Seite 1 von 1

Gemeinsame Schritte über die "Grenzen"-Erziqueste

Verfasst: Dienstag 28. November 2006, 01:28
von Una Llastobhar
Noch immer flammten vor ihrem inneren Auge die Lichtspielereien der sich verbindenden, gekreuzten Stäbe - wie flüssige Sonnenstrahlen, welche einem Lavaschwall gleich über die "Rohlinge" huschten und ihre runenartigen Markierungen darauf hinterließen.
Noch immer hallten Calors Worte in ihren Ohren nach, erzählten von Phanodain und Giswulf, von der wahren Symbolik des Stabes... des Szepters eines Magiers.
Noch immer zauberte der Anblick der ergriffenen Schüler, vom besonnenen Meredorn über eine nervöse Norua bis hin zu ihrem so wertgeschätzten Vetter Leith, ein beständiges Lächeln auf die bleichen Mädchenlippen und erfüllte sie selbst mit aberwitzigerweise mütterlichem Stolz.

Noch immer war der Zauber da und hob sie in recht glückselige Schwebespähren, da bereiteten Calors Worte ihrem Höhenflug ein jähes Ende und holten sie zügig wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Wenige Augenblicke später stolperte sie hinter Feoras die schlüpfrigen Treppen zum Ritualkeller herab und versuchte noch völlig wirr die frisch erlangten Informationen zu sortieren oder gar zu verarbeiten.
Robin... Rodwin...wie-auch-immer... ein junger Mann, der in Not war und Angst hatte verfolgt zu werden, befand sich derzeit im Pentagrammraum und benötigte angeblich ihrer beider Hilfe. Wie hatte es der Arcomagus von Gryffenhorst ausgedrückt? "Ein Problem, welches in genau in euer Fachgebiet fällt- in euer beider Fachgebiete!" Schon spürte sie ihren alten Begleiter, die stetige Unsicherheit, welche langsam das Rückenmark entlangkroch um von dort aus in den restlichen Körper auszustrahlen. Was hatte die Elementarmagie, konkreter gar die Magie der Luft, des Windes und des Sturmes mit ihren Beschwörungen, all den Abhandlungen über Dämonologie und Kreaturenkontrolle gemeinsam? Rein gar nichts! Wenn Feoras nun die Illusionsmagie studiert hätte, nun dann... aber so?!

Immerhin bestand noch die Hoffnung, dass der ärmste Jüngling, kaum mehr als ein völlig verängstigter Knabe, welcher im hintersten Eck des Kellerraumes kauerte und dennoch das Kunstück vollbrachte einen beachtlichen Satz zu machen, als sie eintraten, ihre Verwirrung aufklären konnte.
Pustekuchen! Zuallererst sah es gar so aus, als benötige der junge Mann eher ihre Hilfe beim Entknoten der eigenen Gedanken, denn die Worte plätscherten zwar, jedoch war das Ergebnis nicht einmal annähernd von klaren Strukturen geprägt. Es dauerte seine Zeit, ein wertvolles Gut, welches im Grunde wie feiner Sand zwischen den Händen der Magister und des verzweifelten Schützlings hindurchsickerte, bis man aus Wortfetzen wie "Windrose", "Havelsberg", "toter Meister", "Vogelwesen", "zerbrochen" und "nun frei" einem Puzzlespiel gleich ein fertiges Bild zusammenlegen konnte und sobald die Gesamtbotschaft hierzu ins Auge sprang, wünschte die junge Maga schon, sie hätten sich nicht damit befasst.

Die Windrune des Westens, ein Teil jenes Artefakts namens Windrose, welches wohl auf der Spitze des Havelsberges oder dergleichen zu finden war, musste dem Jungen zu Bruch gegangen sein und mit jenem Missgeschick wurde ein entsetzlicher "Stein" ins Rollen gebracht. Das Artefakt diente wohl als eine Art Siegel, welches einen "Dämon des Windes" in seinem Gefängnis aus Stein hielt. Jener dunkle Geselle schmeckte nun den süßen Hauch der Freiheit, hatte seine enorme, magische Kraft ausgestreckt um die Winde und deren Vasallen, wie Vögel und anderes Schwingengetier, zu verwirren und zu verdrehen und um den Meister des jungen Rodwin zu erschlagen.

Wieder merkte Una wie ihre Stimme zwar kalt und ruhig beherrscht klang, jedoch alles im kleinen Körper zitterte und bebte. Kein klarer Gedanke konnte gefasst werden und so schlang sie sich nicht nur geistig, sondern fast schon körperlich, wie ein wahres Kind, an ihren stetigen Anker, den geistesschnellen und dennoch ruhigen Windmagier, welcher nicht nur binnen weniger Augenblicke exakt das richtige Buch zum Thema "Windrunen" aus den Untiefen der Artefakte im dunkelsten, geheimen Keller der Akademie gezogen, sondern kurz darauf mit enormer Anstrengung und Kombinationsgabe eine Rune geschaffen hatte. Es war auch sein sanfter, aufmunternder Blick, welcher mit schier unwirklichem Vertrauen in sie kurz danach auf ihr lag und seine beruhigende Stimme, welche ihr Beistand boten, als sie plötzlich mit der ersten Aufgabe des verqueren Abends alleine dastand:

Ein Portal öffnen?!
Nie zuvor hatte sie es gewagt und nur vage Theorien des ehemaligen Mentors Malchir K'lashar summten im Hinterkopf und gaben ein unbefriedigend-unscharfes Bild ab. Dennoch begann sie im Lied zu forschen, geleitet von Feoras, auf "den bösen Wind" zu achten, welchen Rodwin ihr stammelnd beschrieb. Sie spürte, folgte, knüpfte, webte... und öffnete den Spalt zwischen Raum und Zeit.

Auf der anderen Seite waren sie alleine... ohne Rodwin, welcher beinahe erleichtert in sich zusammengesackt war, als Feoras ihm regelrecht verbieten musste mitzugehen. Alleine mit der Kälte, den schrillen Schreien der wilgewordenen, vom Wahnsinn zerfressenen Adler, Falken und sonstigen Kreaturen der Lüfte, allein mit einem steilen Bergpass, schneidendem Wind und... dem Ziel:
Unmittelbar hinter der grausig zerschmetterten Leiche eines alten Mannes, noch im eigenen Blut badend, thronte die "Windrose" der vier Runen, doch nur drei lagen auf dem angestammten Platz in antiken, mystisch-glimmenden Schalen, das "Bett" der Vierten war leer und jener freie Platz war Grund für das Grauen, welches noch immer unablässig daran arbeitete sich aus dem steinernen Gefängnis zu befreien.

Es war nicht sein Anblick, als vielmehr die schier unerträgliche Machtprojektion des Dämons im Lied, welche den Verstand der jungen Maga kurz zu erschlagen drohte. Die Umgebung wurde kurz schwammig-grau und die Knie weich und wackelig wie hilflose Quallen am Sandstrand. Feoras' kühne Worte, welche er dem höhnenden Dämon entgegenwarf, bekam sie nur noch am Rande des Geistes mit, so beschäftigt war sie mit dem Akt der eigenen Angstbekämpfung. Doch wie ein tapferer, kleiner, bodenständiger Halm trotzte er, ihr Windling dem Sturmgetöse und kämpfte sich näher an das Unwesen. Die plötzlich nicht nur keimende, sondern explodierende Sorge um ihn riss sie aus der Letargie und so fanden seine Worte Gehör...

"Una! Das Buuuuch...das Buuuuch... schneeell!"

Natürlich! Das Buch über den Westwind, mit dessen Hilfe er die Rune hergestellt hatte. Irgendwo musste etwas darin zu finden sein! Wieder überschlugen sich die Ereignisse. Sie hörte sich zusammenhangslose, wirre Textfragmente brabbeln und vorlesen, während sie noch immer mit eiskalten, tauben Händen im Folianten blätterte, erntete dafür nur die Belustigung des Dämons, welcher sie wie einen Spielball zurückwarf und scherzte. Es geschah in diesem Moment, als die Übermut oder die Unvernunft samt Unvorsicht das Höllenwesen packte und er etwas zu rasch dröhnte:

"Ich bin doch kein lächerlicher Windling und lasse mich einsperren! Du hast keine Macht über AERISTYEROTH!"

PLOCK! Damit waren die Würfel gefallen, das Blatt hatte sich gewendet und der Aufwind beide Magier erfasst!
Bannen! Du hast seinen wahren Namen! Du kannst ihn bannen... erst vor wenigen Tagen hatte sie ein ähnliches Procedere mit Viola abgehalten und damals waren sie siegreich aus jener Schlacht im Lied Eluives davongekommen. Warum nicht auch jetzt?
Beide, Dämon und Mädchen arbeiteten nun gegen die Zeit und suchten ihre eigenen Wege in den verwobenen Klanggebilden und Melodien. Das helle, sanfte Klingeln schwoll an, wurde zum Crescendo und als sie ihn gefunden hatte, da war es wieder ihre bessere Hälfte, welche den wagemutigen und entscheidenden Schritt machte.

"Feoras, die Rune... jeeeetzt..."
Behende, tapfer und furchtlos hastete der junge Windmagier auf das Unwesen und die antiken Schalen der Windrose zu, die Rune fest umklammert, während sie versuchte im Lied zu ringen. Als er die Hand ausstrecke um unter den Augen des Dämonen die Rune kess wieder auf den rechten, angestammten Fleck zu platzieren, da hörte sie sich ein letztes Mal, wie aus der Ferne, mit strenger, herrischer Stimme sprechen:

"Im Namen der Lichten und Wahren, gefestigt und getragen von den Elementen, welche nicht nur dir Gehör schenken.... mit all den uns gegeben Kräften und dem Wissen, das Phanodain uns nutzen lehrt _bannen_ wir dich erneut... AERISTYEROTH!..."

Dann versagten die Beine ihren Dienst zu tun und der Boden kam näher...


Stille.
Gesegnete Stille, der Wind, welcher mich nun umgibt ist sanft-streichelnd und tröstend. Wind... in nächster Nähe eine etwas zusammengekauerte Gestalt, ganz im strahlenden, weißen Konventsgewand. Der Lufthauch treibt sein freches Spiel mit dem dunklen Haar und ich spüre die Wehmut, welche in meiner Brust pocht und mich seinen Namen rufen lässt.
Als arbeite die Zeit hier und jetzt anders, dreht er sich unendlich langsam um, erblickt mich und lächelt... diese kleine Geste reisst mich vom Boden hoch, lässt mich rennen... ihm entgegen, in seine Arme... geschafft, gemeinsam geschafft und alles hat sich verändert!"


Das war... ich weiss nicht. Eigentlich müsste man sagen 'erschreckend', aber 'überwltigend' trifft es ebenso. Nun, ich hoffe, du magst den Wind, denn spätestens jetzt ist das, was ich dem Wesen sagte, durchaus richtig... ich bin Wind...
Sicher... Wind... solang du dich nicht aus den Staub machst und in der Luft verschwindest, darfst du Wind sein so viel zu magst... und für mich... bist und bleibst du mein Feoras, den ich liebe...

[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/Erzis.JPG[/img]

Verfasst: Donnerstag 30. November 2006, 00:13
von Feoras de Jagotin
"Zuhause..." stellt sie fest, als sie an jenem Abend, nach den Ereignissen, das Konventsgebäude betraten. Und das war eine Gedankenübertragung der passiven Art, denn er wollte genau das gleiche anmerken - "Zuhause..."

Noch lange dachte er über das nach, was passierte, und noch oft wird er in Zukunft darüber nachdenken. Zu einem Fazit zu kommen scheint jedoch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, zuviel Bedeutung muss dem beigemessen werden, was geschah, und genau deswegen muss noch oft nachgedacht werden.
Sicher, es stand für ihn völlig außer Frage, ob die erste Stabweihe des Konvents, geleitet von seinem alten Lehrmeister und guten Freund Calor von Gryffenhorst, herausragend war: Natürlich war sie es.
Es war in gewisser Weise ergreifend zu beobachten, wie die erfolgreichen Prüflinge, einer nach dem anderen, ihrem Stab dabei zusahen, wie er von einem Meer aus unwirklich leuchtenden Runen überzogen wurde. Ebenso zielten die weise gewählten Worte des Prior Princeps auf Herz und Verstand, wieder einmal traf seine feinsinnige Rede, einem Florett gleich, genau dorthin, wo er es beabsichtigte. Doch irgendwie wurde das alles nebensächlich, wenn er zur Seite blickte und regelrecht spürte, wie ergriffen, glücklich und begeistert Una, seine Una, war.

Doch haben solche Anlässe oft die Angewohnheit, jäh zu enden. Ob man nun in diesem Fall davon spreche möchte, kann ein jeder nur für sich persönlich entscheiden. Feoras war zumindest anfangs geneigt, dies zu tun, ist jedoch der unumstößlichen Ansicht, dass es unangebracht wäre.
Der stotternde Knabe, zusammengekauert in der Ecke des Beschwörungskellers, hatte viel zu offenbaren; weit mehr, als man erahnen konnte und wollte. Es brauchte viele beruhigende Worte und einiges an Zeit - fast zuviel Zeit, wie sich später herausstellt - um zumindest eine Hand voll Informationen zu bekommen.

"Windrose" ... "Westwind" ... "Winddämon" ... "Rune" ... "Tirell"

Irgendwann war das Kunststück vollbracht, die Fragmente zusammengesetzt. Der Meister des Knaben hütete irgendein Artefakt, bestehend aus vier Runen, doch eine zerbrach. Und während jener Meister im Kampf gegen das Unwesen, welches sich nun seinen Weg in die Wirklichkeit kämpfte, dem Tode geweiht war, suchte der Knabe Hilfe in Tirell - oder er versuchte es zumindest, doch stellte sich schnell heraus, dass eine von Feuergeistern heimgesuchte Ruine wenig informativ ist. Und so kam er zum Konvent, mit einem Funken Hoffnung... und einer schweren Bürde für Feoras und Una.
Der junge Windmagier kennt sich in dem Artefaktkeller nur zu gut aus, viel Zeit verbrachte hier schon, irgendwelche Dinge und Bücher studierend. Fast alles, was hier lag, war so wichtig, gefährlich oder geheimnisvoll, dass es an einem der (oder dem?) best geschützten und sichersten Orte ganz Gerimors lag - deswegen ließ man auch die Finger von dem, was man nicht kannte, und Schüler erst gar nicht herein. Doch war der passende Foliant rasch gefunden und damit auch eine Hilfe bei der Frage nach der Rune. Deren Rohling zumindest war schnell erstellt, der Gedankensprung, aus der alten Asche Tirells einen solchen zu formen, schnell vollbracht.

Tatsächlich schaffte er es, die Rune mit der Magie zu "füllen", welche sie brauchte - es war ein Schauspiel, das seines Gleichen suchte, soviel stand fest. Die hell glimmenden Kreidestriche des Pentagramms; leuchtende Funken, Glühwürmchen gleich, sprangen umher und brachten die Luft zum knistern und sich irgendwo im Nichts zu verlieren scheinende Linien zierten den Boden, wo er mit seinem Zauberstab entlanggefahren war - eine Spirale, ein "W", mehr waren es nicht, doch sie sollten genügen, um den Luftikus das erste mal an diesem Abend über sich herauswachsen zu lassen. Und ebenso wuchs Una über sich heraus, als sie den Weg beschritt, welchen er ihr wies - ein Portal erschien und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Letztlich konnten sie den Winddämon bezwingen, bevor er sich aus seinem Gefängnis befreien konnte - letztlich konnten sie also erneut über sich selbst hinauswachsen. Auch wenn der fade Beigeschmack bleibt, dass er sich durch die Nennung seines Namens versehentlich selbst richtete, steht doch fest, dass die beiden großes leisteten. Eine Una, die - neben dem Einsatz all ihren magischen Künsten - auf jener Bergspitze vor allem es schaffte, ihre eigenen Ängste zu überwinden. Und ein Feoras, der seiner Una zur Seite stand und ihr die Möglichkeit gab, ihr Wirken zu entfalten - denn wenn der Dämon auf eines allergisch reagierte, dann auf den reinen Wind, den er sonst selbst pervertiert.
Das traf sich außerordentlich gut, denn eine Erkenntnis ereilte Feoras dort oben, auf dem Berg: "Ich BIN Wind!"


Stille.
Gesegnete Stille, der Wind, welcher mich nun umgibt ist sanft-streichelnd und tröstend. Wind... in nächster Nähe eine etwas zusammengekauerte Gestalt, ganz im strahlenden, weißen Konventsgewand. Der Lufthauch treibt sein freches Spiel mit dem weißen Haar und ich spüre die Wehmut, welche in meiner Brust pocht und mich ihren Namen rufen lässt.
Als arbeite die Zeit hier und jetzt anders, dreht sie sich unendlich langsam um, erblickt mich und lächelt... diese kleine Geste reisst mich vom Boden hoch, lässt mich rennen... ihr entgegen, in ihre Arme... geschafft, gemeinsam geschafft und alles hat sich verändert!"



[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/Erzi1.JPG[/img]