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Das Leben in der Gosse

Verfasst: Mittwoch 3. Januar 2007, 14:58
von Vincent Seran
Varuna. Eine der größten Städte des Landes Gerimor und eine der vielschichtigsten ebenso. Wer hier lebte hatte meistens ein ruhiges Leben, ein Haus in dem er lebte, einen Beruf der ihm Gold brachte oder man gehörte sogar zum Adel und genoss Privilegien, die der einfache Bürger nicht hatte. Doch es gab auch eine andere Seite der Stadt, eine die fernab der öffentlichen Straßen war. Es war ein Ort den der normale Bürger mied und nicht weiter aufsuchte, den man nicht so einfach betrat ohne irgendwelchen Grund. Es war das Armenviertel, wo diejenigen lebten die nichts mehr hatten und auch keine Zukunft für sich sahen. Hier fand ein täglicher Kampf ums Überleben statt, jeder war sich selbst der nächste und wer schwach war, der musste zusehen wie er überlebte. Es waren simple Regeln die hier herrschten, und doch waren sie hart und nicht viele überstanden das Leben auf lange Sicht hin. Vor allem in Zeiten wie jetzt, wo der Winter seinen kalten Atem durch die Straßen peitschen ließ, war es hart geworden den Tag gut zu überstehen.

Ein Bewohner dieses Viertels war neun Jahre alt, hatte strubbeliges, dreckiges Haar und ein paar rehbraune Augen die sich immer wieder wachsam umsahen. Vincent war sein Name, auch Vince genannt. Er lebte nun seit vier Jahren in dem Viertel und seit zwei Jahren war er alleine. Seine beiden Brüder und seine Eltern hatten den Kampf ums Überleben nicht gewonnen und auch wenn die erste Zeit hart gewesen war, trauern konnte man nie lange, man musste lernen alleine zurecht zu kommen. Die Tatsache dass er bisher überleben konnte hatte er oftmals dem Glück verdanken können und auch der Tatsache dass sich manchmal vom Markt oder den Tavernen Essen stehlen ließ. Er war ein Straßenkind, durch und durch und im Laufe der Zeit hatte er sich so gut es ging an das Leben als Einzelgänger gewöhnt und schlug sich durch. Einen Blick in die Zukunft hatte er nicht, was zählte war das Hier und Jetzt, alles andere war Träumerei. Und zudem war in diesem Moment noch etwas anderes wichtiger, nämlich das Laib Brot was vor ihm auf einen der Marktstände lag. Immer wieder blickte er sich um, lugte nach dem Händler und den Besuchern, wartete ab, verharrte und dann schien der richtige Moment gekommen zu sein. Er griff das Brot mit beiden Händen, zog es an sich und rannte davon. So unauffällig wie er gehofft hatte, war diese Aktion jedoch nicht, denn schon nach kurzer Zeit hörte man einen lauten Ruf hinter ihm. „Dieb, DIEB! Haltet das Kind!“, doch er entkam, heute hatte er wieder Glück gehabt und die Mahlzeit für den Abend war gesichert.

Abends lag er in einer der kleinen Holzbarracken, welche man zu Hauf in den Vierteln fand. Sie boten keinen großen Schutz aber sie waren immer noch besser als gar nichts und der Wind wurde etwas aufgehalten. Eine alte, mitgenommene Decke diente als Schlafstätte und er konnte sich dem Schlaf hingeben. Das war es, was er mit all den besser gestellten gleich hatte; sie alle freuten sich irgendwann auf den Schlaf. Und er auch.