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Das Tagebuch - der Hüter der geheimen Gedanken

Verfasst: Samstag 13. Januar 2007, 17:31
von Arsen Talmar
Ich sitze fest! Na ja zumindest hat es keinen großen Sinn mich aus diesem Fischerdorf, daß sie hochtrabend Stadt nennen, heraus zu wagen. Mir stand noch nie der Sinn nach Frostbeulen oder der Aussicht als Wolfsfutter herzuhalten. Also lieber hier im winzigen Zimmer sitzen, hier ist es wenigstens warm. Würde zwar lieber unten in der Schankstube sitzen, aber so üppig hab ich's nicht mit dem Gold und ich habe auch wenig Lust gleich mit den Wachen Bekanntschaft zu machen. Also vertreibe ich mir die Zeit damit aufzuschreiben, wie mein Leben bisher verlaufen ist. Chronik nennen das die feinen Leute, glaube ich, Tagebuch die Armen. Aber egal wie man's nennt, es ist eine Möglichkeit alte Fehler zu erkennen und daraus zu lernen, denn Fehler kann ich mir nicht erlauben, bei dem was ich tue.

Den Namen der paar Häuser zu nennen, bei denen ich aufwuchs, lohnt sich nicht wirklich. Meine Mutter war eine kleine, gutmütige Person, der gute Geist des Hauses eben. Sie ertrug die Beschimpfungen und Schläge meines Vaters still und ergeben und nur wenn sie sich unbeobachtet glaubte flossen ihre Tränen. Mein Vater, wenn man so jemanden wie diesen Säufer mit diesen Worten überhaupt beschreiben kann, nannte sich hochtrabend Ritter. Dabei war er nicht mehr als ein Raufbold, der sein Schwert als Söldner verkaufte. Und dies nicht mal mit Erfolg, denn soweit ich mich zurück erinnern kann, war der Hunger Dauergast unter dem undichten Dach unseres Hauses. Andere hatten mehr zu essen, als wir und so begann ich früh mir die Dinge zu besorgen, welche den größten Hunger stillten. Hier ein Stück Brot, dort ein paar Rüben, nein wählerisch war ich wirklich nicht. Hauptsache für einige Stunden satt sein und nicht mehr an das schmerzhafte Ziehen im Bauch denken. Ich glaube damals wuchs der Entschluß, später immer satt zu sein und genug Gold zu haben um ein unbesorgtes Leben führen zu können. War ich nicht auf einem meiner Beutezüge, verbrachte ich die Zeit mit den anderen Kindern, darin unterschied sich meine Kindheit kaum von anderen.
Vielleicht wäre ich heute noch dort und inzwischen der Mann einer der dicken Bauerstöchter, hätte nicht der alte Säufer im Vollrausch meine Mutter erschlagen. Man sollte nicht glauben, wie schnell man über jemanden zu Gericht sitzen und verurteilen kann. Es war noch keine Stunde her, daß meine Mutter ihren letzten Atemzug getan hatte, da hing mein Vater schon am Galgenbaum. Ging wirklich verflucht schnell. Das war im Sommer meines 12. Lebensjahres, kann auch das 13. gewesen sein. Ist im Grunde gleichgültig, die Folgen blieben die Selben. Der Sohn eines Mörders hatte unter diesen ach so rechtschaffenen Leutchen nichts zu suchen und man legte mir nahe zu verschwinden. Die Prellungen und blauen Flecke waren sehr überzeugende Argumente damals. Also machte ich mich auf den Weg in die nächste große Stadt, denn ich wollte ja nie mehr Hunger haben und endlich viel Gold in den Taschen.

Seltsam was einem alles wieder einfällt, wenn man nichts zu tun hat. Kann mich wirklich noch erinnern wie meine Eltern ausgesehen haben. Nicht das es von Nutzen wäre, aber vielleicht kann so etwas ja mal als Ausrede herhalten, wenn es wieder mal eng wird. Aber genug geschrieben, jetzt besorge ich mir erstmal etwas zu essen, das ist wichtiger als die Gedanken über die Vergangenheit.

Verfasst: Sonntag 14. Januar 2007, 15:45
von Arsen Talmar
Das Nest ist freundlicher geworden und das liegt nicht nur an der Sonne, die durch mein Fenster scheint. Nein ausgerechnet hier hab ich sie wieder getroffen, jene Frau, wegen der ich mich überhaupt auf das Schiff mit Heimathafen Bajard begeben habe. Schließlich gilt meine Vorliebe sicher nicht den schwankenden Holzbrettern, die sie Schiffsdeck nennen. Aber für sie wäre ich sogar hierher geschwommen, aber ich werde mich hüten ihr so etwas zu sagen, die spöttischen Erwiderungen erspare ich mir. Wo hab ich sie das erste Mal getroffen? Ach ja, ich erinnere mich...

Es war ein Wunder, daß ich damals die Stadt erreicht hatte. Wölfe und Wegelagerer hatten es sich hartnäckig in den Kopf gesetzt, ich wäre alt genug um diese Welt zu verlassen und hätte entweder in einem Wolfsmagen oder einem Grab zu verschwinden. Ich war anderer Meinung und hatte mich durchgesetzt, wenn auch knapp. Als ich mich endlich hinter die Mauern gerettet hatte, war ich zwar in Sicherheit, aber wie es weiter gehen sollte, darüber hatte ich bis dahin nicht nachgedacht. So tat ich das, was ich schon früher in meinem Dorf getan hatte, ich nahm mir von denen die mehr hatten als ich und das waren so ziemlich alle in der Stadt. Die Leutchen dort waren aber auch bewundernswert vertrauensselig... ein offenes Fenster oder eine offene Tür fand sich ebenso leicht wie eine lockere Geldbörse am Gürtel eines Kaufmanns. Schon bald hatte ich Gold genug in den nun sauberen und feinen Kleidern und selbst eine kleine Wohnung konnte ich mein eigen nennen. Die verdankte ich einem glücklichen Zufall oder besser Unfall eines Freundes. Ich hörte viel später man hätte ihn verscharrt im Wald gefunden, manchmal sind Wegelagerer doch zu was Nutze. Zugegeben, ich war es gewesen der ihn dorthin geschickt hatte, aber es gab da wirklich reichlich Gold. Nur hätte ich vielleicht erwähnen sollen, daß es sich dabei um die zusammen gehäufte Beute der Räuber handelte.
Ja, und dann kam der Tag, an dem ich sie traf. Hm, eigentlich traf sie mehr mich, denn als ich um eine Hausecke bog prallte sie gegen mich. Das Erste was ich von ihr sah war ihr blondes Haar, das Gesicht entdeckte ich erst viel später, nachdem sie es mühsam mit den Händen unter der Haarpracht hervor geholt hatte. Wie sie so vor mir stand, zitternd vor Kälte, die Haare zerzaust vom Wind, erinnerte ich mich, wie ich einst in die Stadt gekommen war. Hab sie dann einfach bei der Hand und mit zu mir genommen, ohne jeglichen Hintergedanken. Heute weiß ich, daß ich damals in dieser Nacht mein Herz an sie verloren habe. Nicht das irgendetwas zwischen uns passiert wäre in dieser Nacht. Sie hatte gebadet und die trockenen Sachen angezogen, die ich ihr gab, und wir haben geredet,. die ganze Nacht nur geredet. Sie ist bei mir geblieben. Ohja, Selina war damals schon verflucht hübsch und das nutzte ich, wie ich zu geben muss, schamlos aus: Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf sich und ich erleichterte die feinen Herrschaften um ihr Gold. Aber selbst das übernahm sie später, ihre Finger waren bald geschickter als die meinen. Ach ja, es war eine schöne Zeit ... Sorgen machten wir uns keine. Sie schien nur so vor Leben überzukochen und wenn sie sich in den weiten Kleidern im Spiegel betrachtete, die ich ihr immer wieder schenkte, da strahlten ihre Augen.
Und doch fehlte etwas in ihrem Leben. Sie wußte nicht wie oft ich sie von einem ruhigen Platz aus beobachtete, denn mir war bald klar geworden, daß eine unerfüllte Sehnsucht in ihr brannte, eine Sehnsucht, welche sie in sich begrub als hätte sie Angst, ich würde sie deshalb auslachen. Aber ich konnte nicht ergründen was es war. Eines Nachts, sie war tagelang weg gewesen und kam nun völlig durchnäßt zurück, da sprach ich sie an und nun sprudelte es aus ihr heraus, ihre Sehnsüchte und Wünsche die Sterne zu erreichen. Nein ich habe nicht gelacht, ich verstand sie nur zu gut. Ich hätte ihr sofort ihre Sterne in den Schoß gelegt, aber dieses würden meine geschickten Finger versagen ... oder doch nicht? Etwas wußte sie noch nicht von mir und dies würde nun helfen ihre Sehnsucht wenigstens zu lindern...

Ich hab mich oft gefragt, ob ich ihr damals Leben eingehaucht oder es für alle Zeit verdorben habe, ob sie sich vor sich selbst ängstigt deshalb. Sie machte jedenfalls keinen verängstigten Eindruck, als ich sie wieder traf. Abgesehen davon, daß sie mich für einen Geist hielt. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die nächste Zeit wird mir hoffentlich zeigen, ob es für sie falsch war, daß wir uns damals begegnet sind.

Verfasst: Montag 15. Januar 2007, 15:29
von Arsen Talmar
Ich glaube, mein Mißtrauen war unbegründet. Selina scheint ihr Leben zu genießen, von ängstigen oder mit ihrem Leben hadern ist sie weit entfernt. Im Gegenteil, sie hat noch einiges dazu gelernt zu dem, was ich ihr beigebracht habe. Vor allem mit dem Dolch kann sie umgehen, ich spüre noch jetzt die feinen Stiche, welche sie mir beim Üben versetzt hat. Ob sie mich an die Bilder erinnern wollte die ich ihr gab? ...

Sie hatte nicht gewusst, daß mir in der ersten zeit in der Stadt beigebracht wurde mit der Nadel und Farben Bilder in die Haut zu stechen. Umso mehr war sie überrascht, als ich ihr sagte, was ich zu tun gedachte und trotz allem willigte sie ein. Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat, bis ich abließ, ich war wie im Rausch und die Linien auf ihrer haut wurden mehr und mehr. Mochten die Bilder für andere nur sinnlose Linien sein, für uns, deren Sehnsüchte sich vermischten, lag alles klar vor Augen ... die Sterne, Sonnen und was ich auch sonst noch auf ihrer zarten Haut verewigte. Dieses leuchten in den ihren Augen, als sie sich zum ersten Mal im Spiegel sah, nein, nie mehr werde ich es vergessen. An diesem Tag hätte keine Sonne dieses Leuchten und Strahlen übertreffen können. Natürlich war es nun für uns schwieriger geworden, denn diese Bilder waren einzigartig und man würde sie jederzeit daran erkennen, aber unser Spiel mit der Gefahr hatte an Reiz gewonnen. Wir machten aber auch die Erfahrung, daß die Männer wie betäubt waren wenn Selina sie die Bilder erahnen ließ und noch mehr Gold floß durch unsere Finger.
Wir genossen das Leben in vollen Zügen, es schien keine Schattenseiten mehr zu geben, aber ich hatte vergessen, daß unser Leben Neider hervorgerufen hatte. Wir hatten die Spitze erreicht und dabei einigen ihre Verdienste geschmälert und das rächte sich nun. Ja gut, im Grunde war es meine Sorglosigkeit, daß unsere Sonnentage in Blitz und Donner untergingen und alles sich änderte. Ein großer Markt wurde unser Schicksal, obwohl alles wie immer schien. Meine kleine Sternenfee brachte das Blut der Männer zum kochen und machte die Goldbörsen lockerer als sie eh schon waren, als der Ruf ertönte: " Da! Ein Dieb! Haltet ihn!" Zum Reagieren kam ich gar nicht mehr, ein Pfeil bohrte sich in meine Brust. Ist ein ganz komisches Geräusch, wenn so ein Pfeil in die Brust fliegt. Das Gesicht, das wenig später über mir erschien brannte sich ebenso in mein Gehirn wie die Worte: " Du hast verloren, Bastard! Jetzt wirst du hängen und mir gehört die Stadt wieder!" Danach versank alles in einem dichten Nebel.
Später wunderte ich mich erst, daß man sich die Mühe gemacht hatte mich zu verbinden, aber es hatte einige dreiste Überfälle gegeben und jemand mußte dafür als Sündenbock herhalten. Dieser jemand war natürlich ich, war ja auch einfach da ich im Kerker in Ketten lag. Gab ne große Gerichtsverhandlung um die aufgebrachte Stadtmeute zu beruhigen; mußten ja nen Schuldigen bekommen für die ganzen Überfälle. Man verurteilte mich zum Tod durch erhängen, war eigentlich verwunderlich bei all den anderen netten Todesarten, die man sich schon ausgedacht hatte. Hab eh nur die Hälfte von allem mitbekommen, meine Gedanken waren bei Selina. Ich hab damals wirklich gebetet, die Götter mögen auf sie aufpassen. Nicht auszudenken, wenn man sie erwischt hätte.
Anscheinend hatte ich die lieben Göttlichen auf mich aufmerksam gemacht, denn als man mich zum Galgenbaum brachte, zogen schwarze Wolken auf und es begann zu regnen. Nicht, daß ich was gegen Regen gehabt hätte, aber am letzten Tag hätte ja schon die Sonne scheinen können. Sahen wohl auch die Stadtleutchen so, denn kaum zappelte ich in der Luft da entschieden sie, dass sie Zuhause im Warmen und Trockenen besser aufgehoben wären. So röchelte ich mich also allein vom Leben zum Tode, die im trockenen Sitzenden waren jedenfalls der Ansicht, ich würde ihnen den Gefallen tun. Hätte ich sicher auch getan, aber der Blitz, der in den Galgenbaum einschlug, verhinderte das doch auf sehr lautstarke Weise, und so war's eben nichts mit dem Erhängen. Ich fiel ziemlich unsanft zu Boden, wobei sich die Schlinge gelockert haben mußte, denn ich bekam mit einem Schlag wieder Luft. Dummerweise war die Pfeilwunde wieder aufgerissen, was scheußlich weh tat und so konnte ich mich grade noch in den Wald schleppen bevor mir Schwarz vor den Augen wurde...

Wenn ich heute mit den Fingerspitzen die Linien entlang fahre, die um meinen Hals gewunden sind, kann ich die Narben, welche der Strick hinterlassen hat, deutlich spüren. Sie sind ein ewiges Warnmahl für mich, Zeugen dafür was passiert, wenn man zu sorglos ist. So eine Erfahrung will ich nicht noch mal machen...

Verfasst: Dienstag 16. Januar 2007, 15:19
von Arsen Talmar
So, vorbei ist es mit der Ruhe. Selina hat beschlossen, es wäre an der Zeit, daß ich endlich was anderes sehe als Bajard. Irgendeiner Frau zu widersprechen, brächte schon Verdruß, aber bei Selina ... erst gar nicht dran denken, was das für einen Ärger gäbe. Wenn sie sich einmal was in den Kopf gesetzt hat, dann setzt sie das auch durch, zumindest meistens. Also lieber ihr ihren Willen lassen und ab mit der Kutsche nach Varuna. Sind schon gewaltige Mauern um die Stadt herum und die Scharen von Wachen geben dem Ganzen den Anschein von Unbezwingbarkeit. Das scheinen allerdings auch die Wachen zu denken, denn es sind nicht wenige Schlafmützen darunter. Wäre ich damals nur auch so eine Schlafmütze gewesen ...

Es dauerte Fast zwei Wochen, bis ich meine Umgebung wieder bewußt wahrnahm. Dazwischen gab es nur verschwommene Bilder und Geräusche weit entfernt. Ich ahnte mehr, als dass ich es wusste, daß ich nicht mehr im Wald lag, als ich die Augen aufschlug. Die kleine, dunkle Kammer, welche nur von einer einzigen, kleinen Kerze beleuchtet wurde, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Es hat lange gedauert, bis ich wieder soweit bei Kräften war, daß ich ohne Hilfe laufen konnte, aber man kümmerte sich gut um mich. Man, das waren die Mönche des Klosters, in dem ich aufgewacht war ... zumindest dachte ich es wären Mönche und ich wäre durch ihre Barmherzigkeit gerettet worden. Wurde aber schnell eines Besseren belehrt und Schuld war wieder einmal meine Sorglosigkeit.
Bald hielt es mich nämlich nicht mehr in meiner Kammer, nachdem ich wieder kräftig genug war und ich begann durch das Kloster zu streifen. Schön, es war tiefste Nacht und ich war auf der Suche, ob es hier nicht was zu holen gäbe, mußte ich aber deshalb ausgerechnet in das Gespräch der Klosteroberen stolpern? Die fanden das damals mehr als ungehörig und so wurde es wieder einmal dunkel um mich herum. Wenn ich heute zurückdenke hatte ich in dieser Zeit meine Augen mehr geschlossen als offen. Ich tauschte also meine Kammer gegen eine vergitterte Zelle in den Gewölben des Klosters und mit der Fürsorge war es auch vorbei. Nun ist es ja wirklich nicht üblich im Kerker zu landen wenn man Mönche belauscht, aber leider handelte das Gespräch damals herzlich wenig von Barmherzigkeit, außer man findet den Plan jemand zu ermorden barmherzig.
Ein paar Tage später stand ich dann wieder vor den dreien. Sie hatten sich über mich erkundigt und freundlicherweise davon abgesehen mich sofort verschwinden zu lassen. Nein sie stellten mich vor die Wahl mich entweder ihrer ... Klostergemeinschaft anzuschließen oder für immer den Mund zu halten. Nun ist das Leben ohnehin kurz genug, deshalb fand ich die Gründe einer Zustimmung auch sehr viel gewichtiger, als die zum Nein sagen. Es vergingen danach einige Wochen in denen sich nicht viel an meinem Aufenthalt änderte, abgesehen von den kleinen Aufgaben für die Gemeinschaft. Daß sie mich in dieser Zeit auf die Probe stellten und beobachteten, daran verlor ich keinen Gedanken. Wer denkt beim Wasser holen auch an eine besondere Aufmerksamkeit erheischende Aufgabe. Als sie mich Schluß endlich lange genug beobachtet hatten, durfte ich wieder vor die drei Oberen treten. Nun erfuhr ich endlich wo ich hineingestolpert war. Sie selbst nannten sich Shomona, was in irgendeiner Sprache Wolfsrudel hieß. Welche Sprache das war, interessierte mich nicht besonders. Sie waren eine Art Söldner welche für die feinen Herren und Damen unfeine Dinge erledigten. Ist schon unglaublich, was diese Herrschaften doch für Dreck am Stecken hatten, je feiner und angesehener um so mehr, und damit dieser Dreck nicht sichtbar wurde, nun dafür gab es Shomona ...

Seit dieser Zeit glaube ich nicht mehr an Barmherzigkeit, Ehrbarkeit oder dieses ... Licht von dem sie immer reden. Wenn es gute Menschen gibt, so liegen sie auf dem Friedhof oder verstecken sich gut. Aber alle die anderen, vor allem die feinen Leute, sind oftmals noch verdorbener als der schlimmste Mörder in ihren Kerkern....

Verfasst: Freitag 26. Januar 2007, 16:39
von Arsen Talmar
Langsam kommen meine Geschicklichkeit und die Reflexe zurück. Wo ich vor Tagen noch hübsch meine Beine in die Hand nahm, vor allem bei diesen zweiköpfigen Biestern zu denen mich Selina gelockt hatte, da halte ich mir heute höchstens noch die Nase zu vor dem Gestank. Nun ja, war damals auch viel Arbeit diese Reflexe zu bekommen...

War schon seltsam, dass ausgerechnet die Gruppe, zu der man mich gesteckt hat, beim Wolfsrudel aus Leuten bestand, die sich nicht unbedingt freiwillig angeschlossen hatten. Lag wohl daran, dass wir alle von der Selben Art waren. Zwei Gruppen gab es damals, die Bären und uns, die Falken. Wir hörten gerüchteweise es sollte noch eine dritte Gruppe geben, die sich die Füchse nannte, aber gesehen haben wir nie einen davon. War uns ehrlich gesagt auch ziemlich egal, wir sahen nur zu, dass es für uns einigermaßen erträglich war.
Im Gegensatz zu den Bären, die zu hirnlosen, gesinnungstreuen Berserkern ausgebildet wurden, lehrte man uns Falken schnell und lautlos zu töten und mit Giften umzugehen. Welche Waffe wir dabei benutzten war uns am Ende gleichgültig, wir mussten alle beherrschen. Schließlich kann man ja nicht die Freundlichkeit erwarten, dass immer ein nettes Schwert oder ein Dolch bereit lag für uns. Dauerte auch ziemlich lange, bis man zufrieden mit mir war, ich ertrage es nun mal nicht besonders Befehle zu bekommen. Ist auch heute noch so und wer es versucht, hat seine helle Freude an mir.
Weiß gar nicht wie lange die mich mit ihrem Geschwafel genervt und ihren Waffenmeistern gequält haben. War glaube ich über ein Jahr in dem ich nichts anderes sah als meine Kammer und Räume in den Katakomben. Dann sollte ich meinen ersten Auftrag erledigen und die Götter meinten es sehr gut mit mir dabei. Ausgerechnet der Kerl, der mich an den Galgen brachte sollte verschwinden. Oh ja ich hatte viel Freude diesen Auftrag durchzuführen und selbstverständlich gab ich mir dabei besonders viel Mühe. Dass dabei auch die zwei Schläger in Mitleidenschaft gezogen wurden, gehörte dazu, denn wer tot ist redet nicht mehr viel. Mein Bären Wachhund, ganz trauten sie uns Falken nie und das mit gutem Grund, war beeindruckt und bis heute hat man die drei Leichen glaube ich nie gefunden.

Seitdem sind noch einige Leute durch mein Zutun verschwunden und nie wieder gesehen worden. Ich habe mir nie groß Gedanken gemacht über das was ich tue... bin's nicht ich ist es ein anderer der solche Aufträge ausführt. Und ich weiß, dass besonders die feinen, reichen Leute und vor allem Adelige solche Aufträge an Leute wie mich vergeben, weil sie sich selbst die Hände nicht schmutzig machen wollen...

Verfasst: Donnerstag 22. März 2007, 15:03
von Arsen Talmar
Die Axt auf den Beinen, den Wetzstein in der Hand, angelehnt die warmen Steine des Kamins … fast schon ein alltägliches Ritual ist es geworden. Das einzige was sich verändert hat ist das Bild das sich meinen Augen bietet wenn ich aus dem Fenster schaue. Der Frühling scheint endlich gekommen und das weiß der Schneedecke hat dem Grün des Grases Platz gemacht, ein spärliches Grün zwar noch, aber das wird sich bald ändern. Die Natur atmet auf nach dem scheinbar endlosen Atem anhalten, wie eine Befreiung mag es erscheinen. Für mich kam die Befreiung damals auch im Frühling…

Der Regen der letzten Tage hatte die ungepflasterte Strasse aufgeweicht. Mehr als einmal versanken meine Füße bis zu den Knöcheln im Schlamm und hätte mir jemand frohlockend vom wundervollen Frühling erzählt, ich glaube meine Faust hätte ihn schnell zum Schweigen gebracht. Frühling war eben nicht nur Sonnenschein und blühende Wiesen, aber jemand der durch die feuchte Abenddämmerung stapft, dem ist das völlig egal. Ich hatte wieder einen dieser Aufträge erledigt und watete nun missmutig durch den Schlamm zu meinem unfreiwilligen Zuhause zurück. Hinter mir natürlich mein aufpassender Bärenschatten. Ich musste mich gar nicht umdrehen um zu wissen dass seine Augen unentwegt auf meinem Rücken hafteten. War einfach zur Gewohnheit geworden.

Mit einem Mal hielt ich inne. Geraume Zeit schon schien etwas in der Luft zu liegen was nicht hier hergehörte und nun wusste ich auch, was es war. Rauch! Und zwar sehr dichter Rauch! Sicher denkt man bei solchem Wetter gleich an ein wärmendes Feuerchen, aber diesem Rauch haftete etwas von Größe, von Zerstörung an. Nun gab es in diesem Wald nur zwei Dinge die man zerstören konnte. Erstens den Wald selbst, aber nach all dem Regen hätte ich den sehen wollen der auch nur ein Fünkchen Glut aus einem der Zweige gebracht hätte, geschweige denn aus einem ganzen Baumstamm. Also blieb nur das Zweite, nämlich unser Schlupfwinkel. Das Aufkeuchen hinter mir verriet, dass mein Begleiter anscheinend mit seinen Gedanken am selben Punkt angelangt war. Und das war für ihn eine beachtliche Leistung wenn man die Intelligenz eines Bären berücksichtigt.

Nun hätte jeder normale Mensch sofort auf den Absätzen kehrt gemacht, aber das Bärchen wollte ja den Helden spielen. Er rannte an mir vorbei, ganz ehrlich er rannte wirklich und das trotz des schweren Kettenhemdes, direkt in Richtung des Rauches. Warum ich ihm damals gefolgt bin, ich habe keine Ahnung mehr. Vielleicht war’s einfach pure Neugierde, was der Kerl anstellen würde, auf alle Fälle folgte ich ihm in beträchtlichem Abstand. Als wir dann der Lichtung näher kamen, auf der sich das Kloster befand, suchte ich allerdings den Schutz einer dichtbelaubten Baumkrone während er wie ein gereizter Stier durch das Unterholz auf die Lichtung stürmte. War natürlich kein sehr guter Einfall von ihm, hatte er ja genug Lärm gemacht so dass sie auf ihn warteten. Ich muss aber zugeben er hielt sich nicht schlecht, drei streckte er noch nieder bevor er selbst fiel.

Ich rührte natürlich keinen Finger, lebensmüde war ich zu keiner zeit meines Lebens gewesen. Außerdem, einfacher konnte ich ja meinen Bewacher nicht loswerden und der Rest … nun der Rest hing fein aufgeknüpft an den Bäumen oder lag sorgfältig aufgereiht darunter. Entkommen war wohl außer mir keiner, soweit ich das von meinem Hochsitz aus sehen konnte. Ich war also wieder frei, so weit so gut. Nur hatte ich herzlich wenig bei mir und so wollte ich sicher nicht zurück ins Leben da draussen treten. Aber ich wusste ja zum Glück wie ich das ändern konnte, ich brauchte nur ein wenig Geduld. Also blieb ich erst einmal dort oben sitzen, auch wenn’s nicht grade bequem war.

Später in der Nacht, alles schlief bis auf ein paar Wachen, wagte ich mich endlich herunter von meinem Versteck. Ich verschmolz mit den Schatten als ich mich zu dem geheimen Ausgang schlich, den man für die Flucht bei Angriffen angelegt hatte. Schien allerdings bei den anderen in Vergessenheit geraten zu sein. Pech für sie, Glück für mich. Ich verschloss die Öffnung hinter mir sorgfältig, nach dem ich hinein geschlüpft war, und entzündete eine Fackel, die in einem der Ringe an der Wand hing. Den Weg hätte ich zwar auch im Dunkeln gehen können, ich war schön öfters hier entlang gegangen, immer wenn zufällig Besuch im Kloster ankam. Er führte mich direkt in die Katakomben die still vor mir lagen, ich schien wirklich der einzige Überlebende zu sein.

Ich huschte durch die Räume dort unten und verstaute alles, was ich gebrauchen konnte, in einer schmalen Holztruhe. Auch die dunkle Rüstung, die ich getragen hatte, und das schmale, gekrümmte Schwert mit dem schwarzen Griff, auf dem der Falke zu sehen war. Inzwischen trug ich wieder meine alten Straßenkleidung und den unscheinbaren Wollumhang mit dem ich hier angekommen war. Ich war schon immer sorgsam darauf bedacht nicht aufzufallen, und nun natürlich noch mehr. Ich überflog noch mal den Inhalte der Truhe, bevor ich sie schloss, und griff prüfend zur vollen Goldbörse die am Gürtel hing. Ja, Gold hatte ich genug und der Rest lag wohl verstaut in der Truhe. Ich blickte mich nicht mehr um, als ich die Katakomben auf demselben Weg verlies den ich gekommen war…

Ja, Frühling war wie eine Befreiung auch wenn das alles schon lange zurück lag. Aber nun freue ich mich auf die kommenden, warmen Tage, auf die Sonnentage mit Selina. Ach ja, endlich wieder im Meer baden und dann im weißen Sand vor sich hin dösen. Allen schon der Gedanken verleitet zum träumen, aber draußen blöken die Schafe und irgendjemand muss sie ja scheren….

Verfasst: Donnerstag 26. April 2007, 13:21
von Arsen Talmar
Regen, Regen, Regen! Kommt mir fast so vor als wollten die Götter die Welt ertränken. Wie sich Selina überwinden kann bei diesem Wetter vor die Tür zu gehen ist schon bewundernswert. Mir reicht schon der Blick aus dem Fenster um mich zum Kamin zurückzutreiben. Mich bringt so schnell nichts vor die Tür, müssen schon wichtige Gründe sein, lebenswichtige Gründe. Gründe so wie ich sie damals hatte...

Irgend etwas hielt mich davon ab die geheime Tür zu öffnen. Nein, gehört hatte ich nichts, wäre auch ein Wunder gewesen bei dem dicken Holz der Tür, es war einfach dieses seltsame Gefühl in mir daß jedesmal eine wartende Gefahr ankündigte. Bis heute hat mich dieses Gefühl nie betrogen, auch in dieser Hinsicht waren meine Lehrer sehr gründlich gewesen. Nur leider zeigte es mir nicht welche Gefahr dort draußen lauerte. Aber wir wären nicht Shomona gewesen hätte es dafür keine Abhilfe gegeben. Eine kleine, von Außen kaum zu entdeckende Klappe erlaubte mir einen forschenden Blick, wenn er auch ziemlich eingeschränkt war.

Ich hatte mich nicht getäuscht, denn das was ich zu sehen bekam war der Rücken eines Mannes in einiger Entfernung vom geheimen Ausgang. Er hatte ein munter vor sich hin prasselndes Feuer entfacht, welches zusammen mit dem fallenden Regen so herrlich laut war, daß er sicher niemals das Öffnen der Tür hören würde. Und weil das noch nicht reichte schien er auch noch eingenickt zu sein. Bis heute frage ich mich wie diese sorglosen Gardisten es geschafft hatten den ganzen Haufen unten in den Katakomben zu erledigen. Die scheinen wohl noch sorgloser gewesen zu sein. Naja Pech für die, ich jedenfalls war es nicht. Und wenn man es schon einfach gemacht bekommt, wozu es dann schwerer machen. Ich glaube das waren damals auch meine Gedanken und ich erinnere mich noch vage das ich fröhlich gegrinst habe als ich die Tür aufschob.

Wenig später war ich im Besitz eins Wachstuchumhangs gegen den Regen, einer leichten Kettenrüstung samt Schild und Schwert und, was am wichtigsten war, eines Pferdes. Ich hatte nun wirklich genug vom Laufen, besonders weil der Schlamm meine Stiefel so aufgeweicht hatte, daß sie so naß waren als wäre ich barfuß gelaufen. Mußte ich mir nicht mehr länger antun. Nachdem ich die Rüstung angezogen und die schmale Holzkiste hinter dem Sattel festgebunden hatte tauchte dann zum ersten Mal der Gedanke in meinem Kopf auf ‚ Zja und was nun, Arsen? Wohin willst du eigentlich?‘ Hatte mir bis zu diesem Augenblick wirklich nicht die geringsten Gedanken gemacht, aber ich mußte auch nicht besonders lange darüber nachsinnen, wohin mein weg nun führen sollte.

Selina! Ich mußte sie wiederfinden! Nun war der Gedanken oder besser Wunsch ja schnell da, nur ... wo bei allen Göttern sollte ich anfangen zu suchen. In der Stadt war sie nicht mehr, daß wußte ich schon seit dem ich meinen ersten Auftrag ausgeführt hatte. Sie war kurz nach meiner Gefangennahme verschwunden und zwar sehr schnell verschwunden. Also hatte sie sicher nicht großartige Pläne gemacht für ihre Flucht, sie brauchte schnell einen Unterschlupf, in dem sie zur Ruhe kommen konnte. Und obwohl ich mir wirklich Zeit für meine Überlegungen lies fiel mir am Ende nur ihr Dorf und sie Saldorians ein, von denen sie immer mit einem warmen Lächeln erzählt hatte. Konnte gut sein daß meine Überlegungen hier falsch waren, aber es war damals der einzige Hinweis den ich hatte. An dieser Stelle meiner Überlegungen angekommen verschwand der tote Gardist in den Katakomben, dann steig ich in den Sattel des Pferdes und ließ diesen Teil meines Lebens schnell hinter mir zurück, wie immer ohne zurückzublicken.

Es dauerte schon eine Weile, bis ich das Dorf erreichte. Überall um den Wald herum machte man Jagd auf angebliche Überlebende aus dem Kloster. Also entweder war ich wohl doch nicht der einzige der entkommen war oder sie nahmen das Ganze als Grund um unliebsame Leute loszuwerden, denn ich sag einige baumeln die nun wirklich rein gar nichts mit uns zu tun hatten. Mir war das ganze ziemlich egal, denn ich selbst blieb in diesem ganzen Durcheinander völlig unbehelligt, so eine Säuberungsaktion konnte manchmal ungeahnte Vorteile haben. Ja und dann stand ich eines Tages endlich vor dem Dorf, in dem Selina aufgewachsen war.

Ich verglich wohl damals ihr Dorf mit dem meinen und wären die Häuser nicht anders aufgereiht gewesen man hätte keine Unterschied bemerkt. Die selben schmutzigen Straßen, die selben stumpfen Blicke der Bewohner, die selben Steckrübenfelder. Nun bekam ich erste Zweifel. War sie wirklich hierher geflüchtet? Selina paßte hier genauso wenig her wie einer dieser reichen Kaufmannswänste in einen Schweinekoben. Aber genau das dachten andere sicher auch, sie konnte also gar kein besseres Versteck finden. Aber solange ich auf der Anhöhe vor dem Dorf wie angewurzelt stehen blieb würde ich kaum erfahren ob sie hier war. Ich lenkte also die müden Schritte meines Zossen auf die aufgeweichte Straße die hinunter zum Dorf führte...

Die Tür geht auf und das erste was ich zu sehen bekomme ist der triefende Goldschopf Selinas als sie das Haus betritt. War ja klar das sie pitschnaß zurückkommen wird und während ich ihr wortlos ein trockenes Handtuch zu werfe bin ich auch schon auf dem Weg zum Kamin. Ich weiß, sie haßt meine Tees, aber sie haßt es noch mehr krank zu werden und deshalb wird sie ihn mit einem Murren schlußendlich doch trinken. Mal schauen was sie Neues zu berichten weiß danach...

Verfasst: Freitag 27. April 2007, 16:44
von Arsen Talmar
Früh morgens ist die beste Zeit um ungestört meine Übungen zu machen. Tagsüber ist zuviel los, immer wieder sucht jemand Selinas Rat oder ihre Geschicklichkeit mit dem Dietrich oder rennt einfach geschäftig über das Akademiegelände. Aber um diese zeit habe ich meine Ruhe, auch wenn der Wind kalt vom Meer herüberweht und um meinen erhitzten Körper kleine Nebelschwaden entstehen lässt. Aber sie sind kaum zu sehen in dem vom nassen Gras aufsteigenden Dunst an diesem wolkenverhangenen Tag…

Wolken hingen auch dicht über mir als ich damals langsam ins Dorf einritt. Überhaupt sah ich in der ganzen Zeit, die ich dort verbrachte, nicht einen Fetzen blauen Himmels geschweige denn einen Sonnenstrahl, der die Erde berührte. Sofern es so etwas wie Götter überhaupt gab schienen sie diesen teil der Welt vergessen zu haben oder zumindest nicht besonders zu mögen. Und wenn sie es schon nicht taten konnte ich diesen engen Häuserreihen mit ihren ungepflasterten und schmutzigen Strassen noch weniger abgewinnen.

Ich hatte die neugierigen Blicke hinter den halbgeschlossenen Fensterläden spüren können als ich vor dem Wirtshaus aus dem Sattel glitt. Die Ankunft eines Fremden war in den Dörfern immer etwas Besonderes und sicher war am Abend die Schankstube übervoll weil die Bauern ihre Neugier befriedigen wollten. Nur war das nicht grade das was ich gebrauchen konnte, Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, denn erstens wusste ich nicht ob mir doch noch Verfolger auf den Füssen waren und zweitens wollte ich in Ruhe nach Selina Ausschau halten. Man kann halt nicht alles haben.

Als ich das Wirtshaus betrat schlug mir der Geruch von ranzigen Fett und verschüttetem Bier entgegen. Ich bin seither in vielen solcher Spelunken gewesen, aber dieses Gemisch aus Gerüchen damals werd ich nie mehr aus der Nase bekommen, denn in solcher Stärke hab ich das nie mehr ertragen müssen. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre rückwärts aus der Tür getaumelt. Das man sich hier freiwillig aufhalten konnte wird mir für immer ein Rätsel bleiben.

Nach einer Weile hatten sich meine Augen an das halbdunkel des Raumes gewöhnt aus dem nun zuerst ein gewaltiger Bauch und dann der Rest des feisten Wirtes hervortrat. Bei meiner Falkenehre, dass der Kerl sich überhaupt noch bewegen konnte vor lauter Fett erschien mir wie ein Wunder. Hätte eher erwartet das so was rollt, aber der lief wirklich auf seinen Beinen. Seine Schweinsäuglein blitzten gierig auf als ich den Wunsch nach einem Zimmer äußerte und sicher tastete er in Gedanken meine Goldbörse mehr als einmal ab. Wirte sind doch überall gleich.

Als ich später im Zimmer aus dem Fenster sah verstand ich immer weniger wie ein solcher Ort einen Stern wie Selina hervorbringen konnte. Nein, es war nicht der Schmutz der diesen Gedanken hervorrief, es war diese Beengtheit und Sklaverei der sich die Leute hier hingaben. Das also war ihre Heimat gewesen, kein Wunder das sie ausgebrochen war. Das war nicht ihre Welt. Oder war sie es doch wieder geworden, war sie gar verheiratet mit einem der Saldorians? Ich wollte den Gedanken nicht weiterführen aber er blieb in meinem Kopf wie ein Blutegel der sich festgesaugt hatte.

Die Neugier der Bauern schlug bald in Missmut und Angst um, denn ich gab mir keine Mühe freundlich zu sein und zeigte meine Verachtung mehr als deutlich. Ein Bauernbursche, der einer der herben Dorfschönheiten imponieren wollte und meinte ich solle ihr Respekt entgegen bringen musste seinen Übermut mit einigen Knochenbrüchen bezahlen. Seitdem ging man mir aus dem Weg und ich konnte endlich in aller Ruhe nach Selina forschen. Es wäre sicher schneller gegangen wenn ich die Leute direkt nach ihr gefragt hätte, aber ich weiß bis heute nicht was mich zurückhielt.

So beobachtete ich tagaus tagein den Hof der Saldorians ohne auch nur ein Aufblitzen ihres Goldschopfes zu sehen. Ich vermute die düstere Gestalt auf der Anhöhe des Hofes verursachte von Tag zu Tag mehr Unbehagen bei den Bewohnern so dass ein Knecht endlich allen Mut zusammen nahm und sich mir näherte. Die Angst in seinen Augen beantwortete ich nur mir einem Lächeln voller Verachtung und Spott, aber wenigstens brachte er mir Gewissheit und Aufatmen, aber auch neue Rätsel. Selina war hier gewesen, ja, aber sie war schon lange wieder weiter gezogen, eine Weile nachdem sie ihren Vater beerdigt hatten der an einer Stichwunde gestorben war. Ich konnte mir denken wer den alten Säufer seine letzte Ruhe geschenkt hatte, aber das belastete mich nicht weiter.

Sie war also weiter gezogen und damit hielt auch mich nichts mehr hier. Der Wirt schickte wohl mehr als ein Dankgebet zu einem seiner Götter als ich mein Pferd sattelte und ihm das Gold in einem Lederbeutel vor die Füße warf. Niemand zeigte sich als ich an diesem Morgen das Dorf verlies und auch ich drehte mich nicht mehr um. Wozu auch, es gab hier nichts was einer Erinnerung wert war….

Die Tür geht knarrend auf und Selina lehnt nun am Türrahmen um mich eine Weile zu beobachten. Sie sagt wie immer nichts und oft ertappe ich mich bei dem Wunsch ihre Gedanken in solchen Augenblicken lesen zu können, wenn ihre Augen wieder geheimnisvoll leuchten. Aber sage man mir einen Mann der eine Frau je ganz verstehen wird…

Verfasst: Mittwoch 16. Mai 2007, 19:50
von Arsen Talmar
Wieso hab ich mich eigentlich hier rauf gequält? Ich hätte mir eine solche Frage besser gestellt, bevor ich auf diesen Berg gestiegen bin. Ausgerechnet ich, der ohnehin jede unnötige Arbeit scheue, klettere einen Berg einfach so hoch. Scheint ein enormer Anfall von Langeweile gewesen zu sein, der mich da getrieben hat. Muss aber zugeben, jetzt, da ich hier oben bin, hab ich einen herrlichen, weitreichenden Blick auf das Land unter mir als gäbe es keine Grenzen …

Einen solchen Blick hätte ich damals brauchen können als ich Selina suchte. Weitreichend und ohne Grenzen, ja das wäre gut gewesen, nur leider gab es diese Grenzen und über eine von ihnen führte mich der Weg auf Selina’s Spuren. Nicht das ich auch nur den geringsten Anhaltspunkt gehabt hätte, dazu war zuviel Zeit vergangen und das Land zu menschenleer, aber in ihr Dorf führten nur zwei Wege. Und da ich sicher war, dass sie den hinein nicht auch wieder hinausgegangen war, blieb eben nur eine Richtung, und die führte hinüber in die Baronie de Saronne.

Es regnete in Strömen, als schien ich dieses Wetter direkt anzuziehen, zumindest solange ich auf der Suche nach meinem Blondschopf war. Den Wachstuchumhang eng um mich geschlagen und leise auf diese höheren Wesen fluchend, die es liebten uns Menschen mit ihren Scherzen zu erfreuen, ritt ich doch ziemlich sorglos die Strasse entlang und direkt in einen Militärposten hinein, welcher die Grenze sicherte. Das hatte ich ja wieder fein angestellt, dabei hatte man im Dorf doch davon gesprochen, dass hier Krieg herrschen sollte. Aber nein, Herr Talmar wusste es ja besser. Esel war noch das geringste Schimpfwort, dass ich mir selbst an den Kopf warf.

Man bat mich den Umständen entsprechend höflich abzusitzen und die beiden Armbrustschützen, welche auf mich zielten, gaben der Aufforderung den nötigen Nachdruck. Die Freundlichkeit ging sogar soweit, mich in diesen Steinturm zu begleiteten, dass ich auch sicher den Weg finden würde. Der feste Griff an meinen Oberarmen war allerdings doch störend und die Stimmung meiner Begleiter doch eher als kühl zu bezeichnen. Und als sie auf der Satteldecke des Pferdes auch noch das Wappen der Stadtgarde entdeckten, wurde die Stimmung grade zu eisig. Dementsprechend war auch die Auswahl ihres Gästezimmers.

Ich saß also wieder mal in einem Verlies, oder zumindest in einem Gitterverschlag im Keller dieses Turmes, und verfluchte mich selbst wegen meines Leichtsinns. Als Spion in Kriegszeiten im Kerker sitzen bedeutete meistens bald einen Kopf kürzer zu sein und genau das würde mir jetzt blühen, wenn kein Wunder geschah. Diese verdammte Pferdedecke, wieso hatte ich sie nicht längst ausgetauscht, Gelegenheit wäre genug gewesen. Ich glaube, hätte ich einen Möglichkeit gehabt, das Kopf kürzer machen hätte ich selbst übernommen.

Als man die Zelle aufschloss und mich nach oben führte, dachte ich schon mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Der Weg führte zwar nicht nach draußen, aber nen Galgen oder Richtblock konnte man auch ganz oben auf dem Turm untergebracht haben, und wo ich mein Leben aushauchen sollte war nun wirklich gleichgültig. Während ich nun aber immer noch mit mir selbst haderte, wurde eine Tür auf und ich hineingestoßen. Ein schneller, gehetzter Blick lies mich erstmal tief durchatmen, denn hier standen weder Galgen noch Richtblock, doch dem nächsten folgte ein neueres angespanntes Luft anhalten.

Hinter einem gewaltigen Schreibtisch saß wohl der Offizier, der den Posten leitete, doch das war es nicht, was mich neue Gefahr wittern lies. Es war die offene flache Kiste mit meinen Andenken aus den Katakomben der Falken, die dort vor ihm lag, die mich misstrauisch machte, und dass dieser Offizier nun auch noch die Wachen hinausschickte, mochte mein Wohlbefinden auch nicht großartig verbessern.

Nachdem er mich eine Weile still gemustert hatte, erhob er sich und trat um den Tisch. „Die Kiste und ihr Inhalt gehören euch?“ Was nun Arsen? Zugeben oder abstreiten? Ich verlegte mich auf ein schweigsames Kopfschütteln ohne den Offizier aus den Augen zu lassen. „Euer Name?“ „ Talmar, Arsen Talmar!“ „ Nun Herr Talmar, wenn euch diese Sachen nicht gehören, werdet ihr mir doch sicher das Vergnügen machen euren Rücken begutachten zu dürfen!“ Sollte bisher noch irgendein Teil meines Verstandes geschlafen haben, nun nicht mehr, denn sämtliche Glocken die Alarm schlagen konnten taten es: Dieser Offizier kannte uns Falken!

Abstreiten hatte nun soviel Sinn, wie versuchen im Regen trocken zu bleiben und das schien er mir anzusehen. „Ich frage euch noch mal: gehören diese Dinge euch?“ „ Sie gehören mir“, erwiderte ich mit einem Nicken, worauf er sich wieder hinter den Tisch setzte. „Alleine für diese Antwort könnte ich euch hängen lassen, ihr seid euch dessen im Klaren?“ Ich verlegte mich auf ein Schulterzucken und immerhin gelang es mir äußerlich ruhig zu bleiben, während in mir ein wahres Chaos tobte. Woher wusste er diese Sachen zu deuten, woher kannte er uns Falken? Nie hatte einer unsere Auftraggeber auch nur den Zipfel unseres Umhangs zu sehen bekommen. Das konnte nur bedeuten, dass dieser Offizier ein Eingeweihter war und dass wiederum, dass es noch mehr Leute geben könnte, die meine Vergangenheit deuten könnten.

„Weshalb seid ihr hier?“ Seine nächste Frage schreckte mich aus meinen Grübeleien. „ Ich bin auf der Suche nach jemanden, den ich vor langer Zeit aus den Augen verloren habe.“ „Schwer zu glauben, findet ihr nicht?“ „Glaubt es oder lasst es.“ Wieder zuckte ich mit den Schultern. „Ist dies nun mal die Wahrheit.“ Sich zurücklehnend musterte er mich wieder eine ziemlich lange Zeit wortlos. „Selbst wenn es die Wahrheit ist, einen Mann wie euch nach de Saronne zu lassen in dieser Zeit, wäre mehr als leichtsinnig, es sei denn…“ "Es sei denn was?“ „Ihr erledigt einige kleine Aufträge für uns!“

Wie nett, dass hätte ich mir denken können, die hatten Krieg und ich sollte meinen Hals riskieren. Was ging mich deren Streitigkeiten an? „Sind wir offen, Herr Talmar, entweder ihr tut was ich sage oder eure Suche nach der Person, auf der ihr seid, endet hier.“ Ein gutes Argument musste ich zugeben, ein sehr gutes sogar. Der Kerl dort hielt im Augenblick die besseren Würfel in der Hand und so blieb mir nur ein zustimmendes Nicken. „ Ich wusste ihr seid ein gescheiter Kerl, Herr Talmar. Man lobt die Arbeit der Falken nicht umsonst.“ Er warf mir einen versiegelten Umschlag zu. „Eure Befehle für die nächste Zeit, ihr werdet sie lesen sobald ihr den Posten verlassen habt. Eure Sachen hier könnt ihr natürlich an euch nehmen.“ Er deutete auf die flache Kiste und mir war klar dass er damit auch nur diese Kiste meinte. „ Ach ja und solltet ihr die Absicht haben entgegen diesen Befehlen eure Suche fortzusetzen … ohne einen Passierschein von mir werdet ihr nicht weit kommen!“

Ich packte also die Kiste auf die Schulter und verlies den Raum, ohne mich weiter um den Offizier zu kümmern. Man machte keine Anstalten mich aufzuhalten, also schienen bestimmte Befehle schon vorher ergangen zu sein. Man hatte nicht die geringsten Zweifel gehabt, dass ich tun würde was man verlangt, bei den recht stichhaltigen Argumenten auch kein Wunder. So entfernte ich mich von dem Posten und zog mich in eine halbzerfallene Scheune zurück, wo ich mir dann diese Befehle ansehen wollte…

Heute kann ich darüber schmunzeln was ich mir damals wegen mangelnder Weitsicht eingebrockt hatte. Wäre ich weniger leichtsinnig und aufmerksamer gewesen, ich hätte mir viel Zeit damals auf der Suche gespart. Zeit .. das war das Stichwort, es wurde Zeit zurück zugehen sicher war Selina bald zurück aus Gerimor, zurück mit neuen Nachrichten über die Stürme, die über die Welt tobten, und dabei dachte ich nicht ans Wetter…

Verfasst: Dienstag 22. Mai 2007, 14:40
von Arsen Talmar
Dicke schwarze Wolken ziehen vom Meer herauf und lassen keinen Zweifel daran, dass bald ein Sturm über die Akademie hinwegfegen wird. Der weitaus mächtigere Sturm, der sich die letzten Wochen ohne Unterlass über die Welt ausgebreitet hat, ließ uns bisher ungeschoren. Die Ausläufer des Krieges zwischen Rahal und Varuna, welche sich nach Lameriast gedrängt haben, hatten die Akademie nur kurz gestreift, bevor sie vorbei gezogen waren. Trotzdem, oder grade deshalb, bin ich unzufrieden, denn ich sitze hier nur untätig herum. Dabei juckt es mich in den Fingern, dass freiwillig zu tun, wozu man mich damals zwingen musste …

Bevor ich die Scheune betrat, warf ich noch einmal einen Blick zurück zum Grenzposten mit seinem Wehrturm. Wieso ließ ich mich von diesem Offizier benutzen? Weshalb ging ich nicht einfach meiner Wege? In den ganzen Kriegswirren unterzutauchen war so einfach, wie einem Betrunkenen seine Goldbörse abzunehmen. Aber allein schon der Gedanke, dass ein Fremder wusste, wer oder was ich war, bereitete mir fast körperliche Schmerzen. Ich musste dafür eine Lösung für diesen Zustand finden und das konnte ich nicht durch einfaches Untertauchen. Also erstmal das Spiel des Offiziers mitspielen.

Eher gelangweilt, denn wirklich schlecht gelaunt, öffnete ich den Brief und las mir die Befehle des Herrn im Turm sorgfältig durch. Viele waren es nicht, die da standen, aber sie würden mich längere Zeit beschäftigen:
- Sammeln von Nachrichten aus Greifenfels
- Zeichen von Karten über Verteidigungsanlagen
- Unruhe und Verwirrung stiften im Hinterland
- Beseitigung des kommandierenden Offiziers der Grenztruppen Greifenfels
Des Weiteren hatte ich mich binnen 6 Tagen mit einem Eingeweihten in Greifenfels zu treffen, ansonsten erkläre er mich für vogelfrei.

Na wunderbar! War ich erst einmal vogelfrei konnte ich meine Suche nach Selina vergessen. Das hatte er sich ja fein ausgedacht, der Herr Offizier. Ich konnte natürlich versuchen ihn innerhalb dieser Frist mundtot zu machen, aber die Gefahr zu scheitern war groß und vielleicht bot sich die Gelegenheit dafür ja, nachdem ich diesen Eingeweihten getroffen hatte. Ich musterte kurz die beigefügte Karte. Nicht grade in der Nähe der Treffpunkt, da galt es keine Zeit zu verlieren. Ich stopfte also den Wisch in die Tasche, schulterte die Kiste und machte mich zu Fuß auf den Weg.

Lange ging ich allerdings nicht zu Fuß, ein netter Reisender überließ mir sein Pferd. Gut ich gebe ja zu nicht ganz freiwillig aber als Futter für die Wölfe brauchte er die Stute eh nicht mehr. Vorher hatte ich abseits aller Wege die Grenze passiert, noch zu Fuß versteht sich. Obwohl, also von Krieg war herzlich wenig zu spüren oder zu sehen, als das ich mich großartig verbergen musste. Gut, es gab Patrouillen und die Grenzen waren geschlossen und sehr gut bewacht, aber sonst schien alles wie im tiefsten Frieden. Die paar Bauern, mit denen ich mich unterhielt, hielten das ganze Kriegsgerede für einen schlechten Scherz. Ich langsam auch zugegebener Massen.

Den Eingeweihten traf ich in seiner Hütte im Wald. Er bat mich herein und erzählte mir, dass er vor Jahren hier als Holzfäller niedergelassen hatte und so ab und zu die Grenze beobachtete. So was erzählte er einem ihm völlig Fremden. Ich wand mich innerlich bei soviel Naivität und Unverstand. Wenn meine Auftraggeber alle so waren, na dann gute Nacht! Auf vorsichtiges Nachfragen erfuhr ich wenigstens, dass der Holzfäller immer wieder bei dem Offizier Bericht erstatte, war also richtig gewesen erstmal hier aufzutauchen.

Ich blieb die Nacht dort, um mich wieder einmal richtig auszuschlafen und den Magen zu füllen, solche Möglichkeiten sollte man einfach nicht auslassen, ein Strohlager ist alle mal besser wie der harte Waldboden. Am nächsten Tag ritt ich weiter, nachdem mir der Kerl mehrmals einschärfte, ich solle doch nach Ablauf eines Mondes wieder bei ihm aufkreuzen, um mein gesammeltes Wissen weiter zu geben. Als ob der damit auch nur das Geringste anfangen konnte.

Die nächste Zeit ritt ich einfach durch das Land und sah und hörte mich um. Aber egal wen ich fragte oder in welcher Taverne auch immer ich meine Ohren aufhielt, über diesen Krieg lachten alle. Das ganze schien nun schon vier oder fünf Monde anzudauern und bisher war noch nicht ein Pfeil oder Armbrustbolzen verschossen worden. Man wäre ja durchaus bereit aber eher würde ein Greifenfelser seinen Fuß nach da Saronne setzen wie umgekehrt. Nun wunderte es mich langsam nicht mehr, dass man mich hierher geschickt hatte.

Aber selbst von einfältigen Bauern oder trunkenen Großmäulern einer Taverne, erfährt man durch Andeutungen, wo sich Kasernen und Verteidigungsanlagen befanden. Zwar reichte die Zeit nicht mehr sie aufzusuchen, aber ich hatte auch nicht angenommen innerhalb eines Mondes hier wieder weg zu kommen. Bevor ich zu dem Holzfäller zurück ritt, zeichnete ich noch zwei Karten zweier Grenzübergänge, dann musste ich mich auch schon sputen um nicht zu spät zum Treffpunkt zu kommen …

Aber selbst das Aushorchen der Leute mache ich hier kaum, ist man doch so sehr drauf erpicht ja die Akademie aus allem herauszuhalten. Würde ich für alle Kochen, hätte ich mehr zu tun als augenblicklich. Aber damit ist nun Schluss, ich pfeife auf das brave Stillhalten! Selina und ich sind nun mal was wir sind und wir werden uns wegen einer Akademie sicher nicht zu Temora Anhängern verwandeln. Eher wird das Gegenteil der Fall sein …

Verfasst: Sonntag 10. Juni 2007, 12:52
von Arsen Talmar
Spät ist es wieder einmal geworden, wie so oft in den letzten Tagen. Wir könnten fast ein eigenes Schiff brauchen, vergeht doch kaum ein Tag, an dem wir nicht in Bajard sind, um dort interessante Neuigkeiten zu erfahren. Anfangen können wir damit zwar wenig, noch immer wird von uns Zurückhaltung verlangt, aber Selina lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Zu sehr machen ihr meine Stiemungsschwankungen zu schaffen und so achtet sie darauf, dass bei mir kein Müßiggang entsteht. Sie hat ja auch Recht, Untätigkeit lässt einem einrosten und sorglos werden, und das ist für jemand wie uns gefährlich. Damals hatte ich solche Schwierigkeiten nicht, denn untätig war ich nie gewesen, im Gegenteil...

Fast vier Monde war ich nun schon in Greifenfels und mit jedem Tag fragte ich mich mehr, weshalb man mich hierher geschickt hatte. Meine Aufgabe hätte jeder machen können, so sorglos war man hier. Mehr als einmal spazierte ich ohne große Schwierigkeiten in eine der Befestigungen oder Kasernen, um mich dort umzusehen, und man erzählte mir sogar oft noch, wozu die eine oder andere Befestigung erbaut war. Als wäre das nicht schon genug, sahen mir oftmals Soldaten auf einer Anhöhe beim Zeichnen zu und machten mich aufmerksam, wenn mir etwas entgangen war.

Es war schon eine sonderbare Art von Krieg, die ich hier erlebte. Wie sah es dann wohl hier aus wenn Frieden herrschte ... vielleicht flogen einem ja gebratene Tauben einfach so in den Schoss. Unfassbar für jemand wie mich, der gewohnt war seine Waffe nie aus der Hand zu legen, und wäre ich nicht gezwungen worden hierher zugehen, weit ab der Spur Selinas, ich hätte dem ganzen einiges abgewinnen können. So aber ärgerte ich mich nur mehr als einmal über die Zeit die ich verlor mit einer Aufgabe, die jeder Rekrut hätte erfüllen können. Sogar einer, den man direkt vom heimatlichen Feld geholt hätte.

Wie hätte ich hier nur Verwirrung stiften sollen und vor allem wozu? Schön, hätte ein Heer aus de Saronne an der Grenze gestanden, mir wären sicher einige Möglichkeiten eingefallen, aber so? Vergeudete Zeit und Kraft, mehr wäre es nicht gewesen. Und auch der Auftrag den Kommandeur zu beseitigen .. irgendwie eigne ich mich nicht für feinen Zwirn und edle Schühchen, aber so etwas hätte ich gebraucht, denn der Herr kommandierte wohl lieber seine Dienstboten zu Hause, und seine ganze Aufmerksamkeit galt den feinen Damen auf den Bällen in Greifenhorst. Nahe der Grenze hatte ich ihn jedenfalls während meiner ganzen Zeit dort nicht einmal gesehen. Ob der überhaupt wusste, wo sein Kommando lag?

Mein Auftraggeber jedenfalls schien mit dem, was ich ihm zukommen lies mehr als zufrieden zu sein, denn der Holzfäller übermittelte mir sogar einmal ein Lob des Offiziers. Ich frage mich noch heute, wie arrogant und selbstherrlich man doch sein muss jemand zu erpressen und dann noch zu denken, man wäre nicht in Gefahr, und das auch noch, wenn man um die Gefährlichkeit dessen weiß, was man da losgeschickt hat. Ich hatte jedenfalls schnell herausgefunden, dass mein Tun nicht überwacht wurde und von diesem Augenblick an kreisten meine Gedanken nur noch um eine Sache: wie diesen lästigen Mitwisser beseitigen, ohne dass es auch nur die mindeste Aufregung gab.

Und dann sagte mir dieser Holzfäller doch tatsächlich, mein Sorgenkind wolle sich selbst von der Richtigkeit und Genauigkeit meiner Karten und Berichte überzeugen. Das muss man sich mal vorstellen, kommt die Beute einfach mal so vor den Bogen des Jägers, bei so was könnte man ja glatt an Götter und solchen Krams glauben. An dem Abend genehmigte ich mir erst einmal einen guten Tropfen Wein in einer der vielen Tavernen, die es hier gab. Ich durfte nun nur nicht übermütig werden, sicher kam der Herr nicht alleine. So dumm konnte der nicht sein, zumindest hatte ich noch keine so dummen Offiziere gesehen.

Er kam mit vier Mann zum Haus des Holzfällers, schien also doch nicht ganz so mutig zu sein wie es erst den Anschein gehabt hatte. Eigentlich hätten sie für mich ein gewaltiges Hindernis bedeutet, wenn... ja wenn es kampferprobte Veteranen irgendwelcher Schlachten gewesen wären. Aber was er mitbrachte waren Männer seiner Grenzwachen, die höchstens alte Leutchen erschrecken und durchsuchen konnten, aber nicht wirklich die Bewachung des Kerls da in der Hütte. Das alles beobachtete ich aus der Krone eines Baumes, der in der Nähe stand und den ich erst tief in der Nacht verlies.

Es war dann sogar noch leichter, als erwartet, denn nicht einer der vier Wachen hielt seine Augen offen. Sie konnten sie nie mehr aufmachen, um zu erkennen welch grober Fehler das gewesen war, dafür sorgte ich in dieser Nacht. Die beiden anderen nun im Schlaf zu überraschen war auch keine Schwierigkeit mehr, hatten sie doch einige Flaschen guten Rotweins geleert und ihr Schnarchen übertönte selbst das laute Knarren der Türe. Wie hatte mein Lehrmeister gesagt? Zuviel Wein und Bier kann tödlich sein und er hatte Recht. Mag sein, dass er diese Weisheit nicht unbedingt so gemeint hatte, wie ich sie damals anwandte, aber sie war deshalb ja nicht weniger wahr.

Alles was ich dann noch tat war die Wachen ins Haus zu schleppen und das ganze anzuzünden, um meine Spuren zu beseitigen. Danach ritt ich mit fünf Pferden ohne Brandzeichen davon, die ich am nächsten Tag einem Bauern verkaufte und so meinen Beutel füllte, dann hielt mich hier nichts mehr. Mochten sie sich irgendwann die Köpfe einschlagen, mich ging das nichts mehr an. Ich konnte endlich die Suche nach Selina wieder aufnehmen….

Selina ruft mich, da das Essen fertig ist. Ich hätte nie gedacht, dass sie einmal würde Kochen können, aber sie hat mich überrascht. Sie hat es gelernt und ich muss sagen sogar sehr gut. Ich werde ihr nach dem Essen helfen, das Geschirr abzuwaschen, als kleine Wiedergutmachung für meine Launen, die sie die letzte zeit ertragen musste. Und wenn ich genau überlege, weshalb bin ich eigentlich so brummig? Wurde mir nicht damals beigebracht Geduld zu haben? Mag sein das wir heute noch nicht unbedingt viel zu Tun hatten, aber die Zeit für uns würde kommen, und dann hieß es bereit sein. Und Jammern war eigentlich nicht die Art von Bereitschaf,t die wir brauchten…

Verfasst: Sonntag 29. Juli 2007, 19:05
von Arsen Talmar
Hatte ich mich wirklich vor Tagen noch beschwert, ich hätte nichts zu tun? Das scheint wohl jemand gehört zu haben und nun werde ich geradezu mit Arbeit überschüttet. Die bevorstehende Hochzeit, Richards Rückzug aus der Gilde und Rückkehr nach Varuna, was mir die Leitung der Akademie bescherte, nein, über Langeweile kann ich wirklich nicht mehr klagen. Hochzeit, ja endlich werden Selina und ich heiraten, verbunden durch einen Druiden im Namen Eluives. Wenn mir das damals jemand gesagt hätte, ich glaube ich hätte ihn ausgelacht….

Der Spur einer Frau zu folgen ist ja schon schwierig genug, aber der Weg, den Selina gegangen war, glich dem planlosen Gekritzel eines Wahnsinnigen. Mehr als einmal musste ich feststellen, dass ich den falschen Weg eingeschlagen hatte und es dauerte Tage, bis ich wieder dem richtigen folgte. Nun ja, ein Gutes hatte das Ganze zumindest, ich lernte die Grafschaft besser kennen als ihre Bewohner, ich glaube, es gab keinen Fleck den die Hufe meines Pferdes nicht betreten hatten. Ich frage mich noch heute, was sie bewogen hat, so herum zu irren, eines Tages werde ich sie vielleicht danach fragen.

Und alleine schien sie auch nicht mehr zu sein, immer öfter hörte ich, dass sie in der Begleitung eines Rotschopfes gewesen sei. Scheinbar hatte sie eine Freundin gefunden, der es egal war wer oder was mein Stern war. Es beruhigte mich doch irgendwie Selina nicht alleine zu wissen, es gab nun jemand der verhindern konnte, dass sie Dummheiten machte und nahm mir wirklich einen Teil meiner Angst. Natürlich machte es mich auch neugierig, denn jemand, dem Selina soviel Vertrauen schenkte und dauerhaft an ihrer Seite duldete, dieser jemand war sicher mehr als interessant.

Tja und dann stand ich irgendwann im Hafen von Monchamps, des größten Hafens von de Saronne. Nicht dass es schwer gewesen wäre, herauszufinden wohin Selina verschwunden war. Was hätte sie hier im Hafen schon anderes tun sollen, als ein Schiff zu besteigen, hätte ich ja auch gerne getan, nur leider war die Aronde de mer, das Schiff, mit welchem sie verschwunden war, ausgelaufen und da ich nun mal nicht so gut und schnell schwamm wie sie vor dem Wind segelte, hieß es nun wieder einmal warten und die Suche nach meiner Herzensdame unterbrechen.

Ich hörte in der Zeit viel über sie, wie sie mit den Männern gespielt hatte und nie einen erhörte, wie wieder einmal einer der Abgewiesenen auf Rache gesonnen und sie im letzten Moment verschwinden konnte. Ich machte mir das Vergnügen den Herrn kennen zu lernen, eigentlich war’s das mehr für mich, als für ihn, denn ich machte ihm meine Aufwartung, natürlich des Nachts und ungesehen. Im Laufe unserer, hmm Unterhaltung ist er leider verstorben, vielleicht war der von mir angebotene Aderlass doch zu heftig gewesen. Ich mag es nun mal nicht sonderlich, wenn jemand Selina mit seinem Hass verfolgt, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Es war ne hübsche Aufregung wegen des Brandes im Viertel der reichen Kaufleute, den ich gelegt hatte, damit niemand die Leiche findet, was mich aber weniger interessierte. Einige Tage später traf dann auch die Aronde de mer im Hafen ein und so erfuhr ich dass Selina in einem Fischernest mit Namen Bajard an der Südspitze Gerimors an Land gegangen war. Zuerst wollte dieser Kapitän mit einem Blick auf meine Kleidung mich abweisen, aber der prall gefüllte Beutel mit Gold stimmte ihn dann doch milde. Ich verkaufte alles, was mir hinderlich schien und drei Tage nach dem Einlaufen verließ das Schiff schon wieder den Hafen und nahm Kurs auf Gerimor.

Die Fahrt stand unter keinem guten Stern, denn wir gerieten von einem Sturm in den nächsten, und mein Magen ließ mich deutlich spüren, was er von der Seefahrt unter diesen Bedingungen hielt. Zum Glück gab es genug schönes Wetter, damit er sich immer wieder beruhigen konnte und ich bei Kräften blieb. War auch nötig, denn so konnte ich dem Schwarzbart von Kapitän helfen, als sein Steuermann meinte, er wäre viel besser für diesen Posten geeinigt. Kurz darauf schwamm er bei den Fischen und der Rest der Mannschaft beeilte sich zu versichern, wie zufrieden sie doch wären. War natürlich keiner, aber nach dem Tod des Meuterers waren sie doch ziemlich eingeschüchtert.
Aber auch diese Fahrt ging vorbei und endlich machten wir in Bajard fest. Ich machte dass ich schnellstens von Bord kam, der feste Boden war mir so willkommen, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Mit meinen wenigen Habseeligkeiten machte ich mich auf den Weg zu Taverne, die mir der Kapitän beschrieben hatte, denn wenn ich die Spur von Selina wieder finden konnte, dann sicher dort….

Wenn ich mir überlege, ist das alles gar nicht mal so lange her, wenn man die Zeit rechnet, die ich auf der Suche nach ihr war, und doch sind schon wieder Monate vergangen, als ich das erste Mal den Boden Gerimors betrat. Aber bereut, nein bereut hab ich all die Entbehrungen auf der Suche nie und bald folgt auch die Belohnung, der schönste und wertvollste Schatz ist dann mein... meine Selina…

Verfasst: Montag 28. Oktober 2013, 21:17
von Arsen Talmar
Niemand hätte das kleine, rauchlose Feuer bemerkt ohne zwischen die verbrannten Mauerreste zu treten. Kaum Wärme spendend flackerte es vor sich hin, gerade genug Licht verbreitete es dass man die schwarzgekleidete Gestalt bemerkt hätte welche vor ihm kauerte. Leblos schien sie, zu Stein erstarrt, keine Regung, keine Bewegung zeigte sich an ihr, einzig mit ebenso leblos blickenden Augen in das Flackern starrend. Hätte man jedoch in ihr Innerstes geblickt wäre man erschrocken vor dem Sturm zurückgewichen, welcher in ihr mit zerstörerischer Gewalt tobte... ein Sturm aus Enttäuschung, Zorn, Unverständnis und Eiseskälte.
Endlich, wie unter Zwang, begann sich die Gestalt zu regen, ihr Griff ging zu dem kleinen Buch das neben ihr lag, jenes Buch das er fast vergessen hätte und doch immer bei ihm gewesen war. Nun, da der Anfang gemacht, wurden die Bewegungen flüssiger, öffnete sich das kleine Buch fast von alleine und dann huschte die Feder über die Seiten, geradeso als hätte sie ein Eigenleben entwickelt....


28. Goldblatt 256

Kühle Nacht hier in den Wäldern, kaum Sterne am Himmel, starker Wind kommt auf. Starker Wind, der nur eine laue Brise ist gegen das was in mit tobt. Wie hatte ich nur so dumm und naiv sein können davon zu träumen ein normales Leben führen zu können, zusammen mit einer Frau alt werden, Abende in trauter Zweisamkeit vor dem Kamin. Träume eines Narren, der vergessen hatte wer er war, eines Narren der nun erlebt hatte was hinter diesem idyllischen Bild eines normalen Lebens lauerte. Ja, ich hab es kennengelernt, jenes so ersehnte Leben, jene so hoch geachtete Moral und Sitte der normalen Menschen und endlich jenes Ungeheuer dahinter entdeckt, jene Fratze aus Verlogenheit, Eifersucht, Zankerei und Neid. Ich habe erlebt wie sie sich lächelnd umarmen und tiefe Zuneigung heucheln während sie im Geheimen schon das Gift verstreuen welches ihr Gegenüber dahinsiechen lassen soll, ohne zu bemerken dass das selbe Gift bereits in ihnen selbst wirkt. Würden sie ihr Innerstes nach Außen kehren würde so manch liebreizendes Antlitz zur dämonischen Fratze deren Anblick alleine den Tod bringen würde. Und das hatte ich für mich erlangen wollen?
Nein, da ist mir die Ehrlichkeit des schnellen Stahls, die Zuverlässigkeit des tödlichen Giftes, die Schnelligkeit des verschossenen Bolzens lieber. Sie, meine tödlichen Freunde, sie waren es auf die ich mich immer verlassen konnte, ebenso wie auf Faile, meinem treuen Hengst, der hinter mir im Schatten wartete und der mich nie enttäuscht oder im Stich gelassen hatte. Das war meine Welt, die Welt aus Blut und schnellem Tod, das war ich selbst... das leibhaftig gewordene Gift! Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht, doch man hat mir nie wirklich eine Chance gelassen. Nun gut sie wollten mich nicht als Freund und Kameraden, nun dann sollen sie eben mit dem leben was sie mit erschaffen haben, stärker und unversöhnlicher als jemals zuvor. Der Kreis hat sich geschlossen ..nun kehre ich zurück in mein altes Leben, das Leben aus Kälte und Tod! Willkommen zuhause, Arsen Talmar!

Das Buch klappte mit lautem Schnappen zu und verschwand unter dem Wams, das leere Tintenfass und die Feder glitten achtlos zu Boden, als er sich erhob. Die Augen, vor Stunden noch leblos und leer, nun waren sie kalt und hart als er langsam das Feuer austrat. Ohne gerufen zu werden tauchte der große, graue Schatten des Hengstes neben ihm auf und kluge Augen sahen ihn an. „Nun sind wir wieder alleine, mein alter Freund!“ Arsen strich dem Hengst durch die Mähne und dieser stupste ihn vorsichtig an als wolle er ihn auffordern endlich aufzubrechen. „Du hast recht, mein Großer, es wird Zeit für uns!“ Er schwang sich in den abgewetzten Sattel auf dem Rücken des Hengstes und schob Schwert und Rapier auf den Rücken. Einen kurzen Augenblick wendeten sich die kalten Augen dorthin wo er für einige Momente glücklich gewesen war und die Kälte verlor sich etwas. Er würde sein Versprechen halten und weiter wachen, wie er es immer getan hatte, doch nun wieder im geheimen, der ewig wachsame Schatten. Dann wandte er sich abrupt ab und Faile trabte auch schon hinaus aus den Bäumen, ein Trab der bald in trommelnden Galopp überging, begleitet, wie einem Omen gleich, vom Schrei eines Raubvogels, der in der Morgensonne auf Jagd ging...