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Stimmen im Wind ... der Abschied.

Verfasst: Sonntag 17. Dezember 2006, 01:07
von Aradan Krenor
... hier standen sie nun, dem Feinde gegenüber. Der Plan durch die Minen in die Stadt einzudringen scheiterte. Sie schafften es zwar in die Mine einzudringen doch war, das Tor zur Stadt versiegelt und zu schwer bewacht, also haben sie sich den Haupttruppen angeschlossen und sind mit der Streitmacht in die Stadt eingefallen. Blut fliess in Strömen und besudelte sein Schwert, wie schon unzählige male zuvor. Kein Mitleid in der Schlacht, keine Trauer beim Stechen, keine Angst beim Morden, kein Grübeln beim Kämpfen. Er kämpfte wie es ihm die Kreuzzüge gelehrt hatten und so viel Mann um Mann seiner Klinge zum Opfer. Instinkt und Erfahrung leiteten ihn und seine Klinge die durch die Deckung von so manchen Rahaler Gardisten und mit Wucht in dessen Leib drang bis er sein Leben aushauchte oder schwer verletzt und schreiend gen Boden sank...
Doch die wahre Schlacht begann vor dem Ziel seines Truppes .. der schwarze Tempel. Hier her zogen sich die Truppen Rahals zurück und stemmten sich geballt den anrückenden Varunesen entgegen.
Klingen trafen aufeinander, Bolzen und Pfeile surrten durch die Luft und magische Geschosse färbten die Luft in bunten farben und Rüstung und Fleisch auf das sie trafen rußig schwarz. Es war ein erbitterter Kampf mit hohen Verlusten auf beiden Seiten aber mit den dazu stoßenden Verstärkungen des Einsatztruppes gewann man die Oberhand.
Er kämpfte mitten drin. Schreie von verwundeten und sterbenden erfüllten die Luft ... er hörte sie nicht ...
Schläge trafen auf Schild und Schwert, suchten Lücken in den geschmiedeten Panzern ... er spürte es nicht...
Verzerrte Gesichter, einige zeugten von Hass, andere von Schmerzen, wiederum andere von Verzweiflung ... er sah sie nicht ...
Für ihn gab es nur die Klinge und den nächsten Gegner, eins mit sich und der Fähigkeit des Kampfes duckte er sich gerade mit erhobenen Schild unter einigen Hieben hinweg die auf ihn einschlugen ... Sofort führte sein kräftiger Arm die Antwort aus .. die Blicke der ihm entgegenstehenden Männern hasserfüllt und furchtlos .. fanatisch wie der seine. Es waren gute Schwertkämpfer, in gut geschmiedeten Rüstungen und so wurde das Kampfspiel zu einer Frage der Konzentration und der Ausdauer. Mit lautem Krachen fuhr seine Klinge auf das Schild seines Gegners, welcher sein Schwert prompt auf sein Schild schlug. Ein Tritt zwang Aradan auf Abstand als ein Krieger in den Farben der Hinrah herantrat und den Gegner von der Seite bedrängte. Aradan, welcher noch immer auf den Stufen des dunklen Tempels kämpfte wollte dem Hinrahkrieger zur Hilfe eilen als seine Lunge plötzlich zu brennen anfing. Ein harter Schmerz tief in ihm, liess ihn husten und er fühlte wie sich warme Flüssigkeit seinen Mundwinkel herabkämpfte. Kurz verschwamm ihm die Sicht, alles schien undeutlich bis er mit einem Kopfschütteln die Benommenheit abwarf und den Krieger zur Hilfe eilte. Präzise waren seine Schläge sie drangen durch die Deckung, trafen den Krieger sogar, prallten jedoch an dem Panzer ab.
Er spürte wie der Schmerz im innern stärker wurde und ihm die Luft zum atmen abschnitt, die Schlacht um ihn herum jedoch tobte noch weiter. Es gab keine Zeit zum ruhen denn das Kampfgeschick stand auf dem Spiel, der Widerstand der Rahaler wurde langsam zermürbt, er durfte nun nicht nachlassen. Und so drang er zusammen mit seinen Kampfgefährten weiter vor, doch die Benommenheit kehrte zurück, liess die Geräusche dumpf und verzerrt klingen. Seine Lunge schien sich in ein Meer aus Feuer verwandelt zu haben und jeder Atemzug brannte bis tief in den Mundraum wie ein Drachenodem. Verschwommen nur sah er wie die letzten Rahaler den Klingen der Angreifer zum Opfer fiehlen. Undeutlich wie hinter schlechtem Glas sah er zum Tempel und seine Haut fröstelte. Die Wolken verzerrten sich seltsam und hüllten das Tal in dem er stand in Finsterniss. Dunkle Rotschwarze Schlieren waberten um das Gebäude, welches sie als Tempel des einen dunklen Gottes identifiziert hatten. Das Gift in seinen Adern trieb ihm die Halluzination der hässlichen Pantherfratze vor seine Augen welcher ihn und die Angreifer anfauchte. Wut in den Augen, brüllte er die Angreifer an die sein heiligstes schändeten. Der Ritter spürte nicht wie seine Mundhöhle keinen Speichel sondern nur noch fauligen Schaum beherbergte, der ihn keinen Atemzug mehr vollführen liess. Ein letztes mal wandte er sich um und sah zu Darna, welche auf ihr stolzes Ross sass bevor er auf den Treppen des Tempels zusammen sank ...

Ich höre deine Stimme in dem Wind
Ich schließe die Augen,
denn ich war blind
Ich falte die Hände, die Reise
beginnt


Die Welt, welche bis ebend noch nur aus Schreien, Schmerz und Leid bestand entrückte seinem Bewusstsein. Nur leise noch hörte er sie, wie ein unwirkliches Wispern. Der Schmerz in der Brust war noch da aber nur noch undeutlich ... der Stein der kalten Treppen des Alatartempels verzerrten sich seltsam begannen sich zu drehen und wichen schliesslich grünen Wiesen, üppigen Wäldern und einem frischen Wind der seinem Gesicht entgegenbliess.

Ich höre deine Stimme in dem Wind
Ich höre mich rufen, ich lache dabei
Ich sehe die Wolken, ich ziehe vorbei
Ich lache und weine in einem Zug
Das Fallen endet mit dem Flug


Stolze Zinnen eilten auf ihn hinzu. Seltsam vertraut schien ihm das fliegen, so natürlich wie das gehen. Leise nur drang das Flattern von Schwingen an seinem Ohr, doch es störte ihn nicht ... als währe es ebenso natürlich. Langsam drehte er einen großen Kreis über die schöne Stadt unter seinen Füssen die er mittlerweile erreicht hatte. Blickte mit Sanftmut und Liebe auf die Menschen hinab die so unendlich klein wirkten aus seiner Perspektive. Der Schrei eines stolzen Adlers erfüllte die Luft, schien auch ihn einzunehmen und den Kopf gen Süden wenden nur um kurz darauf in genau jene Richtung zu fliegen.

Ich höre deine Stimme in dem Wind
Ich schließe die Augen, denn ich war blind
Ich falte die Hände, die Reise beginnt
Ich höre deine Stimme in dem Wind
Ich gehe zu den Steinen, verlasse die Zeit
Ich sterbe im Winter, ich stehe dir bei


Erneut erklang der majestätische Schrei des Adlers als wollte er etwas ankündigen. Schliesslich schoss die Erde in schnellem Sturzfluge auf ihn zu bis er auf einen Mauersims halt machte und auf einen spielenden Jungen sah. Ein Kinderlachen schallte durch die Luft, als jener einigen Vögeln hinterher jagte und vergnügt versunken war. Beobachtet wurde er von einer wunderschönen Frau mit langen blonden Haaren die sich im Wind wiegten. Sein Blick traf kurz den ihren als würde sie seine Anwesenheit spüren und plötzlich fühlte er eine tiefe schwere in seiner freien Seele. Auch Trauer und Sehnsucht machte sich in jener breit als wollten sie etwas sagen doch schon erhob er sich wieder in die Lüfte, stetig begleitet von dem sanften Klang federner Schwingen...

Ich wachse im Regen, ich spüre den Wind
Ich spüre die Erde, ich halte dein Kind
Ich höre deine Stimme in der Nacht
Ich schließe die Augen, ich bin aufgewacht
Ich falte die Hände, die Reise beginnt
Ich höre deine Stimme in dem
Wind


Und wie er sich in die Luft erhob und dem Horizont entgegen eilte, verflog seine Trauer und liess ein befriedendes Gefühl von Freiheit und Geborgenheit zurück. Instinktiv spürte er das etwas endete und etwas neues begann und alles was er ebend noch zu verlieren glaubte, wieder sehen würde, er müsste nur warten ... dann würde man sich wieder sehen ... und mit einem Lächeln auf den Lippen flog er immer weiter in das helle warme Licht das ihn umhüllte und die Welt unter und hinter ihm verschwimmen liess, bis er ohne Schmerz heimgekehrt war ...

Verfasst: Dienstag 19. Dezember 2006, 20:42
von Darna von Hohenfels
Stille.

Verstummt alle Worte... es war völlig still in der Kirche des Klosters. Sie hatte ihren Körper zur Ruhe gemahnt, ihm alles Verlangen nach Bewegung, Nahrung, Trinken, selbst Schmerzen versagt - seit Stunden kniete sie nun neben dem Leichnam des aufgebahrten Ritters.
Sie verharrte neben ihm, ihr Schwert mit der Spitze auf dem Boden abgestützt. 'Lichte Schwester'... erneut gewann es eine eigensinnige doppelte Bedeutung, war Teil der Trägerin - Aradan war ihr stets wie ein Bruder gewesen.

Ihr Geist schwieg nicht.
Er zeigte ihr alles, alles nochmal. Die teils verblüfften Gesichter, als sie der Garde mitteilte:
"Der kommende Gefechtseinsatz wird keine Übung.
...
Wer also heute nicht kämpft, weil er nicht sah, wie sie uns eine ermordete Königin brachten, der kämpfe heute, weil er dem Reich dient, das von dieser Schreckenstat und vielen weiteren weiß und sagt, daß es genug ist!"

Se hatten gekämpft. Der Durchbruch durch die Mine gelang nicht, dafür erwies sich am Haupttor die Macht des Konventes, der Beschuß durch die Katapulte, wie geplant verstärkt durch ein eroberstes Katapult in Rahal, fast als erfolgreicher, als erwartet.
Sie hatte in ihrer Nervosität Schlimmeres befürchtet, war alle möglichen Schwierigkeiten durchgegangen, hatte sich auf einiges blind verlassen müssen... die Truppführer reagierten nahezu gänzlich, wie gewollt, oder sinnvoll eigenständig handelnd. Eine Prise Glück war dabei. Sie durchbrachen die Haupttore.

Erst vor dem Tempel des Brudermörders dann wurde sie selber in Kämpfe verstrickt, und Sandsturm gewann seine erste Schlachterfahrung. Der unerbittlich stets vom Pferd verlangte Gehorsam, über den Nyell in Bezug auf seine Reiterin schon leichte Scherze gemacht hatte, machte sich bezahlt, und vom Rücken des Tieres aus drang ihre Klinge auf die Gegner ein.
"Siebenfach ist dein Weg, Herrin", so hatte sie leise heute gebetet, bevor sie in Berchgard die letzten Übungen der Garde an den Katapulten beobachtete, "Ich bete, heute nicht fehl zu gehen und ihn weiter zu beschreiten, so wie ich mich jeden Tag redlich mühe.
An Leid werde ich heute Anteil tragen, und ich bete, daß es seinen rechten Platz auf der Waage finden möge und weniger schwer wiegen wird als das Leid, was ansonsten über Menschen hereinbräche.
Frevel, daß der Bruder nichts als Gewalt anerkennt, um seinem Tun Einhalt zu gebieten...
Herrin Temora, ich bitte dich: sei du mein Schild... und lasse mich dein Schwert sein."

Das Schwarz und Rot der rahaler Garde... sie kannte es gut. Heute kehrte die Ritterin zurück, ohne Luzcilla an der Seite, ohne unsichtbare Fesseln, die sie hielten. Die Salven der Kriegsschiffe schlugen in der Stadt ein, es regnete Felsen mit dem Durchmesser einer halben Mannslänge.
Sie sah seinen grünen Umhang, und gemeinsam bekamen ein paar der Alataranhänger ihre Klingen zu spüren. Vergessen die Panik aus Berchgard. Heute war sie keine kleine Knappin mehr, deren größte Sorge es war, ihren Ritter ja nicht aus den Augen zu verlieren... hatte Aradan damals genauso wenig auf sie achten können, genauso blind auf ihr Überleben vertrauen müssen wie sie nun auf Selissas?

Kleine Hand in meiner Hand,
die einander zärtlich fassen:
ich und du, nichts hat Bestand.
Einmal, ach! muß ich dich lassen,
kleine Hand aus meiner Hand.


Vor den Stufen des Tempels dann... kein roter Umhang. Kein Gardist. Nur schwarz.
"Selbst unser Heiligtum ist nun unter eurer Kontrolle. Genug Schmach habt ihr uns zugeführt! Was wollt Ihr noch?"
Gewonnen. "Die Verteidigung Rahals ist niedergerungen, Euer Hoheit. Wie geplant liegen wichtige strategische Ziele in Schutt und Asche, das mächtige Haupttor gefallen. Wir haben gesiegt, Hoheit." Sie sah den Kämpfer an. Er war mehr als ein Gardist. Etwas Unbeugsames in ihm traf in ihr auf Widerhall. Gegner, lautete eine innere Gewißheit, der Griff versicherte sich des Schwertes in ihrer Hand.
Dann... zwang ein Licht sich in ihre Aufmerksamkeit. Sie kannte dieses Leuchten. Aber was...?

Auf den von Trümmerstücken übersähten Treppenresten des dunklen Tempels lag... eine Hülle in goldener Rüstung und grünem Umhang. Eine leere Hülle. Es war so betäubende Gewißheit, daß einen Moment die Welt um sie herum versank.
"Ich sah... Trauer, dort in Rahal, Milady. Ich sah Euch trauern."
Quarius' Worte.
Aradans Tod.

Sie hatte es nicht wahr haben wollen, nicht wahr? Ihr gequältes "NEEEEEEIIIIIIIN" hallte weit - doch nicht gequält genug, in unermeßlichem Erbarmen einem Toten seine Seele wiederzugeben. Tod... wieviele Tote würde der heutige Tag in die Bücher der Geschichte schreiben? Hier lag einer zwischen vielen.
"Nein..."
"Mylady....Befehle?" - es sickerte irgendwie zu ihr durch. Cathals Stimme.
Da war... dieser Pantherdiener...
Ihre Augen verengten sich, sahen zu den Flammen des Tempels, der in Trümmer fiel. Sahen zu der einzelnen schwarzen Gestalt, deren Leben in ihren Händen lag. Streckte sie ihn jetzt eigenhändig nieder, wer würde es ihr je verdenken?
"Werft diesen götterverfluchten Sohn eines räudigen Katzenraubtiers mit ins Feuer, auf daß er die Hitze dieser Wut verspüre, die sie ja immer wieder ach so schön heraufbeschwören.... Wobei, nein - lasst MICH ihn werfen! Eigenhändig! SPÜRST DU DIE HITZE MEINES ZORNES, SPEICHELLECKER DES BRUDERMÖRDERS?! SPÜRST DU IHN?!"
Worte... Gedanken... Erinnerung...
"Ihr werdet dort eine Entscheidung treffen müssen, Milady. Eine wichtige."
Quarius' Worte.
Rayrraks Leben.
Sie trat vor ihn, suchte seinen Blick. Knapp, floskelhaft, tauschten sie die Namen. Er schimpfte sich Ritter. Vielleicht hatte er etwas davon. Er sah der Niederlage gefasst ins Auge, machte keine dummen Diskussionsspielchen, ließ sich nicht auf das Niveau sinnloser Verhöhnungen hinab. Ein Ritter wusste, wann er verloren hatte.

Und sie hatte ihren nächsten Kampf gerade zu bestehen. Sie hob leicht ihr Kinn, straffte ihre Haltung.
"Ihr nennt Euch Ritter des Brudermörders... es gibt keine Ritter auf seiner Seite. Doch wenn Ihr etwas von dem seid, was ich selbst in Euch erwarte, dann seid Ihr auf Euer Wort auf alles, was Euch heilig ist, unter folgender Bedingung freigelassen...
Verkündet jenen, die nicht einsehen wollen, daß der Dienst an Alatar nichts als Knechtung und Blut für ihre eigene Seite durch ihren eigenen Gott bringt, daß...
Daß dies die Quittung für Leid und Not im Reich, für das Massaker an den Mannen Berchgards und für den Mord an unserer Königin war. Übermittelt ihnen: Varuna ist NICHT wehrlos. NICHT dumm, NICHT blind... denn wir beobachten euch auch morgen noch." Grollend beendete sie ihre Worte:
"Ihr habt Erlaubnis, Euch zu entfernen und nach Verletzten Eurer Leute zu sehen."

Sie hörte, wie Quarius im Heilerzelt dem gleichen Unglauben Ausdruck verlieh wie sie. Reglos saß sie im Sattel und starrte das Zelt an, bis der Paladin herauskam.
"Ihr habt es gewusst, nicht wahr?" Im gleichen Moment, wie sie es an ihm vorbeigehend leise zu ihm flüsterte, wusste sie, daß es dieser immernoch - und wohl ewig - lauernde Zorn war, der sie zu vergiften trachtete. Von Lüge durchsetzt... Quarius hatte es nicht gewusst. Er hatte es gesehen, aber nicht gewusst - so wie sie ein Schwert immer wieder sah, ohne um seine genaue Gestalt zu wissen.
Doch es war egal jetzt.
Sie legte ihre Hand auf Aradans Rechte - die immernoch sein Schwert umklammert hielt. Er sah aus, als schliefe er nur friedlich. Als täte er das tatsächlich, sprach sie nur leise zu ihm:
"Ihr habt es gehofft, nicht wahr, Sir?" Sie entsann sich in erschrockener Ruhe an die Gespräche über all die Toten, die sein Weg begleitet hatte, und die zu oft gestellte Frage, warum diese und nicht er.
"Ihr habt es gehofft, und sie hat es gewusst, hat es Quarius wissen lassen..." Endlich siegten die Tränen und sie ließ ihren Kopf nach vorn auf ihre warme Hand auf seiner kalten sinken. "Heute hab ich alles gebraucht...", wisperte sie, "Alles, was Ihr mich gelehrt habt... Jeden Handschlag, jeden Befehl... Heute...", sie brach stockend ab.
"Wieviel... Wieviel ist ein Menschenleben wert?"


Wie sie im Kloster die Worte über die Lippen brachte, wusste sie hinterher nicht mehr. Es war auch so egal wie alles andere. Es war Teil von ihr, Teil ihres Kummers, Teil ihrer Hoffnung, Teil von Licht und Dunkel.
"Wir verabschieden einen Ritter des Reiches und einen Hauptmann der Garde. Wir verabschieden einen Vater, einen aufrechten Ehegatten, einen Bruder, einen... Freund, einen Lehrer..."
Fast widerwillig rannen erneut Tränen die Wangen hinab. "Wir ... verabschieden ein Leben, das... nicht ersetzt werden kann. Unendlich kostbar... wie alles Leben.
Er... hat mir nach den Jahren des Kreuzzuges, auf dem er war, erzählt, wieviel Leid er gesehen, wieviele liebgewonnene Menschen er zu Grabe getragen hat. Es lastete auf ihm..."
Leicht hob sie ihr Kinn.
"Und so hoffe ich, daß... selbst der Tod eines so kostbaren Menschen einen Sinn haben darf. Aufzeigen will... wo in Leid immernoch... Recht ruhen kann. Selbst, wenn es dunkel ist. Sei er Mahnung... im heutigen Sieg liegt Trauer. Und in der Trauer.... Hoffnung."
Sie sah zur Bahre, in das friedliche Gesicht ihres gestorbenen Bruders, ihre Worte schließend:
"Daß du in Frieden ruhen mögest, Sir."

Eine zeitlang war sie allein - Adrian hatte nichts anderes erwartet, als daß sie die Totenwache halten würde. Leises, zögerliches Summen hatte einzig die Stille gestört... warum erst Violas Nähe ihr die Kraft gab, Aradan behutsam leise wie an ein schlafendes Kind die Rabenballade mit auf den Weg zu geben, das Drängen des Liedes damit ebenso endlich zum Schweigen zu bringen, wusste sie ebenso nicht zu sagen.
Doch danach war endlich Stille - auch in ihren Gedanken.

Ihr Lehrer war tot.

Kleine Hand in meiner Hand,
kleiner Schritt bei meinem Schritt,
kleiner Fuß im weiten Land;
einmal geh ich nicht mehr mit.
Einmal gehst du ohne mich,
wie ein Traum mein Bild verblich.



(#Gedichtstrophen aus "Vater und Kind" von Friedrich Schnack)

Verfasst: Mittwoch 20. Dezember 2006, 01:05
von Darna von Hohenfels
"But I have promises to keep
and miles to go before I sleep..."


Das Schreiben an Asteve... Stocken. "Mirian", verbesserte sie sich in Gedanken müde. Sie hieß für Darna immernoch Asteve. Erinnerung... Es war der bitterste Brief gewesen, den sie je hatte schreiben müssen. Es gab keine Erklärung, keine Entschuldigung. Sicher nicht in den Augen einer Frau, der sie den Gemahl nicht zurückgeben konnte.
Erinnerung an die hell geschmückte Kirche, an das wundervolle Paar...

Nun war es die dunkle Farbe der Trauer, die für Aradan getragen wurde. Die Banner am Kastell zeigten schwarz. Sie trug schwarz. Teils wie betäubt ging sie Pflichten nach und setzte die ersten Schritte, die Trauer zu verarbeiten.
Hudgarr hatte angeboten, Aradans altem Pferd Silberwind auf dem kleinen Hof an seinem Haus das Gnadenbrot zu gewähren. Das treue Tier hatte es mehr als verdient, was es mit seinem Herrn durchlebt hatte, zeigten zig Narben in dem fahlen Fell überdeutlich.
Sie selber war seine Knappin gewesen, nun Ritterin - Teil seines Werkes. Sie wollte es... weitergeben. Irgendwie.

"Sir Krenor ist nun bei seinen Ahnen."
Ahnen. Müde hob sie den Blick, sah ihm in die Augen. Diese Art von "Glaube" hatte immer wieder und zunehmend vagen Argwohn in ihr geweckt. Es war die Lehre der Tiefländer, die ihre sterblichen Vorväter erhöhten, um nicht auf Götter hoffen zu müssen. Doch er hatte ein gutes Herz, war dem Grafen treu ergeben, er hatte sich um vieles verdient gemacht, hatte Ehre, Mut, Hilfsbereitschaft und Güte so oft bewiesen... und auf seinen Schultern ruhte zu größten Teilen die Macht der Garde samt der dazugehörigen Verantwortung.
Würde es richtig sein, was ihr Herz ihr riet, trotz verbleibender zaghafter Skepsis?
"Ich möchte Aradans Erbe weitergeben, Hudgarr. Und... ich weiß, Selissa wird es in dieser Form nicht tragen... Ersetzen wird ihn nie jemand können, egal wie."
Erinnerung. "Ich bin nicht Sir Hagen, Knappin - und werde es nie sein." Kurz schloß sie die Augen. Sie musste sich auch von Aradan lösen... zu seiner Zeit. Es schien ihr zur Stunde noch schwerer als bei Sir Hagen.
"Und doch... kann etwas zurückgegeben und weiter bewahrt werden. Weiter getragen in seinem Wirken. Und ich möchte fragen, ob ihr willens wäret, Teil dieses 'Erbes' mit mir anzunehmen - als Teil der Garde in der Ausbildung, die einem Knappen zusteht."

Hudgarr sah sie überrascht an - doch sie wusste, daß er sich danach sehnte, seiner Hoheit als Ritter zu dienen. War es recht, ihm in dieser Art diese Bürde aufzuladen?
"Wenn dies Euer Wille ist, möchte ich, daß Ihr vor die Heiligkeit tretet und vor dem Baum des Lichtes Euer Herz prüft - denn der Dienst eines Ritters ist der Dienst an seinem weltlichen Herrn, doch auch der Dienst an Temora."
War bei Selissa die größte Hürde die mangelnde Hoffähigkeit, so war dies bei Hudgarr zwar auch ein Manko, aber für schwerer erachtete sie seinen mangelnden Bezug zum Glauben.
"Bist du dir eigentlich sicher, noch einen zweiten Knappen 'großziehen' zu können?" Sie straffte leicht ihre Haltung. "Ja, bin ich. Hudgarr wird nicht nur Last, sondern auch Entlastung sein - wohl mehr noch, als bislang schon."

Ein Gefühl von Ruhe gab es ihr, daß in Hudgarr auch bereits die Lösung für ein weiteres Problem lag:
"Sein Pferd steht dort beim Kloster... Ich werde einen Hof suchen, wo ich für sein Gnadenbrot aufkommen kann... Silberwind hat auch genug mitgemacht."
"Ihr könnt es bei mir unterstellen. Ich habe einen recht großen Hof und drei Pferde - da ist er nicht alleine."
"Wäre dort denn noch Platz?", fragte sie vage hoffnungsvoll. Hudgarr nickte: "Sicher, und wenn Flo und ich zusammenziehen, vergrößern wir den Garten noch um das doppelte. Platz ist genug da, und Ihr könnt ihn immer besuchen kommen und uns natürlich auch."
Erleichtert lächelte sie. Eine Sorge weniger.

Umso größer das Entsetzen, als sie tags darauf zum Kloster zurückkehrte - und von Silberwind keine Spur. Sie wusste, er hätte sich nicht fortgerührt... würde er auf seinen Herrn warten. Doch hatte er bereits begriffen, daß Aradan seine Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen würde?
Sie suchte die ganze Umgebung ab. Nichts. "Ich hab nicht auf ihn aufgepasst. Früher mich jeden Tag um ihn gekümmert, und jetzt läuft er fort? Wie... wie soll ich das Aradan erklä..." Sie hielt in den Gedanken inne, bevor es ihr ganz den Verstand raubte. Er konnte noch nicht lange fort sein. Vielleicht hatte ihn jemand angefunden.
Doch die Göttin musste mit ihr sein, daß der entsetzliche Spuk wenige Stunden später schon sein Ende fand - ausgerechnet der Knecht des Dunkelhofes, von dem heute Getreide ans Schloß geliefert wurde, hatte ihn aufgefunden, und Herr Behl brachte Silberwind zurück.
"Passt gut auf das Tier auf, daß es Euch nicht wieder wegläuft."
Sie strich über den vernarbten Pferdehals, schüttelte rasch den Kopf.
"Nein... Sicher nicht..."

Fürchtete schon Herr Behl, die bleich gewordene Ritterin würde ihm gleich vor den Füßen umkippen, entlud sich der Schrecken erst, als Rafael sie bei den Ställen traf und besorgt nach ihrem Zustand fragte. Er selber trug noch den linken Arm seit dem Angriff in der Verbandsschlinge.
Inzwischen war er ihr eine der wenigen Schultern, an denen sie sich Tränen gestattete, und als er begriff, welches Pferd ihr solche Sorgen gemacht hatte, brauchte er selber einige Minuten, um sich zu fassen.

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"Es ist gut, Freunde hier zu wissen und ich bin dankbar darum, doch ich möchte... irgendwo fernab einfach nur meine Ruhe haben... nie hab ich mir so sehnlich gewünscht, einfach nur zu schlafen, Nyell."
Die Frau, deren Wege sich auf derartig seltsame Weise mit den ihren ein Stück verbunden hatten und zu der sie auf eigentümliche Art eine tiefe Freundschaft hegte, nickte verstehend, als sie sich im Kastellhof leise unterhielten.
"Ich vermute also richtig, wenn ich denke, Ihr habt seitdem noch kein Auge wirklich zugetan?"
"Doch... aber mich danach gefühlt, als wär dem nicht so gewesen."
"Ich habe so etwas geahnt." Die junge Frau mit den weizenblonden langen Haaren suchte an ihrem Gürtel und kramte ein kleines Fläschchen hervor.
"Wenn Ihr des Wartens nach Schlaf und etwas Ruhe müde seit, noch bevor Ihr Euch zurückziehen könnt von hier... ein paar Tropfen in den Tee des nachts sollten reichen. Gebt Acht das es nicht zuviel wird, leert
Ihr die ganze Flasche, schlaft Ihr vermutlich mehrere Tage." Leise fügte sie an: "Bis Ihr vollständig erholt seid ...und in Eurer momentanen Verfassung und dem, was Geschehen ist, wäre das eine sehr lange Zeit des Schlafes."
Darna sah auf die Phiole. Sie kannte diesen Trunk. Es war regelrecht verlockend.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Einen Tag später tief in der Nacht saß sie an den Briefen, die allen relevanten Personen von der Feuerbestattung Aradans am Ende der Woche künden sollten.
Neben ihr eine Tasse Tee... mit nur wenigen Tropfen des Schlafmittels.

"But I have promises to keep..."

Verfasst: Samstag 23. Dezember 2006, 16:42
von Darna von Hohenfels
Feuer und Feuer

Hoch hatten sie das Holz aufgeschichtet, trockenes Reisig darunter. Es sollte gut brennen. Der Wind strich über den Platz, Augenblicke der Stille, als der Richter einen Wink gab und sechs Männer mit Fackeln vortraten, die Flammen in den Scheiterhaufen hielten. Erst zögernd, dann sich rasch weiter ausbreitend, loderte das Feuer empor, verbrannte das Holz, verbrannte die Frau, die an den Pfahl in der Mitte gebunden war und Darna anstarrte, während sie brannte, ihretwegen brannte...

"Verbrennt die Hexe!", so klangen die Rufe der wütenden Bauern. Nur ein verschwundenes Pferd, und sie erlebte am eigenen Leib, was maßlose Angst an Vernichtungswut entfesseln konnte. Schlaflose Nächte, zusammengekauert, um der Ehre willen schweigend, um Leben zu bewahren - und aus eben diesem Grund ihr eigenes Leben gefährdend. Nächte, in denen sie auf einen Morgen wartete, an dem man sie packen und auf einen Scheiterhaufen binden würde, das Holz mit Gejohle anzünden... auf daß sie brenne.

Die Ritterin starrte auf das hoch aufgeschichtete Holz, das Reisig darunter - die Fackel in ihrer Hand begann zu zittern. Der Wind strich über den Platz, Augenblicke der Stille, als Lucenius an sie herantrat und mit seinem Flüstern einen Teil der Lähmung durchbrach, die sie befallen hatte:
"Erweist ihm diese Ehre, Lady von Elbenau ... es war sicher sein Wunsch."
Anzünden. Dieses Holz anzünden. Aradan lag darauf gebettet. Die Augen aller Anwesenden waren auf sie gerichtet, während sie mit kalkbleichem Gesicht die Fackel kaum zu halten vermochte.
Anzünden. Diesen Scheiterhaufen anzünden. Auf daß Aradan brenne. Aradan anzünden.
Die Gedanken rissen sie gleich einem gierigen Strudel in immer engerem Kreis in die Tiefe. "Erweist ihm diese Ehre." Es war nicht dieses Feuer. Elseratine war in den Flammen gestorben. Aradan war bereits tot. "Tu es. Du tust es für ihn." Als gehöre die Hand nicht zu ihr, senkte sie die Fackel in das Holz, mit der Sorgfalt allen unbewussten Handelns, das ihrem Wesen zu eigen war, setzte sie die Flammen tief in die Zweige, an zwei verschiedenen Stellen des Reisigs, bevor sie die Fackel losließ und auf den Stufen zurücktrat - eher einem Taumeln ähnlich.
"Fall hier nicht um. Bestattung. Tu deine Pflicht. Geh. Einen Schritt vor den anderen. Stehenbleiben. Er ist hinter dir. Dreh dich um. Dort ist..."

Brennendes Holz. Hoch aufgeschichtet brennendes Holz, das Knistern und Knacken war gleich, die Flammen waren gleich, der Leib, der zwischen ihnen ruhte und in Asche verging... ihr Ritter.
Etwas schob sich in ihr Blickfeld, ohne daß sie Lucenius wirklich registrierte, seine Worte zuordnen konnte - außer, daß sie die unbarmherzige Lähmung durchbrachen, die sie noch auf den Füßen hielt.
"Dank für Eure Worte, mögt Ihr Sire Krenor so in Erinnerungen halten wie er zu Lebzeiten war."
"Dort ist er und brennt!"
Als sie zwischen Adrian und Rafael still zusammensackte, fing Rafael sie auf.

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"Es wird Zeit brauchen...", hallte es durch ihre betäubten Gedanken. War sie wach? Das Feuer war fort. Hatte sie geträumt? Könnte sie nur schlafen.
"Nyell...", gab sie leise wimmernd von sich. "Ich muß hier fort. Hol mich, bitte - du hast es versprochen. Ich will hier weg."
"Wer ist Nyell?", fragte Adrian sie.
"Verrat sie nicht. Schweig." "Sie hat gesagt, sie kommt..."
Als sie vor das Haus traten, um zum Schloß zurückzukehren, erblickte Adrian zwei Frauen, von denen die jüngere sich nach Darna erkundigte - Nyell.
"Sie ist hier, wir wollen sie gerade ins Schloss bringen. Doch darf ch fragen, warum ihr gerade hier sucht?", fragte Rafael verwundert. Die Mimik des Grafen zeigte eine gehobene Augenbraue.
"Könnt ihr neuerdings hellsehen, Ritterin?"
"Verrat sie nicht."
"Dame von Elbenau erwähnte die Beerdigung an diesem Tage, der Rest der Suche war Glück, Intuition - sucht Euch etwas aus", antwortete Nyell mit warmem Lächeln.

Träumte sie? Adrian saß vor ihr, und sie fühlte sich so alt, als müsse sie bald sterben. "Hoheit?", murmelte sie leise.
"Ja, Ritterin?"
"Wenn ich tot bin... will ich nicht brennen... versprecht es mir...
kein Feuer..."

Verfasst: Sonntag 31. Dezember 2006, 05:44
von Darna von Hohenfels
Ich schätze, Vivianne wird wach gewesen sein - und wert schätze ich, daß sie mir also die gewünschte Ruhe gewährt, in diesen Stunden des Morgengrauens tatsächlich diesen Raum mit seinen Büchern aufzusuchen, Papier und Feder zur Hand zu nehmen. Und nun sitz ich hier und schaue zwei geschriebene Worte an.
Gestern Abend und eben schien es noch so seltsam leicht. Hat die Älteste der Hexen mich und Ryana auch erschreckt, indem sie erst versuchte, sich den Anstrich von Senilität zu geben, so hat ihre Erklärung doch Verschiedenstes wachgerufen. "Wie würdet ihr euch lieben Menschen vermitteln, daß ihr das Gefühl habt, daß Mutter euch zu sich ruft?" - so oder ähnlich ihre Worte.

Ja, die darauf folgenden Gedanken standen unter dem Schatten von Aradans Tod. Ja, es bricht mir jedesmal das Herz, wenn ihre Heiligkeit in aller Seelenruhe in ihre Planungen mit einschließt, daß es ihre letzte Tat sein könnte. Doch mit dem Befremden, daß ich auch darin nicht irre, hatte ich zu Vivianne sagen wollen: "Ihr sprecht vom Tod, doch einen Krieger sollte das nicht schrecken - jeder Tag kann für diese ihr letzter sein."
Es kann so leicht fallen, den eigenen Tod hinzunehmen und so schwer, den anderer zu ertragen... was tat ich Adrian also an, als ich ihn regelrecht beschwor, meinen toten Leib nicht den Flammen zu überantworten?
Erst tat es mir leid, inzwischen wieder nicht.

"Es sind nicht die Tugenden schlecht - nur das, was die Menschen daraus schlechtes machen." Mit diesen Worten, mit denen ich einst Adrenalon zu überzeugen suchte, fing es an. Heute ist diese Lehre an einen Punkt gelangt, an dem sich das Begreifen in größerer Art offenbaren will, daß nicht einmal an Dingen wie dem Tod etwas Schlechtes ist - nur daran, was die Menschen daraus machen. Es klingt so simpel, kommt auch nicht aus heiterem Himmel als plötzliche Erkenntnis... und ist doch vielleicht noch etwas mehr den Kinderschuhen entwachsen, zeigt sich als Schritt vom Verstehen zum Begreifen.
Ich schaue auf diese beiden Worte auf dem Papier... es sollen weitere hinzukommen. Für manche Dinge ist es manchmal zu spät - und für einige Dinge nie zu früh.


~~~~~~~~~~ Letzter Wille ~~~~~~~~~~

Gegeben am Tag der Jahreswende zwischen 249 und 250. Im Bewusstsein über die Bedeutung dieser Worte und ohne fremden Zwang, der meine Hand führen würde, möchte ich

Darna von Elbenau
*gut erkennbar prangt in dem Siegelwachs der Wappenabdruck ihres Ringes*

hiermit niederlegen, was ich von Hinterbliebenen und Freunden erbitte, so im natürlichen Lauf der Welt mein Ableben festgestellt sein muß. Seit Jahren nun in Diensten des Reiches stehend und damit fern der Heimat, erwarte ich wenig anderes, als daß meine Familie hiervon erst in Kenntnis gesetzt werden muß - so sei in die Ortschaft Elbenau der Grafschaft Schwertbergen Kunde zu bringen, zur dortigen Rittersfamilie derer von Elbenau. Soll es meinem Herrn Vater Allerich nicht mehr zugemutet sein, den Tod seiner Tochter beklagen zu müssen, so wird gewiß mein Bruder Veltin als Oberhaupt der Familie zu sehen sein.

An diesen gehe mein Siegelring, auf daß er nicht in falschen Händen Schande durch betrügerischen Ausweis auf unser Haus lade. Mein Wappenschild soll in Ehre seinen Platz neben denen meiner Vorfahren finden dürfen.
Meine Rüstung, welche mir durch das Reich verliehen, solle auch an das Reich zurückgehen. Gelte meine Treue und mein Dienst als die Treue und der Dienst derer von Elbenau. Seiner Hoheit jedoch möge gewahr bleiben, wie kostbar mir neben aller Pflicht die Freundschaft zu seiner Person war, und sollte es ihm nach irgendwas aus meinem Besitz verlangen, was hier nicht anderen Wunsch von mir fand, so verfüge er frei darüber.
An Adrenalon, zum heutigen Tage Leutnant der königlichen Garde, gelange das silberne Armkettchen zurück, was vormals seiner Frau Mutter gehörte - behalte er mich in liebender Erinnerung wie ich ihn, wenn uns anderes nicht mehr gegeben sei.
Möge der Tag so fern sein, daß es nicht mehr Sandsturm ist, welches mir als treues Reitpferd dient, doch welches Tier auch immer zuletzt in meinen Diensten stand, es sei Violas Obhut überantwortet zusammen mit der Hoffnung, sie möge mir den Gefallen tun und vielleicht doch noch reiten lernen, einfach um den ganz eigenen Zauber eines Rittes durch die Wälder zu erleben.

Was nicht von mir nahestehenden Personen als Andenken erbeten sei, sei wie folgt zu behandeln: Erkennbar hoher materieller oder persönlicher Wert gehe - sofern mit zu rechtfertigendem Aufwand transportabel - an meine Familie. Übriggebliebene Güter seien zu veräußern, auf daß der Ertrag zur Linderung von Not dem gerimorischen Kloster der Herrin Temora übergeben werden kann.

Einzig mein Schwert verbleibe so lange an meinem Grab, wie die Zeit es gebietet. Sei einer Ritterin die Hoffnung gewährt, es mögen sich vielleicht dereinst mit Temoras Willen würdige Hände finden, die der Existenz dieser Klinge weiteren Sinn verleihen. Vielleicht soll die Waffe, die in meinen Augen bereits ihren Namen fand, nicht ewig ruhen - ewig stehe sie jedoch in Diensten des Guten, alles andere sei zu ahnden.
Meine letzte Ruhe soll nicht in Feuer oder Wasser sein, sondern an einem Ort unter dem Segen der Herrin Temora, fern von den irrgeleiteten Freveln gebeinschändender Kultisten.

Gezeichnet und gesiegelt,
Darna von Elbenau
Ritterin seiner Hoheit
Oberst der königlichen Garde zu Varuna