Seite. Kaum eine Bewegung zu nennen.
„Gute Nacht...“
Auch seine Stimme hatte einen seltsamen Ton, als er diese Worte murmelte. Tief einatment drehte er sich um und ging weiter, eine dunkle Gestalt in dem einsamen Weiss des Schnees.

Verfasst: Freitag 26. Januar 2007, 21:17
von Berek MacAgrona
[Passender Auszug aus dem Stadtforum Andraste...]

Lange war es schon her, daß Bereks Augen den Fortschritt beim Wiederaufbau Andrastes aufgenommen hatten. Es gab weitaus wichtigeres, jetzt, da der Clan ein Schiff gefunden hatte und man eifrig die Schäden des Unwetteres ausbesserte, um es wieder seetauglich zu machen. In solchen Zeiten der Not, war sich jeder selbst der nächste. Jeder Clan. Für eine noch kleinere Einheit hatte Berek nicht einmal etwas wie Phantasie über. Ja, er hatte wahrhaftig gesehen, daß es noch kleinere Verbände gab, in denen man leben konnte. Paarweise. Schürron und Enkwünn. Zwei kleine Pimpfen, die sich nach Machad hochgequält hatten, weil der eine einen Handel abgeschloßen hatte und dem Clan etwas schuldete. Aber nur weil man etwas sieht, heißt es noch lange nicht, daß es auch gut ist. Dafür waren die beiden ebenfalls ein guter Beweis. Uneinig waren sie sich und an ihren schwächlichen Gliedern konnte man ohne hinzusehen erkennen, wie ausgemergelt man wurde, wenn man nicht genug zu essen bekam. Was wiederum daran lag, daß ohne Clan niemand da war, der einem genug Essen bringt. Eine sehr einfache Rechnung, doch ganz offensichtlich konnte sie nicht jeder zu Ende führen. So wie die beiden. Wenn man nur zu zweit war, konnte man auch immer nur mit einem anderen streiten und es nicht auf alle aufteilen. Das führt zur Uneinigkeit und macht schwach. Kein Wunder also, daß Schürron sein Weib für ein paar Felle loswerden wollte. Doch alleine sein ist noch schlechter als ohne Clan sein, deshalb wollte er sie doch wieder zurück...

Bereks Gedanken waren viele Stunden am Tag ruhig ohne Wellen zu schlagen und drehten sich um die immer selben Dinge. Alles, was für ihn feststand und was er dennoch gerne noch einmal durchkaute, um sich zu vergewissern oder sich zu erfreuen. Unverändert wie ein routierender Mühlstein irgendwo auf Gerimor. Umso schöner waren die Momente, wenn er etwas Neues herausfand, daß das Alte bestätigte. Wenn sich der Horizont erweiterte und sich sein Durchblick verschärfte. Genau solche Einsichten trafen ihn gern unerwartet, wenn er körperlich arbeitete, ähnlich wie ihm farbenfrohe Ideen oder schier geniale Pläne genau dann zuflogen, wenn er gerade mit der Waffe hantierte. So tat es nicht Wunder, daß die treffende Analyse über das Verhalten von Schürron und seinem Weibsbild genau dann beendet war, als er mit der Last an Baumstämmen am Lager 'Andraste' ankam. [...]