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Von Theorie zur Praxis oder Wie beschwöre ich eine Schlange?

Verfasst: Mittwoch 27. Dezember 2006, 18:32
von Sarog Pilyan
Das Schreiben war angekommen und tatsächlich hatte er auch eine Antwort erhalten. Ein kleiner Rotschopf mit großen Segelohren grinste den Magier an und streckt ihm den hellbeigen Zettel vor die Nase. Sarog nickte nur, steckte dem Knaben zwei Goldstücke zu, wusste er doch, wie wichtig die Antwort war - da durfte man ruhig etwas spendabler werden. "Blabla.. hiermit teile ich Euch mit..blabla... die Überfahrt wird am ... stattfinden....", brabbelte Sarog leise vor sich hin. Seine Mundwinkel zuckten und er fing an zu lächeln. Das viele Höflichkeitsfloskeln überflog er. Ihm ging es um den tatsächlichen Informationsgehalt. Im nächsten Augenblick huschte er durch das Labor der Arkorither, hatte er in seinem Spind doch etwas ganz Besonderes gelagert. Diese zwei völlig identischen Gegenstände verschwanden ebenso schnell in seiner Tasche, welcher er an seiner Seite trug, wie sie aus dem Spind entwendet wurden. Trotz des Klimas auf der Insel, musste er sich in seine schwarze Lederrüstung hüllen, auch wenn es verständlicherweise, ob der Hitze unangenehm werden sollte. Den einfachen Hut hatte er sich auch aufgesetzt, um sich vor den schädlichen Hitzestrahlen der Sonne zu schützen, die auf seiner Haut wehtun würde. Jahre des Verkriechens in irgendwelchen Gewölben zusammen mit Tonnen von Büchern hinterließen eben ihre Spuren. Außerdem musste er bei dieser schwierigen Aufgabe höchstkonzentriert sein. Eine Niederlage könnte seinen Tod bedeuten, dem Orden wäre das sicherlich kein großer Verlust, aber er selbst hatte noch wichtige Aufgaben zu erfüllen, über deren Erfolg viele Menschen noch reden würden, wenn er längst dahingegangen ist.

Es war ein relativ kleines Schiff, auch wenn es schon zwei Segel besaß. Tatsächlich musste der Erbauer des Holzkonstrukts wohl ein Freund von Schnelligkeit und Wendigkeit gewesen sein. Wie ein gebrechlicher, alter Mann stützte sich der Magie auf seinen Stab auf und legte den Kopf schief. Der Kapitän, erkennbar an einem dicken vorstehenden Bauch und einigen gerissenen Uniformresten der königlichen Marine. „Wunderbar, einen Rettungsring habe ich bereits für den Notfall..“, dachte er sich beim Anblick des fettleibigen Mannes, der trotz des sonderbaren Blicks Sarog ihm herzlich entgegenkam und dabei ein Lächeln auf das Gesicht legte, als sei es ihm unter den Schnurrbart tätowiert worden. „Mein Herr? Ihr habt das Gold direkt dabei nehme ich an? “ funkelte der Dickhäuter Sarog an. Sarog nickte nur und griff seitlich in seine Tasche, um ihm einen Beutel hinzuhalten. „Ihr wisst hoffentlich, weswegen ich eine solche hohe Summe verlange, immerhin reisen wir an einen Ort, der uns allen das Leben kosten kann, wenn uns die dreckigen Salzbuddler dabei erwischen“, er sah Sarog mahnend an, während dieser ziemlich genau alles geplant hatte und selbst diese Information nochmals völlig unnötig war. „Schon gut, schon gut – Darüber braucht Ihr Euch keine Sorgen machen. Ich brauche nur Euer Schiff, dass Ihr mich absetzt... und, vielleicht noch ein oder zwei Leute, die meine Utensilien tragen...“, mit den Worten deutete er nach hinten, wo ein ganzer Berg an magischem Allerlei lag. Schlangenschuppen in großen Gläsern, Molchaugen, Fledermausflügel, sogar der eine oder andere Knochen, der einen ungewöhnlichen Schimmer aufwies.
Wenige Stunden später wurde in See gestochen. Die Mannschaft bestand gerade mal aus einem Dutzend Seeleute und dem Kapitän. Es war ein eingespieltes Team, doch bei einer Person wusste Sarog gleich, dass er sie als Prügelknabe, oder Diener missbrauchen würde. Der Junge hatte wahrscheinlich seinen sechzehnten Sommer gerade durchlebt. Dem war sogar Sarog physisch überlegen. Schön, wenn man sich an jemandem mit Schlägen abreagieren konnte. Langsam verstand Sarog das Gefühl, das aufkam, wenn man über jemanden herrschen durfte, ohne gleich die magischen Reserven aufzufahren. Er verstand das Verhalten seines Meisters damals – von dem Sarog immer noch Narben trug. Sogleich suchte er zuerst seine Kabine auf, durchsuchte seine Sachen, ob er auch wirklich nichts für die Beschwörung vergessen hatte. Außerdem galt es nun endgültig einen der „Orte der Macht“ zu finden. In wenigen Tagen würde er dort stehen, wo noch kein Magier zuvor vom Festland stand. Eine schöne Aufgabe, die man ihm auferlegt hatte und er war zufrieden damit, dass gerade er diese Herausforderung meistern musste. Sein Herr hatte also sein Potential entdeckt – das war gut.

Der Rest der Reise war überhaupt nicht erfreulich. Ständig schlug die eine Welle die nächste und von wirklichem Schlaf konnte auch nicht die Rede sein. Beim Lesen hatte er furchtbare Kopfschmerzen und auch der Magen machte die ganze Schaukelei nicht mit. Er hoffte wirklich bald auf der Wüsteninsel anzukommen, wo er wieder festen Boden unter den Füßen hätte... oder zumindest sandigen Boden – besser war es allemal, als die jetzige Situation. Sehnsüchtig sah er auf das Meer hinaus, bis dann wirklich wieder Land zu sehen war. Dies war sie also? Eine ganze Inselküste erstreckte sich über den Horizont und das Schiff steuerte diese geradewegs an. Ein kleines Beiboot wurde bereits fertiggemacht und Sarog sprach unter vier Augen zum Kapitän: “Sag mir, kann ich diesen Jungen dort mitnehmen, dass er mir mein Gepäck trägt? Ich wäre dir sehr verbunden“. Der alte Mann hatte schon genug Gold vom Magier erhalten, also ließ er es zu, dass er diesen Taugenichts mit sich herumschleppte. Es kam ihm sogar sehr gelegen, mal ohne die nervige Fragerei des Jungen auszukommen.

Sie hatten sich aufgemacht, um mit dem Beiboot das Land anzusteuern. Schnell wurde das Gepäck über Bord geworfen, der Junge unsanft ins seichte Wasser geschubst, so dass dann Sarog selbst raussteigen konnte. Er atmete tief ein, ließ den Blick über die Ebenen der Wüste streifen. Da spürte er schon die erste unangenehme Hitze auf der Nasenspitze, die ihm scheinbar schon die feinen Härchen ansengen wollte. Sarog war so was wirklich nicht gewohnt, ihm reichte schon das bisschen “Wärme” auf dem Festland. Kalte Kellergewölbe waren ihm doch so viel lieber.
Er verschwendete keinen weiteren Gedanken an die Strapazen, die auf jeden Fall noch auf ihn zukommen würden. Vielmehr wollte er endlich seinen Plan ausführen, so befahl er seinem Gefährten die Sachen mitzuschleppen, während Sarog schon die ersten Schritte tat. Er marschierte rasant, so dass auch der Junge sich schwer ins Zeug legen musste. Hin und wieder huschte etwas durch den Wüstensand, irgendwo wurde einfach ein kleines Tier in den Sand gezogen und mit lautem Quieken wurde ihm das Lebenslicht ausgelöscht. Grausame, harte Natur – hier ging es umso deutlicher um das eigene Überleben. Es faszinierte Sarog ungemein, dass hier trotzdem noch Lebewesen überleben konnten. Fressen oder gefressen werden. Der Magier wollte hier jedenfalls nicht als Schlangenfutter enden. Wenige Schritte später, sah er dann einen ungewöhnlich aussehenden Hügel mitten auf der flachen Wüstenebene. Wenn ihn seine Augen nicht täuschten, konnte er auch einen kleinen grünen Buckel im Sand erkennen. Nach der Zeit, die er hier verbracht hatte, wusste er, dass diese Art von Schlangen genau diese Methode anwand, um sich das Futter zu besorgen. Geduld musste den Schlangen wirklich als Gabe geschenkt worden sein – Sarog war vielleicht auch eine falsche Schlange, aber lange nicht mit solcher Geduld gesegnet worden. “Hier schlagen wir unser Lager auf... hinter diesem Stein dort!” er sah zum Jüngling und deutete mit der rechten Hand auf eine kleine Steinformation, die mit wilder Fantasie tatsächlich als eine kleine Hütte interpretierbar sein konnte. Dann fing er an zu beobachten – resultierend daraus, verfasste er folgenden Bericht:

“Geehrter Ashzyrael, Bruder Paaces, wertegeschätzte Brüder und Schwestern,

während ihr dieses Schreiben von mir erhaltet, bin ich immer noch auf dieser grässlichen Wüsteninsel, auf die mich meine höchstwichtige Aufgabe getrieben hat. Momentan kann ich aber bereits erste Eindrücke und Einschätzungen wiedergeben, sollte es überhaupt von Interesse sein:
Diese Kreaturen, mit denen ich mich befasse, werden im Volksmund als “Riesenschlangen” bezeichnet. Sicherlich gibt es allein auf dem Festland mehr als 2.000 verschiedene Arten der Schlangen, bei denen man natürlich Unterscheidungen treffen muss, je nachdem, wie sie ihre Beute jagen, nämlich, ob es Würgeschlangen oder Giftschlangen sind, ob sie an Land oder See leben, oder auch, je nach Klimazone. Bei der Riesenschlange an sich, fällt diese Wahl wahrlich eng aus. Aus den Unterlagen des Angrius Blaubergen, Illusionist der ehemaligen Magierakademie zu Tirell, welcher übrigens selbst dem Gift seiner Kreaturen zum Opfer fiel, ironischerweise, geht hervor, dass es bei den Riesenschlangen jedoch nur drei Gattungen gibt. Einmal, wie wir sie hier auf Menek'Ur vorfinden, sie weist eine hitzeresistente Schuppenhaut auf, die sich auch ausgezeichnet verarbeiten lässt. Ebenso soll es in kälteren Gebieten, wie vielleicht auch bei den Anguren eine Art Rieseneisschlange geben, die mit dem kalten Klima ausgezeichnet zurecht kommt, sich durch ihre Tarnfähigkeiten im Schnee verstecken kann, um dann von dort mit einem Biss zuzustoßen. Des Weiteren fand eine der Arten auch einen Platz in unterirdischen Gewölben. Diese Riesenschlangenart wurde von Angrius als Lavaschlange betitelt, da die Struktur ihres Schuppengeflechts am ehesten von Lavagestein ähnelt. Dementsprechend wird es diesem Monstrum ein Leichtes sein, sich zwischen den Ruinen zu verstecken, abermals durch viel Geduld, seine Opfer erwartend.

Nach diesen reichhaltigen Informationen habe ich das mindere Übel gewählt und diese Wüsteninsel als Ort der Macht angepeilt. Kommen wir aber zuerst zu grundlegenden Fragen. Was ist ein Ort der Macht? Hierzu habe ich mich wieder in der Bibliothek informiert, in der ich mir erstaunliches Wissen aneignen konnte. Mit Sicherheit gäbe es noch mehr zu wissen, aber da wir wissen, wie knapp die Zeit eines wissbegierigen Magiers ist, im Vergleich zum allumfassenden Wissen der Magierschaft, habe ich mir die gröbsten, theoretischen Grundlagen angeeignet, um mir dann selbst ein eigenes Bild schaffen zu können. In der Theorie wird ein Ort der Macht als ein geografisch, beschränkter Ort bezeichnet, an dem eine bestimmte Kreatur am leichtesten zu beschwören ist? Warum ist das so? Ich habe am eigenen Leib erfahren, durch das Horchen des Liedes genau in dieser Ebene, dass der Schleier zwischen unserer Welt und der Sphäre der Kreatur gänzlich dünn gewoben ist. Mit anderen Worten gesagt: Die Kreatur auf der anderen Seite kann mit dem Lasso meiner Gedanken ohne große Anstrengungen auf diese Ebene gezogen werden. Es mag sogar vorkommen, was hier die Besonderheit darstellt, dass Kreaturen durch Zufall, ohne einen größeren Beschwörungsvorgang sich durch den Spalt auf unsere Welt verirren. Gerne geschieht das freiwillig, da diese Umgebung der ihrer Welt am ehesten ähnelt.

Zur Anatomie der Kreatur habe ich mir Zeichnungen von einem ehemaligen Scolar angesehen, der als Hausarbeit ein solches Wesen auseinandernehmen musste. Hier konnte ich feststellen, dass eine Riesenschlange über 200 Wirbel, bis zu einer Maximalzahl von 500 besitzt, was nichts anderes heißt, als dass sie sich mehrmals um ihre Opfer schlängeln kann – komplett eindecken. Die wichtigen Organe, wie Herz, Gehirn usw. Befinden sich am Kopfende der Schlange, woraufhin man davon ausgehen muss, dass es wenig effektiv ist, sich im Kampf auf den Schwanz zu konzentrieren. Auf combatitive Mentalmagie sprach das Wesen erstaunlich gut an (Notiz: Wird in den nächsten Tagen näher von mir untersucht). Ansonsten würde ich natürlich vorschlagen, jegliche Angriffe ungefähr zwanzig Zentimeter unter dem Kiefer zu vollführen, da hier lebenswichtige Organe lahmgelegt werden würden. Das Wesen besitzt Kiefer- und Gaumenknochen, welche mit Bändern verbunden sind, das ist auch das einzige. Gerade deswegen ist es ihnen auch möglich das Maul so weit aufzusperren, dass das Verschlingen eines ganzen Menschen(?) möglich ist. (Bei ausreichend Zeit wird dies selbstverständlich ausprobiert...) Hierbei geht die Riesenschlange mit folgender Taktik vor. Sie wird anfangs zubeißen, so dass das Gift der Schlange sich im Körper des Opfers durch das Blut ausbreitet, damit die Lähmung einsetzen kann. Gleichzeitig wird es umschlungen, so fest, das womöglich Knochen brechen könnten, schließlich will das Opfer ordentlich verdaut werden. Durch das Aushebeln des Kiefers kann das Futter im Ganzen Verschlungen werden, wo es im länglichen Magen des Serpents endet und verdaut wird.

Bezüglich der Paraphernalien und Donarien, wie auch mögliche Orte und die Tageszeit:

Zunächst will die Dienerkreatur mit einem Donarium besänftigt werden, wobei ich hier natürlich Futter wählen würde, vielleicht ein Hase, oder diese komischen Wüstenspringmäuse (Die mir im Übrigen durch ihre Rumspringerei den Verstand rauben...). Mit vollem Magen dürfte es sicherlich leichter mit sich reden lassen. Als Paraphernalium habe ich mir von einem örtlichen Schneider ein Paar Handschuhe aus Schlangenleder anfertigen lassen. Sie sind zwar nicht sonderlich hübsch, aber wenigstens erfüllen sie ihrem Zweck und mit einer gewagten Drohung, zeigt man der Kreatur, was passiert, wenn sie nicht gehorcht – immerhin hat man mit den Artgenossen schon schlimmes angestellt. Als Ort würde ich mir definitiv eine trockene Ebene aussuchen, vielleicht einen Strand, oder wie hier auf Menek'Ur das gesamte Land. Andere Orte würden sich zwar auch eignen, der Beschwörvorgang und die Erzwingung der Kontrolle wären aber deutlich schwerer zu vollziehen. Ich würde die Mitte des Tages zum Beschwören wählen, da sich bekanntlich die Riesenschlangen in enormer Hitze und unter großer Sonneneinstrahlung am wohlsten fühlen.
In den nächsten Tagen werde ich einhergehen und versuchen eben jene Kreatur unter meine Kontrolle zu zwingen. Sämtliche Materialien sind besorgt worden und so Alatar will, werde ich bald zurückkehren.

Euer eifriger Bruder, Shirash.

Gruko, Sarogs schnellster Flügelaffe nahm die Nachricht an sich, indem sie Sarog sie ihm in den Mund stopfte und dieser sabbernd, hüpfend, mit den Flügeln Sand aufwirbelnd davonflog. Er würde ganz genau wissen, wo die Nachricht abzuliefern ist.

Nun konnte er sich endlich auf das fixieren, weswegen er wirklich hergekommen war. Zuerst zog er die beiden Gegenstände aus seiner ledernen Umhängetasche heraus. Beide Handschuhe zog er sich über die Hände, die fein verarbeitet waren und aus Schlangenschuppen bestand. Er war sich gewiss, dass dies ein gutes Paraphernalium darstellen sollte. Aber zusätzlich hatte er sich vorhin ein ganzes Schuppenkleid geschnappt, welches eine der Riesenschlangen beim Häuten einfach abgelegt hatte. So stand er zumal auf der sicheren Seite, da dies unterstützend für sein Pentagramm stehen konnte. Dann wurden fein akribisch die ersten Symbole der Sekundärenergie in den Boden gemalt. Ein Dreieck für das Feuer, ein Kreis für die Erde, eine Spirale für die Luft und eine doppelte Wellenlinie für das Wasser. Mit dem Zeichen der Primärenergie, dem Lied, wurde das Symbol mit den fünf Spitzen abgesegnet. Die, förmlich in Sand getauchte, Robe würde dem Wesen ebenfalls einen guten Eindruck bilden, so dass es sich mit dem Magier verbunden fühlen konnte. Selbst die schwarze Arkoritherkleidung sollte es nicht erschrecken.

Um die Spitzen des Pentagramms legte er die Schuppenhaut aus, die er sich als zweites Paraphernalium ausgesucht hatte. In die Mitte warf er zwei der Wüstenspringmäuse, damit die Schlange auch schön gesättigt war, so dass er keinen geistigen Kampf gegen ein erbostes Wesen antreten musste, was ihn sicherlich einiges an Kraft hätte kosten können. Er wollte nichts provozieren. Den Stab umgriff er mit der rechten Hand fester, dann schloss er die Augen. Sarog musste vom Weltlichen loslassen und nach dem wahren Namen der Kreatur suchen. Der Magier öffnete sich für die Energie, die nun in ihn eindrang, sich ihren Weg durch den zitternden Leib des Mannes suchte. In allen Fingern spürte er dieses Kribbeln und erste kühlende Schweißtropfen rannen ihm die Stirn herunter, über die geschlossenen Augenlider hinfort. Als er dann langsam um das Pentagramm herumschriet, sich mit seinem schwarzen Arkoritherdolch durch die Unterarme fuhr, wurde jede der Zacken des Symbols auf dem Boden mit seinem Blut befleckt. Dies würde ihm helfen sich zu fokussieren. Da hatte er es endlich. Er war gänzlich von dem Lied erfüllt, stellte sich dann wieder an das Ende des Pentagramms und begab seine Sinne auf die Reise durch die Sphären. Sarog hatte nun ein Ziel, sogar eine Route, die er einzuschlagen hatte, bis er tatsächlich auf das gewünschte Ergebnis stieß. Die Schlange seiner Wahl, deren Namen er sich eingeprägt hatte, die er nun mit dem Einklingen auf den Grundton des Liedes beschwören sollte. Seine astralen Augen sahen es an, riefen es her, gaben den ersten Befehl zu kommen und das Lasso wurde ausgeworfen, um die Kreatur herzurufen. Die Hände hebend, die Arme ausstreckend, ballte er seine Fäuste und schob sie Richtung Pentagrammmitte, wo sich der Spalt für die Kreatur auftat. Dieser wurde nur wenige Augenzwinkern später größer und größer, bis tatsächlich ein graubeschuppter Kopf durchkam und den restlichen, länglichen Leib hinter sich herzog.

„Ausgezeichnet…“, murmelte Sarog leise, jetzt bereits stolz über sein Werk, was er vollbracht hatte. Gierig verschlang sie das Futter, was er für sie gelassen hatte und unter Sarogs strengen, mahnenden Blick kuschte sie, war sie doch auch noch vom Leib einer ihrer Artgenossen eingeschlossen. Sarog lächelte glücklich, denn er konnte endlich erhobenen Hauptes zurückkehren.