Verregnete Tage
Verfasst: Samstag 9. Dezember 2006, 02:14
Drei Tage hatte es nun schon geregnet. Tick-tack tick-tack. Und kein Ende
war in Sicht. Mittags hatte es angefangen, erst nur ein warmer Schauer,
der gegen Abend deutlich kühler geworden war und dem ganzen Tal von
Ered Luin eine unwirtliche Atmosphäre verlieh. In der Nacht schließlich
hatte sich der Regen immer stärker entwickelt und Aethain wurde von
einem leichten Unbehagen befallen. Kam es doch selten vor, dass ein
Unwetter über dem Tal stehen blieb und soviel Regen herabregnete, wie
an diesem einen Tag. Meist war es so, dass der Regen erst an den
Abhängen des Gebirges begann, wo die kühle Waldluft alles Wasser zu
sich herab zog und dem Wald seinen unverwechselbaren Namen gab – der
Nebelwald.
Er saß auf der Kante seines Bettes, sah hinaus. Der Balkon des
Nachbarhauses, er war leer. Einsam stand es nahe des Bergrückens,
eingefasst von uralten Tannen. Er erinnerte sich zurück an die Zeit, als
das Haus noch bewohnt war – Liasanya’s Haus. Ein schwaches Lächeln
umspielte seine Lippen und er verfiel in Erinnerungen. Seine Füße wurden
kalt und er rieb sie gedankenverloren aneinander, ehe er es selbst
merkte. Sein Blick wanderte herab und wieder zum Haus gegenüber.
Seine Augen verengten sich und er fuhr sich mit der Zunge über die
Lippen. Dann stand er auf, ging zu seinem Kleiderschrank und nahm die
weiße Robe heraus, zog die Stiefel an und ging mit gemessenen Schritten
nach unten in die Bibliothek. Eigentlich glich sie eher einem kleinen
Museum, lagen doch auf Samt gebettet etliche wertvolle Funde aus den
Untiefen der Welt in gläsernen Vitrinen, wie das Herz eines Wyrm, aber
auch Stücke großer Handwerkskunst, wie eine Kettenrüstung und
Schmuck aus reinem Gold. Bloß an Büchern fehlte es. Nie in seinen über
360 Jahren hatte er die Zeit und Muße gefunden sich der Schriftstellerei zu
widmen. Der Kampf lag ihm allzu sehr im Blut, dem feurigen Gemüt eines
Drachens ähnlich, gemeinsam mit der Neugierde, für die sein Volk so
bekannt war und die er bis zu diesem Tag noch nicht verloren hatte. Er
schmunzelte leicht und öffnete behutsam seine Haustüre.
Draußen waltete noch immer das Unwetter und so beschrieb er eher aus
Gewohnheit einen weiten Kreis über seinem Haupt, von dem, einem
unsichtbaren Schirm gleich, aller Regen abperlte. Gegen die Pfützen half
dies freilich nichts, aber er nahm es als Spiel ihnen mit eleganten kleinen
Sprüngen auszuweichen. Er wollte zum neuen Haus Liasanya’s, wo sie
nunmehr zusammen mit der jungen Eleya wohnte. Viel zu selten hatten sie
sich gesehen, seit sie dieses als neues Heim gewählt hatte, aber er tat es
immer damit ab, dass sie sicher viel zu tuen hätte und bei weitem noch
genügend Zeit sei, um sie gemeinsam zu verbringen. Leichtfüßig huschte
er über die kleine Brücke vor dem Haus und stand gleich darauf vor der
Türe. Mit einem Lächeln auf den Lippen wollte er anklopfen, doch dann
bemerkte er, dass etwas fehlte – ihr Postkasten war verschwunden. Etwas
unsicher tastete er nach ihrem Seelenlied, suchte es erst im Hause, dann
im vorderen Tal, später hinten und schließlich in einem Anflug kindischer
Verzweiflung mit seiner sämtlichen Konzentration auch im Wald. Sie war
verschwunden die Melodie und so sehr er sich mühte, kein Nachklang war
mehr zu finden, nirgendwo.
Erst jetzt bemerkte er die Kälte um seine Schultern. Der Schirm, der ihn
vor Regen schützen sollte, war verschwunden und die Tropfen fielen
ungehindert auf Haar und Gewand.
Einen Tag später war auch seine Melodie aus Ered Luin verschwunden
und nur ein kleines, hölzernes Schild in seinem Haus sprach von der
langen Reise, auf die er sich begeben wollte.
war in Sicht. Mittags hatte es angefangen, erst nur ein warmer Schauer,
der gegen Abend deutlich kühler geworden war und dem ganzen Tal von
Ered Luin eine unwirtliche Atmosphäre verlieh. In der Nacht schließlich
hatte sich der Regen immer stärker entwickelt und Aethain wurde von
einem leichten Unbehagen befallen. Kam es doch selten vor, dass ein
Unwetter über dem Tal stehen blieb und soviel Regen herabregnete, wie
an diesem einen Tag. Meist war es so, dass der Regen erst an den
Abhängen des Gebirges begann, wo die kühle Waldluft alles Wasser zu
sich herab zog und dem Wald seinen unverwechselbaren Namen gab – der
Nebelwald.
Er saß auf der Kante seines Bettes, sah hinaus. Der Balkon des
Nachbarhauses, er war leer. Einsam stand es nahe des Bergrückens,
eingefasst von uralten Tannen. Er erinnerte sich zurück an die Zeit, als
das Haus noch bewohnt war – Liasanya’s Haus. Ein schwaches Lächeln
umspielte seine Lippen und er verfiel in Erinnerungen. Seine Füße wurden
kalt und er rieb sie gedankenverloren aneinander, ehe er es selbst
merkte. Sein Blick wanderte herab und wieder zum Haus gegenüber.
Seine Augen verengten sich und er fuhr sich mit der Zunge über die
Lippen. Dann stand er auf, ging zu seinem Kleiderschrank und nahm die
weiße Robe heraus, zog die Stiefel an und ging mit gemessenen Schritten
nach unten in die Bibliothek. Eigentlich glich sie eher einem kleinen
Museum, lagen doch auf Samt gebettet etliche wertvolle Funde aus den
Untiefen der Welt in gläsernen Vitrinen, wie das Herz eines Wyrm, aber
auch Stücke großer Handwerkskunst, wie eine Kettenrüstung und
Schmuck aus reinem Gold. Bloß an Büchern fehlte es. Nie in seinen über
360 Jahren hatte er die Zeit und Muße gefunden sich der Schriftstellerei zu
widmen. Der Kampf lag ihm allzu sehr im Blut, dem feurigen Gemüt eines
Drachens ähnlich, gemeinsam mit der Neugierde, für die sein Volk so
bekannt war und die er bis zu diesem Tag noch nicht verloren hatte. Er
schmunzelte leicht und öffnete behutsam seine Haustüre.
Draußen waltete noch immer das Unwetter und so beschrieb er eher aus
Gewohnheit einen weiten Kreis über seinem Haupt, von dem, einem
unsichtbaren Schirm gleich, aller Regen abperlte. Gegen die Pfützen half
dies freilich nichts, aber er nahm es als Spiel ihnen mit eleganten kleinen
Sprüngen auszuweichen. Er wollte zum neuen Haus Liasanya’s, wo sie
nunmehr zusammen mit der jungen Eleya wohnte. Viel zu selten hatten sie
sich gesehen, seit sie dieses als neues Heim gewählt hatte, aber er tat es
immer damit ab, dass sie sicher viel zu tuen hätte und bei weitem noch
genügend Zeit sei, um sie gemeinsam zu verbringen. Leichtfüßig huschte
er über die kleine Brücke vor dem Haus und stand gleich darauf vor der
Türe. Mit einem Lächeln auf den Lippen wollte er anklopfen, doch dann
bemerkte er, dass etwas fehlte – ihr Postkasten war verschwunden. Etwas
unsicher tastete er nach ihrem Seelenlied, suchte es erst im Hause, dann
im vorderen Tal, später hinten und schließlich in einem Anflug kindischer
Verzweiflung mit seiner sämtlichen Konzentration auch im Wald. Sie war
verschwunden die Melodie und so sehr er sich mühte, kein Nachklang war
mehr zu finden, nirgendwo.
Erst jetzt bemerkte er die Kälte um seine Schultern. Der Schirm, der ihn
vor Regen schützen sollte, war verschwunden und die Tropfen fielen
ungehindert auf Haar und Gewand.
Einen Tag später war auch seine Melodie aus Ered Luin verschwunden
und nur ein kleines, hölzernes Schild in seinem Haus sprach von der
langen Reise, auf die er sich begeben wollte.