[Betrachtungen] Kapitel 1. Was uns ausmacht.
Verfasst: Freitag 22. Dezember 2006, 03:41
Einmal mehr sass er in dem grossen Ohrensessel vor seinem Kamin und starrte in die Flammen, es war einer dieser Winterabende, an denen der Körper nach des Tages harter Arbeit ruht, aber der Geist in die Dunkelheit des frühen Abends hinaus wandert, und den in warme Felle gewickelten Körper zurücklässt um ungeordnet daherfliegenden Gedanken nach zu hängen. Erfüllt von dem leisen Knacken des Feuers, dem Geruch nach schwerem Tabak und trockenen Fellen glitten die Gedanken leichter als sonst und die spröden, leicht verklebten Lippen murmelten mehr in sich hinein, als dass sie dem kleinen Jungen von nicht einmal einem Jahr, der sich in den gewaltigen Armen seines Vaters zusammengerollt hatte, etwas erzählten.
"Weisst du Ulfarr, diese Städter sind eigenartige Gesellen, früher einmal hieß ich sie Lämmer, Schafe die nur darauf warten von den Wölfen der Clans gerissen und verspeist zu werden. Doch immer wieder sehe ich in ihnen helle Funken reinen Mutes aufflammen. Sowohl bei denen aus Varuna, als auch bei denen aus Rahal oder Bajard. Dann hielt ich sie für Hunde... Köter hausten im Rahal meines Urteils und Schäferhunde in Varuna, die einen geifernd und bellend in Sicherheit, die anderen mutig und tatkräftig in jeder Gefahr... Endlich scheinen sie zu Männern geworden zu sein und erfüllen sich ihren Rachewunsch an Rahal.
Und trotzdem halten sie an Mitleid fest, noch immer ist ihre Jagd auf das Geschmeiss des Panthers nicht ausdauernd und hart genug... Aber was sage ich, wir selbst haben Frieden mit Eisenwart, wenn auch einen trügerischen.
Nein, was die Leute aus Varuna wirklich schwach macht, ist ihre Ablehnung des Zorns.
Sie fürchten den Zorn, fürchten ihn als Werkzeug Alatars. Sie nennen ihn den eiseskalten Hass und errichten Mauern und Wälle um ihr Herz damit er ausgesperrt bleibe. Doch der Zorn kommt nicht von aussen, er lebt im Herzen selbst. Deshalb ist was ich fürchte, nicht der Zorn mein kleiner Ulfarr.
Denn wenn sie Zorn und Hass kalt schimpfen, dann sind sie im Unrecht, nur die Liebe brennt heisser als der Zorn der Gerechten. Was ich fürchte ist die Kälte im Herzen... Diese Kälte findet man nicht in Varuna und zu unserem Glück ist sie auch in Rahal selten. Die Kälte zwischen den Menschen, die alle Gefühle, seien es Liebe oder Hass ersterben lässt, die Gleichgültigkeit für den Mitmenschen ist mir schlimmer als all der Hass Rahals und auch wenn sie sagen dass Alatars Werkzeug der Zorn ist... ich glaube das ist die Unwahrheit. Alatar macht die Menschen gleichgültig gegeneinander. Das ist schlimmer als Hass jemals sein könnte.
Thrail lehrt uns wir sollen jeden Moment unseres Lebens so intensiv wie möglich leben. Das ist die Richtige Einstellung.
Die Varunesen... sie sterben jedes Mal ein wenig wenn sie zornig werden oder es sie nach Rache verlangt und sie diesem Gefühl nicht nachgeben. Jedesmal töten sie ein kleines Stück von sich ab.
Und Rahal ist nicht besser, diese Köter scheinen richtig an ihrer Boshaftigkeit zu feilen und Wettbewerbe ab zu halten wer der Dunkelste und Gleichgültigste und der mit dem stärksten Hass ist. Ist das nicht verrückt? Sie wollen alle von Hass erfüllt sein, tuen aber furchtbar gleichgültig und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, damit sie immer als abgebrüht und siegessicher dastehen. Ob sie noch nicht verstanden haben dass Hass und Gleichgültigkeit zwei verschiedene Dinge sind?
Sie suhlen sich in ihren düsteren Leben und kennen die reine Freude am Nächsten nicht mehr. Sie lassen nicht zu dass ihr Herz erblüht und ein Wohlgefühl sich einstellt wenn sie anderen helfen.
Und so sterben die Reiche der Städter langsam einen Tod im Herzen... denn die einen begreifen nicht dass man auch den Zorn ausleben, geniessen, feiern kann und die anderen begreifen nicht dass es weniger darauf ankommt wie Andere einen wahrnehmen, sondern mehr darauf was das eigene Herz sagt.
Jeden Moment des Lebens so intensiv leben wie möglich. Jedes Gefühl bis zur Neige auskosten. Eine bunte Welt mit Gefühlen in hundert mal tausend Farben..."
Genüsslich zog der blonde Riese an seiner Pfeife und ließ den Rauch in die Flammen entweichen. Die grosse Hand voller Schwielen und Rauheiten strich liebevoll über das strohblonde Haar des Sohnemannes ohne diesen auf zu wecken.
"Das macht uns aus Ulfarr, genau das. Wir sind lebendig, jeden Moment unseres Lebens. Und wir fühlen Liebe, und Trauer und Zorn und Freude und Stolz soviel stärker als die Städter. In uns kocht eine Leidenschaft wie ich sie sonst nirgends fand, ein Bedürfniss unseren Gefühlen nach zu geben und ihnen Ausdruck zu verleihen. Sei es in bewegenden Balladen, in stolzen Festungen oder im gnadenlosen Krieg.
Ja, im Krieg. Varuna scheut sich vor solchen Worten, vor solchen Gedanken. Krieg. Gnadenlos. Zorn. Vernichtung. Vergeltung... sie scheuen diese Worte als würde ein Makel auf den blossen Lauten liegen. Wagen nicht sie zu denken, geschweige denn aus zu sprechen. Staub und Asche."
Ein leises Seuftzen entrinnt den brüchtigen Lippen.
"Aber ich rede schon wieder als würde ich sie schockieren wollen, mit Absicht auf ihren Unsinn hinweisen. Dabei sollte ich zu dir von all den schönen Dingen sprechen die uns ausmachen. Von unseren Augen, die die Welt in leuchtenderen Farben sehen als anderer Leute Augen. Das Schimmern des Sees, das Lichtspiel in den Blättern eines Baumes. Von unseren Ohren, die genauer hinhören als die spitzen Ohren der Elfen. Wir hören vielleicht nicht so _gut_ wie sie, aber ach, soviel _mehr_!
Was hört ein Städter und ein Elf anderes als das klingende Gluckern einer Quelle und das melodiöse Plätschern eines Baches, während unsere Ohren tiefer lauschen und wie angewurzelt der stolze Tiefländer stehen bleibt um dem gewaltigen Orchester des Wassers zu horchen. Wie sehen unsere zaubervollen Augen die Zeit dahinfliessen und den kleinen Bach ein tiefes Bett in die schroffen Felsen graben, was hören unsere Ohren den Gesang aller Vögel die einmal aus ihm trinken werden und jedes Plätschern dass er in Zukunft vergiesst.
Das ist der Zauber Thrails mein Sohn. Das ist der Zauber Thrails. Er hat uns die Augen und die Ohren geöffnet für die Welt da draussen und für die Welt hier drinnen. Er gab uns die Körper mächtigster Krieger und die Seelen grösster Dichter. Und wer sagt das sei gegensätzlich, der hat im Krieg nie die Nähe des Todes und durch diese das Leben selbst gespürt.
Wir sind das Volk Thrails.
Wir sind die Kriegerpoeten."
"Weisst du Ulfarr, diese Städter sind eigenartige Gesellen, früher einmal hieß ich sie Lämmer, Schafe die nur darauf warten von den Wölfen der Clans gerissen und verspeist zu werden. Doch immer wieder sehe ich in ihnen helle Funken reinen Mutes aufflammen. Sowohl bei denen aus Varuna, als auch bei denen aus Rahal oder Bajard. Dann hielt ich sie für Hunde... Köter hausten im Rahal meines Urteils und Schäferhunde in Varuna, die einen geifernd und bellend in Sicherheit, die anderen mutig und tatkräftig in jeder Gefahr... Endlich scheinen sie zu Männern geworden zu sein und erfüllen sich ihren Rachewunsch an Rahal.
Und trotzdem halten sie an Mitleid fest, noch immer ist ihre Jagd auf das Geschmeiss des Panthers nicht ausdauernd und hart genug... Aber was sage ich, wir selbst haben Frieden mit Eisenwart, wenn auch einen trügerischen.
Nein, was die Leute aus Varuna wirklich schwach macht, ist ihre Ablehnung des Zorns.
Sie fürchten den Zorn, fürchten ihn als Werkzeug Alatars. Sie nennen ihn den eiseskalten Hass und errichten Mauern und Wälle um ihr Herz damit er ausgesperrt bleibe. Doch der Zorn kommt nicht von aussen, er lebt im Herzen selbst. Deshalb ist was ich fürchte, nicht der Zorn mein kleiner Ulfarr.
Denn wenn sie Zorn und Hass kalt schimpfen, dann sind sie im Unrecht, nur die Liebe brennt heisser als der Zorn der Gerechten. Was ich fürchte ist die Kälte im Herzen... Diese Kälte findet man nicht in Varuna und zu unserem Glück ist sie auch in Rahal selten. Die Kälte zwischen den Menschen, die alle Gefühle, seien es Liebe oder Hass ersterben lässt, die Gleichgültigkeit für den Mitmenschen ist mir schlimmer als all der Hass Rahals und auch wenn sie sagen dass Alatars Werkzeug der Zorn ist... ich glaube das ist die Unwahrheit. Alatar macht die Menschen gleichgültig gegeneinander. Das ist schlimmer als Hass jemals sein könnte.
Thrail lehrt uns wir sollen jeden Moment unseres Lebens so intensiv wie möglich leben. Das ist die Richtige Einstellung.
Die Varunesen... sie sterben jedes Mal ein wenig wenn sie zornig werden oder es sie nach Rache verlangt und sie diesem Gefühl nicht nachgeben. Jedesmal töten sie ein kleines Stück von sich ab.
Und Rahal ist nicht besser, diese Köter scheinen richtig an ihrer Boshaftigkeit zu feilen und Wettbewerbe ab zu halten wer der Dunkelste und Gleichgültigste und der mit dem stärksten Hass ist. Ist das nicht verrückt? Sie wollen alle von Hass erfüllt sein, tuen aber furchtbar gleichgültig und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, damit sie immer als abgebrüht und siegessicher dastehen. Ob sie noch nicht verstanden haben dass Hass und Gleichgültigkeit zwei verschiedene Dinge sind?
Sie suhlen sich in ihren düsteren Leben und kennen die reine Freude am Nächsten nicht mehr. Sie lassen nicht zu dass ihr Herz erblüht und ein Wohlgefühl sich einstellt wenn sie anderen helfen.
Und so sterben die Reiche der Städter langsam einen Tod im Herzen... denn die einen begreifen nicht dass man auch den Zorn ausleben, geniessen, feiern kann und die anderen begreifen nicht dass es weniger darauf ankommt wie Andere einen wahrnehmen, sondern mehr darauf was das eigene Herz sagt.
Jeden Moment des Lebens so intensiv leben wie möglich. Jedes Gefühl bis zur Neige auskosten. Eine bunte Welt mit Gefühlen in hundert mal tausend Farben..."
Genüsslich zog der blonde Riese an seiner Pfeife und ließ den Rauch in die Flammen entweichen. Die grosse Hand voller Schwielen und Rauheiten strich liebevoll über das strohblonde Haar des Sohnemannes ohne diesen auf zu wecken.
"Das macht uns aus Ulfarr, genau das. Wir sind lebendig, jeden Moment unseres Lebens. Und wir fühlen Liebe, und Trauer und Zorn und Freude und Stolz soviel stärker als die Städter. In uns kocht eine Leidenschaft wie ich sie sonst nirgends fand, ein Bedürfniss unseren Gefühlen nach zu geben und ihnen Ausdruck zu verleihen. Sei es in bewegenden Balladen, in stolzen Festungen oder im gnadenlosen Krieg.
Ja, im Krieg. Varuna scheut sich vor solchen Worten, vor solchen Gedanken. Krieg. Gnadenlos. Zorn. Vernichtung. Vergeltung... sie scheuen diese Worte als würde ein Makel auf den blossen Lauten liegen. Wagen nicht sie zu denken, geschweige denn aus zu sprechen. Staub und Asche."
Ein leises Seuftzen entrinnt den brüchtigen Lippen.
"Aber ich rede schon wieder als würde ich sie schockieren wollen, mit Absicht auf ihren Unsinn hinweisen. Dabei sollte ich zu dir von all den schönen Dingen sprechen die uns ausmachen. Von unseren Augen, die die Welt in leuchtenderen Farben sehen als anderer Leute Augen. Das Schimmern des Sees, das Lichtspiel in den Blättern eines Baumes. Von unseren Ohren, die genauer hinhören als die spitzen Ohren der Elfen. Wir hören vielleicht nicht so _gut_ wie sie, aber ach, soviel _mehr_!
Was hört ein Städter und ein Elf anderes als das klingende Gluckern einer Quelle und das melodiöse Plätschern eines Baches, während unsere Ohren tiefer lauschen und wie angewurzelt der stolze Tiefländer stehen bleibt um dem gewaltigen Orchester des Wassers zu horchen. Wie sehen unsere zaubervollen Augen die Zeit dahinfliessen und den kleinen Bach ein tiefes Bett in die schroffen Felsen graben, was hören unsere Ohren den Gesang aller Vögel die einmal aus ihm trinken werden und jedes Plätschern dass er in Zukunft vergiesst.
Das ist der Zauber Thrails mein Sohn. Das ist der Zauber Thrails. Er hat uns die Augen und die Ohren geöffnet für die Welt da draussen und für die Welt hier drinnen. Er gab uns die Körper mächtigster Krieger und die Seelen grösster Dichter. Und wer sagt das sei gegensätzlich, der hat im Krieg nie die Nähe des Todes und durch diese das Leben selbst gespürt.
Wir sind das Volk Thrails.
Wir sind die Kriegerpoeten."