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Fehlende Konzentration

Verfasst: Freitag 12. Januar 2007, 19:29
von Teira
Wie ein Delphin munter zwischen den Wellen des riesigen Ozeans spielt, so sprang die Nadel schnell und eifrig durch den wallenden Stoff und zog den Faden mit sich. Nah am Ufer entlang geradeaus, hinabtauchen, Unterwasser ein Stückchen zurück, wieder auftauchen und ein Stück geradeaus, wieder hinab… der silbern glänzende, längliche Körper zog eine perfekte, feine Linie am Rand der sich bauschenden Materie entlang…

Teira war zwar jung an Jahren und ging erst seit kurzem der Berufung des Schneiderns im Inselreich Alathair nach, doch war sie mit den Nähutensilien schon recht geschickt. Wenn sie Farben für Kleidungsstücke ihrer Kunden zusammenmischte, kamen immer exakt die gewünschten Töne heraus und das Farbgemisch verteilte sich unter ihrer Hand stets schön gleichmäßig auf dem Stoff. Auch mit Nadel und Faden war sie äußerst geschickt, ihre Stiche waren fein und präzise – eines Tages, wenn sie alle Künste des Schneiderns besaß und ihr Können weiter perfektioniert hatte, würde sie darin eine Meisterin werden und über alle Länder würden die Menschen Kleidungsstücke mit ihrem Siegel tragen…

Au! Nein, jetzt hatte sie sich schon wieder mit der Nadelspitze gestochen! Das passierte ihr in letzter Zeit ziemlich häufig… Sie dachte einfach zuviel nach und konzentrierte sich nicht auf ihre Arbeit. So würde sie keine Meisterschneiderin werden! Und außer nähen und färben konnte sie doch kaum etwas richtig… Wenn sie einmal später einen Mann haben sollte, musste sie auch Kochen können und das hatte sie bis zu diesem Tage noch nicht beherrschen gelernt.
Nun, vielleicht fand sie ja einen Mann, der selbst kochen konnte, dann würden gute Fähigkeiten darin für sie nicht nötig sein. Doch wo fand man solch einen Mann?

Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als ihre Gedanken zu den Nachtstunden vor zwei Sonnenaufgängen wanderten. Ja, sie hatte einen solchen Mann kennengelernt und nun musste sie schon seit der Nacht des Dunkelhoftreffens ständig nur an ihn denken. Sie war erstaunt, dass ihre Konzentration gleich flöten ging, wenn der Gedanke an ihn plötzlich ohne Warnung über sie kam, doch wer würde das diesen schönen, ausdrucksstarken Augen nicht vergeben…? Trafen sich ihre Augen mit den seinen, fühlte Teira sich in einen sonnendurchfluteten Wald gezogen und sie roch förmlich die frische rehbraune Rinde und die duftenden Holzfasern, die feuchtwarme Erde, die holzigen Pilze, die überall zwischen den großen Wurzeln der Bäume wuchsen…
Ein Naturmensch ohne gleichen, in seinen grünen Kleidungsstücken, dachte sie amüsiert, versteckte er sich zwischen Büschen im Forst – man würde ihn kaum ausfindig machen können!

Ihr fiel auf, dass sie schon wieder schmunzelte, weil sie an ihn dachte. Er konnte sie immer zum Lachen bringen. Egal, welche Stimmung sie vorher gehabt hatte, ihm gelang es sie wieder fröhlich zu machen.

Als sie aus ihren Gedanken erwachte, wurde sie sich der erst halbverarbeiteten Stoffstücken in ihrem Schoß bewusst und seufzte leise. Sie hatte wieder ihre Konzentration nicht beim Nähen halten können, sondern war in Gedanken in ferne Welten entschwebt.
Nun hatte sie keine Zeit mehr. Bald brach die zwanzigste Stunde des Tages an und da musste sie beim Dunkelhof sein, denn sie wollte dem Kochkurs beiwohnen, den eine der Bewohnerinnen veranstaltete - Vielleicht konnte diese ihr etwas beibringen.
Und wahrscheinlich würde sie auch ihn sehen…

Als sie ihr Nähzeug und die unfertige Arbeit fein säuberlich in ihr Schränkchen legte, ihre Robe überzog und aus dem Haus eilte, lag ein strahlendes Lächeln echter Vorfreude auf ihrem Gesicht.

Perfektionistin

Verfasst: Samstag 13. Januar 2007, 00:09
von Teira
Einige Monde gingen ins Land...

Weil sie oft auf den Feldern ausgeholfen hatte und ab und an als Schneiderin gebraucht wurde, hatten ihr die Bewohner und Besteller des Dunkelhofes Obdach in dem Magdzimmer angeboten und Teira hatte überglücklich zugesagt.
Es war schwer gewesen sich in einer neuen Nacht immer wieder um eine Unterkunft zu bemühen. Am ehesten waren kleinere Gasthäuser dazu bereit gewesen, sie für ein paar Nächte aufzunehmen.
Nun war das vorbei. Sie konnte auf dem Dunkelhof ein- und ausgehen, wie sie wollte. Und nicht nur das...

Ihr Herz erwärmt sich bei dem Gedanken an den großen, Wärme und Ruhe ausstrahlenden Körper in der Kleidung, die immer an einen tiefen, idyllischen Wald erinnert, sich mit der Ausstrahlung der Augen verbindet und Teira immer wieder zum träumen bringt. Sie war überzeugt, niemand war ihr je wichtiger gewesen!
Oder doch...

Ihr liebster Lugario war, wie ihr Bruder gewesen war... der gleiche Typ Mann. Eher kindisch und doch zuverlässig, eigenwillig und doch verantwortungsbewusst, Geborgenheit schenkend und doch oft auch ein bisschen abenteuerlich. Gäbe es das Wort "perfekt" für Teira, dann würde sie beide Männer kurz und prägnant damit bezeichnen.

Ihre Arbeit lässt den Begriff der Perfektion kaum zu. Für sie kann Schneiderware gar nicht perfekt sein, immer geht es noch etwas besser. Nicht selten bürdete sie sich damit eine schwierige Aufgabe auf, denn perfekt konnte doch gar nichts werden. Trotzdem strebte sie immer ein Resultat in ihrer Arbeit an, wofür sie das fast schon tabuisierte Wort gebrauchen können würde.
Teira fand ihre Fähigkeiten unausreichend. Sie brauchte einen Lehrmeister... so schnell wie möglich.


Am späten Abend sitzt im Kerzenschein am Küchentisch eine zierliche Gestalt, die sich über ein Pergament beugt und die Feder in langen, kursiven Buchstaben darüberfahren lässt. Teira verfasst ein Lehrstellengesuch, um es in einige Städte aufzuhängen.

Auf dass sich bald jemand bei ihr meldet.

Arbeit und Freizeit

Verfasst: Samstag 17. März 2007, 23:07
von Teira
Einen Mond und wenige Wochen später...

Das Gesuch war endlich beantwortet worden!
Frau Leana Leador war so freundlich und nahm Teira als Lehrling in ihrer Nähstube am nordwestlichen Strand von Geriomor auf. Trotz ihrer Warnung, dass sich dorthin nicht viele Kunden verirren würden, hatte die junge Schneiderin sogleich zugesagt und war den Tag darauf hingeritten.
Nach einem längeren Gespräch wurden Aufgaben und Gegenleistungen von Seiten Frau Leadors besprochen und ausgemacht.

Schnell hatte Teira sich eingearbeitet und auch schon ihren ersten Auftrag ganz alleine vollendet. Die hundert guten, wenig verzierten Kleider für Tesandre in Varuna wollte Frau Leador bei Fertigstellung sofort liefern und Teira sollte sogar einen kleinen Teil des Lohnes bekommen. Bei dieser Aufgabe musste sie den kleinen Teil ihres Willens, der sie immer absolute Perfektion anstreben ließ, etwas zurückschrauben, denn sonst wäre sie wohl bei der Menge an Kleidern wahnsinnig geworden, wenn sie bei keinem auch nur ein bisschen zufrieden gewesen wäre. Doch aus einem entspannterem Blickwinkel ohne Druck betrachtet, hatte Teira die Aufgabe mit Bravour vollendet, auch wenn sie ab und an einiges an Stoff wegwerfen musste, da nicht immer jeder Handgriff funktionierte und sie sich verschnitt oder vernähte.
Im Großen und Ganzen lief es in der Arbeit also ganz gut.

Beschwingt stand sie an diesem Tag aus dem Bett im Dunkelhofer Magdzimmer auf, den vom Schlaf zerdrückten Körper in die Länge ziehend und aufrichtend. Vor der Tür kam ihr auf einmal ein neues Gesicht entgegen. Eleyni Sterntal wurde vor ein paar Tagen auf dem Dunkelhof eingestellt und musste sich noch ein bisschen in die Arbeit und den Alltag auf dem Anwesen einleben. Doch das würde schnell gehen.
Bei dem gemeinsamen Abernten eines der Felder und Beieinandersitzen am Feuer lernte Teira das blonde, junge Bauernmädchen näher kennen, das ihr von Anfang an sehr sympathisch war. Sie beide waren ungefähr gleich groß, hatten beide strahlend grüne Augen und in ihrem Charakter auch ziemlich ähnlich.
Eleyni war sehr interessiert an dem Schneiderberuf und bat Teira, ihr einiges zu nähen, was sie in ihrer hilfsbereiten Natur natürlich sofort mit Freuden tat. Mit dem alten Zeug, was sie noch anhatte konnte man ja auch nicht auf Dauer umherrennen.

Nun besaß die muntere, kleine Bäuerin Kleiung in hellem und bräunlichem Lila, was ihr wirklich ausgenommen gut stand. Allerdings wollte sie Teira für diesen Gefallen entlohnen und ließ sich davon nicht abbringen. Die Schneiderin würde sich irgendwann revanchieren, selbst wenn Eleyni etwas dagegen haben würde.

Im Bett grübelte Teira noch viel über den Tag nach.
Die jüngere Bäuerin war ihr wirklich sehr sympathisch.
Ein Lächeln zog sich warm über ihr Gesicht und sie dachte, dass aus dieser Bekanntschaft vielleicht eine gute Freundschaft werden konnte...
Das war es, was ihr noch fehlte... eine Freundin, der sie alles erzählen konnte, und der sie auch zuhören und Ratschläge geben würde, wenn es ihr mal nicht so gut ging...
Doch sowas ließ sich nicht vorhersehen.

Die Zeit würde es zeigen.

Verfasst: Samstag 7. April 2007, 15:42
von Teira
Der Frühling zog ins Land...

Herrlich war es nun einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen und die Welt beim Erwachen aus der Winterstarre zu beobachten. Sich einfach mal unter einen Baum in den Sonnenschein setzen und gar nichts tun...
Doch immer wieder fiel Teira etwas anderes ein, was sie machen musste oder konnte. Ihre Arbeiten in der Schneiderei Leador mussten erledigt werden, sie sollte unbedingt wieder auf dem Dunkelhof beim Ernten etwas helfen, jemanden besuchen, den sie kannte... Da bleibt nicht viel Zeit für das Nichts-tun.

Außer solchen Wünschen brachte der Frühling noch viel mehr. Lugarios Schwester war gekommen, die schüchterne, aber sehr nette Marissa. Teira hoffte so herzlich und ehrlich, dass sie auf dem Hof eingestellt werden würde, sie hoffte es allein schon wegen ihrem Liebsten, der seine Schwester am liebsten bei sich haben wollte.
Auch Eleyni war von Marissa angetan und flüsterte gleich zu ihr, wie sympatisch sie sie fand.
Die drei Frauen verstanden sich auf Anhieb recht gut.

Nur um Lugario machte sich Teira etwas Sorgen... seit er von seiner Reise zurückkam, war er irgendwie komisch. Marissa's Ankunft hatte ihn sehr fröhlich gemacht, doch dass er dennoch ziemlich oft in Gedanken und Überlegungen versunken war, verhinderte das nicht.

Teira selbst dachte oft daran, wann sie endlich ein Haus suchen würden, und ob sie eines in der Nähe des Dunkelhofes finden würden oder bauen konnten... oft dachte sie bei der Schneiderarbeit daran... und oft ging deshalb ihre Konzentration wiedermal flöten.
Wie gut dass Leana es nicht bemerkte, da Teira's Finger trotzdem nebenher die Arbeit machten, allerdings langsamer und ab und an auch ungenauer. Nun, selbst das würde sie schon bald lernen und ihre Finger würden ganz von selbst eine perfekte Arbeit machen.

Bis dahin würde es wohl schwer werden. Aber sich allzuviele Sorgen zu machen, das war selten Teira's Sache, nur ihre Konzentration lies nach und fehlte bisweilen...

Verfasst: Dienstag 17. April 2007, 18:24
von Teira
Wieder einmal saß sie in der Schneiderstube von Leana Leador, übte ihre Finger am Nähen von einigen Hüten, für die sie in letzter Zeit eine Schwäche entwickelte, während sie auf Kundschaft oder ihre Meisterin wartete. Sie liebte es, Blumen und Blätter auf die Hüte zu stecken, Schleifen um das Kopfteil zu binden oder ein paar Muster in die Krempen zu nähen. Einige Exemplare wurden einmalig hübsch und Teira verstaute sie sorgfältig in ihren Kisten in der Schneiderei oder dem Dunkelhof.

Als sie wieder einmal eine nette, beige Kappe mit aufgebundenen Kornblumen vorsichtig in ihren Rucksack steckte und nochmal sacht über den Stoff strich, dachte sie lächelnd an Eleyni. Teira hatte sie gestern Abends auf dem Hof sehr beschäftigt angetroffen und hatte sich daher ruhig in den Lehrhof gesetzt, um einen neuen Hut anzufangen. Vielleicht konnte Eleyni einen gebrauchen, schließlich schüttete es draußen wie aus Eimern...

Tatsächlich war sie interessiert und Teira färbte ihr den neuen Schlapphut in einem warmen Erdbraun ein. Scheinbar traf sie Eleynis Kopfgröße ziemlich genau, denn der Hut passte ausgezeichnet, was beide Frauen sehr freute.

Nachdem die zwei nach langem Geplapper ins Bett gegangen waren und Eleyni schon schlief, lag sie selbst noch etwas wach und dachte an ihr Gespräch an dem Abend.

Die jüngere Frau schien nach ihrer Erzählung immer alleine auf dem Hof zu sein... weil jeder andere fort war. Lugario lief immer durch die Gegend, er "streunerte", Kim hatte wohl auch anderswo zu tun, Marissa hielt sich öfter im Wald auf und Teira verbrachte viel Zeit in der Schneiderstube am Strand in der Nähe Wegeskreuzes. dort war es auch recht einsam, wenige Kunden kamen, um nicht zu sagen gar keine, solange nur sie alleine anwesend war...

Nun, die Zeiten würden sich schon wieder ändern. Erst einmal gab es für die junge Schneiderin bei Leana viel zu lernen un später, wenn sie mit Lugario Zeit fand, mussten sie sich sowieso um ihr eigenes Haus kümmern und würden viel mehr beim Hof sein müssen...
Wenn sie erst einmal im Schneidern besser wurde, kamen bestimmt auch mehr Kunden zu ihr, denn auch wenn sie die Aufträge von Leana gerne abarbeitete, gefiel es ihr doch besser, wenn die Leute selbst zu ihr kamen
und sich ganz neue Sachen machen ließen und gleich mit ihr besprachen, welche Farben alles haben sollte und so weiter... Das würde auch noch werden.

Doch in die Richtung Hausbau war noch recht wenig geplant; Teira musste sich demnächst mit ihrem Liebsten zusammensetzen und einiges besprechen...

Verfasst: Sonntag 20. Mai 2007, 10:41
von Teira
Wieder war einige Zeit vergangen und vieles hatte sich verändert...

Es gab sich, dass alle in kurzer Zeit den Dunkelhof verlassen hatten. Zuerst waren Lugario und Marissa ausgezogen, da sie am Wegeskreuz einen eigenen Hof erworben hatten, den sie "Geschwisterhof Goldernte" nannten. Daraufhin wurde Eleyni noch betrübter als je und kündigte ebenso am Dunkelhof und zog nach Bajard in "Leannes Bauernstube", wo sie weiterhin, fleißig wie immer, ihrer Profession nachging.
Teira war Lugario und seiner Schwester hinterhergezogen und wohnte nun auf dem Hof Goldernte, der direkt neben der Schneiderstube von Leana, bei der sie beschäftigt war, lag. So hatte sie es nicht weit zur Arbeit und eigentlich ging es ihr sehr gut. Sie hatte vor, dem Handelskontor Varunas beizutreten und wollte bald dorthin schreiben, auf dass sie sie aufnehmen würden. Doch noch waren ihre Gedanken nicht geordnet genug...
Öfters dachte Teira an Eleyni und fragte sich, wie es ihr wohl erginge - in der Fischerstadt Bajard... Irgendwann musste sie die junge Bäuerin besuchen gehen.

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Nun hatten sich die Umstände schon wieder geändert.
Es herrschte Krieg zwischen Rahal, der Grafschaft Hohenfels und Lameriast. Varuna war abgesperrt, Bajard sollte zum Tag der Sonne von Menek'Ur besetzt werden. Leana hatte die Schneiderstube aus für Teira unerfindlichen Gründen total abgesperrt... Alles stand Kopf. Sie wusste gar nicht mehr, was sie machen sollte und konnte.
Bis jetzt hatte sie immer den Glauben gewahrt, dass sich alles mit der Zeit gegeben würde... aber seit Lugario von seiner langen Reise in den Monden des Lenzings und des Wechselwindes zurückkam, ging irgendwie fast alles bergab. Gut sie hatte die Gesellenstelle bei Leana bekommen, hatte ihre Fähigkeiten schon um Vieles verbessert und war wieder mit Lugi zusammen, aber sonst ist alles schlechter geworden... Kaum hielt Teira es auf Gerimor aus, am liebsten würde sie weitweg, auf eine Insel, die weit abseits der Hauptinsel liegt... Fuachtero fiel ihr ein, aber selbst da kannte sie keinen mehr - Lynn und Ronan waren fort, in die Weiten der Meere gefahren... Vielleicht war es gut, dass keiner sie dort kannte, dann konnte sie unerkannt einfach dortbleiben.
Was hielt sie noch hier?
Teira wusste es gut. Lugario war es, der sich so selten sehen lies - zumindest sie sah ihn kaum... das stach heftig in ihr Herz. Eleyni, Kim und Marissa hatte sie noch - nein, eigentlich nicht... Zu Eleyni konnte sie nicht aufgrund der Menekaner, Kim war auf dem Dunkelhof und der war Vergangenheit und Marissa... sie war nett, aber einen richtig freundschaftlichen Draht zu ihr hatte sie noch nicht wirklich. DAS würde sich vielleicht noch geben...
So naiv es war, Teira konnte immer noch Hoffnung in den kleinsten Dingen finden. Wegziehen wäre eine Überreaktion.

Sie konnte alles durchstehen, wenn sie stark blieb - und das wollte sie tun.

Verfasst: Mittwoch 2. Januar 2008, 11:30
von Teira
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Verfasst: Mittwoch 2. Januar 2008, 11:57
von Teira
Die junge, hellhäutige Frau betrachtete den Körper ihres Spiegelbildes prüfend, berührte sich mal am Schenkel, an den Hüften und am Bauch und die Frau im Spiegel tat es ihr gleich. Ihre Kleidung zog sie ein wenig nach hinten, sodass ihre Körperlinie genau erkennbar war. Im Großen und Ganzen war sie zierlich und schmal, der Bauch war sehr flach, die Rippen standen gut sichtbar hervor und die Gliedmaßen waren erschreckend dünner geworden.
Aufseufzend wendete sich Teira vom Spiegelbild ab und löste ihren Zopf, um sich mit feinen Strichen die Haare zu kämmen. Dabei glitten ihre Gedanken zurück zum vergangenen Abend und in die Nacht.

Im Handelskontor zu Varuna, der ihre Arbeit und soetwas wie ein Heim für sie war, war sie als Schneiderin nicht mehr allein!
"Shila..." leise murmelte sie den Namen vor sich hin.
Shila, der Schneiderslehrling.
Sie war nun selbst eine Mentorin der kleinen, stillen Frau, die an jenem Tag grübelnd vor dem Zunftsgebäude stand.
Teira musste die Aufträge, welche ihre Zunft, ihr Handwerk betrafen, nicht mehr alleine fertigen. Und was noch wichtiger war: das Seil der Glocke würde nun hoffentlich doch rechtzeitig fertig werden, wenn Shila mitanpackte.

Ein Ruck ging durch den asketischen Körper der rothaarigen Schneiderin.
"Ich muss los!"
Rasch zog sie einen Mantel und Handschuhe aus dem Schrank und eilte, ihre Haare einhändig zu einem lässigen Knoten hochsteckend, die Treppen des Hauses hinab.
Dabei kam sie an der Türe zur Küche vorbei und der Anblick dieser ließ sie stoppen.

"Lugi sagte, ich sollte mehr auf mich achten..."
>>Du hast stark abgenommen...<< hatte er mit einer erschreckenden Ernsthaftigkeit gesagt, die ihr fremd war.

Nachdenklich starrte sie auf die Tür und bewegt sich langsam hinein. Für eine ordentliche Mahlzeit hatte sie doch noch Zeit, also würde sie Lugarios Ratschlag beherzigen.

Sie aß in Ruhe einen riesigen Korb Früchte und schnappte sich noch ein paar Kekse für den Weg, ehe sie das Haus verlies und mit einem heiteren Lächeln zum Zunftsgebäude ritt.

So war Lugi sicher zufrieden mit ihr und sie hatte genug Kraft, ein gutes Stück des Glockenseils zu fertigen, die Arbeit vielleicht sogar zu beenden...
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[Nach weiteren drei Wochenläufen:]

Endlich! Nach Wochen langer und kräftezehrender Arbeit mit nur wenig Schonung lag das Glockenseil in der Werkstatt bereit:

Eine dichte, dicke und lange Verflechtung von unzähligen Garnrollen in eine Spirale gedreht wartete auf die Fertigstellung des neuen Klangträgers der Stimme Temoras, um sich in einer liebevollen Geste um die gewaltige Öse am Glockenkopf zu schlingen und das Gebilde mit starker Fassung im Turm festzuhalten - hoffentlich für lange Zeit.

Die leitende Schneiderin des Handelskontors zu Varuna, Teira, wischte sich die Schweißperlen von der Stirn und sah übermäßig zufrieden aus. Doch noch war es ihr gelungen, diesen Auftrag innerhalb des Zeitplans auszuführen und nicht zu letzt wegen der nötigen, jedoch recht kurzen Hilfe von Shila. Sie hatte doch andere Pläne für ihre Schneiderkarriere gehabt...
Teira schüttelte jeglichen Gedanken der Unzufriedenheit darüber ab und redete sich ein, dass die Frau durchaus wusste, was sie tat und es ja doch alleine ihre Entscheidung war.
Dennoch konnte sie nicht umhin, an ihre Einsamkeit zu denken, die sich mit Shilas selbstgewählter, neuer Tätigkeit schlagartig wieder eingestellt hatte.

Jeden Morgen betrachtete sie sich im Spiegel - die viele Arbeit hatte wirklich beängstigend viele Spuren an ihrem Körper zurückgelassen.

Ehrlich, Teirchen, Lugi hat doch wirklich Recht... du solltest ihn öfter besuchen, das tut dir gut... er kocht für dich, plaudert mit dir und ihr lebt eure Freundschaft aus - dann wird es dir schnell wieder besser gehen!

Vollkommen richtig - wieder hatte sie sich länger nicht bei ihm blicken lassen. Sie verzog das Gesicht schuldbewusst.

Ohje, er wird sicher mit mir schimpfen! Und erst recht, weil ich noch schlechter aussehe als bei meinem letzten Besuch.......