Seite 1 von 1

Von Ereignissen und unerwarteten Wendungen

Verfasst: Montag 1. Januar 2007, 03:20
von Viola Ser´Rhal
Das Leben ist erfüllt von Ereignissen. Ereignisse geschehen oft unerwartet und genauso unerwartet kann sich die Bahn, in die ein Leben gelenkt war, sich wieder umreißen. Meistens konnte ein einzelnes Ereignis vieles Zunichte machen oder vieles ermöglichen, es lag immer an der Sicht des Betrachters; denn wo etwas zerstört wurde, konnte gleichzeitig neues geschaffen werden.

Viola hatte das Warten auf Darna mittlerweile satt. Sie konnte nicht mehr im Schloss sitzen und den Vorhang anstarren, hoffen dass Darna bald auftauchen würde und sie konnte sich ebenso nicht den ganzen Gedankengängen hingeben, die sich ihr auftaten. Zuviel und zu erdrückend war alles, zu schwer lastete immer noch die Tatsache dass die ihre „Familie“ verloren hatte. In ihr sträubte sich etwas immer mehr gegen diesen Begriff, denn eine Familie verstieß ein Mitglied nicht, weil es endlich glücklich war, ganz egal wie stark die Regeln der Familie dadurch gebrochen wurden. Dies war Violas Ansicht. Sie kannte aber auch die Ansichten der Tiefländer und sie warf ihnen nichts vor; sie waren auf ihre Art und Weise halt in dieser Denkweise stur und unnachgiebig, alles andere als stolz und erhaben, wie sie sich doch öfters gerne gaben. Fakt war, dass Viola nichts daran ändern konnte. Von dem Moment an, an dem sie Falk gesagt hatte, dass sie eine Frau liebte, war ihr klar gewesen dass nicht mehr alles so sein würde, wie es war. Dass es jedoch so kam, dass Falk die Liebe zwischen ihr und Tajara als Krankheit bezeichnete und davon redete, dass Viola geheilt werden müsse, das hatte ihre Vorstellungskraft bei Weitem überstiegen. Sicherlich auf der anderen Seite bekam sie wenigstens etwas Entgegenkommen von Leif, ihrem „Vater“, welcher das nun auch nicht mehr war, seit sie verstoßen wurde. Es würde alles anders werden und auch wenn die Tatsache etwas war, was früher oder später geschehen wäre, traf es sie härter als sie gedacht hatte.

All das getan hatte sie für Tajara. Jenen Menschen den sie liebte, der ihr Sicherheit und Nähe gab und auch wenn Tajara eine Frau war, und damit gegen jegliche Sitte verstieß, war sie doch für Viola da und gab ihr all die Dinge, die ihr andere bisher nicht geben konnten. Wieso sollte sie dann auf dieses Glück verzichten, nur weil es nicht ganz so normal war? Sie war bisher nirgendswo mit dieser Botschaft wirklich auf freudige Gesichter gestoßen, weder bei Leif, noch bei einigen erwählten Wissenden noch bei Darna. Und damit war sie wieder beim Ausgangspunkt; Darna.
Sie war nun bereits seit einiger Zeit wieder im Umland von Bajard unterwegs auf der Suche nach ihr. Sie fragte jeden der die Stadt betrat ob man sie nicht zufällig gesehen hatte, doch die Informationen die sie erhielt waren so unbrauchbar wie Violas Kochkünste. Dabei hatte sie einiges mit der Ritterin zu bereden, Dinge, über die sie mit Darna gerne irgendwo gesprochen hätte, wo kein Adliger in der Nähe war oder wo sie einfach reden konnte ohne groß nachzudenken. Es waren Dinge, die ihr seit dem Gespräch mit Falk auf dem Herzen lagen, Dinge die sich ergeben hatten aus Ereignissen der verschiedensten Tage. Sie war sich in einem Punkt sicher; sie würde Darna finden, ob vor oder nach ihrer Rückkehr in Varuna und dann würden sie reden müssen.

Ereignisse gehörten zum Leben dazu und manche Dinge änderten sich auf Wege, die man nie erwartet hätte. Nun war dem bei Viola so.

Verfasst: Dienstag 9. Januar 2007, 18:19
von Viola Ser´Rhal
Wie schnell kann ein Herz zerbrechen? Die Antwort auf diese Frage bekam sie mit dem gestrigen Tag vorgesetzt. Im Nachhinein konnte sie sich nur noch vage an Einzelheiten erinnern, wie als würde sie durch einen verschwommenen Schleier sehen, als ob ihr Kopf diese Momente nicht wieder miterleben wollte. „Ich fühle mich … wie eingeschnürt“ … eingeschnürt von ihr? Sie kam nicht mit den Opfern klar, die Viola gebracht hatte, sie spürte nur noch Schmerz und Trauer … wegen ihr? „Ich bin immer noch für dich da, wann immer du mich brauchst“ die Worte klangen in diesem Moment beinahe wie blanker Hohn. Sie verließ Viola, sie beendete die innige Beziehung zu ihr und trotzdem wollte sie für sie da sein … was glaubte sie eigentlich was sie da redete? Ihr Herz war zersplittert, wieder einmal, sie fühlte sich elendig, wieder einmal. Niemals wollten sie auseinander gehen, für immer füreinander da sein, und nun? Es tat weh, es tat noch viel mehr weh als die anderen male, wo sie einfach alleine gelassen wurde, hier hatte sie den Schmerz vor Augen und hier … war er diesesmal heftiger.

Sie war fort, ohne viel weitere Worte, was hatte Taja eigentlich erwartet? Dass sie dastand und ihr zulächelte? Dass sie mit ihr diskutieren würde? Sie hatte ihre Wahl getroffen und Viola musste damit leben. Sie war nach Varuna gerannt, hatte sich in ihr Zimmer gesetzt und geweint. Rai’a war bei ihr gewesen, hatte sie in den Arm genommen, versucht sie zu trösten und auch wenn es nicht viel brachte, sie beruhigte sich ein wenig und konnte wenigstens Schlaf finden. Letztendlich war sie froh dass die junge Frau bei ihr war, sie spendete ihr Trost und Nähe, Nähe die sie vielleicht nicht wollte im Moment, aber gebrauchen konnte. Ihr Schlaf endete am frühen Abend als sie von mehreren Stimmen wach wurde, welche scheinbar im Kaminzimmer weilten. Sie richtete sich auf und trat wortlos heraus, sie wollte jetzt bei niemand sein, aber just in dem Moment lächelte ihr Rai’a entgegen und sagte dass Darna zurück sei … Darna?

Und tatsächlich, sie war es gewesen. Sie war wieder da und Viola konnte nicht sagen wie unglaublich glücklich sie in eben diesem Moment war. Nach all den Tagen war sie endlich wieder daheim und sie war für Viola da, und ihre Nähe gab der jungen Frau Kraft, Kraft die sie nun brauchen konnte. Sie beide redeten den ganzen Abend, sie überreichte Darna das Geschenk, welches sie für die Ritterin hatte; der Gedichtband den sie bei Vyra erworben hatte. Sie sprachen über die unterschiedlichsten Dinge, Viola wurde ruhiger, sie konnte lächeln, sie fühlte sich erfüllter und sie konnte ruhig einschlafen.
Die Gedanken an Tajara waren wenigstens für diesen Abend weg, doch sie würden nicht auf ewig verschwinden. Sie würden zurückkehren aber jetzt wollte sie nur friedlich schlafen und sich freuen, dass der wichtigste Mensch in ihrem Leben zurück war.

Auch wenn ein anderer fürs erste fort aus ihrem Leben war.

Verfasst: Freitag 26. Januar 2007, 14:10
von Viola Ser´Rhal
Ein Weg endet und irgendwo fängt ein neuer an. So war das Leben und so hatte es sich auch in Violas Leben immer wieder bewahrheitet, doch nie war sie einen neuen Weg so entgegengestanden wie jetzt. Der Kopf war angehoben, sie war glücklich, seit einiger Zeit jedenfalls.

Die Verbannung aus dem Clan, die zerbrochene Beziehung mit Tajara und die Ungewissheit was mit der kleinen Nele war, all das hatte sie bedrückt, sie verfolgt und ihr keine Ruhe gelassen. Niemand konnte ihr zu jener Zeit wirklich ernsthaft helfen, sie musste dies alles alleine durchstehen. Lange hatte sie einfach nur wortlos dagesessen, hatte gegrübelt, war in Erinnerungen geschwelgt und hatte sich dem Trott hingegeben. Sie war schwermütig geworden und wollte die Welt verfluchen, und auch wenn das viele Nachdenken mehr Schlechtes gebracht hatte, so hatte es am Ende auch ein wenig Erkenntnis gebracht. Tajara hatte es ihr bei ihrem Wiedersehen gesagt; sie hatte zuviel aufgegeben ohne dass Tajara das wollte. Sie hatte überstürzt gehandelt und am Ende hatten all diese Dinge nichts gebracht, nicht mehr als nur weiterer Schmerz. Tajara und sie hatten sich getroffen, hatten sich ausgesprochen und Viola war froh darüber. Sicherlich war man sich nicht in die Arme gefallen wie einst, aber sie mochte Tajara immer noch, auch wenn es auf einer anderen Ebene war wie damals. Sie wusste, was die Gefährtin bereit war, für sie aufzugeben und sie war dankbar dafür. Viola hatte endlich die Chance sich für ihr Verhalten an jenem Tag zu entschuldigen, für das lange Schweigen und die Ungewissheit. Es konnten Dinge ausgesprochen werden und die beiden trennten sich, jedoch nicht ohne das Versprechen, dass Viola sie wiedersehen würde. Es war zwar nicht sonderlich einfach, dies zu versprechen, doch tat sie es. Sie würde Taja alsbald aufsuchen, auch wenn ihr Anblick immer wieder alte Erinnerungen wachrief.

Jenes Gespräch hatte sie aufgemuntert, genau wie die Tatsache, dass es Nele gut ging. Das junge Mädchen weilte im Fuchsbau, hatte sich dort eingelebt und hatte diesen Ort endlich als ihr Zuhause akzeptiert. Das Wiedersehen war zwar nur sehr kurz, doch dafür umso herzlicher, aber es war auch spät in der Nacht gewesen und sie hatte das junge Mädchen in die Felle geschickt. Mit dem gestrigen Tag wurde dann alles besser. Eigentlich wollte sie nur in Bajard etwas trinken, doch traf sie in der Taverne selbst auf die Tiefländer des Clans. Sie versuchte sie weitestgehend zu umgehen, sie kannte ja das Meinungsbild was man über sie hatte und doch; sie hatte sich in ihnen geirrt, vor allem in Falk. Nach einem Gespräch welches mit Leif zustande gekommen war, folgte eines mit Falk, Worte des Bedauerns kamen aus seinem Mund und am Ende das Friedensangebot seinerseits. Der Bann sollte aufgehoben werden und das wurde er auch. Die Freundschaft zum Clan war wieder gefestigt.

Jetzt lag sie auf dem Bett, in der rechten Hand eine Lammkeule, an welcher sie knabberte, und starrte an die Decke mit einem zufriedenen Grinsen zwischen den Kaubewegungen. Die Dinge entwickelten sich allmählich wieder in eine Richtung, die ihr Mut machte und vor allem hatte sie einiges über sich gelernt. Sie würde aus dieser Erkenntnis und aus all den Erfahrungen der letzten Wochen ihre Lehren ziehen und nun würde es wieder bergauf gehen. Was ein schöner Abend.